“Existiert Corona noch?” fragte jemand bei Twitter im Arbeitsjournal des Sonnabends, den 5. März 2022,

nämlich → Beate Zurwehme. Schön ist auch:

“Jedes Mal, wenn Putin lügt, wird sein Tisch länger.”

(Ich hatte nicht die Zeit, mir die Autorin, den Autor zu notieren; kaum hatt ich’s gelesen, legten sich schon hundert neue Posts obendrüber).

***

[Arbeitswohnung, 7.07 Uhr
Weshalb schweigen heute früh “meine” Amselhähne? Aber ich kann auch keine Musik derzeit hören.]

 

 

Es war, womit ich nicht gerechnet hatte, ein ziemlicher Mail-hin-und-her-Kampf, doch offenbar, so informierte mich bereits jemand gestern, und heute früh jemand zweites, ist es zu einem Kompromiß gekommen, mit dem auch die vom unter anderem ukrainischen PEN diskrimierten russischen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Übersetzerinnen und Übersetzer, kurz, die russischen Literatinnen und Literaten leben können. Ich habe mit ihnen, über Tatiana Baskakova, bereits im onlineSinne “gesprochen”. Anlaß, liebste Freundin, war selbstverständlich → das. Woraufhin ich den → Offenen Brief an Yücel schrieb. Und ein langer Emailwechsel begann, von dessen Veröffentlichung ich nun absehe. (Daß diese rechtlich problematisch gewesen wäre, hätte ich getragen.)
Wie auch immer, es gab Stimmen, die sich der offenbar Befürchtung wegen nicht einlassen wollten, eine Stellungnahme des deutschen PENs schade der Ukraine, jedenfalls könne sie als Versuch angesehen werden, es zu tun. Das wurde, vermute ich, als nicht opportun angesehen.
Woraufhin ich scharf reagierte; die Schärfe bestand auch darin, daß ich bereits den ersten Brief Cc an einige erst einmal unbeteiligt Erscheinende mitgeschickt hatte, vor allem auch an Faustkultur, zudem an zwei meiner Verleger, dreivier Kolleginnen und Kollegen sowie an Baskakova selbst. In den Antworten, die ich bekam, wurde das beibehalten; so gesehen war es ein Kampf mit offenen Visieren. Dafür bedanke ich mich. — Wie auch immer, auf eine erst vorsichtige, auch nachvollziehbare Abwehr meines Begehrens, reagierte ich nochmals mit einer Argumentation, aber auch der Ankündigung, ich würde, falls eine öffentliche Stellungnahme des PENs unterbliebe, meine Mitgliedschaft beenden. Dieser Brief brachte mir völlig unvermutete Solidarnoten ein; jemand bedankte sich sogar, daß ich derart “rüttele”. Und eine Mail, aus von mir v ö l l  i g unerwarteter Richtung, war derart nah von Herzen geschrieben, daß es mir tatsächlich wohltat.
Ich nenne hier mit Bedacht keine Namen.
Gestern kam es dann zu einer neuen Sitzung, in der, wie ich aus zwei neuen Emails erfuhr, eine Stellungnahme gegen die Diskrimierung und den Ausschluß russischer Literatinnen und Literaten beschlossen worden sei, nämlich nicht nur im Sinn gegen das, was die ukrainische Zeitschrift Vsislev gefordert hat und was, neben anderen ukrainischen Intitutionen, auch der ukrainische PEN mittragen wollte, sondern darüber hinaus, daß es im Gegenteil um Integration gehen müsse, vor allem jener, die sich in Rußland durch ihre öffentlichen Proteste gegen Putins Regime und dessen Krieg gestellt haben. Nicht Aus-, sondern Einschluß also. Wobei man es immer noch vermeiden werde, den ukrainischen PEN direkt zu nennen, und zwar, weil, dem Sinn nach, unter Beschuß liegenden Menschen Fehlentscheidungen dieser Art nachgesehen werden müßten.
Ich halte das für falsch. Auch einer Dynamik des Opfers, die als psychische Abwehr das gleichsam internalisierte Unrecht des Täters  symbolisch wiederholt, muß entgegengesteuert werden, völlig egal, was die Öffentliche Meinung dazu meint. Sie wäre, als etwas Unantastbares, verheerend. Wirklichkeit ist komplex und also kompliziert, Wahrheit taugt nicht für Parolen. Aber sei’s drum. Wenn der deutsche PEN den ukrainischen nicht oder nur indirekt nennt, tue eben ich es. Es geht da m i t um einen Zusammenhang, in dem Nationalismus eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt. Auch daß die ukrainische Regierung sich nicht scheut, mit rassistisch-nationalistischen Söldnern zusammenzu,nun-jà,’arbeiten’, macht zumindest mir eine eindeutige Solidaritätsbekundung schwierig. Darauf bin ich → dort eingegangen, lesen Sie es, Freundin, nach; die Belege sind dort beigefügt. Je tiefer man gräbt, und ich tue zur Zeit nichts anderes, desto schlimmer widersprüchlich werden die Befunde. Das heißt aber nicht, daß Putins und seiner Clique Krieg in irgend einer Weise gerechtfertigt sei, er ist ein Völker- und Menschenrechtsverbrechen, für das die gesamte Mörderbande vor den Volksgerichtshof gehört. Nur sind mir Selenskyjs politische Sebstinszenierungen (lesen Sie diesen klug beschreibenden Artikel in der heutigen ZEIT) unterdessen ebenfalls unangenehm, inklusive hochgereckter Faust. Für jemanden wie mich, der auf ikonografische Manipulationen höchst empfindlich reagiert, führt das zu Skepsis. Auch diese sind, was ich prinzipiell ablehne, Massenführung unter strategisch eingesetztem Ausschluß des Denkens, also des Geistes[1]“Wir sind von der Grundtatsache ausgegangen, daß ein Einzelner innerhalb einer Masse durch den Einfluß derselben eine oft tiefgreifende Veränderung seiner seelischen Tätig-keit erfährt. … Continue reading. Daß ich zugleich mit der in solches Unheil gestoßenen Bevölkerung der Ukraine solidarisch bin, bleibt davon unberührt.

Doch ist der Wortlaut der Pressemitteilung des deutschen PENs erst einmal abzuwarten; sie soll morgen hinausgehn; ich werde sie hier sicher einstellen, auch wenn sie dann in jeder Zeitung zu lesen sein wird.

***

An eigene literarische Arbeit, Freundin, ist derzeit nach wie vor nicht zu denken. Selbstverständlich bemühe ich mich auch in den Belangen dieses Krieges um den literarischen Ausdruck, der, wenn es gutgeht, vielleicht auch ein poetischer ist. Ob, kann ich nicht entscheiden, das werden Spätere sich ansehn. Etwa versuchte ich gestern, Schillers Bürgschaft auf Putin umzuschreiben. Das klang dann so:

Zu Putin dem Tirannen schlich
Selenskyj, den Dolch im Gewande,
Ihn schlugen die Häscher in Bande.
Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!
Entgegnet ihm finster der Wütherich.
„Den Staat vom Tyrannen befreien!“
Das sollst du am Kreutze bereuen.

Um nicht das gesamte Gedicht umzuschreiben, kopierte ich das Versmaß und schrieb in Klammern sechs eigene zusammenfassende Zeilen hinzu, um danach wieder in den travestierten Text überzugehen. Brauchte vier Stunden. Doch unsicher las ich das schließliche, ich sage mal, “Produkt” meinem Arco-Verleger in Whatsapp vor. Sein Gesichtsausdruck schon zeigte, was er dachte. Nachdem er’s auch formulierte, etwa, es hinke bereits die Analogie, und Schillers humanistisch-hoffender Schluß sei denn nun – was ich selbst schon gespürt hatte – gänzlich unmöglich … danach also bestimmte ich die Datei zur Löschung. Dabei hatte ich tatsächlich vorgehabt, wenn auch mit einer einschränkenden, sogar zynischen Bemerkung, diesen schillerschen Herbst hier einzustellen. Ich hatte einfach Putins Gesicht im Kopf, als er noch ein im Wortsinn elendes Kind war. Da ich in mir – um seine Handlungen zu verstehen und zu versuchen, weitere vorauszusagen – ein literarisches Putin-Introjekt ausgebildet habe, schwelt auch hier, wie bei quasi allen meinen Romanfiguren, die unentwegte Frage, was einen Menschen dazu bringe, zu werden, wie er dann sei – etwas, woraus sich meine Idee, Schillers Bürgschaft umzuschreiben, ganz sicher mitgespeist hat. Um es mit dem zweiten, ungleich größeren Weimarer zu sagen (den umzuschreiben ich für eine schwere Blasphemie hielte):

Ach, wer heilet die Schmerzen
Des, dem Balsam zu Gift ward?
Der sich Menschenhaß
Aus der Fülle der Liebe trank.
Erst verachtet, nun ein Verächter,
Zehrt er heimlich auf
Seinen eignen Wert
In ungenügender Selbstsucht.

Harzreise im Winter

Lesen Sie selbst nach, welch hoffende Wendung Goethes wundervolles Gedicht nimmt. So etwas, vielleicht, schwebte mir vor. Ich kann nicht mitmachen, daß jemand “kein Mensch mehr” sei, sondern bin überzeugt, daß wir die Gründe finden und verstehen müssen, die jemanden wie Putin werden lassen. Nur dann haben wir die Chance, die nächsten Putins zu verhindern. Andernfalls bleiben wir alle, vom einzelnen Menschen bis hinauf zu ganzen Nationen, in immer denselben Dynamiken gefangen. Wir kommen sonst aus der Determination nicht hinaus.
Verstehen Sie, Freundin, was ich sagen möchte? Der, meiner Einschätzung nach, derzeit einzige Ausweg, den wir haben, ist, daß Putin getötet wird. Die Gefahr liegt ganz vorne auf den Fingernägeln, daß er vorm Einsatz von Atomwaffen nicht zurückschreckt und dann wirklich, wenn er nichts mehr zu verlieren hat, einen dritten Weltkrieg nach dem Motto ausbrechen läßt, wenn i c h untergehe, soll k e i n e r mehr leben. Aber diese nötige Tötung ist, sehen wir dem kleinen Jungen ins Gesicht, tragisch und zwar ein Anlaß, wenn sie vollzogen ist, zur erlösten Freude. Zur Trauer aber genauso. Das dürfen wir nie aus … nein, ich schreibe, wiewohl ich ihn mitmeine, den Kitsch “den Herzen” hier nicht, sondern “nie aus dem Bewußtsein verlieren”. Und wenn wir’s nicht hatten, muß es da rein.

Ihr ANH

References

References
1 Wir sind von der Grundtatsache ausgegangen, daß ein Einzelner innerhalb einer Masse durch den Einfluß derselben eine oft tiefgreifende Veränderung seiner seelischen Tätig-keit erfährt. Seine Affektivität wird außerordentlich gesteigert, seine intellektuelle Lei-stung merklich eingeschränkt, beide Vorgänge offenbar in der Richtung einer Anglei-chung an die anderen Massenindividuen – ein Erfolg, der nur durch die Aufhebung der jedem Einzelnen eigentümlichen Triebhemmungen und durch den Verzicht auf die ihm besonderen Ausgestaltungen seiner Neigungen erreicht werden kann.” Freud, → Massenpsychologie und Ich-Analyse, Suggestion und Libido.

Discovery of Witches. (2).

Vampire sind die Intellektuellen der Geisterwelt und aber auch — katholisch. Ihre Oberschicht gehört einer geheimen, weil nicht zölibatären Abteilung der Societas Jesu an, deren Grenzen zum Institutum Beatae Mariae Virginis fließend sind, ja sie verschwimmen wie in der Dämmerung das Licht mit der Nacht: Als Mondstaub weht es sie her und hin, bevor sie Körper werden und sich nähren müssen[1]Lev.11: “Denn das Leben des Fleisches ist im Blut.”.
_________________
(Notat zu Staffel 1 Ep.5)

P.S.:
Bei allem Kitsch: Der Film erzählt, wie Sexualität i s t. Und zwar verrührt er alles Mögliche; indes, zu rühren gehört zur haute cuisine a u c h.

References

References
1 Lev.11: “Denn das Leben des Fleisches ist im Blut.”

Wer den IS (‏داعش) verstehen will,

muß sich nur die ersten eintausendsechshundert (!!) Jahre der christlichen Kirche ansehen. Sie hat quasi jedes Verbrechen inklusive Völkermord verübt, und zwar in nahezu jedem Jahrhundert aufs neue und bis heute ungesühnt.

 

DLXXIV

 

(Eine erschreckende wie ausgezeichnete Zusammenfassung hat der niemals nachlassende, so genaue Moralist → Karlheinz Deschner vorgelegt.)

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2 0 2 0
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Es gibt kein Recht zu gehorchen
!

Meinen Leserinnen und Lesern
ins Poesiealbum des Neuen Jahrs

 

[Fassade (Ausschnitt) des Finanzamtes Bozen/Bolzano, ehemals Casa del Fascio
Bild (CC) → Bartleby08/wikipedia.de | Hannah Ahrend (verkürztes Zitat) über Mussolinifries]
Einer der beiden Sätze, die, als ich sie las, mir die bemerkenswertesten des gesamten vergangenen Jahres waren. Dieser hier, auf dem Bozener Fries, ist als Zitat freilich heikel, da es → verkürzt ist. Hingegen daß es, wie Gerald Krieghofer schreibt, deshalb “entstellt” oder gar, dem Titel seiner Site zufolge, “falsch” sei, ist entschieden zu bestreiten. In jedem Fall ist es s o wirkungsvoller, griffiger und vor allem fordernder – politischer also – als Hannah Ahrends Zusatzbestimmung “bei Kant”. Doch → Krieghofers Einwand läuft schon insofern fehl, als sein Gegenbeispiel banal und obendrein unscharf gedacht ist. Nein, wenn ein Polizist mich auffordert, nicht bei Rot über die Straße zu gehen, habe ich n i c h t das Recht zu gehorchen, sondern – allenfalls – die Pflicht (und tue es, wenn kein Verkehr geht, sowieso nur, um eine Ordnungsstrafe zu vermeiden; geht aber Verkehr, bleibe ich von mir aus stehen, aus eigener Einsicht; ein “Recht zu gehorchen” striche diese als unnotwendig durch, beraubte mich also um meine persönliche Verantwortlichkeit – genau dies war und ist die Bedingung der Möglichkeit diktatorischer Systeme).

Also ich beharre:

KEIN MENSCH HAT DAS RECHT ZU GEHORCHEN

Der Satz gehörte in die Verfassung Deutschlands, mehr noch in die eines unabhängigen Europas, dessen Grundgewalten nicht länger von den einzelnen Nationen (“Staaten”) ausgehen – ganz so, wie in einigen Landesverfassungen, etwa der bremischen (→ Art.19), sogar eine Pflicht zum Widerstand formuliert ist; hier stellt sich gegen ein vermeintliches “Recht zu gehorchen” sogar das Menschenrecht, selbstverständlich, wenn alle gewaltfreien Möglichkeiten vergebens ausgeschöpft sind oder absehbar ist, daß sie vergebens sein würden.
Krieghofers “Argumentation” gegen das verkürzte Zitat ist darüber hinaus eine fast gefährliche Verharmlosung, insofern sie (bewußt?) nicht in den Blick nimmt, um was es eigentlich geht. Widerstand ist eine emphatisch politische, nicht etwa pragmatisch ordnungsrechtliche Kategorie. Indem er, Krieghofer, sie auf diese herunterbricht, nimmt er dem Satz die Schärfe der eigenen, auf Selbstbestimmung beharrenden Entscheidung.

Der zweite beeindruckende Satz — eine quasi Ableitung des verkürzten Ahrend-Zitats – stammt ebenfalls von einer Frau, und zwar im Zusammenhang mit den ebenso bizarren wie schreiend dummen Auseinandersetzungen um Peter Handkes Nobelpreis. Formuliert hat ihn Elfriede Jelinek:

WENN ALLE IN EINE RICHTUNG RENNEN, MÜSSEN DIE KÜNSTLER
ALS EINZIGE IN DIE ANDERE. DAS IST NICHT NUR IHR RECHT,
SONDERN IHRE PFLICHT.

Auch dieses spannenderweise nicht auf alle Bürgerinnen und Bürger, sondern durchaus pathetisch allein auf Künstler bezogene Zitat ist nicht vollständig; Jelinek → verschärft ihre Aussage nämlich, indem sie die Konsequenzen nennt: “(…) auch wenn ihnen dabei noch so viele entgegenkommen, die keineswegs entgegenkommend zu ihnen sind.” (Eine etwas wohlfeile, weil ohne existentielle Gefährdung getätigte Wegwerfbewegung ihrer rhetorischen Hand fügt überdies bei: “Das muss man dann halt aushalten.” Mit man ist hier auch frau gemeint – ecco! Daß sie sich diese Aussage leisten kann, spielt indessen k e i n e Rolle; Wahrheit ist unabhängig von Einkommen und sozialem Stand, überhaupt vom Sozialen.)

Und nun ins Neue Jahr!

 

Zum „Fall“ Christian Kracht.

Wurde der Herausgeber Der Dschungel nunmehr von mehreren Seiten auf eine Stellungnahme angesprochen. Er nennt den Autor Kracht einen Kollegen; nicht viele Schriftsteller:innen, die zur Zeit im Schwange, können das von sich sagen. Dennoch muß seine, des Herausgebers, Haltung erst einmal Distanz sein. Denn er kennt Krachts neues Buch noch nicht, vor allem aber nicht Krachts in einem kleinen Verlag veröffentlichten Emailwechsel mit dem Rechtssympathisanten Woodard, auf jenen sich Georg Diez in seiner vierseitigen Spiegelattacke bezieht. Es ist durchaus möglich, daß man diesen Schriftwechsel für die Beurteilung der Positionen Diez ./. Kracht und auch für den Roman als einen Schlüssel ansehen muß. Zudem läßt sich hinter Ironie sehr vieles als so nicht gemeint verstecken, das heimlich pathetisch vertreten ist. Wiederum haben wir nichts gegen Pathos, im Gegenteil sogar.
Hinzu kommt, daß Georg Diez, nachdem bereits so viele jubelnde Kritiken geschrieben waren, die Uhr danach stellen konnte, sein Spiegeltext würde eine skandalbefeuerte Diskussion quer durch die Szene(n) entfachen und den Buchabsatz nun erst recht befördern, übrigens auch den des kleinen Verlages. Dies determinieren die Gesetze jeder PR. So gesehen ist Diez‘ riesige Attacke ein noch riesigerer Marketing-Akt, der seiner vermeintlich aufklärerischen rechtsfeindlichen Haltung kaum dienen dürfte. Auch ein Star ex negativo ist, vielleicht sogar mehr als der freundliche Held, Star.
Des weiteren kann der Herausgeber nach derzeitigem Stand seiner Wissensdinge nicht wissen, inwieweit Diez mit willkürlich, d.h. in diesem Fall: absichtsvoll aus ganz anders intendierten Zusammenhängen herausgelösten Zitaten propagandistisch, bzw. anti-propagandistisch verfahren ist. Etwa läßt sich die Position vertreten, Kracht habe – wenn denn die Zitate ungebrochen so auch vom Verfasser gemeint – derartige Arischtümeleien geschrieben, um seiner Figur so nahe wie möglich zu kommen, also um modellhaft zu werden, wen er beschreibt: um solch eine Seelenlage wirklich zu kennen. Dann bliebe freilich die Frage, weshalb dies kommentarlos nicht etwa als Materialiensammlung zur Entstehung eines Romans, sondern getrennt davon als eigenständiges Buch publiziert worden ist. Will sagen: die Gefahr einer, sollte sie das sein, Mißdeutung wäre dann herbeigelockt, ja -geschrieen worden. Der Herausgeber kann von solchen Mißdeutungen ein eigenes Lied singen, fand sich doch seine >>>> Antwort auf Michael Kleeberg, die im April 2002 in der Literarischen Welt erschien, prominent zitiert auf den Internetsites Horst Mahlers wieder: progagandistisch als neonationalsozialistische Argumentation mißbraucht. Wiederum ist nicht zu sagen, inwieweit nicht eine Mißdeutung zur Inszenierung des Romans wie seiner Vermarktung bewußt in Gang gesetzt werden sollte und soll. Ich meinerseits habe, um solch einer fragwürdigen Prominz zu entgehen, zu Horst Mahlers Übergriff seinerzeit einfach geschwiegen.
Unabhängig davon begeht Diez die absichtsvolle Vermischung von Person und Werk. Es ist aber nicht heraus, ob derartige methodisch unsaubere Vermischungen bisweilen nicht sogar nötig sind.

Insofern wird der Herausgeber, um sich ein eigenes Bild zu machen, erst einmal die in Rede stehenden Texte lesen und dann, eventuell, darüber schreiben – aber ganz gewiß nicht zu einem Zeitpunkt, den ihm der Bedeutungswille des Betriebes diktiert, sondern dann, wenn eine distanzierte Betrachtung und Bewertung und entsprechende Reaktionen auf diese überhaupt erst wieder möglich sind.

ANH.
15. Februar 2012.

Sehr schön. Maria. Bei Meinecke. In weiterführender Ratzinger-Auslegung.


Die Kirche muß von Maria neu ihr Kirchesein lernen. Nur in einer Zuwendung zum Zeichen der Frau, zur recht verstandenen fraulichen Dimension der Kirche, geschieht die neue Öffnung zur schöpferischen Kraft des Geistes.
Thomas Meinecke, >>>> Jungfrau.

[Wird der Tag kommen, an dem ich zum Katholizismus konvertiere?
Islamischer Katholizismus mit sinnlich-heidnischem Akzent. Hm.
Rituale. Hm.
Gavin Bryars, Zweites Streichquartett.]

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[NACHTRAG am 15.11.08. Gerade (7.12 Uhr) gefunden: Weiterführend, zum in den Kommentaren diskutierten Thema insgesamt, ist >>>> dieses.]

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