RückWand

„Die Zeit, Frau -“
„Ich hab’ meine Träume nach hinten treiben müssen: immer noch erpicht auf uns, die kleinen Rabauken.“
„- U n s?“
„Nicht angemessen, Dein Tonfall.“
„Verzeih.“

Welcome
to The Machine

Hey! Beloved!
Stier mit den Bockshornkleeaugen, bist
(trafen uns im Nachttierhaus, überschritten die Schwellen, während rechts und links das zahme Geziefer wegspritzte, mein Verräter, Verratener, Berg, den kein Wort mehr versetzen kann)
i h r Jüngling jetzt, horchst an ihrer Rückwand.
The Machine liest Dir Schweigen vor.
Tick für Tick.

(Welcome)

„Okay, hoch mit ihr, sie braucht mehr Sauerstoff.“
„Und – hepp.“
Doch Luft allein bringt mich nicht zurück: Die Löwin steckt fest.
Please mind the gap between the train and the platform

(Jemand am Telefon, ein raunziges Lachen.)
Ich rede nicht so gern. Schreibe in der Sonderausstellung der Liebhe, nicht bei jedem Bild bleib’ ich stehen, doch in jedem, hinterrücks, ist ein Einwurfschlitz zur Aktivierung, man muss sie nur von der Wand wegheben. Wenn meine Bilder zu sprechen beginnen, schreibe ich mit.
Heute bin ich pleite, doch Deine Taschen sind schwer von Münzen, Jüngling,

hier mein Hut.
Schließlich brauchst Du sie nicht mehr. The Machine hat keinen Schlitz.

– Kurier.
– Erster Stock rechts, ich lasse die Tür offenstehen, es gibt kein Namensschild.
Der Mann tritt mit einem Armvoll cremefarbener Rosen ein, ohne Cellophan, sodass ich das Couvert sofort sehe. Ich öffne es, ziehe die Karte heraus.
Bin in fünf Minuten da. Serge.
Dass der Kurier geht, bemerke ich nicht.

(Welcome)

La Chaloupe hat fünf Tische; man führt uns zu einem, ich trage begleite mein mittig gerafftes Kleid mit schmaler, goldener Schließe auf Höhe der Taille, Strümpfe mit Halter, schwarze Pumps mit hellen Absätzen, darunter nichts.
Keine Karte. Er hat das Menü längst entschieden, ich frage nicht nach, frage nie nach, die Fauteuils sind weich, der Raum gediegen, wir plaudern, ich probe meinen Fuß unter dem mit Damast überworfenen Tisch, Amuse-gueules treffen ein, eine Consommé, dann fährt der Kellner einen Tisch heran, zerteilt die Ente vor unseren Augen. Ich ignoriere ihn, wende den Blick nicht von der herangerollten Assemblage, Messing, etwa armhoch, Trichter am oberen Ende, ich warte.
Spiele ein wenig.
Der Kellner greift nach der Zange, nimmt das Gerippe vom Brett, hebt es in den Trichter.
Serge sieht zu mir herüber.
Ich ziehe meine Fußspitze zurück.
Das Gebein verschwindet im Maul der Maschine, während der Kellner die Kurbel dreht, ich
höre
die Essenz aus einer schmalen Röhre am Fuß des Apparats in eine Schale rinnen.
Serge nimmt sie in Empfang, nickt, der dienstbare Geist verschwindet, seine Gerätschaft hinter sich her ziehend, ich sehe ihm nach, dann Serge in die Augen.
Er hebt die Schale an die Lippen, leert sie mit einem einzigen Schluck. Hält meinen Blick fest, senkt sie unter den Tisch, während
ein
leises Plätschern.
– A nous, ma femme.
Lächelnd.
Ich nehme sie entgegen und trinke. Serge lehnt sich zurück, beobachtet mich.
– Erkennst Du das Motiv auf dem Gobelin hinter mir?
– Wie bitte? Ich stelle die Schale ab.
– Hieronymus Bosch, sagt er, Die Hölle. Du kennst das Bild.
– Ja.
– Es hat keine Rückwand.
– Ich auch nicht, sage ich.

WeinLese

(„Sie hat sich nicht in der Hand.“)
(„Geben wir ihr was dagegen.“)
(„Hey. Löwin.“)
[1]„Ich bin hier.“

Setz Dich auf den Boden, dicht an die Wand. Schieb den Rücken fest gegen die Fläche, den Hinterkopf, lass den Hals in die Höhe wachsen, schließe die Augen. Umfasse deine Knie, zieh sie an den Körper, lass sie rechts und links zur Seite kippen, leg die Fußsohlen gegeneinander. Nicht verkrampfen dabei. Einfach nur gegeneinander legen. Ja, so ist es gut.
Warte.
Atme.
Nun die Arme. Lass sie hängen, leg die Hände mit der Innenseite nach unten über deinen Bauchnabel, spür ihre Wärme. Leg die Fingerspitzen zu einem Dreieck zusammen. Schieb sie etwas tiefer, über
[2]K n o c h e nblume hat er sie genannt.
(Vergiss es.)
den Hügel. Bedecke ihn mit Deinen Händen. Atme.
[3]Test, Test
Begehrst Du ihn noch? Im Ernst,

Wie

viele Jahre hintereinander war die alte Frau mit ihr zur Weinlese nach Westhofen gefahren. Die Dackel, ausnahmsweise, blieben zuhause. (Für den Rest ihres Lebens würde sie sich an die W e l l e erinnern, die ihr beim Einsteigen entgegenschlug: wie stark der Käfer nach Benzin und den Familiendackeln roch. Oft waren die Hunde auch nass vom Wald gewesen.)
Man ging noch vor Anbruch des Morgens hinaus.
Die Flanken der Hänge. Darauf, säuberlich gereiht, Rebstöcke.
Das Kind war bedächtig, doch das fiel nicht ins Gewicht, die Gruppe war groß genug, schweigsame Frauen und Männer, deren Hände an den nachtnassen Beeren von selbst wussten, was zu tun war. Drei Stunden wurde gearbeitet, dann Frühstück, die zweite Schicht dann ununterbrochen plaudernd, nur die Kleine sprach weiterhin nicht. Es war ihre Art. Die Erwachsenen kommentierten das ebensowenig wie ihre zögernden Handgriffe.
Stunden ver
gingen so lang
samfür die Kleine.

Drin, viel später, der Moment, in dem zwei oder drei von uns die Schuhe auszogen, in den riesigen Bottich frisch geernteter Trauben stiegen. Alle wollten, wenige durften, ich passte immer noch mit hinein. Wenn ich mich vom dicken, hölzernen Rand des Bottichs mit nackten Beinen in den Fruchthaufen niedersenkte, betrat ich den merkwürdigsten Grund der Welt.
Trauben treten,

während in

der Nacht im zentralen Raum die Entscheidungen gefallen sind. Ich sehe zu, wie er sie entrückt, ich weiß, wie sich das anfüllt, er berührt ihre Flanken, routiniert, fast widerwillig. Sie murmelt etwas, doch ich bin zu weit weg.
Ab- und an sieht er zu mir herüber, eine Brücke, gleich gültig. Es spielt keine Rolle, was die Frau sagt; sie ist nicht gemeint.
Beiwohnen.
Das Bild greift mir mit beiden Händen ins Gesicht, die Stirn, in die Öffnungen, streift die Wangen, die Ernte auf meinen Hängen einzufahren, reiche Ernte, Weinlese.
Im Getriebe des Blickens feinste Härchen, versiegeln meine Nüstern, die Muscheln der Ohren, die Zunge schmilzt, die winzigen Poren der Haut, bis keine mehr allein ist. Ich verliere mein Gesicht,
(scheiß drauf)
(XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX)
doch die Augäpfel, verliebt, wie sie sind, rücken ein Stückchen zusammen, noch eines, dann aufwärts, die Verräter. Ich halte sie nicht auf. Als sie ineinander glitschen ist es, als wären sie nie getrennt gewesen.
Der Mann wirft mir einen Blick zu. Ich ihm auch. Nur einen aus einem.

Ganz
sacht
richte ich mich
her und

gehe aus:

Schwarze Corsage, langer, enger Rock, hautfarbene Bluse mit sehr kleinen, vielen Perlmuttknöpfen, Ringe. Keine Halskette. Schlichte, sehr hohe Schuhe. Mund nicht rot (vulg.), stattdessen das Auge verschatten, smokey!,
mein Stirnauge, meine Weide, Wimpern fast fingerlang, die Pupille eine süße Kirsche in dunklem Aubergine, riesig.
Ich tusche sie, die Wimpern. Versuche es: Das Bürstchen ist zu klein. Ebenso der Kajalstift. (Werde mir neues Schminkzeug besorgen, aber wo?)
Es klingelt.
Ich sehe aus dem Fenster; der Wagen wartet vor dem Haus.

Als ich den Raum betrete, Damen und Herren in Pulks und gewandet, ist mein Platz sicher irgendwo markiert, ganz gewiss aber geh ich nicht schildchenlesend durch die Reihen, ihn aufzuspüren. Man plaudert in den Gängen, jemand spielt eine Art (verdammte kack – Hirten…!) Flöte, Stoffbahnen, feinste, fallen weich von der hohen Decke, in ihrer Mitte Dutzende Amaryllis an Fäden, mit den Blüten nach unten erhängt. Ich schreite durch die
Reb
und
seh’ den Hünen. Sofort. (Klar.)
Er trägt Anzug, einen knappen Millimeter Haar auf dem Schädel, darunter definitiv XLarge. Verdammt, der Hüne hat von allem das Doppelte, will mir scheinen, und er kann g e h e n. Von Männern wie Frauen gibt es nicht viele, die das können.
Schon von weitem macht er eine HandPrankenbewegung, während er durch die
stöcke
pflügt.
Ich bleibe, wo ich bin und erwarte ihn.

References

References
1 „Ich bin hier.“
2 K n o c h e nblume hat er sie genannt.
3 Test, Test

EntGleisungen

(…)
Ich gelange an einen blossen Waldsee, nach der Winterpause frisch eröffnet. Eine Stimme (meine?) annonciert ausgesprochen ruhig per Lautsprecher, das Wasser sei nach dem langen Schlaf noch vermulcht und k
alt.
Am anderen Ufer seh’ ich wen einsteigen, erdmännchengroß; sein Handtuch eine Briefmarke an der gelehmten Böschung.
Ich bereite mich
vor
sichtig. Mein Luftkissen sieht mir ähnlich, nur die Arme sind am Rumpf festgewachsen und die Beine aneinander. Seitdem ich es fühlte hat es die Form behalten, schwarz, Gummi, nicht schlaff, nicht prall. Ich besteige es; es
schwimmt los,
hat einen geistlosen Antrieb, fährt schwarz,
ohne Fragen zu stellen.
Ich denke nie drüber nach, dass wir zusammen zwei sind.
Ab und an lasse ich einen Arm zur Seite fallen, zieh’ die Hand durch den Seh, betrachte, wie die Algen von meinen Fingern herunter hängen, entlasse sie wieder ins Wass
ER (!)
(- DU?)
shift
Das dauert eine Weile.
Später auf dem Rückweg hör ich Sirenen und das Geräusch heranfahrender Autos, folge den Stimmen. (Mal wieder)
Offenbar hat der See einen Zufluss, denn zwischen den Bäumen steht ein Schleusenhaus neben einer kleinen Brücke, nicht mehr in Betrieb, die Brücke verwittert, Stützpfeiler geborsten. Moosi
g. Auf einem der höheren Mauervorsprünge liegt ein Soigling. Ich halte wenige Meter vor ihm. Obwohl drei Männer versuchen, ihn herunterzuheben, gibt er keinen Laut ab, reckt nur die Ärmchen nach oben. Hat keine rechte Hand. Da, wo sie ansetzen sollte, ist die Haut zusammengedreht und säuberlich über dem Gelenk verknotet.
(…)

Es lag nicht in meiner Hand, sagt er.
E s vielleicht nicht, aber ich. Und sie.

Die Monitore, manchmal wünschte ich, es gäbe sie nicht: die ScheinWerfer, Briefe, Kunst, Intelligenzia. Den Geist des An:scheins über uns allen.
Stattdessen Unübersetztes: das größere Übel wählen.
„- Und wenn wir dabei vor die Hunde gingen?“
Erster Sprecher: ENDLICH! SIE STELLT EINE FRAGE.
„Lieber als Hund sein“, sage ich.
Ich antworte grundsätzlich immer, sogar mir selbst.

shift

Lass’ es laufen. Sei krass. Ich küsse Dich in Gedanken schreibt mein Mentor. Per Post. Und ich denke: Ja, Realität. Für mich. Und Dich, und alle die, die sich lieber vierteilen ließen, bevor sie ihre
– Nestwärme, sagt jemand
anheim gäben.
– Ich habe ihm noch nicht geantwortet. Meine Wörter sind Scharlatane, kann ihnen nicht mehr
TRAUEN.
Die Crux ist, die Löwin kann nur unmittelbar und r i g o r o s m, kann Krallen und DasNoieSpiel und Ein richtiges PAAR Karten mischen.

Erster Sprecher: VERDAMMT, DAS IST KEIN SPIEL.
Zweiter Sprecher: DOCH, NATÜRLICH. ALLES WIRD NOI GEMISCHT.

shift

– Sind Sie XXXX (Name geschwärzt)?
– Wer will das wissen, frage ich, doch da läuft schon die Warteschleife. Dann eine neue Stimme, männlich diesmal, distinguiert, leichter osteuropäischer Akzent.
– Schön, dass wir Sie zuordnen konnten.
– Mit wem spreche ich bitte, frage ich.
– Ich kontaktiere Sie im Auftrag von XXXX (Name geschwärzt), wir möchten Sie vergewissern. Wozu es aber zwingend
– Woher haben Sie meine Nummer?
– erforderlich wäre, dass Sie Ihre Präsenz in einem bestimmten Weblog beenden. Ihre Partizipation an dem genannten Webl
– Ich habe keines genannt!
– ist nicht mehr adäquat für sie, er will sich neu hingeben.
– Ich mich auch, verdMMT. Ich lege auf jetzt.
– Einen Moment noch, bitte. Er steht Ihnen, wir erkennen das an.
– Und deshalb wollen Sie – ?
– Neu verhandeln. Wir garantieren ein Mindestalter von siebzig.
– Nur für die Herren, nehme ich an.
– Selbstverständlich.
– Und die – ?
– Werden nach anderen Kriterien aufgenommen.
– Ich lege jetzt auf; streichen Sie meinen Namen VON IHRER LISTE.
– Wir schicken Ihnen einen Wagen. Morgen, zwanzig Uhr dreißig.

(Verrücktsein Verrückt zu werden ist so einfach.)

Adäquates Verhalten. Kann sie. Perfekt. Auch inadäquaTES.
SI
(RENEN SINGEN)
, Senor. Jederzeit!

Doch zurück zur Erzählung. Warum mir erst jetzt auffällt, dass ich nicht zählen konnte, jemals? Keine Ahnung. Ich will nicht er zählen, will nur
auf die andere Saîte. Bis zum Anschlag.
– Und dann?
– Alles erschöpftneuert sich, im Wahn
haften.

Doch ich hafte nicht mehr.
Bisous.

L.

GrundRiss

Also, wenn ich besser aufgepasst hätte, wäre der Grund nicht gerissen? ruft die kleine Löwin schon von weitem.
Der Alte blickt von der Arbeit auf. – Setz dich. Dann schweigt er.
Ich bin hier, murrt sie und tappt auf den Boden.
Aber das weiß ich doch, sagt der Alte. Er beugt sich vor und fährt mit der Zunge über ihre rechte Wange. Siehst du?
– Ieeh, das kitzelt!
Ich weiß genau, wo du steckst, auch wenn meine Augen nicht taugen. Ich hör dich, ich riech dich, ich schmeck dich.
Die Kleine dreht den Kopf weg, doch er lässt nicht von ihr ab. Ich back dich, ich zwack dich, ich lack dich.
Lack dich?
Sonst hätte es sich doch nicht gereimt, oder? Jetzt du.
Ich kreis dich, ich beiß dich, ich reiß dich, schnurrt sie. Also, wie ist das mit dem Grund, warum ist er gerissen?
– Stell dich mal hin, sagt er, hoch mit dir.
– Du legst immer den Kopf schief, wenn du lauschst, wie ein Vogel.
Sein Drohen kommt tief aus der Kehle, doch die Kleine kennt ihn besser.
Antwort, Wandort, Landwort, singt sie. – Ich steh jetzt.
(Als wüsste er das nicht.)
Spürst du den Grund? fragt er. Reiß ihn auf. Er lauscht, während sie die Krallen über den trockenen Lehm zieht.
– Fester.
Er lehnt sich langsam zurück. – Da hast du ihn, Kind.
Den Mundbiss?
Er lacht auf. Schau doch, du kannst ihm nichts anhaben.
– Nur langschaben! Sie kichert. – Also bin ich nicht schuld?
Er sieht dich nicht einmal, sagt der Alte. Hat dich noch nie gespürt. Geh spielen jetzt.

Er sieht mich, er sieht mich nicht, er flieht mich, er flieht mich nicht

Als ihr Gelächter verklingt, streckt sich der Alte aus. Die Sonne steht bereits hoch.
Zeit, zu schlafen.

Kein Lüftchen regt sich, kein Schatten bewegt sich
Kommt nicht mehr heim, mein Ringelreim

.

EndGültig

Ein riesiges Areal, durch das sie (federnd) läuft, über einen Damm, oben nicht innehaltend, springt weichen Schrittes in das Graue, das dahinter die Ebene bedeckt. Versinkt sofort,
schlüpft
In den beiden Sekunden, die es (kaum) dauert, bis nur ihr Kopf noch außerhalb
Umschmiegt/Futteral
ist, denkt sie nach. Der Schlamm (oh Maria und Joseph!) ist warm; ihre Fußspitzen berühren den Grund nicht, würden ihn nie berühren: Von dieser Sorte ist er nicht.

Sie hat Zeit, warum auch immer, (vielleicht, dass die letzten Sekunden einer anderen Dimension angehörten, nicht mehr als Zeit gälten, tatsächlich un-mittelbar seien) sich zu überlegen, wie jemand, Jahre später, ihren Körper finden wird; es beruhigt sie, dass dann immer noch ersichtlich wäre, nicht wer sie, aber doch dass sie Frau gewesen: Das scheint wichtig.
Für ein Sekündchen. Wie angenehm es wäre, den Mund zu öffnen und ihn zu ver
schlingen.
Zwischenräume
füllen
Zeit für den Rest.
Denkt sie. Öffnet den Mund und
schreit.
Und natürlich ist da mit einem Mal wer, sieht, hört, auf dem Damm stehend, rennt um Beistand, natürlich umschlingt die Löwin ihren Schlamm, einem (plötzlichen) Entschluss folgend, wie einen Teig mit beiden Armen, verdickt sich der wie unter einer Wohltat, lässt sich verteigen, verändern, schenkt seine Sekunden wieder her, schiebt sie ein Stückchen, Weilchen; sie trägt den Kopf gereckt, walkt, voran, zum Rand, zum Damm, vergisst zu sinken.
Meine Schöne, ächzt der Schlamm.
Was er zu allen sagt.

(Garnelen, hat sie gestern gelernt, Müttergarnelen, bekommen von den Züchtern in Thailand ein Auge abgeschnitten. – Warum keine andere Methode, gibt es keine andere Methode??, fragt die Reisejournalistin, die der Prozedur schaudernd beiwohnt: Die Schere wird über einem Feuer auf Temperatur gebracht, bis sie glüht, schnippschnapp, Augenstiel ab, Wunde ausgebrannt, ein einziger, wenn auch überraschend robuster Handgriff für so einen dünnen Stiel. Der Züchter wirft das Muttertier in eine mit Wasser gefüllte Tonne, es sinkt auf den Boden, auf die Seite, die Beinchen wiegen.
Er blickt auf. – Weil sie dann schneller Babys machen, sagt er, das wissen doch alle Züchter. Nicht mehr Babys, aber schneller. Es ist die Natur. Als wüssten sie, dass ihnen weniger Zeit für Fortpflanzung bleibt, mit der Verwundung.

[1]- Das ist natürlich Unfug. Oder? Das Wissen der Garnelenmütter? – Nein, gültig. Was die Journalistin in Erfahrung brachte, später, über die Hormone hinter dem Augenstiel, wie sie … Continue reading

[2](Ich spreche mit dir, doch im Hintergrund schnippt)

Dem Mann jedenfalls, seitdem sie sein Herz geflickt haben, schwänzt manchmal sein Atem. – Und die Beine, sagt er, – ertragen nicht mehr das bisschen Luft zwischen Haut und Textil, es sind die Nerven, ich kann nur noch eng anliegende Hosen tragen. Tu ich ebenfalls: mit Gürtel und reingesteckter Bluse, schlank wie ein Messer.
Futter-Aal
Er reicht mir Wasser. Zwei Mal. Der Tisch hat eine Glasplatte; ich stelle es so sacht ab, dass kein Geräusch entsteht. Er beugt sich immer wieder nach vorne, trinkt nichts, ich mich ihm entgegen, wie zwei Algenbüsche, wir wiegen uns.
– Du siehst nicht gezeichnet aus, sage ich.
Es kommt tief aus den Augenhöhlen, sein Lächeln, ich überseh’ seinen Mund, wir sprechen über Kunst und Schreiben, über Orgsamen (Orgsamen, perfekt eigentlich) und Frauen, ihre Ansprüche und Bedürfnisse, sexuelle, über Reibung, anspruchsgefüllte Männer, Prostatae, Bolagno, devote Frauen und Herr-ische, geniale, genial furchtsame und Haut, immer wieder Haut, Harold Brodkey, die Löwin meldet sich zu Wort, Bücher als Fort-Pflanzung, Tusche, über mein neues Vor-haben;
es waren schon immer die Augenhöhlen an ihm, die mich fasziniert haben, wie in den Schädel durchgedrückte Pflaumen, darin sein Blick wie ein keckes Würmchen, das mir zublinzelt.

– Ich schreib’ dir ein Vorwort, sagt er, wenn du willst, aber nur, wenn es wirklich krass wird, lass es laufen, schick’ mir, wenn du magst, Teile davon, will lesen, reagieren, aber per Post, bitte.
Couverts, wie hübsch, denke ich.
Einverstanden.
Im Türrahmen umfasst er meine Taille, zieht mich an sich, schiebt mir die Zunge zwischen die Lippen, greift in ein Festmahl, mit beiden Händen.
Die Löwin stolpert die Treppen hinunter, lächelnd. Ihr Ring
klimpert

Später lächelt sie einen Fremden an, schon durch die Fenster der Galerie, während er draußen sein Fahrrad anschließt an eben die Laterne, bei der ihres schon und er kommt herein, geht direkt auf sie zu und wir beginnen zu sprechen, als seien wir nur kurz unterbrochen worden.

Schwänz mich nie mehr.

References

References
1 - Das ist natürlich Unfug. Oder? Das Wissen der Garnelenmütter?
– Nein, gültig. Was die Journalistin in Erfahrung brachte, später, über die Hormone hinter dem Augenstiel, wie sie durcheinanderkommen, wenn keiner mehr da ist, wie sie dann nur noch diesen einen Befehl durch den Körper schicken, mehre dich: nicht wichtig. Nicht für den Züchter, nicht für seine Garnele.
– Was gilt, ist sein Glauben, dass sie vom Tod weiß, und seine Schere.
– Ja.
2 (Ich spreche mit dir, doch im Hintergrund schnippt

HochMut

– Du läufst immer zu Hochform auf, wenn Du glaubst, Deine Vernichtung stünde unmittelbar bevor, sage ich.
Er lacht auf: – Ich fühl’ mich alles andere als in Hochform, ich krieg’ ja nichts hin.
Doch. Kriegst alles hin, was dein Fieber füttert.
Keine Wadenwickel für den Helden. Nicht von mir. Lieber werf’ ich ein Scheit ins Feuer, hab’ fürs Sedieren nichts übrig, Beschwichtigung, da steckt schon der Wicht drin, ich glaub’ denen, die sich versteigen, oben im Berg.
(Solang sie –
doch das Wort mag ich nicht sagen aussprechen.)

Sag nicht deins, sag seins, Löwin,
sag: Liebhe
Schau, wie seins alles braucht
Und deins keins.

Seltsam, seine Briefe: wie Doping. (Ups, das wird ihm nicht gefallen) Wer sie sich einverleibt, rennt schneller, wer Doping hasst, muss vielleicht kotzen.
(Also gut, dann Götterspeise)
Es gibt übrigens keine Passiven hier. Wir sind, was wir sein wollen. Kein Schutzraum, keine Opfer, kein Schuldgefühl. Alles ist sofort frei gegeben, auf selbst die kleinste Fühlung fällt ein Licht.
Es ist angerichtet. Darin nicht Kunst zu sehen ist statthaft, zeugt aber von steriler Gesinnung: Wenn einer erleuchtet ist, geht man doch nicht in den Schatten.

Niemand verdient. Sich Liebe. Zieht ab, was Ihr erwirkt hättet, erschrieben, errungen, bewiesen und erkoren,
(ereifert)
streift den Samt von den Händen und die Jahre aus dem Fell (Verdammt, Dein Brustfell, wie mir das fehlt)
Was dann i s t: d a s nimmt sich die Liebhe.

Wenn sie kann.

GrundStein

Ich kann Es nicht tun jetzt, sagst Du, du wärest nicht gemeint.
Ich lass mich nicht abtreiben, sage ich. Nicht von Dir. Väter können das nicht.

Ich beanspruche dieses Revier.
Die Jahre, Ausbrüche, Deutungen sind mein; wer nimmt, dem gehören sie. Nicht als Enteignung, Leugnung, Anverwandlung, einfach die:
dröhnende Wucht des Eigenen im EntZweiten.
(Gong.)
.
.
.
(Drei Zeilen für die Narration freigehalten)
[1]Drei werden nicht reichen, Löwin
[2](Ich weiß)

„Statthalter“ seien wir, sagten wir.
(Für die den Mut nicht hätten?) ( Du zitierst (mich) (zu) knapp; meine Kraft kommt nicht aus Überhebung )

Unter jedem der Worte, die Du aufhebst, um Statt zu halten
wohnt jemand, der kein Haus mehr hätte, nähm er Dein Handeln beim Wort

Wer den Grundstein hebt, legt ihn nicht mehr zurück.
Doch wen schert schon Auslegung. Ich bin hier: Fühlen heißt Füllen; die Luft über dem Grund gehört allen, meinen hast Du verwendet benutzt und ich Deinen und alle mit Steinen und alle unter ihnen sind gültig.
Wer meinen will, hebt sich, wer nicht gemeint sein will, sucht Unterschlupf.

Resümier uns nicht, sage ich.
Es gilt nur, was vom Ersten Blick an i s t, sagst Du.
Die Frau wählt, d i e F r a u will das Kind. Von. Mir. Nichts, das wächst, gilt je so viel wie sehen und – wissen. Du aber hast mich gewählt mit Konditionen.
Die verändern sich, sage ich.
Die verändern sich nie mehr, behauptest Du.
Ich schweige dann. Kategorien sind Dynamit: nur zum Sprengen gut. Ich lebe in Zuständen.

(Ich sehe Dich, textete ich in den Berg hinein vor (so wenigen erst?) Tagen, in Dein und Euer Verschlungensein),
und später schrieb auch ich Briefe. Ich warf sie in die
Hohe Stadt
ein, in der Du singst.
Tagsüber bekam ich nur ein hauchdünnes Blatt durch, nachts waren es mehr.

Teeren und Federn
Tee und Federn
Fee und Federn:

Der kleinen Löwin Singsang im Dunkeln.

Ach, Kind, was tust du denn da? Darfst doch wüten

References

References
1 Drei werden nicht reichen, Löwin
2 (Ich weiß
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