Schwindelritte und fast Sturz bei Ave Stella Maris. Aus der Nefud, Phase III (Tag 6): Sonntag, den 21. Juni 2020. Krebstagebuch, Tag 53. Darinnen Die Brüste der Béart, 52.

[صحراء النفود.Anderswelt, 12.10 Uhr (Mittagslager)
Peter Mawell Davies, Ave Maris stella für Klavier, Klarinette, Flöte, Marimba, Bratsche und Violoncello (1976)]

Denn das wurde mir gestern völlig bewußt, daß ich das gesamte Wortmaterial des Ave  Maris stella in das letzte Béartgedicht einbauen muß, wobei mir noch nicht klar ist, nach genau welchen formalen Gesichtspunkten; aber alleine dieses garantierte die Ersetzung des monotheistisch-patriarchalen Konzepts durch eine matriarchale Grundbewegung (der übrigens die Trinität im Christentum ausgesprochen entspricht – bis zu Annaselbdritt und den vorhergegangenen ähnlichen Formen etwa der drei Nornen sowie Kore/Persephone als sowohl Toten-, Unterwelt– wie Fruchtbarkeitsgöttin.
Daran habe ich gestern, soweit es mir möglich war, den ganzen Tag über gebastelt — was ‘nachgesonnen’ bedeutet, während ich alle Mühe hatte, auf meinem Röhrerich sitzenzubleiben, der unversehens alles andere als noch ein Rih! war, statt dessen nix als schaukelndes Grauen. Denn habe, bzw. hatte ich die ersten beiden Höllenkreise der Nefud als höllisch imgrunde nicht erlebt, kam nun, nach التميمي und وادي جريفز , das sozusagen dicke Ende nah. Zwar, wie nach Einritt in den zweiten Höllenkreis war mir abermals, als wäre ich permanent bekifft, nun aber nicht mehr in dem angenehm sozusagen sensationsreichen Modus neuer Erfahrungen, sondern belastend, niederdrückend, fast ein bißchen paranoid, doch körperlich-paranoid. Nicht mein Geist drehte durch, sondern gleichsam streckt mein Körper alle Viere von sich. Ergab such. Was auf keinen Fall sein durfte, geschweige so bleiben kann. Wie dick allerdings es noch werden wird, keine Ahnung. Doch schrieb ich Ihnen, Freundin, → schon gestern, wie schwer es gerade ist und daß ich nun doch auf einige der Medikamente zurückgreifen mußte und muß, die Faisal gegen die Strahlungen mitführt. Zwar, die blauen Fische vermochte ich nach wie vor zu vermeiden, doch zum Novamin mußte ich gestern gleich dreimal greifen, zweimal in der Tropfenform, einmal als Tablette; der Druck auf der Brust war zu stark. Dazu, was mich wirklich kirre macht, die geschwollenen Füße, die aber selbst morgens, wenn sie nach der Ruhe abgeschwollen sind, weiterhin kribbeln, zugleich sich taub anfühlen und mich ziemlich unsicher auftreten lassen.
Am unangenehmsten allerdings ist die Kraftlosigkeit, die mich vorgestern und gestern geradezu in sich eintunkte, so daß ich auf mein Dromedar erst gar nicht draufkam. Jedenfalls nicht ohne Hilfe. Vielmehr mußten mich Ihn Gamael und einer der Scouts geradezu hochheben und draufschieben, wiewohl Röhrerich doch zum  Aufsitzen lag, und mußten mich erneut im Sattel festbinden, der ich noch dagegen ankämpfte, mich zu übergeben (was ich tatsächlich in nur äußerstem Notfall tue; eher dekontaminiert mein Stoffwechsel, was mich gefährdet). Dann war fürs Übergeben keine Zeit mehr, weil Röhrerich schon losgetrottet war und ich das arme treue Tier nicht beschmutzen mit mit wollte; schon gar nicht sollten die Gefährten zu Zeugen meines Selbstverlustes werden, nämlich an Haltung. Wie sagt bei Niebelschütz der Graf Godoitis? “Dafür war man ja ein Herr, daß man Katastrophen mit sich selbst abmachte.”
Dennoch sackte ich mehrfach während unseres Tagesrittes hinweg, der bei gelbem, undurchdringlichem Licht eine unendliche Hitze durchwankte; zweimal kam ein leichter Sandsturm auf, ich ließ mich einfach nach hinten fallen, die Kopfhörer auf den Ohren, so lag ich, stellte ich mir vor, dreimal je mehr als eine Stunde geschlossener Augen auf meinem Lager und hörte erst Maxwell Davies’ beinah psychedelisch wirkenden Naxos-Quartets, dann seinem, ecco, Ave Maris stella zu, von dem ich anfangs hoffte, es vertone direkt → den Text – doch auf Latein? auf Englisch? welche Wörter verwendete er? – Keine, leider, es ist ein Instrumentalseptett. Doch meine lauschende Meditation half bereits sehr, übrigens auch dabei, mich meinen eigenen, den physischen Zustand so sehr vergessen zu lassen, daß ich sogar die Nefud-selbst vergaß und, als ich abends unter meinem Zeltdach in die Teppiche  schlüpfte, nichts anderes als ungefähr sechs Stunden so unentwegten wie nahezu ausschließlichen Musikhörens in der Erinnerung hatte  das allerdings von dem rhythmischem Klopfen strukturiert war, mit dem ich, ganz offenbar im Sattel noch, mögliche Verswörter hier- und dorthin gesetzt hatte. Wo sie aber wahrscheinlich nicht blieben, weil ich weit von jedem Zustand entfernt gewesen war, der es hätte möglich sein lassen, auch nur kleine Notizen ins Handmanuskript zu kritzeln. Sowas ist auf einem Dromedar eh schon schwer genug. Aber ich fand es in meinem Zustand auch überhaupt nicht, also das Manuskriptbuch; erst als wir am Nachtlager angekommen waren, noch war es hell, und ich mit den vereinten Kräften der Freunde von Röhrerich herabgezogen und vor mein Zelt erst einmal hingesetzt worden war, fand ich es gleich neben mir im Sand und nahm es auf, um endlich jetzt die nötigen Notate einzufügen:

 

 

 

 

 

____________
>>>> Béart 53 (folgt)
Béart 51 <<<<

Dann sackte ich bereits nach hinten quasi weg. Der Schmerz hatte wieder begonnen.
Faisal ließ dreißig Tropfen sich in die Mulde eines Holzlöffels  fallen, und später, statt, wie normal zur Nacht, Cagliostros THC, gab es eine Zolpidem, die mich tatsächlich auch durchschlafen ließ – abermals bis sieben Uhr in der Frühe. Da waren auch meine Füße wieder abgeschwollen, sahen richtig schön aus, gliederig, wie es sein muß, doch ohne daß dieses Kribbeln aufgehört hätte, das sich wie eine Ameisenstraße durch das rundum unheimliche Taubseins wegen der möglicherweise beginnenden Neuropathie hindurchbewegt, vor der mich Faisal als einer Auswirkung der Wüstenstrahlungen gleich zu Beginn schon gewarnt hatte. Da war er noch Professor Josting gewesen. WIe auch immer, ich war und bin nicht unvorbereitet. So daß mir vorhin der Rat einer diese Reise still begleitenden Freundin genau richtig einzutreffen schien, wiederum eine ihrer Freundinnen aufsuchen, die, so ließ sie mich wissen, in Berlin praktiziere und deren chinesische Akupunktur sich “bei diesen Indikationen und gleichzeitiger Chemotherapie als sehr wertvoll” erwiesen hätten.
Sowie zurück in Berlin, werde ich dem gerne, sehr gerne nachkommen. Danke, ein  großes Danke schon einmal dafür.

Allerdings, es ging mir heute vormittag insgesamt wieder deutlich besser; die Allgemeinschwäche ist weiterhin spürbar, ja, doch sehr viel geringer als gestern. Und die ständige Nasenbluterei hat aufgehört, was ausgesprochen angenehm ist. Dennoch kann ich die Siesta gleich gut brauchen. Zumal ganz ohne Schmerzen. Noch auch sind die Füße nur noch schon leicht geschwollen (“noch schon“!), nicht so elephantiatisch wie gestern abend. Was sich im Anschluß an unseren, nachher, Nachmittagsritt leider, fürchte ich, wieder geändert haben wird.

Wir werden freilich sehen. Denn → das da, leider, stimmt.

ANH
Maxwell Davies, Naxos-Quartet No 4

[19.31 Uhr, Abendlager]

Meine Güte, sie haben mich nicht wachbekommen … nach mehr als zwei Stunden nicht! Aber wir hätten weitergemußt. Also haben sie mich – erzählten sie, ich kann es nur glauben – zu dritt ans Kamellager getragen und auf Röhrerich – – –  draufgebunden! Nicht zu fassen. So sei es dann ab- und weitergegegangen.
Zu mir kam ich erst irgendwann auf dem Weg. Da war es bereits halb siebzehn Uhr. Es war, als hätte man mir Zeit aus meinem Leben herausgeschnitten, die nun hinter mir in der Wüste verdirbt. Es wäre doch Béartzeit gewesen! Oder hat in der Absence mein poetisches Gehirn einfach weitergedacht? Doch bleibt das Gefühl einer für immer verlorenen Zeit.
Aber vielleicht, daß jemand anderes sie eines Tages findet, der an der “richtigen” Düne vorbeireitet, und da leuchtet sie ihm derart entgegen, oder ihr, daß sie Halt macht, behend vom Rücken ihres Dromedars rutscht, die paar noch fehlenden Schritte tut, sich vorbeugt, bückt und die verlorene Zeit aus dem Sand herauszieht, um sie zu sich zu stecken und fortan am Herzen mitzutragen.
Dieser Wunsch, der erlebte Fantasie ward, milderte meinen Verlust ganz enorm. Und dazu auch noch das:

Da möchte ich jetzt gerne → allein mit Othmar Schoecks op.70 sein und mir dazu leise, leise das Abendessen richten —

| Eine kleine Auszeit von der Wüste |
Maxwell Davies’ Strathclyde Concertos im Krebstagebuch des Donnerstags, den 11. Juni 2020 (Tag 43/Chemo[2} Tag 10).

[Arbeitswohnung, 14.18 Uhr; morgens 74,1 kg
Peter Maxwell Davies, → Strathclyde Concerto No 2]

Etwas schwieriger Tag heute, die Tumorin meldet sich quasi unentwegt, seit ich wegen der Chemophase II zum Kontrolltermin losgezogen bin – da, um halb neun Uhr morgens, noch ohne irgendein Medikament. Denn die Nacht war gut, Dronabinol nehme ich meist eh erst gegen Mittag. Was ich spüre ist, daß die Wirkung der Zytolastica nachläßt, Li also wieder Raum zum Atmen bekommt, den sie sich weit ausstreckend nicht nur leidlich nutzt. Also ausnahmsweise wieder dreißig Tropfen Novamin eingenommen. Um unabgelenkt weiterarbeiten zu können. Allerdings höre ich mich derzeit so sehr in Maxwell Davies ein, der, wenn auch sechzehn Jahre älter, an mir insofern vorbeigestorben ist, weil ich mit seiner Musik zwar durchaus in Berührung kam, erstmals mit einer fehlgepreßten Salomé-Vinyl (die Spuren sind auf den Platten falsch, ziemlicher Seltenheitswert), die mich auch kurzzeitig interessierte; dann fand ich aber nicht wirklich hinein. Das ist jetzt völlig anders, interessanterweise nach einem, sagen wir, → Umweg über Hakola, den ich in der Anderswelt → parallel zum ersten Höllenkreis der Nefud ging. Besonders angetan haben es mir unterdessen die Strathclyde Concerti; ich hör meist mit den STAX →auf den Ohren.
Jedenfalls hilft die Musik durchaus mehr als irgendeines der Medikamente — abgesehen allenfalls von Cagliostros THC-Öl, dem ich mich tagsüber nicht so gerne aussetze, weil ich nicht dauerbekifft sein will. Was ich in den ersten Tagen der Chemo II ja durchaus war. Sie werden → es gelesen haben.
Die Werte heute bei der Kontrolle erneut in Ordnung; der ständigen Blutschneuzerei soll ich stoisch mit Bepanthen begegnen; es seien tatsächlich nur, als Folge der Chemo, ausgetrocknete Schleimhäute. Und bitte das Dexamethason nur je die beiden Tage nach neuen Infusionen einnehmen. Ansonsten immer wieder auf den Körper hören, sich auch tagsüber mal langlegen, wenn die Müdigkeit kommt oder das wenn auch nur chemisch bewirktes, also faktisch nicht wirklich geerdetes Angestrengtsein, Doch dann zu liegen und mit den Kopfhörern Neue Musik zu hören, hat etwas fast Erlösendes: etwas zwischen höchst konzentrierter Meditation und einem Schwebezustand des ganzen Körpers, physisch, ja! … nicht nur imaginiert eso-religiös. Dann zieht es mich aber doch wieder an den Schreibtisch zurück.

Dieses Mal was Josting gar nicht Faisal. Der chirurgische Eingriff werde kein Spaziergang werden, auch nicht für einen wie mich. (Ich hatte von Matthias Biebls Satz erzählt, mir könne man auch eine heftigere Operation zumuten). “Bitte unterschätzen Sie die Gefahr nicht. Die Sterblichkeit bei dem Eingriff liegt, ganz unabhängig vom Krebs, bei immer noch über vier Prozent. Und auch sonst kann gerade diese OP böse Nebenwirkungen haben, die Infektionsgefahr ist enorm. Doch wenn sie die ersten vierfünf Tage überstehen, können Sie davon ausgehen, bereits im August wieder zuhause zu sein.” “Ah, dann könnte ich vielleicht doch noch in diesem Sommer nach Italien…” “Wohin?” – So daß ich von → Parallalie erzählte, den Projekten mit dem Übersetzerfreund … und als der Arzt nun hörte, wir hätten → Joyce übersetzt, geriet er fast wie neulich bei Schostakovitsch aus dem Häuschen, habe soeben den ULYSSES zuende gelesen, ja, etwas gebraucht, das schon, aber … Welch ein Buch! Und: “1904, das müssen Sie sich mal vorstellen!” Ich dachte sofort, weil er auch noch → den mir unsäglichen David Foster Wallace erwähnte, daß ich ihm zum nächsten Mal unbedingt einen WOLPERTINGER mitbringen muß, über das ich gerade wieder → derart schöne Sätze lesen durfte (ich hätte sie gerne auch → dort stehen; so eitel, sie selbst da hinzusetzen, bin ich aber denn doch nicht).
Wobei uns dieses Gespräch zumindest insofern wieder verfaisalte, als wir auf dem Navi nun doch schon, für kommenden Dienstag, das diesmal in einen, so heißt es, Tankstellenkomplex integrierte Relais fest einprogrammieren konnten: محطة التميمي بالرديفه . Allerdings liegt diese Station einigermaßen ortsnah an einer langen, von Lastwagen durchdonnerten Wüstenstraße, die wir nach den Infusionen ganz sicher schnell hinter uns lassen werden, weil sie das, ich schreibe einmal, Aqaba-Projekt insofern gefährdet, als sie in den Mischer unsrer Heldenreise entschieden zuviel an pragmatischer Realität hineinschütten wird. Doch wird uns die Pforte des Dritten Höllenkreises ohnedies aus dem Jordanien nur-der-Gegenwart jäten, sowie wir eingeritten sein werden in ihn.

Zurück, fand ich im Briefkasten die erste Zuzahlungsrechnung der Apotheke meines Ontologen:

Für die erste Chemophase also 87,24 EUR; alle vier Sitzungen werden mich allein bei den Medikamenten auf knapp 400 Euro kommen lassen; ein Viertel meines monatlichen Lebensunterhalts, dazu noch die Krankenhauszuzahlungen sowie die Zuzahlungen für von der Hausärztin verschriebene Arzneien, etwa das Dronabinol. Es ist wirklich dringend, die Befreiung durchzusetzen, sonst mach ich irgendwann die Grätsche. Schon coronahalber hab ich ja zur Zeit überhaupt keine Einnahmen.

Ah, immerhin hat jetzt das Schmerzmittel gewirkt, so daß ich ruhig weiterarbeiten kann. Auf jeden Fall muß ich mit dem Finale → der Béarts weiterkommen. Aber daß ich heute früh meine in den Suchmaschinen nicht mehr verlinkte → Besprechung von Pynchons GEGEN DEN TAG eingestellt habe, geschrieben 2008 für den Freitag, hat selbstverständlich mit den Wüstenschiffen zu tun, die mich derzeit so umgeben, und eben Pynchons hinreißender Erfindung des → Unterwüstenbootes. Wäre es nicht grandios, wenn unsre kleine Karawane solch einem, wenn es auftaucht, begegnet? “Mr Nemo, I presume?” Ich wünschte mir ein Bild Röhrerichs, wie er am Bug → der Nautilus rastet, auf der ich sitze, etwa so, um mein liebes Dromedar endlich zu entlasten:

In diesem Sinn reagierte ich dann auch wieder auf meines Dr. Faisals Warnung:  “Sehen Sie, ich bin in ein Abenteuer aufgebrochen, das eben nicht nur Film ist, sondern es ist Realität, wie wenn ein Messemer den Mt. Everest besteigt: auch da ist der Ausgang niemals gewiß – etwas, das für jede richtige Expedition gilt. Auf eine solche hab ich mich mit meinem Krebs begeben. Sehen Sie’s mir deshalb bitte nach, daß ich ein 4-prozentiges Sterberisiko da nicht ganz für voll nehmen kann; zumal ist die Gefahr eines tödlichen Unfalls alleine im Berliner Straßenverkehr täglich sehr viel größer, und vor allem, mein geehrter Wüstenfreund, will doch niemand unter uns in einer rosa Fernsehshow verdämmern, anstelle wild zu sein — zu leben, ja, so mein ich’s, auf der Welt!”

Wieder in der Arbeitswohnung, mußte ich mich aber dann doch noch einmal hinlegen, so seltsam hatte mir die kleine Fahrradtour zugesetzt – stärker, deutlich stärker als irgendein Geschwanke meines Rihs. Doch ich konnte, wir erzählt, meine Kopfhörer nehmen und endlich, endlich zu verstehen beginnen, welch poetisches Blut diesen britischen Komponisten durchströmt hat. Es gibt Musiken, die öffnen ihre Sesams uns sofort – manchen von uns, enigen hingegen nie, und einigInnen –, indessen Andrer Türen wir erobern müssen. Nun wird mir Peter Maxwell Davies’ Lebenswerk zu einer Farbe meiner um Li geführten Heldenreise. Daß auch er ein Krebsleiden hatte, an dem er vor etwas mehr als zwei Jahren starb, im allerdings da bereits vergleichsweise hohen Alter von 81, mag unsere lyrische Nähe ein bißchen unterstreichen, die er mir nun posthum geschenkt, der ich nicht nur, doch deshalb auch noch lebe:

Welch Privileg, oh Freundinnen und Freunde, noch in meinen Jahren erhöhen und weiter erhöhen zu können und also es zu – dürfen:

Wie aus der wolkenzerrissenen Nacht die Sonne, Anahit also, heraufsteigt, doch drehn wir uns drunter (alle die schlummernden Dächer, die rotgelb darunter erwachen, den Wipfeln des Hainpar­kes bei) – wisse, mein Sohn, um die Astronomie. Die innere Astro­nomie kenn aber auch, die von Menschen dem Menschen ge­machte, und sieh ihn, meine Junge, den Sonnengang, weiter als Inkarnation heller Göttinnen an. Sie sind das Nahe und nicht die Mechanik. Profanes ist‘s nie. Aufladung ist das Geheimnis: be­wußte Verklärung. Uns rettet nur beides zugleich: Wissenschaft und unser Traum.
Das bleibende Thier,
Zweite Bamberger Elegie

ANH

[Peter Maxwell Davies, Strathclyde Concerto No 3]

Schwimmen in Luft durch die Wüste: Aus der Nefud, Phase II (3). Krebstag 37: Zum Wadi der Verstrickungen. Am Freitag, den 5. Juni 2020.

 

[عالم آخر.صحراء النفود
7.35 Uhr | 72,9 kg]

 

 

Wir durchreiten die Region der Nefud, von der gesagt wird, ihre starke Strahlung bewirke den Ausfall jeglichen Körperhaars, also auch was bei mir sehr, wenn möglicherweise auch als einziges auffallen würde, der Augenbrauen; ansonsten sind wir draußen ja meistens noch bedeckt, in der Wüste eh, um sich nicht noch einer anderen Gefährdung als derjenigen auszusetzen, derethalben dieser, nun  jà, “Marsch” auf Aqaba eigentlich stattfindet.

(Ein Kommentatorbei Facebook schrieb in einer persönlichen Nachricht
übrigens von → Heldenreise, woran insofern etwas ist, als ich, wenn wir
angekommen sein werden, Liligeia werde ganz allein gegenübertreten
müssen; die Gefährten sind eben das, aber nur das: mit auf selber Fahrt
(daher nämlich kommt Gefährte),  nicht hingegen in selber Gefahr.
Der Kommentator also → schrieb folgendes:

Egal! Mich bewegt Ihr Kampfeswille, die literarische Wucht, mit der Sie der Krankheit begegnen und auch die Metaphorik, die Ihren Weg nachgerade zu einer Heldenreise im besten Sinne machen.

Ich zitiere es hier nicht, weil ich mich für einen Held halte (ich bin alles
andere als das), sondern weil es Dr. Faisals, seines Dieners Lars ibn Gamaels
und meine Reise einem Genre zuschlägt, an das ich selbst überhaupt
nicht gedacht habe, das aber völlig auf der Hand, und flachst auf
seiner Fläche, liegt. Damit reiht sich die Erzählung in einer
Traditionslinie ein, die ich, als ich dieses Projekt begann, eben-
falls nicht im Blick hatte.
ES
| reiht sich ein.)

Noch habe ich aber keinen Haarausfall festgestellt, obwohl ich morgens jetzt immer genau gucke. Noch sind die Brauen wölfisch wie je. Doch irgendwann, fiel mit heute früh ein, werde ich mich rasieren nicht mehr “müssen”. Allerdings war ich da noch immer bekifft. Denn das ist momentan die spürbarste Nebenwirkung dieses neuen, meines zweiten Nefud-Höllenkreises: Ich reite, gehe, schwanke wie unter einer milden, doch dauernd wirkenden Droge. Das hiesige Klima tut freilich einiges hinzu. Losgehn damit tat’s aber bereits vorgestern, fast unmittelbar nach den Infusionen, daß ich das Gefühl bekam, nicht Luft mehr zu atmen, sondern warmes, angenehmes Wasser – durch mir gewachsene Kiemen, die den Sauerstoff herausfiltern, und zwar in einer Reinheit, die unsre Atemluft nicht kennt. Wenn Röhrerich dann, maßvoll vor sich hintrottend, über die Dünen schwankt, war und ist es noch, als säße ich umschlossen in einem Wasserballon und würde mit zeitlich je leichter Versetzung in seinen Binnensögen und -strömen her- und hingespült. Das ist wie eine unentwegte Liebkosung, ich nahm gestern mittag sogar noch zwei THC-Tropfen drauf, weil ich das Gefühl hatte, der cannabiole Wirkstoff (den ich mein Lebtag doch nie spürte) sei eine Liaison mit den Zytostatica eingegangen. Immer wieder schienen sich die neuen Partner zu küssen, ja voneinander zu lecken. So erlebe ich jetzt diese zweite Phase meiner Reise als eine hoch erotische Ausfahrt ins gar nicht mehr Unvertraute und doch exotisch Fremde. Deshalb stimmt das Wort von der Arabeske beinah genauso wie die Heldenfahrt. Ein Tumor als erotische Arabeske; es braucht nicht viel Fantasie, um die bildlichen Kalligraphien der arabischen Schriften sich zu einer klimtschen Muse verdichten zu sehen. Bereits jetzt, um 9.30 Uhr morgens, haben wir knapp dreiunddreißig Grad Celsius; auf weit über vierzig wird’s heute noch hinaufgehn. Und Faisal, der meinen Zustand deutlich im Blick hat, band mich heute auf Röhrerich sogar fest – also an dem für Kamelritte Ungeübte klug ausgetüftelten Gestänge des Dromedarsattels; ich kann nun zwar mitschwanken, was sich eh nicht vermeiden ließe, aber bin nicht in der Gefahr herunterzurutschen. “Konzentrieren Sie sich”, riet Faisal, ” auf das, was Sie wahrnehmen. Sie sind jetzt in einem außergewöhnlichen Zustand höchster Sensibilität und genau deshalb nicht … ich sage es mal so: fahrtüchtig. Wer sich allein auf sich gestellt durch Raum und Zeit bewegt, darf nicht alles wahrnehmen, was auf ihn einwirkt, sondern muß filtern. Da aber wir Sie jetzt führen, können Sie sich davon lösen. Sie müssen nur Vertrauen haben. – Sonstige Nebenwirkungen?”
Nun jà, schon. Am blödesten (das wirklich treffende Wort), daß es mit der, so Josting auf einem Rezept, “chemobedingten Obstipation” wieder losging, heute früh gleich, doch zu ahnen bereits gestern, als ich mich um 22.30 Uhr in mein Zelt zwischen die Teppiche legte. Also sofort nach dem Kaffee gegengesteuert, den unser Kaffeekoch erst aufwallen ließ, ihn wieder herunterklopfte und ein Geflecht aus Palmfasern vorbereitete, um ihn vor dem Einschenken zu filtrieren. Kaffeesatz in der Tasse gilt hierzusands als schlechte Sitte. Gut, also kaum hatte ich genippt, mußte ich auch schon los, um  gegenzusteuern …  – nicht ganz lange, in einer aber doch etwas längeren Sitzung über dem in die leeseitige Düne gegrabenen Sandloch, worin ich, was endlich herauskam, schließlich verscharrte. Bekifft, wohlgemerkt, immer noch und weiterhin bekifft, weshalb es mich in keiner Weise störte, ja sogar amüsierte, daß mir eine mit schätzungsweise einem dreiviertelmeter Länge recht mächtige, doch wohl noch nicht völlig erwärmte Sandrasselotter (tatsächlich gehört die Art zu den Vipern) bei meinen Bemühungen ausgesprochen stoisch zusah; ich meinerseits hatte sie erst ausmachen können, als ich das dörre Buschwerk begutachtete, bevor ich mich davor hinhockte, um es als Sichtschutz zu nutzen. Was ich dann doch besser unterließ. Man k***t doch besser mit der Schlange Aug in Aug. Und da hockte ich nun also drückend, pressend, ächzend und auch ein wenig fluchend, und die Viper sah nur zu, wie ich immerhin noch nichts herausziehen mußte; dennoch, im Lager wieder zurück, ließ ich mir von Faisal gleich ein Mittelchen geben, dessen Wirkung wir vor unserm Aufbruch besser noch abwarteten, um später nicht in Verlegenheiten zu geraten. So umständlich dies nun auch klingen mag, tatsächlich ist momentan nichts geeignet, mich auch nur entfernt zu verstören; ich, weiterhin, schwimme in der Wüstenluft. Und bin bereits versucht, dieses Gefühl einer totalen Osmose mit Welt abermals vermittels zweier oder dreier Tröpfchen zu verstärken… nein, zu → firmen. Denn tatsächlich ist mein Impuls wenn nicht religiös, so doch in hohem Grad spirituell. Er werde mir, kündigte Faisal mir obendrein an, nachdem sein Gamael und er mich am Sattel festgebunden hatten, unbedingt von den Derwischen erzählen müssen, auf die wir spätestens im dritten Höllenkreis treffen würden. “Wirbel”, sagte er, “Lebenswirbel des Glaubens. Und auch Sie sind jetzt einer, der auf der Türschwelle steht.”
Einer, der auf der Türschwelle steht: Der Satz geht mir so wenig nun mehr aus dem Kopf, daß ich darauf fast fiebere, Faisal möge mir sein Rätsel lösen. Nur hatte ich es, da waren wir schon auf der Strecke, momentlang erneut mit dem lästigen Fingerkribbeln zu tun, eine Docetaxel-Folge, die über Nacht zu einer Art leichter Stumpfheit der ganzen rechten Hand geführt hat und auf jeden Fall ebenso beobachtet werden sollte wie seit gestern abend und noch heute früh eine gewisse Steifigkeit im Nacken — alles nicht wirklich schlimm, aber bißchen lästig.
So schwanke ich im Wortsinn durch die Wüste, lasse mich schwanken, nehme nur wahr, als wären nicht nur meine Körpergrenzen Übergänge, die an wehende, dennoch sehr schwere, sich an ihren Säumen weitläufig zerfransende Stores aus opaken Nesseln erinnern, sondern auch die Konturen der Dünen sind nur ungefähre, ebenso wie sogar die von Zeit zu Zeit aufragendenden windbizarren Felsgebilde, durch deren Schluchten wir zu reiten scheinen — sie wirken wie Höhen aus Treibsand, vor dem wir uns in dieser Phase ohnedies sehr vorsehen müssen. Allzu schmerzhaft erinnere mich daran, wie sich damals mein junger Diener Daud nur ein paar wenige Schritte auf diese Düne vorgewagt hatte und der allzuweiche weiße Sand sich auftat, um ihn für immer, sich einrieselnd, hinabzuziehen. Von Anfang an war der Junge nicht zu retten. Es ging mir entsetzlich ans Herz. Und zwar hat man mir später meine Erzählung nicht geglaubt, ja sie für Unfug erklärt, so etwas wie diesen Treibsand gebe es nicht — lange, sehr lange indes nach meinem Motorradunfall und indem ich mich an geeigneten Orten mal hier, mal dort reinkarnierte, kam es zu einer Versuchsreihe, die mich fast vollständig rehabilierte. (Ich weiß genau, wie gerne man mich als Großmaul diffamieren wollte – was zuzeiten leider auch gelang.)  Wie auch immer, in der Trockenheit der Nefud können Sandwehen sich wie Wasser verhalten. Besonders luftig rutscht das Sandgranulat durchs ständig neu Aufgewirbeltwerden ständig ineinander, vierzig Prozent des Volumens ist reine Luft. Deshalb, so → bestätigte mir 2004 endlich DIE ZEIT (achtundsiebzig Jahre, nachdem → mein Buch erschien!),

könnten solche Sandbetten durchaus eine Bedrohung für Menschen darstellen, (…) und Berichte, nach denen Reisende und ganze Fahrzeuge plötzlich darin verschwunden sind, erscheinen im Licht unserer Experimente glaubwürdig.

***

 

Es geht auf den Mittag zu, ich brauche, denk ich, eine Rast. Die weise Wüste weist den Ort: das Wadi der Verstrickungen, das wir bis übermorgen abend durchzogen haben müssen, liegt dahinter. Es ist von Gespinsten aus Legenden gesäumt, die von Ferne den Eindruck eines Waldes aus Geysiren, heißt es, vermitteln. Aber selbst Faisal war noch nie in der Nähe, hat von dem Tal nur immer, besonders in der Kindheit, gehört. So sind wir alle mehr als gespannt — und ich, nun jà, immer und immer noch bekifft. Und spüre solch eine Weichheit plötzlich, eine sich senkende Woge aus Kreislauf, ach eine solche Müdigkeit —

Ihr ANH

Durchs Zweite Tor der Hölle: Einritt in den nächsten Nefudkreis sowie die Injektionen. Aus der Nefud, Phase II (1): Mein Krebstagebuch des Dienstags, den 2. Juni 2020, Tage 34 & 35. Dazu der BND.

أ تاريخ الكيمياء قديماً في قالبٍ يلّفه شيءٌ من الغموض والإثارة ، فقد ارتبطت ارتباطاً وثيقا في تلك الأزمنة القديمة بالسحر والشعوذة والتنجيم ،حيث كان السحرة يجرون بعض التفاعلات الغريبة والمثيرة كتلك التفاعلات التي يحدث فيها تغّّير في اللون وتصاعد الدخان لخلق جو مناسب لأعمالهم الخسيسة والمشينة والتأثير
(Von → dort.)

 

 

[Nefud. Anderswelt
بيت الكيمياء
4.56 Uhr, 73 kg]

 

Tatsächlich ausgeschlafen. Doch war die Nacht einmal wieder schwierig. Gestern gegen 22.30 Uhr pochten, wahrscheinlich eine Folge des im Wortsinn wüsten Tages und all seiner Erregungen, unversehens wieder die Brustschmerzen, die ich schon fast vergessen hatte: genau dort, und dann seitlich ausstrahlend, wo meine Tumorin sich eingegraben hat. Dennoch wollte ich kein Schmerzmittel nehmen, sondern schauen, ob bereits das Dronabinol etwas bringe, von dem ich die fünf Tropfen auf meinen nun schnell abzuleckenden Handrücken gab; auch etwas nachzulutschen kann nicht schaden. Doch um halb eins, ich konnte nicht einschlafen, griff ich dann doch noch zum Novamin, diesmal in der flüssigen Form, weil’s dann schneller wirkt. Was geschah. Bis kurz vor fünf schlief ich dann durch.
Jedenfalls war es gestern noch ein wilder Ritt; und es erwiesen sich die Waffen als ein Segen, die wir  im Relais bei بجده fast aufgenötigt bekommen hatten, obwohl wir mit ihnen ja nicht wirklich umgehen konnten. Glücklicherweise konnten die WegelagerInnener es ebenso wenig; auf See hätten wir sie führerlose Piraten genannt, die aus nichts als ihrer aus einer Verzweiflung erwachsenen Wut geradezu blind agieren, deren kläglicher Widerspiegel das knochige Schiff ist, auf dem sie darben müssen. Ich meine, wie lange mußten sie schon elend hier zugebracht haben, wann zuletzt ist die Nefud Meer gewesen! Vor 250 Millionen Jahren? Da gab es doch Menschen noch gar nicht! Doch zerplatzte jetzt die fast Mittagstaubheit der flirrenden Nefud in ein kreißendes Kugelgebrüll, das von Hunderten Knallfröschen und dem einsamen Pfeifen arktischer Winde erzeugt zu sein schien, die in einer Wüste, egal welcher, anders als heimatlos gar nicht sein konnten. Und über zwei der uns flankierenden, bis (schätzungsweise) an die  dreißig Meter aufgewehten blenden gelben Dünen ergoß sich eine Flut von … ja, ich weiß nicht, ob Arabern, Persern, Beduinen; vielmehr waren es Desparados, eben genau wie bei Piraten, auch chinesischer, koreanischer, ich weiß nicht, sogar von Indio-Abkunft darunter, die alle wild mehr um sich herum ballerten als tatsächlich auf uns. Wobei halt wir auch selbst so ballerten, also nach der halben Sekunde, die es brauchte, die Situation überhaupt erstmal zu glauben. Ich meine, das erste, was ich sah, waren blitzende Krummschwerter, die in Wahrheit aber niemand trug und schon gar nicht schwang. So zensiert uns unsere Prägung. Weshalb es selbstverständlich ein Irrtum ist, in einigen der Wüstenpiraten – PiratInnen, um correct zu sein – Vertreter*innen der aggressiven Genderleugnung zu erkennen, die es ziemlich deutlich nur auf mich, hingegen gar nicht auf Faisal, geschweige seinen recht androgynen Diener Lars abgesehen hatten; auch unsere übrigen Begleiter interessierten sie nicht. In wildem Evoé rasten sie mänadisch nur, mänadisch-invers also, in so alleine meine Richtung, daß mein armer Röhrerich sich vor Panik beinah bäumte und erst dadurch zu beruhigen war, daß ich ihn nun schon zum zweiten Mal “Rih” nannte. “Pscht, Rih”, mich vorbeugend, seinen kraftvollen, nach atmendem Fell duftenden Hals tätschelnd, ihm dann das Geheimwort zuraunend, woraufhin er sich unmittelbar herumwarf und in einer Geschwindigkeit davonrannte, daß ich alle Hände und Füße zu tun hatte, in dem Sattelgestell sitzenzubleiben, nicht runtergeschwankt zu werden. Man ahnt nicht, was man bei Kamelgalopps alles verlieren kann; man wird wie ausgeschüttelt, plötzlich sitzt die Leber im Oberbauch, der Magen direkt unterm Kehlkopf und die Speiseröhre verbindet den Krumm- mit dem Grimmdarm. Gut, so konnt’ ich mich schon mal vorbereiten, falls es am Ende, also zur Operation, doch so weit kommen sollte, daß mich die Chirurgen meines gesamten Magens enteignen (woraufhin die Restspeiseröhre und der Darm direkt verbunden werden würden). Was aber immer noch besser wäre, als von sozialen GeschlechtskonstruktInnen gekillt zu werden. Außerdem gewöhnt man sich bei einer Chemo an so etwas eh  und schließlich gehört es zum Alltag — dem jedenfalls zu glauben, was erzählt wird. Ich selbst zwar bin bislang von solchen Nebenwirkungen weitgehend verschont geblieben; daß sie mich wiederum jetzt so, sagen wir, “einholten”, ist für meine Arbeit ziemlich typisch.

Nicht Rih und ich alleine waren davongestoben. Faisal hatte unsere Davonflucht offenbar sofort bemerkt und mit einem reißenden Pfiff, der zu diesem reservierten Patriarchen in keiner Weise paßte, seinen ibn Gamael zur Folgschaft mitgerufen, und da wir nun schon zu dritt flohen, also zu sechst, wenn wir, was wir tun sollten, die Dromedare mitrechnen, folgten schon fast alle übrigen auch, wobei wir später feststellen mußten, daß uns einer der Scouts fehlte. War er gemeuchelt worden, hatte er sich verirrt, dürften wir ihn zurücklassen?
Wir berieten.
“Wenn er sterben soll, dann steht es so geschrieben”, sagte Faisal ungerührt.
Nichts steht geschrieben”, war verärgert meine Antwort, wenngleich ich mich durchaus an → die Rettung Gasims erinnerte und daß dann eben doch alles schon “geschrieben” stand, so daß ich jetzt, bevor ich zur möglichen Rettung des Scouts tatsächlich zurückritt, vorsichtshalber in die Runde fragte, ob jemand mit … nein, nicht Gasim, sondern der Mann hieß Bassam (wiewohl ich mich nicht erinnern kann, ihn lächeln jemals gesehen zu haben) … also ob jemand noch eine Rechnung mit dem Lächler zu begleichen habe, Finger um Zehe, Auge um Zahn? Womit ich die قصاص meinte, Blutrache also, ich kenne den berühmten Film geradezu auswendig, die am Ende El Aurence hatte an dem Geretteten ausführen müssen, um seine Truppe nicht zu spalten. Zudem erinner ich mich gut des höchst archaischen Satzes, daß, wer Leben gebe, es auch nehmen dürfe. (Glaube also nicht, o Li, daß ich den Zusammenhang nicht sähe: Er, dieser Satz, gilt besonders für uns gewährte Inspirationen.)

Es lag mit Bassam niemand krumm.
“Also wolln Sie wirklich ..?” – Faisal wirkte tatsächlich besorgt, aber wohl auch, weil wir wegen des Überfalls viel Zeit verloren hatten; wir waren im Haus der Chemie (بيت الكيمياء) für spätestens morgen um zehn Uhr erwartet, das hinter dem sandroten, gigantischen Felstor den Beginn des nunmehr Zweiten Höllenkreises markiert. Was ich momentan aber noch nicht wußte. – Und es ging bereits auf den Abend zu.
Dennoch,  nicht einmal mein Röhrerich protestierte, als ich ihn wendete; ich glaube, er verstand, daß ich mir etwas unbedingt beweisen mußte. Es geht ja nicht darum, die Nefud irgendwie durchzustehen und ihren bösen Wirkungen standzuhalten, die in den Beipackzetteln von Medikamenten fast durchweg falsch, zumindest allzu euphemistisch  “Nebenwirkungen” genannt werden, obwohl sie an Schwere das Elend der primären Erkrankung noch in den Schatten stellen können. Sondern gerade dann, wenn wir uns von diesen, nun gut, Nebenwirkungen nicht oder, wie ich, nur kaum haben erwischen lassen, geht es darum, eine besondere Haltung zu kultivieren, mit der nun wir das Schicksal bedrohen, ihm zumindest die Stirn zeigen: als freie Männer und Frauen. Ganz wie ich es Dr. Faisal-Josting schon vor Tagen gesagt habe: – daß ich nicht krank sei, nicht im entferntesten, sondern einen Tumor hätte (ich mochte meinen Arzt poetische nicht überfordern, nur deshalb, nicht aus Widerstand gegen die sogenannte Gendercorrectness, benannte ich das Geschlecht nicht korrekt), und daß ich schon gar nicht dessen Opfer sei (mithin: Lis), sondern im Gegenteil ihn zu dem meinen machen werde, sofern er nicht sich mildre.  Dies nun war auch so eine Gelegenheit, zumal es mich doch reichlich wurmte, vor den sozialen KonstruktionspiratInnen derart besinnungslos geflohen zu sein. Wer fürchtet denn Abstrakta, und toben sie noch so mächtig einher? (Mein Röhrerich dachte offenbar genauso und ließ sich durch den Sand wie durch eine Wiese führen, deren Blumenköpfchen ihn an den Fersen streicheln. Was Röhrerich sehr mag.)
Die Sonne aber sank bereits, zur Dehydration würde Bassam allerbaldigste Auskühlung drohen. Das über dem noch aber heißen Boden kirrem Wasser ähnlich flirrende Licht machte es mir schwer, nach ihm Ausschau zu halten, schon gar ins horizonte Ferne, das wie von Morganen getupft war: So eng hängen Abend- und Morgenland ineinander, daß die schimärste Wüstenspiegelung nach einer keltischen Zauberin benannt ist, in deren opaker gleichsam Blase ich, umhüllt von ihrer Helligkeit, durch den Kokon längst nicht mehr meiner eigenen Wirklichkeit ritt und mich dabei ganz auf die Trittsicherheit des Röhrerchens verlassen mußte. Immerhin konnte ich davon ausgehen, daß Tiere von magischen Wahrnehmungen nicht heimgesucht werden, es sei denn, tja, auch sie seien, ganz wie “Frau” und “Mann” nichts als soziale Konstrukte und biologische Fakten die bloß brutale Faust meines Machismo. Wobei es aber nun darum ging, jemanden zu retten und es dafür völlig egal war, ob’s ein Weibchen, Menschchen, Tier.
Und dann sah ich ihn, Bassam, doch. Ganz im Sonnenstrich schleppte er sich einher, den die Erde durch eine Längslamelle der, kam es mir plötzlich vor, unversehens herabgesunkenen Nacht noch in die Welt ließ, weshalb er klein war wie ein Punkt, nein, ähnlich einer schmalen, senkrecht stehenden Pupille, die aber Füße hat. Nur eine Hand müßte ich nach ihr ausstrecken, könnte sie mit Zeigefinger und Daumen am Köpfchen nehmen, zu mir heraufheben und schließlich in die Brusttasche meines Gewandes stecken, wo es seine Erschöpfung ausschlafen würde, bis es wirklich gerettet war. Es würde dies auch Wasser sparen, das für den Rückweg bereits knapp war.
Plötzlich war die Pupille verschwunden, sei’s daß die Nachtlamelle sich unter der noch fahlen Barke des Mondes nun völlig geschlossen hatte, sei’s, daß Bassam vor Erschöpfung gestolpert, schon gefallen war und nun, alleine hilflos, dalag. Wie ihn da nun finden? – Schnalzend trieb ich Röhrerich an, beherrschte mich, das Rih-Wort nicht zu verwenden; dann nämlich wär mein Tier zu schnell geworden. Ich mußte sogar absteigen und mein Dromedar am langen Zügel weiterführen; riesig ein Ohrensessel auf Stelzen, hinaufgestreckt dazwischen den erhobenen Kopf eines Steckens, so schwankte es hinter mir drein — wovon mir aufs neue leicht schlecht wurde; ein Grundmodus seit Beginn der Chemo, meist nur leis im Hintergrund und ziemlich leicht zu nehmen. Nur manchmal eben, wenn das Wüstenschiff so schwankt … Verzeihung, Sie haben recht, “Wüstenschiff” läßt sich auf Dromedare nicht anwenden, anders als auf die zweihöckrigen Trampeltiere, für die das Wort geprägt worden ist. Dennoch setzt die Schwankerei mir immer wieder zu, tat es jetzt sogar, da sie hinter mir stattfand und nicht mehr drunter unter mir.
“!مساعدة“, fast nur geflüstert noch, “Zu Hilfe”, fast wie geröchelt, und “!الماء ، الماء من فضلك“, “Wasser, Wasser bitte …”, ich konnte überhaupt nichts mehr sehen oder noch nichts, aber spürte, spürte … – Eine unsichtbare Wolke hatte sich vor den nun unsichtbaren Mond geschoben.
Tasten also. Ah! Ja, ich spürte Bassam, hockte mich in die Knie, er bebte. Wo war der Wasserbeutel? Nach des Mannes Mund tasten, ihm leicht die Lippen öffnen, die Tülle des wie schwappenden Ziegenleders davorhalten, es leicht zusammendrücken … Alleine, jetzt, bekäme ich Bassam niemals hoch. Er mußte zur Besinnung kommen. Und daß wir hier so ungeschützt die Nacht verbrächten, das war nun schon deshalb ausgeschlossen, weil ich morgen ja unbedingt im Zweiten Höllenkreis ankommen mußte, einmal abgesehen davon, daß uns wahrscheinlich die bald einbrechende Nachtkälte umgebracht hätte. Aber Liligeia hatte sich in den vergangenen drei Tagen meist ab dem Nachmittag wieder so nachdrücklich als Querschmerz, nämlich durch die Brust, gemeldet, daß ich das unbedingte Gefühl hatte und immer noch habe, sie müsse dringend wieder einen auf den Deckel kriegen, sprich: die nächsten → Vierfuhren Chemo verabreicht bekommen. Was eben für nachher terminiert war. (Ich weiß, sie wird → wieder toben, wenn sie dies hier liest. Doch wird’s dann schon geschehen sein.)

(… —  Wo war ich? — ah jà):

“Bassam … Bassam!”
Mehrmals mußte ich auf seine Wangen kurze Schläge geben, deren jeder zu einem seiner Seufzer wurde. Also härter zuhaun, dann kriegt er wieder Stimme. – Klappte.
Die Wolke glitt zur Seite, die Barke erleuchtete sich, sah unversehens einem nächtlichen Nildampfer ähnlich, der, auf der Milchstraße schwimmend, aus fünfzig Fenstern auf uns herunterleuchtete, und an der Reling standen die Flußtouristen so gaffend wie gedrängt, um später ihren auf ihren greisen Knien hoppereitenden Enkelinnen von solch märchenhafter Errettung erzählen zu können, nachdem sie aus dem Graben wieder hochgezogen worden sind, damit nicht doch noch die Raben sie fressen.
“Was für Raben?” fragte Bassam. “In der Wüste Raben?” So sehr fantasierte er, daß er das Sprachspiel nicht begriff, schon gar nicht die Metapher. Immerhin konnte er mir helfen, ihn aufzurichten; gemeinsam schafften wir’s sogar in den Sattel. Machen Sie sich hierbei bitte klar, daß ich durchaus nicht mehr in der trainierte Fassung → von vor einem Jahr bin, sondern Liligeia hat mich schon einiges an Fitness gekostet, um von meiner Muskelmasse besser zu schweigen, für die jetzt nicht nur “Masse” ein ausgesprochen übertreibendes Wort ist, sondern bereits “Muskel” transportiert zur Zeit nur Angeberei. Wobei uns Röhrerchen allerdings half, indem er seinen riesigen Leib erst einmal so flach wie möglich hingelegt hatte: zuerst knicken vorne die Beine zusammen, dann ein, danach folgt erst der übrige Leib. Und als wir irgendwie mehr ein- als aufgesessen waren, erhob das Tier sich wieder, und zwar so gemächlich auf, als wär Besondres gar nicht los, streckte sich in die Höhe und röhrte erstmal ganz gehörig. Dann erst trabte es los. So konnte ich nur hoffen, daß es den Rückweg auch ohne meine Führung fände..

Aber was war geschehen? — Wir waren bei dem Überfall so schnell davongestoben, daß die sozial konstruierten Pirat*innen nicht nur unmittelbar verwirrt, sondern nun  ganz besonders sauer waren und jetzt auf alles losgingen, was irgendwie noch stand oder in einem unsrer Sättel saß. Das konnten mittlerweile auch die eigenen LeutInnen sein, völlig wurschtIn. Nur erwischtInnenen sie Bassam halt auch, schlugInnenen ihm sein Reitkamel unter den Beinen weg, um es, weil’s noch Mann war, zu kastrierInnenen. Die reine RachInnenwut, die vor UngegenderIn reinIn nicht mehr ausInnen noch einInnen wußte und nun nur noch BlutEr wollte. Derart schäumInnend indessen schlugInnen sie schon mehr auf sich selbstInnen ein, als daß sie Bassam überhaupt noch gesehen hätten, der nach feigster MännerInnen-Art sich unendlich vorsichtig aus dem staubenden Kampfplatz kriechen ließ und so noch einen Kilometer weiterkroch, bis er sich sicherInnen sein konnte.
Nur, sein Kamel war nicht nur entmannt, sondern unterdessen auch schon tot, weil, weil eben Hengst gewesen, von den Mänaden geradezu zerstückelt worden. So blieb ihm nichts, als sich auf sich selbst zu verlassen, was in diesem heutgen Falle bedeutete: auf — mich. Er hatte das schlichtweg unendliche Glück, daß ‘El Aurence’ für mich immer Held geblieben ist, einer, mit dem mich zu identifizieren mir jetzt sogar noch durch den Krebs hilft.

Wie wir die anderen wieder erreichten, kann ich nicht sagen; ich scheine neben Bassam in Ohnmacht geglitten zu sein, wir beide auf dem Röhrerich eng ineinandergewunden, er oben, ich unten, er inmitten, keine Ahnung. Doch aus ihm stieg ein solch opiatiger Duft, daß meinem Schlaf ganz sinnlich wurde. Ich soll “Lilli” geseufzt haben, als man mich herabzog, “Lillifee” sogar, dann “meine Liligeia”, nur daß ich dabei den armen Bassam umarmte, wie umarmt er, fürchte ich, nie jemals ward noch würde. Es bedurfte Faisals männlicher Mahnung, daß ich mich endlich löste. Schon, damit ich in der arabischen Männerwelt meinen grad erst gewonnenen Heldenstatus auch behielt. Wobei es eh dringend Zeit zum Weiterrreiten war, wenn wir im bleichen Schein des Mondes das Tor zum Zweiten Höllenkreis noch so rechtzeitig erreichen wollten, daß ich meine Injektionen ausgeruht erhalten konnte, die zur Abwehr der nefuden Strahlungen halt um so erforderlicher sind, wenn wir’s bis Aqaba denn wirklich schaffen wollen, ich es alsoschaffen will. (Wie dort dann Liligeias Hörselberg finden, steht freilich auf einem noch einmal völlig anderen Blatt; Berge wird’s in Aqaba kaum geben. Doch werd ich sie beschreiben.)

***

[8.50 Uhr]
Jetzt erst mal schauen, wohin ich muß (also nach dem richtigen Raum gucken). Die weißen Handschuhe nicht vergessen, die ich überstreifen muß, bevor ich meine Hände in die Eisfäustlinge stecke, damit mit vom → Oxaliplatin nicht die Nägel ausfallen; deshalb nicht nur auch an die Tragehülle für den 24-Stunden-Körpertropf denken, sondern vor allem die dicken Socken für meine Füße nicht vergessen. Diese Prozedur ist das einzige, was die Infusionstage zu einer kleinen Tortur macht, weil besonders die Fingerspitzen nach einer halben Stunde Dauerfrost ziemlich stark zu schmerzen beginnen, was zumindest unangenehm ist. Bei den Zehen braucht es spürbar länger.
Meine Kimmo-Hakola-Azfnahmen auf die externe Musik-FP geladen, im sie nachher während der Infusonen geschlossener Augen in den InEarPhones mir alle noch einmal durchzuhören und mir für eine, wahrscheinlich im Rahmen dieser Tagebücher, Besprechung schon mal Notizen zu machen; außerdem das Béart-Handmanuskriptbuch bereitgelegt, in das ich nachher die ersten Versentwürfe zur finalen No XXXIII skizzieren möchte. Es soll ein Hymnos werden.

Gut, nun bin ich bereit. Fast vorfreudewillig scheint sich der Bioport zu erigieren, man könnt’ von fickrig sprechen (ich hör ihn “gib’s mir, gib’s mir!” rufen):

 

[10.30 Uhr]: 

[18.45 Uhr
Allan Pettersson, Drittes Steicherkonzert]:
Um etwa Viertel nach zehn meldete sich Ligeia so nachdrücklich mit ihrem unterm Sonnenglecht waagrecht links und rechts ausstrahlenden Schmerz, daß ich mir von ibn Gamael ein  Novamin geben ließ, der auf Dr. Faisal noch warten mußte, aber die nötigen Vorbereitungen zu meinen Infusionen noch nicht abgeschlossen hatte. Das Novamin brauchte diesmal lange, um zu wirken, und um es vorwegzunehmen: jetzt, kurz vor 19 Uhr meldet meine fiese Lilli sich erneut und mit denselben Zaunpfählen.  Ansonsten, die Infusionen selbst verliefen komplett unproblematisch, selbst die eisgekühlten Fingerspitzen waren problemlos auszuhalten.

Ich höre ich tatsächlich durch alle meine → Hakola-Musiken; er hat ein besonderes Verhältnis zu der mir normalerweise nicht so sehr nahen Klarinette – hier ist sie so umwerfend wie sein besonders → Klarinettenquintett insgesamt, und es lohnt es sich, gleich darauf das Ohr auf des Finnen → Klarinettenkonzert zu konzentrieren. Sie ahnen, meine Freundin, nicht, wie geradezz prganisch isch dies wäjhrend der In fusionen einer Chemo tun, ja genießen läßt. Und man kommt zu Einsichten, etwa, weil die junge tief, in der Tat, dunkelbraune-schwarze Damen derart schöne Hände hat. So, wie Sie sehen können, legt’ ich sie, ihrer eine, meiner Krebsin Krallen auf. Da erst begann das Novamin zu wirken. Auch nicht ohne Erkenntnis — und aber, was mich fast die Wüste vergessen ließ und durchaus hätte mitten im sozusagen Flug noch das Genre wechseln lassen, gen 007 nun, ist etwas, das mich wirklich auf der Hinterhand erwischte. Schaue ich nämlich aus dem Behandlungszimmer, seh ich den BND:
Das also soll Zufall sein?
Ich habe dann nach der Behandlung noch etwas Zeit gehabt, Faisal rief mich nicht zurück. Vielleicht schlief ich ja, und er wollte mich  nicht wecken, da wir heute ohnedies nicht mehr weiterreiten wollten. Und so spazierte ich, nachdem die Infusionen intus, auf der Praxis hinaus und nach unten, um mit dem Ifönchen eine Panorameaufnahme des Geländes aufzunehmen (und ganz später ganz sicher eine literarisch Terrine darauf zu küchenschöpfen), die nun also so aussieht:

“Und mit der Nefud nun wirklich nichts mehr zu tun hat!” — Ah, Sie meinen ..? Dann warten Sie mal ab!

Ihr ANH

Aus der Nefud, Phase I (1): dritter Morgen. Krebstagebuch, Tag 24 – mit dem Arbeitsversuchsjournal des Freitags, den 22. Mai 2020. Allerdings eine ungeheure Entdeckung darin.

 

[Nefudlager,, 6.32 Uhr
Schubert, Streichquartett 15 G-Dur, Pražák Quartet)

Schön sieht sie aus, die Nefud, auf Arabisch geschrieben: صحراء النفود, und ich schlage vor, diese Wörter (Ṣaḥrāʾ an-Nafūd) fortan stets anstatt des profanen “Chemo”s zu sprechen. Sie haben den magischen Klang der Beschwörung und entsprechen somit den → Namen. Jedenfalls werde ich es fortan so halten, zumal diese Wüste ganz gewiß nur selten mit Musiken in Verbindung gekommen ist, wie sie sie nun kennenlernt. Gestern abend, kaum daß sich – ein nicht nur herabsausender, nein –knallender Vorhang – die Dunkelheit auf … nein!, bis  unter uns gestürzt hatte und es sofort beißend kalt geworden war, hatte ich, nachdem noch eine Decke über die Schultern meines Gewandes geworfen, mein bose-Zauberkistchen vor das Zelt gestellt und mich zu beiden (vor das eine, nebens andere) gesetzt, um meiner Entdeckung des Tags zuzuhören. Der milliardenfach gestirnte Himmel rief zur Ewigkeit. Schubert starb nur ein Jahr nach Beethoven, stellen, Geliebte, sich sich das nur vor! Und hinterließ ein Streichquartett, das quasi niemand wollte: die Nr. 15 in G-Dur und das extrem von Beethovens späten Streichquartetten beeinflußt ist, ja ohne sie nicht denkbar wäre, die uns noch bis in die Fünfzigerjahre von führenden Musikkritikern für “mißlungene Musik” ausgegeben wurden. Man muß sich fragen, wo die denn ihre Ohren hatten? (Man muß sich das heute noch fragen, für die Heutigen, bitter fragen; seit es Kritiken gibt, ist es so; die  meisten sehen nicht – können’s offenbar auch nicht, geschweige denn zu hören –, was ihres Berufes hätte doch zu sein! Daß es so nicht ist, wäre hinzunehmen, hätten nicht sie, die Vermittler, unterdessen den Status von “Stars” ebenso eingenommen wie in der Bildenden Kunst die sogenannten Kuratoren, bei denen es wurscht ist, ob man mit oder ohne weiteres Sternchen hinten ein “innen” noch dranhängt.)
Ich saß und schloß die Augen, die Wüste war ganz still – abgesehen von dem dauernden Nachtheul des Windes, das aber nichts als unentwegtes, doch hohles Pfeifen war und durchaus mit dem Rauschen zu vergleichen, das wir in Konzerthallen und Opernsälen vernehmen, wenn wir die Sinne darauf konzentrieren. (Sollte man nicht tun, jedenfalls nicht darauf. Es lenkt genauso ab, wie wenn wir uns in einem Gespräch bewußt auf die “äh”s in den Sätzen des Gesprächspartners fokussieren: Schließlich hörn wir nur noch die.)
Ich war froh, von dem Dromedar herunterzusein; den ganzen Tag über war mir von seiner Schaukelei, aber auch morgens mit dem Aufwachen schon, unterschwellig schlecht gewesen — eine der typischen, allerdings nicht so schlimmen “Neben”wirkungen der Nefud, daß ich hätte → einen der Blauen Fische schlucken müssen. Das habe ich bislang erst nur einmal getan, vorgestern, und es hatte schon deshalb nicht viel gebracht, weil mir nicht klar war, woher die Übelkeit rührte, ob tatsächlich von der Nefud oder daher, daß ich auf ein bestimmtes Essen mit Widerwillen reagierte. Passiert mir nämlich grade dauernd.
Mit Kokosöl ging’s los, das लक्ष्मी mir für diese Reise besorgt. Habe ich es in ein Getränk eingerührt und nehme davon, steigt mir fast sofort der Magen – eine Reaktion, die sich unterdessen auf anderes übertragen hat, zum Beispiel auch mit, völlig bizarr für mich, ausgerechnet Käse. Den Vorrat bester Sorten, den ich mir angelegt hatte, mußte ich jetzt, damit er nicht verdirbt, in die Kühlschläuche geben. Doch seit ich in die Wüste eingeritten bin, reagiere ich auf meine frisch gepreßten Säfte genauso, mit dem höchst zweifelhaften “Erfolg”, daß ich noch weiter abgenommen habe und nunmehr, mit einsachtzig!, weniger als 69 kg wiege. Angesichts dessen, was bevorsteht, ist das alles andere als gut. Weshalb mir Freunde Päckchen mit sogenannter Astronautennahrung geschickt haben, der uns nachgerittene Bote erreichte das Lager gestern nacht, da war das Streichquartett schon ausgeklungen, ich hatte mich grad auf und unter meine Teppiche zurückziehen wollen (so nämlich verbringt sich die Nacht hier am besten: auf und unter Teppichen, die, tags zusammengerollt, von den Lastenkamelen mittransportiert werden) – nicht zu fassen, daß er Hadschi Halef Omar hieß! aber dann ging der Name mit Mohammad Kadar Ibn Safi weiter, was ich eigentlich hätte, wie Ralf Wolter, auswendig lernen müssen, um ihm die Ehre zu erweisen. Nur starb auch Lex Barker bereits sehr früh – mit 54! früher als selbst ich’s noch schaffen könnte, mit fünfundsechzig hab ich sogar schon meinen Vater überlebt – und außerdem war ich dennoch zu müde, mußte obendrein der einen Melatonin und halben Zolpidem eine Schmerztablette hinterherschlucken, weil sich das fürs Schlafen als hilfreich herausgestellt hat: Dann wache ich nämlich nur einmal auf, um die zwei Uhr nachts herum, erledige meinen Wassergang, leg mich wieder hin und schlafe durch bis fünf. Das ist allerbestens. Und seit heute früh sogar, ohne daß mir übel ist. Gestern hingegen ging’s damit ziemlich unleidlich zu und hielt sich fast bis mittags durch, als längst mein Reittier das seine dazutat. Und die glühende Hitze.
Die nun noch eine für die Nefud typische Nebenwirkung verursacht hat, vor der mich schon mein Faisal Josting gewarnt hat; ich bin deshalb überaus froh, diesen Wüstenarzt bei mir zu haben. Sein Rat ist unschätzbar, auch wenn meine Hausärztin vor drei Tagen, nachdem ich ihr erzählt, Faisal habe gesagt, → daß er meine Erkrankung für heilbar halte, überraschend überrascht “Sportlich, sportlich!” von sich gab. Was mir nun nicht mehr aus dem Kopf geht und also durchaus nervt, vor allem nachts. Denn → der andere Faisal, Lawrences also, war auch von der arabischen Freiheit überzeugt: daß sie kommen werde – was nicht kam. Genies wie T. E. Lawrence werden von den Kuratoren für völlig andere als ihre eigenen Interessen benutzt und können sich auch dann nicht wahren, wenn diese “Kuratoren” Diplomaten oder sonst etwas aus den bürgerlichen Berufen sind.
Doch schlimmer… nein, unangenehmer (wirklich “schlimm” war davon bislang noch nichts) … unangenehmer sind die zwei weiteren “Neben”wirkungen, mit denen ich derzeit zu tun habe. Ich habe Ihnen, Freundin, schon vom Grundgedanken der Nefud erzählt (wenn wir eine Wüste denn mal “Gedanke” nennen dürfen, ein arger Mystizismus, ich weiß): nämlich die sich im Körper auffällig schnell teilenden Zellen anzugreifen, zu denen solche wie meiner Tumorin → Lis eben gehören (auf die ich gleich noch gesondert zu sprechen kommen muß). Leider aber zählen auch die Zellen der Mund- und Darmschleimhäute dazu (ebenso wie Haar und Horn) … und tatsächlich, leider, wurde gestern mein Mundinnres höchst empfindlich, fast schon aphtisch. Vor Jahren, in meiner römischen Zeit, hatte ich sowas schon mal. Weshalb ich es kannte. Und hatte nicht Faisal auch davon erzählt? Hatte er, ja, aber er schlief bereits, ich mochte ihn nicht wecken. Schaute statt dessen meine Medikamente durch. Ah, ich erinnerte mich, Dexamethason, ein Kortikoid: dafür war es da. Also vorm Schlafen auch das noch geschluckt. Und in der Tat: Heute früh ohne jede Beschwerde (auch schlecht ist mir nicht, und Schmerzen habe ich nicht).
Dennoch, bizarr ist alles das schon: Ich, der zeitlebens ein Tablettenmuffel bis schärfster Tablettenfeind gewesen bin, schlucke nun das Zeug im Akkord: Und das einzige, was mich dabei beruhigt, ist, daß ich’s wüstenhalber tue, allein der Nefud wegen. Am Berliner Schreibtisch hingegen hielte ich’s kaum aus.
Und eine weitre Nebenwirkung hat mich erwischt, die, wenn ich über sie schreiben soll, heikler, nämlich schamheikler ist. Noch weiß ich wirklich nicht, wie mir ihr so öffentlich umgehen. Außerdem ist für sie die Wüste wiederum blöd: Ich brauche sozusagen eine Dauertoilette – aber nicht, weil’s unten nur so herausschießt, sondern weil im Gegenteil alles zwar da ist, aber komprimiert zu einem Pfropf oder har mehreren Pfröpfen von geradezu Brennholzdichte und -trockenheit. Das kommt nicht voran, nicht voraus, sondern müßte abgebrochen werden – ein Umstand, der meinen langsam schwindenden Appetit und meiner bereits geschwundenen Eßlust erst recht nichts mehr entgegensetzt. Ich fürchte, nur hoffen zu können, daß es in der nächsten Apotheke eine Drogerie gibt, die Birnspritzen führt. Mit sowas, sagte eben Faisal (und lächelte höchst süffisant, ich sah’s sogar durch seinen über die Nase gezogenen Shemagh), bekämen wie die Sache schnell in den, nun jà, “Griff”: “Warmes Wasser und Öl, mein Freund, und Sie sind’s los.”
Nur, wann werden wir die nächste Oase erreichen? Sehr bald? O bitte, bitte sehr bald! – Faisal, weise, schwieg. Aber lächelte er? Tat er, ja, es war an den Fältchen je seitlich der Augen zu sehen, die sich zum Himmel richteten: إن شاء الله

Aber das alles erst heute morgen, nachdem ich ohne jede spürbare Nebenwirkung aufgestanden war und mit meinen Mokka bereitet hatte; da streifte Faisal katzenpfötig von der Seite heran und grüßte in der edelsten Form: “السَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللهِ وَبَرَكَاتُهُ!” (“Allahs Friede und Barmherzigkeit mögen auf Dir liegen wie sein Segen”). “Ihnen”, mein Freund, grüßte ich auf Deutsch zurück, “der Göttinnen Allerreichstes auch.” – Er runzelte nur kurz die Haut unter seinen zusammengewachsenen pechschwarzen Brauen, dann ging die Wärme eines zuinnersten Lächelns durch sein Gesicht, das sich dennoch nicht, nicht einen Millimeter, verzog, sondern jeglich’ Würde ruhig wahrte. – Ob er sich zu setzen  dürfe? – Ich umschrieb den Halbkreis mit meinem rechten Arm, dessen Hand schließlich in der Luft über einem Kissen schweben blieb. Mit der anderen Hand hinter mich langend, holte ich ein zweites Mokkatäßchen aus dem geöffneten kleinen Karton.
Es sei da, hub er, Faisal, an, gestern in der Nacht eine Musik gewesen, die ihn beeindruckt, aber auch verstört habe – etwas “von drüben her” (sofern ich sein “من وراء” richtig verstand, “from over there” fügte er, nunmehr profan, auf Englisch hinzu). Es sei wie ein andrer أَذَان von andren Minaretten (“like another ذَان from other minarets”). – Er meine sicherlich den Schubert. Ja, auch mir sei das Stück neu und ebenso erschreckend, aber auch voll der Erkenntnis gewesen und einer Liebe, die so unpersönlich, daß wir sie kaum noch menschlich nennen könnten; derart “allgemein” klinge sie, was ja nichts als ein anderes Wort für abstrakt sei. “Sie meinen ‘göttlich'”, sagte er. “Ich meine: ewig”, sagte ich.
Er würde sie gerne noch einmal hören, zusammen mit mir.
Wir haben Glück, nein: Segen, und zwar zweifach; zum einen, weil wir über Satellitentelefone mit dem Internet verbunden sind; zum anderen, weil es bei Youtube eine Aufnahme gibt, die mir sogar noch essentieller, weil radikaler vorkommt als die durch das von mir gemeinhin favorisierte Alban-Berg-Quartett, nämlich diese dort:

Sie ist im Wortsinn ungeheuer. Sowie sich heute Zeit finden wird, wahrscheinlich gegen Abend, wenn wir den nächsten Ruheplatz gefunden haben werden, werde ich ihr zusammen mit meinem, ja, Freund? abermals lauschen. Jetzt aber, wieder auf dem Dromedar, muß ich über meine Antwort an Liligeia nachdenken, → deren wirklich übler Brief mir selbstverständlich nachgegangen ist. Ich fand ihn gestern morgen, da mir doch eh schon schlecht war, in den Mails. Vielleicht wäre es klug gewesen, oder sinnvoll, ihn zu löschen und überhaupt nicht drauf zu reagieren. Andererseits dachte ich mir, es sei nötig, dem Krebs ihre Stimme zu lassen, ja zu geben – und daß alles hier, inklusive diesem Krebstagebuch, eben nicht “nur” ein poetisches Spiel, sondern eines sei, daß in die Existenz greift, ja in ihr wühlt und sie möglicherweise mir ausreißt. Da gibt es nichts zu schönen, und genau das muß deshalb deutlich werden. Insofern ist Lis Brief dann doch in keiner Weise “böse”, sondern einfach klar aus der Situation eines Tumors geschrieben, dem wir unterstellen, daß er Bewußtsein habe. Nur dann aber können wir mit ihm sprechen, er mit uns (sie mit mir), ohne daß wir ihn (sie) aus uns ausgrenzen, als wäre er (sie) nicht in uns drin (“Fleisch von deinem Fleisch”). Also hat sie auch ein Recht, derart zu sprechen, und es ist an mir, eine Form der Erwiderung zu finden, die zwar ebenfalls deutlich genug ist, uns aber dennoch weiterzusprechen erlaubt.
Wobei ich sicherlich auch deshalb so milde grade gestemmt bin, weil ich heute früh weder Schmerzen habe, jedenfalls bisher nicht, als mir auch nicht übel ist. Eigenartigerweise. Denn gestern abend (in der Wüste?? hab ich das geträumt??) kam ich im Anschluß an den Abendspaziergang mit लक्ष्मी an einer Sushia vorbei und wurde von einem Riesenappetit, der ich doch über den ganzen Tag fast gar nichts gegessen hatte, aus Sashimi geflutet. Und weil ich drei Tage vorher einen ganzen gebackenen Wolfsbarsch (auch der schon war nicht bullig gewesen) verzehrt hatte, ohne daß mir irgendwie mies davon wurde, gab ich auch jetzt dem Lustanfall nach und bestellte – “zum Mitnehmen” – ein ganzes, wenn auch mit 18 Euro ziemlich teures Sashimi Moriwase, weil die anderen Sashimangebote nur Lachs und Thunfisch (Maguro) auf den Platten hatten. Was ich geschmacklich fade finde. Doch wie auch immer, ich aß das Moriawase … nein, “aß” nicht, sondern “futterte” es fast zur Gänze auf, ohne irgendeinen Überdruß, ohne jeden Ekel, einfach nur lustvoll und, vor allem, ohne unangenehme Folgen. Und tief, fast selig schlief ich nachher ein.
Also das hat mich sehr, sehr gütig gestimmt, auch und gerade der schönen Li gegenüber. Und dann hat bestimmt auch Ricarda Junges Dompredigt eine Rolle gespielt, die ich gestern live mitgeschnitten und zum Nachhören in Die Dschungel gestellt habe, → dort. So beeindruckend fand ich, der nicht an EInen – den EInen – GOtt glaubt, sie. Ich glaube, wenn ich denn glaube, an Göttinnen und Götter, glaube also plural, und an Volksgeister und -geisterlein. (Genau deshalb wahrscheinlich hat Faisal, der es ahnt, vorhin so kurz die Augenbrauenhaut gerunzelt, bevor wir über Schuberts Quartett zu sprechen begannen, was sie nahezu sofort sich wieder glätten ließ. Und ich muß daran denken, daß Ricarda einmal gesagt hat – es liegt Jahre zurück, aber ist mir immer, immer nachgegangen –, sie kenne niemanden, der GOtt so nahe sei wie ich. Gerade die Absurdität dieser Aussage – über einen zutiefsten Feind des Monotheismus – gibt ihr eine enorme Strahlkraft, und zwar gerade vom christlichen Gedanken aus, sofern wir ihn denn ernst nehmen. Was zu tun ich durchaus gewillt bin, doch ohne ihm kirchlich zu folgen.)

Religion. Wenn wir über den Krebs sprechen, wenn wir über die Tumorin, über Li, sprechen, kommen wir um sie nicht herum. Wenn wir über den Tod sprechen, egal ob er schon vor der Tür steht oder vor sich noch eine Riesenfahrt hat, oder wir sie vor uns haben … unsrerseits zu ihm hin:

Weil ich unter dem Tschilpen der Spatzen, die wirklich überall sitzen (…),

heißt es am Ende im TRAUMSCHIFF,

während Doktor Samir einen direkt auf der Hand hat, die er ausgestreckt hinhält, damit der kleine Vogel nicht erschrickt. Weil ich unter diesem ganzen, ich kann es gar  nicht anders sagen, Lärm den Ton hören kann.
Dass zu sterben so laut ist, wer hätte das gedacht?
Dass es klingt.

 

 

Ihr
ANH

(kurz zurück in der Arbeitswohnung, 10.29 Uhr)

 

 

Denn, P.S., zum “Arbeitsversuchsjournal” noch eben:
All meine Versuche gestern, es waren einige, in → die Béarts zurückzukommen, sind ziemlich kläglich gescheitert, weiterhin in der No. XXXII, der vorletzten des Zyklus. Ich kam nicht weiter, als daß mir der Schwarmtrieb von Bienenstöcken einfiel, ihr Hochzeitsflug. Aber kaum hatte ich es hingeschrieben (und recherchierte selbstverständlich weiter), erwischten mich die nächsten Gedanken an den Krebs und an meine mögliche Antwort an Li. Und dann wollte ich einfach nur hinaus — dies alles in der Parallelwelt meiner Berliner Existenz, die sich getrennt von der Durchquerung der Nefud weiterbegibt und dennoch tief mit ihr zusammenhängt, ein ständiges, durchaus andersweltsches Hin & Her zwischen den Welten und ihrer selbst. Wäre ich nicht tatsächlich erkrankt, ließe sich durchaus von Irresein sprechen oder davon, es zu werden – des poetischen, wie wir früher sagten, “Wahnsinns fette Beute”, doch letztlich Liligeias PRey, an der zuvor wir selbst gesaugt.

(Noch immer weder Übelkeit noch Schmerz, sondern reines ruh’ges Innen.
10.45 Uhr)

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