“Intim allein zu zweit”. Bei Faustkultur. ANH über Vincent Peiranis und Michael Wollnys “tandem”.

D o r t weiterlesen.
(Die Renzension wird erst in etwa einer Woche hier in Die Dschungel übernommen werden.)

Des Berliner neunundfünfzigstem Jazzfestes erster Abend: Hemphill Stringtett – Hamid Drake’s Turiya – Craig Taborn’s Intercept Metals

 

[Jazzfest Berlin 2022 → Programm]

 

Es ist schon erstaunlich, wie oft es sich bestätigt, daß nur zu lauschen einen völlig anderen Eindruck ergibt, als wenn wir live eine Musik hören, zu der Eindrücke des Gesichtssinnes kommen; diese müssen nicht einmal von einer zum Beispiel “Lightshow” manipuliert werden, es genügt, jemanden vom Ansehen sympathisch, interessant, was immer zu finden – schon hören wir gar nicht mehr wirklich, was da zu Gehör gebracht wird. Wir müssen, jedenfalls ich muß, pur hören, um uns nicht kunstfremd beeinflussen zu lassen. Genau dies ist der Grund, weshalb ich, wenn ich über ein Konzert schreiben will und/oder soll, stets mitschneide und dann, daheim am Schreibtisch, die Stücke wieder- und wiederhöre, meist sogar noch, während ich schreibe.
Sie müssen sich, Freundin – die Sie mir ja leider abgesagt haben, weil Sie eine andere Verabredung hatten (über deren Charakter Sie sich, wie mir gegenüber in solchen Fällen ja immer, ausschwiegen) – … Sie müssen sich, liebste Freundin, erst einmal vorstellen, wie wirklich lang diese Jazzfestabende sind; auf der Hauptbühne des Hauses der Musikfestspiele Berlin ging es um 18 Uhr los, und dort das letzte Konzert des Abends endete um 22.15 Uhr, mit zwar zwei Pausen dazwischen, aber dennoch. Und danach geht es auf den Seitenbühnen bis sicherlich Mitternacht  weiter. Woran ich dann allerdings nicht mehr teilnahm, Craig Taborns “Intercept Metals” — sofern ich die Moderatorin richtig verstanden habe; also: “aufgefangene Metalle”, dann — war fordernd genug für das längst schon müdkonzentrierte Ohr, um nicht zu schreiben: überforderte es. Entsprechend verließen viele Menschen dieses letzte Konzert, während es noch ablief — nicht wirklich übrigens Freejazz, auch wenn wer es so meinen mochte, aber mit starken Anteilen davon. Doch immer wieder klangen, in Spuren nicht unähnlich Schnittkes Polystilistik, tonale Spuren, ja melodische Themen an, gleichsam vorüberschwimmende Inseln des Vertrauten, an denen es sich orientieren, zumindest momentlang zur Ruhe kommen ließ. Wobei selbst mir, während Mat Maneri, Nick Dunston, Sofia Borges und Craig Taborn selbst musizierten, ernorm viel entging. Wie ich jetzt höre. Doch ich ahnte es da schon. Unterm Strich: Mit sogar großem Abstand das musikalisch beste aller drei Konzerte. Besonders, im Nachhören, fällt Hamid Drake‘s Turiya ab, von dem ich nach anfänglicher Begeisterung aber bereits während der Aufführung denken mußte: “O, das schrammt jetzt nahe am Kitsch”. Und es schrammte nicht nur. Bei aller musikantischen Virtuosität wurde schließlich derart arg auf die Tränendrüsen gedrückt, daß das Schmalz nur so aus den Boxen seimte. Das Publikum freilich begeisterte das. Wie sang schon Stephan Sulke? “Die Intellektuellen, / die hören gerne Blues. / Bei denen tanzen die Forellen / im hausgemachten Apfelmus.” Selbst wenn es durchaus angehen mag, die Verehrung für Alice Coltrane an einem solchen Abend zu, wie Drake es mehrfach nannte (und uns aufforderte mitzutun), “zelebrieren” (celebrate), wird es spätestens dann geschamcklos, zumindest arg peinlich, wenn gleich noch nicht nur die Kuratorin, Nadin Beventer, die auch den Abend – gut – moderierte, mitzelebriert wird, sondern das Team der Musikfestorganisation ganz ebenso. Ich dachte nur, gleich fallen sich alle in die Arme und heulen. Wobei sich jetzt, im Nachhören, herausstellt, daß die musikalischen Themen der meisten in diesem Konzert vorgestellten Stücke entsetzlich banal sind, und zwar auch dann, wenn sie sich zurecht auf “den” Blues berufen können. In Drakes “Fall” entsteht die Banalität aus der minimalmusic-artigen permanenten Wiederholung (allerdings ohne spürbare Verschiebungen), in die dann salbungsvoll hineingesprochen und -gesungen wird, mit schöner Männerstimme, ja, doch, möcht ich da beinah schreiben, umso schlimmer. Und suggestiv klopft der übrigens grandiose Vibraphonist Pasquale Mirra auf zwei Klanghölzern mit. Trotzdem, Trompete (Sheila Maurice-Grey) und Flöte (Naïssam Jalal) waren zum Hinknien — und Drake ganz ebenso, solange er am Schlagzeug blieb. Und sowieso riß das letzte Stück alles wieder gehörig heraus, nicht zuletzt Joshua Abrams‘ höchst konzentriertem Baßsolos wegen. Allein deswegen hat sich Hamid Drakes Turiya denn doch noch gelohnt.
Zu dem ausgesprochen witzigen Hemphill Stringtet, das den Abend eingeleitet hat, schreibe ich Ihnen (und Ihnen dann eben nicht) in meiner Besprechung des Jazzfestes für → faustkultur, die ich formulieren aber erst will, nachdem ich auch heute abend im Festspielhaus gewesen sein werde, um die folgenden Konzerte zu hören, für die ich zwar keine Pressekarte, aber zwei Normalkarten habe, die mir Sabine Scho zugesendet hat. Ein schneller Dank an sie. Doch soviel noch, daß die Wahl dieses ersten Konzertes als Anfang des Festivals nicht nur ungewöhnlich, sondern insofern sogar mutig war, als es doch letztlich, wie immer nun auch improvisiert, ein “reines” Kammerkozert” war, wie wir es hätten ganz ebenso in der Kleinen  Phliharmonie hören können und tatsächlich auch hören, sofern wir denn hingehn. Wonach das Publikum des Jazzfestes freilich nicht aussah, sondern genauso, wie sich das Klischee die Anhängerinnen und Anhänger (mehr Anhänger) exerimentellen Jazzes vorstellt; ein Klischee ist ja eben etwas, das so oft verwendet werden kann, daß man es gesondert nicht mehr zusammensetzen muß.[1]Das Wort stammt aus der Druckersprache. Jedenfalls waren die meisten Menschen so dort gekleidet, und ihr Altersschnitt mag bei 60 gelegen haben. Erstaunlicherweise liegt er in der Philharmonie mindestens zwanzig Jahre drunter; nicht anders in den Opernhäusern, je nachdem jedenfalls, was gespielt wird. So muß denn auch befürchtet werden, die Zeiten des Jazzes gingen mit dem Aussterben dieses Publikums (zu dem ich selbst höchst alterskongruent bin) ganz ebenso zuende:

Was nicht nur schad ums Publikum wär.

***

Wie auch immer, eine kleine private Anmerkung noch. In meiner Pressemail hatte ich folgendes gelesen:

So etwas ist zu Premieren und Ersten Abenden üblich, ich kenn es aus den Opernhäusern. Und nicht selten kommt es da zu neuen Bekanntschaften und guten Gesprächen; man wird normalerweise auch begrüßt. Da ich zu keiner “Szene” gehöre, auch nicht gehören will, sind mir solche Zusammenkünfte umso wichtiger. Und stapfte also hin, das heißt: ins obere Foyer, wo es sich vor Bornemanns Bar schon ordentlich verklumpte. Jede und jeder wollte seinen Wein. Nur brauchte man für ihn eine Getränkekarte, und über die verfügten nur, ich sage einmal, ausgesuchte “VIP”s. Von einer Einladung konnte also keine Rede sein, und eine solche gab es a u c h nicht. Kein “Hallo”, kein “Schön, daß Sie hier sind”, nix. Man stand halt nur herum, auch der Intendant, nett an einem Rundtisch in noch viel netterem Gespräch. Von Häppchen konnte erst recht die Rede nicht sein … wiewohl, doch, schon, aber gegen Bezahlung. Unterm Strich hätte in der Einladung deshalb stehen müssen: “Wir laden Sie ein, mit selbstgekauftem Getränk mit uns anzustoßen.” Was den Begriff einer “Einladung” nun restlich zerschießt. Aber gut, auch diese Häuser müssen sparen. Dennoch wollte ich’s genauer wissen. Und was stellt sich am Pressetisch heraus? “Tut mir leid, Getränkekarten bekommen nur die Kollegen von der ARD.” Die in Lohn und Brot alle stehen, und recht feist, wie uns der RBB jüngst hat deutlich wissen lassen. So geht denn alles seinen, biermannverzeih, sozialistischen Gang: Wo schon was ist, da wird auch gern ins Glas gefüllt; wer nix hat, möcht gerne dürsten dürfen.
Imgrunde aber kam es mir entgegen; erstens kann ich meine Getränke auch selbst bezahlen und konnte zweitens meine Pfeife daußen rauchen- Bis schon die nächste Glocke all’ uns hereinrief.

*

References

References
1 Das Wort stammt aus der Druckersprache.

Hermann Hesses “Ravenna”. Kleine Poetiken (8).

 

Ich bin auch in Ravenna gewesen,
Ist eine kleine tote Stadt,
Die Kirchen und viel Ruinen hat,
Man kann davon in den Büchern lesen.

Du gehst hindurch und schaust dich um,
Die Straßen sind so trüb und naß,
Und sind so tausendjährig stumm,
Und überall wächst Moos und Gras.

Das ist wie alte Lieder sind –
Man hört sie an und keiner lacht,
Und jeder lauscht und jeder sinnt
Hernach daran bis in die Nacht.

Ich lernte Ravenna zweimal kennen, einmal im Nebel, davor aber über ein Lied, das wie ein altes aber nicht alt ist, weshalb ich seinen Text für Kitsch hielt wie vieles von diesem Dichter. Ich ahnte nur, daß er sich in dem Lied wie dieses sich in der Stadt er­füllte, als hätten die drei Strophen ihre Vertonung beschworen und wären im Klang zu sich gekommen. Als ich in strahlendem Sonnenschein von Venedig aus die La­gune und durchs PoDelta südwärts fuhr, die Stimmen Hunderter Touristen im Ohr, dachte ich aber nicht daran, sondern an venezianische Gesänge, an Vivaldi, Sinopoli, und röhrend rasten die italienischen macchine in atemberaubenden Überholmanövern an mir vorbei. Es wurde immer heißer, ich schwitzte – doch als ich den Reno überfuhr und mich etwas landeinwärts hielt, trübte sich die Luft Meter um Meter ein, und vor den Toren Ravennas stand der Nebel. Es wurde, selbst bei geöffneter Scheibe, still. In ei­ner Art stummen Erschreckens gewahrte ich, als wären sie von dichterer Luft gefil­tert, Fahrradklingeln. Das ist für Italien, das ja nicht grundlos als lärmend gilt, mehr als nur ungewöhnlich.
Ich parkte den Wagen, stieg aus, und es war eine kühle Feuchte, was mich empfing. Kühl und feucht war die Stiftskirche Dantes, kühl und feucht schimmerte die Pflaste­rung der Gassen, auf denen die Schritte der wenigen Fußgänger tatsächlich hallten. Unmittelbar war mir bewußt, eine andere Welt betreten, alle Gegenwart hinter gelas­sen zu haben – oder vor mir – gleichviel. Die schweren, ihrer Fresken und jeglichen Zierats ledigen Mauern standen wie eine steingewordene Ewigkeit da, hoben sich um mich auf, und die paar Treppen untern Altar hinab schimmerte grünlich ein See, dessen Spiegel mit der Kryptadecke spielte, – und so fern war, allem Kirchenstaat zum Trotz, das Christentum, so mittelalterlich-heidnisch atmete es wieder. Und gleichgültig, wo ich dann später auch noch stand, sann und leise spazierte, überall wehten die Töne dieses Liedes von Othmar Schoeck auf die Worte Hermann Hesses, wehten aus jeder Pforte, von jedem Grabmal stiegen sie auf, und selbst, als einmal, geisterhaft, ein Autobus auf der Piazza hielt und einen Trupp Touristen entließ – aus der geöffneten Tür flatterte momentlang Italopop -, wurde dieses Stückchen Moderne sofort vom Nebel ein­gesponnen, ummantelt sowie chromatisch verkapselt und — schwieg:

Othmar Schoeck, Ravenna von Hermann Hesse
Dietrich Fischer-Dieskau, Karl Engel

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Kleine Poetiken 7

 

Das Arbeitsjournal des herrliche 36-Grad warmen Sonntags, den 19. Juni 2022.

[Arbeitswohnung, 12.05 Uhr
Britten Phantasy op. 2 for oboe and string trio (1932)
Eigentlich ist seit – seit ich herausbekommen habe, daß die Überarbeitung der Triestbriefe, anders als bislang gehalten, weil ich fälschlich dachte, Musik störe meine sprachliche Konzentration – gestern vormittag Streichquartetttag, heute mithin der zweite. Tatsächlich, während ich sie umschreibe, bzw. korrigiere, hilf Musik aber, sogar sehr – ebenso wie beim Schöpfzungsprozeß selbst. Erst danach, wenn ich die korrigierten Seiten kontrolliere, ist Stille angesagt. Dies macht meine Arbeit nun sehr angenehm. Denn gestern kamen von meiner Lektorin die ersten 180 (von 397) Lektoratsseiten der “Verwirrung” an, und für die gilt nun, daß Annahme oder Ablehnen der Lektoratsvorschläge und erst recht, was bislang dreimal nötig war, die komplette Neufassung von Satzsequenzen mir mit Musik besonders gut von der Hand geht. Jedenfalls habe ich mich heute ab sieben Uhr schon drangesetzt und komme prima voran. Ich will jeweils die erste Hälfte eines Arbeitstages darauf verwenden und in der zweiten zu den Triestbriefen zurückkehren. (Das satzfertige Typoskript der “Verwirrung” muß spätestens am 27. Juli bei Elfenbein abgegeben sein, damit das Buch noch rechtzeitig zur Frankfurtmainer Buchmesse dasein kann.)

Also die Streichquartette. Begonnen habe ich mit Mendelssohn opera 13 & 80 und seiner Schwester Fannys in Es-Dur (alle drei, in der Einspielung des Quatuor Ebène, Trouvaillen), gefolgt von Hindemiths Quartetten 1 bis 5 (Sonare), nach denen ich zu allen dreizehn höchst packenden 1 bis 15 überging (der 15 lauschte ich heute früh gleich zweimal nochmal) und schließlich zu Schnittkes vier Quartetten überging (Kronos). Nun ist grad Britten dran, übrigens auf Vinyl (Endellion), dessen besonders drittes Streichquartett wie aus mir selber singt. Was meine Identität mit dem Romantext enorm steigert, so sehr, daß ich nicht selten denke, in seinen Bearbeitungen wahrscheinlich rhythmische Strukturen dessen einfließen zu lassen, was ich gerade höre. (Deshalb muß der Korrekturgang dann unbedingt o h n e Musik sein.)
Danach stehen die Streichquartette der Zweiten Wiener Klassik (Berg, Schönberg, Webern) auf dem Programm (LaSalle, ebenfalls Vinyl) sowie sämtliche bisherigen von Wolfgang Rihm.

Aber ein bißchen Unfug treibe ich dennoch immer mal wieder, etwa bei Instagram:

(Neben dem Foto eine Erklärung, auch für deren Formulierung ich mir Zeit nahm:)

So sieht ein elegant gebundener Merowingerknoten aus. Daß er seinen Namen nach der gleichnamigen Figur aus “The Matrix reloaded” habe, ist eine Legende; er war nur zuvor nicht sehr bekannt – auch weil etwas knifflig zu binden. Tatsächlich wurde er als “Ediety necktie knot” in den Zwanzigern erfunden; der Jugendstileinfluß ist so unverkennbar wie die erotische Organik, auf die dieser edle Knoten anspielt.

Von sich aus erkannte bislang nur die Löwin diese ‘erotische Organik’: “Aber das ist doch..!”, rief sie laut in Whatsapp aus. “Na, das kann ich mir vorstellen, daß du diesen Knoten liebst!” — Sie werden selbst drauf kommen, Freundin, Ihnen muß ich nichts verraten.

*

Dennoch, die massive Arbeitsmenge hin und her, hinausgehen an diesem meine-Temperaturen-Tag will ich heute unbedingt, und sei’s nur für eine Stunde Spaziergang. Ich hoffe nur, die THC-Tropfen schlagen nicht allzu heftig durch; ich habe sie vorhin eingenommen, weil ich mal wieder keinen Appetit hatte und nur wenig runterbekam, was blöd ist, weil das ganze Kilo, daß ich begeisternderweise zugenommen hatte, schon wieder weggeschmolzen ist. Nach wie vor muß mein Gehirn da sehr aufpassen – neben der blöden Neuropathie in den Füßen das einzige, was nach der OP noch nervt.

Ihr ANH

 

Der Künstler sagt: “Auch das ist Material.” Privatestes zum Ukrainekrieg. Und zu Händel im Theater an der Wien. Ja, es i s t obszön. Und muß – nach sechs Stunden Musik – genau deshalb gewagt sein. Weil es Verletzlichkeit zugibt, wo fast allewelt sich zu Helden mutiert. (Was interessieren da noch meine Bücher?) | Als das fast schon Wiederarbeitenkönnenjournal des Montags, den 4. April 2022.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe – nach über sechs Stunden unentwegt Musik, erst mit den Bildern des → 3sat-Mitschnitts, danach ohne sie – … habe s e l b s t gezögert, ob ich dieses Bild nicht nur einstellen, nein überhaupt aufnehmen dürfe. Sofort fiel mir das Wort “obszön” ein, und ich schrieb es, weiter- und weiterweinend, meiner Lektorin, nannte, was über mich gekommen, “flennen”, denn das war es. Und weiß nun ebensowenig, nachdem ich mich dafür entschied, ob ich es erklären darf. Ich habe in ihr ja ein außengelagertes literarisches ÜberIch, das es mir strikt verbieten würde, wahscheinlich. Deshalb wollte ich alles, und ob überhaupt, erst heute früh entscheiden und nicht, wie seit dem 24. Februar sonst, als erstes die neuen Nachrichten über den Krieg und die Artikel zu ihm lesen, war in dem Kampf quasi ja selbst, einem publizistischen freilich, nicht im Gewehrfeuer, um von den Raketen zu schweigen, daß solche hier schon einschlagen würden, aber allenthalben dennoch Krieg, selbst in den getippten Wortwechseln, derer es gestern erneut viele waren, die sich geradezu anboten, aus ihnen je einen neuen → Ukraine-Dialog zu formen.
Es war eine Entscheidung gewesen, gestern mittag, F r i e d e n zu haben. “Du mußt von dem Krieg wegkommen”, schrieb die Lektorin. “Du darfst dich nicht aufsaugen lassen”, schrieb die Wölfin. “Sie müssen auf Distanz gehen”, schrieb eine Brief- und Seelenfreundin.

An Sonnabend hatte um 21.57 Uhr लक्ष्मी in Whatsapp getippt:

 

Ich war in anderem drin, wußte, ich würde mich nicht konzentrieren können, aber ließ den Mitschnitt mittels des JDownloaders im Hintergrund herunterladen, ging irgendwann schlafen, ohne überhaupt zu kontrollieren, ob es geklappt hatte.
Der Sonntag brach an, die  längst schon “Kriegsroutine” ging wieder los, lesen, lesen, lesen und bereits, auf FB, die ersten Wortwechsel. Vor mir lag aber immer noch die wieder und wieder aufgeschobene Nachwort-Aufgabe für Eigners nachgelassenen Roman; ich stehe dem Verleger im dringendsten Wort. Ging nicht, ging abermals nicht, der Krieg hielt mich fest. Die Brieffreundin schrieb: “Ich habe heute Mittag wie immer den Presseclub gesehen, da kommt Einiges auf uns zu, was wir noch gar nicht übersehen können, mit der jetzigen Embargo-Diskussion werden Zusammenhänge klar, die mich beunruhigen.” Ich antwortete, die dräuenden Zeichen ebenfalls zu sehen und, vor allem, zu spüren. Dann öffnete ich die Eignerdatei. Und sagte Stop. – Hatte gestern der Download geklappt?

Hatte er.

Ich ging in die Küche, um mir vom gestern zubereiteten Dal zu nehmen, wärmte auf, streute gehackten Koriander darüber, tat an den Tellerrand drei Klatscher Joghurts hinzu, nahm einen Fladen Chapatti, Inder essen mit den Fingern, es paßte zu meiner लक्ष्मी Link.
Und sah mir die Aufführung an, von Anfang an und dann zunehmend fasziniert:

Mein Fasziniertsein nahm ständig zu, auch weil keine der Sängerinnen meinen erotischen Vorlieben entsprach, sie alle waren zu drall. Aber. Wenn. sie. s a n g e n ! Die Musik mächtig, zugleich filigran, in den ProAcs, mein Zimmer bebte, nebenan die Wohnungen taten’s wohl auch. Doch niemand kam, um um Ruhe zu klopfen. Alle, alle ließen mich.
Welch grandiose Inszenierung Keith Warners, wie feinsinnig und kraftvoll! Doch vor allem, wann hatte ich zuletzt einen Counter gehört, der wie Michael Chance singen konnte? Und dieser Ausdruck, die Schauspielkunst des gesamten Ensembles, besonders aber Bejun Mehtas, allein die filigranen Bewegungen der Lippen, des Kehlkopfs … Ich konnte es nicht fassen. Wie hin- und hergerissen Louise Alders Cleopatra, welch Überhebung, dann Sturz, dann Klage und Erlösung, Klage aber besonders der Cornelia Patricia Bardons – und wie Mehta vor allem Jake Ardittis Counter mitzog, der besser, ständig besser wurde. Dazu der Concentus Musicus Wien, von dem ungeschlacht wirkenden, so enorm präzisen und derart warmherzigen Ivor Bolton geleitet, daß mir kein anderes Wort als “in strömender Hitze” dazu einfällt.
Ich wiederhole, ich war fasziniert, ja berauscht. Und aber doch noch nicht ergriffen, sah mir noch den Applaus an, freute mich, erinnerte mich.

 

In diesem kleinen Opernhaus war ich einmal gewesen, vergangenes Jahr mit Elvira M. Gross, meiner, Sie wissen, Lektorin, die dieses Theater an der Wien so sehr liebt. Weshalb, verstand ich da noch nicht ganz. W a s ich aber jetzt verstand, war, ich müsse sofort noch einmal hören, doch n u r noch hören. Keine Bilder mehr. Ich hatte eine gute Inszenierung gesehen, gesehen aber doch zu v i e l.

In die Küche wieder, den Eiweißshake bereiten, den ich täglich des Krebses wegen trinke, also um nicht weiter abzunehmen ohne einen Magen; → Liligeia selbst ist ja still, die schlafende Vulkanin. Auch das indes kommt zu meiner Not der vergangenen Wochen hinzu, daß ich zu fürchten begann, der Kriegslärm werde sie wieder aufwecken: zu groß meine ständige Angst, manchmal Panik, zu verhärtet mein kämpfendes Argumentieren und immer wieder kurz vor Abstürzen in Depression, wenn ich abermals merke, nicht mehr arbeiten zu können, was “dichten” meint, arbeiten selbst kann ich schon – aber immer nur im Blick diesen Krieg, wieder und wieder den Krieg und daß ich gegen ihn anschreiben müsse, weil andres mir nicht bleibt. Deshalb nun auch das Bromazepam (Lexotanil gibt es nicht mehr), aber vorsichtig, ich weiß um die Gefahr, die erste halbe Tablette, vor fünf Tagen, war schon überdosiert, ich schlief ab mittags fünf Stunden. Also eine Viertel Tablette alle zwei Tage. Ich werde dann ruhig, kann auch mal wegdenken. Höre auf, mich zu verkrampfen, und die Angst weicht. Ich habe den Krebs bislang so gut überstanden, weil ich keine hatte und mich nicht hilflos fühlte. Seit dem 24. Februar ist es anders. Mit dem Krieg stieg die Gefahr, daß Liligeia meine Schwäche nutzt. Wenn sie nur schläft und nicht fort ist. Was niemand wissen kann. Als geheilt gilt man erst nach fünf Jahren, die OP liegt erst eindreiviertel Jahre zurück. Und, wie ich gestern Elvira schrieb, es ist ein extremes Merkmal meiner Arbeit, daß ich immer hingucke, nie weggucke, schon gar nicht verdränge.

Doch gestern hatte ich nichts eingenommen, ganz bewußt pausiert.

Zwei Bananen in den Eiweißshake schneiden, zwei Zitronen auspressen, den Saft hinzugeben und alles schnell vermixen, damit die Milch nicht gerinnt. Etwa ein Liter Flüssigkeitsmus. Damit an den Schreibtisch zurück und jetzt die Staxhörer nehmen.

Nur die Musik.

Es brauchte keine zehn Minuten, und die Tränen flossen. Was hatte ich vorhin alles nicht gehört! Jetzt, die Bilder nur im Sinn, faltete sich eine Klangwelt in mir auf, die mich geradezu verflüssigte, jede, spürte ich, innre Verstarrung wurde erst gelockert, Erstarrung a u c h, nach zwei Stunden Musik war ich komplett naß, denn auch die Haut, schien es, weinte. Elvira meldete sich wieder, ich tippte es und sang wahrscheinlich dabei mit, also graunzte, und dann begann ich zu heulen, immer wieder in Anfällen, zwischen denen ich erneut der Freundin tippte, auch der Brieffreundin, die sich ebenfalls meldete, weil ich beiden meinen Mitschnitt zukommen ließ, während ich hörte, lauschte, abermals mitsang, abermals krampfartig heulte. So daß ich begriff, um wie vieles ich heulte, nicht wegen der Operngeschehen, nicht, weil Cornelia so leidet, Sesto derart wütend ist und Cäsar unvergleichbar zart, wie oft er sich auch in die Brust wirft als Herr. Sondern es war die Not-an-sich, die aus dieser Musik trat, hervortrat, alle Not in sich umfangend und ihr Klang gebend, ja überhaupt Stimme. Ich heulte, begriff ich, wegen dieses Krieges, heulte wegen meiner Hilflosigkeit, die zu Angst gefroren war, was nun schmolz, heulte meines Alleinseins wegen, eines am Grunde, ich bin ja geliebt, das ist es nicht, aber dennoch ohne jemals wieder, empfand ich, gestreichelte Haut. Ich heulte, weil ich mich auf → den Gedichtband, endlich die Béarts, die nächste Woche heraussein werden, nicht mehr freuen kann und weil mir die Dichtung grad insgesamt egal ist. Ich heulte, weil ich derart in Sorge, daß dieser Krieg auch meinen Sohn erreicht, und die Zwillinge. लक्ष्मी, Elvira, Do und die Löwin sowie alle Freunde. Und zum ersten Mal heulte ich wahrscheinlich auch wegen des Krebses, dessentwegen ich in den seit der Diagnose nun schon zwei Jahren nicht wenigstens mal geweint habe. Nicht eine einzige Träne ist mir gekommen. Nicht mal mehr darum, daß mir die Chemo die Fruchtbarkeit zerstört hat. Seit der Diagnose stehe ich in permanentem Kampf, ohne es gewußt zu haben und hätt es wissen auch nicht dürfen, wenn ich da durchkommen wollte. Was mir gelang. Weil ich etwas tun konnte, mich verhalten konnte. Nun heulte ich und heulte, weil ich gegen diesen Krieg nichts tun, ja nicht einmal sicher sein kann, welche von all den Informationen stimmen, welche nicht. Welche nur halbwahr sind. Welche auch gar nicht laut werden dürfen, weil auch der Aggressor sie läse. Das ganze Chaos floß aus mir raus. — Und da, fast am Ende der Musik, kam der kalte Gedanke zurück – den künstlerischen meine ich. Daß alles, was mir und andren geschieht, für die Kunst Material ist und also ich selbst Material bin. Daß ich es fassen muß, es einfassend niederschreiben, um es überhaupt gestalten zu können. Daß diese Gestaltung, Formgebung also, das Substrat meiner Kunst ist. Und ich schoß, um es sichtbar zu machen, diese drei Fotos. Ja, ich schoß. “Wie obszön,” dachte ich, “wie furchtbar obszön! Und aber doch: wie nötig.” Und tippte es für Elvira in Signal ein. Weil ich gegenwärtig bleiben wollte:

Als ich vorhin um kurz nach sechs aufstand, war mein Gesicht noch verklebt. Aber da ich, nachts noch, diesen Beitrag vorbereitet hatte, noch keinen Text geschrieben, nein, außer einem Teil der Überschrift, doch eines der Bilder ausgewählt – das dort ganz oben – und eingesetzt, tat ich jetzt nicht wie sonst, las nichts, sah keine Mails an, erst recht nicht in den → Ukraine-liveBlog der ZEIT, sondern, nachdem der Latte macchiato bereitet, setzte mich gleich an den Schreibtisch und, nachdem auch die erste Pfeife gestopft, b e g a n n. Sowie er fertig ist, werde ich unter die Dusche springen, um mich danach zu kleiden. Denn es wird Zeit für neue Form. Mag sein, daß ich dann auch den Eignertext schreibe – ihn zu schreiben nun endlich vermag.

Ihr ANH
9.01 Uhr

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P.S.: Die oben schon → verlinkte Aufführung
kann noch bis zum 9 April abgerufen werden.


(17.19 Uhr
Ich vermochte es n i c h t.)

Es ist einfach nur noch schaurig. Die Anatomie des Krieges (3), nunmehr – in Selinskyjs gestriger (16.3.) Ansprache vor dem US-Kongress – nicht nur die Sprache der Helden, (2)

sondern entsetzlicherweise auch ihre — “Musik”:

Nämlich der pure Kitsch. Der unter diese grauenvollen Bilder gelegt ist. Soll er sie uns erträglich machen und denen o h n e ein feines Gehör angenehm sogar?
Vor dem gesamten Kongreß.

Es ist ein brutalster Schlag ins Gesicht → solcher Trauer:

]

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[Wir müssen uns nur die Bild-/Tonmonteure vorstellen,

die im Studio diese Aufnahmen mit einem solchen Kitsch
unterlegen. Und schon “verstehen” wir den Krieg: nämlich
auch als → Kulturindustrie, die dem Markt selbst das Ent-
setzen
aufzuschlotzen gibt und hier der Kriegsrhetorik dient.]

Daß kein Trost ist: Ein einziger Aufschrei gegen den Krieg. Verdis Requiem in der radikalen Interpretation der Berliner Philharmoniker unter Daniel Barenboim.

[Jetzt auch bei → Faustkultur.
16. 3. 2022, ANH]

 

“Susanne Bernhard kann das, von dem ich
bis
zu diesem Moment behauptet habe,
da
ß nur
die Callas es konnte.“
Peter H. E. Gogolin

                                   Ob die Absage der russischen Sängerin Jelena Stikhinas tatsächlich – wie René Papes – einer Erkrankung geschuldet ist oder ob auch hier netrebkoähnliche Gründe vorliegen, läßt sich nicht sagen; doch sagen läßt sich, es war kein Verlust, sondern wahrscheinlich, und zwar ein fast nicht ermeßbarer, Gewinn – und dies, obwohl Frau Bernhard so kurzfristig „eingesprungen“ sein muß, daß die Ankündigung der Digitalen Konzerthalle der Berliner Philharmoniker nicht einmal – und tags drauf, heute, ebensowenig – ihren Namen nannte, in der ich gestern abend das Konzert live an einem meiner großen Bildschirme sah und den Klang über ProAcs Wunderwerke hörte. Worüber ich im nachhinein froh, ja dankbar war. Denn so blieb mir, der nach dem Schluß des Stückes weinte, der jubelnde Applaus erspart. Bereits Leonard Bernstein hat klargestellt, wie unschicklich es ist, nach einem Requiem zu klatschen, und Currentzis, vor kurzem, hielt es selbstverständlich ebenso. So, wie man sich als Musiker, nach einer solchen Leistung, auch nicht verbeugt. Es wäre des beklagten Verlustes Jubel entgegenzunehmen. Denn was uns hier zu hören ward, war eine extremste Trauer, aus der gar nichts mehr hilft. Nebenan fallen die Bomben auf Krankenhäuser, Wohngebäude, Kindergärten. Und das Libera me, hier, wurde zu einer Anklage, deren Urteil noch lange Zeit nicht, wenn überhaupt, gesprochen werden wird, ja Barenboims und des Orchesters, des Chores vor allem | sowie der Sängerinnen und Sänger Interpretation war derart radikal, wie ich es bei ihm nur ein einziges Mal schon erlebt, als er nämlich Mahlers Siebte eines Komponisten, den er eignen Äußerungen nach nicht besonders schätzt – auf derart teils brutale Weise vortragen ließ, daß, was diese Musik tatsächlich ist, sich zu einem Klang hinauffeuerte, der sich nur noch durch Häuserwände brechender Lava vergleichen läßt. Das hatt’ ich so noch nie gehört. So daß selbst hohe, ich schreibe einmal euphemistisch, „Ambivalenz“ mitten hinein in die zerrissene Kunst führen kann.

Nun ist Verdis Requiem ohnedies der Sonderfall eines ohne Trost; was uns bleibt, ist – im Gegensatz zu, so in seiner liebevollen Einführung, Simon Halsey, Brahms’ „menschlichem“ Deutschen Requiem nicht mehr als wehe Hoffnung. Im fast nur Deklamato geht es zuende, die Musik wird stiller, stiller: Selbst der zitternde Zweifel, morendo, erstirbt. Und das, während in der Ukraine das Ensetzen wütet und auch uns schon die Apokalypse drohende, blutrot glühende Schatten nicht nur an den Horizont wirft. Das hat Barenboim im Herzen, in den Fingerspitzen, schlimmer, weh! noch, in den Ohren. Und schaltet nun, bei diesem Requiem, mit selber Radikalität, die sowohl die Notschreie Schreie wirklich werden lassen wie, besonders bei Tareq Nazmi, ein Unglück, das uns stetig stiller macht, bis wir ganz erschweigen. Seine Sangeskunst ist von erschütternder Menschlichkeit, drängt sich niemals vor. Dazu hat der Mensch nicht länger mehr die Kraft. Eine ähnliche, stimmlich enorm gestaltete Hilflosigkeit angesichts des Unheils, entstrahlte Marina Prudenskajas (er)tragendem Mezzo. Bleibt noch, und muß auch genannt sein, Michael Spyres’ eben nicht heldischer (Bariton)Tenor; von den jetzt wieder überall genannten „Helden“ haben wir Menschen mehr als gestrichen die Schnauze voll. Auch Selenskyj sollte von solchen nicht sprechen, wenn er die in Notwehr kämpfenden Ukrainerinnen und Ukrainer meint. Es sind keine Helden; dieses Typos’ sich immer selbst überhebende Dummheit ist bei ihnen nicht. Sie wollen nicht Ruhm, sondern in Frieden ihrer Wege gehen. Darum muß es Миру Українi! heißen, „Der Ukraine Frieden!“

Um den sie alle baten, herzerschnürend auch der Chor. Vor allem aber Susanne Bernhard, deren Ausdruck geradezu unfaßbar von erniedrigtem Erliegen bis zu wildem Aufruhr reichte, und all das in stimmlich makelloser Schönheit. So auch ihr Gesicht, bisweilen das einer Furie in tiefer, aus Verlust, Depression.

Und dann das Libera me am Ende, wie sie in die Deklamation übergeht, im Zweifel verhauchend, ob sie auch erhört werd’. Und weiß, sie wird’s wahrscheinlich nicht, und wir nicht werden es wie sie.

Nie habe ich solch ausweglose Musik gehört, oder selten. Ja, selbstverständlich hat das mit unser aller, besonders aber der Ukraine aussichtsloser Situation zu tun, einer, die nicht mehr so tut, als ob, sondern ist. Allsekündlich, allminütig, Tag um elenden, entsetzten Tag. Barenboim scheut sich nicht, es zu zeigen. Und steht da beinah reduziert, jeder Einsatz mehr mit den Augen gegeben, als daß er überhaupt einen Finger rührt. Der Taktstock, meistens, ruht in der Luft. Der alte Klemperer, vom Rollstuhl aus, hat so dirigiert. Für jetzt, im Alter, Jugend noch ward es in der Welt zu spät. Eine kurze Geste, alles schweigt, aufeinanderfolgende Cliffhanger quasi, deren Permanenz das ganze Stück fast unerträglich macht – doch unerträglich, in seiner ganzen Hoffnungslosigkeit, eben a u c h | s o, im Wortsinn, furchtbar schön. Die dumpfen, krachend dumpfen Pauken, das falsche Hoffnungslocken der Trompetenfanfaren, in Flöten und Fagott spielen noch am Straßenrande Kinder. Wie lang, wie lang, wie lange noch? Und wie furchtbar unausweichlich böse, daß der angerufne HErr, der da

dum veneris judicare saeculum per ignem
Tremens factus sum ego, et timeo

                                                                                                                       kommt, um das Feuer über die Menschen der Ukraine zu bringen und möglicherweise die Menschheit bald ganz, hier Putin, der Diktator, ist. — Nein, es war diese Aufführung nicht blasphemisch, sondern sie hat GOttvater vor den Gerichtshof Den Haags gestellt, und den Sohn. Anklägerin war die Stimme der Bernhard, beauftragt vom ganzen Volke des Chors, Nebenkläger Nazmis bereits der Bitterkeit erlegner Sang, dem Spyres’ sanfter, geradezu englischer Tenor ein bißchen doch noch Hoffnung geben mag. Die mit im Schweigen vergeht.

Und da Applaus?

„Da aber Ahab [ihn] hörete, zerriß er seine Kleider und legte einen Sack an seinen Leib und fastete und schlief im Sack und ging jämmerlich einher.“
(1 Könige 21,27)

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ANH, Berlin
13. März 2022

 

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