Hinreißende Darstellung dessen, was meine Prosadichtung versucht: André Vollmer, Kiel 2016.

Im Netz gefunden:

Frei herunterladbar → d o r t . [Dazu, offenbar eine Vorarbeit, → dieses in der Gestalt einer da noch – was sich der Wissenschaftler untersagt – wertenden Rezension aus demselben Jahr.]

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Nationale Wokeness. (Fundstück).

 

Der Himmel ist, wo die Polizisten Briten sind, die Köche Italiener, die Mechaniker Deutsche, die Liebhaber Franzosen, wobei alles von den Schweizern organisiert wird, — und die Hölle, wo die Polizisten Deutsche sind, die Köche Briten, die Mechaniker Franzosen, die Liebhaber Schweizer,
und alles wird von Italienern organisiert.

Will Smiths Ohrfeife. Eine Fußnote zu Krieg & Correctness.

Jemand, nennen wir ihn, weil eine komplett marginale, ja peinliche Erscheinung, Olli Patterer[1]Sprücheklopfer, tätigt über die Krankheit der anwesenden Ehefau eines Filmstars, nennen wir ihn Be Intheright, eine nicht nur unangemessene, sondern die Genzen der Geschmacklosigkeit noch in besonderem Sumpf auslotende, sogenannt witzige, die Gemeinte aber, die ohnedies leidet, geradezu diffamierende Bemerkung – worauf der Ehemann der Verhöhnten aufspringt und dem Patterer eine knappe, in keiner Weise schmerzhafte, ihn aber zu Recht demütigende Ohrfeige verpaßt, wenn auch, schade, nicht mit Handschuh – in der (auch Geistes-)Aristokatie die deutliche Auforderung zum Duell. Doch dies zu verstehen, fehlt es ja mittlerweile sowohl an Bildung wie dem nötigen inneren Stolz. Statt dessen toben Entrüstungsstürme, in deren Folge Mr. Intheright sich leider entschuldigt.
Die Boulevardpresse ist heute → voll davon. Derweil werde flächendeckend Zivilisten zu Tode bombardiert.
Denn nu’ ging’s erst los. Gewalt sei nicht erlaubt, dürfe nie ein Mittel sein. Undsoweiter. Hier war sie aber weit eher symbolisch, als daß sie physisch geschädigt hätte. Der Ehemann sprang für seine in diesem Moment ganz sicher erschütterte, wenn nicht tief verletzte Ehefrau – ein Umstand, der sie, und zwar ganz unabhängig vom Geschlecht, momentan handlungsunfähig gemacht haben dürfte – sofort in den Ring. Da Ehepartner, zumal wenn sie sich lieben, füreinander schutzbefohlen sind, war Mr. Intheright in absolutem, wie sein Name es schon sagt, Recht, nicht in jurisischem vielleicht, aber unbedingt moralisch. Hier sind ethische Fragen gar nicht zu berücksichtigen; erst recht hat da Correctness nichts zu suchen. Doch statt das zu sehen, wird plözlich wieder vom “männlich Toxischen” gesprochen, und zwar ziemlich von wahrscheinlich denselben Leuten, die gar nicht schnell genug in den Krieg kommen können, zumindest danach rufen, militärisch in ihn einzugreifen und die ersten eigenen Kinder zerfetzt oder zerstrahlt krepieren zu sehen,
Dies ist tatsächlich dekadent. Und forden obendrein, die diffamierte Frau hätte sich schon selber wehren können. Aha, und woher wissen die es sagen das? Könnte sie nicht extrem schockiert gewesen sein und damit gar nicht handlungsfähig? Oder hätte sie zu dem erkrankten Haar auch noch den Hals, ihn zu verhöhnen, dem miesen Patterer hinhalten sollen? Und später, heimlich, nur noch die ganze Nacht hindurch geweint?

Mr. Intheright, für Ihre Reaktion danke ich Ihnen von Herz und Geist und auch Geschlecht. Und nenne deshalb Ihren Namen – Will Smith -, derweil der des anderen auf alle Zeit vergessen bleiben möge. (Nur für Ihre Entschuldigung genier’ ich mich ein bißchen).

[Ich möchte an die Geschiche eines nahen Manager-Freundes erinnern, der über Jahre um seine an Krebs erkrankte Frau gekämpft hat; alles, was er nur an Mitteln hatte, sei es die seelische Durchhaltekraft, sei es sein finanzielles Wohlbefinden, opferte er auf, um einen Spezialisten nach dem anderen zu konsultieren – Spezialistinnen selbstverständlich auch. Schließlich verloren sie beide den Kampf, und die Geliebte starb.
Rund ein Jahr später, als er sich ein wenig berappelt hatte, traf er sich, um sein Unternehmen wieder auf die Beine zu bringen und Möglichkeiten zu sondieren, mit einem ehemaligen Geschäftspartner. Dabei erzählte er von seinem jahrlangen Einsatz für die geliebe Frau und daß er quasi alles verloren habe. Darauf hin der Geschäfts-,nun jà,-“partner” nun wohl n i c h t mehr: “Das war aber eine s c h l e c h t e Investition.” – Im Nu war mein Freund aufgesprungen und hatte zugeschlagen, als Kampfsportler gezielt auf den Punkt. Der nicht mehr Geschäftspartner brach auf der Stelle zusammen. Als er aus dem Krankenhaus wieder entlassen wurde, stellte er Strafanzeige gegen meinen Freund, derenthalber er, dieser, auch belangt wurde: Einige Zeit als Bewährung ausgesetzt und achthundert DM Strafe. “D a s,” so bemerkte er lakonisch etwas später zu mir, “war eine gute Investition.”

Will Smiths’ war es in gleichem Maß. Ich habe ihn nie für einen großen Schauspieler gehalten. Doch ist er nun ein großer Mann. Und also schützt er die Familie.]

 

 

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Bei Schostakovitch, Preludes & Fugues op.87
Keith Jarrett

References

References
1 Sprücheklopfer

Adam schreibt zu Merz. Gut anwendbar auch anderswo, und über|all der letzte Satz.

[Arbeitswohnung, 6.34 Uhr
France musique contemporaine:
Hans Werner Henze, El cimarron, Die Geister]

 

Es hat ihn empfindlich gemacht und sein ohnehin stark ausgeprägtes Selbstbewusstsein so weit gesteigert, dass es manchen in der Partei zu viel wurde. Die Bonzen, die überall, nicht nur in der CDU, den Ton angeben, achten sorgfältig darauf, dass keiner an ihnen vorbeizieht, der höher hinauswill als sie; und das dann auch noch zu verstehen gibt.
Denn reden kann Merz, besser als die meisten. Der legendäre Bierdeckel, auf dem, wenn es nach ihm gegangen wäre, ein Steuerbescheid hätte Platz finden können, steht für sein Talent, Politik anschaulich zu machen. Er wollte das Steuerrecht so weit vereinfachen, dass sich jeder aus eigenem Vermögen ein Bild davon hätte machen können, ob ihm zu Recht genommen und gegeben worden war; was leider nach wie vor unmöglich ist.
Die Besitzstandwahrer haben sich durchgesetzt und eine Steuerreform, die diesen Namen auch verdient hätte, hintertrieben. Die Leute sollen zahlen, und weil sie das umso verlässlicher tun, je weniger sie von der Sache verstehen, ist alles so geblieben, wie es war*.

Konrad Adam, 19.1.2022

***

[* Weshalb meine Steuer selbst zu ‘erklären’ ich  mir seit Jahren jeweils
selbst erarbeitet habe. Auch hier geht es um Selbstbe- und, was manchen
besonders aufstößt, –ermächtigung. Das Selbst ist bestimmt durch
was uns bestimmt. Darum kann nur gelten, sich niemals abhängig zu machen,
schon gar nicht von, danke, Herr Adam, Bonzen. Zu denen selbstverständlich
Bonzinnen genauso gehören – ein Umstand, den das generische Maskulinum
in Sätzen wie Ihrem tatsächlich einmal unterschlägt.]

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Und noch so eine, hier schon sozusagen geniale Konradvolte:

In Deutschland, wo der Konsens blüht.

Man muß seine politische Ausrichtung nicht teilen, um zu wissen, er habe hier recht. Man kann nur stolz darauf sein, ihn  lesen zu dürfen.

Zur “gendergerechten” Sprache. Von Josef Bayer heute in der NZZ.

Auch wenn nichts “falscher” sein kann als falsch und er, Josef Bayer selbst, in dieser einen Formulierung sprachlich entgleist, ist >>>> sein heutiger Artikel hellsichtig. Obwohl er außerdem “ein Mann” ist, als Emeritus obendrein ein offensichtlich nicht mehr junger und Chomskys Konzept, die Sprachentwicklung als evolutionäres Geschehen zu verstehen, im letzten aller Sinne >>>> tragisch.

(“Im Zweifel für die Tatsachen”, heißt es bei Hegel. Insofern freilich ist es durchaus möglich, daß nun d o c h eine Richtung Unfug nicht nur eingeschlagen, sondern bereits zementiert ist – w i d e r den wahren Befund. Freilich könnte genau dies ein die tragische Determination a u c h unserer Sprachen noch besonders betonendes Indiz sein. Und wieder merken wir es nicht.)

Schöne, sehr schöne Leserinnenrezension zum Wolpertinger.

Texte wie diese machen glücklich, und zwar deshalb, weil sie eben auch von den Schwierigkeiten und Verständnishindernissen erzählen – und was es bedeutet oder bedeuten kann, sie zu überwinden.

Zu finden, der Text wurde mir über Facebook zugespielt, >>>> dort.

Wenn ich so etwas lese, muß ich daran denken, unter welchen Schwierigkeiten ich selbst mich in Moderne (Bildende) Kunst und anfangs auch die Neue Musik einfinden mußte: daß man zu sehen lernen muß – ebenso wie zu hören. Und daß aber der Gewinn, hat man’s getan, ungeheuerlich sein kann. Daß so etwas von einem meiner eigenen Bücher bewirkt wird, das allerdings ist einfach berauschend. Und macht dankbar. Abgesehen davon, bestätigt es den Impuls, sich eben nicht um das zu kümmern, was gerade en vogue ist, sondern den eigenen künstlerischen Instinkten zu folgen, auch wenn sie der dreiviertel bis achtneuntel Welt unverständlich sind oder sogar von ihr abgelehnt werden, und man selbst dann gleich mit.

 

 

(Ich schreibe sehr bewußt von “Instinkten”.)

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