Das Arbeitsjournal des Freitags, den 21. Januar 2022, darinnen mein alter Führerschein.

[Arbeitswohnung, 7.04 Uhr
Erster Latte macchiato[1]Seit ich mir angewöhnt habe, mir morgens einen Orangensaft zu pressen, bleibt es meistens bei einem; allerdings kommt gegen acht ein caffè freddo hinzu.]

Seit 5.30 Uhr auf, weil bereits kurz nach halb elf erschöpft ins Bett – eine Folge auch zu vielen Weines, was wiederum, insgesamt, Folge, denk ich, Coronas. Tatsächlich aber bleibt die Überarbeitung der Verwirrung des Gemüths – ja, der eigentlich vorgesehene Titel, “Gemüt” mit “th”, der damals nicht durchzubringen war, findet in der Neuausgabe sein Recht; bei der vorgesehenen Neuausgabe des Dolfinger-Romans wird es hoffentlich genauso sein; der heißt dann endlich, wie ich’s damals (1980) wollte: Die Erschießung des Ministers – … also diese Überarbeitung bleibt mühsam. Zähe verstreichen die Sätze, wie wenn sie stehende Zeit wären, die ich verflüssigen muß. Dann schaffe ich täglich vielleicht, wenn es gutgeht, zehn Seiten. Immerhin die Ergebnisse, am nächsten Morgen überprüft, machen mich teils sogar glücklich. Es lohnt sich also. Wobei meine Arbeit gestern angenehm vom Besuch → Sabine Schos unterbrochen wurde, die mir, nachdem ich am Montag bei ihrem → Abend zu Brahms Magelone dabeigewesen war und mitgeschnitten hatte, als sozusagen Dank → das Boxerbuch vorbeibrachte, das ihre Arbeit in der und für die Villa Massimo war. So plauderten wir und gingen endlich, es schien himmlisch die Sonne, spazieren (heute früh liegt auf den Dächern meines zweiten Hinterhausgebäudekomplexes Schnee). Ich zeigte ihr den von den Anwohnern des Thälmannparks unterhaltenen → Kiezteich, den nicht nur Enten und Fische bevölkern, sondern auch Wasserschildkröten, von denen indes bei der Kälte keine sich sehen ließ.
Ich spaziere gerne hierhin und schaue da erfüllend analog dem Wechsel der Jahreszeiten zu, der sich am Teich berührend noch beobachten läßt. Soweit der Klimawechsel mitspielt.
Danach an die Verwirrung erneut.

An dem Boxerbuch, nicht-nebenbei bemerkt, hat Freund Parallalie mitgearbeitet, Schos Dichtungen nämlich ins Italienische gebracht:

Unter seinem Klarnamen aber, Helmut Schulze, der sich auch so nur → besuchen ließ und läßt.

Gehört und gesehen habe ich freilich auch, dies am Dienstagabend, → Currentzis´ neuen (neues?) → Lab, das das Andante aus Brahms’ Klavierkonzert Nr. 2 in interpretierende Szene gesetzt hat. Über diesen Dirigenten stehe ich seit langem mit einem höchst klugen und kenntnisreichen Mann, fjk, in Korrespondenz, der mich überhaupt erst auf ihn, also jenen, hat aufmerksam gemacht und mich über die Dropbox ständig mit wichtigen, mir noch unbekannten Aufnahmen versorgt. Hier allerdings schrieb ich ihm heute früh:

Guten Morgen, haben Sie Dank.
Allerdings habe ich mir die ganze Probe direkt schon live angeschaut – was ein Erlebnis war, wie zu erwarten, wobei es Momente gab, in denen Currentzis denn doch ein bißchen den Kitsch gestreift hat (“we’ll dream together”), auf dem er auch beharrte – freilich mit berückendem Ergebnis. (Es wäre k e i n Kitsch gewesen, wäre die Probe nicht öffentlich gewesen; so lehre ich’s meine Studentinnen und Studenten, hier scharf unterscheiden zu müssen: Gemeinsam einen Sonnenuntergang zu sehen, einander zu versichern, wie schön er sei und vielleicht dabei noch zu seufzen, ist nicht Kitsch, wohl aber, dies vor Publikum zu tun – “klassisches” Beispiel: im Film.)
Ihr ANH
Für das Arbeitsjournal und also, Freundin, Sie, ist, daß ich die paar Zeilen hier einkopiere, insofern keine Privatübertretung, als es um eine poetologische Einlassung geht, die mir Definition ist. In solchem, poetologischem, Zusammenhang hat es mich denn auch gefreut, → d a r u n t e r heute bei FB den nun dort hinkopierten sehr zustimmenden Kommentar gelesen – jetzt kommt eine irre Formulierung: gedurft zu haben. (Lacht).
Dergleichen tut mir ebenso wohl, wie nach und nach die fast nun schon Flut literarwissenschaftlicher Schriften über meine Arbeit im Netz zu entdecken, siehe meinen kleinen (unbeantworteten) Brief → an Frau Fassio. Geantwortet aber hat André Steiner, den Buenos Aires.Anderswelt sogar zu einer ganzen Literaturtheorie inspiriert hat, die letztes Jahr bei transcript erschien:

Bestellen

Er hat mich eingeladen, am kommenden Dienstag mittags an einer online-Seminarsitzung der Uni Bremen, an der er lehrt, teilzunehmen, weil deren Inhalt Buenos Aires.Anderswelt eben sein wird.

Es entspricht meinen poetischen Anliegen, daß die “alten” Bücher mit den neuen sowie Der Dschungel in einem stehenden Zeitkontinuum leben, und genauso (ich werde danach immer wieder gefragt) meiner Neigung, diese Arbeiten, auch wenn längst veröffentlicht, so lange weiter-, teils auch sie umzuschreiben, zumindest ihre Stilistiken zu korrigieren oder überhaupt einem Text den Stil zu geben, wo zuvor eben “Text” nur war und vielleicht sein nur konnte. Auch deshalb an alles letzte Schliffe legen (denen vielleicht aller- und allerallerletzte folgen, und so fort bis zum Versinken), weil die meisten Bücher zusammenhängen. Meere und Traumschiff sind Ausnahmen, ebenso manche, doch beileibe nicht alle, Erzählungen. Daß meine Arbeiten ein Prosa-Netzwerk sind, ist es wohl auch, was mich mit → Robert HP Platz verbindet, der immer wieder Texte von mir für seine Kompositionen verwendet, die fastquasi ‘ganz’ dasgleiche tun. Dem WDR übrigens war sein siebzigster Geburtstag (du meine Güte, auch für mich sind’s bis dahin nur noch drei Jahre!) ein Anlaß, ihm ein, sagen wir, Ehrenkonzert zu geben. Dort können Sie es noch für etwa drei Wochen hören {das Bild anklicken}:

***
So, ich sitze noch im Morgenmantel, noch liegt der Schnee auf den Dächern; fast wird er jetzt schon von der Sonne beschienen, was mir sehr guttut, dieses Erwachen der Erde in meinem Rücken aus dem Dunklen|beim|Auf-
gestandensein sich erhebend. Es wird Zeit, das Bett zu machen, dessen Decke und Kissen in meinen ersten beiden Tagesstunden bei egal welchen Temperaturen weit geöffnetem Fenster lüften. Ist es gerichtet, wird der Ofen versorgt, dann Toilette gemacht und sich gekleidet. Die Wahl der Krawatte (im Sommer, ob überhaupt eine oder ob TShirt zum, selbstverständlich, Anzug) braucht immer etwas Zeit, dazu noch des Einstecktuches. Sorgfalt ist insgesamt ein ästhetisches Kernwort, und da ich zwischen mir und der Arbeit nicht trenne, noch jemals trennte, ist, wie ich mich kleide, bedeutsam – abgesehen davon, daß “ich”, wie ich’s auf der vergangenen Buchmesse formuliert habe, “meine Eitelkeit in meine Anzüge stecke; dann bleibt sie in denen und stört nicht das Werk”. Aber das, liebe Freundin, habe ich Ihnen bereits, glaube ich, erzählt.

Ihr (darf ich Sie heute Liebste nennen?)
ANH

P.S.: Ach, ich wollte ja was zum Führerschein schreiben, sonst hätt ich ihn nicht in den Titel gesetzt.
Also.
Erst zwischen den Jahren bekam ich überhaupt mit, daß die alten Führerscheins gegen moderne Cards eingetauscht werden müssen. Was ich in Ordnung fände, würde der alte nicht eingezogen und bleibend einbehalten, wahrscheinlich sogar vernichtet werden. Das ärgert mich,weil mein grauer Lappen bezeugt, ich führ seit einundvierzig Jahren ohne Unfall. Das Problem selbst ist nun aber ein anderes, nicht nur, daß ich mir überdies eine Bescheinigung von der Ausgabestelle besorgen muß, in meinem Fall nämlich Bremens, was schriftlichen Aufwand und wasweißichnoch bedeutet, sondern erstens soll für meinen Jahrgang dieser, na gut, “Tausch” bis nicht nur sprichwörtlich vorgestern stattgefunden haben, dem 19.1, sondern ich muß dafür ins Bürgeramt, das aber gar keine Termine frei hat – auf Monate hinaus. So könnt ich mich nur in die Warteschlange des Callcenters drücken – und verlöre abermals Zeit für Verwirrung & Gemüth. Nein, weder Lust noch Nerven dazu. Werd ich mit altem Lappen erwischt, kostet es zehn Euro. Die ist die Verwirrung mir wert.

References

References
1 Seit ich mir angewöhnt habe, mir morgens einen Orangensaft zu pressen, bleibt es meistens bei einem; allerdings kommt gegen acht ein caffè freddo hinzu.

Vor Aqaba, 5: Das Krebstagebuch des fünfundneunzigsten Krebstages. Sonntag, der 2. August 2020.

[Arbeitswohnung, 78.23 Uhr
Händel, The Triumph of Truth and Time}

Es sei im Zeitlabyrinth, schrieb ich schon → dort, doch mehr Nefud, als ich ahnen sollte oder konnte. Daß sie sich aber so bemerkbar machen würde, hätte ich nicht einmal geglaubt. Und da ich nun zu kämpfen hatte, war ich des abends, wenn ich von meinen Ausflügen zurück in meine gute Bleibe kam, zu erschöpft, um nach dem Essen noch zu schreiben – zumal ich noch nie Nachtarbeiter war, sondern meine Poetik braucht das Tageslicht — auch dieses etwas, das mich von vielen Kolleginnen und Kollegen, auch den klassisch berühmten, unterscheidet. Wobei das Wort “Kollege” für Dichterinnen und Dichter etwas unangemessen Pragmatisches hat; es ist fast so, als wär von einer Art, wer in derselben Straße wohnt: Das stimmt schon nicht mal in demselben Haus. Doch dann, also wenn es dämmerte des sizilischen Morgens, wollte ich schon immer gleich hinaus, es sind doch womöglich meine letzten zwei Wochen, sind heute und morgen vielleicht die beiden letzten Tage meines Lebens. So sicher meine Lieben sich sind und auch imgrunde ich mir bin, daß ich aus Aqaba heil wieder herauskommen werde, freilich ohne noch meinen Magen, so ungewiß ist es de facto. Anders wären all die Vorbereitungen nicht nötig, die ich nah meiner Rückkehr aus Catania sofort entweder erst angehen oder beschließen mußte: etwa Verfügungen treffen für den Fall aller Fälle, vor allem auch den Zurückbleibenden, soweit es sie betrifft, sämtliche Paßworte zusammenstellen, die sich im digitalen Zeitalter für nicht nur die täglichen Abläufe (etwa Bankkonten, Kreditkarten usw.) ansammeln, sondern sie auch alle überprüfen; ebenso, beinah noch wichtiger, für meine Lektorin und die Verlage die Der Dschungel, der Computer, der Clouds. Damit hatte ich tatsächlich bis gestern, also in Berlin, zu tun. Es wirft Schatten aufs Gemüt, macht das Ende, an das man nicht glaubt, vor allem dem Romancier sehr faßbar, dessen Fähigkeit, doch auch Schicksal es ist, sich Imaginationen eben nicht nur “vorzustellen”, sondern sie im selben Moment als Realitäten zu erleben. Anders wären seine Bücher  nur Papier. — Doch. Nein. Wenn ich erwachte in dem alten großen Zimmer, dessen Wände über vier. vielleicht sogar fünf Meter zur freskenbemalten Decke hochreichten, und die ganze Nacht über hatte die Hitze darunter gestanden, als läge sie schwer auf der Haut, eine Decke aus Hitze, die mich die ganze Nacht in ihrem Schutz verbarg, — wenn da hinein nun das Dämmern zu leuchten begann, ein Licht, dessen Schatten bereits um sechs hart und scharf sind vor Kontrast, und in die Sonne läßt sich’s da schon nicht blicken, dann wollte ich stets sofort in die Gerüche, Laute, Geschmäcker Catanias hinein und vor allem “meinem” Meer so nah sein wie dem Alten, den Sie, liebe Freundin, hierneben rauchen sehen können.

 

 

 

 

Er zeigte sich mir so bei Aci Trezza, wo vor Jahrhundeten der von Odysseus geblendete Polifemo dem Listenreichen, da er floh, die Lavafelsen nachwarf. Sie ragen da noch heute aus der See, so daß wir zwischen ihnen schwimmen können. Was ich dort auch tat,

wenngleich es in den teils nun offenen Blasen schmerzte, des Mittelmeeres Salz, die meine Fußsohlen nach wie vor über- also unterzogen; immerhin desinfi|zierte es die Wunden. Dagegen fand ich weder die Muße, noch spürte ich irgendeinen, außer dem des schlechten Arbeitsgewissens, Impuls, “mein” Sizilien mit der Nefud zu amalgamieren, die durchquert ja fast nun war und von der ich mich im Zeitlabyrinth erholen sollte und wollte und dies eben auch tat. Nur daß der Arbeitsimpuls auch in Berlin nun nicht mehr zurückkam. Im Gegenteil. Dabei ist genau dieses eine geradezu → paradoxe … nein, nicht “Intervention”, aber Reaktion. Denn ich hätte allen Grund zu großer Freude und also poetischer Zuversicht gehabt. Unbedingt wollte mich mein Elfenbeinverleger sehen, und wir trafen uns → im März, wo er mir einen Umschlagentwurf übergab, der mich zugleich glücklich machte und erst einmal sprachlos

 

 

doch später führte er zu einer fies heraufkriechenden Depression, weil ich spürte, wie vergeblich auch das wieder sein würde – daß sich mein Verlag mit der schon für den November, was ich kaum glauben konnte, geplanten Neuausgabe des → Wolpertingerromans, ökonomisch schwer belasten würde, weil Betrieb und Buchhandel und also Leserinnen wie Leser das Buch ebenso weitgehend ignorieren würden, wie sie die anderen Bücher ignoriert oder, sofern sie sie überhaupt erwähnten, als Marginalien abgetan haben. Von wenigen Stimmen abgesehn, die es — ja! — → gibt, sogar deutlich und hervorgehoben, die aber nicht genug Marktstrahlkraft haben, um in der allgemeinen Wahrnehmung etwas zu verändern, oder die sogar genauso abgetan werden wie meine Arbeit, weil sie so wenig wie ich selbst in den Gemeinschaftsstall gehören und also anders riechen. Später bekam ich sogar ein schlechtes Gewissen, meinem Verleger das Projekt nicht ausgeredet zu haben. Denn für kleine Verlage kann so etwas an die Existenz gehen.
Auch Arco, übrigens, bringt eines meiner Bücher neu heraus, im kommenden Frühling, aber den sehr viel schmaleren New-York-Roman aus dem Jahr 200ß, so ist da auch dann weniger Gefahr, wenn meine Lektorin, Elvira M. Gross, und ich den Text, anders als den der Wolpertingers, noch einmal neu durcharbeiten wollen, etwas, das freilich erst nach erfolgreicher OP und meiner Wiederherstellung angegangen werden kann. – Sie sehen, Freundin, Pläne gibt es nach wie vor. Was wäre geeigneter, die Weichen fürs Überleben zu stellen? Und dennoch erwischte mich die Depression, dieses zehnmal verdammte “Wozu denn noch?” Dabei waren mein Verleger Držečnik und ich längst dabei, den ersten Umschlagentwurf zu revidieren. Mir war der erste Vorschlag zu nah an Anderswelt — zu dem der Wolpertinger allerdings auch gehört, nämlich als der Roman, der in sie hineinführt —, doch zu weit von dem entfernt, was er vor allem auch ist: ein Elfenroman. So daß der Umschlag nun so aussieht, und alle, die ihn jetzt sahen, waren davon mehr als nur angetan:

Und aber dennoch. Ich hatte die Nefudwanderung nicht mehr fortgeführt und kam auf Sizilien auch mit dem noch fehlenden letzten → Béartgedicht nicht zum Abschluß, war imgrunde komplett uninspiriert. Was daran Krebsfolge ist, oder Folge der Chemo, kann ich gar nicht sagen. Liligeia selbst verhielt sich auf Sizilien weitgehend still, aber die Füße kamen aus der enormen Schwellung nicht mehr heraus, die Blasen taten ihr eigenes, meine Bewegungslust wurde mit Kraft heruntergefahren, und auch flirten mochte ich  nicht mehr, schon der häßlichen Füße wegen, derer ich mich geradezu schämte, männlich schämte, ich bin ein ästhetisches, kein moralisches Wesen. Dennoch, Moral: Wozu denn noch die Béarts, wenn das, woraus sie leben, verboten worden ist und zum Unhold nun erst recht wird, wer es wagt, noch das Geschlecht zu besingen? die Frauen zu besingen, ohne die das Leben arm gewesen wäre, und armselig. Nun gilt schon das als Übergriff, wenn nicht gar als sexual harressment. Ich sehe die Schlagzeilen, wenn’s denn welche geben sollte und nicht wie gewohnt ignoriert werden wird, schon vor mir: Altmännergeilheit, übergriffige Lyrik, moralisch zweifelhaft usw usf. Genau daß es sich um Hymnen handelt, wird man mir zum Strick drehen. Wozu also? Warum mir das noch antun? Zweimal bereits wurden mir Literaturpreise, bzw. Förderungen versagt, weil ich immer noch an Geschlechtsunterschieden festhielte und so jemand öffentlicher Förderung nicht würdig sei. Ich hätte das Geld dringend, sehr dringend nötig gehabt. Und ich denke mir sogar, den Betrieblern wäre es nicht einmal ein nur leises Fest, nähme die Krebsin mich endgültig fort aus der Welt — doch eben dieser Gedanke war es, der mich – zusammen mit der Bemerkung Phyllis Kiehls, ihrer Beobachtung fiele ich in solche Verstimmungen jedes Mal, wenn ich aus dem Süden in den Norden habe zurückkehren müssen – … der mich aus der Depression wieder herausholte, und zwar geradezu schlagartig. Ich werde nicht zulassen, daß der Literaturbetrieb und seiner Mobberinnen und Mobber auch noch mein Leben und Sterben bestimmen – so wenig wie die moralischen, zum Kotzen eineindeutig-“sauberen” Gender-Ideologinnen und -ideologen. Im Gegenteil. Nun erst recht, dachte ich heute früh. Und wenn ich den letzten Béart-Hymnos im Krankenhaus schreibe, jedenfalls zuendeschreiben muß. Dann tue ich es halt.

Ich muß nicht erzählen wahrscheinlich, daß Liligeia meine graue Stimmung wieder genutzt hat, sich zu melden; doch mit dem Dronabinol, Cagliostros THX-Tropfen und gelegentlichen Gaben Novamin war der Schmerz recht gut in Schach zu halten. Nur vorgestern war er etwas komplizierter, weil er erst auftrat, als ich auf dem Fahrrad saß, um zum Sana-Klinikum und dem dortigen Coronatest zu fahren. Der übrigens, soeben kam der Anruf, negativ ausgefallen ist, so daß meiner morgigen Aufnahme nichts mehr im Weg steht und also auch nicht der → Großen Enteinigung übermorgen. Ich muß jetzt nur noch einen Dschungelhinweis auf Aqaba formen*), bevor ich mich unter die Messer lege.

Ihr ANH

*): Kurz hatte ich überlegt, ob ich für den Fall, daß die OP nicht gut ausgeht, einen Eintrag jenseits meines Lebens vorformuliere, aus dem Jenseits quasi, der von Lillys und meiner Vereinigung und unserer, sagen wir, Himmel-  bzw. Höllenfahrt erzählt. Aber dann überkam mich eine Art Aberglaube, der mich schließlich von diesem Vorhaben Abstand nehmen ließ. Es wäre des Blasphemischen sogar von dem Unhold, einem nämlich wie mir, zuviel gewesen. Da hätte ich meine Gegnerinnen und Gegner nun endlich einmal verstanden.

Aus der Nefud, Phase I (1): dritter Morgen. Krebstagebuch, Tag 24 – mit dem Arbeitsversuchsjournal des Freitags, den 22. Mai 2020. Allerdings eine ungeheure Entdeckung darin.

 

[Nefudlager,, 6.32 Uhr
Schubert, Streichquartett 15 G-Dur, Pražák Quartet)

Schön sieht sie aus, die Nefud, auf Arabisch geschrieben: صحراء النفود, und ich schlage vor, diese Wörter (Ṣaḥrāʾ an-Nafūd) fortan stets anstatt des profanen “Chemo”s zu sprechen. Sie haben den magischen Klang der Beschwörung und entsprechen somit den → Namen. Jedenfalls werde ich es fortan so halten, zumal diese Wüste ganz gewiß nur selten mit Musiken in Verbindung gekommen ist, wie sie sie nun kennenlernt. Gestern abend, kaum daß sich – ein nicht nur herabsausender, nein –knallender Vorhang – die Dunkelheit auf … nein!, bis  unter uns gestürzt hatte und es sofort beißend kalt geworden war, hatte ich, nachdem noch eine Decke über die Schultern meines Gewandes geworfen, mein bose-Zauberkistchen vor das Zelt gestellt und mich zu beiden (vor das eine, nebens andere) gesetzt, um meiner Entdeckung des Tags zuzuhören. Der milliardenfach gestirnte Himmel rief zur Ewigkeit. Schubert starb nur ein Jahr nach Beethoven, stellen, Geliebte, sich sich das nur vor! Und hinterließ ein Streichquartett, das quasi niemand wollte: die Nr. 15 in G-Dur und das extrem von Beethovens späten Streichquartetten beeinflußt ist, ja ohne sie nicht denkbar wäre, die uns noch bis in die Fünfzigerjahre von führenden Musikkritikern für “mißlungene Musik” ausgegeben wurden. Man muß sich fragen, wo die denn ihre Ohren hatten? (Man muß sich das heute noch fragen, für die Heutigen, bitter fragen; seit es Kritiken gibt, ist es so; die  meisten sehen nicht – können’s offenbar auch nicht, geschweige denn zu hören –, was ihres Berufes hätte doch zu sein! Daß es so nicht ist, wäre hinzunehmen, hätten nicht sie, die Vermittler, unterdessen den Status von “Stars” ebenso eingenommen wie in der Bildenden Kunst die sogenannten Kuratoren, bei denen es wurscht ist, ob man mit oder ohne weiteres Sternchen hinten ein “innen” noch dranhängt.)
Ich saß und schloß die Augen, die Wüste war ganz still – abgesehen von dem dauernden Nachtheul des Windes, das aber nichts als unentwegtes, doch hohles Pfeifen war und durchaus mit dem Rauschen zu vergleichen, das wir in Konzerthallen und Opernsälen vernehmen, wenn wir die Sinne darauf konzentrieren. (Sollte man nicht tun, jedenfalls nicht darauf. Es lenkt genauso ab, wie wenn wir uns in einem Gespräch bewußt auf die “äh”s in den Sätzen des Gesprächspartners fokussieren: Schließlich hörn wir nur noch die.)
Ich war froh, von dem Dromedar herunterzusein; den ganzen Tag über war mir von seiner Schaukelei, aber auch morgens mit dem Aufwachen schon, unterschwellig schlecht gewesen — eine der typischen, allerdings nicht so schlimmen “Neben”wirkungen der Nefud, daß ich hätte → einen der Blauen Fische schlucken müssen. Das habe ich bislang erst nur einmal getan, vorgestern, und es hatte schon deshalb nicht viel gebracht, weil mir nicht klar war, woher die Übelkeit rührte, ob tatsächlich von der Nefud oder daher, daß ich auf ein bestimmtes Essen mit Widerwillen reagierte. Passiert mir nämlich grade dauernd.
Mit Kokosöl ging’s los, das लक्ष्मी mir für diese Reise besorgt. Habe ich es in ein Getränk eingerührt und nehme davon, steigt mir fast sofort der Magen – eine Reaktion, die sich unterdessen auf anderes übertragen hat, zum Beispiel auch mit, völlig bizarr für mich, ausgerechnet Käse. Den Vorrat bester Sorten, den ich mir angelegt hatte, mußte ich jetzt, damit er nicht verdirbt, in die Kühlschläuche geben. Doch seit ich in die Wüste eingeritten bin, reagiere ich auf meine frisch gepreßten Säfte genauso, mit dem höchst zweifelhaften “Erfolg”, daß ich noch weiter abgenommen habe und nunmehr, mit einsachtzig!, weniger als 69 kg wiege. Angesichts dessen, was bevorsteht, ist das alles andere als gut. Weshalb mir Freunde Päckchen mit sogenannter Astronautennahrung geschickt haben, der uns nachgerittene Bote erreichte das Lager gestern nacht, da war das Streichquartett schon ausgeklungen, ich hatte mich grad auf und unter meine Teppiche zurückziehen wollen (so nämlich verbringt sich die Nacht hier am besten: auf und unter Teppichen, die, tags zusammengerollt, von den Lastenkamelen mittransportiert werden) – nicht zu fassen, daß er Hadschi Halef Omar hieß! aber dann ging der Name mit Mohammad Kadar Ibn Safi weiter, was ich eigentlich hätte, wie Ralf Wolter, auswendig lernen müssen, um ihm die Ehre zu erweisen. Nur starb auch Lex Barker bereits sehr früh – mit 54! früher als selbst ich’s noch schaffen könnte, mit fünfundsechzig hab ich sogar schon meinen Vater überlebt – und außerdem war ich dennoch zu müde, mußte obendrein der einen Melatonin und halben Zolpidem eine Schmerztablette hinterherschlucken, weil sich das fürs Schlafen als hilfreich herausgestellt hat: Dann wache ich nämlich nur einmal auf, um die zwei Uhr nachts herum, erledige meinen Wassergang, leg mich wieder hin und schlafe durch bis fünf. Das ist allerbestens. Und seit heute früh sogar, ohne daß mir übel ist. Gestern hingegen ging’s damit ziemlich unleidlich zu und hielt sich fast bis mittags durch, als längst mein Reittier das seine dazutat. Und die glühende Hitze.
Die nun noch eine für die Nefud typische Nebenwirkung verursacht hat, vor der mich schon mein Faisal Josting gewarnt hat; ich bin deshalb überaus froh, diesen Wüstenarzt bei mir zu haben. Sein Rat ist unschätzbar, auch wenn meine Hausärztin vor drei Tagen, nachdem ich ihr erzählt, Faisal habe gesagt, → daß er meine Erkrankung für heilbar halte, überraschend überrascht “Sportlich, sportlich!” von sich gab. Was mir nun nicht mehr aus dem Kopf geht und also durchaus nervt, vor allem nachts. Denn → der andere Faisal, Lawrences also, war auch von der arabischen Freiheit überzeugt: daß sie kommen werde – was nicht kam. Genies wie T. E. Lawrence werden von den Kuratoren für völlig andere als ihre eigenen Interessen benutzt und können sich auch dann nicht wahren, wenn diese “Kuratoren” Diplomaten oder sonst etwas aus den bürgerlichen Berufen sind.
Doch schlimmer… nein, unangenehmer (wirklich “schlimm” war davon bislang noch nichts) … unangenehmer sind die zwei weiteren “Neben”wirkungen, mit denen ich derzeit zu tun habe. Ich habe Ihnen, Freundin, schon vom Grundgedanken der Nefud erzählt (wenn wir eine Wüste denn mal “Gedanke” nennen dürfen, ein arger Mystizismus, ich weiß): nämlich die sich im Körper auffällig schnell teilenden Zellen anzugreifen, zu denen solche wie meiner Tumorin → Lis eben gehören (auf die ich gleich noch gesondert zu sprechen kommen muß). Leider aber zählen auch die Zellen der Mund- und Darmschleimhäute dazu (ebenso wie Haar und Horn) … und tatsächlich, leider, wurde gestern mein Mundinnres höchst empfindlich, fast schon aphtisch. Vor Jahren, in meiner römischen Zeit, hatte ich sowas schon mal. Weshalb ich es kannte. Und hatte nicht Faisal auch davon erzählt? Hatte er, ja, aber er schlief bereits, ich mochte ihn nicht wecken. Schaute statt dessen meine Medikamente durch. Ah, ich erinnerte mich, Dexamethason, ein Kortikoid: dafür war es da. Also vorm Schlafen auch das noch geschluckt. Und in der Tat: Heute früh ohne jede Beschwerde (auch schlecht ist mir nicht, und Schmerzen habe ich nicht).
Dennoch, bizarr ist alles das schon: Ich, der zeitlebens ein Tablettenmuffel bis schärfster Tablettenfeind gewesen bin, schlucke nun das Zeug im Akkord: Und das einzige, was mich dabei beruhigt, ist, daß ich’s wüstenhalber tue, allein der Nefud wegen. Am Berliner Schreibtisch hingegen hielte ich’s kaum aus.
Und eine weitre Nebenwirkung hat mich erwischt, die, wenn ich über sie schreiben soll, heikler, nämlich schamheikler ist. Noch weiß ich wirklich nicht, wie mir ihr so öffentlich umgehen. Außerdem ist für sie die Wüste wiederum blöd: Ich brauche sozusagen eine Dauertoilette – aber nicht, weil’s unten nur so herausschießt, sondern weil im Gegenteil alles zwar da ist, aber komprimiert zu einem Pfropf oder har mehreren Pfröpfen von geradezu Brennholzdichte und -trockenheit. Das kommt nicht voran, nicht voraus, sondern müßte abgebrochen werden – ein Umstand, der meinen langsam schwindenden Appetit und meiner bereits geschwundenen Eßlust erst recht nichts mehr entgegensetzt. Ich fürchte, nur hoffen zu können, daß es in der nächsten Apotheke eine Drogerie gibt, die Birnspritzen führt. Mit sowas, sagte eben Faisal (und lächelte höchst süffisant, ich sah’s sogar durch seinen über die Nase gezogenen Shemagh), bekämen wie die Sache schnell in den, nun jà, “Griff”: “Warmes Wasser und Öl, mein Freund, und Sie sind’s los.”
Nur, wann werden wir die nächste Oase erreichen? Sehr bald? O bitte, bitte sehr bald! – Faisal, weise, schwieg. Aber lächelte er? Tat er, ja, es war an den Fältchen je seitlich der Augen zu sehen, die sich zum Himmel richteten: إن شاء الله

Aber das alles erst heute morgen, nachdem ich ohne jede spürbare Nebenwirkung aufgestanden war und mit meinen Mokka bereitet hatte; da streifte Faisal katzenpfötig von der Seite heran und grüßte in der edelsten Form: “السَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللهِ وَبَرَكَاتُهُ!” (“Allahs Friede und Barmherzigkeit mögen auf Dir liegen wie sein Segen”). “Ihnen”, mein Freund, grüßte ich auf Deutsch zurück, “der Göttinnen Allerreichstes auch.” – Er runzelte nur kurz die Haut unter seinen zusammengewachsenen pechschwarzen Brauen, dann ging die Wärme eines zuinnersten Lächelns durch sein Gesicht, das sich dennoch nicht, nicht einen Millimeter, verzog, sondern jeglich’ Würde ruhig wahrte. – Ob er sich zu setzen  dürfe? – Ich umschrieb den Halbkreis mit meinem rechten Arm, dessen Hand schließlich in der Luft über einem Kissen schweben blieb. Mit der anderen Hand hinter mich langend, holte ich ein zweites Mokkatäßchen aus dem geöffneten kleinen Karton.
Es sei da, hub er, Faisal, an, gestern in der Nacht eine Musik gewesen, die ihn beeindruckt, aber auch verstört habe – etwas “von drüben her” (sofern ich sein “من وراء” richtig verstand, “from over there” fügte er, nunmehr profan, auf Englisch hinzu). Es sei wie ein andrer أَذَان von andren Minaretten (“like another ذَان from other minarets”). – Er meine sicherlich den Schubert. Ja, auch mir sei das Stück neu und ebenso erschreckend, aber auch voll der Erkenntnis gewesen und einer Liebe, die so unpersönlich, daß wir sie kaum noch menschlich nennen könnten; derart “allgemein” klinge sie, was ja nichts als ein anderes Wort für abstrakt sei. “Sie meinen ‘göttlich'”, sagte er. “Ich meine: ewig”, sagte ich.
Er würde sie gerne noch einmal hören, zusammen mit mir.
Wir haben Glück, nein: Segen, und zwar zweifach; zum einen, weil wir über Satellitentelefone mit dem Internet verbunden sind; zum anderen, weil es bei Youtube eine Aufnahme gibt, die mir sogar noch essentieller, weil radikaler vorkommt als die durch das von mir gemeinhin favorisierte Alban-Berg-Quartett, nämlich diese dort:

Sie ist im Wortsinn ungeheuer. Sowie sich heute Zeit finden wird, wahrscheinlich gegen Abend, wenn wir den nächsten Ruheplatz gefunden haben werden, werde ich ihr zusammen mit meinem, ja, Freund? abermals lauschen. Jetzt aber, wieder auf dem Dromedar, muß ich über meine Antwort an Liligeia nachdenken, → deren wirklich übler Brief mir selbstverständlich nachgegangen ist. Ich fand ihn gestern morgen, da mir doch eh schon schlecht war, in den Mails. Vielleicht wäre es klug gewesen, oder sinnvoll, ihn zu löschen und überhaupt nicht drauf zu reagieren. Andererseits dachte ich mir, es sei nötig, dem Krebs ihre Stimme zu lassen, ja zu geben – und daß alles hier, inklusive diesem Krebstagebuch, eben nicht “nur” ein poetisches Spiel, sondern eines sei, daß in die Existenz greift, ja in ihr wühlt und sie möglicherweise mir ausreißt. Da gibt es nichts zu schönen, und genau das muß deshalb deutlich werden. Insofern ist Lis Brief dann doch in keiner Weise “böse”, sondern einfach klar aus der Situation eines Tumors geschrieben, dem wir unterstellen, daß er Bewußtsein habe. Nur dann aber können wir mit ihm sprechen, er mit uns (sie mit mir), ohne daß wir ihn (sie) aus uns ausgrenzen, als wäre er (sie) nicht in uns drin (“Fleisch von deinem Fleisch”). Also hat sie auch ein Recht, derart zu sprechen, und es ist an mir, eine Form der Erwiderung zu finden, die zwar ebenfalls deutlich genug ist, uns aber dennoch weiterzusprechen erlaubt.
Wobei ich sicherlich auch deshalb so milde grade gestemmt bin, weil ich heute früh weder Schmerzen habe, jedenfalls bisher nicht, als mir auch nicht übel ist. Eigenartigerweise. Denn gestern abend (in der Wüste?? hab ich das geträumt??) kam ich im Anschluß an den Abendspaziergang mit लक्ष्मी an einer Sushia vorbei und wurde von einem Riesenappetit, der ich doch über den ganzen Tag fast gar nichts gegessen hatte, aus Sashimi geflutet. Und weil ich drei Tage vorher einen ganzen gebackenen Wolfsbarsch (auch der schon war nicht bullig gewesen) verzehrt hatte, ohne daß mir irgendwie mies davon wurde, gab ich auch jetzt dem Lustanfall nach und bestellte – “zum Mitnehmen” – ein ganzes, wenn auch mit 18 Euro ziemlich teures Sashimi Moriwase, weil die anderen Sashimangebote nur Lachs und Thunfisch (Maguro) auf den Platten hatten. Was ich geschmacklich fade finde. Doch wie auch immer, ich aß das Moriawase … nein, “aß” nicht, sondern “futterte” es fast zur Gänze auf, ohne irgendeinen Überdruß, ohne jeden Ekel, einfach nur lustvoll und, vor allem, ohne unangenehme Folgen. Und tief, fast selig schlief ich nachher ein.
Also das hat mich sehr, sehr gütig gestimmt, auch und gerade der schönen Li gegenüber. Und dann hat bestimmt auch Ricarda Junges Dompredigt eine Rolle gespielt, die ich gestern live mitgeschnitten und zum Nachhören in Die Dschungel gestellt habe, → dort. So beeindruckend fand ich, der nicht an EInen – den EInen – GOtt glaubt, sie. Ich glaube, wenn ich denn glaube, an Göttinnen und Götter, glaube also plural, und an Volksgeister und -geisterlein. (Genau deshalb wahrscheinlich hat Faisal, der es ahnt, vorhin so kurz die Augenbrauenhaut gerunzelt, bevor wir über Schuberts Quartett zu sprechen begannen, was sie nahezu sofort sich wieder glätten ließ. Und ich muß daran denken, daß Ricarda einmal gesagt hat – es liegt Jahre zurück, aber ist mir immer, immer nachgegangen –, sie kenne niemanden, der GOtt so nahe sei wie ich. Gerade die Absurdität dieser Aussage – über einen zutiefsten Feind des Monotheismus – gibt ihr eine enorme Strahlkraft, und zwar gerade vom christlichen Gedanken aus, sofern wir ihn denn ernst nehmen. Was zu tun ich durchaus gewillt bin, doch ohne ihm kirchlich zu folgen.)

Religion. Wenn wir über den Krebs sprechen, wenn wir über die Tumorin, über Li, sprechen, kommen wir um sie nicht herum. Wenn wir über den Tod sprechen, egal ob er schon vor der Tür steht oder vor sich noch eine Riesenfahrt hat, oder wir sie vor uns haben … unsrerseits zu ihm hin:

Weil ich unter dem Tschilpen der Spatzen, die wirklich überall sitzen (…),

heißt es am Ende im TRAUMSCHIFF,

während Doktor Samir einen direkt auf der Hand hat, die er ausgestreckt hinhält, damit der kleine Vogel nicht erschrickt. Weil ich unter diesem ganzen, ich kann es gar  nicht anders sagen, Lärm den Ton hören kann.
Dass zu sterben so laut ist, wer hätte das gedacht?
Dass es klingt.

 

 

Ihr
ANH

(kurz zurück in der Arbeitswohnung, 10.29 Uhr)

 

 

Denn, P.S., zum “Arbeitsversuchsjournal” noch eben:
All meine Versuche gestern, es waren einige, in → die Béarts zurückzukommen, sind ziemlich kläglich gescheitert, weiterhin in der No. XXXII, der vorletzten des Zyklus. Ich kam nicht weiter, als daß mir der Schwarmtrieb von Bienenstöcken einfiel, ihr Hochzeitsflug. Aber kaum hatte ich es hingeschrieben (und recherchierte selbstverständlich weiter), erwischten mich die nächsten Gedanken an den Krebs und an meine mögliche Antwort an Li. Und dann wollte ich einfach nur hinaus — dies alles in der Parallelwelt meiner Berliner Existenz, die sich getrennt von der Durchquerung der Nefud weiterbegibt und dennoch tief mit ihr zusammenhängt, ein ständiges, durchaus andersweltsches Hin & Her zwischen den Welten und ihrer selbst. Wäre ich nicht tatsächlich erkrankt, ließe sich durchaus von Irresein sprechen oder davon, es zu werden – des poetischen, wie wir früher sagten, “Wahnsinns fette Beute”, doch letztlich Liligeias PRey, an der zuvor wir selbst gesaugt.

(Noch immer weder Übelkeit noch Schmerz, sondern reines ruh’ges Innen.
10.45 Uhr)

Das zweites Sanajournal. Als, an Liligeia, Brief des Dienstags, den 5. Mai 2020. (Krebstag 6,ff).

[Aufenthaltsraum Sana 4.2, 5.25 Uhr]

Mit Zenbook und Ifönchen bin ich, nachdem ich denn um fünf nun schon wach war, hierhin gezogen, um meinen Mitbewohner, der eine etwas schwierige Nacht gehabt, nicht mit meinem klackernden Dauergetippe zu stören. Außerdem, hoffte ich, gibt’s vielleicht schon einen Kaffee. … — … — Nein, schad, gibt es noch nicht.  Aber es ist, → meine Li, ja nicht so, daß es Du wärst, was mich zu arbeiten hindert, Du treibst mich im Gegenteil an. Sondern es sind die langen, langen Leerläufe, die solch ein Krankenhaus mit sich bringt … – ah nein! nicht fürs Personal, schon gar nicht die Ärztinnen und Ärzte, die sind rundum mehr als beschäftigt, haben mehr als “zu tun”. Es ist vielmehr, daß ich als Patient (wie jeder andre solche) immer wieder warten muß, weil ich selber kein aktiver Teil des Geschehens bin. Und weil dies hier kein “Set” ist, eines etwa zu drehenden Spielfilms, gibt es nicht mal Catering – das gestern allerdings a bisserl quälend gewesen wäre, da man mich bis zum Abend nüchtern hielt, ich durfte nicht einmal trinken.
Das Haus selbst ist angenehm, die Menschen sind, auch zueinander die Kollegen, freundlich, zugewandt; es gibt einen spürbaren Akzent auf jungen Ärzten. Mit gefällt das gut. Dir, denke ich, genauso. Ich meine, es geht ja sozusagen uns beiden an den Kragen oder soll es an ihn gehen. Das verbindet einen schon, auch über unsre … ich weiß nicht einmal, ob ich “Gegnerschaft” schreiben soll … hinaus. Und auch mein Zimmernachbar ist freundlich, allerdings mit dem dringenden Bedürfnis, sich möglichst unentwegt auszutauschen, geschlagen; nach einer wie der seinen währenden, tatsächlich Jahrzehnte langen Krebsgeschichte allerdings kein Wunder. Ein Teil des Darms jetzt außen, was – schreibt man hier “was”, darf ich es schreiben? – gestern vorm LICHTAUS geleert werden mußte. Höchst seltsamer, fast artifizieller Geruch.
Mehrmals nachts ging das Licht an, weil mein Freund gedreht werden mußte, um 23 Uhr sogar, weil er Tabletten einnehmen sollte, die er andernfalls womöglich vergessen hätte oder deren Gabe an exakte Zeiten gekoppelt ist. Daß man einander, wegen der bizarren Nachthemden, die wir hier tragen sollen, dauernd den Arsch zeigt, nimmt man da schnell hin.  Das Bizarre an den Hemden ist nicht ihre Praktikabilität, sondern der so komplett fehlende Eros, daß wir alleine dieses Kleidungsstücks wegen wieder zum Kleinkind werden. So scheint es mir kein Wunder zu sein, wenn man irgendwann auch so behandelt wird, nicht aus bösem Willen, bewahre! Es ist vielmehr ein sich einschleichender Automatismus des Ansehnens, da wir Patienten eben auch selbst mit unseren Willensäußerungen sehr zurückhaltend sind. Wir können uns ja nur verlassen, nicht anders denn früher auf Mama und Papa. Gute Schwestern, Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte, sind solche, die von sich aus, soweit sie irgend überhaupt können, gegen diese Dynamik ansteuern. Doch schaffen, auf Dauer und gegenüber jeder und jedem, vermag es gewiß niemand.
Sie, die Dynamik, würde indes, meine Li, auch Dir nicht gerecht, obwohl sie auch Dich in die Klammer nimmt, sie Dich von außen, Du mich von innen. Voilà, so sieht’s aus. Immerhin läßt Du mich noch weitgehend in Ruhe. Klar, ich spüre Dich. Du strahlst vor allem linkshoch ans Herz aus. Kenn ich noch gar nicht, kannte ich nie, Herzschmerzen. Ist echt neu, Du überraschst mich, Kompliment – aber täuschst mich nicht. Mein Blutdruck ist objektiv prima, mein Ruhepuls selbst hier, da ich ein bißchen angespannt bin, zwischen 50 und 60. (Ich kann’s ja selber messen). Haben die meisten Gesunden nicht. Also alles im grünsten Bereich.

Was wollt ich erzählen? Ah ja, die Warterei.
Nachdem bei der Aufnahme die Formalitäten erledigt (wir waren – Du, Li, und ich – bereits um Viertel vor acht da; um acht wurde geöffnet; die netten Mädels zogen uns vor) und wir in unser Haus 4 hinüberspaziert waren, stand ich da im zweiten Stock an der Anmeldung, vor der aber wartend ein Bett mit Patientin drin geschoben war, so daß sich schwer erkennen, wo vorzusprechen sei. Man kam auch gar nicht richtig heran. Also wartete ich fünf Schritte weiter beim Personalzugang, durch den es, das Personal, wie wehende Zugluft dauernd hinein- und hinauszog. Es war ziemlich einiges los.
“Und Sie?” Unversehens. Man war auf mich aufmerksam geworden. Da kam auch ein Pfleger und schob das Bett von der Anmeldung weg – faszinierendes Geschick! riefst Du, Li, in mir aus, als wir spürten, ja, wir beide, wie elegant dieses Krankenhausbett, von seinem routinierten Kybernetiker gesteuert, um die problematischsten Ecken glitt. Hätten wir uns ansehen können, wir hätten uns mit offenen Mündern bestätigt, wie so voller Hochachtung wir waren. — “Und Sie?” — “Oh, Entschuldigung, ja, ich. Also.” — Weiter mit AhSieSindHerrHerbstJaWartenSieBitteMomentanEinBißchenVielLos, was ich aber ja schon ganz selber bemerkt hatte. Bienenschwarm, raus, rein, raus, Summen. Klar, um acht, oder kurz nacht acht, sammelt sich sämtliche Notwendigkeit, schon aus puren praktischen Ablaufsgründen. — “Sie könnten im Aufeinhaltsraum der Patienten warten” … Merken Sie? hier schon dieses tiefste Antiherbst-Wort, insofern’s Geduld von mir will. – “Aber leider … da sind jetzt grad die Ärzte drinnen.” In der Tat, die Kolleginnen und Kollegen besetzten den kompletten Raum — ja, genau diesen, in dem ich jetzt schreibe — bis auf den letzten Platz. Also gab es für die Ärzte kein eigenes Besprechungszimmer? Mag so sein. Aber vielleicht sind nur die Sitze bequemer oder, was mir am schlüssigsten vorkommt, der Raum liegt Haut an Haut mit der Station.
Ich stand immer noch an der Anmeldung, “meine” Schwester war verschwunden, war irgendwohin gerufen worden; ihre Kollegin hatte mit Eigenem zu tun, sah dann auf und fragte: “Und Sie?” — Hatte ich das nicht schon einmal gehört? Ich mußte lachen, erklärte kurz. — “Oh verzeihn Sie, es ist im Moment … na, das sehn Sie ja selbst.” Immerhin stand meine Intelligenz nicht in Zweifel. “Vielleicht”, sagte ich, “darf ich nochmal nach draußen gehen … für ein halbes Stündchen? Die Luft ist so fein. Und wenn ich zurückkomme, ist wohl des Argste erledigt …” “Nein nein, Ihr Bett ist doch schon bereit. Es muß nur noch …” — Worauf es, das Nurnoch, dann schnell ging. “Meine” Schwester kehrte zurück, sie war auf der Suche nach einem Schriftstück, dessen Fehlen noch meinen ganzen Tag begleiten sollte. Die Histologie war nicht da, ebenso wurde der genaue Befund vermißt, der meine Gastroenterologin zu ihrer Diagnose ge-,nun jà,sagen wir,-zwungen hatte. Später, endlich, endlich, weil eben viel später, ärgerte es die Gastroskopin ziemlich, wohl weil ihr so der nötige interpretierende Rahmen fehlte. Doch weiß ich unterdessen gut, welch Biest Du sein kannst, Li, wenn’s darum geht, Deinen Willen durchzusetzen. Deshalb mag ich an eine Schlamperei nicht recht glauben, sei’s die meiner Gastroenterologin, sei es eine des Krankenhauses oder seiner EDV — nein, meine schöne Ligeia, ich kenne Dich. Du bist abgefeimt genügend, um infam … sirenig, will ich mal sagen, wenn es Dir um Liebe geht und das, womit solche wie ich sie bezahlen.
Okay, es war eines, daß ich also Bescheid wußte, ein andres indes, es den Ärztinnen und Ärzten, Schwestern, Pflegern usw. am besten nicht zu sagen. Sie wüßten nichts damit anzufangen. Ja, mehr noch, wenn sie es wüßten, es würde sie ängstigen — ihnen so unheimlich sein, daß sie ganz ebenso hilflos würden, wie ihre Patienten es, letztlich, sind. Also behalte ich unser Geheimnis besser, Li, für Dich und mich. — Ah, ich höre Dich lachen … ah, dieses Silber in Deiner Stimme … Es ist, selbst wenn Du sprichst, ein Gesang.

Wie auch immer, ich lag nun im Zimmer, und nichts, aber auch gar nichts geschah. Mein Nachbar ging seiner Plaudernot nach — einer ans Herz gehend freundlichen, weil sie einen Freund, eher Kumpel, in dieser Krankheit brauchte (dazu aber später noch, vielleicht morgen) —, mich erreichten enorm viele Anrufe, SMSe, Whatsapp-Fragen, vor allem der Liebsten, aber auch entfernterer Menschen, die mir dadurch näher wurden, als ich je geahnt, geglaubt … und ich aber hatte das Ifönchen auf leise gestellt, weil ich meinen Nachbarn nicht stören wollte. Jedenfalls lag ich und lag ich herum — etwas, das ich tagsüber eh nicht ertrage, ich muß mich bewegen, und sei’n es nur meine Finger! Dennoch brauchte es fast anderthalb Stunden, bis ich begriff, daß es doch rein an mir selbst lag, ob ich lag … Da gab’s doch einen Tisch mit vernünftigen harten Stühlen davor, da konnt’ ich das Zenbook aufstellen und auch lesen (dachte ich). Im Bett zu lesen, Sie, Geliebte, wissen es, und Du, meine Li, weißt es nunmehr auch, liegt mir einfach nicht, kommt mir falsch geortet vor, seit je. In Betten lieben wir uns oder wir schlafen: Alleine dieser Zusammenhang macht unser Idiom “miteinander schlafen” nicht zur Idiotie. Und stell Dir, Li, einen Typen vor, der, wenn er in seiner Geliebten ist, zur Lektüre greift, während er vor und zurück … — Was müßte sie, die Frau, da denken?
Lach nur, lach nur, Li.
Aber, meine Güte, wann geht’s denn endlich los? “Wie öde”, smste ich meiner Lektorin, die ständig nach mir fragte und von sich erzählte, wie लक्ष्मी, wie auch wieder die Löwin, und wie Do. Dazu Christoforo Arco als ständigem fernen, nahen Begleiter, der mich mit neuen poetischen Projekten geradezu überschüttet; warmes, warmes Wasser, das über meine Haut hinab zur geliebten Erde, über meine Füße, läuft. — “Wie öde, diese Warterei!”
Doch es brauchte fast drei Stunden, bis sich der Zeitplan einer Ärztin erbarmte, ihr für mich Raum zu geben. Kurze Anamnese, Blutabnahme usw. Risikoaufklärung, hier unterschreiben, dort unterschreiben. Und eine weitere Stunde warten. Um sich auf einen eigenen Text, ja selbst Nabokovs ADA zu konzentrieren, keine gute Voraussetzung. Du weißt ja nicht, wirst du in zehn Minuten geholt oder in zwei Stunden … Es kann Dir auch niemand vorher sagen. Es liegt in der menschlichen Logik solch eines Hauses, die schon allein von den eintreffenden Notfällen permanent neu gemischt wird.

Nicht zu fassen, da war er, der Pfleger, und rollte mich hinaus. “Bitte die Hände im Bett sein lassen”, er hatte Humor, “damit die Chirurgie nicht gleich ran muß.” Überhaupt, er roch auch noch gut! – Dunkler Männertypos, breitschultrig, schön. Ich hatte bereits die Mundschutzmaske überziehen müssen (“Bitte die Nasenhalter anpassen, zusammendrücken”), er seine aber allezeit getragen. Und doch, Li, erkannt’ ich die Schönheit. Allerdings, als ich ihn fragte … weißt Du, meine Li, ich kenne das Parfum … oh, ich bin von ihm benommen … – also als ich ihn fragte: “Sie tragen BACCARAT ROUGE?”, da wirkte er not amused. – Was ich verstehen kann. Würde mein eignes Parfum auf Anhieb erkannt, verlöre es gleichfalls an innerem Wert. So kann ich dem schönen Pfleger zu meiner Entschuldigung lediglich versichern, ich liebte die Frau, von der ich es kennte; nur deshalb wirke es so in mir. Hätten wir, er und ich, mehr Zeit gehabt, ich bin mir sicher, der schöne Mensch hätte dieses verstanden und wär mir dann nicht gram geblieben.
Aber wir waren angekommen, Tiefgeschoß eins, da eine Ecke mit vier, durch lose hellblaue Vorhänge sicht-trennbaren Parkplätzen, auf einem stand schon ein Bett. Auf einen freien wurde nun ich gerollt, und der Pfleger ging. Sein Duft baccarate noch für Minuten höchster Sensibilität gegen den sterilen Geruch der Anästhesie.

Nun also die Gastroskopie, wieder Betäubung, der Bioport war mir schon vorher gelegt worden. Ich bekam gar nicht mit, wie ich einschlief, hinterher waren zwanzig Minuten aus meinem Leben gelöscht. Bis jetzt weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll. “Gib es nicht doch ein Ressort”, fragte ich die Ärztin, “an dem unsere Gehirn solch Verlorenes speichert?”
Sie verneinte. Aber wer kann es wirklich wissen?
Stell Dir, Li, vor, wir könnten unversehens auf all diese, und andere, ältere, Erinnerungen wieder zugreifen! Welch eine Flut wäre es! (Und welcher Urgrund für Dichtung … die es aber vielleicht längst ist, nur daß wir es nicht wissen.) So erwachte ich wieder, war erneut auf den Parkplatz geschoben, Vorhang zu, hinter/oberhalb meiner Stirn das Meßgerät, aha, Ruhepuls 53, bestens, schwankte dann immer mal bis 60/61 hoch, zu 90/110 im Druck runter; auf meinen Unterbeinen, die unter der Decke, lag auf der Decke, eingeklemmt ins Clipboard, mein Befund.
Man dachte noch, daß ich schliefe. Mist, daß mein Ifönchen nicht bei mir ist, andernfalls ich das Papier abfotografiert hätte. Aber gut, erfülle, Εἶδος, mich!

Hauptmasse des Tumors subkardial / Magenwand echoarm / großer Tumorlymphknoten in der Magenwand / weitere, kleine (<4mm> Tumorlymphknoten in Kardianähe / ösophagisch sonst unauffällig (aus der Erinnerung)

kein wirklich, Du fiese, fiese Li-Sirene (aber schön, oh schön bist Du doch!), hoffnungsvoller Befund; man muß nur a bisserl nachdenken. Allein das Wort “Tumormasse“. Mein bester Freund hat mir vorgestern von seinem krebsverstorbenen Bruder erzählt: drei Kilo habe der herausoperierte Tumor gewogen. Drei Kilogramm! Li, selbst Du wirst Dich nun anstrengen müssen …
Ich solle bitte noch nicht interpretieren, bat mich die Ärztin, eine nächste, für meine Station zuständige oder auch nur für mich in anderer Hinsicht. Die Zuständigkeiten sind mir noch nicht wirklich klar. Jedenfalls brauche es erst ein Gesamtbild, vor allem mit morgen (also heute) der CT. — “Und | was dann noch?” fragte ich. – “Nichts noch. Das wird es dann erst mal gewesen sein. Am Mittwoch die Tumorkonferenz.” – “Aber dann muß ich doch nicht noch eine weitere Nacht hierbleiben, ist doch unnötig dann.” – “Am Donnerstag brauchen wir Sie aber wieder hier zum Therapiegespräch.” – “Klar, ich werd da sein. Und kann morgen dann ohne Druck den Termin bei meiner Angiologin wahrnehmen.” – “Gut. Ich werde Ihre Entlassung in die Wege leiten.” – “Bestens. Dank.” Lächeln. Aber durch diese Mundschutze (oder heißt es “schütze”) zu flirten, braucht eine Vorstellungskraft, für die der Klinikablauf aus nachvollziehbaren Gründen keine Luft läßt.

Gesang kann Menschen als Schmerz begleiten. Ich will also nicht behaupten, daß ich Dich, Li, nicht spürte. Manchmal spüre ich Dich sogar sehr. Dann greifst Du zu meinem Herzen, dann stichst Du mit Deinem Giftzahn hinein, den ich seit → Niam Goldenhaar gut kenne. Ich weiß, Du willst es gar nicht, es ist nur Deine Natur. Ich bin Dir nicht bös, und Angst hab ich vor Dir nun schon gar nicht. Ich nehme Dich, von mir aus, ans Herz. Beiß also ruhig zu.
Am Abend, wenn’s ans Schlafen geht, machst Du Dich besonders gern bemerkbar. Reagier ich auf den Bauch nicht, dann halt wieder durchs Herz. Aber Du versuchst, meine Li, rein vergeblich, mich zu provozieren. Und sowie ich wieder am Laptop sitze und zu Dir schreibe, bin ich ohnedies stärker als Du – bis Du meinen Geist irgendwann abzustellen gelernt haben wirst. Nur mußt Du dazu findiger werden, als Du es bis jetzt bist. Ich seh Dich noch fast als Nymphette.

Die Sonne leuchtet über die Straße, in die ich von unserem – meines Zimmernachbarn und meinem – hineinsehen darf.

 

Dein (und, selbstverständlich, Geliebte, weiterhin auch Ihr)
ANH

 

 

 

********************

[11.57 Uhr:
Mahler IX, Tennstedt] 

In der Arbeitswohnung zurück:

(Zwei wichtige Briefe erreichten mich, aus denen ich gerne zitieren würde. Ich mag aber erst fragen. Nun mußt Du selbst ertragen, Li, was Deinem jetz’gen Haus so schwer.)

Der Wolpertingerroman als Raubfile.

An sich ist sowas ja ehrenvoll, weil es zeigt, daß ein siebenundzwanzig Jahre alter Roman nach wie vor — lebt, auch wenn die Angelegenheit-selbst nur schwerlich mit dem Urheberrecht in Einklang zu bringen ist. Geschädigt, nun jà, in Maßen, ist mehr als Autorin oder Autor der Verlag, der’s allerdings verabsäumt hat, von sich aus ein eBook auf den Markt zu bringen.
Jedenfalls, nachdem mich ein Google-Alert auf die Site hinüberführte, überlegte ich einen Moment lang, ob ich mich direkt dort selbst kommentierend einlassen sollte, und zwar dahingehend — wie ich’s nun Ihnen, Freundin, mitteile —, daß ich noch einige Exemplare der dtv-Ausgabe des Jahres 2000 hier als Vorrat liegen habe, die ich Ihnen und anderen Interessentinnen und Interessenten sehr gerne zum Erwerb anbiete, dann selbstverständlich signiert und vielleicht noch handschriftlich mit einem zusätzlichen Motto versehen:

Alban Nikolai Herbst
WOLPERTINGER ODER DAS BLAU
Roman
dielmann 1993 | dtv 2000
1017 S. in handschmeichelnd weichem Umschlag gebunden
20 Euro (plus Porto) | Bestellen

Leider ist mit Erscheinen von THETIS und den darauf folgenden beiden weiteren Bänden der → ANDERSWELT-Trilogie das Buch unterdessen deutlich in den Hintergrund gerückt, wiewohl es in seiner einerseits höchst verspielten Manier, andererseits der miteinander amalgamierenden teils quasi-klassizistischen, teils modernen Erzählformen, nicht zuletzt aber seines Witzes wegen ein für meine Poetik nach wie vor entscheidender Baustein ist,  der sinnlich das entwickelt, was mit der ANDERSWELT-Serie, zu der auch dieses Literarische Weblog gehört, kybernetischer Realismus genannt werden mußte.

Ursula Reber schrieb zum WOLPERTINGER:

Dort kehren Erzählstränge in variierten Sequenzen immer wieder, so dass auf geringem Raum ein Reigen an Möglichkeiten entsteht, die sich teilweise nur in winzigen Details wie einer Zimmereinrichtung oder dem Ablauf eines Dialogs unterscheiden. Die Erzählweise in wiederholten Sequenzen, in vermehrten Rückgriffen und im Ineinanderspielen gleichzeitig stattfindender Erzähleinheiten versinnbildlicht ein Erzählen gegen die linear und unumkehrbar fortschreitende Zeit, in der eigentlich nichts wiederholbar, revidierbar, korrigierbar ist. Der Reigen des wiederkehrenden Ähnlichen, der Variationen von Grundmotiven wird hier durch eine ausgedehnte Gleichzeitigkeit, durch das Übersetzen von Zeit in Raum ergänzt.
Ursula Reber, Avatarische Intensitäten, in: Panoramen der Anderswelt,
die horen Nr. 3/2008

Ganz anders hat es Wilhelm Kühlmann gelesen:

(…) was hier in mehr als zehn Jahren geschaffen wurde, läßt die Arbeit des Schreibens vergessen und verbreitet ein Fluidum der Schwerelosigkeit, ja manchmal fast die Aura eines Gegenwartsmärchens, das eher Niebelschütz huldigt, als daß es verschwitzte gesellschaftliche Relevanz demonstrieren möchte. (…) Ich stehe nicht an, diesen Roman für ein gewichtiges, vielleicht sogar bleibendes Zeugnis unseres Jahrzehnts zu halten.
Wilhelm Kühlmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28./29. 5. 1994

Was nun noch einmal das Raubfile anbelangt, so war Dielmann – dem ich die Angelehenheit selbstverständlich mitgeteilt habe – in der Tat nicht sehr glücklich und riet mir, falls ich tatsächlich auf der entsprechenden Site kommentieren wolle, unbedingt folgendes hinzuzusetzen, andernfalls ich den Verstoß billigend hinnehmen würde:

Es handelt sich beim Verkauf jeglicher E-Versionen von »Wolpertinger oder Das Blau« auf diesem und anderen Kanälen um Verstöße gegen das Urheber- und Verlagsrecht.

Ich werde dort kommentieren, aber indem ich alleine den Link auf diesen Beitrag hier lege.

ANH

Eine Neuauflage des vergriffenen, selbst im Modernen Antiquariat schwierig zu bekommenden Buches ist schon seit einiger Zeit im Gespräch; bis sie sich realisiert haben wird, wird aber noch mehr Sand durch ein Stundenglas rinnen, das auf Jahresfassung designt ist. Für Wikipedia, übrigens, hat ein AxelHH → dort eine recht brauchbare Zusammenfassung geschrieben.

“die erste Ferngesellschaft der Menschheitsgeschichte” (Peter Weibel, NZZ): Das siebente Coronajournal. Montag, der 23. März 2020.

Und ebenfalls NZZ, >>>> dort:
Senizid

[Arbeitswohnung, 7.08 Uhr]

Und wenn er noch so viel → Unmut ausgelöst hat, die Vorstellung, es vollziehe sich derzeit ein wie nur selten spürbarer, weil unmittelbar in unser alltägliches Erleben hineinreichender selbstregulativer Prozeß, bleibt → beharrlich in mir, ob dieser uns nun schmeckt oder nicht. Er erinnert mich allzu sehr an das, was ich in THETIS die Große Geologische Revision genannt habe, seinerzeit mit Blick auf die schon Ende des vorigen Jahrhunderts mehr als nur “leicht” sichtbaren Anzeichen. Ich denke weiter und weiter darüber nach … — nein, es denkt sich nach. Und das hat nichts damit zu tun, ob man es – angeblich – gutheißt. Wer wohl täte das? Wobei der Vorgang bei allem Grauen insofern etwas “Gerechtes” hat, als der Virus unter den gefährdeten alten Menschen keine Unterschiede macht, nicht nach Vermögen (wenngleich reiche Leute deutlich mehr Möglichkeiten haben, sich ihre Quarantäne aushaltbar zu gestalten), nicht nach Geist und Bildung, nicht nach Geschlecht, nicht einmal nach Macht. Die moralischen Ausrufe hiergegen — “altersdiskriminierend” — wirken so hilflos, wie sie es sind. Weiterhin → NZZ:

Die heutigen «Alten» haben unser Land im vergangenen Jahrhundert zu dem gemacht, was es ist. Sie zu schützen, ist für die meisten Menschen die Hauptmotivation dafür, zur Eindämmung des Virus möglichst viel beizutragen. 

Daß hier im Hintergrund ein letztlich rein materielles Denken steht, sei erschauernd dahingestellt, auch wenn so etwas Kapitalismusfremdes wie “sorgende Liebe” nicht einmal Erwähnung findet. Es ist doch mehr sie, was uns Menschen umtreibt, besorgt macht und in Nöte bringt. Insoweit es unsere bedrohte eigene Ökonomie ist, die einer und eines jeden Einzelnen, bzw. der Familien, haben die alten Menschen damit nichts mehr zu tun, jedenfalls in aller Regel. Daß es an uns selbst ist, angesichts einer sich wahrscheinlicherweise über Monate erstreckenden flächendeckenden Quarantäne neue Wirtschaftsformen zu entwickeln — und die, die längst schon im Raum standen, aber aus arbeitspolitischen Rücksichtnahmen und nicht zuletzt sentimentaler Beharrung wegen verhindert oder “konservativ” hinausgezögert wurden —, ist nur allzu klar. Ich erinnere mich noch gut, mit welchen tatsächlich Vorwürfen ich es zu tun bekam, als ich in den Achtzigern bei einem großen deutschen Verlag statt eines Typoskripts eine Diskette abzuliefern wagte: Ich wurde quasi hinausgeworfen. Und nur wenig später, als ich die ersten poetologischen, auch praktischen Überlegungen anstellte, was die damals noch kommende mediale Revolution für die Literatur nicht nur bedeuten würde, sondern müsse, nannte mich ausgerechnet die von mir derart geschätzte NZZ einen Kulturverräter. Es war eine Stimmung, in der man über lange Zeit im Internet den Dolchstoß für die Buchkultur sah. Und von meinen Überlegungen zum → Literarischen Weblog als Dichtung will “man” bis heute noch nichts wissen; es stehen für die wenigen, aber machtvollen Leute im “klassischen” Literaturbetrieb zuviel Pfründe auf dem Spiel. Möglich, daß auch dies sich nun auswäscht — wenngleich ich befürchte, daß der Igel immer schon allhier sein wird, da können wir Hasen so flitzen, wie wir nur wollen. Doch ein, → so Xo dort, “no future” sehe ich nicht, im Gegenteil. Ich sehe Evolution, jetzt sogar vielleicht Mutation. Die Welt geht weiter, auch wenn ich selbst es vielleicht nicht mehr erleben werde. Und mehr noch: Ich will, daß sie weitergeht, wünsche es aus tiefstem Herzen, kann nur die schon mehrfach zitierte Stelle aus der “Sterbe-Elegie”, der neunten Bamberger, wiederholen:

um zu spüren, sie fließt noch, die Regnitz, vor meinem Fenster, und fließt in den Augen der Kinder, der deinen, mein Sohn, die deiner künftigen Frau, künftiger Frauen, ja weiß man es?, sind – und den späteren Mai­nen zu, späterem Rhein, denen viel spätere Rosen, die merklos erfrieren, nicht nachsehen in ihre späteren Meere. Den Zeitstrahl zu fühlen, worinnen wir stehen und dem wir zwar selbst nur Fragment sind, doch eines, das atmet und mittat. Das bleibt wie der Leibstoff, Körper gewesener, bleibt meines Leichnams.
ANH, Das bleibende Thier
, 99/100

Ja, ich denke viel an den Tod. Es sind in meinem Umkreis an Covid-19 jetzt Menschen tatsächlich gestorben. Aber ich denke an ihn als an etwas, das ich gegebenenfalls lieber selbst herbeiführen würde, da ich → langsam ertrinken nicht will, schon gar nicht hilflos fremdbestimmt dahinvegetieren. Nur wie soll ich’s tun, und wann könnte ich es noch, in welcher Phase der Krankheit? Wenn ich im Krankenhaus lande, ganz bestimmt nicht. Ich will aber auch niemanden schädigen, nicht bei einem Zugführer ein lebenslanges Trauma auslösen, ebenso wenig wie bei Kindern, die mich hinabgestürzt, überall Blut und Splitter, auf einem Gehsteig oder Hinterhof finden. Von einigen zugänglichen Medikamenten weiß ich, aber entweder sind sie unsicher oder aber verursachen einen mindest ebenso qualvollen Tod wie der Virus. Hätt ich doch nur darauf geachtet, genügend mir nahe Ärztinnen und Ärzte als Freunde zu haben! — Darüber, in der Tat, denke ich subkutan ständig nach. Aber auch hier gilt (ebenfalls die neunte Elegie):

Wir nicht allein, auch das Tier beißt den Feind weg. Doch weiß es, wann Zeit ist. Dann legt‘s sich und blößt seine Kehle. Besser, ihm nachtun. Das Wakizashi ergreifen, das dir der Tod reicht, bevor man es zuläßt, was ihn und das Leben entwürdigte, das du so liebtest. So, Sohn, vernarrt bin ich ins Le­ben, ich ginge freiwillig eher, als daß ich’s beklagte.
Das bleibende Thier, 97/98

Nein, ich nehme nichts zurück, bleibe von Herz, Geist und Geschlecht auf der Seite der irdischen Welt. Und versuch es auszudrücken. Wobei ich gleichzeitig dafür sorge, meine Arbeiten möglichst umfassend zugänglich zu machen, in Der Dschungel, die ich aus meinen Dateiarchiven zur Zeit mehr und mehr fülle — das hat durchaus was von Nachlaß. Sehen Sie es, Freundin, so: Jeder fühlende Mensch möchte, daß es seinen Kindern gut geht, über den eigenen Tod weit hinaus. Ich wünsche mir das für meinen Sohn, wünsche es mir für meine Zwillinge, wünsche es aber auch meinen Schriften, weil ich auch sie als meine Kinder ebenso empfinde wie erlebe. Das ist nicht egozentrisch, denn sie sind ebenfalls, in ihrer Sphäre,  nämlich der Fantasie und des Geists, zeugungsfähige Geschöpfe. Manche Bücher, manche künstlerischen Erfindungen, haben ganze Generationen verändert. Ohne Mozart hätt’s nicht einmal die Beatles gegeben. Von Bachs Einfluß völlig zu schweigen.
Ich in mir dessen bewußt und handle. Ich handle deshalb, weil Pessimismus mir fremd ist; meine bisweiligen Depressionen sind da nebensächlich: Sie sind egozentrisch, letztlich nichts als die Auswirkung narzisstischer Kränkungen. Die Bücher dagegen stehen für sich. Das ist ja das Grandiose, daß sie sich von uns, ihren Urheberinnen und Urhebern, (fast) ebenso ablösen wie unsre Kinder sich von ihren Eltern, uns. Genau das ist Zukunft. Wir selber, und später dann sie, gehen dahin.
Was danach kommt? “Ich bin unheimlich neugierig”, habe, heißt es, Ernst Bloch auf seinem Sterbelager gesagt.

Mein Pathos, jaja. Wobei die tägliche Realität eine seltsam zerfließende ist. Mehr noch (als wegen des meiner Arbeit eigenen Charakters sowieso) laufen die Tage ineinander.Neulich wußte ich nicht mehr, ob Donnerstag oder Freitag. Ich mußte im Kalender nachsehn. Und obwohl ich es gewohnt bin, mir meine Arbeitsabläufe diszipliniert selbst zu definieren, nach genauen Zeitabläufen zu schreiben, zu essen, zu lesen, abends einen Film zu sehen usw., werden die Ränder verschwimmend unscharf. (Meine bisweiligen, ich sag mal, quasi-physiologischen Ausflüge in die Pornowelt laß ich mal “außen vor”, wiewohl sie wichtig sind, um nicht nur die erotische Contenance zu wahren, sondern auch, um ein notgedrungnes Asketentum zu vermeiden, das sich ungut auf den Geist auswirken würde).
Dazu die ständig kurzen Überlegungen, muß ich eigentlich heute hinaus? Dann recherchiere ich wieder die neuen Coronavorgänge (muß gleich mal gucken, was die gestern getroffenen Ausgangsregelungen präzise bedeuten), antworte auf Kommentare bei  mir und auf anderen Sites, telefoniere, bzw. skype/facetime täglich mehrfach mit den Freundinnen und Freunden, besonders auch in Italien, spüre bei vielen eine unterschwellig steigende Furcht. Ein Freund erzählt, er kaufe nur noch mit Schutzhandschuhen ein, ein anderer hat sich tatsächlich Atemmasken besorgt. Und draußen singen die Vögel, daß es ans Herz geht, und die Pflanzen werden an ihren sprießenden Knospen verrückt. Es ist erneut kalt geworden, ja, aber — hell! Diese göttliche Sonne! Die Fassade des langen Hinterhauses, das ich von meinen Fenstern aus sehe, strahlen nur so vor Gelb! Dazu zwei Zuschriften, die ich erhielt. Die eine von einer Leserin, die schon mehrfach bei amazon Rezensionen eingestellt hat und → nun dort den zweiten ANDERSWELT-Band bespricht. Kann sich ein Romancier etwas Besseres wünschen? Aber auch zu meinem → Vortrag aus dem Hyperion kam eine Mail (ich möchte diskret bleiben und sag drum nicht, von wem):

Fast haben wir Deine Stimme nicht erkannt, so sehr ist sie da zur heute möglichen Hölderlin-Stimme geworden. 

Und in der Tat hat mir die Aufnahme eine irre Lust gemacht, den Hyperion tatsächlich selbst ganz vorzutragen — genau dieses “heute mögliche” … ja!, zu beweisen. Die Zeit haben wir jetzt, die, nun jà, Isolation läßt sich füllen … ist zu füllen. Dagegen fallen Notwendigkeiten – wie etwa, daß ich diesen Jobcentermüll endlich weiter regeln muß, geradezu weg. (Ich hätte dringend einen Brief zu schreiben und darin, um einen Bescheid ändern zu lassen, eingehend zu argumentieren. Nun kommt’s mir vor wie kinkerlitz.) Alles ist ein bißchen wie vor dem Winter die Ernte einzuholen und gut für den Winter zu lagern. Die Dschungel.Anderswelt ist mir, so gesehen, Scheuer und Silo zugleich, zusammen mit der dinglichen Arbeitswohnung ist sie ein Gehöft.

Bewußtsein der eigenen Endlichkeit. Abschiede damit verbunden. Wie Andreas Steffens schreibt: Der Horizont der noch verbleibenden eigenen Zeit rückt uns näher, fast stehn wir vor einer Wand schon daran. Was bleibt zu tun, um abzuschließen, nämlich — gut? Mehrfach, bemerke ich, schaute ich in den paar letzten Tagen intensiv zurück, erinnerte mich an grandiose Geschehen, beglückende, sinnenberauschende Erleben. zum Beispiel was Do und ich mit Nutella alles angestellt haben. Hatte ich vorher völlig vergessen. Und dann, als wir im Lager von Olifants saßen. Viele Jahre später, mit लक्ष्मी, auf der breiten Fensterbank des Havalis in Udaipur, wie, drauf beieinanderliegend, wir nach Krokodilen schauten, über den See, der unten an die Hauswand schwappte. Oder die Serengeti meiner Löwin. Und wie ich Circe ins Taxi setzte, nachts; wie ich mit einer Fee handinhand-halb eine andre Nacht durch Park und strömenden Regen schritt. Wie mein Sohn in meinen Händen zur Welt kam. Ich staune diese Hände an. Wie die Ärztin nach der Zwillingsgeburt die Doppelplazenta ebenso staunend und frappierend liebevoll aufstrich, auf zu mir sah und frage: “Darf ich sie haben? Ich möchte sie meinen Studenten zeigen.”
Wunder, Freundin, über Wunder. Mein Leben war reich.

So fühl ich Tag um Tag, auch wenn es sicherlich etwas anderes wäre, lebte ich in einer Partnerschaft oder sonstwie mit jemandem andres zusammen. Zum Beispiel, daß ich bis gestern vier Tage lang nicht mehr geduscht hatte. Morgens rein in die Arbeitsklamotten, an den Schreibtisch, bis spät in den Abends durchgemacht. Man muß sich ja grad nicht mehr zeigen, darf sich nicht zeigen. Schon sproß enorm der Bart, ich mußte an Tolstoj denken, sah mich dann im Spiegel an, erschrak, stutzte ihn auf Dreitageslänge. Das Antlitz ist dann einfach klarer, markanter. Und bloß die Kleidung endlich wechseln! Was Helles! — Den Anzug rausgesucht, dann unter die Dusche. Auch die Achselhöhlen, die Hoden rasieren. Es kommt nicht darauf an, ob jemand mich sieht, sondern auf eine innere Haltung, der wir Form auch außen geben. Wille zur Klarheit. Und zwar gerade, wenn man allein ist. Ich denke an Lawrence of Arabia, der sich mitten in der Wüste, obwohl da eben keinerlei Wasser, draußen vorm Zelt zum Unverständnis vieler rasierte. Wie man das Wasser so verschwenden könne? Soweit ich mich erinnere, antwortete Peter O’Toole mit einem einzigen Wort: “Kultur.” Meine Güte, seine irrsinnig strahlenden Augen!
Das in jedem Fall bewahren. Was immer auch kommt.

 

Ihr, um 11.59 Uhr,
ANH
der gerne auch hier noch einmal → darauf hinweist.

 

 

P.S.:
Selbstverständlich bin ich nicht allein, alles andere als einsam. Wir kommunizieren ständig. Die Göttin gebe bloß, daß uns das Netz nicht ausfällt. Aber es ist anders, ob wir uns treffen könnten, leiblich, oder nicht können. “Die erste Ferngesellschaft”, → Peter Weibel, ja. Wir werden avatar einander. Der nächste Schritt der → anthropologischen Kehre, den nunmehr Corona erzwingt.

***

[14.30 Uhr:]
Da ich meine Cigarillos brauchte, die Gelegenheit genutzt, fast anderthalb Stunden → à la Nietzsche spazieren zu gehen: Keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung — erst diagonal durch die nach den Beschlüssen von gestern doch erstaunlich belebten Straßen, wobei allerdings die meisten Menschen tatsächlich nur zu zweit flanierten oder mit ihren Hunden Gassi gingen. Nur vor LIDL pulkte sich’s, weil immer nur zehn Personen auf einmal Einlaß finden; so stand’s draußen anplakatiert.
Vorm Aufbruch die autophil höchst zärtliche Idee, vielleicht noch einmal meinen alten russischen Biberpelzmantel zu tragen, der angemessen in diesem, nun jà, Winter wirklich nur zwei Mal gewesen. Und ich hatte recht, es ist ziemlich scharfkalt draußen, unter gleichzeitig ganz enormen Sonnenfluten, durch die ich quasi tauchte. So sehr ist Frühling eben doch und von welch milder, die Augen labender Schönheit alles! Es geht bei den Krokussen los, schäumt in den Forsythien, perlt grün als sich entfaltende Knospen auf.
Da mir nach Okra zumute war, für den Abend, ich dafür einen Asia-Laden finden mußte (was mir nicht gelang, der nächste mir bekannte ist ganz anderswo), schritt ich, nachdem quer durch den Kollwitzkiez spaziert, vom Tabaccaio an die Prenzlauer Allee hoch, dann rechts in die Fröbelstraße, um schräg zum Tählmannpark weiterzugehen und nach dem kleinen Teich, fast einem Weiher nur, zu schauen, der → von Anwohnern versorgt wird, gegen einigen Widerstand des Gartenamts. Schrieb ich nicht schon mal von ihm?
Es hat sich hier eine fast ganz für sich existierende Flora und Fauna entwickelt; sogar freie Schildkröten gibt es im Wasser, die drin auch überwintern. Und was ich sah, ich sog es ein!

Diese Farben, das unversehens hörbare, früher nur nachts nicht vom nahen Verkehrslärm wegkrawallte Rauschen eines kleines Wehres, zwei Elstern elsterten lustvoll herum und ließen sich nicht stören, als ich näherkam, anstelle liebevoll diskret einen anderen Weg mir zu suchen. Ich sah zu ihnen hinauf, sie sahen zu mir herunter. Schon gurrten sie, jedenfalls schnäbelten weiter. Ich kann Ihnen, Freundin, kaum sagen, welch ein Glück ich da empfand.
Es ist auch nicht ganz ohne Witz, daß ich, der so auf die kybernetische Welt setzt, zugleich auf der anderen, der natürlichen Seite empfinde, und mit ihr. Bezeichnend, daß ich schließlich den kleinen Umweg zu dem ziemlich verrotteten Pfad nahm, der direkt an der SBahn entlangführt. Ich wollte mir nämlich zwei Zweige schneiden, um etwas von diesem Frühling in die Arbeitswohnung mitzunehmen, und dies eben dort tun, wo kein Passant sie vermißt — auch nicht etwa blühende Zweige; nein, es genügt mir das sprießende Grün. So stehn sie nun denn auch hier und über-, na gut, “-wölben” nicht grad den Schreibtisch, aber strecken sich doch über ihm aus.

Verstehen Sie, daß ich Dankbarkeit empfinde? Und meinen Eindruck, die Gefährdung schärfe meine Sinne und mache sie weiter?

Schließlich noch frischen Koriander besorgt; ich bereite mir heute ein Dal.

Das Arbeitsjournal des Freitags, den 21. Februar 2020. Darinnen Béart, Ramuz und Puschkin (ff), die Homosexuellenehe und alleinerziehende Mütter, Norbert W. Schlinkert und Faustkultur, sowie die Erhöhung des Eros.

[Arbeitswohnung, 8.20 Uhr]
[France musique contemporaine:
Bernard Permigiani, Pour on finir avec le pouvoir d’Orphee]
Erstaunlich gut vorangekommen, obwohl mich derzeit immer wieder der Magen attackiert, besonders nach dem Essen abends (ich nehme derzeit fast nur einmal am Tag eine Mahlzeit ein, dafür rauche ich leider wieder sehr). Doch der Arbeitsschub will durchgestanden auch dann sein, wenn gerade die Béarts nicht fließend, sondern Vers für Vers oft über Stunden hin entstehen. Dennoch, in dieser Woche gleich zwei der Langgedichte fertigbekommen, die Nres → XXX und XXXI, die ich jetzt neu mit XXIX und XXX beziffre, weil ich die beiden Sonette, das shakespearsche und das petrarcasche der Nres → XXV und → XXVI, formaler Überlegungen als 1) und 2) wegen zusammengelegt habe, sie aber auch thematisch eng verwandt sind. So sind nun also noch drei Gedichte insgesamt zu schreiben, bis DIE BRÜSTE DER BÉART im Entwurf tatsächlich fertig sein wird — nach unterdessen neun Jahren … beinah nicht zu fassen! Aber der Zyklus “spiegelt” tatsächlich, was in dieser langen Zeit, und wie, unter Verwendung welch rhetorischer, sanfter ausgedrückt: politischer Suggestions-, aber auch Bedrohungsmittel  es – euphemistisch gesagt – in Verruf geriet und zeigt ebenso deutlich, weshalb meine Poetik so sehr auf “Überhöhung” und Hymnus für den Eros besteht, nämlich was wir verlören, ginge dies uns verloren. Um so schärfer geriet denn die jetzige No XXX, die ich gestern in Facetime → Phyllis Kiehl vorlas, die beinah ein wenig ob solchen, wie sie es nannte, Desillusioniertseins erschrak. “Die anderen Gedichte mag ich lieber.” “Ich auch. Aber es muß deutlich werden, was auf dem Spiel steht.”

Dazu nur folgendes Geschehen, das offenbar kaum jemandem bewußt ist (mir, der ich’s ebenfalls nicht wußte, erzählte es eine Autorenfreundin, die von dem Vorgang – wie zehntausende weiterer alleinerziehender Frauen – direkt betroffen ist):
Als es um die Anerkennung der Homosexuellenehe ging, lag noch ein weiterer Gesetzentwurf auf dem Tisch. Es galten und gelten nämlich nichtverheiratete Frauen, die mir ihren Kindern zusammenleben, nicht als Familie. Wären sie vor der Trennung verheiratet gewesen, wäre dies anders. Statt dessen werden sie als “Bedarfsgemeinschaft” eingestuft, was bedeutet, daß sie keinen Familienzuschlag bekommen. Dies sollte sehr zurecht geändert werden. Ward es aber nicht. Sondern die Vorlage zur Homosexuellenehe wurde gegen die Interessen der ledigen Mütter und also auch ihrer Kinder quasi ausgespielt. Aus fiskalischer Sicht: Wenn das eine, dann nicht das andre, es käme den Staat sonst zu teuer.
Die Frauen verloren schon deshalb, weil die zusätzlich ja oft ganztags berufstätigen Mütter überhaupt nicht die Zeit haben, auch Lobbyarbeit zu verrichten; wahrscheinlich sind sie oft auch noch aus anderen, etwa Bildungsgründen, dazu nicht in der Lage. Die Homosexuellenbewegung, vom intellektuellen Mainstream und der queerBewegung getragen, war es aber sehr wohl.
Nein, ich bin nicht gegen die Homosexuellenehe, aber daß ihr gegenüber alleinerziehende Frauen und ihre Kindern derart zweit-, wenn nicht drittrangig wurden, zeigt, welch Abwertung die geschlechtliche Fortpflanzung insgesamt unterdessen erfahren hat — als quasi direkte Folge der Aufweichung chromosomer Geschlechtsbestimmung, nämlich der Abwertung unseres Biologischen “zugunsten” vorgeblich ausschließlicher sozialer Bestimmtheit von Gender. Daß ich das – allerdings wohl kaum bewußte – “Ziel” als eine Entwicklung zur Hinwendung allein noch (gen)technischer, mithin programmierbarer Replikantenproduktion verstehe, mögen Sie nun, Freundin, für eine “Verschwörungstheorie” halten oder nicht; ich schrieb ja schon einmal, daß mit denen das Problem sei, daß sie zuweilen — recht hätten.
Unterm Strich aber ist die gesetzliche Entscheidung de facto ein Skandal und ziemlich bezeichnend, daß er nicht wirklich von journalistischen Interesse war, auch sonst öffentlich kaum diskutiert wurde und jedenfalls der Mehrheit nicht zu Bewußtsein kam.

Also die Béarts. Dann las ich, und schrieb nun für Faustkultur auch drüber, Norbert W. Schlinkerts Tauge/Nichts, soeben bei etkbooks erschienen. Wann meine Rezension erscheinen wird, weiß ich freilich noch nicht. Das ist üblich. Auch zu meinen Erzählungen liegen, soviel ich gehört habe, noch zwei längere Rezensionen auf Halde, diese allerdings verfaßt für Printmedien, die ja objektive Platzgründe haben. Und ich habe Sabine Baumanns Eugen Onegin-Übersetzung zuende gelesen, quasi jeden Tag zwei Kapitel.
Dabei kam mir die Idee, den ausgesprochen bildhaften, fast filmisch auf mich wirkenden Versroman nach und nach in kleinen Videoclips einzusprechen, ähnlich, wie ich es mit eigenen Stücken in der Serie  → ANH spricht Tag für Tag gemacht habe. Freilich konnte ich nun nicht selbst entscheiden, sondern brauchte sowohl vom Verlag, der die Rechte innehat, nämlich Rowohlt (obwohl das Buch selbst bei Stroemfeld erschien), die Genehmigung, wie ich sie aber auch von der Übersetzerin selbst haben mochte. Ergo schrieb ich beide an, bei Rowohlt mit dem Hinweis, ich könne schwerlich für die Rechte anders als mit meiner Leidenschaft zahlen, und mit meinem Können. Und tatsächlich, beide gaben mir innert zweier Tage den Zuschlag. So will ich mir nun also eine Gestaltungsform überlegen, die dem Puschkin angemessen, zugleich poetisch ist. Möglicherweise ziehe ich meinen Sohn mit hinzu, der mittlerweile einige Erfahrung mit Videoschnitt und -produktion hat. Die Klangregie allerdings will ich selbst führen.
Wenn die ersten Clips “stehen”, werde ich sie selbstverständlich nach und nach auch in Die Dschungel stellen.

Auch mit der → Nabokovlesen-Serie ging es weiter; heute will ich an die Nr. 23, die einer kleinen Erzählung gewidmet sein soll, in die ich mich sofort verliebt habe, was sich gestern, als ich die Geschichte ein zweites Mal las, noch vertieft hat. Welche es ist, schreibe ich Ihnen, Schönste, noch nicht.
Dafür war denn doch beklemmend, daß Ror Wolf gestorben ist, von dem hier rechts neben meinem Schreibplatz zwei für mein Werk maßgebliche Bilder im Original hängen (eines ist in meinem → “Abakus” als Foto wiedergegeben, das andere findet sich in der nur noch antiquarisch erhältlichen, umfangreichen horen-Ausgabe zur Anderswelt-Trilogie). Wir hatten nie viel persönlichen Kontakt, bis auf zweidrei Begegnungen eigentlich gar keinen, aber er erlaubte mir, in eines der beiden Bilder selbst etwas einzumontieren. Wenn Sie sich die Abbildung anschauen, werden Sie vielleicht erkennen, was.

Nebenbei kamen noch zwei Aufträgchen der Contessa für den Anfang April, und ich schlug mich einmal mehr mit administrativem Müll herum, doch so notwendig wie dessen Entsorgung. Dazu diese Magenattacken, die mich zweimal sogar eine ganze Nacht kosteten. Dennoch schiebe ich den Besuch beim Magenspiegler noch hinaus, zum einen aus Zeitgründen, zum anderen habe ich einigen Respekt vor solch einer Prozedur. Die → seinerzeitige Darmspiegelung fand ich noch, auch wenn sie schmerzhaft war, witzig, jedenfalls interessant, weil ich auf dem Screen ja alles mitbekam und davon ziemlich fasziniert war; die Vorstellung indes, wenn auch nur empfundenermaßen keine Luft zu bekommen, bereitet mir latenten Horror, ebenso, möglicherweise dauernd würgen zu müssen. Darüber ginge mir, fürchte ich, mein fasziniertes Interesse doch ziemlich verloren. Andererseits hat die Darmspiegelung nun sogar Eingang in eins der Béartgedichte gefunden, die Prozedur könnte also im Nachhinein von auch poetischem Wert sein. Wie auch immer, uneingestandenerweise (: dies sogar, obwohl ich’s hier schreibe — solch paradoxe Geschöpfe können wir sein) ahne ich ein Magengeschwür. Verwunderlich wär es nicht, und die Symptome, alle, stimmen mit so etwas komplett überein. Ich sollte mich also durchringen.

Ach ja, und für Arco war noch dies und jenes durchzusehen. Dort steht die Wiederauflage, besser: Wiederherausgabe eines hinreißenden Romans von C.F.Ramuz an, nämlich Die Schönheit auf der Erde von 1927 — ein, ich kenne es, stilistisch geradezu berauschendes Buch, wie fast alles, was ich von Ramuz unterdessen kenne. Jedenfalls ging es um ein Nachwort, das ich lektorierte, dann noch um den Klappentext.

Die Tage also sind gefüllt. Was mich hinreichend davon ablenkt, daß mich dieses nun schon ziemlich währende Dasein ganz ohne Frau, ich meine nicht “Freundinnen”, die ich ja habe, chronisch melancholisch sein läßt. Ohne Sex zu leben, bekommt mir, dem er sogar poetisch stets essentiell war, auch körperlich nicht; man wird nachlässig gegenüber dem wichtigsten, das wir haben. Und zu wissen ist bitter, daß meine Einsamkeit letztlich nur daher rührt, kein Geld zu haben (um von – finanziellem – Vermögen zu schweigen). Ein bißchen mehr Bekanntheit würde ebenfalls helfen. Ist halt nicht. Doch umso mehr besinge ich erotische Madonnen, kehre die Bedrückung quasi um und halte fest an dem, was ich glaube und erlebt habe. Außerdem, immerhin, sprech ich ja ständig mit, Geliebte, Ihnen, und Sie … Sie  flüstern mir unentwegt zu. (Daß “man” mir, sowie die Béarts denn erschienen sein werden, Altmännergeilheit vorwerfen wird — geschenkt. Wer lesen kann, wird lesen und verstehen.)

Ihr ANH

{Zweiter Latte macchiato, zweiter Morgencigarillo]
[France musique contemporaine:
Georges Bœuf, Douleurs de l’amour op.37]

11.10 Uhr
Und soeben, während ich diesen Text korrigiere und mit den Links versehe, ruft → meine Lektorin, die tief Vertraute, wegen der Kieler Lesung im Mai an, und wir führen ein sofort wieder innig-intensives Gespräch, vor allem unmittelbar über die Béarts, und ich lese ihr die gestern zuende entworfene Nr. XXXI vor, und sie mag sie sofort, gibt sich sofort mit hinein. Mitte März, schätze ich, wird sie das gesamte lektoratsfähige Typoskript bekommen, und jetzt — freut sie sich drauf. Sie verstand unmittelbar, was ich in dieser XXXI tat. Natürlich will ich auch, daß sie die französische Übersetzung begleitet, die entstehen soll und auch wird.

%d Bloggern gefällt das: