Pferde

In dieser Nacht träumte ich, dass ich über hügeliges Land ging, mit reifen, dunkelgrünen, im Wind raschelnden Maisfeldern und ungemähten Wiesen. Musik, die an Glasharfen erinnerte, wehte in weichen Wellen aus dem graublauen Himmel. Auf einem windüberspülten Hügel standen Pferde, die mich schon von weit her witterten. Erstarrt, mit hochgereckten Köpfen beobachteten sie mich, machten plötzlich kehrt und verschwanden.
Ich schwang mich über die Hügel, wie selbstverständlich konnte ich fliegen, suchte die Pferde überall, konnte sie aber nicht mehr finden. Diese überempfindlichen panischen Pferde waren der Inbegriff der Flüchtigkeit all dessen, was mir entglitt. Nur für einen Bruchteil einer Sekunde fällt das Licht durch die vom Leben selbst bewegten Zweige auf dich.

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3 Kommentare zu Pferde

  1. Pegasoi@findeiss. Den Pegasus zu reiten, bedeutet, dichterisch tätig zu sein (oder es zu versuchen): aus den Hippokrenen trinken – den Quellöffnungen, die das Flügelpferd mit seinen Hufen in den Fels schlägt. Auch eine Verbindung zu den Kelpies, Wasserpferden, ließe sich poetisch ziehen.
    Interessant ist, daß hier Sie es sind, der fliegt (also die Übersicht über das Land hat). Vielleicht, daß das Bild gedreht werden muß.

  2. werneburg sagt:

    Ritt auf dem Pegasos – nicht ganz ungefährlich Der Ritt auf dem Pegasos ist nicht ganz ungefährlich, wie ich in dem folgenden Gedicht anzudeuten suchte (aus dem Zyklus: „Die Lanze des Achill“, in „Die Wiederkehr des Delphins“, Scidinge Hall, Zürich 2013):

    Die Chimäre

    Reite durch das Gebirg, und Feuer werde ich löschen,
    das die Chimäre versprüht.
    Buchstaben habe ich, und Verse, sie zu bekriegen,
    ist es beflügelt, mein Pferd.

    Ziele nach ihrem Leib, die Lohe soll mich nicht schrecken,
    endlich trifft auch der Speer.
    War jedoch nicht nur ein Hirngespinst, was ich jagte,
    reglos liege ich selbst.

    Jahreszeiten meines Lebens, den Frühling der Ziege,
    ohne Schur nun das Kraut,
    Löwensommer, der kräftige, er hat mich verlassen,
    Winter der Schlange verfiel.

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