A.D. VI Kal. Sept. Anno 2762 a.u.c.

Achter Tag vor den Kalenden. Dies comitialis.
Kleine Ausfälle zur Zeit in der Unerlöstheit. Gut tat mir gestern, nicht zu Hause gewesen zu sein am Abend. Nicht unbedingt der Inhalt des Abends bei MM in einer ausschließlichen Männerrunde (fluktuierend zwischen einer Zahl von 3 bis 5), die sich den praktischen Seiten des Lebens widmete (Mauerwerk begutachten beispielsweise, über die Maßnahme des Städtchens, etwas gegen die Tauben zu unternehmen), oder sich die Zukunftsprojektionen eines neapolitanischen Krankenhausarztes meines Alters anzuhören, eines zufälligen Italieners, da die Mutter aus Basel und der Vater aus Ecuador, die dann in Neapel hängengeblieben. Noch drei Jahre arbeiten, dann in Rente und dann eine Spaghetteria in Santo Domingo und was sonst noch an Karibischem genannt wurde. Ich und die praktischen Seiten des Lebens. Ich und die mir völlig abgehende Lust nach solchen „Paradiesen“. Laßt mir Europen! Also nicht unbedingt der Inhalt. Sondern vor dem Beschreiben der Ereignislosigkeit in ein Pseudo-Ereignis zu fliehen. Na, nennen wir es einen Moment der Sozialisation. Ein fast schon therapeutisches. Wieder zurück zwar noch ein Stündchen vor dem Bildschirm, aber wie aus der Ferne. Dann lieber noch gelesen (Jeder stirbt für sich allein – jede Ohnmacht greift nach kleinstem Widerstand, um wenigstens diesen in sich zu spüren) bei der angefangenen Flasche Wein bis zwei, da war sie alle, drei Stunden brauchte ich dafür. Um zehn dann aus dem Bett. Die nächste Übersetzung anfangen. Nebenbei lesen. Der Flaneur dreht sich mittlerweile um sich selbst. Er besucht all die Orte (Berlin, Paris, New York, Moskau, Sankt Petersburg, Odessa, Wien, Bratislava, Prag, Budapest, wo ich gerade bin), um dieselben Fragen immer wieder neu stellen zu können. Die Antworten sind dann das jeweilige Ambiente, in das vereinheitlichend eine sogenannte Anna Blume klug und ein „Doktor Benjamin“ alt und mit überraschenden Ansichten die ganzen Orte miteinander verklammern. Beschreibung einer Zeit des Übergangs zwischen Ost-/Westblock und einer Markt-, also Mercato-Projektion der Welt anstatt der Mercator-Projektion. Hinein in all das kam, ein „ich versuch’s nochmal wie vorigen Samstag, dich zu fragen, ob du morgen frei bist“. T. Dabei war ich es, der ihr vorigen Samstag angeboten hatte, daß…, sofern ich frei sei. Wahrscheinlich habe ich vor einer Woche ihre subtile und völlig neutrale Andeutung, sie wolle sich am Wochenende im Grünen ergehen, nicht in der Hinsicht verstanden, daß es eine ziemlich direkte Aufforderung war, ihr gefälligst etwas vorzuschlagen. Was ich aber intuitiv dann doch getan. Gut, also morgen dann der Pasolini-Turm und Bomarzo. Mit dem kleinen Vorbehalt der Befindlichkeit ihres Uralt-Katers. Tiny little feelings all along the watchtower. Rasch und oberflächlich (in maniera sbrigativa) vielleicht zusammenzufassen in einem uneiszeitlichen „S.G.L.aciale“. Da muß jemand gerade die Glasglocke geschüttelt haben: vor lauter Schneiigkeit kein Berg, den nachzuformen eine Hand da wäre.

This entry was posted in Tagebuch. Bookmark the permalink.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .