Anrufung der Venus bei Lukrez. Erster Versuch einer neuen gebundenen Nachdichtung. Die Brüste der Béart, 60.

 

Lukretius, DE RERUM NATURA, I 6-13

te, dea, te fugiunt venti, te nubila caeli
adventumque tuum, tibi suavis daedala tellus
summittit flores, tibi rident aequora ponti
placatumque nitet diffuso lumine caelum.
nam simul ac species patefactast verna diei
et reserata viget genitabilis aura favoni,
aëriae primum volucris te, diva, tuumque
significant initum perculsae corda tua vi.

 

Diels (1924)

Wenn du nahest, o Göttin, dann fliehen die Winde, vom Himmel
Flieht das Gewölk, dir breitet die liebliche Bildnerin Erde
Duftende Blumen zum Teppich, dir lächelt entgegen die Meerluft,
Und ein friedlicher Schimmer verbreitet sich über den Himmel.
Denn sobald sich erschlossen des Frühlings strahlende Pforte
Und aus dem Kerker befreit der fruchtbare West sich erhoben,
Künden zuerst, o Göttin, dich an die Bewohner der Lüfte,
Und dein Nahen entzündet ihr Herz mit Zaubergewalten.

ANH (Sept. 2020, Versuch I)

Dich, Göttin, Dich | fliehen die Böen und flieht das Gewölk,
wenn Du heranziehst, und unter den Füßen, erlauchte Gestalt’rin,
breitet die Erde Dir Blumen; Dir lächeln vom Meere die Brisen
zu wie das weit | ausgebreitete Glänzen des Himmels.
Kaum nämlich, daß sich der Lenz | ahnen von jedem Geschöpf läßt,
sei es auch nur | erst in dem Anhauch des fruchtbaren Westwinds,
ruft schon, o Göttin, der Vögel gezwitscherter*) Jubel Dich aus
allüberall, und er schlingt Deine Bändel um jegliches Herz.

 

*): Vielleicht sogar “geschmetterter”?

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Siehe auch Klaus Binder dort.

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