In den Zeiten Covid-19s
Alban Nikolai Herbst spricht
Ein Gedicht für jeden Tag
Einhundertsiebenundsiebzigster bis einhunderteinundachtzigster Tag.
Vierte Serie, fünfter Tag:
Das bleibende Thier

|| Fünfte Bamberger Elegie ||

 

 

Alban Nikolai Herbst
Das bleibende Thier
Bamberger Elegien
Elfenbein Verlag
ISBN: 978-3-941184-10-7

In den Zeiten Covid-19s
Alban Nikolai Herbst spricht
Ein Gedicht für jeden Tag
Ein- und Zweiundachtzigster Tag.
Zweite Serie, Fünf- und Sechsundsechzigster Tag:
Der Engel Ordnungen

|| ” S v a v a   I & II ” ||

 

 

 

 

Alban Nikolai Herbst
Der Engel Odnungen
Gedichte
ISBN: 3866380070

Zur sogenannten Pädophilie: Wilders Mut und Wahrheit.

Ja, m u t i g, daß die Autoren der Schweizer Serie → “Wilder” die Polizistin Rosa Wilder, die als Fünfzehnjährige eine Liebesbeziehung mit dem s e h r viel älteren Künstler Armon Todt eingegangen ist, zu ihren Eltern sagen lassen: “Ich habe ihn geliebt und hätte auch das Kind geliebt, wenn ihr mich nicht es abzutreiben gezwungen hättet.” (Aus der Erinnerung zitiert.) Das die Serienfolgen durchziehende Trauma ist hier nicht die Ungleichheit der Lebensalter beider ehemals Liebenden, sondern das mit dem von einer, weil minderjährig, von ihren Eltern Abhängigen erzwungenen Tod eines werdenden Kindes herbeigeführte Ende der Beziehung.
Mutig, ja, daß die → Produktionsredaktion Frau Wilders Satz aus dem Drehbuch nicht einfach gestrichen hat; zweifelhaft, ob er → heute noch gesagt werden dürfte. Ganz unabhängig von dem verlinkten Fall muß aber noch gedacht werden dürfen, daß einerseits die Beziehung einer sehr viel Jüngeren zu einem sehr viel Älteren (oder eines Jüngeren zu einer Älteren) für beide von großem Glück sein könne und daß andererseits das numerische Alter über Reife und also die Fähigkeit, eigene begründete Lebensentscheidungen zu treffen, sehr viel weniger aussagt, als die öffentliche und rechtliche Meinung es will. Es gibt Dreißigjährige, Vierzigjährige, die kaum den Horizont mancher Sechzehnjährigen haben, sonst gäbe es nicht nach wie vor “erwachsene” Rassisten. Der Begriff “Pädophilie” ist von daher extrem unscharf. Es ist denkbar – denkbar, wohlgemerkt –,  daß eine in Hinsicht aufs Lebensalter weit auseinanderklaffende Beziehung für das Paar von auch objektivem Vorteil sein kann. Hier dürfte nur über den, wenn er denn strittig wird, Einzelfall entschieden werden.
Ein anderes kommt hinzu. Ich kenne einige heute erwachsene Frauen, die im Alter von um die dreizehn defloriert wurden, teils von durchweg älteren Männern; von ihnen, also diesen Frauen, hat keine ihr daraus erwachsene Traumata beklagt. Eher sprachen sie mir gegenüber – und tun es weiterhin – mit hoher Achtung von diesen Menschen, die den festen, guten Platz in ihren Herzen nie verloren haben. (Dreizehn/vierzehn scheint fast ein typisches Alter zu sein). Alle diese Frauen sind später einen klugen, reifen Lebensweg gegangen. Vielleicht sprechen sie öffentlich darüber nicht, wenn ihr Erleben wirklich glückhaft war; weshalb auch sollten sie? Bekannt werden die mißglückten, bzw. gewaltsamen Beziehungen. Genau hier liegt ein Problem. Ich selbst jedenfalls erinnere mich genau, wie sehr ich mich als Jüngling danach sehnte, von einer älteren Frau in die körperliche Liebe, wörtlich zu verstehen, eingeführt zu werden. Es ergab sich aber nicht, hingegen meine ersten Versuche mit Gleichaltrigen so täppisch waren, daß es meine ohnedies schon wirkende Isolation seelisch noch verschärfte.
Ich spreche, wohlgemerkt, nicht von Mißbrauch, sondern von “Fällen” beidseitigen Wollens. Hiergegen zu argumentieren, die jungen Menschen (“Kinder”, ecco) hätten aus Reifegründen zu wollen noch gar nicht gekonnt, ist eine ideologisierte Selbstüberschätzung späterer Lebensalter, die möglicherweise längst Klügere, als man selbst in diesem Alter war, zu Kindern abwerten. Dahinter können durchaus eigene Ängste stehen, anderweitig mißglückte Sexual- und spätere – “erwachsene” – ungute Beziehungserfahrungen, die auf eine vermeintlich heile, nämlich ihrerseits ideologisierte Kindheit projeziert werden, die zu schützen sei. Biologisch jedenfalls ist eine menstruierende Frau so wenig mehr ein Kind wie jemand, der Rassist ist, erwachsen genannt werden kann. Es sind Heranwachsende, nicht Kinder, und da sich Reife nicht notwendigerweise symmetrisch entwickelt, was für sogenannte Pädophile — präzisiert: “Nymphophile” — eben den Reiz auszumachen scheint, könnten (Konjunktiv!) Bereiche, die noch dem Körperlichen nicht entsprechen, von den Älteren sogar gefördert werden. Dies muß bedacht und im Einzelfall erwogen werden können, anstatt daß eine mögliche Wahrheit mit Tabus zuzementiert wird. Was derzeit zu geschehen im Gang ist: Programmierung statt eigener, freier Meinungsbildung (zu der die Erörterung eines Möglichen notwendigerweise gehört).

[Link auf die Serie im Bild]

Nota:
Interessanterweise bleibt, völlig anders als → Matzneff, Michael Jackson als Pop-Ikone völlig unangetastet, → geschweige, daß ein Wirtschaftsunternehmen auf die Idee käme, seine Platten vom Markt zu nehmen.

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