Sperlingsweide

 

“Laßt das, die Melancholie, den Mondschein und all den Plunder; und geht’s auch manchmal wirklich schlimm, nur frisch heraus in Gottes freien Morgen und da draußen sich recht abgeschüttelt; im Gebet aus Herzensgrund — und es müßte wahrlich mit dem Bösen zugehen, wenn Ihr nicht so recht durch und durch fröhlich und stark werdet!”

 

“… nehmt die Blumen des Lebens fröhlich, wie sie der Augenblick gibt, und forscht nicht nach den Wurzeln im Grunde, denn unten ist es freudlos und still.”

[Der Sänger Fortunato erst, darauf Frau Venus bei
Joseph von Eichendorff am Helmholtzplatz in Berlin
unter kräftiger, leuchtender Spätsommersonne.
Berlin, den 19. September 2020: → Das Marmorbild.]

 

 

Winkler Dünndruck
mit einer Einführung und einer Zeitttafel sowie
Anmerkungen von Ansgar Hillach. München 1970

Optimistischer Fatalismus. Im Tauge/Nichts von Norbert W. Schlinkert.

[NACHTRAG, 4. März:
Siehe jetzt auch dort.]

Welche eine grandiose Begriffsschöpfung → dieses Autors!

Die aus der Antike heraus verbürgte, der adligen Oberschicht vorbehaltenen Lebensart des aktuell und damit auf Dauer gelingenden Lebens ist ihm dabei nicht fremd, nur eben nicht auslebbar über den Tag hinaus, woraus folgt, jeder Tag ist ihm ganz ein Leben, die Nacht ein Traum und  und der Morgen eine Wiedergeburt.
Tauge/Nichts, 69

Und etwas später wird, was hier schon → aus einer kleinen Novelle herausgeperlter Klein-Essay ist, sogar Nukleus einer Romantheorie:

(…) der Schreiber weiß dem Willen der Romanfigur (…) nun also immer weniger entgegenzusetzen, obgleich der Schreibende gleichzeitig keineswegs nur Büttel der Romanfigur (…) ist. Doch nur aus dieser binären Konstellation kann überhaupt ein guter Roman, ein Kunstwerk entstehen (…). Die Erschaffung eines aus den Zeilen steigenden Taugenichts ist also allein Sache des Taugenichts! Niemand anders kann das, hier und ausschließlich hier, in der Selbsterschaffung, ist der Taugenichts vollständig taugend!
Tauge/Nichts, 77

(Allerdings hätte ich auf die Ausrufezeichen verzichtet, sie stampfen zu sehr mit dem Fuß auf, wo ohnedies klar ist, wer recht hat. Aber dann – und hier nun muß ein solches Zeichen hin: — die Folge!: daß der erste Satz einer Erzählung der einzige sei, der alleine dem Autor zukommt. So steht’s auf S.77.)

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