„Unter der Sahnehaube des Sommers“: Helmut Schulze in Amelia und ANH in Bonn lesen Giacomo Joyce.

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[Aufgenommen in der Buchhandlung Böttger, Bonn
>>>> 15. Juni 2018
Videoclip: Andreas Fieberg]

 

William of Stratford on Giacomo amerino, forefingered by Parallalie. (With an Italian annotation of Gabriele D’Annunzio and a remark on Dante).

When forty winters shall besiege thy brow. Von Shakespeare und Kraus. Die Neuübersetzung des Giacomo Joyce (54).

When forty winters shall besiege thy brow,
And dig deep trenches in the beauty’s field,
Thy youth’s proud livery so gazed on now,
Will be a tattered weed of small worth held:
Then being asked, where all thy beauty lies,
Where all the treasure of the lusty days;
To say within thine own deep sunken eyes,
Where an all-eating shame, and thriftless praise.
How much more praise deserved the beauty’s use,
If thou couldst answer ‚This fair child of mine
Shall sum my count, and make my old excuse‘
Proving his beauty by succession thine.

This were to be new made when thou are old,
And see thy blood warm when thou feel’st it cold.
Shakespeare, Sonnet II

Kark Kraus dichtet folgendermaßen nach:Dir wird, wenn in die Jahre du gekommen,
und Falten furchend durch dein Antlitz ziehn,
Erinnerung jener Schönheit wenig frommen,
die schneller als die Zeit dir ging dahin.

Und wenn dich dann wer fragt, wohin sie kam,
und wo sie, da sie nicht mehr sei, gewesen,
dann frage deinen Stolz, ob deine Scham
sie ließe aus erloschnen Augen lesen.

Doch wahrlich andern Ruhm trügst du davon,
könntest du auf die bewährte Schönheit zeigen
und sprechen: Seht, in meinem jungen Sohn
ist heut vorhanden, was mir einst zu eigen!

Durch Alter endet nicht der Lebensmut:
die Jugend, die du schufst, erwärmt dein Blut.

Selbstverständlich ist das frei, selbstverständlich geht manche Schönheit dabei verloren, etwa das Ausdrucks „in the beauty’s field“ durch das verhältnismäßig schlichte, zu Kraus‘ Zeiten wohl aber noch nicht gealterte Wort „Antlitz“; freilich elegant noch heute, wie er „where all the treasure of the lusty days“ in „und wo sie, da sie nicht mehr sei, gewesen“ umformuliert. Unglücklich hingegen finde ich das etwas holzige „in meinem jungen Sohn ist heut vorhanden, was mir eins zu eigen“ für Shakespeares enorme Nähe von Vater und Sohn, der an dessen Stelle „shall sum“ und das Alter seines Elterns (Älterns) entschuldigen möge – bei Kraus geht da eine bestimmte Form der Höflichkeit verloren, in der die „all-eating shame“ über den eigenen Verfall leise weiterschwingt, aber eben in einen Stolz überführt wird, der dem Fragenden mehr als nur die Stirn bietet: „and see thy blood warm when thou feel‘st it cold“.

(Fast unnötig, nicht wahr?, zu sagen,
daß ich diese Zeilen meinem Jungen widme.)
ANH
Amelia (Tr), 2 gennaio 2013.

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Giacomo 53 <<<<

Aus einem Brief an Klaus Reichert. Die Neuübersetzung des Giacomo Joyce (53).

(…) Übrigens, Klaus, haben mein in Italien lebender Übersetzerfreund >>>> Helmut Schulze und ich uns an einer neuen Übersetzung des Giacomo Joyce versucht und versuchen sie auch, im Netz öffentlich diskutierbar, weiter. Dabei sind bislang zwei Versionen entstanden, die wir, wahrscheinlich im Dezember, in Amelia zu einer einzigen zusammentun wollen – oder die wir, sehr bewußt dann, als zwei verschiedene Interpretationen, je mit unseren eigenen Sprachen, ausarbeiten wollen. Ich fände es schön, vor allem ehrenvoll, wolltest Du, bevor wir‘s als ein Buch herausgeben werden, den einen und/oder anderen >>>> wissenden Blick darauf werfen. Ich drucke nachher die – noch sehr vorläufigen – Versionen aus und bringe auch die, als Typoskript aber, dann mit.

Von Herzen Grüße aus Berlin,
bis zum Sonnabend,
Euer

ANH

>>>> Giacomo 54
Giacomo 52 <<<<
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Überlegung@Parallalie. Zugleich Vorschlag. Die Neuübersetzung des Giacomo Joyce (52). Zwischenstand.

So liegt er denn vor, der „Rohling“ unserer >>>> Übertragungen in Einzelstücken. Um den auch persönlich höchstmöglichen Ausdruck zu erreichen, habe ich folgenden Vorschlag: Jeder von uns nimmt sich jetzt den gesamten Text noch einmal vor, aber ohne das Original, und formuliert ihn tiefer in je unsere eigenen Charakteristika hinein, ob wir nun zu Sprachspiel neigen, zur Erzeugung intensiver Höfe oder zur Nüchternheit, auch: ob wir nun Giacomos späte ( einer der Überarbeitung seiner Notate) oder eine gleichzeitige Perspektive annehmen wollen, die sich bereits distanziert hat. Das ergäbe dann einen Giacomo Schulze und einen Giacomo Herbst. Was ich äußerst reizvoll fände.
Wenn Dir die Idee gefällt, stellen wir die so bearbeiteten Texte noch einmal ein, entweder wieder Stück für Stück, täglich also eines, oder insgesamt, vielleicht zweispaltig, hie Du, da ich. Ich tendiere allerdings zu Tag für Tag, unabhängig davon, ob wir, bevor wir einstellen, tatsächlich erst einmal den gesamten Text bearbeitet haben oder nur wieder Abschnitt für Abschnitt. Der Vorteil des Verfahrens-an-sich, unabhängig vom Publikationsmodus ist, glaube ich, daß wir den Szenen intensive persönliche Schönheit hinzugeben, und zwar eben deshalb, weil wir nicht mehr irgend einer Ü b e r-Setzung gehorchen müßten. keiner, mithin, Setzung. Man kann das vielleicht mit einem Dirigenten, bzw. Musiker vergleichen, der sein Stück auswendig dirigiert, bzw. spielt, es sich also im Inneren anverwandelt .

Der dritte Schritt der Übersetzung wäre dann, diese persönlich gewordenen Stücke wieder dem analogen Wortlaut des Original anzugleichen – aber auch bewußt zu entscheiden, wo man das tut oder eben n i c h t tut. Da wird sich dann auch zeigen, ob unsere Idee, unser beider Versionen zusammenzulegen, d.h. sie zu synthetisieren, den Giacomo reicher oder ärmer machte. In jedem Fall müssen wir zu dieser dritten Arbeit dann beisammensitzen, persönlich und bei Wein & Tabak:

Denke ich.

(Meine Tendenz momentan ist, noch einmal Stück für Stück vorzugehen, also veröffentlichend, aber erst nach einer Pause von, sagen wir, zwei Wochen, die wir nutzen können, um unsere Versionen über die Gänze der Texte zu komponieren. Zumal werde ich in der nächsten Woche wegen der Frankfurter Buchmesse nicht so intensiv arbeiten können wie gewöhnt.)

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