An RG, Uni Innsbruck.

Liebe R,
verzeih, ich bin mit dem Antworten unzuverlässig geworden, auch mit Teminen usw.; gestern bemerkte ich das selbst, bei ganz anderem Anlaß, daß da eine Art Characterverschiebung auf dem Weg ist. Ob das mit der Lyrik zusammenhängt, die mich derzeit so beschäftigt, oder mit meiner neuen Familienkonstellation, oder einfach, aus meiner ökonomisch so belasteten Situation heraus, eine Art genereller, fast instinkthafter Abwehr ist, weiß ich noch nicht.
Also verzeihung.
Selbstverständlich bin ich sehr gerne dabei; ich empfinde das im übrigen auch als ehrenvoll. Wegen des “das Weblog als Buch” mach Dir keinen Kopf… bevor d a s so weit wäre, würden noch Jahrzehnte zerfließen, vor allem, weil ich ja eine ästhetische Form finden müßte, die dem Buch angemessen ist – was völliges Umschreiben, auch Hinzuschreiben, auch Neuschreiben bedeutete; und dazu hab ich bei all den anderen Projekten überhaupt keine Zeit. Und einen Verlag zu finden, der ein solches Projekt publizierte, ist auch noch mal eine Sache, die der Unwahrscheinlichkeits-Mathematik höchst nahe steht. Wahrscheinlicher wird sein, daß ich Einzelrubriken – und auch aus denen nur Auswahlen – zu Büchern machen werde, etwa die >>>> Paralipomena. Wiederum die durch Die Dschungel gestreuten Aufsätze, Bemerkungen, Notate usw. zu einer nach-postmodernen Ästhetik (“Kybernetischer Realismus”) werde ich zu Aufsätzen oder als Vorträge bündeln und vielleicht irgendwann einmal zu einer handfesten Ästhetik ausbauen. Die Zukunft des in Der Dschungel Geschriebnen liegt eher d a als in der Buchform. (…)

Axel Dielmann Verlag. Absage für Das Weblog als Buch. Einvernehmlich zur öffentlichen Diskussion gestellt.

Lieber Alban,

hab vielen Dank für Deine Mail und für das Vertrauen Deines Angebotes.

Spannend ist das Projekt, interessant sicher das Buch, das ja. Verlegerisch natürlich ein Genickbruch, das auch ja, wenn auch nicht der eigentliche Grund, doch nein zu sagen:

Ich habe mich erst in den zurückliegenden Monaten näher mit Blogs befaßt, muß auch gestehen, daß die literarischen mich dabei zuletzt interessiert hatten – ich hatte Aspekte der direkte(re)n Vermarktung via Blogs im Auge sowie ein ganz anders geartetes kommerzielles Internet-Projekt. Dann habe ich, wie auch schon bei der Arbeit an »Ferdis Garage« (Ferdinand Schmökel hat bei mir eine Serie von »Ratgeber-Bändchen« gestartet, in denen er großgewordenen männlichen Kindern praktisch hilft, die endlich das nötige, sprich erwachsene Taschengeld haben, sich eine ausgewachsene Carrera-Rennbahn zu leisten und diese, freilich: im Namen ihrer Söhnchen, fleißig aus-, um-, an-, selberbauen – und rund 70 % der ordentlichen Verkaufsauflage ging durch die einschlägigen Slotracer-Blogs etc., dann 20 % über Buchhandel nach Web-Kommunikation, nur noch 5 % verkauften sich als klassisch beworbene Exemplare im Buchhandel!), gesehen, daß die Schnittstellen zwischen Buch und Netz ziemlich klar strukturiert sind:

Es finden wechselweise kommentierende Abbildungen der beiden Medien in einander statt – eine Parallelisierung aber greift letztlich nicht, soweit ich das sehe (und mir käme es auch ein wenig vor, als druckte man Bücher und gäbe nun fotokopierte Exemplare heraus, was aber meiner eher zweck-konservativen Sicht aufs Buch entspringen mag). Ich nehme an, der Zugriff auf die eigentlichen« Medien ist zu leicht, so daß man die Widerspiegelung nicht braucht, auch zu zeitaufwendig ist, während – vor allem wichtig – kein (ästhetisch-informativ-kommunikativer) Mehrwert (das konventionelle Zweitverwertungsmoment ist eh draußen, da keine Lizenzen fließen) aus der gegenseitigen Widergabe zu ziehen ist. Obendrein ist (ob nach Kontaktzahlen oder nur in der Einschätzung, spielt dabei keine Rolle) das Bild des Mediums Netz an eine so große Reichweite assoziiert, daß das Medium Buch da
nicht mit hineingedacht wird, nicht daneben gedacht werden kann, sozusagen reichweitenhinkt – daß Massenuhren-Hersteller mit ihren 30.000-Tausend-Euro-teuren Handmade-Exemplaren parallele zur Massenware auftreten hat den anderen Grund, daß die beiden Produkte eben ein gemeinsames Medium, nämlich den Markt ihrer Händler haben. – Die reine Historisierung schließlich der ursprünglichen Kommunikationen durch Drucklegung finde ich selbst nicht wesentlich.

Nun arbeitest Du freilich explizit das Medium, wie bei Deiner generellen ästhetischen und literarischen Arbeit anders nicht zu erwarten, in den Blog mit ein, die theoretische Seite ist also drinnen und wäre in einem Buch sicher ein Mehrwert. Muß aber wiederum sagen, daß ich dann für den mächtigen Aufwand, den die Herstellung eines Buches fordert, weit lieber etwas Interessantes im Netz selbst anstellen würde! (Was keine Abwertung Deiner Inhalte sein soll, sondern eine vergleichende Wertung und Abwägung meiner eigenen Arbeitskraft und –mittel ist.) – Etwa frage ich mich, warum nicht endlich ein Verlag (oder hab ich was verschlafen?) seine Manuskript-Angebote und Ab- (oder auch, soll ja mal vorkommen, Zu-) Sagen nicht via Blog abhandelt. DAS wäre eine literar-ästhetische Debatte – und wenn es nicht eine über die angebotenen Texte wäre, wovor sich wahrscheinlich beide Seiten tunlichst drücken würden, so jedenfalls eine über die Kommunikationsgewohnheiten der Branche und eine allgemein-gesellschaftliche Sicht auf Text und Literatur … Sobald nächste Woche unsere Homepage http://www.dielmann-verlag.de heraufgefahren (Auffahrt! Der vorvergangene Montag, sagt mein Kalender, wäre das rechte Datum dafür gewesen) wird, werde ich eine eingerichtete Blog-Funktion entsprechend, jedenfalls partiell, nutzen!

Von dem Aspekt auftauchender Namen, vor denen Verlag XYZ Angst hat …, wäre ich eher verleitet gewesen zu Deinem Buch-Projekt – aber dazu dann noch einmal getrennt und später, hier rast wieder das Telefon und alle anderen Leitungen. Ich finde es erwägenswert, dieses Namen-non-dropping, habe dazu noch einiges zu sagen, mit Überlegung allerdings! Dann.

Lieber Alban, pardon, ich sage ab. Pliere aber weiter gespannt auf Deine Seiten, die ein wirklich schöner, reizreicher Herbst-Kosmos sind.

S(päts)ommerliche Grüße vom Mainufer her, Dein

Axel Dielmann





axel dielmann – verlag KG
& Zeitschrift für Bücher LISTEN
Schweizer Straße 21
60594 Frankfurt am Main
069 / 9435 – 9000 Fax – 9002
http://www.dielmann-verlag.de

DSCHUNGELBUCH. Ferne Meere.



Ich bin gerade dabei, jeweils zwei Monate zusammenzufassen und in einer ersten, nur leicht gekürzten, aber bearbeiteten Version als pdf’s auf meine fiktionäre Website (http://www.albannikolaiherbst.de) zu stellen. Die erste Tranche, Juni/Juli 2004, wird bereits morgen abrufbar sein. Nach Fertigstellung sämtlicher 6 Tranchen, die dann alle über die Website zugreifbar sind, werden sie zusammengenommen und abermals streng bearbeitet werden,bis die Buchform hergestellt ist.
Eine Frage habe ich noch: Ist es möglich, den gesamten Dschungel-Inhalt von Juni 2004 bis inklusive Juli 2005 auf eine Diskette (oder meinethalben DVD) zu ziehen, und zwar mit sämtlichen Links? Dann wären nämlich alle drei Schritte vom
Weblog bis zum Buch dokumentiert – nicht uninteressant, was den Vergleich einer Netz- zu Print-Literatur anbelangt und meines Wissens im deutschsprachigen Bereich das erste Projekt überhaupt, das sich an so etwas traut und dabei zugleich die Ästhetik mitdenkt und ausformuliert.

Wobei Den Dschungeln jetzt einfällt, daß auch der umgekehrte Weg höchst reizvoll wäre: nämlich Cortázas RAYUELA oder gar Benjamins PASSAGENWERK netzästhetisch in den Cyberraum zu stellen. Es erwiese sich dann gewiß, wie tragfähig bereits die jeweilige Poetologie auch in Hinsicht auf ein neues Mediendenken gewesen sind. Und die Abenteuer des Lesens, die beide Bücher auf dem, sagen wir, Atlantik tragen, stießen nun auch in sämtliche anderen Meere, sogar in noch unbekannte, vor. Ein Gutenbergprojekt, das ein kybernetisches Schiff ist und, wobei sich alle verneigen, auf VILÉM FLUSSER getauft wird.

Dschungelbuch. Einwände.

Im Gespräch mit einem Verleger.

Ich habe ein Problem mit Deinem Projekt. Du attackierst den Literaturbetrieb. Du nennst Namen.
[Im Germinal 1985 reagierten die DSCHUNGELBLÄTTER noch so:

Gefragt, ob er denn auch N a m e n n e n n e n werde (Skandale wähnendes Raunen), antwortete der Herausgeber vielleicht allzu schnell mit einem Ja. – Um nun nicht falscher Versprechen bezichtigt zu werden, seien hier einige Namen genannt:
Seipel, Heinrich
Seipel, Ingrid
Seipel, Jutta
Seipel, Klaus
Seipel, Lieselotte
Seipel, Margareta
Seipel, Maria
Seipel, Peter
Seipel, Peter
Seipel, Peter
Seipel, R.
Seipel, Regina
Seipel, Rudolf
Seipel, Rudolf
Seipel, Rudolf
Seipel, Werer
Seipelt, Walter
Seipler, Edgar
Seipler, Georg
Seipler, Walter
Seipold, Erich
Seipp, Alma …………………………………………………….]

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