Mittwoch, der 16. November 2005.

4.43 Uhr:
Alte Klamotten: leggins, zwei dicke Pullover; latte macchiato;; ohne jedes Problem um halb fünf hochgekommen. Sofort an die ÜA von ARGO III, etwa bis neun durcharbeiten, dann sichten und ans Andere gehen. Für heute abend hat sich P. angemeldet, die mit und bei mir Muscheln essen möchte; die Idee, zu mir in die Arbeitswohnung zu kommen, stammt von ihr. Das sei aber gefährlich, antwortete ich, woraufhin sie: „Was ist schöner als ein wenig Gefahr?“ Allerdings setzte sie dazu: „Ich muß mich doch nicht wirklich vor Ihnen fürchten?“
Gut, also Muscheln besorgen, Sahne, ein sehr gutes Curry beim Inder; Chapata werd ich a u c h selber machen. Dazu Wein für V., das alkoholfreie Bier für mich. Ich könnte zur Begrüßung einen Chai kochen. Mal sehen.
Es wird umständlich nur mit dem Tisch, weil ich hier ja nur ein provisorisches Tischchen habe, über das längs eine Tür gelegt ist, auf der sich wiederum Mengen Manuskripte und Bücher stapeln. Das muß dann alles auf den Boden. Und ich hab nicht geheizt, weil ich kein Geld für Kohlen habe, aber es mir sowie ohne Ofen reicht. Bin schon einmal, da aber hatte es ‚sportliche’ Gründe, ohne zu heizen durch einen ganzen Winter gekommen. Schwierig war das dann nur bei Frauenbesuch. Na, mal sehen. Pullover sind genug da, Decken eh.

Ursulas Satz, ich k ö n n e bei meiner Lebens-, Kunst- und Kampfkonstitution niemanden glücklich machen, die auch bei ihrem Partner Harmonie und häusliche Ruhe und einen inneren Frieden suche, geht mir sehr nach. Ich spüre so etwas wie Abschied in mir. Dieser Satz ist von einer solchen Klarheit, daß er beinahe schön ist.

Den Abend gestern mit einem gleichermaßen sinnlichen wie auch die Gefühle berührenden ChatFlirt verbracht. Ich beobachte mich. Ich öffne mich wieder. C. trägt einen berühmten Vornamen im Chat: einen fast amazonalen. NACHTRAG 191105: Ich hab sie deshalb nun Prothoe genannt. Und ist – ich sah Bilder – von berückender Schönheit.

ARGO.

7.52 Uhr:
Zäh zäh zäh, diese Umformuliererei. Dabei sind die Szenen an sich g u t. Parallel dreht in mir >>>> ein Assoziationsrad aus moralischen Fragen um die Achse der künstlerischen Persönlichkeit. Ich hab den Eindruck, mit dem Verhältnis von öffentlicht zu privat auf einer ganz konkreten, vielleicht sogar neuen characterphänomenologischen Fährte zu sein. Wieso wird jemand Künstler? Was geht da in einem vor? Es gibt wohl einen Zusammenhang mit der Dynamik, die eine imaginierte und im Kunstwerk angesprochene Öffentlichkeit an die Stelle der Eltern(‚Mutter’)Imago setzt. (Klar wird auch: der Künstler-als-Character ist nicht unbedingt deckungsgleich mit jedem Menschen, der künstlerisch tätig ist; e r ist es aber in jedem Fall.)
Mir im Rücken klatscht der Regen gegen die Scheiben, klatscht und prasselt; bisweilen fegt ein Bö eine ganze Schütte gegen das Glas. Manchmal wildes nervöses Getrappel von Jonathan und Felix, die ich wie abends so auch morgens immer ein paar Stunden frei herumrennen lasse. Irgendwas raspelt, irgenwas nagen sie an. Aber die Kabel der Anlage und der Computer hab ich im Blick.
Wenn das so weitergießt, wird das heute mit meinem eigenen Laufen n i c h t s.

Abends.

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