ZEIT OHNE ENDE. Heike Klippel in Frankfurt. 22.05. 2009. montgelas informiert.

Matinee am Sonntag, 24. 5. 2009 um 13 Uhr im mal seh‘n Kino Frankfurt, Adlerflychtstraße 6.
Heike Klippel, Professorin für Filmwissenschaft an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Mitherausgeberin von Frauen und Film. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Themen feministischer Filmtheorie, Zeit, Film und Alltag präsentiert zusammen mit dem >>>>Verlag Stroemfeld und der Kinothek Asta Nielsen e.V. ihr Buch ZEIT OHNE ENDE, Zeit ohne Ende“ folgt einer leitmotivischen Vorstellung der Idee vom Unendlichen im Endlichen. Sie ist der Antrieb für die in drei Essays ausgeführten Überlegungen gewesen, in denen es um Strategien geht, sich dem Ablauf der Zeit zu widersetzen, ihn nicht anerkennen zu wollen, oder in ihm unterzugehen… Es läuft: Out Of The Past USA 1947, Regie: Jacques Tourneur, Original mit Untertiteln. Der Film Noir von 1947, zeigt uns im klassischen Hollywoodstil eine besonders genussvoll inszenierte Variante der Nicht-Anerkennung der Zeit Das Ende steht von Anfang fest, es ist der Untergang des Helden, der in Wiederholungsschleifen gefangen ist, die ihn nicht voran, sondern immer weiter in die Vergangenheit zurück führen.

Hacks – Brief gefunden. montgelas. 17. Mai anno xxxx….. Bericht aus dem Off. Mittags zu vieren.

Bei H. zu Tisch in heiteren Gesprächen. Der Dichter speiste zusammen mit >>>>v. Hazzi und >>>Wieland, dem Hrsg. des >>>>NTM und mir, der diesmal ohne Josephine gekommen war. Benutzt wurde das „Kleine Esszimmer“, das einzige Zimmer des Vorderhauses, das nach Süden zu liegt, mit zwei Fenstern zum Hof. Die Küche lag im Erdgeschoß, eine Treppe führte hinauf und neben dem Esszimmer hatte man noch eine zweite kleinere Küche zum Warmhalten und Anrichten des Essens. Eine junge Schönheit der Gesellschaft kam zur Erwähnung, wobei einer der Anwesenden bemerkte, dass er fast auf dem Punkt stehe, sie zu lieben, weil ihr Verstand so glänze. »Pah! sagte unser Dichter lachend, als ob die Liebe etwas mit dem Verstande zu tun hätte! Wir lieben an einem jungen Frauenzimmer ganz andere Dinge, als den Verstand. Wir lieben an ihr das Schöne, das Jugendliche, das Neckische, das Zutrauliche, den Charakter, ihre Fehler, ihre Kapricen, und Gott weiß was alles Unaussprechliche sonst; aber wir lieben nicht ihren Verstand. Ihren Verstand achten wir, wenn er glänzend ist und ein Mädchen kann dadurch in unsern Augen unendlich an Wert gewinnen. Auch mag der Verstand gut sein, uns zu fesseln, wenn wir bereits lieben. Allein der Verstand ist nicht dasjenige, was fähig wäre, uns zu entzünden und eine Leidenschaft zu erwecken.« Die anwesenden Herren fanden an seinen Worten viel Wahres und Überzeugendes und waren bereit, den Gegenstand ebenfalls von dieser Seite zu betrachten. Nach Tisch eilte Wieland zu einem Termin mit >>>>Bertuch, und Joseph v. Hazzi, der es liebte nach dem Essen sich ein wenig hinzulegen, ging in die Gästewohnung des Vorderhauses, eine kleine Mansarde mit 9 Räumen im 1.Stock, die allerdings keinen Flur kannte, was den Nachteil hatte, dass ein Bewohner oft bei dem anderen hindurch musste, was natürlich unseren Gast aus München etwas störte, ja ihn nahezu auf die Nerven fiel. Glücklicherweise gab es an beiden Seiten der Zimmerflucht Treppen.
Ich blieb bei H. sitzen und legte ihm einen Brief vor, der rätselhafte Hinweise auf unseren Tischgenossen v. Hazzi enthielt und dessen Echtheit, da von ihm unterzeichnet, er mir bestätigen sollte.
In diesem Zusammenhang zeigte er mir große Konvolute seiner Korrespondenz, die er aus einem hohen Schrank mit vielen Schubladen holte. „ Es sind dies alles Briefe, so meinte er, die seit Anno „wer weiß wann“ von und über bedeutende Frauen und Männer an mich eingegangen sind, es steckt darin ein wahrer Schatz von Ideen. Ihre öffentliche Mitteilung soll künftig, nach meinem Sinn und ihrer Maßgabe erfolgen. Aber bevor dies geschehen kann, muss hier erst einmal Ordnung geschaffen werden. Danach können sie verfahren, wie sie wollen.”
Bevor wir uns verabschiedeten, betrachteten wir den Brief noch einmal wechselweise und freuten uns des klaren Ausdrucks. Noch einmal bestätigte mir der Dichter die Echtheit des Dokuments und meinte dann, dass er sich partout nicht mehr daran erinnern könne, um was es denn da eigentlich gegangen sei.
Wir vereinbarten eine Rubrik Epistolae clarorum virorum einzurichten und dass v. Hazzi mit der Redaktion dieser Rubrik betraut wird.

Dokumentenanhang:

P.S. Dem Text liegen Äußerungen Goethes und Eckermanns zugrunde.

Brücken. 14. 05. 09. montgelas. Ein Loblied.

Und stechen mich die Dornen,
Und wird mir’s drauß zu kahl,
Geb’ ich dem Roß die Spornen
Und reit’ ins Neckartal.

(v. Scheffel)

Ein etwas, von Außen betrachtet, ungleiches Paar, zu dem später, von ihm zwar vermutet, aber dann doch überraschend, ANH und Aikmaier stießen, saß da gestern Nachmittag im Knösel und diskutierte warmherzig, Gott und die Welt draußen vorlassend, über gemeinsame und unterschiedliche Befindlichkeiten, Abneigungen und Neigungen. Das empfindsam geführte Gespräch, bestätigt meine Erfahrung, dass ein Interesse an Literatur und Kunst Sensorien ausbildet, die zu einem großen Teil helfen können Generationsgrenzen zu überbrücken, sofern da kein Anbiedern, sondern gleiche Augenhöhe ist. Aikmaier, auch er einer jüngeren Generation zugehörig, ein hochsensibler, scharfer, brillanter Geist mit würzig-trockenem Humor, hatte ich, teilen wir doch manche Neigung, zwei Bücher mitgebracht, die doppelt in meinen Regalen bis gestern gestanden haben. Er hat sich gefreut und revanchierte sich vor ANHs Lesung mit einem Sonderdruck.
Alters – und Modegrenzen überwand dann auch ANH, sehr konzentriert, in seiner Lesung. Doppelter Respekt, der des Autors vor seinen meist jungen Zuhörern und der des Publikums vor dem Autor und die gemeinsame Achtsamkeit gegenüber einer Kunst, die sich an der Welt reibt, schuf eine Brücke über die alle Seiten aufeinander zugehen konnten. Hölderlins Lockung „Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute…drückt sanft und bescheiden aus, was an diesem Abend geglänzt hat. Die Rezitations- und Mediationskunst des Autors brachte seine Verse zum Leuchten und Klingen. Wer Ohren hatte, konnte gestern Abend die enge Verwandtschaft zwischen Musik und Lyrik gut empfinden.
Eine musikalische Trennungspause, zwischen „Der Engel Ordnungen“ und den „Aeolia“, die das Publikum ein wenig ausatmen lässt, hätte ich persönlich für gut befunden, stellt sich doch, denke ich an meine Erfahrungen, nach ungefähr 25 Minuten konzentriertem Zuhören beim Publikum oft ein Konzentrationsschwund ein. Das anschließende Tafeln beim Griechen, wir mussten leider früher fahren, hat mich wieder einmal in meiner Meinung bestärkt, dass Kunst eine Nähe herstellen kann, die zeitweilig natürliche und eingebildete Altersbarrieren vergessen macht, Alltagskonkurrenzen ins Off schiebt und Kommunikation zwanglos, heiter, weit und offen werden lässt.

Ordnungen & Ortungen . 13.05.09. montgelas.

Heute gegen 13.30 Uhr Fahrt nach Heidelberg mit L.H. , Pauls Mitfahrt ist noch fraglich. Am Nachmittag treffen mit einer Freundin und Gespräche um >>>>Dolf Sternberger, >>>>>Werner Krauss und die in Heidelberg einstmal erschienene Zeitschrift >>>”Die Wandlung”, ob Zeit für ANH’s Seminar bleiben wird, steht noch in den Sternen. Sicher aber ist, dass wir zu seiner >>>>Lesung gehen werden. Anschließend Bier usw. Heimfahrt so gegen 1.00 Uhr.

Arbeitsnotizen. 11.05. 09. montgelas. Fetisch: Betroffenheit

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Jedwede Vernunft dankt dort ab, wo Betroffenheit zum Fetisch gerät. Gilt sie doch denjenigen gegenüber als kostenfreies moralisches Plus, die mit ihr nichts anfangen können. Mir scheint Betroffenheit in Auseinandersetzungen als eine Art Flucht vor Argumenten, mit denen sich zufällig Betroffene nicht mehr auseinandersetzen wollen, weil sie ihren Anspruch, der sich von vorn herein im Recht wähnt, in Frage stellen.
Das jeweilige zufällige Ich, letzte Barrikade gegenüber einer ihm fremden unverständlichen Welt, erleidet gleichzeitig, indem es sich betreffen lässt, einen Verlust an Vernunft, dessen Ursache eine inhärente Grundlosigkeit ist, die wiederum Distanzlosigkeit erzeugt, der es unmöglich ist externe Gründe anzuerkennen.
Die unbestimmbaren, nicht berechenbaren Folgen nimmt das „grundlose Ich“ dabei in Kauf. Sind sie ihm doch einzige Konstituante. Diesem Subjekt werden alle Werte und kollektiven Erfahrungen, gleich ob sie ästhetischer, politischer, sozialer oder moralischer Natur sind, auf diese Weise zu beliebigen Setzungen, die es, um sich vor eigener Grundlosigkeit zu retten, schamlos nutzt.
Geheime Absichten, Wünsche, die das Subjekt sich nicht eingestehen kann oder will, werden rationalisiert. Rationalisierung dient ihm als argumentative Tarnung, um die eigene, erlebte leere Mitte zu kaschieren. Das distanzlose Ich, das seinen Grund verloren glaubt und dessen Ausweis der Verlust an Schamkultur ist, betrügt sich und andere, wenn es z.B. betroffen von „Menschheit“ spricht.
Betroffenheit versucht praktische Vernunft ins Joch zu nehmen, macht sie zur Hure. Obwohl sie doch gerade das Gegenteil öffentlich bekennt, erscheint sie als Verweigerung jeglicher existentieller sozialer Teilhabe, die für ein Teilnehmen Voraussetzung ist, das eben auch die Akzeptanz von Objektivitäten verlangt.

Reflexive Selbstverblendung heißt das “alte” Verfahren, dass den „inneren Menschen“ davon befreit, ihn nahezu entfesselt, sich vor einer Vernunft zu rechtfertigen, wie die Aufklärung sie überliefert.

Wer Menschheit sagt, will betrügen. (Carl Schmitt: Die Tyrannei der Werte.) Schmitts Satz klingt, angesichts der Opfer in der Geschichte, die Menschheitsbesserung” anstrebten, zynisch. Einen Wahrheitsgehalt aber, blickt man auf die mittlerweile etablierte “Zeigefinger – und Tränenkultur”, kann ich ihm nicht abstreiten.

Dolf Sternberger. 09.05.06. montgelas. notizen.

Heute morgen, im Zusammenhang mit Pauls Recherchen über Christine de Pizan, bei Google nach dem “Toleranzedikt” Heni IV. gefahndet, stieß ich auf eine Zeitungsmeldung über den Begründer dt. Politikwissenschaft >>>>Dolf Sternberger, dem die Stadt Wiesbaden 20 Jahre nach seinem Tod eine Gedenkplakette widmete. Sehr spät, finde ich. Helmut Kohl meinte einmal über ihn: “Ein bedeutender und bemerkenswerter Mann, aber von Politik hatte er keine Ahnung.” Die Schlussfolgerung zu Kohls Meinung, erspare ich mir hier…

Sternberger in den Dschungeln: >>>>>>…Und weil wir Menschen so diskret beschaffen und als Personen geschaffen sind, weil wir so deutlich von einander unterschieden, einander Nachbarn und Fremdlinge zugleich sind, einander verstehen und missverstehen in einem, weil wir in Sympathie und Antipathie, in Neigung und Abneigung, und beides auf leidenschaftliche Weise, uns zueinander und widereinander verhalten wollen, darum bedarf es der Duldung und der Duldsamkeit, darum ist uns Toleranz ebenso angemessen wie verordnet, ebenso nötig wie möglich.

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