Kommentare. In New York, Manhattan Roman.

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ANH, 19. 6. 2009.]

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11 Kommentare zu Kommentare. In New York, Manhattan Roman.

  1. NYC-Kommentare 1) zu http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dieser-riesige-silbern-leuchtende-wunderbare-hudsonfluss/

    Joula (anonym) meinte am 2009/05/26 10:05:
    Können Sie löschen.
    Ich weiß, sie mögen keine Buttercreme, aber was ist das? Schon auf den ersten Seiten? Nie vertrauen sie auf Präzision, ein Adjektiv reicht ihnen nicht.

    riesige, silbern leuchtende, wunderbare
    straffen dahingestreckten
    enorm filigrane
    dahingestreckte Hang
    rote, tupfige
    leuchtendes protestantisches
    aufgebäumten urbanen Brodelgebildes,
    prüde hypomanen
    blonden, sonnenempfindlichen
    Über die fantastisch leuchtenden, von diesem Leuchten überblendeten, pastellen verschwimmenden ….
    ferne und blaubraun im hellgrauen Dunst.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/26 10:15:
    @Joula. Genau!
    N i c h t ausdürren, sondern r e i c h erzählen! Überschäumend, filmisch, sinnlich. Ich will F ü l l e. Es ist eine völlig absurde Doktrin, die übrigens von Stevenson hergenommen ist und schon deshalb weder Jahnn beachten kann noch will, noch Döblin noch Niebelschütz, noch auch im Englischen Powys: immer dieselben Vorwürfe germanistoider Tabus. Ich renne gegen sie an, seit ich schreibe. Letztlich feiern sie die Impotenz, bzw. den coitus interruptus. Sich verklemmen ist die Parole.
    Sollen sie.
    Allerdings ist es mir völlig unklar, was Sie, Joula, hier noch wollen. Hören Sie doch endlich auf, hier zu lesen, was Sie nicht lesen wollen, aber dennoch immer wieder lesen, um es dann in Ihrer durchweg widerlichen Impertinenz zu bemosern. Meine Arbeit gefällt Ihnen nicht. Punkt. Das erklären Sie unentwegt, unentwegt, unentwegt, seit Wochen, kann man sagen. Wir haben es kapiert. Ihre voreingenommene Unfähigkeit wird durch Wiederholung nicht geheilt. Sie gehn mir sowas von auf den Keks, daß ich Sie fortan i m m e r löschen werde. Und nun kusch in Ihre miese Kleinmuts-Germanisten-Ecke. Mein Güte, was ein Arschloch! Nicht etwa abwarten, wie sich ein Projekt entwickelt, nein, es g l e i c h zu zertreten versuchen: und anonym, na klar. Wenn Sie wenigstens die Haltung hätten, unter Klarnamen Ihre Meinung zu verteten, also für sie geradezustehen. Nicht einmal das.

    Für eine andere, besonnene Meinung siehe Katharina Döblers Blick auf diesen Roman.
    Na Nu? (anonym) antwortete am 2009/05/26 11:15:
    filmisch?
    „N i c h t ausdürren, sondern r e i c h erzählen! Überschäumend, filmisch, sinnlich.“

    An anderen Stellen Ihres WebLogs schrieben Sie, ein Roman,den man verfilmen könnte, sei keine Literatur. Wenn Sie nun von „filmisch“ erzählen sprechen, ist dies dann nicht ein Widerspruch zu Ihrem eigenen Anspruch?
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/26 11:23:
    @Na Nu?
    Nein, ist es nicht, denn eine Verfilmung d a n n wäre ja allenfalls eine Verdoppelung. Wozu also? Mit „filmisch“ meine ich: ganz nah an die sinnlichen Phänomene heran, also sie nicht abstrahieren. Adjektive in d e m Sinn sind Umkreisungen. Ich habe mich dem Adjektiv“verbot“ von Anfang an widersetzt, und zwar ganz bewußt. Ich halte es für den Ausdruck einer poetischen Anorexie.
    Na Nu? (anonym) antwortete am 2009/05/26 11:44:
    Ah Ha!
    Danke für die Klarstellung.
    „poetischen Anorexie“ – das gefällt mir. Poetische Magersucht! :-))
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/26 12:30:
    @Na nu zur poetischen Magersucht.
    Ich habe diese mea-culpa-Ausdünnung immer als lebensfeindlich empfunden. Deshalb bin ich ja von >>>> Fischart so begeistert, von Jean Paul, von Döblin, von Marianne Fritz. Als Leser haben mich aus der deutschen Grauigkeit, abgesehen >>>> vom großen Niebelschütz, erst „die“ Südamerikaner erlöst, überhaupt die romanische Poetik, deren Grandezza solche Verkniffenheiten, auch in Sachen Adjektiva, erst gar nicht berührt. Lobo Antunes wurde schon an anderer Stelle genannt. Der Kubaner >>>> Lezama Lima ist hier unbedingt zu nennen.
    Anton (anonym) antwortete am 2009/05/26 12:46:
    Sag mal ehrlich, warum bist Du eigentlich hier, ich meine das weder böse noch sonst wie, ich versteh nur nicht was Du da machst.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/26 13:05:
    @Anton. Zu Antons Kommentar.
    Bitte verzeihen Sie, daß Ihr Kommentar, der sich auf den dauerergüssigen Joula und seinen Masochismus bezieht, obwohl er Die Dschungel nicht mag, sie doch immer wieder zu lesen… also, daß Ihr Kommentar jetzt etwas vereinsamt dasteht. Die Leser werden sicher erschließen, an wen Sie die Frage gestellt haben. Ich will Joula (anonym) aber fortan immer löschen, einfach weil das Unmaß seiner Tiraden die Balance stört und, glaube ich, auch stören soll. Er w i l l meiner Arbeit schaden. Das darf er dreiviermal gerne dokumentieren, aber nach unterdessen fast Hunderten seiner immergleichen Abwertigkeiten ist das Faß einfach voll.
    Ich mochte Ihren Kommentar nun aber nicht einfach so m i t weglöschen.
    Anton (anonym) antwortete am 2009/05/26 13:08:
    Aber er steht doch ziemlich sinnlos da herum, löschen Sie ihn doch und den hier auch gleich 🙂
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/26 13:12:
    @Anton.
    Ich will ihn nicht löschen, weil er ein guter Anlaß für meine Erklärung ist. Im übrigen kann, >>>> wer sich in Der Dschungel anmeldet und dann eben n i c h t anonym kommentiert, ihre/seine Kommentare jederzeit selbst löschen.
    SabineA meinte am 2009/05/26 13:34:
    Sturm im wasserglas
    Ich kannte den roman noch nicht und sage einfach mal danke, dass anh ihn hier einstellt. Deswegen sind die leser doch auch hier, weil sie die bücher von herbst mögen und einfach mehr erfahren wollen. Jedenfalls ging mir das so, als ich damals anfing im dschungel zu lesen. Nur bei vielen kommentaren denke ich immer, die leute sind genau deshalb hier, weil sie die bücher nicht mögen und auch nicht wollen dass sie wer mag
    Ganz toller anfang! Damit das auch mal wer sagt
    >>>Perkampus antwortete am 2009/05/26 16:05:
    das ist gut gesagt. was ich allerdings nicht glaube, ist, dass es hier allzuviele gibt, die herbsts bücher nicht mögen – sie kennen sie nämlich überhaupt nicht. was überwiegt, ist der neid, dass hier jemand seinen weg geht, dass er sich stellt -, und dass er diese massierte dummheit überhaupt aushält (die mich selbst schon oft genug aus dem netz warf), DEM gebührt achtung.
    Heimarbeiter (anonym) antwortete am 2009/05/26 16:10:
    Neid, ja klar, auf sie, Har Har Har
    Perkampus antwortete am 2009/05/26 16:13:
    @ heimarbeiter
    an sich unnötig, dass sie es beweisen mussten. aber auch das kapieren leute wie sie nicht.
    Stövchen (anonym) antwortete am 2009/05/26 16:14:
    @Finds
    auch gut, wenn einer einfach sein Ding durchzieht, und sich nicht bequatschen lässt von Möchtegernis
    Stövchen (anonym) antwortete am 2009/05/26 16:22:
    Jeder ist seines Glückes Schmied. Herbst schmiedet ganz ordentlich.
    Ford (anonym) antwortete am 2009/05/26 17:35:
    Wenn einer ein Künstler ist läßt er sich sowieso nicht bequatschen
    Stövchen (anonym) antwortete am 2009/05/26 17:57:
    Das nenne ich Stehvermögen.
    fragile (anonym) meinte am 2009/05/26 18:30:
    @A.N.Herbst.
    Das Romankapitel gefällt mir gut, obwohl ich die Bedenken von Joule erst geteilt habe, aber nach ein paar Absätzen merkt man eben, daß das nicht ohne genau nachzudenken geschrieben worden ist, sondern es gibt der Geschichte sogar etwas Schillerndes. Das gefiel mir dann doch. Ich bin gespannt, ob Sie das durchhalten, den ganzen Roman ins Netz zu stellen. Es ist bestimmt viel Arbeit.
    Aber warum lassen Sie zu einem Roman, auf den es Ihnen ankommt, Kommentare zu? Else Buschheuer hat doch ein berühmtes Weblog geführt, ohne sowas zuzulassen. Aber das wissen Sie bestimmt. Es ist doch ganz klar, dass sich da Typen versammeln, die Sie unbedingt anpinkeln wollen. Wenn man auch noch anonym kommentieren kann, dann ist das für solche Leute eine einzige Einladung. Das ist als wenn Sie Ihre Wohnung verlassen und die Tür nicht zuziehen. Sowas zieht die Vandalen magisch an. Aber ich merke grade, ich habe mich auch nicht angemeldet 🙂
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/26 19:06:
    @fragile.
    Danke für Ihren Kommentar, ob nun anonym oder nicht; Sie argumentieren ja, äußern Bedenken meinetwegen oder auch nur ein Gefühl, das Sie zu etwas haben. Das finde ich völlig in Ordnung. Es geht mir nicht darum, Kritik zu unterbinden, sondern es geht mir um den schlechten Ton, in dem in Der Dschungel Kritik allzu oft geäußert wird, meist mit persönlicher Herabsetzung und aus einer ganz bestimmten Richtung. Deshalb will ich die anonyme Kommentarfunktion auch nicht schließen; es wäre genau das, was meine Gegner wollen. Sie, fragile, haben, scheint mir, eben selbst gemerkt, daß man viel schneller mal etwas zu etwas schreibt, wenn man sich nicht erst lang und breit durch ein Anmeldeverfahren pressen muß; ich möchte es meinen auch kritischen Lesern gern ersparen, sich dem unbedingt auszusetzen. Ich will Offenheit. Genau das scheint meinen Gegnern aber der Dorn im Auge zu sein, abgesehen davon, daß ihnen ich selbst schon ein Dorn bin. Wie die ganze Ästhetik, die ich vertrete.
    Ja, selbstverständlich kenne ich EB’s Blog und kenne auch sie selbst. Ihr Weg ist sehr akzeptabel, aber meiner ist anders. Auch der hier sehr oft erwähnte Rainald Goetz hat Kommentare in seinen Weblogs nie zugelassen. Ich habe >>>> einen anderen Ansatz, prinzipiell. Er tut manchmal weh, ich habe darüber auch schon einige mir wichtige Leser verloren – jedenfalls kommentieren sie nicht mehr -, aber er ist es wert, daß man vor den Gegnern nicht in die Knie geht. Und wenn sie n o c h so mißgünstig schreiben.
    fragile (anonym) antwortete am 2009/05/26 21:15:
    @ANH
    Ich habe mich jetzt auch woanders durch den Dschungel gelesen und muss Sie einfach fragen, ob Sie sich vielleicht nicht im Klaren darüber sind, dass so eine Offenheit von den meisten Menschen als Bedrohung erlebt wird. Die Menschen wollen nicht offen sein, sie wollen einen Schein haben. Sich verwundbar zu machen, wie Sie das fordern, wäre für die der Tod. Also empfinden das manche Leser ganz bestimmt als einen Angriff weil Sie damit die Schwäche von Menschen aufdecken. Sie verlangen von Menschen immer wieder, dass sie sich stellen und kämpfen, aber Menschen wollen das nicht, sie wollen einfach nur ruhig und sicher leben. Wenn dann jemand wie Sie daherkommt und ganz offensichtlich anders lebt als andere, dann geht bei denen was zu Bruch. Dagegen wehren sie sich. Wenn Sie das vielleicht einmal so ansehen, wird Ihnen vielleicht klar, warum hier so viel Aggressivität ist. Menschen sind korrumpierbar, sie müssen das sein, nicht jeder hat so eine Kraft.
    Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, bitte, nur mal Ihren Blick auf was anderes lenken, Herr Herbst. Wenn Ihre Bücher dieselbe Haltung haben, die wie eine Forderung ankommt, dann müssen Sie sich nicht wundern, wenn man sie ablehnt. Das sagt gar nichts über Qualität, Herr Herbst, nur was über Angst.

    @SabineA: passt gut zu dem, was ich eben angefangen habe hier zu verstehen
    @Anh: Ich registriere mich noch, versprochen. Auch wenn das Wort ziemlich bescheuert ist.
    >>>> parallalie antwortete am 2009/05/26 22:18:
    man muß es nicht von sich selbst fordern. vielleicht denken die meisten – mir ging’s auch mal so -, es sei die beschreibung eines mangels in dieser forderung verborgen, ein mangel, der einem anhaftet ex negativo: ich bin aber nicht so. das hat nun wirklich nichts mit dem schreibenden zu tun, sondern mit dem, der’s liest. ich hab’s sogar schriftlich reflektiert, aber mag’s nicht verlinken [doch noch >>>> verlinkt (ist aber schon mehr als vier Jahre her)]. die reife eines lesers bestünde aber darin, sich selbst von dem zu abstrahieren, was er liest. und nicht zu glauben, man fordere von ihm eine identifizierung. das wäre tatsächlich der holzweg des kapitalismus und seiner produktion von bedürfnissen. zu lernen wäre, seine eigenen bedürfnisse zu begreifen, ohne gleich auf den nachbarn zu blicken. der seine ängste mit dem verwechselt, was er sich nicht traut zu haben oder einzugestehen. sie deuten darauf hin. der widerspruch, den das erzeugt, ist tatsächlich nicht eine abwehr gegen diese inhalte hier, sondern gegen sich selbst. denn je höher sich die abwehr hier emporschwingt, desto schwerer werden die hürden zu nehmen sein, etwas zu akzeptieren, das in einem selbst liegt. mit all dem zurecht zu kommen, wäre tatsächlich ein reifezeugnis. dies also jetzt aus meiner persönlichen erfahrung. mit diesem von ihnen angesprochenen problem. mittlerweile habe ich nur noch ein problem mit denen, die probleme damit haben und irgendwie dauernd auf bananenschalen ausgleiten, die sie untereinander sich vor die füße werfen. und kommentiere ich selbst, wird sicher einer wieder darin eine bananenschale sehen. er möge sanft ausgleiten. glutei permettendo.
    Sonnenschein (anonym) antwortete am 2009/05/26 22:38:
    Aufgeregt
    Habe mir ein Herz gefasst, und werde mich jetzt auch einmal dazu melden.
    Bin ein bisschen aufgeregt, weil ich mich bisher noch
    so gut wie garnicht an Diskussionen im Internet beteiligt habe. Ich lese aber schon länger hier mit und sehe ja, es geht vieles drüber und drunter. Ich bin selbst auch literaturinteressiert und sehr musikbegeistert. Deshalb sehe ich öfter nach Herrn Herbst Opernbesprechungen. Sein Tagebuch finde ich manchmal sehr, …………naja. Nun bin ich auch gespannt wie es mit dem Roman weitergeht.
    Mein New York-Besuch mit meiner Schwester liegt schon etwas zurück, aber einige schilderungen oben machen mich neugierig, wie jemand das mit seinen Augen sieht. Ich war kurz vor dem Anschlag dort und fand es aber angenehm sauber schon, nicht so wie manche immer erzählt haben. Es hat mir sehr gefallen. Ich gebe zu, dass ich es gerne sauberer mag, auch zu Hause. Deshalb war ich angenehm überrascht, wie reinlich die Stadt doch war.
    SabineA meinte am 2009/05/26 20:58:
    Der spiegel zum new york roman
    Das habe ich gerade gefunden:
    „Denn die eigentliche Hauptfigur ist New York selbst. Die Stadt, die selbst ein Mythos über den Menschen der Moderne ist und die den Mythen aller Großstädte auf der Welt einen Namen gibt. Ihre Straßen und Gebäude, Wall Street und Harlem verwebt Herbst mit ihren Gerüchen, Farben und Materialien, bis New York ein monströses Organ geworden ist, das man anfassen zu können glaubt. Stets brodeln hier Dämpfe, beißen Gerüche, blecken Farben, sickern Flüssigkeiten. Das erinnert manchmal an Bilder aus Ridley-Scott-Filmen, manchmal an die Halluzinationen eines William S. Borroughs. Gleichzeitig erzählt es vom ganz realen New York und wie es von Bürgermeister Rudolph Giuliani drakonisch verschönert werden soll: von „zero tolerance“ und Penner-Jagden.“ Hier der link -> http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,82099,00.html
    kennen sie aber bestimmt schon

  2. NYC-Kommentare 2) Zu http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/mein-waggon-ratterte-in-die-stadt/

    fragile.f meinte am 2009/05/27 12:11:
    Sehr schön, Anh.
    Jetzt möchte ich aber weiterlesen, nicht warten. Vielleicht ist die Häppchensache nichts für mich. Weiß noch nicht. Aber ich habe mein Versprechen wahr gemacht und mich angemeldet. Leider war mein Wunschnick vergeben, lustig, Wun-Schnick.
    Die Bilderidee, von der Sie geschrieben haben, gefällt mir.
    Questenbacher antwortete am 2009/05/27 12:39:
    Ich möchte mich herzlich den Worten anschliessen, ich bin neu und freue mich dass ich zu allererst auf Ihrem Blog sein darf, wo es ja, sehr schön und angenehm zu geht, so wünscht man es sich auch auf der Welt.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/27 14:08:
    @fragile.f.
    Willkommen also in Der Dschungel. Ich hoffe, „f“ steht nicht für „femme“, weil zerbrechliche Menschen in Der Dschungel bisweilen keinen leichten Stand haben. Andererseits ist Zerbrechlichkeit auch etwas Schönes. Wie auch immer, ich bin Ihnen noch eine Antwort schuldig, auch wenn >>>> parallalie darunter bereits sehr verständlich reagiert hat. Meine eigene Antwort unterscheidet sich davon nuanciert. Geht aber grad nicht. Ich möchte erst mit meinem Jungen seine Hausaufgaben fertig bekommen.
    Zu den „Häppchen“ konnte ich freilich etwas bemerken, das allzu nahe liegt.
    @Questenbacher.
    Es wird Ihnen ganz sicher nicht unbekannt sein, daß es in Der Dschungel oft sehr unangenehm zugeht – wie in der Welt. Die wir dennoch sehr heiß lieben.
    Willkommen, allein ins ofern, deshalb auch Sie.
    zinn (anonym) meinte am 2009/05/27 17:32:
    für solche sätze lese ich sie. aber ich schwanke wegen „die wunderschönen langen“, das hat etwas kitsch, der vielleicht nicht sein müßte. wenn sie das wunderschöne aber weglassen, steht da „die langen finger“, weswegen ich eben doch verstehe, wozu sie das wunderschöne brauchen. langfinger sind sicherlich nicht gemeint. aber sowas finde ich zu gewollt, sie machen das öfter: GartenbauHygienikern. warum nicht in einem wort?
    derwunderschönestinkefinger (anonym) antwortete am 2009/05/27 18:21:
    ät zinn
    was schreiben sie da für eine scheisse! herbst ist schon für gedichte unbegabt aber als romanschriftsteller nichts als eine katastophe. überfrachtetes inkontinentes und eliteres zeug
    Jlavantes (anonym) antwortete am 2009/05/27 18:49:
    reingefallen
    herbst schreibt sich seine guten kommis immer selbst, dafür ist er bekannt. außerdem verübt er ZENSUR und klaut von anderen die nicks, um sie zu MISSBRAUCHEN
    Soost (anonym) antwortete am 2009/05/27 18:59:
    Vielleicht
    fängt man erstmal klein an und lässt bei wunderschön erstmal nur das „wunder“ – weg, wär schon mal die halbe miete.
    >>>> Sun-ray antwortete am 2009/05/27 19:06:
    „herbst schreibt sich seine guten kommis immer selbst, dafür ist er bekannt. außerdem verübt er ZENSUR und klaut von anderen die nicks, um sie zu MISSBRAUCHEN „

    da frag ich doch mal gelassen:
    gibt es mehr inbegriff von lächerlichkeit,
    als solches statement?
    nö.
    also geht’s wohl nur um aufmischversuch.
    nicht mal als solcher echter rede wert.
    aber das ist nur meine bescheidene meinung.
    und dieser folgend, rhetorische frage in den raum:
    wie heißt der superlativ von albern?
    .
    .
    .
    genau: entbehrlich.
    @zinn, soost und sunray.
    (H i e r, >>>> sun-ray, hätte ich gerne einiges gelöscht und Lavantes, na sowieso, gleich mit. Aber leider haben Sie so klar reagiert, nun soll es halt stehenbleiben.)

    Zur „Sache“.
    Ich nehme an, Frau oder Herr zinn, Sie beziehen sich mit dem, was Sie „Sätze“ nennen, deretwegen Sie mich lesen, auf diesen: In der zweiten Reihe vor Talisker gestikulierten die wunderschönen langen Finger der beiden Schwarzen und verkneteten sich rätselhaft zur Komplettierung von Sätzen. Ich mag diesen Satz auch. Sehr. Lassen Sie mich darum etwas zur „Verteidigung“ des wunderschön schreiben.
    In der Tat schützt das Wort davor, die „langen Finger“ mißzuverstehen, was ungut wäre, da es sich ja um Schwarze handelt, denen mancher US-Weiße gern was nachsagt. Aber mir wurde, ehrlich gesagt, die Möglichkeit eines solchen Mißverständnisses überhaupt erst bewußt, als ich Ihren Kommentar las. Auch meinem Verleger war das nicht aufgefallen, wahrscheinlich, w e i l da eben „wunderschön“ davorsteht. Daß ich überhaupt etwas vor die „langen Finger“ gestellt habe, bezeichnenderweise abermals ein Adjektiv, ist hier sicher allein meinem Instinkt zu verdanken gewesen; einer bewußten Entscheidung entsinne ich mich dafür nicht.
    Nun hat „wunderschön“ auch noch eine andere Komponente, eine, auf die es mir sehr ankommt und die über das zurückgenommenere Wort „schön“ nicht mitttransportiert würde: nämlich Bewunderung. Der Betrachter bewundert die Hände, das hat auch etwas Erotisches, das von dem mehr oder minder wert- und vor allem emotions“freien“ schön nicht, bzw. nicht in derselben ausrufartigen Weise vermittelt würde. Das Wort „wunderschön“ beinhaltet eine emotionale Parteilichkeit und auch Bereitheit, von der sich das pure „schön“ eher distanziert hält. In vielen meiner Texte kommt es mir auf Emphase aber gerade an und n i c h t auf skeptische, nüchterne, schon gar nicht ironische Distanz. Ich bin gegenüber sinnlichen Phänomenen absolut nicht, was man einen „kritischen Schriftsteller“ nennt. Daß ich damit bisweilen einen Kitsch inkauf nehme, ist mir klar. Ich denke, daß die Gesamtkonstruktion eines Romans, bzw. auch nur Kapitels, hier sogar des einzelnen Satzes ihn gut in Schach hält.
    albannikolaiherbst meinte am 2009/05/28 07:33:
    Anmerkung zu den Bildern.
    Ich merke bei der Auswahl der Bilder, daß einige entweder bloß illustrativ im Text herumstehen oder ihn sogar stören, bzw. mit ihm direkt wenig zu schaffen haben; dennoch haben sie für den Roman Aussagekraft. Deshalb werde ich die Bilder von Zeit zu Zeit gesondert, wie zwischen die Kapitelblöcke stellen; fährt man diese d i r e k t an, bekommt man die Bilder nicht zu sehen, wohl aber, wenn >>>> die Rubrik-als-ganze angefahren und dann durch die Texte gescrollt wird. Als erstes Beispiel dafür möge >>>> dieses dienen. Es wird andere Bilder geben, bei denen der Effekt geradezu schlagend ist. Direkt lassen sich solche Bilder n i c h t aufrufen.
    ANH.]

    Deters meinte am 2009/05/28 09:58:
    Momodou Dembang. N.Y Police Kill Street Peddler. 41 Shots Are Fired At Unarmed Man.
    NEW YORK – February 5, 1999 (Miami Herald) – An unarmed street peddler was killed Thursday by four police officers who fired 41 shots at him in the small vestibule of his Bronx apartment house. Police said the victim, Ahmed Diallo, 22, a West African immigrant who had no criminal record, was killed by a team of plainclothes officers investigating a series of rapes and robberies. Diallo was struck by 24 bullets, authorities said. The officers were placed on paid administrative leave while officials review the incident. A Democratic state legislator, Ruben Diaz Jr., immediately criticized the >>shooting<< and asked that it be investigated by the the Justice Department. Although the shooting occurred at about 1 a.m., police released little information Thursday night and could not say whether Diallo was a suspect in any crime.
    Inspector Michael Collins, a Police Department spokesman, said the four officers were investigating a pattern of 40 rapes and robberies in Manhattan and the Bronx when they encountered Diallo at about 12:45 a.m. near the doorway of his apartment
    building. The officers, who had been riding in an unmarked car, apparently followed Diallo into the vestibule of his apartment house and, for reasons unknown, opened fire. Two of the officers emptied their 16-shot automatic pistols, police said. Collins said it was unclear why officers had approached Diallo. He said the officers did not have an arrest warrant for Dialloand had not been dispatched to the apartment building. The officers were assigned to an elite group called the Street Crime Unit, which travels the city saturating areas where there is a high rate of crime.
    Diallo, who fled Mauritania during a civil war and came to New York about a year ago, was seeking political asylum in the United States. He sold hats, gloves and videotapes on Manhattan streets for a living. Diallo lived in a neighborhood populated largely by African immigrants. Friends described him as a devout Muslim with no wife or children in the United States. „I am very angry,“ said his uncle, Mamadou Diallo. „He was a skinny guy. Why would the police shoot somebody of that nature 30 or 40 times? We see the police and we give them all the respect we have.“ A friend, Demba Sanyang, 39, said: „We have a very undemocratic society back home, and then we come here. We don’t expect to be killed by law enforcement officers.

    >>>> Menantes (anonym) meinte am 2009/05/28 15:15:
    angelandet:
    hütchenspieler (anonym) antwortete am 2009/05/28 14:30:
    Manche Leseeindrücke
    Zuweilen erscheint es mir angenehm, dass manche Kommentare vom Leseeindruck ablenken.
    So zum Beispiel, wenn einer im 20igsten Jahrhundert mitten in New York folgende Formulierung verwendet: „Ich nahm Quartier.“…. Puh….. wo bleiben da die rettenden Kommentare?

    Menantes (anonym) antwortete am 2009/05/28 14:39:
    Werter hütchenspieler,
    können Sie Ihr „Puh“ ein wenig mit Substanz füllen? Verstehen Sie die Formulierung „Quartier nehmen “ nicht? Oder scheint Ihnen diese dem 20. Jahrhundert nicht angemessen?
    Welche Sprache aber wäre dann dem 20. Jahrhundert angemessen? „Ich mietete mich ein“ / „Ich kehrte ein“ (Oh oh! Einkehr!), „Ich stieg ab“ (oh oh! Absteige!)?

    hütchenspieler (anonym) antwortete am 2009/05/28 14:44:
    nee, klar
    , tatsächlich, schien mir das zu altmodisch, das könte ich, wo ich ja sonst gerne mitlese: „Ich nahm ein Zimmer im….“ – wäre mein Vorschlag oder einfach nur: Ich checkte ein im…. Solche kleinen Sachen, können einen komplett aus einer ganzen Stimmung werfen, die sie ja manchmal erzeugen.

    von >>>> dort herübergeholt und angelandet.
    >>>> Menantes (anonym) antwortete am 2009/05/28 15:19:
    hütchenspieler,
    Sie haben nur ein Wort ersetzt: Quartier durch Zimmer. Was ist daran dem 20. Jahrhundert angemessener?

    (ich frage, nebenbei bemerkt, auch deshalb, weil ich aus einem anderen her komme.)
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/28 15:19:
    lachend zum Hütchenspieler:
    Nee, falsch. Aber ich hab’s schon selbst getan und auch reagiert. rüberhüpfen bitte.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/28 15:21:

  3. NYC-KOmmentare 3) Zu http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/der-bus-fuhr-auf-den-sich-flusslaengs-streckenden-berggrat-dann-in-ser/

    fragile.f meinte am 2009/05/28 10:39:
    definitely the WORST hotel I´ve ever seen in my life.
    Wirklich so schlimm? :–) -> http://www.tripadvisor.in/Hotel_Review-g60763-d93380-Reviews-The_Aladdin-New_York_City_New_York.html
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/28 11:25:
    @fragile frau.
    Es freut mich, daß Sie als Leserin dabeibleiben, ein bißchen solches feedback tut manchmal gut.

    Ob es d a s Hotel war, weiß ich nicht mehr. Ich hab eben in meinen Notaten geguckt und fand darin nur Folgendes:

    7. April 1999: Einfahrt von Newark! Die schwarzen Brücken. Die Einfahrt ist selbst bei Sonnenschein grau. Bei den Unterführungen kann man noch sehen, wie sie in den Fels gesprengt wurden. (Zeichnung MS 10). 10 pm: Das teuerste Bier meines Lebens, glaube ich, mit 4,5 $. Sehr weich, ein wenig wie bayerisches Bier. Unterkunft im 4-Bett-Zimmer (Aladdin-Hostel); mit 28 $ relativ okay (5 Minuten zum Broadway), absolut freilich indiskutabel. Computer ist beim Portier geblieben.
    albannikolaiherbst meinte am 2009/05/28 15:05:
    @Hütchenspieler und Menantes.
    Ich habe Ihre Kommentare von >>>> dort eben hierher kopiert. Sie lauteten:hütchenspieler (anonym) antwortete am 2009/05/28 14:30: Manche Leseeindrücke
    Zuweilen erscheint es mir angenehm, dass manche Kommentare vom Leseeindruck ablenken. So zum Beispiel, wenn einer im 20igsten Jahrhundert mitten in New York folgende Formulierung verwendet: „Ich nahm Quartier.“…. Puh….. wo bleiben da die rettenden Kommentare?

    Menantes antwortete am 2009/05/28 14:39:
    Werter hütchenspieler,
    können Sie Ihr „Puh“ ein wenig mit Substanz füllen? Verstehen Sie die Formulierung „Quartier nehmen “ nicht? Oder scheint Ihnen diese dem 20. Jahrhundert nicht angemessen? Welche Sprache aber wäre dann dem 20. Jahrhundert angemessen? „Ich mietete mich ein“ / „Ich kehrte ein“ (Oh oh! Einkehr!), „Ich stieg ab“ (oh oh! Absteige!)?

    hütchenspieler (anonym) antwortete am 2009/05/28 14:44:
    nee, klar, tatsächlich, schien mir das zu altmodisch, das könte ich, wo ich ja sonst gerne mitlese: „Ich nahm ein Zimmer im….“ – wäre mein Vorschlag oder einfach nur: Ich checkte ein im…. Solche kleinen Sachen, können einen komplett aus einer ganzen Stimmung werfen, die sie ja manchmal erzeugen.


    Der Ausdruck „Quartier nehmen“ ist von mir bewußt gewählt, „checkte ein“ wollte ich unbedingt vermeiden. Das Wort „Quartier“ entspricht dabei durchaus der Unterkunft, „ein Zimmer nehmen“ wäre zu neutral formuliert, insbesondere wenn man weiß, wie der Roman weitergeht. Die Wortwahl ist meist schon Teil der Dramaturgie. Quartier hat längst den Bedeutungshof des Geschehens im Auge; es ist nicht falsch, wenn so etwas „stört“.
    Im übrigen schätze ich es sehr, angeblich „altmodische“ Wörter zu verwenden, weil sie das nämlich reaktiviert, also davor rettet, in der allgemeinen Sprachglättung mit unterzugehen.
    Menantes (anonym) antwortete am 2009/05/28 15:26:
    Werter Herbst,
    da haben wir zwei Jungle-Pfade beschritten. Ich frug also:

    Menantes (anonym) antwortete am 2009/05/28 15:19:
    hütchenspieler,
    Sie haben nur ein Wort ersetzt: Quartier durch Zimmer. Was ist daran dem 20. Jahrhundert angemessener?

    (ich frage, nebenbei bemerkt, auch deshalb, weil ich aus einem anderen her komme.)

    Teilweise haben Sie nun meine Frage aus Ihrer Perspektive beantwortet. Mich interessiert aber auch hütchenspielers Einstellung..
    hütchenspieler (anonym) antwortete am 2009/05/28 15:52:
    da
    kann ich jetzt nichts weiter dazu sagen, wenn Quartier einen Sinn ergibt, der sich erst später erschließt..ich allerdings finde Zimmer gerade auch noch möglich.
    Ich nahm Quartier ist echt Postkutsche. Ich habe bisher nicht erlesen können, dass der Roman auf der Idee aufbaut, Postkutschensprache mit New York zu vermischen.

    Checkte ein, bleibt aber – bis jetzt – mein Favorit….
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/28 16:33:
    @Hütchenspieler. Alter Wörter.
    Ich vermeide Anglizismen, so weit es irgend geht. Das liegt an meiner Grundhaltung, über die ich >>>> hier schrieb. Anglizismen finde ich dort sinnvoll, wo ihre Entstehung mit ihrem Umfeld zu tun haben, in dem sie entstanden sind: besonders in Bereichen der Technologie, nicht aber dort, wo wir eigentlich eigene Wörter haben. Die durch einen Anglizismus zu ersetzen, empfinde ich als Kulturverrat; ich bin mit Nachdruck „Alter Europäer“: das ist eine politische Haltung, die nichts mit Nationalismus (w i e auch, wenn ich von „Europa“ spreche?), wohl aber mit Widerstand gegen die Vermarktgesellschaftung aus US-Richtung zu tun hat.
    Wenn jemand einen Flug antritt, dann aber, selbstverständlich, checkt er ein; nur Hotelzimmer haben wir schon lange vor den Flugzeugen gebucht. Und selbstverständlich verwende ich Begriffe wie Download usw. Erzählerisch kommt im übrigen hinzu, daß die Sprachhaltung eines Protagonisten zu berücksichtigen ist. Wenn etwa Talisker ein Zimmer bezieht, wird er durchaus einchecken; wenn es der Ich-Erzähler tut, dann eben keineswegs. Die Sprachverhalten gehen später dort ineinander über, wo die Hauptpersonen ineinander übergehen; ich will aber nicht vorgreifen.

    Generell gilt aber auch, siehe „Postkutschensprache mit New York“, daß es mir immer darauf ankommt, im Neuen die Gleichzeitigkeit mit dem Alten zu zeigen, wie das Alte immer weiter durchwirkt, aber ins Unbewußte sickert und deshalb unbegriffen ist. Ich habe >>>> an anderer Stelle darauf hingewiesen, daß Hackers ihre Viren nicht von ungefähr gern nach alten Dämonen benamsen; es besteht da ein n i c h t-willkürlicher, sondern durchaus instinktiv-berechtigter Zusammenhang.

    („Quartier nehmen“ ist freilich weniger „Postkutschensprache“ als militärische Sprache.)
    hütchenspieler (anonym) antwortete am 2009/05/28 17:25:
    Kein problem
    Ihr Ding. weil in der Poesie ja alles auch möglich ist. Wenn sie Anglizismen so irgend möglich vermeiden wollen, kein Problem. Fällt eben nur in New York etwas auf und man beginnt sich dann Gedanken über den Ich-Erzähler zu machen, weil es eben auffällt; Gedanken, die mich wahnsinnig rausreissen aus dem Collorit-Willen eben dieses Erzählers. Das heißt, es entsteht dann die Situation, dass sich mir der Erzähler plötzlich durch altmodische Auffälligkeiten in die Aufmerksamkeit geradezu ellenbogig drängelt an einer Stelle, wo ich das für hinterfragbar halte. Also ich denke dann darüber nach, – wieso der Erzähler – hier – meinetwegen ein preussisch-höfisches Langekerls-Potzdamer Militär-Französisch-Deutsch anno 17 70 benutzt an einer Stelle, wo ich mich gerade so schön dem New York-Feeling hingeben wollte. Mir kommt es dann so vor, als wollte mir dieser Erzähler damit sagen: Du guck mal, hier ist ein ziemlich verrückter interessanter Ich-Erzähler, der eine auffällig altmodische Sprache benutzt, und da fühle ich mich eben genau herausgerissen aus diesem New York und befinde mich dann plötzlich dort, wo ich absolut nicht sein will, also ganz und garnicht sein will, sozusagen unter den Achselhöhlen eines deutschelnden Schriftstellers….
    Ich wollts nur mal beschreiben, wie das auf mich als Leser wirkt.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/28 17:40:
    @Hütchenspieler & Carolin.
    Ich verstehe nicht, was Sie daran „deutschelnd“ finden, aber es ist möglich, daß es sich um I h r e Sprachsozialisation handelt, die beim Lesen eine andere stört. Doch kann man das von mir verwendete Idiom durchaus in die Szenerie-selbst, also New York City, zurückbinden, wo es ein hochbekanntes und ziemlich beliebtes Krachleder-Restaurant gibt mit Bierzeltstimmung und Eisbein. Auch das gehört zu New York City (das in den Zehnern bis in die Zwanziges des letzten Jahrhunderts „Berlin am Hudson“ genannt worden ist; überhaupt hat US-Amerika Preußen beerbt gerade in den rules and regulations; der Roman geht darauf noch ein). Wer in New York City sein will, ist immer a u c h genau dort, wo er nicht sein will. Sie werden einem Roman über New York zugestehen müssen, daß sich dies in seinen Sprachformen wiederfindet.

    (In der Sache selbst, Carolin, bin ich anderer Meinung als Sie. Also bezüglich dieses Spracheinwandes. Das m u ß sogar diskutiert werden.)
    romanleser (anonym) antwortete am 2009/05/28 17:59:
    was altertümlich ist und was nicht, hat sich nach spätestens dreißig jahren erledigt. dann rücken texte zeitgenössisch zusammen, die zu ihrer zeit ein einziger widerspruch waren. außerdem gebe ich zu bedenken, daß moderne begriffe ungeheuer schnell veralten, texte werden zeitbezogen und sind dann fast nicht mehr zu lesen. alfred andersch finde ich so. oder bei übersetzungen, wie schrecklich schnell die alt werden. nur wenige romane überleben das. zb ist das bei alfred döblin zu merken, bei kafka auch oder bei dem von herbst immer wieder zu recht genannten wolf von niebelschütz. den hat auch keiner gewollt. oft bleiben eben die bücher, die zu ihrer zeit unangemessen gewirkt haben, die man nicht verstanden hat oder bei denen man etwas nicht wollte. der modische jargon kann auch eine falle sein, in die zu zeitnah geschriebene bücher hineinfallen.
    hütchenspieler (anonym) antwortete am 2009/05/28 18:00:
    na deutschelnd insofern, als dass ich in deutsch: „Ich nahm Quartier“ ziemlich preussisch einordne, also auf deutsch wäre das preussisch, so ne mischung aus eingetragenene hugenottisch und deutsch, etwa um 1800, klar ist New York Einwanderungsland per se…wie gesagt, vielleicht entwickelt sich ja noch was daraus. Davon gehe ich aus. In der Stadt ist jeder neu oder fremd vielleicht.
    Aber nehmen wir mal an, dass der Ich-Erzähler jetzt phantastiktechnisch tatsächlich nicht nur aus Europa kommt, sondern aus einer anderen Zeit, zum Beispiel aus Preussen, dann kann er aber zum Beispiel, also wenn er so einer ist, der sagt: „Ich nahm Quartier…“ dann kann so einer aber nicht gleichzeitig wissen, was „popcorn“ ist, oder dürfte er schon garnicht kennen, ebenso wie er Bokerrtypen nicht als solche erkennen würde, also über Popcorn, was ja auch ein Anglizismus ist müsste einer „der Quartier nimmt“ sich wenigstens drüber wundern…. aber wie gesagt..ich lasse mich überraschen.
    hütchenspieler (anonym) antwortete am 2009/05/28 18:16:
    romanleser
    da übertreiben sie glaube ich ein bisschen im Problem. Grundsätzlich veraltet alle Literatur. Es gehört also grundsätzlich eine Liebhaberei dazu, Bücher zu lesen, die älter sind als ein halbes Jahr. Auch bei Robert Walser gibt es zum Beispiel Wendungen wie …Es nahm ihn nicht Wunder, dass.. usw… wo man sagt, das ist alt oder schweizerisch oder beides. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, wie die Sprache insgesamt organisiert wird in Bezug auf ein Anliegen. Und wenn das stimmt, dann gehört dieser Punkt zu den Aspekten von Literatur, die nicht veraltet.
    Menantes (anonym) antwortete am 2009/05/28 18:23:
    Also, Herr huetchenspieler,
    Ihre Ressentiments in allen Ehren. Sie können gern auch Hern Herbst Idiosynkrasie vorwerfen, indem er Anglizismen modernerer Konvenienz meidet und stattdessen Romanismen benutzt, wie etwa „Quartier“. Aber können Sie mir auch plausibel machen, was schlimm daran sei, aus Preußen zu kommen oder gar zu sprechen als käme man von dorten?

    Aber davon apart: Sie lesen ja nach einem (um Ihr Wort à la mode zu gebrauchen:) Feeling, offenbar unter Ausschluß eines Kopfes, der Ihnen gesetzte ruptures wie „Quartier nehmen“ als Teil einer Erzählstrategie verständlich machen könnte. Selbstverständlich ist das Ihr gutes Recht. Allerdins tragen Sie – wie jeder Mensch – die Responsabilität für Ihre Lektüre-Auswahl. Möglicherweise kann Ihnen Herbst am Hudson gar nicht das New-York (encore)-Feeling vermitteln, welches Sie gern empfänden. Lesen Sie doch Anderes: Auster, Parker, Broyard etcetera…

    En fin: Üb‘ immer Treu‘ und Redlichkeit…
    KL (anonym) antwortete am 2009/05/28 18:26:
    @ Hütchenspieler @ A.N.Herbst
    Vielleicht bin ich für Sie ein altertümelnder Mensch, aber ich sage bis heute „ich nahm Quartier“, das ist für mich ein ganz normaler Ausdruck, der vielleicht ein bißchen ironisch gemeint ist, wenn ich das sage oder etwas über das Quartier aussagen soll. Trotzdem weiß ich gut, was Popcorn ist, und Brokertypen erkenne ich sechs Schritt gegen den Wind. Das finden Sie jetzt aber wahrscheinlich auch altertümelnd, wenn ich „sechs Schritt“ schreibe. Schritt, nicht Schritte. Außerdem finde ich auffällig, daß bei Ihnen altertümelnd und deutschelnd synonym gebraucht wird. Wie gesagt, es kann natürlich sein, daß ich selber altertümelnd bin. Dann bin ich aber für altertümelnde Bücher sehr dankbar.

    Für BÜCHER, Herr Herbst.
    diadorim antwortete am 2009/05/28 18:32:
    aber es ist eben babel in popcorn und coffee to go neben wiener opernball und kaisertreuer jugend. das kann nicht der vorwurf sein.
    es ist vielleicht eher eine frage des fokussierens, die ein foto gut macht, sprich, wie zeige ich alles, um alles zu zeigen. eine frage der eigenen editorischen philologie, des inneren lektors, der blickführung.
    ich mag viele passagen, einiges finde ich in seiner abschliessenden engführung dann aber wieder verschenkt an vorgefertigte haltungen, dann denke ich, oh, so ein aufwand, so viele beobachtungen und dann wird der sack doch manchmal so zu zugemacht, wie man es schon kennt.

    aber, völlig klar ist mir, wenn man so genau bei den andern gegenwärtigen schreibern schaute, blieben nur ganz wenige, wenn überhaupt irgendwer. darum finde ich es erstmal einfach generös vom autor, dass man sich hier noch dazu äussern darf und kann, über das reine rezepieren hinaus, und bekommt noch antwort.
    sich quasi einer permanenten werkstatt auszusetzen, das hat schon eine gewisse grösse. das trauen sich nicht viele.
    Menantes (anonym) antwortete am 2009/05/28 18:45:
    @KL
    Wenn sie so etwas wirklich im wahren Leben sagen, und sei es nur ironisch, dann gehören sie wahrscheinlich zu den Menschen, denen ich in der Straßenbahn darauf hin freiwillig meinen Sitzplatz anbieten würde.

    alles Geschmackssache. Selbstverständlich kann einer in New York ums Jahr 2000 rum auch „Quartier nehmen“
    Was aber das Missverhältnis für meine Ohren betrifft, es entsteht für mich dadurch ein brutaler Aussteiger im Ton, da kann die ganze Sache jetzt noch so pantasietechnischmäßig gestrickt sein.
    Aber nach diesem „Quartiernehmer“ erwarte ich jetzt eine narrative Plausibilisierung , also eine Erzählstrategie des Ich-Erzählers in der Weise, dass sich der Ich-Erzähler tatsächlich als ein Zeitreisender aus Potsdam um 1795 entpuppt. Sie merken ich grenze zeitlich immer mehr ein. Dann wäre die „Quartiernahme“ voll in Ordnung. Sollte dies nicht geschehen, gibt’s Punktabzug nicht für Herrn Herbst aber für für seinen Lektor.
    Menantes (anonym) antwortete am 2009/05/28 19:10:
    Ich sehe,
    anonymer Menantes, alias huetchenspieler, daß Sie wiederum eine jener Personen sind, die an keinem Gespräch interessiert sind, sondern daran, unter dem Pseudonym andere dritten Plätze anzubieten, über die Sie selbst vermutlich nicht einmal verfügen. Da Sie ja so erpicht auf „Aussteiger im Ton“ sind: Dieser Ihre stellt für mich einen solchen dar, ebenso wie „phantasietechnischmäßig“, „Ums Jahr 2000 rum“. Es scheint wohlfeil, ein Wort im Roman eines Schriftstellers zu beanstanden, während man selbst der genauen Setzung offenbar nicht mächtig ist – oder nicht willens, auf sie zu achten. Da helfen dann auch keine Erzählstrategien, Archaismus-Verdächtigungen oder -ismen aller Art. Nicht gekonnt bleibt versagt.

    Wäre ich nicht schon aus Altersgründen antiquiert, so würde mich dieser Ihr Schreib(un)stil unweigerlich auf die Seite Hern K.L.s treiben.

    Nach Lektoren ruft hier, wer seine eigenen Texte zweifellos nur ein halbes mal liest, bevor er das verzerrte Wort eingibt. Da hilft auch weder Treu‘ noch Redlichkeit, sondern nur noch: „Geh‘ nach Haus und üb‘ erstmal.“

    Sollte ich noch mehr von Ihnen lesen müssen, huetchenspieler, was nicht über dieses Niveau hinausgeht, wird mich wohl der sich meiner derweil bemächtigende Ennui in die Büsche der Jungle treiben.
    diadorim antwortete am 2009/05/28 19:46:
    aber ist denn hier kudamm?

    hütchenspieler im dschungel, was haben die für ein publikum? gorillas im nebel?

    also als filmszene von kusturica schon vorstellbar. warum nicht. merken.
    diadorim antwortete am 2009/05/28 23:14:
    zwo ranzerpechs uff ex, für misch und den dichta!
    lustlacher (anonym) antwortete am 2009/05/28 23:34:
    und später da verbeisst sich ein blick in das handtäschchen.
    vielleicht wird die luft lau sein und die scheiben klar geputzt.
    vielleicht wird da noch ein sonnenstrahl sein und womöglich
    noch ein lächeln.
    Carolin (anonym) meinte am 2009/05/28 16:58:
    Ich wollte hier eigentlich nichts mehr schreiben, weil diese ganze Kommentiererei nervt. Aber das hat mich wütend gemacht, das sie einfach nur kleinlich ist. Warum gehen Sie auf so etwas ein? Ich kenne den Roman schon und lese ihn jetzt gerne im Internet noch einmal auch wegen der Bilder, die ich klasse finde. Es ist doch egal, ob ein Begriff alt ist oder neu. Was ist denn schon alt? Das Tolle an Ihrem Buch ist diese wirklich hemmungslose Lust einfach nur am Erzählen. Sie erzählen, das ist das Tolle, was einen mitzieht. Die ganzen Einwände dagegen sind bisher entweder unter Niveau oder Schrumpelkram, sorry.
    Trotzdem bleibt mein Favorit Ihr Sizilienroman.
    sub>>>>> parallalie meinte am 2009/05/28 23:11:
    „Ein entsetzlich langsamer Lift seilte mich ab“ – Alban Nikolai Herbst, In New York, Manhattan Roman.
    albannikolaiherbst meinte am 2009/05/29 09:48:
    Ma(r)t(h)a Hari St. Clair.
    Vergleiche >>>> Buenos Aires. Anderswelt, S. 166.

  4. NYC-KOmmentare 5) Zu http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/ich-stand-vorm-harald-square-hotel/

    albannikolaiherbst meinte am 2009/05/29 09:19:
    Times Square Buenos Aires.
    Vergleiche >>>> Buenos Aires. Anderswelt, S. 181:
    prunier (anonym) meinte am 2009/05/29 12:04:
    interessant !
    Für mich, der den Text übersetzt habe, sind die Farbfotos äusserst „passionnantes“! !
    fragile.f meinte am 2009/05/29 16:59:
    Herrliche Szene mit der Russin, Herr ANH.
    Aber ich schwanke, ob ich nicht doch gleich das Buch bestelle. Aber es macht auch Spaß, auf den nächsten Tag zu warten. Es würde mich freuen, wenn Sie mir einfach so glauben, dass es auch Leser/innen gibt, die gerne solche Geschichten lesen.
    SabineA antwortete am 2009/05/29 17:22:
    @fragile.f
    Auch mir gefällt das buch ausgesprochen sehr. Ich habe nur immer schwierigkeiten sowas zu schreiben, weil es dann gleich heisst: diese schleimer. Ich will mich nicht beleidigen lassen. Totzdem habe ich gedacht, dass es vielleicht ganz gut wäre, wenn die fans von anh sich mal mit derselben rücksichtslosigkeit zu wort melden würden wie die stänkerer. mit denen meine ich nicht die kritisch was sagen. das muss man in diesem blog dazu schreiben, sonst wird das sofort wieder mistverstanden. Das nimmt hier manchmal ein ausmass an, das einem schlecht werden kann. Im großen und ganzen halte ich mich deshalb lieber mit kommentaren zurück.
    ovid (anonym) antwortete am 2009/05/29 17:29:
    um ein lächeln in sein trauriges /
    gesicht zu zaubern schenke /
    ich ihm gern mein /
    lob
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/29 17:48:
    Mein Gesicht ist, Ovid.
    Alles anderes als traurig. Weder in jenem noch in diesem Sinn. Dennoch nehm ich Ihr Loben gerne entgegen, da es berechtigt ist. albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/29 17:57:
    @fragile und Sabine.
    Nicht nötig, Sabine. Das würde ebenso langweilig, wie die Ödnisstrecken meiner diarrhoen Gegner waren (die wahrscheinlich nur e i n e r sind, der sich wie Regenwürmer teilt; auch Kragenechsen blähen den Kragen, damit sie größer wirken als sie sind; imgrunde sind es harmlose Tierchen). Es tut aber gut, wenn bisweilen mal jemand gegen die Würmer was sagt. Wenn ich das immer alleine tu, kommt das nicht gut.

    Frau Fragile, ich glaube Ihnen. Morgen werde ich nur zwei Kapitel einstellen, aber sie gehören zu den mir liebsten des Romans und bereiten seine eigentliche Idee vor. Darüber verrate ich aber nix.
    Allerdings hatte ich überlegt, ob ich die Wochenenden mit dem Roman überspringen sollte, einfach weil die Erfahrung zeigt, wie stark die Zugriffe ab Freitag nachmittags zurückgehn. Andererseits kann man ja auch nachlesen.
    fragile.f antwortete am 2009/05/29 19:30:
    Jeden Tag bitte
    Sonst bestelle ich. Das ist eine Drohung 🙂
    Timo (anonym) antwortete am 2009/05/29 19:37:
    Gestern lange beim Russen getrunken und darüber nachgedacht was Roland Barthes meinte, als er sagte, Wenn das Schreiben da ist, wwo nichts ist, wo ist es dann?
    Streckenweise waren die Launen der Russen seltsam, einmal bemalten se die Tische mit Frohsin, kurze Zeit später fingen sie an mit Puschkinversen um sich zu werfen und immerzu Wodka, Wodka.
    Was also ist die Laune des Schreibens? Wozu ist es da und was macht es zu etwas besonderen, zu so etwas besonderen, das Libuse Monikova obwohl sie wusste dass sie sterben wird, nichts anderes tat, als schreiben
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/30 11:47:
    @Timo.
    Ich glaube nicht, daß, wo nichts ist, „das Schreiben“ sein kann; wo nichts ist, kann nur n i c h t s sein. Frau Moníková wird unter anderem geschrieben haben, w e i l sie starb. Ihr „Lebensmotto“ ist keines einer besonderen Glückssuche gewesen; wir verarbeiten, wenn wir schreiben. Der Grund muß aber nicht pessimistisch sein. Es kann der Versuch sein, sich Themen zu nähern, sie umzuformen, aus ihnen etwas anderes, etwas Neues, auch etwas „dagegen“ zu formen. Ausdruckswille… eine Ausdruckssehnsucht, die auf die passive Wahrnehmung von etwas (einer Lust, einem Schmerz, einer Begeisterung, einem Leiden) mit einer aktiven Schöpfung reagiert.
    (Übrigens ist meine Erfahrung mit Puschkin & Wodka nicht anders: ab einem ungewissen Moment watet man bis über die Knöchel in Melancholie).

    Schön, daß Sie Libuše Moníkovás gedenken. Sehr schön. Danke.
    ovid (anonym) antwortete am 2009/05/30 13:10:
    bewohner des nichts
    weil sie wie eine eule /
    in einem vergessenen /
    schließfach und er /
    in sich selbst wohnt /
    ist das nicht nicht /
    nichts
    >>>> sumuze meinte am 2009/05/30 22:45:
    Daß Sie Ihren Roman hier einstellen
    gefällt mit uneingeschränkt. Gibt es eine bessere Art, im Wort selbst zu sein, als es ohne wenn und aber zu sagen? Die Frequenz ist mir egal, das Durchhalten zählt. Und die Kommentare dazu lese ich als lebende Widerlegung der Verlags-bestellten Klappentexte. Kein Druck kann das je erreichen!

    Ich hoffe nur sehr, daß Ihnen dieser Schritt nicht zu einem späteren Einkommensnachteil wird. Der Betrieb ist so rachsüchtig wie die cn – jeder entgangene Cent wird eifersüchtig registriert. So groß kann keine Million sein, daß ihr nicht der Einser schmerzhaft fehlt.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/31 11:52:
    @sumuze. Die fehlenden Einser.
    Das mit einem Einkommensnachteil ist in jedem Fall „so eine Sache“. Ich habe an dem Roman, wenn es hochkommt, also mit Lesungen usw., um die 5000 Euro verdient, vielleicht 6000, da müßte ich dann aber schon s e h r gutwillig schätzen. Darin war mein Lizenzhonorar für die frz. Ausgabe mit enthalten. Bevor sich das Buch ausverkaufen konnte, gab der Verlag Schöffling & Co es in den Ramsch – ohne mich vorher davon zu informieren; ich kam durch einen Netzzufall darauf, sprach den Verleger an, erhielt eine sagen wir „ausweichende“ Antwort. Die Angelegenheit war rechtlich gesehen ein Vertragsbruch und insgesamt nicht recht verständlich, da der Roman in einigen wichtigen Zeitungen besser als nur wohlwollend besprochen worden war. Ich habe mir die Rechte zurückgeholt.
    Seither liegt das Buch in den Modernen Antiquariaten herum. Es ist unwahrscheinlich, daß ein anderer Verlag eine zweite Ausgabe herausgeben wird, solange man die erste für teils weniger als einen Euro bekommt. Daß etwas billig ist, ist wiederum durchaus kein Anreiz, es auch zu kaufen. Da mein publizistischer Weg immer nachdrücklicher ins Netz geht, ist es von daher nichts als konsequent, ein Projekt wie dieses nun durchzuziehen. Zum einen kann es der Anlaß sein, daß die Bücher aus den Modernen Antiquariaten verschwinden werden, zum anderen kann ich über Fotografien, objets trouvés und dergleichen eine andere Form der Präsentation entwickeln; vieles dabei hat ja einen experimentellen oder wenigstens „probenden“ Character. W e n n der Betrieb rachsüchtig reagieren sollte, dann zum einen aus wieder denselben Gründen, aus denen ich seit Jahren eh längst outlaw bin; sowie, weil ich ü b e r h a u p t einen Roman am Verlag vorbei im Netz publiziere. Genau das könnte aber auch wieder der Anreiz sein für einen Verlag, das Buch irgendwann neu ins Sortiment zu nehmen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß mein New-York-Netzprojekt ausgesprochen genau beobachtet wird. Man wird es an seinem kommenden oder ausbleibenden Erfolg messen. Sollte er groß sein, wird man von einer Nachfrage auch wieder nach dem Buch ausgehen können. Insgesamt steht das noch in den Sternen; ich kann aber nicht verlieren, nur gewinnen: entweder eine nächste Ausgabe in Buchform oder neue Leser der Netzpublikation; möglicherweise sogar beides. Eine mögliche Rachsucht des Betriebs muß mich deshalb nicht scheren.

    Nach Rücksprache mit Frankreich „steigere“ ich das Projekt ab übermorgen noch. Ich habe die Genehmigung, daß ab dann auch die frz. Übersetzung des Romans – entsprechend der jetzigen Aufteilung hier – in Der Dschungel eingestellt werden wird; dies übernimmt mein Übersetzer Prunier von sich aus: ich formatiere die Texte nur noch mit Bildbeigaben usw. um.
    sumuze antwortete am 2009/06/04 20:39:
    Ich fürchte, selbst wenn
    Ihr Veröffentlichen im Netz einen ‚Erfolg‘ (dazu s.u.) haben wird, daß dieser keinen Verlag in einer für Sie sich auszahlenden Form aus seinem altvorderen Papierschlummer heraus reißen wird. Netzinhalt ist schwer als Ware zu handhaben, also bibbert man dort und weiß nicht, wie sich nun zu verhalten. Mittelmaß weiß nie den Weg ins Ungewisse und braucht stets Anleitung oder Gewohnheit.

    Außerdem ist nicht eindeutig, was ‚Erfolg‘ denn genau hieße. Daß Leute wie einige Ihrer Leser das Projekt mögen, ist kein Erfolg, nicht für den Mainstream. Erfolg hat nur Statt vor den Mächtigen. Erfolg will zugeteilt sein wie das Ritterkreuz. Erfolg muß bemessen, mindestens aber gewährt (und damit verweigert) werden können. Ansonsten wäre er suspekt. Erfolg ist immer ein Hoheitsakt. Was allerdings Mißerfolg weder subversiv noch auf ewig adelte. Ein sich eifrig und für viele andienernder Trugschluß.

    Wie auch immer, ich wünsche Ihnen viel Glück mit diesem Projekt. Und lese mit Freude weiter mit.
    Habicht (anonym) antwortete am 2009/06/04 20:42:
    Der OnlineRoman wird sich nicht durchsetzen.
    Sie haben das auch nur gemacht weil es den Roman
    schon gibt oder?
    Andere stellen ihre seltsamen Romane hinein und
    lassen sich von den immer selben Gestalten feiern.
    Sehr merkwürdig.
    Aber es ist Unsinn auf so etwas zu setzen. Es gibt auch immer
    noch Leute die kein Internet haben und trotzdem Herbst lesen
    wollen, was machen dje dann?
    günther kleff-brutzler (anonym) antwortete am 2009/06/04 23:33:
    „Erfolg hat nur Statt vor den Mächtigen. Erfolg will zugeteilt sein wie das Ritterkreuz. Erfolg muß bemessen, mindestens aber gewährt (und damit verweigert) werden können. Ansonsten wäre er suspekt. Erfolg ist immer ein Hoheitsakt. Was allerdings Mißerfolg weder subversiv noch auf ewig adelte. Ein sich eifrig und für viele andienernder Trugschluß.“

    sagen sie mal, frau sumuze, klingt dieser von ihnen hier fabrizierte meinungsquatsch nicht ein wenig zu apodiktisch ?
    also so ein verquastes, extrem doofes getexte las ich ja schon lange nicht mehr,
    wenn überhaupt, sprich jemals.
    ich weiss auch überhaupt nicht, was diese an einer hand abzählbaren betroffenheitsbildchen in ihrem blog zu suchen haben ausser als eyecatcher
    mit alibifunktion.
    ihre textproduktion ist doch nahezu frei von politischen äusserungen und wenn
    es politisch wird, dann geht es um unbezahlte blowjobs für begüterte herren
    ( alpha männchen ) und derer abkömmlinge.
    ein wenig polemisch zusammengeschüttelt, das.
    Henning Worch Drösen (anonym) antwortete am 2009/06/05 00:23:
    @Herbst- „outlaw“ – ein Problem.
    Als Systemanalytiker und Unternehmensberater mit Limousine, schreckt mich aber ihre Verwendung des Wortes „outlaw“ auf. Haben sie schon mal darüber nachgedacht, das, wer sich heute selbst als outlaw bezeichnet, so als den unrasierten Camelabenteurer oder Marlboromann des eigenen Abenteuer-Genres vorstellt, dass der unmöglich ein Outlaw tatsächlich selbst sein kann? Geht ihnen die systemtheoretische Logik meiner Bemerkung auf?
    Ich denke, sie geht ihnen nicht auf, was ich als Systemanalytiker und Unternmensberater mit Limousine als tiefsitzendes Strukturproblem ihres Unternehmens bepunkten würde.
    hansjürgen fogeldreier (anonym) antwortete am 2009/06/05 01:05:
    aber mir !
    outlaw heisst übersetzt – ich übersetze : geächteter.
    also nicht etwa geachteter ( man in high regard or man of great respect )
    sondern eben marlboromann ( oder wie sie dazuschöpften camelabenteurer. )
    ein ganz entscheidender hinweis aus der unternehmensberatungsbranche, welcher beträchtliches an einsichtsvermögen in wirtschaftliche zusammenhänge zu befördern in der lage ist.
    gerade in zeiten der weltweiten wirtschaftskrise braucht man wieder pure, nackte
    und blosse ( spriche autarke ) existenz – sprich idenditätsstiftung durch essentielle charaktere, deren souveränes umgehen können mit freiheit geradezu
    paradigmatisch eine selbständigkeit symbolisieren kann, welche ein allzu bequemes quaken, schreien und lärmen nach einem kuschel- und sozialstaat
    aufs prickelnde zu kontrastieren weiss.
    der porsche cayenne muss noch mit ins bild und der outlaw wäre perfekt.
    DerFremde (anonym) antwortete am 2009/06/05 02:01:
    Ha Ha Ha, wie hier mit fremdwörtern umhergeworfen wird, wundersam und mystisch und eigentlich sagt keiner etwas, jedenfalls, ja, nein, keiner sagt wirklich was, es bleibt ein großes Loch und das wird gefüllt mit all diesem Fremdwörtern, wo habt ihr die her, kommen die aus euch heraus
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/06/05 06:14:
    @sumuze. „Erfolg hat nur Statt vor den Mächtigen. „
    Die sind aber einander durchaus nicht grün. Und wenn ich den Begriff „Mächtige“ abwäge, so ist damit ja ebenfalls verschiedenes gemeint: mächtig in welcher Hinsicht? Darauf läßt sich’s schon setzen. Auch weil ich durchaus eine Vita habe, die sich nicht wie die eines Erfolglosen liest. Ich stehe zum mainstream quer, das ist wahr, bin aber sicher nicht ohne Wirkung. Es hat auch ohne Zaubertrank immer wichtige gallische Dörfer gegeben.
    Offen bleibt die Frage der finanziellen Existenz. Noch gab es da aber immer einen Weg, mehr oder minder „tricky“, aber es gab ihn. Unterm Strich lebe ich ja nicht schlecht, ich gehe in die Konzerte, die ich hören möchte, ich kann auch fast immer verreisen, wenn ich möchte: man muß sowas nur immer in Berufszusammenhänge einbinden. Da ich aber einen Beruf habe, den ich auch w i l l, kann ich das nicht als Nachteil sehen; für mich sind „Urlaube“, „Freizeiten“ usw. leere Begriffe, die ich mit Inhalt eh nicht füllen will.
    Wegen der Verlage haben Sie (anscheinend) recht; aber was soll’s? Das kunst-belletristische Buch geht seinem Ende zu, es wird eine Veranstaltung für absolute Minderheiten werden. Der Buchhandel stirbt schon seit fünfzehn Jahren langsam aber sicher ab; ein Freund aus der Branche schrieb mir neulich: die wissen’s nur noch nicht, aber in fünf Jahren sind sie tot. Man wird andere Wege gehen müssen. In den USA, las ich vor zweidrei Tagen, hat der Umsatz von book on demand erstmals den der traditionellen Buchproduktion überstiegen.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/06/05 06:23:
    @Habicht.
    Der OnlineRoman wird sich nicht durchsetzen.Mag sein, aber er könnte Segment werden, das Hand in Hand mit anderen Distributionsformen geht; übers i-phone läßt sich >>>> der New-York-Roman bereits jetzt erstklassig lesen.Sie haben das auch nur gemacht weil es den Roman schon gibt oder?Nein, sondern weil ich die Reaktion ausprobieren möchte. Wie ich >>>> dort schrieb, habe ich ein ganz anderes, sehr viel weitergehendes Projekt im Kopf. Dafür ist das jetzige ein Scout.Es gibt auch immer noch Leute die kein Internet haben und trotzdem Herbst lesen wollen, was machen die dann?Die Bücher kaufen. Noch gibt es sie ja. Es wird aber auch später Print-Optionen geben; wahrscheinlich laufen sie dann nur nicht mehr über „klassische“ Verlage. Das muß kein Nachteil sein, vielleicht wird es sich sogar als Vorteil herausstellen.
    Henning Worch Drösen (anonym) antwortete am 2009/06/05 11:24:
    im Fond der Limousine kurz herablassend:
    Ich habe vor beinahe 35 Jahren meine Karriere damit begonnen, die kleinen stinkigen Kiez-Kinos und die übergroßen Lichtspielpaläste weg zu sanieren und in ein zeitgemäßes und funktionales Konzept zu überführen: Das Multiplex. Es war damals an der Zeit, etwas zu unternehmen. Neue Soundanlagen, vollautomatische Xenonprojektoren, Große Süßwarenstände mit einer Mega-Auswahl, Kaffee aus sehr guten Espressomaschinen, über 20 Getränkesorten, mehr Säle unter einem Dach, ergonomisch designte Sitze mit mehr Beinfreiheit, gelenkschonend gepolstert, große und kleine Sääle. Mehr Auswahl. Dies in Reaktion auf die Entwicklung der Videokassette. Na gut, ich war damals schon ein Checker.
    Damals hieß es: Das Kino stirbt.
    Das war und ist Blödsinn, was ich immer schon wusste. Es wäre gestorben, wenn Leute wie ich nichts unternommen hätten.
    Und? Gibt es heute mehr schlechte oder weniger gute Filme als damals?
    Die Antwort, lautet: Es werden mehr Filme produziert. Es existieren mehr Kinosäle. Und sogar mehr cinematografische Stile. Ich habe damals schon gewusst, dass die Entwicklung auch hier auf Diversifikation hinausläuft. Eine Diversifikation, die den Bedürfnissen der Menschen einen entsprechenden Auswahlkatalog anbietet, die aber zugleich jedes einzelne Angebot um so stärker nach seinen Vorteilen zu differenzieren hat. Wer sich heute ein Video ausleiht, weiß, warum er es tut. Wer in einem Kino einen Film anschaut, weiß, warum er sich genau dafür entscheidet. Das ist das Heinz von Foerster – seelig – Prinzip: Handle immer so, dass die Zahl deiner Wahlmöglichkeiten zunimmt. (Was er nicht wusste oder gesagt hat, ist, dass nicht der Mensch so handelt, sondern der dynamische Prozess als solcher diesen Weg unaufhaltsam nimmt. Menschen, die das nicht verstehen, werden aussterben. Die Qualifikation der Zukunft heisst: Auswahl managen. Spektren erweitern. )
    Das Multiplex hat das Kino und den Film verändert aber zugleich auch gerettet. Es werden heute mehr Filme produziert und angeschaut, denn je.
    Mag sein, dass wir nicht mehr den netten oder leicht nerdigen Filmvorführer treffen, den man kennt und persönlich die Ohren langziehen kann, wenn bei der letzten Vorstellung wieder drei mal der Film gerissen war. Dafür haben wir den ausgebildeten und hochqualifizierten Multiplextechniker, der mehrere halb automatische Maschinen zu beherrschen hat, und sich nicht mehr um den Kartenverkauf oder den Getränkeausschank kümmern kann.
    Gibt es deswegen weniger Arbeitsplätze in den Kinos?
    Wohl kaum. Weil der hochspezialisierte Multiplextechniker nicht auch noch die Karten verkaufen kann, arbeitet ein extra Kartenverkaufsexperte am halbcomputerisierten Schalter, der nur Karten verkauft. Ist ihnen schon mal aufgefallen, wie viele verschiedene Beschäftigte in einem Multiplex arbeiten?
    Es sind statistisch gesehen mit den Süsswarenständen ungefähr genau so viele, wie in der Zeit, als es noch die stinkigen Kietz-Kinos gab, in denen der Filmvorführer zum Teil alles machen musste: Filmvorführen, Kartenverkaufen, Kaffee machen.
    Es sind vielleicht sogar mehr geworden. Und hier ist die Zulieferindustrie für die Popcornmaschinen und die Espressomaschinen noch garnicht eingerechnet.
    Die Kunst besteht darin, wie ich es getan habe, an beiden Konzepten zu verdienen. Ich habe heute nicht nur Anteile an einigen Multiplexgesellschaften, sondern auch an mehreren Videotheken-ketten und inzwischen auch an einer italienischen Espresso-Marke.

    Und da ich auch das Bedürfniss der Leute nach nostalgischen Anrührungen kenne, bin ich auch gerade dabei, eine Kino-Nostalgie-Kette zu projektieren.
    Das werden wieder kleine Eck-Kinos sein, so wie früher, behandelt unbehandelt, mit dem nerdigen Filmvorführer, etwas härteren Sitzen, eben unbehandelt, Bio-Kinos, mit nur einer Auswahl an nicht so bunten Smarties (künstlich entfärbt) und einem korrekt gehandelten Kaffee vom Filmvorführer selbst zuhause gekocht in der Thermoskanne. Ich lasse meine Designer gerade eine etwas vergilbte Wandfarbe anmischen und in Zusammenarbeit mit Manufaktum recherchiere ich die Innenausleuchtung im Edward Hopper-Style mit handgefertigten Glühbirnenlüstern. (Kohlefaden) Wir werden wieder den Kohle-Lichtbogen- Projektor verwenden, modernisiert und den Sicherheitsbestimmungen angepasst mit Absauganlage.
    In Zusammenarbeit mit Altenheimen kreieren wir gerade auch eine Gruchsmischung aus Karamel, Papptüte, verbrannten Kohlestiften. Lippenstift. Zigarre, TBC, schlechten Zähnen und verpubsten Sitzen. Zelloloid bleibt allerdings verboten, leider, wegen der Brandgefahr. Vielleicht entscheiden wir uns aber auch für um ein paar Kelvin eingegilbte Xenontechnologie, um Authentizität zu simulieren. Die Karten in solchen Biokinos mit „Charme“ „Persönlichkeit“, „Aura“ und „Ära“ werden natürlich etwas teurer sein. So um die 35 bis 40 Euro Eintritt etwa. Manufaktum ist nicht ganz billig, zumal wir auch wieder arbeitslose Künstler als Plakatmaler beschäftigen werden. Also keine Fotos als Ankündigungen, nein, handgemalte Plakate! Aber ich weiß, dass es ein Bedürfnis dafür gibt.
    Unterm Strich geht es mir nicht schlecht. Sie sehen ja…. kleiner Fingerzeig in Richtung Verlagsbranche…

    ….das Fenster der Limousine wieder hochfahrend, bis der Silberknauf eines Spazierstockes im Schatten der dunklen Scheibe wegtaucht.

    Fahr zu, Johann.
    Mitglied (anonym) antwortete am 2009/06/05 11:26:
    was sind denn arbeitslose Künstler?
    Cohiba (anonym) antwortete am 2009/06/05 11:50:
    @ Mitglied
    Keine Künstler
    aribert feldsteller (anonym) antwortete am 2009/06/05 11:58:
    das leuchtet ein, worch drösen
    nostalgie ist chic : ein verstimmtes klavier darf nicht fehlen oder eine wurlitzerorgel
    – nebst player.
    ( die „wurlitzerorgel der gefühle“ … adorno )
    plaziert diese mac cines old school ( the verryvery old & true style ) an den grossen boulevards, wo nachts noch reg(st)er publikumsverkehr herrscht.
    für jede grössere stadt weltweit der magnet für liebhaber verflossener zeiten.
    ( pierrot luinare )
    unabdingbar ein reservieren können von plätzen über reisebüros oder direkt online – vielleicht die hälfte des platzangebots ausmachend.
    weckt bei mir ebenfalls höchstes interesse, zumal mir die schnelligkeit des modernen kinos meist angst macht aber ich nicht auf bewegte bilder verzichten will. sie sind sowohl ein ausgefuchster geschäftsmann, sowie sie sich ein grosses herz für die menschheit erhielten, welches sich letztenendes sogar bezahlt machen wird.
    Henning Worch Drösen (anonym) antwortete am 2009/06/05 12:49:
    @Mitglied
    Das war gut gefragt: Ich meinte natürlich einkommensprekäre Künstler.

    @feldsteller: Selbstverständlich, ich denke, dass sich ein gutes Herz immer auch ökonomisch bezahlt macht, wenn man es nicht mit nur mit reinem Gefühl verwechselt. Es muss auch unternehmensberaten, also produziert werden. Dafür braucht man allerdings auch wieder Gefühl – also: Näschen.
    Weshalb ich zum Beispiel jede Art des Geldverdienens auch dem Bereich der Kunst zuschlagen würde.
    diadorim antwortete am 2009/06/05 13:08:
    womit mal wieder bewiesen wäre, der revolutionär iss er, henning worch drösen, hans-olaf henkel hat es in einem video von korpsy und löffler, wodu, 2000, auch schon von sich glaubhaft behauptet, es war unmittelbar einsichtig, dass man es so und nur so sehen kann: der revolutionär, das sind sie herr henning worch drösen, man wird noch das popcorn nach ihnen benennen.

    http://www.hamburger-kunsthalle.de/schraegspur/tvgarden/korpys1.html
    lustlacher (anonym) antwortete am 2009/06/05 14:06:
    genau frau diadorim
    es sind solche patenten, ausgeschlafenen mitten-in-der-welt-steher wie
    worch drösen oder hans werner sinn ( von manchen recht lustig manchmal als
    hans werner unsinn bezeichnet ), welche menschen in lohn und brot bringen,
    insofern man ihnen die zügel einer freien und sozialen marktwirtschaft gründlichst anzulegen und stets nachzujustieren weiss.
    hansjürgen fogeldreier (anonym) antwortete am 2009/06/05 14:20:
    es ist eine hohe kunst wenn nicht sogar die kunst der künste überhaupt mit geld umgehen zu können, ganz egal ob man es an einem tag verspielt, es seinen nachkommen hinterlässt oder ein amphitheaternachbau in mozambique oder auf den osterinseln damit finanziert
    diadorim antwortete am 2009/06/05 14:56:
    i m deeply possessed, „ain’t this what living is really all about!
    here’s your fifty bucks, mary…“
    vivi furyhorse (anonym) antwortete am 2009/06/05 15:11:
    26 dollars …
    … baby-doll-artefucks !

    u forgot – frumpish fogeldreier
    hansjürgen fogeldreier (anonym) antwortete am 2009/06/05 15:16:
    danke vivi
    für die ergänzung.
    16 aufwärts würd ich sagen, egal ob mann oder frau.
    weiteres müsste juristisch zu verhandeln sein.
    vielleicht kennt ja worch drösen einen guten advokat
    für eine anzuformulierende petition
    ( nein nicht petting, vivi )
    yes we can (anonym) antwortete am 2009/06/05 15:38:
    we are so glad
    to read here about money maybe possible to give away.
    so U should consider in every second of yer freetime
    whom u could give yer not useable bucks.
    diadorim antwortete am 2009/06/05 15:46:
    refuseable bucks and careholder venues, what do we need more?
    averagecounter (anonym) antwortete am 2009/06/05 16:00:
    not much more
    even a government, what could not care for every fart ( u call that wohlfahrt )
    of every citizen.
    u have to do yer own thangs and particularly to ask yerself, what u can do for
    yer country to get wealthy and fulla rich, fat and deeply green meadows.
    in germany u should goin on planting ( yer last ) trees.
    slipvisitor (anonym) antwortete am 2009/06/05 16:23:
    „oh lord have mercy with the people of england with the terrible food, these
    people must eat „
    200 motels / m.o.i.
    Henning Worch Drösen (anonym) antwortete am 2009/06/05 16:42:
    Die Scheibe der Limousine
    noch einmal herunterlassend:
    es ist klar, dass in einer Ökonomie nie, und ich betone – nie ! irgend etwas verschenkt wird. Schenken ist unmöglich. Nichts geschieht in der Natur ohne ein Backlash, auch dort wo wir freiwillig schenken, tauschen wir – gegen Freude, gegen ein Lächeln oder gegen ein Gegengechenk.
    I’m not jesus. Und ich brauche es auch nicht zu sein.
    Ich habe nichts zu verschenken. Nur zu tauschen. Ich mag mein Geld ebenso wie ein Lächeln. Und ich mag Geschäfte.
    Eine Ökonomie, die sich dieser Sache nur tief genug bewusst wird, ist automatisch eine lebbare, soziale.
    Umgekeht muss sie aber auch immer genau wissen, was sie hingibt, wenn sie etwas haben will.
    Schauen sie sich nur das Gesicht von Hans Olaf Henkel an. Ein verspannter Workoholik, glatt gepresst, unsinnlich. Mit Verhärtungs – und Spann-Mustern an den Wangen und um die Mundwinkel…auch er hat sehr viel geben müssen…
    Ich vergas zu erwähnen, dass die Altenheime in meinem Konzept selbstverständlich an den Umsätzen der Nostalgie-Kinos beteiligt werden. Sie haben etwas gegeben, eine Information, und sie bekommen dafür etwas zurück.
    aribert feldsteller (anonym) antwortete am 2009/06/05 17:02:
    man muss ganz einfach den sozialneid aus den leuten herausprügeln, herr worch.
    ich verstehe ihre laxe, betuliche, generöse und irgendwie kurzsichtige haltung
    eigentlich überhaupt nicht.
    sehen sie sich doch volksverhetzer oder etwas „demokratischer“ formuliert – demagogen wie o. lafontaine an !
    und da können sie rugig und sachlich bleiben ?
    im fond ihrer limousine tja aber verlassen sie mal ihr gefährt und schnuppern sie mal rein in wahlveranstaltungen von prekariatsnahen parteien.
    ihenen werden die augen überquellen angesichts der nervösen agiatationen und
    lautstarken argumente.
    ein mann ihres schlages – ein unternehmer guter alter unternehmertradition zuwelcher auch ein wolfgang grupp gehört aber eben nicht so ein renegat wie herr götz werner – männer ihren schlages sollten nicht verzärteln, sprich effiminieren und anfangen sich etwas vorzumachen.
    das volk will ertüchtigt sein, es braucht elementare anreize und nicht nur wohlmeinendes entgegenkommen.
    reicht man den kleinen finger – herr worch drösen – so ist dann die ganze hand dran, den neidgelenkten faulenzern gar.
    Albert Hammond (anonym) antwortete am 2009/06/05 17:44:
    Für mich wirkt dass kein bißchen herablassend wenn einer im Internet das Fenster seiner, wie nennt der arme Pechvogel es, herablassend….
    Da möchte man doch zu gerne rufen, „ja, ich bin neidisch,“ nur damit er sich nicht vorkommt, wie jenes Gefühl dass wir haben, wenn wir zum Mond schauen und wirklich den Eindruck haben, dass dort niemand ist der uns zuhören kann.
    Henning Worch Drösen (anonym) antwortete am 2009/06/05 17:46:
    mich betrifft, ich habe ja meine Vorkehrungen getroffen und auch einige Lenkwaffen hier an Bord.
    Nun, aber letztlich will ich auch nicht predigen, ich fürchte, die Dummen werden sich aufreiben in überflüssigen Kämpfen oder Behauptungen. Die anderen werden Erfahrungen machen und lernen.
    Früher ist man immer davon ausgegangen, dass ein Mangel eine Korrekturbewegung verursacht. Das war richtig, solange es ums Essen ging.
    Heute haben wir mit dem furchtbaren Problem zu tun, dass Dummheit ein Mangel ist, der nicht bemerkt wird. Der Dumme empfindet keinen Bildungshunger wie einen leeren Magen, und wird deshalb auch nicht für Bildung auf die Barrikaden gehen, so wie früher für einen satten Bauch. Das ist das Problem. Gewisse Zukunftskonzepte setzen Bildung vorraus, heute viel mehr als Essen.
    DerDippel (anonym) antwortete am 2009/06/05 17:49:
    Gnädiger Herr, passen sie auf, dort liegt eine Pfeife, oh entschuldigung,
    das sind ja Sie
    aribert feldsteller (anonym) antwortete am 2009/06/05 18:03:
    jetzt machen sie mal platz dippel
    oder sie fangen eine.
    ( also dass man hier immer erst ungemütlich werden muss, um damit solche strolche
    wie dippel ins benehmen zu setzen )
    ja werter worch drösen – sie haben vorgesorgt sicherlich auch mit einer gehörigen portion panzerglas und einem unauffälligen begleitfahrzeug, vermutlich einem
    bmw der z-serie in denen zwei kampferprobte laura crofts sitzen und auf lesben machen.
    allzu viele gebildete bürger sind doch gerade die gefahr für unsereins.
    sie wissen doch dass der akademisierte proletarierer frech wird und vorlaut ansprüche formuliert.
    da werden sie schon sehen bei aller vorliebe für konkurrenz, wettbewerb und
    rivalität ob nicht eines tages bei immer mehr gebildeten leuten etwas dreistes
    und gar nicht mehr pittorekes ihne dann auf der nase herumtanzt, bevor es ihnen
    dann diese abschneidet.
    bestürzt mich ihre blauäugigkeit
    ( verzeihen sie mir den etwas hypervebtilierten ton. )
    diadorim antwortete am 2009/06/05 18:13:
    feldstelleresk und wirklich böse möchte man das nennen.
    aribert feldsteller (anonym) antwortete am 2009/06/05 18:18:
    wenn sie aber den
    MECHATRONIKER meinten – herr worch drösen – ja da gäbe ich ihnen recht.
    aslo einen lauteren, wackeren und teamfähigen spezialisten, welcher auch bei einem
    spitzenverdienst von vielleicht 1800 € brutto noch vergnügt unbezahlte überstunden macht und womöglich noch auf ein weihnachts gehalt verzichtet sollte
    es einem betrieb mal etwas schlechter gehen.
    ein sauberer gutausgebildeter kollege eines mehrkörperensembles ohne hohe materielle ansprüche – das liesse sich womöglich züchten.
    slipvisitor (anonym) antwortete am 2009/06/05 18:20:
    genau feldstalker
    das ist dann der typ der so gut wie alles unter den augen aller macht und das noch
    dauerhappy.
    Henning Worch Drösen (anonym) antwortete am 2009/06/05 18:27:
    Nun,
    das Risiko muss man wohl eingehen. Die Alternative wäre, eine gebildete Elite, die ein Heer von Ungebildeten befielt und alles richtig macht, was zu bezweifeln war. Wobei das Bildungproblem ja auch die Reichen betrifft.
    Aber vielleicht haben sie Recht, zu viele Bescheidwisser verderben den Brei. Besser wenn alles so bleibt, wie es ist, und wir unsere Schäfchen ins Trockene bringen.
    aribert feldsteller (anonym) antwortete am 2009/06/05 18:36:
    ich werde diesen ort auch hiermit verlassen
    zumal im fernsehen auf dem sender phönix gerade guido westerwelle übertragen wird.
    see u later alligator …
    p.s.
    man sieht sich ja sonntag beim golfen, hoffen wir dass der wettergott bei laune ist !
    slipvisitor (anonym) antwortete am 2009/06/05 18:40:
    na endlich
    du flitzpiepe.
    also so ein rehchen hab ich ja echt schon lange nicht mehr gesehen.
    so ein geschnatter.
    Henning Worch Drösen (anonym) antwortete am 2009/06/05 19:11:
    Herr Herbst
    Ich habe mich schon mit Christoph Hein zusammengetan und denke, sie gehören zu uns. Wir Outlaws müssen zusammen halten.

  5. NYC-Kommentare 5) Zu http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/in-einem-zweistoeckigen-rundbauchigen-pavillon-kehrte-ich-ein/

    fragile.f meinte am 2009/05/30 13:25:
    Ich auch 🙂
    prunier (anonym) meinte am 2009/05/30 14:10:
    Olsen !
    Ich auch !!

  6. NYC-Kommentare 6) Zu http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/maestro-chopstick-time-out-new-york-198-20-bis-27-5-1999/

    prunier (anonym) meinte am 2009/05/30 14:07:
    die Geschichte
    Ich erfahre mit grosser Freude, wer dieser Maestro war ! Meine fiktive Lieblings person hat ein reales Gesicht ! Wie schön !
    Jens (anonym) meinte am 2009/05/30 19:02:
    @Alban Nikolai Herbst
    Eigentlich ein ganz toller Service, dass Sie Hintergründe für den Roman aufdecken. Leider kann man diesen Artikel aber überhaupt nicht lesen.
    Henning Worch Drösen (anonym) antwortete am 2009/05/30 20:09:
    Mc Kinsey Zwischenbericht.
    Henning Worch Drösen (Mc Kinsey)

    Mc Kinsey Zwischenbericht:

    Die Unternehmens-Beratung Mc Kinsey wurde beauftragt, das Unternehmen: „In New York – Manhatten-Roman“ auf Wirtschaftlichkeit, (controlling) Bedarfsorientierung, Ressorcenmanagement, Facillitys, Zielführung der Produktentwicklung zwischen zu prüfen und dazu ein merger statement (quarterly, middle) zu erstellen. Berücksichtigt werden hierbei die
    Seed-, start-up-, expansions-, bridge- and exit- phases sowie der consumer inside.
    Page 6
    Kennzahlen (sheet):

    Idea management/investment: 4,7 von 10

    unternhemensbeteiligte Personen mit
    kapitalschöpfender Tätigkeit/human ressourcing: 5 (plus Russin, plus Portier mit Cousin, plus Erzähler)

    Semiotischer Durchsatz (capital flow): 5,7

    facilitys und stehende Werte (point of documentery):
    6000 Adjektive, ein Hotel, ein Thoné-Stuhl, Kanalisationsschächte, plus 2 Barhocker. (abschreibungsfähig)

    vision of economics/poin of documentary:

    Der Prüfer empfielt das Outsourcing der Adjektivproduktion, gegebenenfalls eine Verschlankung der Produktlinie. Im Human Ressource-Management ist gegebenenfalls Kurzarbeit für die Mitarbeiter Klärchen und Tom
    anzuordnen.
    Beim information-flow sollten einig Kommas ganz freigestellt werden. Zu erwägen sind Abfindungen oder Übergangsregelungen. Auf jeden Fall ein Einstellungsstopp.

    summery: das Unternehmen hat, nach Berücksichtigung der empfohlenen Maßnahmen, eine ca 30igprozentige Chance am consumer market eine wachstumssteigernde Nachfrage zu entwickeln. Ein Börsengang ist nach jetziger Eischätzung noch nicht zu empfehlen.

    Prüfer:
    Henning Worch Drösen, CA, Eckernförde
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/30 22:56:
    @Jens.
    Deshalb ist die genaue Quelle genannt; der Text läßt sich also besorgen. Sollte das wider Erwarten zu umständlich werden und weiterreichendes Interesse bestehen, bin ich gern bereit, eine Kopie zu fertigen und hinauszugeben. fiktionaere at gmx dot de.

  7. NYC-Kommentare 7) Zu http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/new-york-manhattan-alban-herbst-kapitel-21-24-roman/

    Peter (anonym) meinte am 2009/05/31 11:15:
    Stadtromane
    eine Tradition. So geht der Niederländer Cees Nootboom nach Berlin und schreibt „Allerseelen“ Das machte Sinn zu einer Zeit, als da großes Bauland war. Und die Geschichte ein Unterwegssein auch philosophisch reflektierte, in Gesprächen, dazu das Aufgerissene des Potsdamer Platzes, die Aufgerissenheit der Stadt damals., das Aufgebrochene der Geschichte. Ein schönes Buch, das ich gerne gelesen habe. Obwohl es nach hinten etwas abfiel. Aber bei Noteboom war die Stadt eine ganz dünne Folie für grundsätzliche Erwägungen.
    Cees Noteboom allerdings hatte es verstanden, seine Eindrücke nicht exotistisch, touristitisch, zu präsentieren. Zitat: „Die Stadt als Ansammlung von Gebäuden war eine Sache. Aber Stimmen, das war eine andere.“
    Mit solchen lässig reflektierten Einschüben mach C.N. mal eben schnell klar, was es bedeuten kann, Stadt als Fremde und Stimmen, anzuverstehen.
    Und er macht klar, dass man sich als Schreibender wenn man sich auf „historischen Terrains“ bewegt, und das sind Metropolen immer, arg auf der Rasierklinge des touristisch sensationierten Klischés bewegt. Aber Noteboom weist dazu wenigstens ein Bewusstsein aus.
    Bei Ihnen bin ich immer irgendwie in so einer mittleren Fernseh-Dokumentation einer aufgescheuchten Redakteurin, die nun New York irgendwie aufregend findet. Und katalogisch muss nun immer auch 3-Sat-Wissen präsentiert werden. Mikrophondurchsagen in berentnerten Reisebussen, die hier total peinlich wirken: Manna Hatta, Indianer, die man für den Hochbau auf Brücken eingesetzt hat. Ja Ja interessant. Und noch dazu beginnt der Roman, wie sollte es anders sein im schlimmen schlimmen Film-Manhatten mit U-Bahn, mit „Cops“ und „Bauchschüssen“ und einem Typen in Jeans-T-Shirt-Hemd, der mir sofort als geldgierig oder unsympathisch beschrieben wird, ein Tom -Hanks-Verschnitt……ein Michael Douglas Verschnitt…
    Die dramaturgische Hilflosigkeit des Romankonstrukts scheint mir darin zu liegen, dass es sich nicht darüber im Klaren ist, dass Polizeisirenen auf Autodächern in New York, Taxis mit sirrenden Reifen, Lichter, die sich in Pfützen spiegeln, Buntheit und Vielheit, eben genau das ist, was zum Mythos New Yorks gehört, den man kennt und weiß, ob man nun in New York gewesen ist oder nicht. Hier wird das aber präsentiert, als sei das etwas ganz Neues, Ungesehenes, als berichte jemand für ein Publikum, dass Ltdnd. Kojack die x-Filme zum NYPD, „Das Appartement“ etc etc etc…… nie gesehen hätte.
    Das langweilige daran ist, dass der Erzähler mir kein New York erfindet, wo er doch so auf Erfinden und Phantasieren aus ist, sondern er zeigt eins, dass ich schon kenne. Noch dazu in einer adjektivierten Aufgeregtheit, die dieser Stadt – wie sollte es anders sein – oh – wie überraschend etwas zuschreibt, dass ich – oh wie neu für mich – als ein molochhaftes, dichtgedrängtes Nebeneinander von Stilen, Zeiten und Schicksalen zwischen Wolkenkratzern jetzt durch den Erzähler endlich mal so ganz gnadenlos investigativ einfach mal gezeigt bekomme. Ich, der ich immer dachte, New York sei ein verschlafenes überschaubares Nestchen…usw.. total interessant.
    Städte wie New york und gerade New York, sind immer auch sichselbstbestätigende Städte.
    Bevor ein Erzähler diese Stadt erzählt, hat sie sich hundertmal selbst erzählt. Hier aber herrscht der naive Entdeckergestus eines Kolumbus aus Winsen Luhe, der mir erzählt, dass es in New York U-Bahnen und Wolkenkratzer gibt. Darin sehe ich – gelinde gesagt – ein Problem.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/31 12:18:
    Lächelnd @Peter.
    Auch hier gilt: Warten Sie mal ab; das Signal war längst da: Under Manhatten. Damit d a s werden kann, braucht es das, was oben de facto sichtbar ist, und zwar s o sichtbar ist. Die Dinge schleichen sich e i n; die >>>> hieraus (die Kapitel hinabscrollen) http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/der-bus-fuhr-auf-den-sich-flusslaengs-streckenden-berggrat-dann-in-ser/ abgeleitete Mata Hari/St. Clair ist eben k e i n e touristische Beigabe. Und weshalb von den Schüssen erzählt worden ist, habe ich auch begründet. Von der Realität nicht mehr zu erzählen, weil von der Realität schon anderwärts erzählt worden ist, scheint mir überdies ein höchst schwaches Argument zu sein. Hinzu kommt, daß mir ein Roman, der Guilianis Disneyfication NYC’s in den Blick nimmt, jedenfalls im deutschen Sprachraum n i c h t bekannt ist.
    Luhmann (anonym) antwortete am 2009/05/31 12:40:
    Er wieherte: „Was?!“
    Zunächst und vorab und zur Richtigstellung. Cees heißt Nooteboom und nicht Nootboom und Winsen Luhe Winsen an der Luhe. Als Leser aus diesem ruhigen Ort, tellerflach und pferdereich und vor Jahren Teil der britisch besetzten Zone, frage ich mich, wie ein „Brite“ „was“ „wiehern“ kann. Und abschließend, ob die Bilder Ihres Romans als Sammelklebebilder zu erwerben sind. Herzliche Sonntagsgrüße (Ruhig fließt die Luhe und Vögel streifen sie im Flug.)
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 12:51:
    Lächelnd zurück
    Ach ja? Und was ist mit Eastan Ellis, was ist mit Tom Wolfe, was ist mit Cormac Mc carthy und und und und ?
    Glauben Sie , dass sie eine neue Nachricht haben?
    Sie wollen Giuliani und seine Politik „in den Blick nehmen“, womöglich in einen „kritischen“ ja? Das würde vorraussetzten, dass sie die eine Seite von New York erstmal verstanden haben, bevor sie sich der „anderen“ Seite zuwenden. Dann nehmen sie Giuliani mal in den Blick.
    Was glauben sie, wie viele Geschichten nach folgendem Muster gestrickt sind:

    Da haben wir geschnittnen Rasen,
    auf dem der Sprenger fleißig tickt.
    doch siehe mitten in dem glitzernd Gras
    liegt gar ein abgeschnittnes Ohr.

    es gibt Äonen solcher Geschichten.

    Wissen Sie was ich widersprüchlich finde. Dass Sie Giuliani in den Blick nehmen wollen. Und was ist mit dem Dschungel? Was machen sie hier?
    Darf der Dschungel keine Kanalisiation haben? Nur mal so gefragt.
    Houyhnhnms (anonym) antwortete am 2009/05/31 12:56:
    @Luhmann
    Mal Swift lesen, dann weißt Du es und hörst es sogar. Da habe ich richtig aufgelacht bei dem Briten. Das ist sogar richtig gut.
    Luhmann (anonym) antwortete am 2009/05/31 13:02:
    Ich gabs meinen Pferden zu lesen und bat sie „was“ zu wiehern, sie schüttelten die Mähnen. Bei Ihrem Namen, lieber Herr Houyhnhnms, würden sie bocken und scheuen.
    Balu (anonym) antwortete am 2009/05/31 15:02:
    @ Peter:
    Du schreibst, wie viele Geschichten nach dem Muster gestrickt sind. Klar sind nach dem Muster hundert Geschichten gestrickt. Wahrscheinlich hast du David Lynch im Kopf, wo die Geschichte aber nicht in einer Großstadt spielt. Sind nicht alle guten Geschichten nach so einem Muster geschrieben, weil das eben das Muster für gute Geschichten ist? Auch deine anderen Einwände finde ich geschmackssache. Tom Wolf schreibt ganz anders und Ellis ist so naja. Ich lese was ganz anderes als du. Die Geschichte fängt an einem Schreibtisch an, über den der Hudson fließt. Die Chopstick Geschichte habe ich so auch noch nicht gelesen. Mir gefällt grade gut, dass sie sich so aus dem mischt, was man vor allem aus Filmen kennt und dass das ein Tourist ist, der erzählt und dass er dann eben doch was anderes sieht. Es wird ja gerade nicht so getan, als ist der Held ein New Yorker. Deshalb empfinde ich das hier so deutlich, dass er fremd ist, aber überwältigt ist, dass ihm das gefällt. Er ärgert sich aber auch und gerät jetzt in was rein, dass er nicht im Griff hat. Ich bin sehr gespannt, wie das weiter geht.
    Houyhnhnms (anonym) antwortete am 2009/05/31 15:30:
    Houyhnhnms are a race of intelligent horses described in the last part of Jonathan Swift’s satiric Gulliver’s Travels. The name is pronounced either hu:nəm or hw:nəm.
    Houyhnhnms contrast strongly with the Yahoos, savage humanoid creatures: whereas the Yahoos represent all that is bad about humans, Houyhnhnms have a stable, calm, reliable and rational society. Gulliver much prefers the Houyhnhnms‘ company to the Yahoos‘, even though the latter are biologically closer to him.
    irland (anonym) antwortete am 2009/05/31 15:48:
    luhmann ist brite
    darum kann er das nicht leiden.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 16:13:
    Ja, Balu
    Natürlich kann man sich auch hier noch vielleicht auf das eine oder andere Detail freuen. Und es wird immer irgendwas geben, was Du oder jemand „so“ noch nicht gelesen hat. Keine Frage. Ich finde es aber eben n i c h t wirklich reflektiert, dass über New York schreiben eigentlich nur noch so laufen kann, als schriebe man über einen Film.
    Ich frage mich halt nur, wann man dazu übergehen muss, oder besser, wann man einsehen muss, das eine Geschichte nicht mehr aus der Perspektive 1. Ordnung erzählt werden kann. Also wann ist die Projektion von „Phantasie“ oder „Dokumentation“ bzw, wann ist sogar das Milch-Spiel „Phantasie oder Dokumentation“ oder auch das Milch- Milch – Spiel „Ist es Phantasie oder Dokumentation“ – wann also sind all diese „Spiele – „Spiele“ – Spiele“ – wann sind diese Teller künstlerisch leergegessen? Ich behaupte: Sie sind es längst. Da ist nichts mehr zu holen außer Ausdifferenzierung- oder eben Unterhaltung- Unterhaltung“ Die pure Ausdifferenzierung auf diese Art betrieben langweilt mich aber in der Literatur und auch im film inzwischen zutiefst.
    Im besten Falle entsteht Musik. Na gut.
    Dann kann ich nur noch sagen: Gefällt mir, gefällt mir nicht. Bitte schön.

    Aber diese Textstrategien leisten heute alle nicht mehr als Milch in Milch auflösen zu wollen, und nachdem das dann aufgelöst ist, diese „Milch – Milch“ nocheinmal in Milch zu einer „Milch-Milch-Milch“ aufzulösen. Das kann ich jetzt die nächsten 1000 tausend Jahre so weiterpraktizieren….und es ist immer noch besser als Krieg führen oder ähnliches.
    Aber mein Verdacht ist, dass diese Art zu erzählen, bereits unterdefiniert ist oder vegetativ. „In Wirklichkeit“ nämlich vermischen sich die Dinge nicht, sondern sie t r e n n e n sich, indem sie sich ausdifferenzieren. Diese scharfen Trennungen erzeugen Spezialisierungen.
    Das Ohr-Beispiel hab ich – klar – von Lynch genommen.
    Auch Lynch- Filme – kann ich eigentlich nicht mehr sehen. Ich mag einige Bilder hier und da, seine Kamera, aber zugleich weiß ich auch, dass auch dieses Projekt bei Lynch an einem toten Punkt ist. Auch das kann er jetzt noch 10000 Jahre weiter betreiben – aber es ist langweilig, weil austauschbar.
    Und dazu muss ich auch sagen, dass der Film heute als multimedial technisches Medium allem Schreiben möglicherweise auch dramaturgisch absolut überlegen ist. Also wollte man ein Lynchfilm in Sprache übersetzen, erhielte man Gestammel oder klassische postmoderne Scheiße, zerfaserte Tausendseiter. Ich will damit sagen, dass eine Literatur, die nicht permanent durchblicken lässt, dass sie selbst mit einem multimedial erzählten und sich konditionierenden sich selbst durch Beobachtung und Gegenbeobachtung erzeugenden Wahrnehmungsraum Raum konkuriert, ein Raum, der selbst bereits hoch raffiniert ist, die also somit alles, was sie erzählt nicht zugleich in Anführungsstrichen und Gegenspiegelungen erzählt, für mich eigentlich ein Nicht-heran-Reichen dokumentiert. Jeder geschriebene Text konkurriert heute in Gleichzeitigkeit mit Matrix, mit Lynch, mit Youtube und weiteren 345 Fernsehkanälen und und und. Und es tut mir leid, es so hart zu sagen, aber was hier erzählt wird oder dramaturgisch zu bauen versucht wird, ist gegen „das da draussen“ echt pipifax. Und jede Gremiumssitzung im Hinterzimmer eines Bundestags zur EU-Regulierung von subventioniertem Rapsdiesel, verlangt (und erzeugt) mehr Raffinesse, mehr Spannungspotential, mehr Lynchhaftes und einen weitaus größeren Phantasiebedarf, als auch Phantasie in einem weitaus komlexeren Dramaturgie-Raum, als Texte wie diese hier herzustellen im Stande sind.
    Das geht los, bei der Frage, wer wo wann warum wieviel Raps anbauen darf, kann und will – über Saatgutsorten – bis hin zur klimatischen Berücksichtigung der Anbauländer und endet dann bei den persönlichen Sympathien und Antipathien, bei Stimmung und Tagesform der Sitzungsteilnehmer. Ganz abgesehen von Detailfragen zur Bodennutzung, dem Einsatz von genveränderten Pflanzen bis hin zum Wirkungsgrad von Motoren oder Dieselmaschinen. Daneben muss geklärt werden die sattelitengestützte Überwachung von Anbaufeldern aus dem All, die nur realisiert werden kann, wenn man auf stillgelegten Zwischenflächen eine lilafarbene Zwischensaatpflanze anpflanzt, die in einem entsprechenden Spektralbereich Wellenlängen des Satteliten absorbiert usw…. Und dies alles muss „in Wirklichkeit“ ohne Bauchschüsse in einem hochdisziplinierten Einigungsprozess erwogen und erörtert werden zwischen einerseits hochspezialisierten Menschen, die auch zwischendurch mal aufs Klo müssen, die aber andererseits sich trotz Spezialisierung auch zu verständigen haben. Das sind die Bereiche, wo „Literatur“ wo „Wirklichkeit“ , wo „Phantasie“, wo „Dokumentation“ heute an vorderster Front noch so etwas wie Primärrealität erzeugt.
    Deshalb zum Beispiel brauche ich keine erfundenen Taliskers oder Chopsticks und lese dann lieber das Buch von Reza, die Sarkosi ein Jahr lang begleitet hat, bevor er Prässident wurde. Und ich beneide sie dafür, dass sie das machen konnte, und weiß jetzt schon, bevor ich mir das Buch gekauft habe, dass das Literatur ist. So etwas würde ich auch gerne machen.
    Balu (anonym) antwortete am 2009/05/31 17:49:
    @ Peter
    Damit kritisierst Du aber die Literatur selbst und nicht diesen Roman speziell. Das hättest du vielleicht vorher mal klar stellen sollen. Zum Beispiel dass du auch Lynch nur noch langweilig findest. Das gibt deiner Kritik einen ganz anderen Dreh. Wwarum liest du das dann überhaupt? Wir können uns jetzt natürlich lange darüber streiten, was Literatur leisten kann und was nicht oder wo sie überfordert ist. Aber vielleicht stimmt das alles auch nicht, sondern du hast da eine so spezielle Sicht drauf, dass das andere Bedürfnisse ganz außer acht läßt. Ich kenne nicht viel von Herbst, aber was ich bei Wikipedia gelesen habe, sagt, dass er noch Anderes macht als dieses New York. Das mit Anderswelt klingt viel komplizierter. Das werde ich vielleicht auch mal lesen. Aber für eine einfache Geschichte finde ich den Roman ziemlich gut erzählt, weil ich immer sofort in den Szenen drin bin und die Art sie zu erzählen schon ungewöhnlich ist. Bei Auster ist die Sprache immer mit so ausgestellter Melancholie. Das gefällt mir viel weniger. Die Fotos brauche ich dazu gar nicht, obwohl die auch wieder was haben. Außerdem bin ich noch unsicher, ob das mit der einen Perspektive überhaupt stimmt, was du schreibst. In einem Kommentar gabs ne Andeutung dazu. Man weiß ja nicht, wie lang der Roman werden soll. Soll aber eher ein dünnes Buch sein, 145 Seiten habe ich eben gelesen.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 19:03:
    Balu
    Nein ich kritisere nicht die Literatur. Nooteboom hat mir sehr gefallen zum Beispiel, weil er ganz offen eine Künstlerexistenz in Berlin sich hat unterhalten lassen und die Stadt durchwandern lassen. Stark philosophisch fragend, tastend, auch wahrnehmend. Ein Buch, dass sich der Unsicherheit hingibt. Nur die Liebesgeschichte, die auch da drin war gehörte für mich zum Parfüm, zum Zuckerguss. Dann auch Enquists Blanche und Marie ist ein tolles Buch. Auch hier wird ein Moment der Unsicherheit umspielt, aber ganz offen, also nicht feixend, sondern verletzlich fragend.

    Ja, es ist eine persösnlich gefärbte Auffassung, aber auch ein Konflikt. Ich lese ja nicht, um zu vergleichen, also um Autoren zu vergleichen, um rauszukriegen, wie macht der das oder der das dann anders.
    Gebe ich zu. Ich lese, um mich von Büchern belehren zu lassen, also wirklich belehren, oder mich zu unterhalten. Am liebsten natürlich beides zusammen. Bei Filmen ist das auch so. Und natürlich gucke oder lese ich mir auch Sachen aus formalen tricktechnischem Interesse an. Das mache ich dann aber eher kalt als Techniker. Also ich gucke, wie führt jemand die Geschichte, was für Sätze etc… Da allerdings gucke ich immer sehr genau nach Plausibilität, also warum ist die Geschichte so und so. Oder warum ist die Sprache so oder so. Das hat etwas mit dem Leben zu tun. Weil auch im Leben Sprachen oder Verläufe nie zufällig sind, sondern an Erfordernisse und Situationen gebunden. Und genau da fallen ganz viele Sachen dann bei mir durch, weil ich sehr schnell spüre, dass die meisten Autoren zwar ein Anliegen haben, also ein – ja – nennen wir es Schmerzgrund des Schreibens, oder einen Lustgrund des Schreibens, oder eine Idee, und dann haben sie auch etwas wie einen Stil oder einen Ausdruck entwickelt – aber dann spürt man, dass der eigentliche Grund nie soweit reicht, daraus Tausendseiten zu machen. Er reicht oft nicht mal für 150.
    Also ich spüre sehr schnell, wann etwas sich vom Anliegen löst und zur „Masche“ verkommt, die obschon fleißig, aber dann eben grundlos ausleiernd weitergestrickt wird. Damit es „ein Buch“ wird. Wenn ich das spüre, klappe ich das Buch zu. Meistens schon in der Buchhandlung.
    Manche Autoren haben auch das Konzept, dass „Fülle“ sozusagen die Idee ist. Und die Fülle nicht aus der Idee sich ableitet. Das interessiert mich persönlich aber auch nicht. Weil das Gehirn nicht so arbeitet. Das Gehirn ist ein Reduktor. Es reduziert und filtert Fülle auf Plausibilitäten und das ist gut so. Würde es das nicht tun, könnten wir nicht denken, noch leben. Eine Literatur, die nicht ebenfalls nach lebbaren Plausibilitäten, nach verstehensproduzierenden Reduktionismen forscht oder sie sucht, ist nach meiner persönlichen Auffassung Humbuck oder sogar kontraproduktiv. Weil sie nur zur Verwirung einer einer bereits überstark verwirrten Welt beiträgt.

    Leider habe ich Diamant Age fast ganz gelesen, schon vor paar Jahren. Ich kann mich an nichts mehr erinnern, ausser an eine komplizierte, frische, auch sehr witzige und auch schon sehr auflösende futuristische Geschichte mit Cyborgs, Prothesenmenschen etc…. verwickelten Räumen, aber da ist mir nichts hängengeblieben, wo ich jetzt gesagt hätte – das prägt meinen Intellekt oder mein Leben. Ich habe das wie eine Fernsehserie gelesen. Dementsprechend hat sich der Leseeindruck bei mir mit vielen vielen anderen Fernsehserien bei mir vermischt.
    Dann kenne ich auch ein paar gut gemachte, wirklich auch schon phantastisch und kompliziert strukturierte Comics, nebst einigen Verfilmungen.
    Und ich habe Cormac MacCarthys Knoxville gelesen. Und natürlich auch John Dos Passos Manhatten Transfer, der Klassiker aller „modernen“ New-York-Geschichten. dieser Roman ist in gewisserweise genrebildend gewesen.
    Paul Austers Melancholie habe ich komischerweise immer „freundlich“ weltzugewandt empfunden. Eine irgendwie einvernehmende Melancholie.
    Ich habe Pynchon dann viel geblättert. Ich habe den ganzen Lem gelesen. Und ich bin in der Realität, beruflich, auch mit äusserst interessanten zum Teil ziemlich komplizierten , beinahe pynchonesken Zusammenhängen befasst. Brauche Kompliziertheiten und Verwickeltheiten also nicht noch künstlich nach Feierabend. Was nun die Wikipedia-Einträge betrifft, wäre das eine oder andere zu erwägen, aber ich denke eher nicht, weil ich eine persönlich gefärbte Sprachauffassung und Literaturauffassung habe, der Herbst nicht entspricht. Was mir allerdings entspricht ist – Die Dschungel- als Diskussionsforum und sprachintervenierenden Ort des Realinteraktion.
    Balu (anonym) antwortete am 2009/05/31 19:36:
    @ Peter
    Jetzt wird mir deine Haltung deutlich. Ich kenne das Buch von Nooteboom nicht, aber vielleicht kam es ihm auf die Liebesgeschichte grade an, die du als Zuckerguß empfindest. Wobei das natürlich dein Recht ist, das so zu empfinden. Auch das mit der Unsicherheit verstehe ich, aber was meinst du mit feixend? Außerdem heißt doch, sich belehren lassen zu wollen, dass du voraussetzt, dass ein Schriftsteller weiter ist als du. Kann sein, dass das manchmal so ist. Aber kann doch auch sein, dass er Eindrücke, Erlebnisse usw. genau dadurch fasst, dass er sie in eine Erzählung umformt, ohne dass dabei gleich sowas wie eine feste Erkenntnis bei herauskommt. In dem New York Buch hier habe ich den Eindruck von einem ungeheuer starken Wahrnehmen, das schiesst alles zusammen, hat auch was atemloses, weil der Typ ja dauernd geht, und wenn er sich mal hinsetzt, dann hat er sofort so ne Begegnung, bei der man sofort merkt, jetzt ist der schon wieder in Bewegung. Was ich sagen will ist, dass der Roman auf mich genau so wirkt wie ich mir New York vorstelle, wie ein dauerndes Blitzen und Funkeln, aber eben nicht auf der Oberfläche, sondern da zieht sich was drunter lang, das dem Mann den Boden wegzieht. Das empfinde ich als Spannung, dass ich gar nicht den Eindruck habe wie oft bei anderen Büchern, dass ich ganz ruhig sein kann, weil das schon irgendwie gut ausgeht. Ich habe das Gefühl es geht nicht gut aus, aber dafür gibt es eigentlich keinen Grund außer der Art in der das erzählt wird. Ich will sagen, dass das eben kein sicheres Buch ist, also glaube ich bisher. Sondern das lässt sich treiben, als wenn man gar keinen Stadtplan hat und irgendwo fremd ist oder man kann den Stadtplan nicht lesen und versucht es aber immer wieder. Aber vielleicht meinst du genau das mit dem Verwirren, das du nicht willst. Kann sein. Ich habe selber nicht so das Bedürfnis, dass alles immer so plausibel ist, dass ich das gleich verstehe. Ist doch zum Beispiel irre, dass der einen Spaziergang macht und dann eigentlich gar nicht weggegangen ist sondern in seinen Gedanken einfach stehengeblieben ist, also sind die Gedanken spazierengegangen, was dann wieder diese Filmbilder erklärt. Sowas habe ich so noch nie gelesen, aber vielleicht kenne ich auch vieles nicht. Kann sein, ist mir aber egal, wenn mich sowas packt.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 20:28:
    Balu
    also bei dem Noteboom war es so, vielleicht war die Liebesgeschichte insofern nicht Zuckerguss, aber jedenfalls nicht gut geführt, weil da etwas sehr großes, massiv größeres eigentlich thematisiert wurde, nämlich das Gefühl von einem Dokumentarfilmer (! die Anlage ist schon mal gut!) der aus dem kleinen gemütlichen Holland kommt und nun dieses aufgerissene Berlin besucht und dann wird er da in ein Erwägen verwickelt, beim Besuch von Freunden, und geht dann durch durch diese Stadt und begegnet irgendwie so einer aufgerissenen Geschichte, eben dieses wirklich wahnsinnige Berlin damals, und gerät in Fragen hinein, dann lernt er eine Frau kennen in einer Bibliothek, und dann wird aber diese Begegnung sehr blass gezeichnet, und zwar so, dass ich gesagt hätte, er hätte sie auch weglassen können.
    Ich habe nichts gegen Liebesgeschichten. Bei Blanche und Marie zum Beispiel geht es ausschließlich um Liebe – das aber wird gespiegelt in die Geschichte der Psychologie und gleichzeitig in die Geschichte der Radioaktivität – also das ist der Hammer das Ding. Als Versuch. Ich glaube dass das Buch missglückt ist, aber als Versuch und auch sprachlich ist das der Knaller für mich. Und das Buch handelt nur von Liebe! Und von dem Versuch, ein menschliches Gefühl in die Geschichte der Rationalität einzuspiegeln. Tastend. Fragend. Unsicher.
    Herbst Roman stellt mir folgende Figur gleich am Anfang folgendermaßen vor. Ich zitiere:
    „Talisker war Demokrat. Ein guter Mensch, der Amtspflegschaften übernahm, sich gar drum drängte. Also richtig zum Kotzen. Seinen Namen gab ihm mein Lieblingswhisky. So komplettierte erst der Vorname den blonden, sonnenempfindlichen Typen zur Person. Eine nervös gepunktete Rötung der Wangen gab seiner wohlgesetzten Geldgier Jugend. Um diese zu betonen, trug Talisker gern Jeans und ein T-Shirt unterm offenen Hemd. Er wirkte sauber wie Hugh Grant. Seinen Namen gab ihm mein Lieblingswhisky. So komplettierte erst der Vorname den blonden, sonnenempfindlichen Typen zur Person. Eine nervös gepunktete Rötung der Wangen gab seiner wohlgesetzten Geldgier Jugend. Um diese zu betonen, trug Talisker gern Jeans und ein T-Shirt unterm offenen Hemd. Er wirkte sauber wie Hugh Grant.

    Wieso ist jemand zum Kotzen, so automatisch, weil er Amtspflegschaften übernimmt? (Also…..zum Kotzen)? Wieso „also“?

    Warum wird eine Person am Anfang so insgesamt pappig gemacht?

    Und dann heißt es bald:

    „Wochenlang drückte sich das dem Mann in seine REM-Phasen.“

    Hier gibt es einen massiven Zugriff auf eine Figur, die ja eine imaginierte Figur ist, die nicht ertastet, befragt oder behauptet wird, oder langsam verlebendigt, nein man weiss gleich über seine REM-Phasen Bescheid.

    Talisker tut dies. Talisker tut das.

    Genau daraus erwächst für mich das was ich „feixend“ nenne, also dieser Talisker wird als Pappfigur durch ein Konzept geschoben. Hi hi, guckt mal was ihm alles zustößt. Diesem zum Kotzen seienden Amtspflegschaftsübernehmer.

    Das ist ein ganz großer Unterschied zu der Art von Literatur, die ich, zugegeben, persönlich gefärbt, bevorzuge.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/31 20:39:
    @Peter.
    Jetzt muß ich, verdammt nochmal, d o c h selbst was sagen: Das hat einen Grund, daß Talisker so eingeführt wird. Was meinen Sie wohl, weshalb er den Namen des Lieblingswhiskys seines „Erfinders“ verpaßt bekommt? Jesses, na klar ist das eine Pappfigur. Die ist im übrigen bisher noch gar nicht aufgetreten, sondern der Erzähler jagt ihr sozusagen nach – einer Figur, von der er genau weiß, daß es sie nicht gibt. Und d a n n erst passiert es. Das ist wirklich ein Problem mit manchen Lesern, daß sie sich wie in Le Nozze di Figaro rationalistisch hinstellen, die Backen blähen und sagen: „Das ist doch völlig unmöglich, was Mozart da macht. Den Cherubino sieht doch j e d e r hinter seinem Sessel…“ Klar, da kann dann nichts rüberkommen. Nehmen Sie doch einfach mal die Haltung ein, die Zadek „notwendige Übereinkunft des Publikums mit dem Stück“ genannt hat; lassen Sie zu, daß Cherubino n i c h t gesehen wird, und schauen dann, was passiert. Kunst ist i m m e r, grundsätzlich, modellhaft und nicht 1:1 übertragbar. Zumal Talisker bisher überhaupt noch nichts zugestoßen ist, im Gegenteil, der einzige, der hier, wenn schon, durch die Kulissen geschoben wird, ist der Erzähler. Merken Sie was?
    Ist die Übereinkunft nicht da, kann ein Roman tun, was er will, er wird bei Ihnen scheitern. Die Übereinkunft ist bei Ihnen wahrscheinlich dann da, wenn eine Ausgangsposition genau dem entspricht, was Sie als Ausgangsposition erwarten. Das ist aber dann I h r Problem und nicht eines des Romans. (Es ist übrigens das gleiche Problem, das van Gogh mit der Akzeptanz hatte – zu seiner Zeit, klar.)

    Ach so, noch was nachgeschoben: „Im besten Fall entsteht Musik.“ Ja, das i s t der beste Fall, Nichts, gar nichts, geht darüber.
    ovid (anonym) antwortete am 2009/05/31 20:51:
    „liegt gar ein abgeschnittnes Ohr“
    gut, sie mögen das problem ansprechen, das van gogh mit der akzeptanz hatte. nur erklärt das nicht im mindesten die existenz seines ohres auf einem new yorker (kurz)rasen. lösten wir diese frage, gäbe es keine akzeptanzprobleme mehr. andere bleiben. zugegeben. diese aber wäre gelöst. immerhin.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 20:52:
    @Herr Herbst
    Ob der Talisker eine Figur ist oder eine Imagination, spielt für meinen Geschmack keine Rolle, weil er eine autoritative Konstruktion bleibt, über die permanent Bescheid gewusst wird und der natürlich in einer Art „Ätsch-Mechanik“ mir als Leser wie einem Huhn vor die Nase gebunden werden soll.
    Wenn sie einmal über die Rem-Phasen über die Figur Bescheid wissen, ist der offen für mich eh aus.

    Das meinte ich ja. Das ist vielleicht ne nette Idee für sagen wir zwanzig Seiten, vielleicht dreissig. Höchstens. Okey lassen wir das.

    Das klärt aber trotzdem noch nicht die Frage der Negativgezeichnetheit dieses Talisker. Warum soll ich einem Ich-Erzähler folgen, der einen zum kotzen seinden Amtspflegschaftsinhaber verfolgt…
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/31 21:03:
    „weil er eine autoritative Konstruktion bleibt, über die permanent Bescheid gewusst“.
    Sie scheinen den Grundgedanken nicht zu verstehen, wahrscheinlich, weil Sie meine übrigen Bücher nicht kennen, in deren Zusammenhang wiederum dieser kleine New-York-Roman steht. Ich kann Ihnen aber jetzt schlecht die Fabel erzählen, ohne daß anderen Lesern Erfahrung vorweggenommen wird. Die Formulierung mit den REM-Phasen ist ja wohl im übrigen eine deutlich ironische Übertreibung. Wie wäre es denn, in solch einem Fall sich mal an Taliskers Stelle zu versetzen und zu erwägen, was d e r von dem Erzähler hält? Nun? Aber mehr sage ich jetzt nicht.

    Was Sie an der negative Zeichnung stört, ist mir erst recht nicht nachzuvollziehen. Talisker wird grob typisiert, selbstverständlich, sonst ließe sich das, was folgt, gar nicht erzählen – nämlich der Ausbruch aus dieser Typisierung. Wobei ich das Gefühl habe, daß Sie ausgesprochen moralisch lesen, was immer, wirklich immer, ein Fehler ist. Stark typisiert hat in einigen seiner Romane auch Pynchon und dann noch jedesmal die Typisierung aufgehoben, mit ausgesprochener Eleganz; die frühen Erzählungen, auf die mein New-York-Text deshalb immer mal wieder anspielt, ausgenommen. Aber im Pynchon haben Sie ja auch nur, schrieben Sie, immer wieder geblättert. Wie, bitte, wollen Sie jemals Celine lesen, wenn die vorgeführte Figur negativ stigmatisiert wird? Ihre Vorstellung von Identifikation scheint mir ausgesprochen vor-modern zu sein, was mich jetzt, nach Ihren vorigen Ausführungen, ziemlich verwundert.
    Balu (anonym) antwortete am 2009/05/31 21:14:
    @ Peter und albannikolaiherbst
    Takisker hat mich überhaupt nicht gestört, sondern ich habe das als einen abfälligen Witz über jemanden gelesen, also das ist ein Typ, mit dem man ja wirklich nichts zu tun haben will, so ein Saubermann. Der bricht dann aus. Wie man da etwas nicht verstehen kann, verstehe ich nicht. Die ganze Sache ist doch eigentlich einfach. Wahrscheinlich hat sich der Erzähler der Geschichte im Flugzeug gelangweilt und sich einen ausgedacht, dass der parallel hinfährt. Irgendwie kommt er auf den Gedanken, dass der aber tatsächlich da ist und wenn ich das richtig voraussehe, dann ist der dann auch da. Das ist wahrscheinlich dann der Clou erstmal, und dann geht das los. Also das ist doch kein Realismus, sondern irgendwie eine fantastische Geschichte, was du aber wahrscheinlich deshalb nicht merkst, weil die ganzen Beschreibungen so realistisch sind. Ich denke mir, dass Herbst das auch genau so gewollt hat. Dann wäre aber genau das ja so gut, finde ich.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 21:38:
    @Balou
    Nee, also klar hab ich das gemerkt. Ich kenne doch Dürrenmatts nette kleine Späße Und Cortasar steht hier auch rum. Was die „Vermilchung“ betrifft, hab ich mich ja schon geäußert. Gut, wie gesagt, ist alles legitim. Ist auch alles okey. Und ist vielleicht auch ein netter Schmöker.
    Übrigens ist auch Blanche und Marie insofern phantastisch, weil er zwei reale Figuren zusammenbringt, die sich in Wirklichkeit nicht wahrgenommen haben.
    Was ich aber nochmal zum Belehrungswert sagen wollte. Klar..ich bin früher immer davon ausgegangen, dass Schriftsteller, weil sie die Verantwortung haben, weil sie schreiben können, auch gebildeter sind als der Normalo. Heute weiss ich, dass das nicht zwingend so ist.
    Deshalb steht der Belehrungswert natürlich heute in der Perspektive, aber da schätze ich eben den konstruktiven Einsatz an Phantasie zu Herauspräparation von Fragestellungen an dokumentarischem Material, also eigentlich die journalistische Recherche, die aber sprachlich durchaus attraktiv sein darf.
    Und diese Herangehensweise lässt durchaus schweifende Spaziergänge zu, diese Art Schweifen und vom Weg abkommen hat dann vielleicht stark essayistischen Charakter, was ich aber mag.
    Bernd (anonym) antwortete am 2009/05/31 21:42:
    Also ich glaube nicht dass es die Aufgabe ist von einem Schriftsteller oder einem Dichter zu belehren, auch muss ich nicht dauernd auf ihn aufschauen müssen, wenn ich ihn lese.
    Gabriel Garcia Marquez hat es da auf dem Punkt gebracht,
    die einzige Aufgabe des Schriftstellers besteht darin gute Literatur zu schreiben..
    parallalie http://parallalie.twoday.net antwortete am 2009/05/31 21:51:
    @ peterchens mondfahrt
    ganz schön kraus, aber nicht Kraus, der hätte ihnen das leicht essayistische (o pardon: sie sagten: „stark“) um die ohren geschlagen. halten sie ihre flügel an ihrem leib, vielleicht brauchen sie sie ja noch. für anderes. als dafür, die ihnen nicht gehörende welt zu umarmen.
    Julio (anonym) antwortete am 2009/05/31 21:54:
    Er meint doch hoffentlich nicht Cortazar
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 21:55:
    @Herbst
    Mich interessiert dieser „Effekt“ nicht. Ich habe mal ne Zeitlang mit dem Theater zu tun gehabt. Das eine Figur eine Entwicklung durchmacht, und zum Behufe dieser Entwicklung vom Autor vorher besonders präpariert wird, damit er möglichst „effektvoll“ dann ja doch ganz überraschend sich entwickelt, ist doch die älteste Idee der Welt.
    Natürlich ist Frischs „Stiller“ am Anfang auch kein Sympath. Nur als Beispiel. Gähnnnn. Aber er ist wenigstens so beschrieben, dass er mich von Anfang an interessiert. Natürlich ist der Fotograf bei Antonioni alias Cortasar, am Anfang eher unsympathsich irgendwie, aber das wird nicht verkündet, sondern ziemlich fein plausibilisiert, ja jha, ich weiß das Talisker eine imaginierte Figur ist. Ist homo Faber aber auch….
    Dass eine Figur ne Entwicklung durchmacht, ist nicht der Punkt, der Punkt ist das das alles lebendig verplausiblisierte Typen sind am Anfang.
    Ihr Talisker mit Rem Phasen sagt aber eher was über den Ich-Erzähler als über Talisker. Und ein Ich -Erzähler, der auch nicht mit dem Autor identisch sein muss, der sich solche Pappkamerade am Anfang ausdenkt, will mich aber auch nicht recht locken. Egal, alles nur meine Meinung.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 22:04:
    @paralallie
    ich weiß, darüber gibt es verschiedene Auffassungen. Aber gerade Kraus hat sich wohl darin auch sehr ausgetobt. Und den Essay in die niedere Literaturgattung zu stellen, halte ich für Größenschwachsinn.
    parallalie antwortete am 2009/05/31 22:15:
    das essay stelle ich in keine niedere gattung, aber sie bringen es in ihrem kommentar in eine nähe zum „journalistischen“. und lassen wir die „natürlich“ „verschiedenen auffassungen“. natürlich. chacun a son goût. denn eine solche aussage läuft darauf hinaus. nachdenkensverweigerung.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 22:44:
    @paralalie
    mit dem journalistischen meinte ich, dass auf dieser Welt Dinge passieren und vorgehen, die so kompliziert und so phantastisch sind, dass ich nichts dazuerfinden muss. Wenn ich das jetzt mit dem essayistischen Element kopple, dann deshalb, weil ja wohl allen klar ist, dass nur die wenigsten dieser unglaublich verzwickten und phantastischen Dinge durch eine Anne-Will – Sendung oder einem Doppelseiter in der SZ als befriedigend abghandelt anbetrachtbar erscheinen dürften. Da liegt für mich auch die Chance für Leute, die schreiben können, dass sie das aufgreifen und tiefer beleuchten oder per konstruktiver Phantasie sozusagen postjournalistisch so literarisieren, dass sie vielleicht dadurch in ihrer Verwickeltheit heller werden oder besser verstehbar. Insofern hatte auch der Noteboom-Roman durchaus was jounalistisch essayistisch literarisches
    parallalie antwortete am 2009/05/31 23:24:
    womit sie doch immer davon abbiegen, wo sich eine erzählung von der reportage trennt. eine erzählung ist eine fiktion, die mit dem arbeitet, was die realität sich weigert, als faktum bereit zu stellen. ihre elemente aber sind fakten aus der realität, jedoch in einen sinnzusammenhang gestellt, dem eine analyse auf den verschiedenen ebenen der fachdisziplinen der wissenschaft nicht schlüssig entgegenkommt. ein essayistischer ansatz wäre dem tatsächlich eher verpflichtet. ein journalistischer aber hätte nichts mehr von alledem. er behandelte das gesehene als ein gegebenes. und stellte es in ein solches. es gibt diese verschiedenen wahrnehmungen. es sind ebenen, die sich durchdringen, aber dennoch verschiedene wege gehen, von denen jeder in verschiedene richtungen führt. abgesehen davon ist mein new-york-erlebnis in „manhattan transfer“ verankert. soviel zur rezeption einer stadt.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 23:50:
    Paralalie
    ich weiß schon was sie meinen, es ist auch wirklich alles kompliziert. Also so ein buch wie von Saviano zur Mafia, das ist für mich auch eine gelungene Synthese irgendwie. Das hat Spannung, liest sich weg wie sau, hat aber auch wie es scheint einen gewissen Dokumentationscharakter und einige Schilderungen sind komplett surreal… Darüberhinaus schildert es komplizierte Verfilzungen und Zusammenhänge.
    Ich will ja hier garnicht einen „Greif zur Feder Kumpel“ – Ding proklamieren, also nach dem Motto: Dichter in die Fabriken oder so, und ich akzeptiere auch, wenn einer wirklich sagt: Ich will Musik schreiben, sonst nichts. Also ausdrücklich hiermit: Wenn Herbst das will, respektiere ich das.
    (Bleibe aber trotzdem etwas quängelig darüber. Weil ich das eigentlich tatsächlich lieber bei den klangerzeugenden Instrumenten sähe. Sprache hat für mich eigentlich immer auch so die Möglichkeit, mich schlauer zu machen. Aber das ist jetzt wieder privatmeinung)
    kuckuck (anonym) antwortete am 2009/06/01 00:00:
    Brüsseler Spitzen
    Aus dem Teil erschließen sie das Ganze. Vom Holodeck herab sondieren sie die Rapsfelder nach etwaiger Notzucht. Sie sitzen zusammen und nennen das Sitzung, blättern zwischendurch in dem Buch, das sie unter der Tischplatte versteckt halten wie weiland das Wichsheftchen.
    parallalie antwortete am 2009/06/01 00:06:
    to the peter
    dennoch fehlt es ihnen an einem abstraktionsvermögen. sie kommen von ihren persönlichen lesefreuden nicht los. die ich ihnen lasse. aber nicht als argumentation für ein gegen. nur eben als argumentation für ein für. ich lasse mir selbt meine lesefreuden. aber als ein für. „the bell jar“ fiel mir noch ein zu new york. von sylvia plath. sollten sie selbst unter einer solchen glasglocke sitzen? maybe „electrocuted“?
    p.s. bitte zwei „l“ nach dem zeiten „a“…
    Peter (anonym) antwortete am 2009/06/01 00:38:
    Parallalie
    Ich kann ja nicht alles kennen, und auch niemanden vorschreiben, was er kennen soll. the bell jar kenne ich nicht. Sie haben sich positiv zu manhatten transfer geäußert. Das kann ich nachvollziehen, weil ich das kenne, und weil ich vermute, dass auch dieser Roman stark dokumentarisch ist eigentlich. Ich erinnere an mein staunen, wie das, auch durchaus schon in den 20igern oder wann der spielt genau so molochös beschreiben wurde wie herbst das nun noch mal wiederholt. Auch Wolfgang Koeppen hat so kraftisch schon geschrieben in Tauben im Gras. Ja da war es das Nachkriegschaos. Also wie gesagt, es gibt sicher, das will ich ja auch mir zugestehen, einfach Bücher, die Spaß machen. Ich würde ja jetzt von einem guten Krimi auch nicht erwarten, dass er die Literaturgeschichte in Atem hält. Ich sage das nur, weil Herbst hier immer so äonisch sich mit van Gogh und so vergleicht. Deshalb gehe ich da so quängelig ran. Ich muss jetzt schlafen.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/06/01 00:44:
    Kuckuck?
    Sie klingen mir nach Read An. Holodeck hat sie mal gesagt. Aber was fürn Sinn haben ihre Äußerungen? Der entgeht mir gerade. Meinten Sie, dass solche Sitzungsmitglieder auch gerne Mal Paul Coelo lesen und das die Welt damit wieder in Ordnung ist?
    parallalie antwortete am 2009/06/01 00:50:
    herr peter
    ich bin christus, so fragmentarisch gemalt, als hätte dali die futuristen überholen wollen, die giacamono balla einem auf den ital. 20-Cent-Münzen um die ohren wirft. ohren liegen zum vergleichen da. und quängeln sie nicht. ich zupfe selber grad‘ an ihnen. den ohren.
    stadtelfe (anonym) meinte am 2009/05/31 15:54:
    hi!
    ich lese den roman seit vorhin in einem durch mit und habe ihn jetzt bei amazon bestellt, weil er da unglaublich billig ist. ich habe als studierende nicht so viel geld, um mir immer alle bücher kaufen zu können, die ich haben möchte. aber ich lese sehr gerne und bin für sowas sehr dankbar und will das auch schreiben, weil ich so viele kommentare, die unter diesem roman abgelassen werden, einfach jenseitig finde und das wirklich unpassend finde. ich war noch nie in new york und ich kann auch nicht alle new york bücher kennen. ich finde das auch egal, ob das schon woanders steht, wenn ich von einem buch das gefühl kriege, mittendrin zu sein. genau das habe ich und finde das richtig klasse. deshalb einfach nur danke für den tollen service und die faszinierende farbige sprache.
    ovid (anonym) antwortete am 2009/05/31 16:08:
    auch hi!
    ja /
    das mag ich /
    wenn eine elfe die knie /
    beim säuseln eng anwinkelt /
    das ja
    fragile.f antwortete am 2009/05/31 16:35:
    @ ovid
    Das ist peinlich und unfair, wenn Sie Leute unangenehm anpöbeln, weil sie eine andere Meinung als Sie haben. Aber man sieht, aus welcher Richtung die Kritik hier immer wieder kommt. Sie sollten sich was schämen. Es ist für manche nicht einfach, einen Kommentar abzugeben. Ich habe mich auch erst überwinden müssen. Ich wiederhole es trotzdem: Ich finde diesen Roman richtig gut. Jetzt können Sie mich meinetwegen eine dumme Kuh nennen, ist mir egal.
    Ich habe das Buch übrigens auch bestellt. Es ist aber noch nicht gekommen bis gestern. Wahrscheinlich wegen Pfingsten.

    Was Peter zu Balu schreibt (http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/new-york-manhattan-alban-herbst-kapitel-21-24-roman/#5732024) – kann ich nachvollziehen, ist mir aber viel zu theoretisch. Wenn ich einen Roman lese, will ich eine Geschichte lesen und keine ewige Abhandlung, wo man vom Hölzchen aufs Stöckchen und deshalb auf keinen grünen Zweig kommt.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 16:44:
    Hi Stadtelfe
    Sehr schön. Ich danke für Unterstützung. Ich gehe gleich auch in die Videothek.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 16:50:
    @fragile
    Ich würde ja auch nicht das Romanelesen verbieten, noch das Schreiben, ich sagte ja, so als Entspannung und Massage gönne ich mir das ja auch. Ist auch in Ordnung. Ich habe hier auch nur meine Meinung gesagt. Diese Meinung beruht natürlich auf Lerneffekten und Abnutzungserscheinungen, die sich genau deshalb bei mir einstellen, weil ich auch sehr viel und gerne lese. Aber das mag von Person zu Person unterscheidlich sein. Und wünsche Ihnen sehr, dass Sie auf einen grünen Zweig kommen.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 17:43:
    @fragile f
    Was ich dazu noch antworten wollte: Das Verrückte ist ja, dass die Menschen im Hinterzimmer der Gremiumssitzung zumeist auch irgendwie auf einen grünen Zweig kommen müssen. Wenn auch nur durch Kompromisse. Und zumeist auch kommen. Vielleicht schlafen sie sogar miteinander oder spannen sich die Frauen aus oder haben eine Affäire in den lilafarbenen, von Satteliten überwachten und der EU letztlich subventionierten Rapsfeldern, der oben in seiner Umlaufbahn die Wellenlängen filtert, (und das habe ich mir nicht ausgedacht) während unten also dieses Pärchen sich wild durch die Lippen leckt, und sich aber auch verstecken muss, damit ein Traktorist, der jetzt gerade mit subventioniertem Biodiesel fährt, den er in einem Motor mit erhöhtem Wirkungsgrad verbrennt, die Beiden nicht sieht, was der Sache auch wieder einen besonderen Kitzel gibt.
    Genosse Rene (anonym) antwortete am 2009/05/31 17:46:
    Sie schlafen miteinander und spannen sich dann die Frauen aus, sehr interessant
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 17:58:
    @Genosse
    Man kann mit einander schlafen, zum Beispiel, wenn sich Männer und Frauen oder auch Frauen und Frauen oder auch Männer und Männer während der Sitzung kennen gelernt haben und sich sexy finden.
    Soweit ist noch nicht entschieden, ob die Beteiligen verheiratet sind.
    Wenn es aber um jeweils anderwärtig verheiratete Mitglieder einer ehelichen Verbindung handelt und dann miteinander schlafen, dann spannen sie sich vielleicht die Frauen oder Männer aus, wenn sie miteinander schlafen.
    Das ist ein Unterschied. Deshalb das Oder.
    ovid (anonym) antwortete am 2009/05/31 20:02:
    von „anpöbeln“ kann doch keine rede sein, meine absicht ist immer nahezu fragil und hier geradeheraus schwebend leicht. ich sprach von mögen und säuseln.
    singen sie meine zeilen, sie werden das bedingungslose merken.
    ich mag das.
    das ja.
    ovid (anonym) antwortete am 2009/05/31 20:11:
    nachsatz
    und nie würde ich eine kuh dumm nennen.
    landet sie doch alsbald als tafelspitz auf
    meinem teller.
    fragile.f meinte am 2009/05/31 22:46:
    Seltsam
    Ich will zu der Diskussion gar nichts mehr sagen eigentlich. Aber mich wundert das, daß das vorletzte Kapitel (http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/in-einem-zweistoeckigen-rundbauchigen-pavillon-kehrte-ich-ein/) so wenig gelesen wurde, wenn ich mal die Zahlen vergleiche, die ja immer unten drunter stehen. Man liest drei Kapitel, lässt lässt das vierte aus, liest das fünfte Kapitel und fängt wild über was zu diskutieren an, dass fehlt, was im vierten Kapitel aber drinsteht. Dabei macht das kleine Kapitel so klar, warum der Talisker am Anfang so mies gezeichnet worden ist, weil da eine richtige Gegenfigur erzählt wird in dem Gespräch, eben nicht von einem Angepassten, sondern von jemand mit Seele. Wahrscheinlich findet man das jetzt wieder kitschig. Aber wahrscheinlich geht es gar nicht so um den Erzähler und seine Pappkameraden, sondern um diesen seltsamen Dirigent, hab ich den Eindruck. Herbst hat das mit dem Zeitungsartikel ja noch extra hervorgehoben und schreibt dann noch zu Peter, Musik ist das Wichtigste.
    Was ich auch nicht nachvollziehen kann, ist wie sich Peter hier ins Zeug legt, obwohl er das Buch nicht mag. Steht jedem frei, aber dann Kommentar um Kommentar dagegen zu schreiben ist schon komisch. Oder es hat ihn eben doch was gepackt, was er aber nicht will.
    Peter (anonym) antwortete am 2009/05/31 23:24:
    fragile
    Tricks, Seele, Effekte….dem Ohr, das unterm Rasensprenger liegt, entspricht selbstverständlich das Arschloch, das dann doch Seele hat – ja genau, fragile, es ist Kitsch für mich. Berechenbar. Äonenzahlig. Ich habe darüber mal was geschrieben, dass ich jetzt glattweg verlinken könnte, aber ich lasse es.
    Und bitte, vielleicht liegen sie da richtig mit der Musik. Aber rein rhythmisch will ich hier gar nicht reinhorchen. da höre ich vorerst Musik.
    ovid (anonym) antwortete am 2009/05/31 23:28:
    von der erzählung der bedeutung
    er zählt /
    statt zu erzählen /
    und sie zählt /
    ihn aus /
    gerechnet sie /
    die halbwert /
    zeit

  8. NYC-Kommentare 8) Zu http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/alban-herbst-new-york-manhattan-roman-27-30/

    fragile.f meinte am 2009/06/02 19:33:
    Ganz ganz toll, Herr Herbst. Heute kam auch das Buch an. Ich lese dann mal im Bett weiter. 🙂

  9. NYC-KOmmentare 9) 9.
    Zu http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/alban-herbst-new-york-manhattan-roman-kapitel-36-37/

    Person (anonym) meinte am 2009/06/06 15:25:
    Gestern Abend
    wollte ich unbedingt noch Alban Nicolai Herbst lesen.
    Seinen New York Roman.

    Es wurde sich hier in den letzten Tagen über Adjektive beschwert, aber das trifft es wohl nicht. Es sind gar nicht die Adjektive, die so sehr stören.
    Aber gestern war ich hungrig nach Melodie und Sprache, nach Dichtigkeit, nach Sätzen und Klängen nach verbaler und seelischer Kameraführung wie dieser hier:

    „Es war niemand anderes auf dem Friedhof als die drei Frauen und das Kind, das heißt, die Witwe und der Knabe, die knieten, und, etwas hinter ihnen, die beiden anderen Frauen, die standen, ihre Handtaschen und ihre zusammengeklappten Regenschirme in der Hand, regungslos, ihre Lippen, regungslos in den regungslos zerfurchten Gesichtern, ihre Augen von Tränensäcken unterstrichen, rosa umrandet, fayencefarben und versiegt.“

    (dreimal regungslos – und es stört nicht, warum?)

    oder das hier:

    „Obwohl der Sommer gerade erst zu Ende ging, regnete es viel. Es regnete auf die Mauerwände der aufgeschlitzten Häuser, deren pastellfarbene Tapeten nach und nach abblätterten, es regnete auf die glatte, graue und träge Fläche des Flusses, auf der die Tropfen silbrige Kringel aufplatzen ließen, es regnete auf die graue Landschaft, den Ring der Hügel, unter denen die zerfetzten Körper der dreihunderttausend Soldaten verwesten, auf die grauen Felder, die grauen Häuser – oder vielmehr das, was von ihnen übrig geblieben war, das heißt, als wäre alles, Hügel, Felder, Wäldchen, Dörfer aufgerissen oder vielmehr zerschunden worden von irgendeiner riesigen holpernden Egge mit bald auseinanderstehenden, bald engstehenden Zähnen, die nichts anderes hinter sich zurückgelassen hatte als ein paar Mauerwände und ein paar verstümmelte Baumstämme, manchmal auch ein Haus oder eine Gruppe von Häusern. (oder ein Baum oder eine Gruppe von Bäumen) unversehrt, ungewöhnlich, um die herum (oder aus denen) in Zeitlupe ein larvenhaftes oder vielmehr elementares Leben zu quellen schien, trübseelig, gleichsam abgestumpft, diesseits und jenseits einer Zone, wo kein Baum, kein Grashalm, außer Brennesselbüschen, nachgewachsen, kein Acker bestellt worden war, wo der Stein nur im Zustand unförmiger Anhäufungen existierte und der Boden nur eine Folge mehr oder weniger breiter, ineinandergreifender, mit modrigem Wasser angefüllter Mulden war, denen Mückenschwärme entstiegen.“

    Leider sind diese Sätze nicht von Herrn Herbst. Sie sind von Claude Simon, aus der „Akazie“. Übersetzt von Eva Moldenhauer. Und sie sind ungefähr 80 Jahre alt. Ich versinke immer wieder in Ihnen.

    Herbst schreibt dann 80 Jahre später, solche Sätze:

    „Auch sonst saßen überall Leute herum, die nicht vorhandene Tschinellen aufeinanderschlugen oder zwischen ihren Beinen ein unsichtbares Cello hielten; eine Asiatin hatte sogar einen Hocker mitten auf die Straße gestellt, kauerte vorgebeugt drauf und hieb in Tasten, die es nicht gab. Was Straßenmusikanten und jene unter Tage aufspielenden Musikstudenten anbetraf, die sich in den Gängen der Subway ihre Bakschischs verdienten, so wollte es mir scheinen, als probten alle dasselbe Stück. Die Beobachtung machte mich durchaus nervös; ich wußte einfach nicht: Bildest du dir das ein? In jedem Falle schien sich ein subkutanes StadtNetz zusammenzuziehen, Adern und Venen aus Hunderten miteinander verknüpfter Seelen. Nicht alle Bewohner Manhattans merkten das, und alle sollten das auch nicht merken, nicht das Ausmaß dieser Verschwörung jedenfalls. Denn eine solche war in Gang. Sie fokussierte offenbar outlaws auf ein gemeinsames, besonders denen Lust verheißendes Ziel, die die Quality of life campaign verfehlte, ja, ganz im Gegenteil, deren unregulierte Leben – ein Pleonasmus – in Gefahr geraten waren, von der allgemeinen New Yorker Disneyfizierung suizidiert zu werden.
    …..

    Hm.
    Leser (anonym) antwortete am 2009/06/06 17:02:
    Wie kommen Sie auf achtzig Jahre?
    Vor achtzig Jahren war Claude Simon 16. L’Acacia ist 1989 erschienen, vor zwanzig, nicht vor achtzig Jahren. Herbst hat seinen Roman elf Jahre später geschrieben, wenn seine Angabe im Titel stimmt: http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/in-new-york-roman-alban-herbst/. Folglich schrieb Simon seinen Roman mit 73, Herbst den seinen mit 43. Ich verstehe auch den anderen Zusammenhang nicht, oder meinen Sie einen des Gegenteils? Simon betrachtet einen Friedhof, erst einen richtigen, dann eine Gegend, die Friedhof ist. Herbst betrachtet, denke ich mir, etwas ganz anderes. Er scheint sogar von einer Utopie zu erzählen, überall musizierende Menschen, wo für Simon gar kein Utopisches mehr sein kann, sondern das Gegenteil eines utopischen Lebens entsteht, was er elementares Leben und trübselig nennt. Der Ansatz, mit der Sprache umzugehen, ist aber sehr ähnlich.
    Person (anonym) antwortete am 2009/06/06 17:33:
    Ja,
    Ihre numerischen Nachrechnungen scheinen zu stimmen. Ich bin eine Mathe-Null, huch ein Wortspiel.
    Danke, sehr sehr ähnlich, dass war es ja, was zum Vergleich anregte, und zugleich aber dann auch mir noch einmal den Zauber von Sprache bei Simon offenbarte, dem Original. Wie er über Landschaften streichelt, auch wenn sie verheerte sind. Und dann die Anordnungen mit den Kommas der Figuren bei dem Satz auf dem Friedhof. Wie Kommas Menschen gruppieren können. Total schön.
    SabineA antwortete am 2009/06/06 17:54:
    @Person und leser
    ANH schreibt so über menschen. Ich habe eben den kommentar da http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/mein-waggon-ratterte-in-die-stadt/#5724937 rausgesucht, wo das einem aufgefallen ist. Es geht um die stelle mit den fingern. Im sizilienbuch macht er das aber auch mit der landschaft. Mich wundert das, dass er sich eigentlich nie auf claude simon bezieht. Vielleicht hat er ihn gar nicht gelesen, so dass das ein zufall ist. Ich glaube aber natürlich gar nicht an zufälle. Mir persönlich gefällt besonders diese stelle, das ist typisch anh, wenn man mehr von ihm kennt: „wo sich eine ganze Gruppe von Obdachlosen auf einer Wiese zu GesualdoChorälen zusammenfand.“ Natürlich ist das dann wieder ganz anders als simon. Aber auch total schön. „auf einer Wiese zu GesualdoChorälen“ schwingt so in der bedeutung. Ich hätte das aber lieber „Gesualdo-Chorälen“ geschrieben.
    Leser (anonym) antwortete am 2009/06/06 17:59:
    Nikolai außerdem mit k, nicht mit c. Aber zu den Kommata: Herbst macht was anderes, indem er sie in den so vielen Aufzählungen einfach weglässt. Das nimmt die Gruppierungen weg. Damit geraten Häuser in die Bewegung von Menschen. Auffällig, finde ich.
    Person (anonym) antwortete am 2009/06/06 18:07:
    @Sabine
    Bei Simon liest man ebenfalls umfassende Bahnhofsszenen. Auch geschilderte Zugfahrten. Was Claude Simon aber doch gut beherrscht, wie er seine Sprache der Landschaft und der Bewegung einschmiegt, das ist schon toll. Wobei man hier ein Kompliment der Übersetzerin machen muss. Die Sprache wird zur Landschaft das rührt an. Bei ANH bleibt die Sprache doch stark beim Erzähler. Simon lässt die Eindrücke sprechen. Bei ANH liest es sich mehr als Besprechung, wie so eine Art Kritik auf Distanz. Kommt sicher von seiner Vorliebe für Opern.
    Person (anonym) antwortete am 2009/06/06 18:25:
    Das Kunstvolle
    an so einem Friedhofs-Satz von Simon/Moldenhauer ist ja die Statik, die sich trotz komplizierter Zeichensetzung herstellt. Ein nicht einfacher Satz, der aber ein ganz statisches Bild entstehen lässt. Eine Pieta, die dann am Schluss noch einmal gekrönt ist mit dem Ausklang: „fayencefarben und versiegt.“ Sogar klanglich. Toll. Große Kunst.
    SabineA antwortete am 2009/06/06 18:26:
    @Person
    Empfinde ich etwas anders, aber das muss vielleicht auch sein. Ich weiß nicht mehr, wer das geschrieben hat, aber bei anh bleibt new york immer in so einer perspektive der fremdheit, was ein anderer touristisch genannt hat, aber den versuch, über die fremdheit wegzukommen. was nicht geht, wenn das gar nicht eindeutig ist, wer die eindrücke hat. sogar der erzähler wird weggerückt. Bei simon stellt sich eine vertrautheit her, bei anh bleibt es fremd. Er lässt die fremdheit stehen, vertrautheit kommt über was ganz anderes. Mir wird zb der erzähler immer fremder. Deshalb glaube ich auch nicht, dass die sprache bei ihm bleibt, das kann sie gar nicht. Das täuscht nur, was an so sachen wie diesen zusammengeschriebenen hauptwörtern liegt, die ich unglücklich finde.Aber für mich ist das eine macke, über die ich weglese, weil ich mich irgendwann dran gewöhne. Vielleicht sagt anh selbst mal was dazu
    Leser (anonym) antwortete am 2009/06/06 18:41:
    Genau, Statik. Bei Herbst Bewegung.
    „Pietà“ ist ein ganz vortrefflicher Ausdruck für das, was bei Simon entsteht. Simons Sätze sind sehr lang, Herbsts meistens kurz. Bei ihm ist etwas Getriebenes, Simon ruht. Aber das ist der späte Claude Simon, das darf man nicht vergessen. Deshalb habe ich vorhin die Zeit korrigiert. Ich finde, daß Herbsts Beschreibungen den Plot zugleich überspielen und heimlich durchdrücken. Es könnte irgend eine Großmetropole sein, es müßte nicht New York sein. Sie können das als Schwäche sehen, man kann aber auch sagen, daß Herbst die Austauschbarkeit thematisiert, daß aber vielleicht das, was er eigentlich erzählt, nicht austauschbar ist. Ich weiß noch nicht mehr von dem Roman, als jetzt da steht. Wahrscheinlich kommt es darauf an, wie sich das auflöst und ob es sich auflöst.
    Person (anonym) antwortete am 2009/06/06 19:23:
    @Leser
    Na gut, es ist wahrscheinlich auch ungerecht, hier einen Großmeister zum Vergleich heranzuziehen.
    Simons Ruhe, seine Rhythmik, die Sprache, scheint hier wie ein Auge, aber doch als ein gütiges Auge über ein ganzes Jahrhundert zu gleiten. Sein Blick behält, inmitten erinnerter Schrecknis und all der Details etwas Zugewandtes; dieser Blick schaut und versucht ein Erkennen oder Verstehen, ist menschliches Gedächtnis, das wie so ein weicher oder milder, ganz leicht unschlüssiger Nachwind, nach einem Hurrican in eine von ihm selbst schwer verwundete Landschaft hinein weht, wie heilen wollend, aller erste Hilfe vor Ort nach einem schweren Unglück, oder wenigstens eine, in diesem Erinnern, unmögliche Entschuldigung anbietend.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/06/06 19:25:
    @Person.
    Erst einmal danke für Ihre Eindrücke. Ich notierte eben schon >>>> im Arbeitsjournal (19.01 Uhr, zweiter Absatz), daß mich der Vergleich schon ehrt; Sie hätten weißGöttin eine geringere Meßlatte anlegen können. Tatsächlich habe ich Simon bis heute nicht gelesen, obwohl mich >>>> mein Übersetzer bereits mehrmals auf eine ähnliche Haltung hinwiese. Ich habe es seiner Hinweises wegen ganz bewußt gescheut, Simon zu lesen, und das bis heute auch noch nicht getan. Wobei ich die Einschätzung der von Ihnen eingestellten Zitate völlig teile: große Kunst, unbedingt ja. Mir ist nur nicht klar, wieso Sie meinen, daß der distanzierte Character meiner Beschreibungen (den ich so distanziert gar nicht finde) an meiner „Vorliebe für Opern“ liege. Gerade Opern heben Distanzierungen a u f, jedenfalls in aller Regel und in dem Segment, das man ungenau das „klassische“ nennt.

    NACHTRAG: Ich lese gerade Ihren letzten Kommentar; da schreiben Sie es eigentlich selbst: „n a c h einem Hurricane“. Ich möchte erzählerisch gerne m i t t e n im Hurricane sein, mir geht es n i c h t um Heilung, auch nicht um Abfindung, sondern darum, die Phänomene, während sie sind, zu spüren und d a s zu formulieren. Als ich die Simon-Zitate las, dachte ich: er blickt zurück. Ich will im Moment sein und eher nach vorne als zurück sehen. Versöhnung, Ausgleich, Milde – all das sind „Dinge“, mit denen zumindest meine Prosa überhaupt nichts zu tun haben will – unabhängig davon, daß ich das bei anderen Autoren nicht nur akzeptiere, sondern auch sehr schätzen kann.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/06/06 19:37:
    @Leser.
    Es könnte irgend eine Großmetropole sein, ja, genau, aber es muß eine sein, die dem Erzähler prinzipiell fremd ist. Aus der Perspektive des Fremden, die man sowohl boshaft als auch faktisch berechtigt eine touristische nennen kann, erzähle ich überaus gerne; immer wieder reise ich an Orte, w e i l sie mir fremd sind, vielleicht weil ich glaube, daß man, was man ist, n u r in und gegenüber der Fremdheit spüren und dann auch formulieren kann. Vertrautes ist viel zu kuhwarm. Wobei „touristisch“ in meinem Fall nie bedeutet: gesicherter Tourismus. Der läßt einen nämlich Fremdheit schon gar nicht spüren. Sondern ich meine – und praktiziere – einen Tourismus, der schon ökonomisch immer ins Risiko läuft. Tourismus in meinem Sinn bedeutet schlicht „auf Tour“ zu sein. Man muß mit dem Begriff sehr aufpassen, weil sein Bedeutungshof etwas völlig anderes suggeriert.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/06/06 19:46:
    @Sabine.
    Sie legen sich ja richtig ins Zeug! (*lacht).
    Zu den Komposita: Ich bin mir da unterdessen selbst unsicher geworden, behalte sie aber bei, weil ich sie auch im Buch stehen habe. Hergenommen war es von Döblin, in der >>>> ANDERSWELT-Trilogie hat das eine strukturierende Funktion, die mit Dinghaftigkeit zu tun hat: die Begriffe rücken wie Dinge ganz nah aneinander. Im New-York-Roman stört mich das mittlerweile auch, aber ich weiß keine Rechtfertigung, es wegzunehmen, wenn dieser Roman andererseits eng an ANDERSWELT angedockt ist; ANDERSWELT spielt in einer synkretistischen Megastadt, die sich – mit Ausnahme von Buenos Aires – aus sämtlichen mir bekannten Städten zusammensetzt; man kann sagen, daß NYC ein Stadtteil von Buenos Aires ist. Deshalb wurden die meisten aus ANDERSWELT stammenden Sprachverhalten übernommen – zumal ich, als ich den New-York-Roman schrieb, parallel am zweiten ANDERSWELT-Band saß.
    Nur, weil Sie gefragt haben.
    Person (anonym) antwortete am 2009/06/06 20:17:
    Keine Milde.
    Anrührend, was sie zu bedenken geben, während ich Simon nachlausche und zugleich erwäge, dass Remarque ein Buch über den 1. Weltkrieg geschrieben hat aus der Perspektive von jemanden, der im Hurrican war. Es trägt ja den Titel „Im Westen nichts Neues.“ Der sich also mitten in einem stürmischen, wirklich stürmischen Jahrhundert …
    Dann schildert Simon in der Akazie auch ein längeres Maschinengewehrgefecht auf einer Straße…im Ton eines unbeteiligten Beteiligtseins, schwer fassbar, doch umso bedrohlicher. Die Distanzen vor allen in den Gefechten. Man wird beschossen, aber es hat auf Entfernungen von 2000 Metern etwas Gleichgültiges, maschinelles, man „befindet“ sich mit irgendwem im Gefecht, aber man sieht niemanden, kann also auch keine Wut oder Betroffenheit entwickeln, höchstens, dass man getroffen wird, dann fällt irgendein Mann um, der an einem Hänger gestanden hat. Das ist so dieser Hurrican, den Simon beschreibt. Mitten drin sozusagen.
    Vielleicht zeichnet es sich so, dass man einer Sprache anmerkt, dass sie etwas „will“. So wie sie sagen: Sie wollen mit „Dingen“ nichts zu tun haben. Hatten wir alle nicht, wir hatten mit dem Krieg nichts mehr zu tun, und wohl selten mit Hurricans, sind verschont geblieben. Nun wollen Sie über Hurricans schreiben, und deshalb meinte ich vorhin vielleicht, dass das ein wenig opernhaft herüberweht, aber das bleibt nur der Eindruck im Vergleich mit dem Jahrhundertauge von Simon
    Aber letztlich kann sich Ihr Konzept nur in der Perspektive Ihres Jahrgangs verankern, und das ist sicher eine unberührte, berechtigtermaßen, sozusagen in einer von Hurricans verschonten gemäßigten Klimazone.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/06/06 21:17:
    @Person. A n d e r e Hurricans.
    Sie vertreten eine Position in Hinsicht darauf, wer etwas zu sagen habe; ich ahnte das schon: Sie positionieren hier eine Erzählgrund-Dignität, gegen die jeder „verlieren“ muß, der nicht Greuel am eigenen Leibe erfahren hat; d.h. Sie favorieren ein realistisches Erzählkonzept.
    Unsere Hurricans sind aber andere, sicherlich keine, bzw. noch nicht wieder solche des Krieges. Wiewohl ich in Kriegsgebiet ja gewesen bin, wiewohl ich in Hungergebiet gewesen bin, wiewohl ich 1986, auf dem Höhepunkt der ANC-Aufstände, mit meiner Gefährtin durch die Homelands ge“tourt“ bin, wiewohl ich mehrfach direkt auf ausbrechenden Vulkanen stand: ich habe also zumindest eine Ahnung. Doch davon abgesehen, gibt es auch Hurricans der inneren Unsicherheit: einer einerseits zerfallenden, andererseits zunehmend durchregulierten und zugleich bedrohten Zivilisation; Hurricans des Zerfalls der Vorstellung des autonomen Subjekts… das sind sicher psychische Hurricans, und ich will sie auch gar nicht mit denen von Kriegen vergleichen; einfach, weil sie unvergleichbar s i n d. Dennoch sind es welche. Das mag für sudanesische Bürgerkriegsopfer luxuriös sein, doch Leiden und Lust sind relative Empfindungen und Gefühle. Ich glaube, hier Wertigkeiten auszuspielen, liegt neben allem, was Kunst ist. Da würde Ihnen ganz sicher auch Claude Simon nicht folgen. Er wäre wahrscheinlich auch verschreckt, wenn er Sie und vom „Jahrhundertauge“, das er habe, läse. Ich halte das für eine Projektion. Die man werfen kann, klar, aber sie bleibt ein subjektiver Prozeß. Der andere Konzepte, etwa dekonstruktivistische wie von Jean Echenoz oder die phantastischen Pynchons, nicht nahkommen läßt.
    Person (anonym) antwortete am 2009/06/06 21:59:
    Da ist Ihnen sicher beizupflichten. Es soll auch ohne Krieg geschrieben werden. Ganz unbedingt. Es war mir nur Ihre Vehemenz von „ich will keine Milde“ im Ohr. Eine Abstoßung, die Sprache im Grunde nicht nötig hat.
    Wobei ich die Unschuld im Ton, das letztlich von elementaren Untiefen Unberührte in ihrem Konzept sympathisch finde, das Geborgene und Unbedrohte, man hat da in diesem Sprachgang oder Stadtgang nichts zu befürchten, und das ist letztlich auch absolut angemessen.
    Eine solche erfahrungssatte schmerzsaftige Mächtigkeit wie bei Simon, dieses beinahe schon brutal genau Ausgeschmiedete, das überwältigt mich auch oft genug über Gebühr. Oje, er fände mein Pathos , da haben sie Recht, sicher ganz unangemessen.
    Knurm (anonym) antwortete am 2009/06/06 22:47:
    @Person
    Vielleicht haben Sie da nichts zu befürchten, vielleicht aber jemand anderes, der dafür nichts von Claude Simon zu befürchten hat. Wie Sie lesen oder jemand anderes liest, hat doch vor allen Dingen einmal damit zu tun, welche Erfahrungen in einem berührt werden von einem Roman. Das können doch auch Erfahrungen von etwas sein, das einen begeistert hat. Warum soll man überhaupt etwas zu befürchten haben? Sie stellen da beide einen Anspruch an Literatur, den ich fragwürdig finde. Anscheinend sind Sie sich da einig. Aber wenn ich an Malerei denke zum Beispiel Monet, was habe ich da zu befürchten oder was habe ich bei Joseph Buys zu befürchten?
    Person (anonym) antwortete am 2009/06/06 23:11:
    @Knurm
    Gemeint hatte ich, dass mir das leichte, also dieses Plätschernde im Grunde verträglicher ist für alle Tage. Die Wucht und die durchgestylte Feierlichkeit eines Simon, die mich allerdings mit einer mich auch schwer einsaugenden Phantastik einer imaginativen Sprachkraft in die Abgründe oder sagen wir in die „Phantastik“ einer unguten, eher zeugnishaften Realitätserfahrung“ hineinzieht, die man durchaus fürchten kann, kann ich hingegen nur in besonderen, ausgesuchten Momenten mir geben. Ein Claude Simon ist für mich – um in Herbst Bildern zu bleiben – ein schwer gereifter anspruchvoller Taliskerwisky, der mir geschmacklich, spirituell und geradezu körperlich eine besondere Aufnahmeverfasstheit einfordert.
    prunier (anonym) meinte am 2009/06/07 17:47:
    der Standpunkt des Übersetzers
    Als Übersetzer dieses Romans möchte ich sagen, dass der Vergleich mit Claude Simon mich wie einen Schlag getroffen hat. Als ich nämlich gebeten wurde, „In New York“ zu übersetzen, habe ich eine Woche Überlegung verlangt, um eine Antwort zu geben. Der Roman war mir im Ton so neuartig, dass ich zögerte. Und ich kam auf die Idee Claude Simon wieder zu lesen, um mir Mut zu geben (Es waren so viele Beschreibungen, dass es mir zu der Zeit auf der Hand lag). Alle Kommentare, die die Leser gemacht haben, sind deswegen für mich spannend. Denn nach der Lektüre von „L’Acacia“ und „La Route des Flandres“ (hier spielte wohl in meiner Wahl dieses Romans die reizende Novelle von ANH: „Die Orgelpfeiffen von Flandern“), und dank dieser Lektüre, fand ich den Mut um ANH’s Roman zu übersetzen. Was sie gemeinsam haben, ist die Art und Weise, wie sie die Beschreibung in die Handlung integrieren; beide sind sehr geschickt und haben damit etwas Ausserordentliches geschafft. Dieser Vergleich scheint mir aber jetzt sehr oberflächlich. Die Unterschiede sind viel interessanter.
    Den Unterschied zwischen den beiden grossen Romanschriftstellern werde ich so kurz zusammenfassen: Simon ist ein Maler und ANH ist ein Komponist.
    Claude Simon zögerte lange: war er ein Maler oder sollte er Schriftsteller werden? Er war nämlich ein Schüler vom leider vergessenen Maler: André Lhote. Und wenn man die Manuskripte von Simon betrachtet, sieht man ein Bild: er schrieb so klein wie möglich – seine handgeschriebenen Texte sind kaum leserlich –, um soviele Wörter wie möglich(manchmal waren es nur Silben) auf das weisse Blatt zu schreiben. Und dann füllte er die Lücken aus.
    Alban Nikolai Herbst hat wohl den Roman leitmotivisch konzipiert. Ich bin dem Text so nah gewesen, dass ich manchmal den Eindruck hatte, ein Instrumentspieler oder ein Dirigent zu sein, was der Grundthematik des Romans entspricht ( Inhalt und Form gehen perfekt einher; die Handlung ist uns ein Wegweiser für die Lektüre selbst). Ich habe mich sehr gefreut, diese Musik nach und nach zu entdecken und kam auf die Idee, es handle sich um eine Rhapsodie. Ein Beispiel: Skype erscheint in den ersten Seiten und spielt am Ende die Hauptrolle. Die Ich-Personen wechseln wie Themen, die sich kreuzen. Es heisst nicht, dass ANH kein Maler ist oder dass Claude Simon kein Komponist ist. Sie tendieren beide aber nach der anderen Kunstform: ANH nach dem Visuellen, Claude Simon nach der Musik. Sie kommen beide von entegegengesetzten Richtungen und streben nach der anderen Kunstform.
    Ich glaube nicht, dass Simons Alter eine Rolle spielt, denn er hat immer wieder denselben Roman geschrieben: diese Monotonie ist seine Stärke, und man kann sagen, dass er immer wieder dieselbe Geschichte schrieb; 1940 war er Reiter in der Armée Française und wurde gerettet (alle anderen wurden getötet), weil das Pferd nicht richtig gesattelt worden war und als die Gewehrmachine einsetzte, rutschte er und kam heil davon. Selbstverständlich hat er andere Themen hinzugefügt, aber dies ist sein Grundexperiment (Urszene? !). Das kann man nicht von ANH’s Fiktionen sagen, so verschieden sind ihre Themen.
    Bei ANH ist „In NewYork“ total anders verfasst worden: viele Handlungen, viele Themen, viele Personen. Werbeslogane, Inschriften, Plakate, die ganze bunte Realität springt uns in die Augen (Bei Claude Simon findet man überhaupt keine Personen- oder Ortsnamen: écriture blanche). Das braucht ANH um die Fantastik der Erzählung glaubhaft zu machen, und die Musik der Wörter ist eine Art Magie, die uns ebenso fasziniert, wie die Hauptperson (Auge für den Helden, Ohr für den Leser). Die Änderung des Ichs ist ein wunderbarer Trick, wo wir uns betroffen fühlen.
    Simon und ANH zu vergleichen ist interessant, um ANH besser zu lesen, aber an sich hat dieser Vergleich keinen festen Grund: sie sind grundverschieden, jeder ist in seiner Art bewundernswert.
    Person (anonym) antwortete am 2009/06/07 19:24:
    @Prunier
    Naja, das ist schon seltsam: Ich würde auch eher von einem Vergleich absehen. Schließlich ist es Simon gelungen, ein Komponist zu werden. Lautlich und Klanglich. Was nach meinem Dafürhalten dem Medium der Sprache wohl näher kommt.
    Ihre Kollegin Eva Moldenhauer hat es sehr schön herausgearbeitet ins Deutsche.
    Ihr Versprecher „Gewehrmaschine“ ist sehr interessant. Weil er nicht falsch ist. Plötzlich wird das Ding weiblich.
    Wo es ja im auf Deutsch Maschinengewehr heißt.
    cellini antwortete am 2009/06/07 20:36:
    @Prunier und Person (anonym)
    Von einem Vergleich muß man nicht absehen. Vergleiche ich, versuche ich entweder Unterschiede o d e r Gemeinsamkeiten herauszufinden, auf subjektiver Grundlage, versteht sich. Ich finde bei beiden, Simon und ANH auch noch eine Gemeinsamkeit… bei einigen Texte beider lese ich mich mit atemberaubender Wahrnehmungsschärfe durch jeweils sofort wieder flüchtende Wahrnehmungen. Ein wahnsinnsschnelles Erscheinen eines Augen:blicks, dann für einen Moment die Zeitlupe, die das Bild festhält, ranholt, es für einen Moment still stehen, dann sofort wieder verschwinden läßt, um das nächste zu erzeugen. Es ist diese so vermeintlich flüchtige Wahrnehmung, die summierend erzeugt, was eigentlich garnicht wahrgenommen wird, aber dann trotzdem wahrnehmbar wird, sie wird Bild.
    Cypter (anonym) antwortete am 2009/06/07 20:44:
    „.. bei einigen Texte beider lese ich mich mit atemberaubender Wahrnehmungsschärfe durch jeweils sofort wieder flüchtende Wahrnehmungen.“

    Was dass zu bedeuten hat möchte ich gerne wissen, also für mich sind dass nur kleine Bläschen die man in die Luft hebt um irgendwie zu gefallen, wie wäre es mit Zitaten von Beiden, wenn schon ein Vergleich getätigt wird. Ein Vergleich lebt auch von Beweisen und nicht von solchen Floskeln.
    Ich möchte mich keineswegs in die Reihe der hier manchmal sehr unerträglichen Kommentare einfügen, aber solche Luftbläschen sind es dann aber auch nicht.

    Wie leicht schreibt man so etwas dahin, also nehmen wir an, ich schriebe über Herbst und Proust…

    „beide klingen wie der Rausch im Abendwind, oder beide nehmen mich ein, packen mich oder, in ihnen spüre ich das große Verlangen des Liebesschmerz“

    Was ich sagen will, dass sind Plattitüden, das waren die Kritiken übrigens auch, aber die Lobeshymnen sind fast noch unerträglicher
    parallalie antwortete am 2009/06/07 20:59:
    „Die Schilderung des Verwirrens ist nicht dasselbe wie eine verwirrte Schilderung.“ Benjamin, Zentralpark
    Person (anonym) antwortete am 2009/06/07 21:36:
    @cellini
    Simon mit Herbst vergleichen? Irgendwo müssten da qualitative Niveaus stimmen. Das sehe ich nicht so optimistisch.
    cellini antwortete am 2009/06/07 21:47:
    @Cyper (anonym)

    Dafür, daß Sie lediglich wissen wollen, was das zu bedeuten hat, kommen Sie ziemlich großkotzig daher. Gilt jemand für Sie nur als intelligent, wenn er terminigeschwängert einen Text fachlich analysieren kann?, wollen Sie Fotos von meinen Bücherregalen, damit ich Ihnen beweisen kann, welche Bücher in diesen stehen? Eine einfache, höflich offen interessierte Frage hätte genügt, ich hätte Ihnen ebenso höflich und interessiert geantwortet. Was erwarten Sie jetzt?, doch nicht etwa, daß ich Ihnen bewiesenermaßen jetzt einen Text von Simon einstelle?. Kaufen Sie sich von Claude Simon „Die Straßen in Flandern“, und lesen Sie sich den Auszug durch, in dem er von Wack auf dem Pferd sitzend überholt wird, und gerade noch den Boden des beschotterten Weges sehen kann (dazwischen ist aber ziemlich viel Text). Von ANH finden Sie hier genug Texte, damit Sie dann vergleichen können.

    Meine eigene Wahrnehmung meiner Art und Weise zu lesen, und dessen, was daraus in meinem Innen entsteht, kann ich Ihnen objektiv nicht beweisen… diese schilderte ich, auch und gerade vor dem Hintergrund meiner eigenen Subjektivität.

    @Person (anonym)
    … definieren Sie „qualitative Niveaus.“

    Das qualitative Niveau der Produktionsfaktoren und der daraus entstehenden Potentiale ist sicherlich bei beiden unterschiedlich, weil sich jeder Schriftsteller eigene sucht und schafft, insofern können Sie da ruhig Unterschiede feststellen.
    Person (anonym) antwortete am 2009/06/07 22:01:
    @Cellini
    Nein, ich meinte, wirklich nicht die Produktionsbedingungen. Eher Sprache, Ton, Komposition, Denken, Haltung…..etc
    günther kleff-brutzler (anonym) antwortete am 2009/06/08 00:39:
    so einer wie sie hält echt nur auf herbst.
    und wenn sie jetzt autokratisch nur 2 oider ein post von den dreienh löschen
    dann bringe ich sie um.
    günther kleff-brutzler (anonym) antwortete am 2009/06/08 01:05:
    naja lassen sies stehen – also ein genialischer mensch herbst – was soll das denn bitte sein ?
    in meinen augen hecheln sie dem zeitgeist hinterher.
    das sind sie.
    sie glauben an ihre adaptierungsfähigkeit wie an originales.
    sie sind ein unterworfener.
    und sie schöpfen grösse daraus sowie sie andere dadurch in den keller treten.
    sie sind sowohl ein spiesser wie sie auch zu einem establishment gehören,
    welches sie entschiedenst schäumend anpranger4n,
    der guerrillero auf dem fahrad mit oder ohne cello auf dem rücken welcher
    eigentlich edukatorische aufgaben antezipiert.
    sie sind echt verrückt.
    lassen sie sich einweisen.

  10. NYC-Kommentare 10) Zu http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/alban-herbst-new-york-manhattan-roman-kapitel-52/

    >>>> sumuze meinte am 2009/06/18 00:40:
    Sind Sie jetzt fertig
    nit dem Text? Oder kommt noch was?

    Und wo könnte ich, wenn ich will, dazu etwas anmerken? So Interesse daran besteht, natürlich.
    albannikolaiherbst antwortete am 2009/06/18 10:24:
    @sumuze.
    Ja, der Roman steht jetzt komplett drin. Bitte warten Sie mit dem Kommentar noch ein wenig, weil ich vorhabe, sämtliche bisherigen Kommentare zu kopieren, dann unter den entsprechenden Kapiteln wegzulöschen und in einen eigenen Kommentar-Thread hineinzubauen, unter dem dann weitere Kommentare eingestellt werden können. Hintergrund ist, daß ich den Text gern für neue Leser „ungestört“ durchlaufen lassen möchte. Ich denke mal, morgen werde ich die „neue“ Form fertig haben, vielleicht auch erst übermorgen.

  11. @sumuze. So, nun stehen sämtliche bisherigen Kommentare hier in dem neuen Kommentarbaum. Und es kann, wenn gewünscht, weitergehen damit.

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