“Winter”zeit. Die im Arbeitsjournal des 30. Oktobers 2022, nämlich heute, beginnt, in welchem vom Kollwitzmarkt erzählt werden wird, der einen frühen Sommer vortäuscht. Wärn nicht die bunten Blätter gewesen, die trudelnd auf uns niedergingen. Sowie von unsrer nach wie vor luxuriösen Lebensblase. Weniger freundlich schließlich zu Olexij Makajew.

    [Foto Furtwängler/Lindholm ©: NDR / Frizzi Kurkhaus]

[Arbeitwohnung, 7.47 Uhr
Leszek Możdżer, Pasodoble (live, Berliner Philharmonie)]
Gearbeitet gestern quasi null. Vormittags die üblichen Besorgungen, dann schon wieder das melancholische Gefühl, alleine zu sein. Dabei war vortags mein Sohn hiergewesen, wir hatten lange und innig geplaudert. Geht dann die Wohnungstür aber wieder zu und das “Bis bald, Pa!”” ist im Treppenhaus verhallt, kann ich mich eigentlich nur an den Schreibtisch setzen, um mich auf anderes zu konzentrieren, das den leisen Schmerz überwölbt. Es ist dies, was für mich altzuwerden bedeutet, nicht irgendeine Krankheit oder sonstige Gebrechlichkeit, schon gar nicht mehr der Krebs, auch die Polyneuropathie nicht, die ich als normale Abnutzungserscheinung empfinde und mit der ich deshalb, auch wenn sie nervt, eigentlich ganz einverstanden bin. Auch sie ist ja ein Zeichen von Lebendigsein, und ich habe dazu die vielen anderen Menschen meines Umkreises im Kopf, die bereits mit dreißig/vierzig Ausfallerscheinungen hatten, ich hingegen nahezu nie. Da ist, empfinde ich, Gerechtigkeit. Nur aber, ja, dieses Alleinsein, das ich mit meinen Figuren fülle. Weil mir das gelingt, komme ich gar nicht auf die Idee, es zu beklagen; ich leide halt nur – und nur a bisserl – vor mich hin. Doch dann, von लक्ष्मी, über Whatsapp:

Zwanzig Minuten später Treffen Helmi Ecke Duncker/Raumer, लक्ष्मी ihr Fahrrad angeschlossen, zu Fuß weiter die Duncker hinunter, über die Danziger, in die Kollwitz bis zum Markt. An dessen Anfang gleich zwei Austern, für den Wein nachher, am Fischstand reserviert. Und zu den Gösleme weiterflaniert, in die Schlange ge– und einen der hier mit Hefe verkneteten dünnen Fladen bestellt, den unseren mit Hackfleischmischung, dann am Kollwitzdenkmal des kleinen, dem Spielplatz anrainenden Parks gemeinsam verzehrt, diesen beigeklätschelten Sauerrahm vertrage ich sogar — und schließlich weiter zum Weinstand, nachdem wir die Austern abgeholt hatten und eine noch obendrauf, die letzte noch vorrätige, geschenkt bekamen.
O wie die Sonne prallte!
“Ich trinke aber nur einen Wein, sonst ist der Tag dahin”: So nicht etwa ich, sondern sie. Ist fast immer das Zeichen dafür, daß der Tag dahin sein w i r d. Was aber heißt hier “dahin”? Er erfüllt sich. Man kommt auch schnell ins Gespräch mit anderen, die mit am Stehtischchen stehen.
Es gab keine Weingläser mehr. “Wir sind fast ausverkauft, ich fasse es nicht: Die Leute trinken seit elf.” “Ist doch klasse, wenn einem Stand das passiert!” Die Frau hinterm provisorischen Tresen lachte. “Stimmt.” Ich zog zwei Gläser aus den Abstellmulden für benutzte, reichte sie rüber. “Wir haben aber nur Wasser, um sie abzuwaschen.” “Nichts ist, das besser reinigt.” Also hatten wir unsere Gläser.
Auf dem Tischchen hatte लक्ष्मी die drei Austernbootchen zu einem Stern angeordnet. Ein älterer Herr (wozu ich schmunzeln muß; wie sich herausstellte, hatte er auf der Seele drei Jahre weniger als ich) habe, sagte sie mir gleich, Austern noch niemals gegessen. Ich schob ihm eine meiner drei hinüber, लक्ष्मी hatte keine gewollt. Nicht tapfer, sondern vor Neugier funkelnd schlüfte er die Molluske aus der Schale. “Oh”, entfuhr es einer älteren Dame, die mit ihrem Mann ebenfalls mit bei mit uns stand, “sowas bekäme ich niemals runter.” Der Austernneuling leckte sich die Lippen. “Meer”, funkelte er. “Es schmeckt nach Meer.” ‘Nach Frau’, wollte ich entgegnen, schluckte es aber hinunter; sein Funkeln hatte ohnedies gezeigt, daß er’s nun längst wisse. Auch deshalb versagte ich mir die weitere Bemerkung, nämlich für die ältere Dame, daß ihre Scheu mir nachvollziehbar sei, sie sich aber vor Männern hüten müsse, falls sie sie teilten. Statt dessen ihr Mann: “Der Prenzlauer Berg ist nicht mehr, was er war. Man hört fast kein Berlinisch mehr, sogar fast überhaupt kein Deutsch, nur noch andere Sprachen.” In solchen Fällen reagieren लक्ष्मी und ich fast unisono. “Mich beglückt es, wenn hunderte Sprachen durcheinanderwirbeln, das macht Berlin zur kleinen g a n z e n Welt.” “Und es ist eben nicht nur Englisch, bzw. US-Amerikanisch, sondern Französisch genauso, und Spanisch, und Arabisch, und Türkisch.” “Und Ukrainisch jetzt.” “Und auch Russisch, Vietnamesisch, Chinesisch, sogar Japanisch.” लक्ष्मी: “Viel Urdu auch, schaun Sie nur all die Radfahrer für WOLT – und Bengalisch, Gujarat …” “Außerdem immer wieder Farsi.”

Das Großartige an Begeisterungen ist, daß sie sich übertragen. Wenn das geschieht, ist für Ausländer-, sagen wir, -skepsis überhaupt kein Raum mehr, sie welkt quasi ebenso ein, wie die sehr indisch aussehende Mama unseres Sohnes mit ihrer gern getätigten Offenbarung, daß sie ein typisches Hessenkind sei, jeglichen “deutschen” Vorbehalt schlichtweg unterläuft, vor allem dann, wenn sie auch noch “hesselt”. Das bekommt sie aufs charmanteste hin – ja, dann gerät ihr liebevoller Spott so richtig in Fahrt.
Es war nun schon für sie und mich jeweils das dritte Glas, 0,2er wohlgemerkt. Der Austernneuling hatte sieben Becher Federweißen in sich und trollte lächelnd, leicht indessen schwankend, von dannen. Und लक्ष्मी schoß das fast schon rituelle Selfie für die Kinder, das sie auch sofort an die Zwillinge und unsern Sohn hinauswhatsappen ließ:

 

“Teilen wir uns noch einen?” So ich. Sie: “Du, dann laß uns noch einen im Schwarzsauer nehmen.” Halber Strecke zu ihrem Zuhause. Es war unterdessen fast schon Abend.
So saßen wir denn dort noch dreißig Minuten; sie hatte sich aber für einen Pernod entschieden, ich blieb beim Wein. “Magst du kosten?” Erst wollte ich nicht. “Einfach nur die Zunge reinstecken” – eine Formulierung, die es mir komplett unmöglich machte, abermals abzulehnen. Fassungsloserweise paßte der Anisgeschmack auf meinen Riesling gefährlich gut.
Nachdem ich die Frau heimgebracht hatte und über Gneist- wie Raumer-, von dort den Helmi durchflaniert, und Dunckerstraße heimgekehrt war, war ans Arbeiten freilich gar nicht mehr zu denken; auch daran nicht zu lesen. Also in einen Tatort mit meiner ganz sicher aus erotischen Gründen Lieblingskommissarin, Maria Furtwängler-Lindholm, hineingeschaut, doch auch das abgebrochen und sage und schreibe um halb neun ins Bett. – Klar, daß ich nach fünfeinhalb Stunden wieder wach wurde und erstmal nicht mehr einschlafen konnte; ich überlegte sogar, ob jetzt gleich – um 2! – aufstehen, mir einen Latte macchiato bereiten und mich an den Schreibtisch setzen. Entschied mich dagegen, stand nur kurz für ein Glas Wasser auf, nackt, klar, vor allem, weil ich frieren wollte, um einen Grund zu finden, wieder unter die Decke zu schlüpfen; leicht fröstelnd schnell auch noch aufs WC, ausnahmsweise im Sitzen pinkelnd, mit nämlich geschlossenen Augen. Und es klappte auch: Nun war mir kalt genug, um das Bett wieder anziehend zu finden. In dem ich auch ein- und bis sechs Uhr durchschlief, was sich nun als sieben Uhr herausgestellt hat. Ah jà, Winterzeit! Doch Winterzeit in einem Herbst aus Sommer. Über den लक्ष्मी  begeistert war, ebenso wie ich, doch: “Meinetwegen könnten”, sagte ich, “in Berlin Agaven wachsen, und Palmen. Doch etwas unheimlich ist es s c h o n.” Außerdem fehlte natürlich das Meer.

[→ Możdżer, Danielsson, Fresco: Praying]

 

Da heute abend einer wunderbaren Einladung zu folgen ist – ab 19 Uhr werde ich erwartet –, werde ich tagsüber allerdings davon absehen, erneut hinaus in diesen ungewöhnlichen Spätsommer zu schreiten, sondern strikt am Schreibtisch sitzen bleiben; es ist ein Konzept für eine Béart-Veranstaltung zu schreiben, das ich dem LCB vorlegen möchte, wie mit Florian Höllerer, dem Leiter des Hauses, anläßlich des → Marianne-Fritz-Perfomance-Abends abgesprochen. Ich habe die Idee, meinerseits eine Art Performance zu bauen, in der nicht “nur” Rivettes La belle Noiseuse und du Welz’ Vinyan eine Rolle spielen sollen, sondern auch → meine Gedichtvideos; wie, ahne ich bisher nur, habe da ein, verzeihn Sie, Freundin, meine Esoterik … habe da “ein Spüren”. Be”spielt” werden sollte das gesamte Erdgeschoß; ganz sicher machte auch meine Lektorin mit und mit ihrer als Specherin zutiefst magischen Stimme लक्ष्मी  genauso, die auch sehr gerne, wie sie gestern sagte, bei meinem Projekt, → Anderswelt als Hörbuch einzusprechen, mit dabeiwär. Ihr fehlt, “spürte” ich schon zuvor, die poetische Hörstückarbeit fast ebenso wie mir. – Doch damit, die → Andersweltromane w e i t e r einzusprechen, werde ich erst einmal bis zum Dienstag warten müssen, weil ich doch hören möchte, was meine Lektorin zum schon eingesprochenen THETIS-Vorspiel sagt, die momentan noch durch die kretischen Berge reitet – eine in mir so bildhaft bewegte Vorstellung, daß ich ganz unruhig vor Beglückung bin — selbst dann, wenn ich nun erst einmal nachlesen werde, wie es um den entsetzlichen Ukrainekrieg steht, der uns alle nicht nur unter der Haut begleitet. Oder, wie es gestern लक्ष्मी  ausgedrückt hat: “Wie leben hier in einer Blase.”

Ihr, schöne Freundin,
ANH

***

[11.41 Uhr]
Dauernd Jungmädchenanfragen bei Facebook um “Freundschaft”. Manchmal reagiere ich, z.B. wie soeben:

[14.39 Uhr
Johannes X. Schachtner, Symphonischer Essay (2008/2016)]
Olexij Makajews Forderung[1]Hier von → Zeit online eingefügt, Autorin: Verena Hölzl. ist, so sehr sie sich morallogisch auch nachvollziehen läßt, scharf abzuweisen. Zum einen folgt Moral keinem logischen System, sondern sieht eben auch innere Widersprüche; zum anderen, und das ist entscheidend, müssen wir uns — wenn wir Europäer denn, wie dauernd behauptet, Werte tatsächlich haben, die im Abendländischen wesentlich christlicher Natur sind — fragen, wie hätte an unserer Stelle der Nazarener gehandelt. Hätte er die geflohenen Kriegsdienstverweigerer aufgenommen, auch wenn sie vor der russischen Teilmobilmachung für diesen widerlichen Krieg gewesen sein sollten, oder hätte er sie in den sicheren Tod zurückgeschickt? Die Antwort ist eindeutig. Zumal diese Menschen tatsächlich noch niemanden getötet haben oder Ukrainern mit eigener Hand sonstwie geschadet. Aber selbst, hätten sie es getan, wären sie aufzunehmen, ihnen danach allerdings ein rechtsstaatlicher Strafprozeß zu machen, in dem nach Beweislage vorzugehen und im Falle mangelnder Beweise in dubio pro reo zu entscheiden wäre.

[Johannes X. Schachtner, Quatre tombeaux de vent (2013)]

 

References

References
1 Hier von → Zeit online eingefügt, Autorin: Verena Hölzl.

Der hierunter angekündigte Livestream konnte aus technischen, in der Kürze der Zeit nicht mehr behebbaren Gründen nicht ausgestrahlt werden.

Ich bitte alle, die möglicherweise vergeblich gewartet haben, um Entschuldigung.
ANH, 9. Mai, 7.06 Uhr
(Es gibt aber möglicherweise Filmrestschnipsel sowie eine komplette Tonaufnahme, die ich später hier einstellen werden.)

Ab ca. 16.20 Uhr

Soeben erschienen | DIE BRÜSTE DER BÉART | diaphanes, Zürich 2022. Das erste Exemplar.

 

“Messer, ein Messer! Gebt mir ein Messer!
Ich kann es doch sonst gar nicht lesen!”[1]Mit der mit diesem Band neu gegründeten Reihe —non coupé eröffnet DIAPHANES einen Raum für Sprachkunstwerke unterschiedlichster Form. Die individuell gestalteten Cahiers präsentieren sich in … Continue reading

 


Alban Nikolai Herbst
Die Brüste der Béart

Cahier in unaufgeschnittener Broschur
Fadengeheftetes Naturpapier
128 Seiten 30 Euro
Druck & Bindung von
J. – P. Louis, Tusson
ISBN 978-3-0358-0466-9
Bestellen

***

Die erste Präsentation des Buches wird
am Sonnabend, den 8. Mai 2022, um 16 Uhr

unter Mitwirkung von
Elvira M. Gross, Michael Heitz und ANH
im Berliner ESPACE DIAPHANES, Dresdener Straße 118 (Kreuzberg),
stattfinden.

Im Anschluß Wein und Gespräch.

***

References

References
1 Mit der mit diesem Band neu gegründeten Reihe —non coupé eröffnet DIAPHANES einen Raum für Sprachkunstwerke unterschiedlichster Form. Die individuell gestalteten Cahiers präsentieren sich in unaufgeschnittenen Druckbögen in Fadenheftung auf hochwertigem Naturpapier in limitierter Auflage. DIAPHANES non coupé.

Zwischenspiel. Ein paar Worte zu der Videoserie. Dazu Иностранная литература, No 3.

[Arbeitswohnung, 14.17 Uhr]
Da spätestens mit den → Bamberger Elegien, zu also Anfang Mai, die einzelnen → Videofolgen länger werden, entschieden länger, habe ich mich – auch, um nicht unter noch mehr Zeitdruck zu geraten – entschieden, auch den kürzeren Zyklen, die also aus mehreren Gedichten bestehen, mehr Zeit einzuräumen. Auf eine Variationsserie etwa wie “Soldaten”, die aus acht Teilen besteht, wird dann erst acht Tage später der nächste Clip folgen. Entsprechend wird auf die zwei → “Trennungsgedichtchen” von gestern erst morgen ein neues Video folgen.
Bei den Elegien werde ich die Tagesanzahl jeweils von der Länge abhängig machen; ich möchte sie aber auf keinen Fall tageweise zerstückeln, sondern am Stück vortragen, was am Stück vorzutragen auch ist. – Vor eine besondere Schwierigkeit wird mich etwa ab September die Aeolia stellen, die ja ein einiges, aber buchfüllendes Gedicht ist. Meinem Sohn und mir kam der Einfall, das dazugehörige Video direkt auf Stromboli zu drehen, wo das Gedicht ja spielt. Dabei will er die Bildregie übernehmen, alles übrige soll in meiner Hand liegen. Ob sich die höchst reizvolle Idee realisieren läßt, hängt zum einen von Corona ab, zum anderen ist sie auch nicht ganz billig. Mais on verra.

(Für mich selbst, nebenbei bemerkt, wird Corona die Rolle nicht mehr spielen, weil ich übermorgen meine erste Impfung bekomme; die zweite wird Anfang Juni folgen. Ein ärztliches Attest tat hier, ich kann’s nicht anders sagen, Wunder.)

Dennoch, liebste Freundin, bleibe ich Ihr

U n h o l d

P.S.:
Ah-à-propos Elegien! Ich glaube, Sie wissen es noch gar nicht; das lange zwölfte Stück, die Elegie aufs Grab meines Vaters, ist soeben in dem in Moskau erscheinenden Literaturmagazin Иностранная литература (“Internationale Literatur”) erschienen, zusammen mit dem höchst komplexen Stück “Die Richtigstellung” aus http://inostranka.rumeinem (und → Elvira M. Gross‘ens) →WÖLFINNEN-Band, und die Übersetzerin, was mich sehr, sehr stolz macht, ist die gerühmte → Tatiana Baskakova. Wir haben unterdessen einen wunderbaren Kontakt. Tatsächlich möchte sie es bei den beiden Übertragungen nicht belassen, sondern sitzt in diesem Moment über dem → TRAUMSCHIFF.
Es ist schon seltsam. Ausgerechnet in dieser auch für mich recht schwierigen Zeit (allein schon, nicht reisen zu dürfen!) beginnt sich etwas massiv zu bewegen. Auch wenn ich schriftlich hier momentan schweige. Im Mai noch, jedenfalls, wird die Neufassung des New-York-Romans herauskommen, für einen Monat später sind die → Béartgedichte bei → diaphanes geplant. Und im Herbst wird es zu meinem Werk einen → text+kritik-Band geben. All das auf nahezu einmal … ich kann es fast nicht fassen.

Das Erledigungs(2)journal sowie (Nach)krebstagebuch des Dienstags, den 10. November 2020. Mit Benny Profane, dem Pluto Symphny Orchestra und am Abend Langes Carmen von Bizet.

[Arbeitswohnung, 14.22 Uhr
Hans Abrahamsen, → Let me tell you (2013)]

November. Irgendwie mag es den ganzen Tag über nicht hell werden. Dennoch schoß ich um sechs aus dem Bett, denn das da war nun → auch noch, und zwar extrem dringend, zu erledigen:

Und je früher ich im Waschsalon wäre, desto höher die Chance freier Maschinen. — Tatsächlich war, als ich zwanzig Minuten später eintraf, niemand da außer mir. So konnte ich auf die Maske noch verzichten, wie ich’s schon in auf den Latte macchiato in der Arbeitswohnung getan hatte. Ich hatte lediglich einen Espresso gestürzt.
Fünf vollste Ladungen wurden es. Als alle sich drehten, zurückgeradelt, dort das Bett neu bezogen, von gestern abend abgewaschen, kurz in die Post geschaut, Nachricht von diaphanes war da, Elvira und ich sollen uns für die letzten Korrekturen der Béarts soviel Zeit  nehmen, wie wir brauchen, aber der Verleger freue sich auf das fertige Typoskript sehr, — da waren die mir verbliebenen fünfzig Minuten bis zur Waschzeit der jedenfalls 30-Grad-Maschine fast schon vorüber, und also ging’s wieder an die → Danziger/Ecke Eberswalder. Mittlerweile drehten sich vier weitere Maschinentrommeln außer den meinen; da war aber immer noch niemand. Die meisten nutzen die direkten Waschzeiten für anderes, nur wenige warten den gesamten Prozeß vor Ort ab.
Doch nun beginnt der eigentliche Arbeitsteil: die fertigen Maschinen leeren, die Wäsche je in die Trockengeräte umfüllen, darin je an die zwanzig Minuten trockenwerfen, also sehr warm durchblasen lassen, dann herausnehmen und sorgsam Stück für Stück zusammenlegen. Bei den für mich üblichen Wäschemengen bin ich damit gut anderthalb Stunden beschäftigt. Dann alles vorsichtig in den großen Rucksack einlegen, teils auch a bisserl stopfen, nicht immer geht alles hinein, dann musses innen Fahrradkorb, gesondert; wie diesmal eben auch. Und erneut zurück. Dort den Rucksack dann leeren und alles einräumen, was in einer so engen Wohnung wie der meinen auch, ebenfalls wie heute, bedeuten kann, die anderen Stöße zur Neuordnung aus den Regalen nehmen usw. Außerdem war noch der Duschvorhang wieder anzubringen, den ich meistens mitwasche, weil sich im Bad so das Schimmeln verhindern läßt und der Vorhang lange, sehr lange hält. Eigentlich ist er so gar nicht kaputtzukriegen.

Nun war es tatsächlich elf Uhr. Um zwölf wollte ich zum Laufen los, auch wenn mir der permanenten Dämmrigkeit wegen durchaus flau war. Daß ich dann tatsächlich nicht lief, lag nicht nur an der Müdigkeit, die mich deshalb überkam, sondern sie wurde noch sehr viel dunkler, nachdem ich mir die Spritze gesetzt hatte. Als Folge der Magenresektion und also des Krebses wird sie von nun an vierteljährlich zu meinem Alltag gehören. Nix Bedeutendes, “nur” → Vitamin B12 — für dessen körperinterne Aufnahme ein spezielles Eiweiß nötig ist, das beim Menschen  nur in der Magenschleimhaut wirkt. Kein Magen also, ergo kein solches Vitamin, was wiederum die Bildung der roten Blutkörperchen blockiert. Dort → einige der möglichen Folgen.
Mithin muß ich mir dieses Vitamin in regelmäßigen Abständen, laut meinem Onkologen vierteljährlich, künstlich zuführen. Die geradezu leuchtend rote Flüssigkeit wird aus kleinen Glasampullchen je auf eine Spritze gezogen und irgendwo in den Muskel injiziert; ich wähle den Oberschenkel, weil sich da ganz gut eine Delle zusammenpressen läßt, in  die ich die Nadel steche. Was überhaupt kein Problem ist, es tut auch nicht weh. Von dort wird das Vitamin zur Leber transportiert, die es speichert.
So weit, so immer noch sehr gut. Aber dann ging die Müdigkeit erst richtig los, obwohl ich nicht wirklich sagen kann, daß es an der Spritze lag. Es geschah nur so auffallend gleichzeitig. Kurz, ich mußte mich legen. Und schlief ein.
Als ich eine Dreiviertelstunde später aufwachte, wurde mir bewußt, daß ich heute noch überhaupt nichts gegessen hatte. Ich soll aber aufpassen, nicht zu sehr abzunehmen, vor allem jetzt, wo ich solche Kalorienmengen beim Sport verbrenne.
Suppe von gestern abend aufgewärmt, gelöffelt, da ging es mit den Bauchschmerzen los, genau unter dem Bruch wie nun schon die ganze Zeit, seit es zu ihm gekommen ist. Was blieb mir übrig, als mich abermals hinzulegen? Jetzt schlief ich zwar nicht mehr, aber lauschte ruhend dem ziemlich heftigen Gegurgel in meinen Eingeweiden. Irgendwann, wahrscheinlich als es endlich aufgehört hatte, schlief ich doch noch mal ein. Und nun ist es schon nach drei Uhr frühnachmittags, ich spüre bereits den Abend sich senken, mag gar nicht hinausschauen, fröstele auch und lasse das heutige Joggen also bleiben. Es sind auch Briefe zu beantworten, darunter dringende Fragen meines Elfenbeinverlegers zu nötigen Korrekturen im Satz der sehr bald herauskommenden Neuausgabe des WOLPERTINGER-Romans. Und Arco bittet um den Entwurf einer Vorschautextes der Neuausgabe meines New-York-Buchs. Unter anderem möge ich bitte die unterdessen fast historische Lesart herausstellen, da es seinerzeit (1999/2000) noch die Türme des World Trade Centers gegeben habe, auf einem derer eine Szene spielt, aber nicht nur das: Sondern sie geben gleichsam das Maß der Under Manhatten genannten Gegenstadt ab, in der der große utopische Konzert des Pluto Symphony Orchestras stattfindet, eines nur aus Obdachlosen bestehenden Orchesters, die ihre Bleibe in verlassenen Gängen des UBahn-Netzes haben, sehr knapp nur über den → von Krokodilen bewohnten Abwasserkanälen, in denen sie Benny Profane jagt (folgen Sie, Freundin, dem letzten Link, dann können Sie es hören).
Außerdem möchte ich Knelangen antworten, der privat einige Korrekturen zu den Béarts und auch Einwände geschickt hat, die ich aber alle selbstverständlich mit meiner Eckermännin besprechen werde, bevor ich entscheide.

Und aber nun ist es fast schon halb vier. Immerhin habe ich diese Müdigkeit jetzt zumindest im Griff und werde wohl arbeiten tatsächlich etwas können. Im übrigen läse ich gerne in Kjaerstads FEMINA ERECTA weiter.

Ihr ANH

Und ab 19.30 Uhr >>> das:

 

In Marius Felix Langes, coronahalber, Bearbeitung für kleines Ensemble. Insofern eine, nämlich, Uraufführung.
(Ich wäre gern selbst hingefahren, aber mir fehlt derzeit das Geld, in diesem Fall für Bahnfahrt und ggbf. Übenachtung; außerem  sitze ich nicht so gerne zweieinhalb Stunden lang  mit Maske da. Und habe ja morgen vormittag den nächsten Covid19-Test wegen der OP am Freitag, zudem das Gespräch mit dem Anästhesistin.)

Das Verhängnis der Heiligenscheine im Arbeitsjournal des Freitags, den 6. November 2020. Als vierunddreißigstes Coronajournal und weiteres (Nach)Krebstagebuch, darinnen zitiert wird erneut: Die Brüste der Béart,64. (Nämlich).

 

[Arbeitswohnung, 7.04 Uhr
France musique contemporaine:
Anthony Payne, The Stones and Lonely PLaces sing]

Noch nie so viele Corona-Tote in Berlin
an nur einem Tag

titelt der heutige Morgenbrief der Berliner Morgenpost. Insofern wundert

es mich kaum, wenn die Zugriffszahlen → dafür mit in zwei Tagen nahezu 1500 geradezu durch die Decke gingen. Derweil ich weiter mit meiner Steuer, aber auch mit einem Covid19-Abstrich → im Sana beschäftigt war, der rein unnötigerweise vorgenommen wurde, weil nicht dran gedacht worden war, daß er vor der stationären Aufnahme nicht älter als achtundvierzig Stunden sein darf. Hätt ich auch selbst drauf kommen können, so einsehbar ist es. Immerhin kam ich drauf, daß vor der OP noch ein Arztgespräch wegen der Anästhesie geführt werden muß, aus juristischen Gründen; worum es geht und welche Risiken es gibt, weiß ich doch gut.
Also nach dem CT nochmal zurück zum Aufnahme-Empfang, nachgefragt und — Ecco! Nun am kommenden Montag die Coronastäbchen erneut in den hinteren Rachen und in die Nase knapp unterm Gehirn sowie die Aufklärung durch den oder die Anästhesistin. Hübsch, wenn man genau sein möchte, aber auch flüssig, so daß der Anästhesistin dabei herauskommt. Das gefiel mir so gut, daß ich nicht nur sofort nach der Rückkehr den seit vorgestern abend in langer kühler Führung fermentierenden Teigling in den Backofen schob, aus dem er dann so herauskam:

 

Sondern auch sofort mit dem Krafttraining an dem fest in der Decke installierten → Slingtrainer anfing, da ich vom Radfahren eh noch warm war und es draußen, um mit dem TRX-Band in den Thälmannpark zu gehen, schon zu weit hinab mit der Sonne ging; bereits früh berührt sie jetzt die Riste der Dächer, hinter denen Wärme und Licht dann verschwinden. Im Dämmern bereitet es vor allem dann keinen wirklichen Spaß, an frischer Luft zu trainieren, wenn diese Frische bereits etwas scharf ist — so geradezu schlagartig kühl geworden, daß sie beim Einatmen sogar schon etwas beißt. Außerdem war danach, und nach der Dusche, gleich wieder am Schreibtisch, um mit der Steuer weiterzumachen. Unterdessen bin ich – für 2019, wohlgemerkt – bei den Reisen. Es ist wie aus einer anderen Zeit. Reisen, Freundin, reisen zu können! Es war doch stets eine Grundlage meiner poetischen Arbeit und somit auch meines Lebensunterhaltes. Vorbei. So wird die Erstellung dieser Steuererklärung zu einem auch melancholischen Akt, einem leiser Trauer. Daß er überdies mit meinem Eintritt ins Rentenalter zusammenkommt und unten drunter → Liligeia stets mitläuft, auch wenn sie verging, macht es nicht besser; wobei es mit ihrem Vergangensein, siehe nächste Woche Mittwoch, ganz auch nicht stimmt.
Was stimmt denn schon noch?
Die Entkörperlichung von Welt wälzt sich voran. Ich kann im tiefsten an ein Ende dieser Coronakatastrophe nicht glauben, jedenfalls nicht in – nach Jahren gerechnet! – absehbarer Zeit.  Corona, das war einmal ein Wort für Heiligenscheine: Nun sehen wir ja, wohin uns der Monotheismus gebracht hat. Was wir hätten sein können, durchgestrichen. “In einer entkörperten Welt”, sagte ich gestern einer nahen Freundin in Facetime, “möchte ich nicht mehr leben. Es ist kein Platz darin für einen wie mich.” Wenn Gaga Nielsen → dort auch Vorteile im Tragen dieser Masken sieht, so finde ich das gutgesprochen. Zum Menschen gehören auch üble Gerüche, das ist gut und sehr richtig so und nirgends deutlicher wahrzunehmen als in Mumbai, einer Stadt, die eine Orgie aus Geruch ist —

… toll, übrigens, grad: György Ligetis Hungarian Rock für Cembalo von
1978, kannt’ ich noch gar nicht, läuft soeben bei, Link siehe oben,
France musique …

 

 

 

—, von den allerschlimmsten zu den herrlichsten, von Scheiße über moderndes Laub bis in die Höhen der Heiligen Rauche und die Geheimnisse magischer Parfumeur(e)s – manch eine Circe fürwahr. Aber eben auch nur denkbar, weil es Scheiße gibt, die auch so riecht, und Ausdünstungen der Körper, die uns in feinster, nämlich bewußt nicht wahrgenommener Dosierung um den Verstand bringen können und liebesrasend machen. Genau diese Dynamik, dieser Zusammenhang wird von der entkörperten, entkörpernden Moral zerstört. Und daran arbeitet Corona nun mit — man könnte in der Tat den Virus für einen bewußt erzeugten halten. Nein, ich tue es nicht, aber denke nach wie vor und verstärkt, daß wir es mit einem selbstregulativen Prozeß zu tun haben, der auswaschen soll und es wird und schon tut. Es ist in nicht-monotheistischem, sondern pantheistischem Sinn eine Sintflut, für die wir die Archen, die auf ihr schwimmen hätten können, und ganz wunderbar, mit eigenen Händen zerschlagen haben und weiter, immer noch weiter zerschlagen, indem wir lästern, → was wir sind:

Niemand war bei mir, nur der Vögel gezwitscherter Jubel
Sie trist aber drinnen, wie wenn sie weiter unentwegt fragte:
Würde nicht einmal noch ich | mir, an die Schönheit zu glauben,
erlauben, die wir Künstler stets gesucht:
                                                             – was werde dann aus ihr?

Und leiser, fast nicht hörbar: „… mir?“
„Nichts als Funktion, um die sich keiner plagte,
noch daß sich einer noch | nach seiner Muse sehnte,
weil die Verehrung Fraun, so heißt’s, entwürdigt.”

Grob war ihr Lachen, und verletzt, als sie da aufstand,
Jacke und Schal nahm und ging, während ich draußen
die beiden Kekse – mit mir allein und dem tschilpenden Spatzen –
jeden für sich von den Tellerchen nahm und zu Bröseln

rieb und die Krümel achtsam streute, woraufhin sich das Kerlchen
derart freute, daß es sich gleichsam, und enorm, vermehrte,
bis ich meinte, die ganze geflügelte Spatzkolonie

habe sich bei mir zusammengefunden: Sie saß
zwitschernd auf Stuhllehnen, Tischchen, ja selbst meinen Füßen
und hüpfte, des flatternden Lebens Gloriole, am Boden

***

So, zurück, meine Freundin, an die Steuererklärung, und auch die Musik werde ich wechseln: Verdi, Macbeth wahrscheinlich. Oder wieder Puccini. Ich will beim Rechnen mitsingen können.

ANH

__________
>>>> Béart 65 (folgt)
Béart 63 <<<<

(Nach)Krebstagebuch. Am Dienstag, den 3. November 2020: Der Narbenbruch ff. Später auch Steuererklärungsbeginn mit Puccini im Ohr Barbirollis.

 

[Arbeitswohnung, 8.38 Uhr
France musique contemporaine:
Gabriela Ortiz, Trifolium für Violine, Violoncello und Klavier]

Das “Hernje” ausgesprochene Wort kommt vom Griechischen ἔρνος, “Knospe” nämlich sowie “Sproß”; im lateinischen hernia wurde “Bruch” daraus. Wobei ja nicht wirklich etwas gebrochen ist, sondern das unelastische Narbengewebe hat sich wieder geöffnet und weitet sich derart, daß sich ein Teil des Bauchinhalts hindurchdrücken kann — was bei mir derzeit so aussieht:

Die Ausstülpung (von überm Nabel links der Narbe bis unten etwa Bildmitte folgend) läßt sich ziemlich gut erkennen. Die Diagnose war aber eh klar. Nur wird derzeit wegen der gegenwärtigen neuen Coronabestimmungen die Behandlung von Brüchen dieser Art eigentlich aufgeschoben; in meinem Fall allerdings, nach der Magenresektion, besteht die Gefahr von Einklemmungen, die wiederum zu solch lebensbedrohenden Unappetitlichkeiten wie Darmverschlüssen führen können. So daß nun meine Operation bereits Mitte der nächsten Woche stattfinden wird.
Ich war gestern bei meinem Operateur.
Blöderweise ist die OP nicht laparoskopisch zu machen, sondern der unterdessen zusammengewachsene Bauchschnitt muß noch einmal ganz geöffnet werden. Dann wird ein Netz, das für spätere Stabilität sorgen soll, eingezogen und neu vernäht – ein Vorgang, der mir von meinem Leistenbruch her noch bekannt ist. “Routine, Sie müssen auch nicht auf die Intensivstation nachher. Irgendwie”, mit Blick auf die covide Situation, “schieben wir sie schon in einem der Zimmer dazwischen.”

So ist nun allerdings im Vorfeld einiges zu tun; Einweisung besorgen, von der Krankenkasse genehmigen lassen, noch einmal ein CT (das aber eh zum Abschluß fällig war) sowie, unterdessen ein quasi running gag für mich, der dritte Coronatest innerhalb dreier Monate. Ich bin nur froh, daß die → Béart-Arbeit erst einmal erledigt ist; an die letzte Durchsicht wird meine Lektorin erst nach dem 15. kommen, und das zweite START-Seminar wird erst am Ende dieses Novembers stattfinden. Insofern paßt alles. Und ich kann überdies, womit ich heute beginnen werde, endlich die fällige Steuererklärung für 2019 angehen, deren Abgabetermin das Finanzamt – Liligeias wegen – auf Ende Dezember aufgeschoben hat. Nun bekomm ich’s schneller hinter mich, werde direkt vor der OP abgeben können. Das wirklich Ärgerliche an allem ist, daß ich mein Training werde erneut pausieren lassen müssen. Dabei bin ich wieder bei 10-km-Läufen angelangt und habe sogar meinen Ruhepuls auf fast wieder die für mich normalen 50 runter. Schon spannend, sich die Entwicklung seit Wiederaufnahme des Trainings anzusehen:

Am 21. Oktober habe ich das Training nach der OP und der vorher langen Pause wieder aufgenommen, und schon ab dem 29. fiel ging der Ruhepuls auf unter 60. Nur noch vier Wochen weiteres Training, und ich hätte die 50 wieder stabil. Auch einige verlorene Muskulatur wäre wieder zurück. Ich war immer in einem zutiefst vertraulichen Verhältnis mit meinem Körper und kann ihm dafür gar nicht genug danken; daß ich ihn werde nun wieder vernachlässigen müssen, ist übel. Aber andrerseits eben auch zu seinem Schutz.
Wie auch immer, es nervt mich. Bis zur OP allerdings trainiere ich erst einmal weiter, wenn auch mit, nun jà, “Bedacht”.

 

Leider, leider wirkt Liligeia nach; noch ist sie nicht wirklich besiegt.

 

Ihr ANH
[Anthony Braxon, Composition no 16 (101)]

[15.40 Uhr
France musique contemporaine:
Paul Mefano, Ondes espaces mouvants]

Schreibt mir aus Wien meine Lektorin, die mir zuvor schon von den Attentaten erzählt hatte (sie war vornachts mit den anderen Besuchern unter Polizeischutz aus dem Burgtheater geführt worden), aus Wien: aber solltest du nicht ruhe geben? Worauf meine iMessage antwortet: Eigentlich … aber da wär seelisch die Belastung zu groß. Nach der Neu-OP nächste Woche werde ich ja trainieren gar nicht können; also bis dahin dann halt … Aber ich bin vorsichtig, trainiere um den Bauch sozusagen herum. Versprochen.

Wobei wir heute geradezu ein Frühjahrswetter haben in Berlin; vom Lockdown war kaum etwas zu merken, abgesehen von den Schildern an den Restaurants und hier und da rauchend plaudernden Polizeigrüppchen, die eher nach Sonntags-Abchill’n wirken.

Nach dem Duschen eine tiefe Stunde siestageschlafen.

 

Und jetzt:

DER STEUERERKLÄRUNG ERSTER TEIL

Dazu die, seht unten rechts im Bild, wahrscheinlich unerreichte Madama Butterfly des Teatro dell’Opera di Roma unter → John Barbirolli; Renata Scotto in der herzbeklemmendsten Titelrolle der Welt. So wird selbst eine Steuererklärung, bzw. ihr Vorbereitungsprozeß, zum Seelenereignis.

 

(Allerdings nehme ich das LP-Behältnis nun wieder vom Tisch.)

 

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