Rothes Korruptionslieder’lchen.

 

Dschungelblätter No 1 Jg I,
Ventôse 1985

 

Frau Roth hat ein Gedicht geschrieben. Es stand in der FAZ, heißt “Durchatmen” und sollte wahrscheinlich, weil die Autorin kurzatmig ist, “Durchhalten” heißen. Sei’s nun, es habe Polyhymnius den eigentlichen Titel vergessen oder der Setzer ihn verdrängt — hier werde der Text ein zweites Mal kund:

Selten nur noch
aber dann eben doch

reimen die inmittelbaren Dichter(inn) wieder und holen tief

Atem hole ich wieder Atem

was an sich zu bedauern ist, nämlich zweifach

schminke mir
weiß der Himmel wofür

vielleicht für den Reim?

auf die Lippen

die Zeilen

ein Lächeln

nämlich den Reim auf den Stab (sic!)

und öffne wieder die Tür

schlage das Feuilleton auf:

Man

der Rezensent oder wer?

tanzt da

wo?

lacht und taumelt
leicht

sogar so

so leicht
über die Erde

Es ist eben alles unheimlich leicht, vor allem das Dichten

Ich werde

nun: was? weiß sie’s denn?

selten nur noch

das wäre schön

aber dann eben

eben?

doch

schade

mitgeschoben, eingewoben

Sie meint ihre Karriere seit Klagenfurt 1983

hergezogen und hin

Das hat sie wirklich geschrieben!

bis ich jetzt

(jetzt kommt‘s!):

nicht mehr weiß
wo ich bin

No more comment.

Erich Fried. (Die schlechtesten Gedichte § 3.)





DAS LÜRISCHE GESAMTWERK





Zum Beipiel:
Du bist mein einziges Schnülp
Du bist mein Holp und mein Hülp.

Dazu 1987 der festbestallte Literaturverweser Gert Ueding:
Erich Frieds Gedichte lehren uns, daß (…) die Poesie das reguläre Medium des irregulären Lebenssinns und Liebe seine schönste Probe auf ihr verführerisches Exempel bleiben wird.”

Und Friederike Roth. § 2: Das ungelenke Aua.

Selten nur noch
aber dann eben doch
Atem hole ich wieder Atem
schminke mir
weiß der Himmel
wofür
auf die Lippen
ein Lächeln
und öffne wieder die Tür
Man tanzt da
lacht und taumelt
leicht so leicht
über die Erde
Ich werde
selten nur noch
aber dann eben doch
mitgeschoben, eingewoben
hergezogen und hin
bis ich jetzt
nicht mehr weiß
wo ich bin.

[Anthologie Die Schlechtesten Gedichte.]

(“hergezogen und hin”: 1985 hoch g e f e i e r t in der FAZ.)

Dieser unfaßbare Kitsch. § 1: Rosenstolz.

Vor dir der Berg
Du glaubst du schaffst es nicht
Doch dreh´ dich um und sieh´
wie weit du bist
Im Tal der Tränen liegt auch Gold
Komm lass es zu
dass du es holst

Wenn du jetzt aufgibst
wirst du´s nie verstehn
Du bist zu weit um umzudrehen
Wenn es auch weh tut
so wird es doch gescheh´n
Die dunkle Nacht wird mal vergeh´n

Aus der Anthologie DIE SCHLECHTESTEN GEDICHTE.

(Die sich kräuselnde Zunge. Belag auf der Seele. Ein Abscheu, der aus der Tiefe des Stilgefühls aufsteigt. Und Ekel vor so viel billiger Schlichtheit, die einen Ekel vor den Menschen nährt.)

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