Ukraine-Dialoge VI: Bersarin/ANH (1). Darin unter anderem auch zu, auf ukrainischer Seite, rassistisch-nationalistischen “Kämpfern” mit Deckung der Regierung.

[Nachgetragen, da → anderes vordringlich wurde.
Siehe auch → in Aisthesis heute.[1]Bersarin spiele mit dem Gedanken, die NATO massiv eingreifen zu lassen, aber ohne Hoheitskennzeichnung der Kombattanten. Der verlinkte Text ist meine Entgegnung.
ANH, 4. März]

Sonntag, 27. 2. 2022 | 1.43 Uhr

Bersarin
Auch das ist eine Möglichkeit: Partisanenwiderstand aus ganz Europa:

Sonntag, 27. 2. 2022 | 6.52 Uhr

ANH
In ganz Europa, denke ich, nicht. A u s ganz Europa aber vielleicht und in der Ukraine ziemlich gewiß. Vorausgesetzt, es kommt nicht wirklich zum europäischen Flächenkrieg. Sollte Finnland jetzt in die NATO gehen oder sollte es sogar die Ukraine[2]Anträge haben  jetzt auch Georgien und Moldawien gestellt; saugefährlich in der jetzigen Situation. ANH 4.3.22 tun, hätten wir ja den Bündnisfall. Dann wird man nirgendwo von einem Guerillakrieg mehr sprechen können, da ohnedies erst einmal die Bombengeschwader ausrücken würden. Die ersten drei Ziele: Berlin, London, Paris. (Ein Europa der Regionen wäre weniger schnell verwundbar.)

Bersarin
Ich denke, daß zumindest die Ukraine nicht in die NATO kommen wird, weil die NATO nach ihren Statuten keine Länder aufnimmt, die in aktuelle Konflikte verwickelt sind – so meine ich gelesen zu haben. Aber es könnte mit diesem Krieg gegen die Ukraine immerhin ein Zeichen gesetzt werden, daß solche Annektionen eines Landes mit einer demokratisch gewählten Regierung und eines Landes, das souverän ist nicht durchgeht.

ANH
Es ist denkbar, die Statuten zu ändern, wäre aber in diesem Fall nicht klug, weil wir dann sofort a l l e im Krieg wären – und was für einem, haben → Sie ja selbst geschrieben. Problematischer, weil sehr schnell konkret, könnte es im “Falle” Finnlands sein. Daß, solange die Nato sich nicht militärisch rührt, also gegen Rußland, auch das Baltikum derzeit in Gefahr ist, glaube ich nicht; doch ist dies in der Tat ein Glauben. – Seltsam, übrigens, daß ich bei “russischer Föderation” immer automatisch an die “Föderation der Vereinten Planeten” denken muß, Raumschiff Enterprise. Diese Föderation hat sich Frieden und Kooperation ja auf die Fahnen geschrieben. Welch ein Kontrast zu Rußland – und eben nicht nur jetzt erst. Wobei friedliche Koexistenz auch bei der Planetenföderation tatsächlich ja nie richtig geklappt hat.

Montag, 28. 2. 2022 | 11.23 Uhr

ANH
Lieber Bersarin, ich würde gerne auch mit unseren Ukraine-Dialogen machen, was ich vorhin >>>> mit Kaleb Utechts gemacht habe.Wären Sie einverstanden? Die Links würde ich dann aber nicht auf Facebook, sondern auf Ihre eigene Site legen.

Bersarin
Lieber Herr Herbst, sehr gerne. Und ich würde auch, sofern Sie gestatten und diese Form ausführen wollen, meine Antwort nochmal überarbeiten. Es sei denn, es soll so wie es ist, publiziert werden. Aber auf alle Fälle können Sie es wie Sie mögen publizieren-

ANH
Nein nein, wenn Sie überarbeiten mögen, tun Sie das. Denm Text würde ich eh erst morgen einstellen, für heute ist der jetzige und am Abend ein weiterrr Dialog vorgesehen, der auch schon für Die Dschungel formatiert ist. – Haben Sie in dem Utecht-Dialog (Dschungel, nur dort) meine letzte Bemerkung gelwesen? Das mit dem → Regiment Asow ist in der Tat furchtbar – weil es Putins “Entnazifizierung” rechtfertigt, auch wenn es “nur” um eine rassistische Mördertruppe von 2500 Mann geht. Doch sie “handelt” in ukrainischem Auftrag. Ich habe es in Der Dschungel verlinkt.

Bersarin
Ich habe es bereits gesehen. Nennen muß man es in der Presse, weil es ansonsten wieder zur Kritik kommt, es werden Dinge verschwiegen. Allerdings sollen meines Wissens auch auf der russischen Seite im Donbas neonazistische Organisationen mitmischen. Andererseits denke ich eben auch, daß die Ukraine sich in einer solchen Lage nicht die Position eines Rechtsstaates wie in Deutschland (mit all seinen Tücken freilich ebenfalls) wird leisten können. Vor allem da, wo jeder Mann, jede Frau gebraucht wird. Was freilich nicht rechtfertigt, → mit Nazis zu kollaborieren.[3]Auch als PDF: Rechtsextremismus_ Polizei in Deutschland warnt Rechtsextremene vor Ausreise _ ZEIT ONLINE

ANH
Ja, es ist heikel, sehr heikel. Und ich denke mal. daß die Presse diesen Trupp aus ähnichem Grund verschweigt, wie sie sich Ewigkeiten zu schreiben gesperrt hat, daß hinter manchen Übergiffen auf Frauen muslimische Flüchtlinge steckten. Es geht nicht um Wahrheiten, sondern darum, die öffentliche Meinung manipulativ zu lenken, weil man z.B. kein weiteres Erstarken der AfD will. Was ich verstehen kann, aber als Rechtfertigung nicht akzeptiere.

Bersarin
Sehe ich ganz genau so. Gerade auch im Blick auf Übergriffe. Aber ich denke, daß das ein großer Fehler ist und den Leuten am Ende auf die Füße fällt. Denn Probleme, die man nicht benennt, verschwinden ja nicht, sondern sie brödeln unterschwellig. Bis es aufbricht und das fliegt einem dann meist um die Ohren

ANH
Eben. Dieselbe Dynamik, wie sie in Freuds Konzepz der Verdrängung wirkt. Das Unheil kommt an komplett unerwarteter Stelle wieder hervor – aber so, daß man in aller Regel es gar nicht mehr auf die Ursache zurückführen kann, es sei denn durch die Psychoanalyse.

Bersarin
Das ist eine gute Parallele. Das Manifestwerden des Latenten, der Einbruch des Verdrängten in die Realität und Wirklichkeit unserer Lebensverhältnisse – sei das gesellschaftlich oder im Individuum.

***

[Siehe auch → in Aisthesis heute.]

 

References

References
1 Bersarin spiele mit dem Gedanken, die NATO massiv eingreifen zu lassen, aber ohne Hoheitskennzeichnung der Kombattanten. Der verlinkte Text ist meine Entgegnung.
2 Anträge haben  jetzt auch Georgien und Moldawien gestellt; saugefährlich in der jetzigen Situation. ANH 4.3.22
3 Auch als PDF: Rechtsextremismus_ Polizei in Deutschland warnt Rechtsextremene vor Ausreise _ ZEIT ONLINE

“Wir kommen da mit sauberen Händen nicht mehr heraus”: Deutschlands zweite – der Bundesrepublik – quasi Wiederbewaffnung, nun atomar? Im Nichtarbeitenkönnenjournal des Sonntags, den 27. Februar 2022.

[Arbeitswohnung, 15.40 Uhr]

Ans Arbeiten ist nicht zu denken; statt dessen von → Scholzens Regierungserklärung an die Parlamentsdebatte verfolgt – wobei es schon  erbärmlich ist, daß die technische Ausstattung des Reichstagsgebäudes nicht nur keine störungsfreie live-Übertragung zuläßt, sondern die Störungen sich in permanenten Wiederholungen des bereits Gesagten und Gezeigten manifestieren, manchmal so, daß jemand denken könnte, hier werde mit Absicht geschnitten, und zwar durchaus nach rhetorischen Maximen. Außerdem erschrak ich, weil ich ausgerechnet Alice Weigel, einer, wenn nicht der AfD-Frau, in einem Punkt zustimmen mußte, was nämlich die Mitschuld des Westens, namentlich der NATO, an der Ukraine-Katastrophe anbelangt, ein Thema, um das sonst fast alle einen Riesenbogen des Nichthinsehens schlugen. Wobei die Frage nach eigener Schuld im Augenblick ziemlich unwichtig ist. Es mag Mitschuld sein, aber nicht ein Verbrechen, wie es diese russische Invasion ist. Putin hat sogar die Atomstreitkäfte in Bereitschaft versetzt – las ich im → Newsblog der ZEIT, der in meinem Arbeitscockpit dauerhaft auf dem linken großen Screen mitläuft. — Nein, an meine Arbeit ist nicht zu denken. Oder zu denken s c h o n, aber sie kommt mir müßig, ja objektiv ohne jedes Interesse vor, das jemand noch, selbst ich, an Laupeyßers Schicksal haben könnte. Es ist wohlfeil. Mein Roman ist zur Zeit komplett überflüssig, ein lächerlicher Luxus sichselbstfindender Sentimentalität.
Kurz auch überlegt, an der großen → Demonstration teilzunehmen, es aber schnell wieder verworfen und die Parlamentsdebatte gewählt. Ich brauche meine eigenen Gedanken, die ich nicht in skandierten, gar mitskandierten Massenchören untergehen lassen will, zumal mit ihnen, anders als in Rußland, für die Teilnehmer nicht der Pups einer Gefahr verbunden ist. Gut, es mag ein Zeichen der Solidarität für die Ukraine sein, aber mich wohlfühlen, weil ich mit so vielen “auf der richtigen Seite” stehe, ist etwas, das ich ablehne. Für mich, bitte nicht mißverstehen; anderen Menschen ist, zu einer Gruppe zu gehören, die auch das Überich beruhigt, ganz sicher wesentlich. Für mich war es das nie und wird es auch nicht werden. Wär es indessen gefährlich, grad für jede und jeden persönlich, hätte ich mich anders entschieden und wäre gegangen. Vermute ich, weiß es aber nicht. Doch war, mich meiner Angst zu beugen, noch niemals meine Stärke. Egal.
Also Weidel. Furchtbares Erlebnis für mich. Die anderen Beiträger der AfD waren voraussagbar entsetzlich, da war ich wieder (etwas) beruhigt. Imponiert allerdings hat mir, als einzige Rede, Robert Habecks Ansprache (anklicken, dann können Sie sie hier anschauen):

S e h r imponiert, nicht nur, weil ich ihm so zustimme, sondern weil das Video zeigt, wie jemand gegen seine tiefste Überzeugung sie relativieren und ideologisch sogar umschwenken muß. Ich habe vor so etwas höchste Achtung. Sein Satz “Wir kommen aus dieser Sache mit sauberen Händen nicht mehr heraus” wird Geschichte werden, ist es schon. W i e schmutzig sie werden könnten, zeigten einige Beiträge zur, inklusive wahrscheinlicher  Wiedereinführung der Wehrpflicht, beschlossenen Aufrüstung der Bundeswehr (mit einem Fonds von 100 Mrd. €) … zeigten einige Beiträge, die mehr oder minder verdeckt auch mit atomarer Bewaffnung flirteten. Ich weiß, das Wort, “flirten”, ist unangemessen, sogar stillos, aber ich kann mein Erschrecken nur euphemistisch ertragen. Schlimm indessen war auch → Merz, um von Dobrindt, den ich deshalb nicht verlinke, am besten zu schweigen (Weidel verlinke ich trotz meiner teilweisen Zustimmung erst recht nicht. Der heutige Kotau der AfD vor einem Massen- und Völkermörder ist schlichtweg widerlich. Bei Markus Söder, den ich genauso wenig mag, wär Weidel besser aufgehoben und diente ihrer Wählerschaft mehr, als daß sie sie Observationsobjekte des Bundesverfassungsschutzes werden läßt.)

Wozu also momentan Dichtung? Meine Zweifel, Freundin, sind riesig. Die russische Armee kommt nur schleppend voran, die Ukrainer schlagen sie immer wieder, einstweilen, zurück. Aber eben “noch”. Deutschland unternimmt eine historische Kehre und liefert dem bedrohten Volk nun doch deutsche Waffen.
Ein Dammbruch nach dem anderen. Lindner, dessen Rede mäßig war, eher noch bürokratisch, bricht mit seinem versprochenen Sparkurs – eben für die Aufrüstung. Er kriegte den Stock nicht aus dem Arsch, der, jener, bis in den Hals hinaufstak. Und den hab ich gewählt! – Dagegen, in ihrer Leidenschaft sowohl an- wie berührend und beklemmend, Britta Haßelmann:

“Kiew ist von Berlin so weit entfernt wie Rom.” Dringlicher läßt es sich nicht sagen. → Parallalie lebt in Amelia knapp neunzig Kilometer nördlich. Ich spüre zunehmend deutlich den Abgesang, der → die Béartgedichte sind, am Ende einer Ära. Doch das, was melancholisch war, ist nun angstbesetzt, und voll wutpraller  Trauer. Es will sich die Utopie nicht erheben, die russischen Soldaten desertierten (eine Idee, auf die mein Arco-Verleger kam), alle, gemeinsam; sie bleibt am Boden, diese Utopie, und zittert da vor Lebensnot. So verschaffen sich die Körper doch wenigstens Wärme. Ihre russischen Mütter, die Väter daheim haben dieselbe Angst wie die ukrainischen. Und je deren Brüder, Schwestern, Freundinnen und Freunde. (Indem ich hier tippe, verlier ich ein bißchen meine Unruhe, die auch daher rührt, daß ich so vieles, in → Anderswelt, vor allem in Thetis, vorhersah. Unter anderen Vorzeichen freilich.)

 

[Unterbrechung: Videotelefonat mit der Löwin]

 

Alles in mir dreht sich um die Ukraine und letztlich um Europa, das ich derart liebe, und nun den grundsätzlichen Paradigmenwechsel nicht nur der deutschen Politik, sondern auch unseres deutschpolitischen Selbstverständnisses nach dem Zweiten Weltkrieg und deutscher Verantwortung: was sie bedeute. “Nie wieder Krieg!” – dieses auch für mich unbedingte Manifest, das lebenslanges Bekenntnis war, wurde auch in der heutigen Parlamentsdebatte zu einer lächerlichen Maxime, die zu verhöhnen direkt zu spüren war, wie manche Redner es genossen. Fast spür ich sie, nur entsetzt, ganz genauso. Nicht die Spur billig Selbstbestätigtseins in mir – anders als in einigen Reden namentlich aus den Reihen der “christlichen” Parteien. Sondern ich empfinde, was soeben geschieht, als einschneidender, ja gar nicht damit auch nur vergleichbar,  als damals den → Nachrüstungsbeschluß, der Anlaß eines der wenigen Male war, daß ich an Demonstrationen teilnahm (und prompt verhaftet wurde). Damals habe ich noch gedacht, unsere Proteste würden etwas bewirken. Unterm Strich habe ich gelernt, daß gewaltfreie Demonstrationen zu gar nichts führen und solche mit Gewalt oft das Gegenteil dessen bewirken, was sie erreichen wollen. Die meisten Demonstrationen waren, nach meinem Erleben, Selbstfindungs und -bestätigungsakte. Auch deshalb ging ich heute nicht hin. In Rußland ist das anders; dort wird eigenes plötzlich-Verschwinden riskiert. Es ist das Gegenteil jeglichen Wohlfeilseins. Wobei wir, in einem noch derart gläubigen Land, die russisch-orthodoxe Kirche hinzudenken müssen, der, wer an der Macht ist, für von Gott dort hingesetzt gilt. (Deswegen das ukrainische → Schisma). In Rußland ist ziviler Ungehorsam auch innerhalb der eigenen Familien- und anderen Sozialgebilde stets  blasphemisch Tabubruch. Hier hat man Joints danach geraucht, tut es vielleicht jetzt noch.

  • Nichts, übrigens, gegen Joints. → Liligeia hat mich gelehrt, für THC recht dankbar zu sein, zumal es jetzt bei mir auch wirkt. Was jahrzehntelang nicht so war. Weshalb die Veränderung, darüber hat klug mein Sohn mich in Kenntnis gesetzt.

(Eigentlich eine Idee grad, im Döschen ist noch a bisserl. Doch nein, ich schieße mich jetzt nicht weg. Zumal ich grad gerne in der letzten Vorstellung von → Janáčeks Makropulos säße; da es mein drittes Mal wäre, hab ich nicht gefragt.

Musik ist Erlösung auf Zeit.)

Die Putin-Riege droht mit Atomwaffen, Jen Psaki kontert, dreiundzwanzig Minuten ist’s her: “Wir haben die Fähigkeit, uns zu verteidigen.” Laut dem Bericht der ZEIT (in deren Übersetzung).
Der Schrecken wird Kalkül. In Deutschland ebenso – nicht dem vor ’45.

 

Letzte Nachricht, bevor ich dies hier erstmal beschließe: Auch Schweden liefert nun Waffen. Auch dort ist es ein Dammbruch. (Ein Problem dabei, wenn geschieht, was ich befürchtend → schon formulierte: Unterliegt die Ukraine dem Völkerrechtsverstoß, wie ich’s für wahrscheinlich halte (und wäre dankbar, sehr, würd ich eines dann wirklich Besseren belehrt), geht alles Material ins Eigentum des putinrussischen Großmachtstrebens über – daß dann ein “Streben” nicht mehr ist.)

ANH

[19.06 Uhr]

Zur “wokeness”: Simon M. Ingold in der NZZ. “Moralisches” Diktat der Anonymen. Mit einem Kommentar zur “neuen” Rechten.

 

 

Die geballte anonyme Mehrheit, angeführt von Influencern und der Twitterati-Klasse, hat das erste und letzte Wort und verschiebt laufend den Rahmen dessen, was in ihre binäre Weltsicht passt. Wer es wagt, dem moralischen Konsens zu widersprechen, wird zum Paria erklärt. Die etablierten Medien tragen diesen Zustand im Wesentlichen mit, indem sie die Denkschablonen übernehmen. In diesem verhärteten Umfeld, das keine Zwischentöne und keine Ironie kennt, regiert die Willkür.
→ dort.

Allerdings steht zu fürchten, daß die wohlgemeinte Aufforderung zu Umsicht, klarem Argumentatieren, Unaufgeregtheit usw. den nachvollziehbaren Wunsch einer Wendung zur Vernunft verfehlt — wie immer dann, wenn Ideologien und “Meinungen” als verbindliche durchgesetzt werden sollen und für dieses Ziel Denunziation, üble Nachrede, Sprechverbote verhängt und Andersdenkende – besonders Andersfühlende – bis zur Existenzgefährdung ausgegrenzt werden, wobei es gleichgültig ist, ob von “Betroffenen”, objektiv Geschädigten und/oder sich selbst als moralisch unantastbar gebenden scheinbaren Autoritäten, zumal in der Deckung tatsächlicher oder ebenfalls scheinbarer “Mehrheiten”. Die vorgeblich demokratische Meinungsdiktatur der vermeintlich Vielen, ist, was der Begriff bezeichnet: Diktatur, wenn auch bislang bloß der Meinung (mit allerdings deutlichen Folgen im alltäglichen Leben). Daß die “AfD” und die Rechte europaweit sich gegen Meinungsdiktatur → auf Toleranz berufen, spricht nicht dagegen, sondern zeigt vielmehr, wie stark in großen Teilen der Bevölkerung ein Unbehagen um sich gegriffen hat (mitbewirkt auch von ökonomischen Sorgen, teils objektiven Nöten), das diese “Parteien” so mächtig überhaupt erst werden ließ, wie sie es – erschreckenderweise kaum noch erschreckenderweise – unterdessen sind. Die Linke und andere der Aufklärung und den Menschenrechten verpflichtete politische Richtungen höhlen sich → wieder einmal selbst aus und spielen den autoritären, in ihrer Zielrichtung nichtdemokratischen, sogar unmenschlichen Gegnern in die Hand, indem sie nun selbst unmenschlich werden. Denn wo zugehört werden müßte, wird desavouiert.

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