DTs. Sonnabend. (5. März 2005).



Tagesplanung.

4.45:

ARGO.

8 Uhr:

Frühstück mit dem Kleinen.

8.45 Uhr:

ARGO.
DIE DSCHUNGE.

11 Uhr:

Kinderzeit.

13.30 Uhr:

(Adrians Mittagszeit.)
Dritter Scan-Text.
MF.

15 Uhr:

Kinderzeit.

20 Uhr 22 Uhr:

Mit U. und G. und dem Kleinen bei Nicholas Isherwood im Konzert.






NACHTRAG, nach 21.30 Uhr:

Eiseskälte Dunkelheit Schnee. Vor dem Haus der Berliner Festspiele hinterm kleinen Nachtpark an der Spichernstraße. Daß Isherwood uns aus Paris Steuerkarten geordert hat, ist bei der insgesamt ziemlich überforderten Kassen-Dame nicht angekommen; ich rede auf sie ein, bis sie genervt welche herausgibt. Als ich meines Jungen wegen frage, ob auch er schon zahle, giftet sie: “Das ist aber kein Kinderkonzert.” Ich gifte, schärfer, zurück: “Das zu entscheiden, überlassen Sie doch besser m i r.” Dann noch, während wir auf die Freunde warten, Spielen draußen vor dem gläsernen Festspielhaus-Eingang; ein frierender Brezelverkäufer steht dabei. Adrian hüpft durch den Schnee, bewirft mich, ist völlig ausgelassen im Geglitzer, in der nachtschwarzen Kälte. Später, im Konzert, lacht er als e r s t e r bei Isherwoods clownesk-virtuoser Stimmakrobatik, einmal klingt sein Kinderlachen wie leitend durch den Raum; eine kleine Woge erwachsenen Lachens folgt. Das Konzert begann aus Gründen unprofessioneller Organisation, an der “meine” Kassiererin ihren schlechten Anteil hatte, eine halbe Stunde später, also erst gegen 22.30 Uhr, so daß Adrian gegen 23.15 Uhr in meinen Armen und mitten in David Moss’ Performance einschläft. Aber er applaudiert aus dem Schlafen heraus, sowie applaudiert w i r d, tatsächlich mit. So dringt, denke ich, Kunst in seinen Schlaf. Gut so, denke ich. Keine Fernsehgeräusche im Schlafhintergrund, sondern Stimme, Klang, Gestaltung. Kurzer Dialog nachher noch mit Isherwood hinter der Bühne (der träumende Kleine hängt mir über der Schulter) , dann bringen U. und G. das schlafende Bündel und mich im Wagen nach Hause. Der Junge kann kaum auf dem Bordstein stehen, als ich ihn aus dem Auto hole. “Ich muß keine Zähne mehr putzen, Papa?” Ich entkleide ihn auf dem Bett, auf das ich ihn die Leiter hoch auf über meine linke Schulter wie geworfen trug, er schläft fast sofort wieder ein. “Das war schön, Papa, das war richtig witzig.” Ein weiterer Versuch, ihn mit neuer Musik in Kontakt zu bringen. Nicht nur zufriedenstellend, sondern wunderbar. Er hat noch ganz offene Ohren.



Arbeitsfortschritt:
ARGO, bis TS roh 213.

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.