“… an Ausdruck kaum zu überbieten”. Arbeitsnotate zum Dienstag, den 14. Juni 2022. Amazon.de & Sperlingsbesuche aus Wildem Wein.

[Arbeitswohnung, 7.11 Uhr
Erster Latte macchiato
Sperlingstschilp]
Worauf mich gestern abend eine Leserin aufmerksam gemacht, freute mich dann wirklich. Wenn schon die Feuilletons schweigen, gibt es dennoch, in diesem Fall bei amazon, Reaktionen, und → dies eine sehr schöne. Wobei ich dennoch irritiert bin, weil der Rezensent schreibt:

… und ich muss es unbedingt betonen, um es unmissverständlich zu machen, dass es kein Buch ist, das man liest und sofort versteht …

Zwar zieht er daraus einen für meine Prosa prächtigen Schluß, der mich dennoch insofern unsicher macht, als ich gerade diesen Roman für einen ausgesprochen leichtfüßigen, in gar keiner Weise verschlüsselten, im Gegenteil sogar süffigen Text halte — und mich aber offenbar irre. Beim etwa Wolpertinger und den Andersweltromanen könnte ich solche Erfahrungen nachvollziehen, u.a. weil dort sprachlich auch experimentiert wird, bzw. Stilistiken ausgeführt sind, an die sich Leserinnen und Leser erst ebenso gewöhnen müssen wie an die mitunter fugierten Engführungen der Motive. Doch im NewYork-Roman gibt es an “Neuerungen” allenfalls die verschieden(artig)en ‘Ich’-, also Erzählerfiguren, die aber ein postmoderner Topos sind, der heute auch schon vierzig Jahre alt ist, wenn nicht älter, und für weltweit gelesene Autorinnen und Autoren, etwa Ishiguro, ein Rezeptionshindernis offenbar n i e dargestellt hat. Kann es sein, daß bei deutschsprachiger, speziell deutscher Literatur andere Erwartungshaltungen wirken als bei, sagen wir, Süd- und US-amerikanischer? Daß dort mit sogar Genuß akzeptiert wird, was hier als literarischer Makel gilt? In Leserinnen- und Leserreaktionen auf das Traumschiff bereits ließ sich Ähnliches registrieren. Auch dort wurde selbst von Begeisterten von der ‘Schwierigkeit’ des meinem eigenen Dafürhalten nach zwar melancholischen und in der Bildwelt des Romans mitunter surealen, stilistisch jedoch ausgesprochen süffigen Textes geschrieben; von der grandiosen Dichte etwa Lezama Limas ist er doch weit entfernt, um von dem hinreißenden, extrem viel und eben auch international gelesenen Lobo Antunes ganz zu schweigen. — Nein, ich habe alles andere als einen Grund, hier zu klagen (was ich eh nicht täte), aber wundere mich, wundere mich immer wieder.

Mit der Arbeit an den Triestbriefen komme ich ziemlich gut voran, sie geht leichter von der Hand, viel leichter, als es mit der Neufassung der Verwirrung war, über deren ihr jetzt vorliegendes Typoskript meine Lektorin mir schrieb, ich möge bitte nicht erschrecken, aber es seien nun doch viele Korrekturen noch nötig, “doch alles Kleinigkeiten, Grundsätzliches gar nicht”. Ich mache mich also, wenn die erste Marge hier eintreffen wird, auf mit Anmerkungen übersäte Seiten gefaßt, die, also jene, ich sofort bearbeiten werde – was mich aus dem Triestroman wahrscheinlich erst einmal wieder rauswerfen wird. Doch soll, und muß, das Buch zur Frankfurter Buchmesse da sein.

Worüber ich nun aber ausgesprochen glücklich bin, ist, daß der Wandbewuchs des Nachbarhauses auf das meine, botanisch ungeschmückte übergegriffen hat: Seit diesem Frühjahr umwächst hinter meiner linken Schulter ein starker Wilder Wein mein rechtes Fenster, er hat auf dieses Haus übergegriffen, und es sieht aus, als werde er in dreivier Jahren auch diese unsere Fassade völlig bedecken; dann wird man die Fenster immer “ausschneiden” müssen – was ich gerne tun werd. Doch was mich daran geradezu beglückt, ist, daß ich seither ungefähr alle drei Tage Sperlingsbesuche bekomme. Die in dem dichten Laubwerk geschützten Vögel flattern auf, entdecken das rechts stets geöffnete Oberlicht meines Arbeitsraums und — fliegen herein. Mehrmals nun schon saß so ein Spatz oben auf einem der Bücheregale und tschilpte und tschilpte; ich weiß nicht, ob aus Frechheit oder vor Furcht. Oder einfach, um seine Irritation über den tippenden Mann zum Ausdruck zu bringen. Es könnten Fragetschilper sein: “Was denn, was denn tust du da?” – Bewege ich mich dann, stehe etwa auf, wird er unruhig und flattert wieder herum, meist in Richtung des Fensters, wo er aber nicht aufs Oberlicht, sondern unten die Scheibe trifft. Dann muß ich ihn sorgsam fangen und sehr, wirklich, um ihm nicht wehzutun, sehr-sehr vorsichtig mit den Händen umfassen. Ich kann spüren, wie zerbrechlich diese seine Flügelchen sind, und meine Hände werden zu Watte, die ihn aber einschließt, um ihn zu heben, höher, noch ein Stück höher und, auf den Zehenspitzen jetzt, direkt an das geöffnete Oberlicht heran. Nun die Hände öffnen, und mit einem letzten, einem jubelierenden, glaub ich, Tschilper luftsurft der Spatz diagonalquer über den in seiner grünen Geilheit ebenso jubelnden zweiten Hinterhof davon.
Ich setz mich zurück an den Schribtisch.
Keine halbe Stunde später ist der Spatz – oder ein anderer – erneut hier zu Gast. Daß ich mich frage, ob dies mit dem Traumschiff zu tun hat, liegt nahe — Leserinnen des Romans wissen, was ich meine — und sollte mich vielleicht unruhig machen. Tut’s aber nicht, im Gegenteil. Aber wahrscheinlich hängt das sich wiederholende Phänomen tatsächlich nur mit dem Wilden Wein zusammen. Denn auch anderen Besuch aus dem Jungfernrebendickicht ist zu konstatieren; es birgt sowieso eine ganze Fauna-für-sich, die duch das offene Oberlicht ihre Botschafter zu mir hereinschickt: sehr häufig Wespen sowie immer wieder Käfer und sonstige Bewohner andrer Planeten. Und ich weiß, daß es — sollte die Hausverwaltung nicht auf die seelenlose Idee kommen, die Fassade von dem Bewuchs wieder, böses Wort, zu säubern — mehr werden wird, jedes Jahr mehr. Dieses Leben sei mir gegrüßt.

Um 13 Uhr nächste Generalkontrolle bei meinem Onkologen, die vierte seit der OP.

Ihr, Freundin,
ANH

“Im Underground”. Uwe Schütte in der Wiener Zeitung des 21. Mais zu ANHs “In New York | Manhattan Roman”

Sowie → als PDF.
Buch bestellen.

Ganz vergessen mag ich meine Dichtung nicht: WARUM MUßTE DER MAESTRO STERBEN? Ute Stefanie Strasser über ANH, In New York, Manhattan Roman. In Faust Kultur.

 

 

D o r t :

 

 

 

 

 

 

 

 

“Alles ist Ereignis und Paranoia, Schwelle, Schachzug und Symbol.” Samuel Hamen über ANHs “In New York | Manhattan Roman”. PODCAST.

“Daß im Oevre von Herbst, der bereits in seiner Anderswelt-Tri-
logie eine phantastische, hypertrophe Megacity heraufbeschwor,
ein New-York-Roman nicht fehlen darf, versteht sich von selbst.”
Jan Drees, Anmoderation

 

 

 

 

→  D o r t .

 

 


“Wenn dann auch noch Alban Nikolai Herbst, dessen Texte die li-

terarische Postmoderne im deutschsprachigen Raum wie wenige an-
dere inkorporieren, über New York schreibt, ja, dann muß sich
nicht nur die Figur verlaufen, sondern sich gleich die gesamte
Clique, Figur, Erzähler und Autor in den urbanen Palimpsesten
verirren. (…) Dementsprechend kunstvoll gleitet, schrammt und
keilt sich der Roman durch einen, Zitat, ‘Schauplatz phantasti-
scher Intrigen’ durch die Räume dieser Stadt, ihre Sprachen, Ty-
pen und Atmosphären. (…) Alles ist Ereignis und Paranoia,
Schwelle, Schachzug und Symbol.”
Samuel Hamen


______________________________________
Alban Nikolai Herbst
In New York Manhattan Roman
Neuausgabe nach der Urfassung
Lektorat von Elvira M. Gross | Arco Verlag, Wien & Wuppertal 2021
25 Euro | ISBN ISBN 978-3-96587-010-9 | → Bestellungen

ERSCHIENEN. In New York | Manhattan Roman. AUSGABE ZWEITER HAND, NEUFASSUNG NACH DEM URTEXT. Neulektoriert von Elvira M. Gross und kunstvoll farbig verwoben mit Bildern und Faksimiles.

Ich danke allen jenen, die solch
eine Ausgabe haben möglich
werden lassen.
ANH, Oktober 2021

 

Alban Nikolai Herbst
In New York

Manhattan Roman
Mit kunstvoll eingewobenen
Bildern und Faksimiles
170 S. / Hardcover
25 Euro
ISBN 978-3-96587-010-9

 

 

 

 

 

 




Alban Nikolai Herbst






In New York



Manhattan Roman




Für Adrian,
dessen Leben im Star Hotel, Manhattan, begonnen hat.




>>>> Kapitel 1 bis 3.
>>>> Kapitel 4 bis 8.
>>>> Kapitel 9 bis 13.
>>>> Kapitel 14 bis 18.
>>>> Kapitel 19 & 20.
>>>> Kapitel 21 bis 24.
>>>> Kapitel 25 & 26.
>>>> Kapitel 27 bis 30.
>>>> Kapitel 31 & 32.
>>>> Kapitel 33 bis 35.
>>>> Kapitel 36 & 37.
>>>> Kapitel 38 & 39.
>>>> Kapitel 40.
>>>> Kapitel 41 bis 43.
>>>> Kapitel 44 bis 47.
>>>> Kapitel 48 & 49.
>>>> Kapitel 50 & 51 (Anfang).
>>>> Kapitel 51 (erste Fortsetzung).
>>>> Kapitel 51 (zweite Fortsetzung).
>>>> Kapitel 52.
>>>> KOMMENTARE.



Französische Ausgabe in der Übertragung von Raymond Prunier >>>> d a.
__________________________________________________________
New York City / Berlin / Olevano Romano / Berlin
April 1999 – Januar 2000
(Internet-)Ausgabe Zweiter Hand 2009



[Erstausgabe erschienen bei Schöffling & Co.
Bestellungen übers Moderne Antiquariat >>>> hier.]


Dieser riesige, silbern leuchtende, wunderbare Hudsonfluß!

Titel <<<<.

Ich blickte durchs Fenster meines Waggons auf Schiffchen, die sich, als schwebten sie über dem straffen dahingestreckten Wasserspiegel, flirrend aufzulösen schienen. Bisweilen spannten sich enorm filigrane Riesenbrücken darüber: Wunderwerke einer Symbiose aus Pioniergeist, modernen Legenden und Infrastruktur. Drüben, fast einen Kilometer übers Wasser hinweg, flankierte der dahingestreckte Hang die lethargische Poesie dieses Stroms. Villen schimmerten droben: sie hatten rote, tupfige Dächer und darunter ein leuchtendes protestantisches Weiß. Es sah aus, als gäbe es darum her viel Wald. Jedenfalls nicht nach der Nähe des aus Backstein, Eisenträgern, Glas und Beton aufgebäumten urbanen Brodelgebildes, als das Manhattan Wilfried Talisker immer erschienen war.
Den ich jetzt zu beobachten fuhr.
Er war in Ghent erfunden worden. Susanne Ajoub, Ignazio Vidal-Foch und ich hatten uns den prüde hypomanen Ton zerstreuen müssen, den die Leute in Amerika pflegten, ihre ständig gut aufgelegte Hysterie, die einen bereits morgens mit „Oh it’s so great!“ empfing und den ganzen Tag über verfolgte. Mit aller Bosheit, derer Europäer fähig sind, imaginierten wir einen Menschen, den die Fügung über Nacht verdarb. Von heute auf morgen verließ er seine liebe Frau und die Kinder, um sich dem Abenteuer zu verschreiben… dem Abenteuer oder der Selbstvernichtung: darüber waren wir nicht einig. Ignazio votierte für Selbstvernichtung, ich für Abenteuer, und Susanne, hinterhältig, enthielt sich der Stimme. Talisker war Demokrat. Ein guter Mensch, der Amtspflegschaften übernahm, sich gar drum drängte. Also richtig zum Kotzen. Seinen Namen gab ihm mein Lieblingswhisky. So komplettierte erst der Vorname den blonden, sonnenempfindlichen Typen zur Person. Eine nervös gepunktete Rötung der Wangen gab seiner wohlgesetzten Geldgier Jugend. Um diese zu betonen, trug Talisker gern Jeans und ein T-Shirt unterm offenen Hemd. Er wirkte sauber wie Hugh Grant.

Er kam, wie vor fünf Wochen ich, mit dem Flugzeug. Nur daß er gleich nach Manhattan fuhr und nicht erst auf die Country Side. Er wollte schnell in die Stadt. Denn man erwartete ihn. Jedenfalls nahm er das an. Er wollte, daß er das annahm.
Dieser Gedanke stammte von Susanne: Plötzlich schreckt so ein Rechtsanwalt auf in Graz oder Basel oder in Tettnang und begreift: man will was in New York von dir. Doch ist er da noch nie gewesen. Er wußte genau, der Gedanke war irre. Aber es ließ sich ihm nicht mehr entziehen. Wochenlang drückte sich das dem Mann in seine REM-Phasen.Vielleicht war es da nur wegen einer Fehlschaltung hineingeraten. Jemand aus der Schattenwelt hatte ihm die Botschaft in die Ohren geflüstert. Und auf die Innenhäutchen der Lider eine ausgestreckte Hand projeziert. Die und eine Pistole. Den Koffer. Ohne den ging es in solchen Geschichten nie ab. Warum sollte es in Träumen ohne ihn gehen? Er nahm von den Träumen Besitz.
Der Koffer trug vor dem Ledergriff links ein Monogramm: GM. Dann war er vom Schlaf auf die Ablage eines EisenbahnCompartments gelegt. AMTRAK hieß die Zugcompany. So stand auf dem Ticket. Die Kolorierung war derart schmerzhaft, daß Talisker aufschreckte wie von farbigen Schreien. Lag schweißnaß, war halb aus dem Bett gewälzt. Hob sich an, drehte sich, hielt den Kopf, stand auf. Karin schnarchte. AMTRAK. Nie zuvor hatte er den Namen gehört.
Es wurde nicht besser. Um halb drei in der Frühe beschloß er, sich zu stellen. Schrie nicht mehr. Glaubte auch nicht, daß er schrie. Sondern nahm den Koffer entgegen. Den mit der einen Hand und mit der andren die Pistole. Dann drehte er sich um und schritt, das Gesicht zum Tag, in sein Aufwachen fort. Caspar David Friedrich: die Skyline Manhattans. Und Abspann.
Zur Seite: „Schläfst du?“ – Nur das Schnarchen.
Er mußte unbedingt telefonieren. Egal, wie spät es war. Fragte sich bei der Auskunft durch, der Deutschen Bahn, drang in Botschaftspförtner. Erst der Portier eines Nachtclubs, dessen Cousin in Schenectady lebte, half: Es gab dieses Zugunternehmen im Staate New York. Damit war für den Anwalt alles zu spät. Leise tappte er ins Schlafzimmer zurück. Karin hatte aufgehört zu schnarchen. Aber er hatte mit ihr nichts mehr zu tun. Ohne auch nur nach den Kindern zu sehen, ging er am frühesten Morgen. Ein kühler Apriltag. Gleichgültig schnappte die Haustür ins Schloß. Erst in seiner Kanzlei, zwischen Akten und Gesetzestexten, mußte er weinen. Es weinte sich. Das war lächerlich. Die RENOGehilfen schickte er weg. Auch seine Schreibkraft. Schon um halb zehn. Dann schraubte er sorgfältig ein Kabel aus der Buchse der ISDN-Anlage. Man hätte auch eines herausziehen können. Er wollte aber schrauben. Die Putzfrau scheuchte er gleichfalls heim. Vielleicht hätte Karin seinem Traum zuzeiten auf den Leib rücken müssen. Am nächsten Tag gegen die Tür zu poltern, verfing nicht mehr.
Er hockte halb, halb hing er in seinem ThonetStuhl. Müde, nicht einmal schlaksig, den Kopf rückwärts aufs Nackenpolster gesunken. Seine Finger streichelten das lasierte Holz des Buchenschreibtischs. Gleich hinterm Eingangskorb erhoben sich die Catskills Mountains. Rechts davon und also links des HudsonUfers schlängelte mein Zug an Holzhaussiedlungen, der Schönfelder Gesetzesammlung, den gregorianischen Villen vorbei. Der Zug passierte die Schreibunterlage. Ein vertümpelter See beulte den Strom: Hier hätte vor seiner Skalpierung Master Hutter mit beiden Töchtern leben können. Über den hohen Uferhängen die Bungalows. Auf einem Inselchen stand eine Ritterburg; es waren aber bloß zinnengesäumte Fassaden errichtet: durch die Fenster waren Fenster der anderen Mauern zu sehen. Trotzdem sah das Gebäude nicht nach Attrappe, sondern wie Geschichte und Heimweh aus. Ein seltsamer Duft von Kindheit stieg daraus hoch. Und drüben winkte jedes auch zivile Gebäude mit Stars and Stripes ins Stromtal. Das Land war viel zu groß, als daß der überall im Wind flatternde Nationalstolz nicht etwas Kindliches hätte behalten müssen. Jede Flagge in diesem Land, dachte ich, war an ein im Urwald verlorenes Blockhaus gehißt.

Talisker schloß die Augen. Der Sessel legte sein schwarzes Leder weich in die Dreiviertelschwebe. Kaum Poughkeepsie passiert, schon West Point, US Military Academy, dann Yonkers. Die Vorstädte bereits. Abraum Industrieanlagen. Nur auf dem Grat der grün bewucherten Höhe, die links der Schriftsatz des Klagentwurfes Lethen ./. Gregor flankierte und rechts Taliskers schmaler langer Kalender, sah man Colleges und Landhäuser in Parks. Ein paar Golfplätze, selbstverständlich, und unten, am Strom, kleine Yachthäfen. Über all dies hinweg lockten die Catskills ferne und blaubraun im hellgrauen Dunst. Einer Spielzeugstadt gleich, so reckte sich unter der Boeing die Stadt rund um das Silber der immensen Lagune. Darin lag, eingefaßt in vier andere Boroughs und ihre Nachbarstadt Jersey City, von Flußläufen und Wasseradern aus dem Land geschnitten, das lockende Manhattan. Mana Hatta: Das hatte für 25 Dollar Holland den Indianern… nun ja: abgekauft. Doch blieben die vorgeblich Wilden des Handels zufrieden. Ihrem Stamm hatte die Insel gar nicht gehört. Man hatte sich gegenseitig über den Baumstumpf gezogen.
Die Piktogramme für Anschnallgurte und Rauchverbot glänzten matt. Talisker beugte sich vor. Er fühlte sich wie jemand, der in ein Aquarium ohne Fische schaut: die Kulisse am Meergrund ein Modell New York Cities. Über die fantastisch leuchtenden, von diesem Leuchten überblendeten, pastellen verschwimmenden HochhausSpitzen fiel schräges Sonnenstrahlen wie ein Vorhang. Bis zu den Ellbogen standen die Gebäude in diesem Wasser aus Licht.

[>>>> weiter, Kapitel 4 bis 8.
ANH, In New York, Titelseite <<<<
Alban Nikolai Herbst, In New York, Manhattan Roman.]

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