Puglieses Menschenbuch voll Regen. Von ANH. Sowie viermal Missa.

(…) Und dann gellt der Schrei über Neapel, man weiß nicht

woher, wie aus tausend Kehlen, der sich hinunterbewegte in den Hof und hinauf zu den Zinnen der Burgmauern und über sie hinwegflog, hinaus der Stadt entgegen, und die Stadt hörte ihn jetzt deutlich, eindeutig, ja, und diesmal reichten die Liebkosungen der Mütter nicht, und nicht die ängstlichen Gesten der Mädchen (…), alle verstanden die (…) vielfarbige herzzerreißende Botschaft – und es war der zweite Regentag – versteckt und eingeschlossen in den Tiefen der Brust.

 

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Allerdings hat die Redaktion meine Änderungen nicht übernommen, die ich nachgeschickt hatte und die sich auf die Exaktheit der Übersetzung beziehen, auf ihre Mängel also. Dorothea Dieckmann >>>> beklagte sie sehr und schickte mir einige deutliche Belege. (Wir hatten uns wegen Ihrer Erzählung Kirschenzeit und >>>> meiner Rezension darüber ein paar Mal geschrieben. Als ich später ihre Kritik zu Puglieses Buch bemerkte, in das auch ich so gefallen war, fand ich es doch sehr bezeichnend, daß wir uns ganz unabhängig voneinander vom selben Roman hatten dermaßen anziehen lassen, daß wir etwas zu ihm schreiben wollten.)
Ich sah mir nun einige der von ihr an der Übersetzung monierten Stellen an und mußte zustimmen – doch eben nur aus zweiter Hand. Vor allem kann ich nicht so gut Italienisch, daß ich-selbst Puglieses Buch hätte unter künstlerischer Draufsicht im Original zu lesen vermocht. Wiederum deshalb verbietet es allein der gute Stil, Dieckmanns scharfe Einwände auch in abgemilderter Form als meine eignen vorzutragen. Statt dessen erwähnte ich gegen Ende meiner Rezension ihre Kritik und bat, einen Link auf den Podcast zu legen. Genau dies hat die Faust-Redaktion nicht berücksichtigt.
Erhalten allerdings wollte ich die Erzählung des Rauschs, in den mich eben auch Barbara Pumhösels deutschsprachiger Text hat strömen lassen, und also auch die Begeisterung weiterhin mitteilen, in die ich versetzt worden war. Anders wäre es eine nachträgliche, zumal ziemlich mies abgesicherte Verfälschung gewesen.
In der geänderten Fassung endet meine Kritik folgendermaßen und hätte auch bei Faust so enden sollen:

(…) ein Rätsel wie einige der rauschhaften, durch die das Regnen rauscht, Passagen des Buches selbst. Der kleine Kölner Verlag Launenweber hat es über dreißig Jahre später wieder vernommen und in Barbara Pumhösel eine Nachdichterin gefunden, diesem unentwegten, mitunter magischen Rauschen ebenso magisch auch im Deutschen Klang zu verleihen, obwohl sich gegen ihre Übersetzung deutliche Einwände vorbringen lassen – wie sich bei Dorothea Dieckmann >>>> dort nachhören läßt.

***

Zur Missa Solemmnis (Chicago SO / Solti):
ANH

P.S.:
Die zweite Missa heute, und n o c h zwei habe ich aus meiner Musiksammlung an den Schreibtisch geholt. Es ist nicht selten eindrucksvoll, wie verschieden die Interpretationen sind. Meine erste wurde unter Michael Gielen mit Lipovšek eimgespielt, meine dritte stammt von dem grandiosen Ensemble für Alte Musik Les Arts Florissants unter William Christie, die vierte schließlich, New York Philhamonic/Kurt Masur, habe ich am Memorial Day 1999 in der Cathedral of St. John the Divine selbst mitgeschnitten. Sie geht nach Konzertschluß ins Hinausschreiten in die Geräusche der nächtlichen Stadt über, bleibt bei ihnen fast noch anderthalb Stunden und endet somit unmittelbar vor dem Beginn jenes Monats, in dem mein Sohn gezeugt worden ist.

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