وادي المقابر, fahl. Aus der Nefud, Phase III (Nacht von Tag 2 auf 3). Donnerstag, den 18. Juni 2020: Krebstagebuch, Tag 50.

 

[صحراء النفود.عالم آخر, Abendlager, 17.43 Uhr]

 

Doch es war – von vorgestern auf gestern – Nacht noch, als ich an meinem rechten Ohr die Stimme vernahm, die ich schon immer, muß ich beinah denken, kenne, seit also je — was selbstverständlich die Lebenszeiten ausschließt, die noch keine Erinnerungen bewußt bewahren; ob aber unbewußt, stellt sich bisweilen in Psychoanalysen heraus. Wobei nicht-bewahrte Erinnerungen auch mit dem noch unentwickelten Sprachbewußtsein zusammenhängen. Was ich erinnere (sofern ich das Verb einmal aktivisch verwenden darf, was unterdessen zwar usus, grammatisch dennoch falsch ist), muß ich benennen können, ansonsten ich allenfalls von Ahnungen, in keinem Fall aber Erinnerungen sprechen kann.
Es war also noch Nacht, die allzu bekannte Stimme allzu schlafnah, doch so jenseits der Membran, daß sie mich wirklich weckte. Ohne aber, daß ich sofort verstand, daß dies bereits die oder doch eine Wirkung des nunmehr dritten Kreises sei, in den wir eingeritten sind, und nach dem zweiten Tag schon! So wirken hier die Strahlungen.
“Steh auf, mein Schöner, komm!”, so säuselte die Wüstennixe sanft, ihre Stimme – Häuten von Schlangen gleichend, wenn sie noch leben – ein gekühlter Samt. Auch konnte ich sie riechen, den für sie, sobald erregt, typisch puderigen Duft des Nackens, in dem nur wenig Säure spielt, doch sie ist’s, die uns Männer hinzieht, sofern sie klandestin bleibt und also unsren Fetisch Autonomie so spöttisch wie bestimmend unterläuft. Nahezu alle meine Frauen hatten diesen Korridor, innen, der aus dem Schoß zum Nacken aufgeleitet. So daß ich’s kribbeln spürte zwischen meinen Teppichen. Bis ich dann wirklich wach war.
Sehen konnte ich sie nach wie vor nicht, auch nicht, als ich die Augen öffnete. Das Licht des Mondes war derart hart, daß es durch die Planen meines Zeltes wohl nicht wirklich schien, aber genügend hereinsinterte, daß ich mich gut zurechtfinden konnte, meine entäußerte Krebsin dennoch zwar spürte und, wie erzählt, deutlich roch, aber einfach nicht sah.
“Vertraue”, hauchte sie, gurrte sie.
Dann zog sie mich zum Ursprung.
Hinaus.
Zu einem ihrer Ursprünge, nicht meiner. Ich bin damit lediglich geboren. Was es bedeutet – oder, damals, bedeutete – hat zuerst sie austragen müssen. Denn

(w)er die Last für etwas tragen soll, das er sich nicht vorstellen kann, muß es sich erfinden. Er wird sonst krank oder verstummt. Sicher, vorstellen kann es sich jeder irgendwann, deshalb gibt es ja Geschichte als Lehrfach. Aber wie sollen wir es fühlen, wie Buße für etwas tun, innen, in uns, wenn wir uns nicht persönlich erinnern, wenn der Raum, in dem angeblich unsere Schuld sitzt, leer ist?
ANH,
Meere

Mit dieser, wie wir sie → in meiner Analyse nannten, schuldlosen Schuld wuchs ich auf, die auch allenthalben vorgeworfen wurde und aber zuhause kein Thema war, weil schon mein Vater ihrerseits sich geduckt hatte und verschwunden war und meine Mutter den wirtschaftlichen Vorteil sah, der in diesem Namen steckte. Den sie auch nach der Scheidung weiternutzte. “Du wirst auch einmal aufgehängt wie dein Großonkel”, auch der Satz steht in MEERE. Ein Lehrer sagt ihn dem Buben vor versammelter Klasse und feixt sich eins, dies linke Arschloch. Ich weiß natürlich noch heute nicht, schon gar nicht in der Nefud, welches Trauma der damals durchaus noch sehr jungen Pädagoge quasi aus Notwehr weiterreichen wollte; jedenfalls ist es ihm gelungen.
“Schau nur die …” säuselte Liligeia flatteratmig in mein linkes, dann “… vielen schönen Toten!” in mein rechtes Ohr.
Wir warn schon draußen vorm Zelt. Es war empfindlich kalt, aber das lichtdurchfunkelte Firmament sensationell. Ich hatte mir über den Thawb noch zwei Ziegenfelldecken, die nach ihren unfreiwilligen Spendern selbst noch hier draußen durchaus rochen, um Schultern und Brust gezogen. So ging es einigermaßen. Und in dem extrem harten, fast schmerzhaft weißen Mondlicht, war irgendetwas von Lilly schon zu sehen, eine Art schweifender, oft zerfransender, dann wieder sich nach DNA-Manier zu wenigstens zwei, ich glaube aber eher vier bis fünf matt-opaken Strängen einrollender, allenfalls zu einem Siebtel materieller Hauch, der mal voranschlängelte, dann stehenblieb, was bedeute: meinen Körper orbitierte, schneller wurde, und der Nacken duftete hindurch. Schon war ich erneut an den Händen, ja, beiden, gefaßt und weitergezogen.
Da wurde die Blickfläche weit und das eigentliche Tal erst sichtbar, dahinter der nächste Höhenzug, auf den ganz offenbar das in Sicht gekommene, offenbar granitene  Mementum zur Hälfte hinausführte – die Kuppel der krönenden Rotunde oder was immer es war, riesig mußte sie sein, mit einer der Büste von Lillys Kopf … nun  jà, geschmückt? Es war durchaus zum Erschrecken. Zumal auch die Zeitabläufe wieder durcheinander gerieten. So kam es mir vor. Der Mond wie auf den rechten Hang gepinnt, sein Licht eher nicht nach Naturgesetzen strahlend.

“Was soll ich hier? Was muß ich hier?”
“Deine Angst verlieren.”
“Welche Angst?”
Lilly mußte lachen. Lachte sie wirklich? “Sie natürlich erst mal zugeben”, lachte, nein, kicherte sie. “Das fiel dir doch immer am schwersten. Und dann … dann  kannst du sie verlieren. Also komm schon weiter! Sie werden dir verzeihen, die Schuld von dir nehmen, die auf die nicht ist.”
Wen meinte sie mit ‘sie’?
“Doch mußt du zuhören.”
Weh Dir, mußte ich denken, daß du ein Enkel bist! Momentlang schwoll mir der Groll wie ein Hahnenkamm auf. Schuld als genetische Erbschaft ist eine Idee des Faschismus:

Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich bin der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der die Missetat der Väter heimsucht über die Kinder ins dritte und vierte Glied, die mich hassen.
5 Mose 5:9

Wieso ist ausgerechnet Charlotte Auerbachs schmales Buch, das eher eine Einführung als , als eines der ersten in meine gerade entstehende Bibliothek gelangt? Ich kann da noch keine zwölf/dreizehn gewesen sein. Auch dies einer der monatlichen Vorschlags”bände” des Bertelsmann-Buchclubs, dem meine Großeltern ebenso selbstverständlich angehörten, wie sie Brathähnchen nur beim Wienerwald aßen? Die Billigbroiler kamen damals gerade erst aus. Als ich, bei KARSTADT, eines klauen wollte, wurde ich erwischt und saß dann drei Tage Einzelhaft in der Jugendstrafanstalt … oh, wie kann ich jetzt ihren Namen, ihren Ort vergessen haben? – ist es das bleiche Licht, sind es die namenlos Toten, die mir die Erinnerung plötzlich verwehren? Auch an dem Ort, in den ich gesperrt war, waren Hinrichtungen sogenannt unwerten Lebens wie am Schnürchen weggespritzt worden. Jede Wand atmete noch Schreie aus. Die Wärter hieben, wenn ich mich tagsüber auf die Pritsche legte, mit ihren Hartgummistöcken auf die Tür ein. Bis ich mich zurück an den Tisch gesetzt hatte. Ich sollte meine Schuld überdenken und zur lebenslangen Reue finden. Deshalb war mir kein Buch erlaubt, nichts dergleichen, auch kein Papier, um zu schreiben, ein Stift war es sowieso nicht. Ich war da, glaube ich, fünfzehn. Seither kann ich nicht mehr bei geschlossenem Fenster schlafen.
“So nahe warst du ihnen schon. Dann leg dich doch zu ihnen, jetzt. Ich lege mich dazu. Ist es nicht sowieso mein Platz, zu dem ich dich nur hole?”
“Der Toten nicht alleine wegen.”
“Nein, es geht auch nicht um Schuld. Es geht um Schuldgefühle, die nicht zugelassen werden.”
“Ich hätte dazu keinen Grund gehabt.”
“Doch: Gesund zu bleiben. Wer sich nicht anpaßt, der wird krank. Oder ausgesondert. Auch das ist ein Naturgesetz. Die Welt ist nicht moralisch. Du warst, mein Freund, zu hart.”
Wir hatten die Nekropole unterdessen betreten, schritten durch die Reihen der meist liegenden, indes im Zentrum stehenden Betonquader, mir drückte es das Herz, zumal ich einmal im Hintergrund ich etwa Liligeias Kopf, sondern das Label der Deutschen Bahn aufragen sah, der Vorläuferin die Lagertransporte besorgt hat. So bleibt die Kontinuität heute noch zu spüren. Und mein Vater, das Wasser steht zum Herzen, und jede Vene ist verkrebst, fällt vor seiner Finca ins Koma, wird gefunden, nach Deutschland überführt, wo er vergeblich stirbt, mit etwas über sechzig. Er sprach nicht mehr, nun wollt’s er’s nur noch, mit seinem Vater etwas, dem da noch lebenden Südtiroler Nationalsozialisten mit Hitlerbild auf dem Altar. Wolf Graf Welsperg, so durch die Entnazifizierung geschlittert und deshalb schon nicht willig, mit seinem ‘Sozialistensohn’ (womit er ihn als SPD-Parteimitglied meinte) auch nur ein einzges Wort zu wechseln. Meine Mutter fand diesen Mann charmant, der meinen Vater um mehr als dreißig Jahre überlebte, unserer, meines Vaters und meiner, Schuldgefühl völlig bar, die hätten müssen seine. Wir trugen sie für ihn.
“Verstehst Du noch nicht? Auch so fängt sowas an. Aber nun lege dich schon her zu mir. Laß uns hier einfach schlafen, bis uns die Sonne weckt, und mit den Toten träumen. Sie wissen gut zu singen.”
Da ward das Mondlicht fester und fester, wurde schmiegsam, anschmiegsam, legte sich um beide uns, und als wäre ich gar nicht erwacht, sondern läge weiterhin zwischen den Teppichen im Zelt, so war’s mit einem Mal. Nur lag nun außen Li an mir, direkt an meiner Haut, war nicht nur mit unter die Ziegenfelle´geschlüpft, nein hatte es auch irgendwie geschafft, unter mein Gewand zu kommen, doch immer nun, wenn ich kurz davor war, wegzunicken, pustete sie in eines meiner Nasenlöcher, dieses muntre, ungebundne Kind. In seinem – ihrer, diese Krebsin – Kichern schlief ich denn ein … —

ANH an Liligeia, fünfter Brief: Geschrieben am Sonnabend und Sonntag, den 23. und 24. Mai 2020. {Krebstage 25 & 26: Chemo, Nebenwirkungen – heute und hier zu deren bislang, ja, krassester).

[Nefud, 23. Mai. Nach der vierten Nacht
8.35 Uhr]

 

Und nun zu, endlich,

Lilly, Dir:

Ja, Misignora,

ich beharre auf meinem, weil unserem Du, das eben als Tattoo nicht ich in unsre Haut gestochen habe, sondern Du selbst, wie ich es bereits schrieb, bist es gewesen, mir näher zu kommen (geschweige zu “treten”, intrudiert hast Du Dich mir!) — und ich soll den Usurpator, die Usurpatorin nunmehr auch noch siezen? Oh nein, Du provozierst mich nicht – auch nicht mit der nun wahrlich Purzelbäume schlagenden Bosheit Deines Briefes der Donnerstagsnacht, mit deren folgendem Morgen der erste wirklich gute Chemotag begann und den sie aber, meine vertraute Phyllis Kiehl, kaum (erzählte sie in Facetime) habe zuende lesen können – so sehr habe er ihr, ihr!, wehgetan. Doch auch, daß Du mir diesen ganzen nun Tag über, dieses mein großartiges Gestern, aufs infamste zu zerstören unternahmst, um all Deine Flüche  Wirklichkeit werden zu lassen, wird mich nicht bewegen, auch nur eine selbe Münze zu prägen, um Dich mit ihr zu zahlen. Im Gegenteil, ich bin sogar sehr froh, daß mir, diesen Kampf zu bestehen, in einem Zustand bester Gelassenheit abverlangt worden ist und nicht in einem der physischen oder gar psychischen Dekonstruktion. Denn abgesehen von diesem einen – was einmal zweieinhalb Stunden, dann, nachts, ein zweites Mal weitere nicht ganz anderthalb lange durchgefochten werden mußte – ging es mir gestern weiterhin prächtig bis in die Nacht: kein Übelsein, kein Schmerz, kein Kribbeln in Fingern und Zehen, keine beginnende Entzündung der Mundschleimhaut, keine Konzentrationslosigkeit, keine Erschlaffung. Und: keine Tabletten übern Tag, nur vorm Schlafengehen ein Melatonin und eine halbe Zolpidem, zu der indes — लक्ष्मी und einem ihrer Freunde sei Dank, der es eigens für mich hergestellt hat — etwas hinzukam, das ich nunmehr versuchte und weiterversuchen werde (und das auch mich “versucht”: dies Wort in einem andern Sinn), nämlich ein hochprozentiges, hochkonzentriertes THC-ÖL, erst nur am Abend je als ein einziger Tropfen genommen, um die Wirkung auszutesten, dann vorsichtig zu steigern.
Auf Cagliostros Empfehlung – ich nenne ihn aus rechtlichen Gründen so (als einen weitren Helden meiner Jugend): – ließ ich die Schmerztablette dafür weg … — und was muß ich Dir, meiner liebsten Tumorin, nun sagen? Du wirst es hassen, ich weiß, aber ich schlief beschwerdelos von 23 bis kurz nach 5 Uhr morgens durch, unternahm dann meinen kurzen Wassergang, legte mich noch einmal hin und schlief weitere fast anderthalb Stunden, um nun erst recht ohne eine Beschwerde wieder aufzuwachen, und war überdies bestens gelaunt (———

 

[Nefud, 24. Mai. Nach der fünften Nacht
6.37 Uhr]

 

———); ganz wie heute morgen auch, darf ich ein nun schon nächstes Mal schreiben. Gestern habe ich zur Nacht sogar nur den Tropfen THC-Öls genommen und davon von elf bis halb fünf durchgeschlafen und dann noch eine Stunde länger. Abermals keine Beschwerden, von einem sehr sehr leichten, fast nur erahnbaren Übelsein im Hintergrund abgesehen, das nun, nach dem Frühstück, auch noch despariert ist. So auch scheinen Ihre, Misignora, Wünsche zu zerflattern, ich möge mir die Seele aus dem Leibe kotzen. Wozu ich übrigens nicht ein einziges Mal auch nur entfernt versucht gewesen bin, bisher.
Wobei Sie, Misignora, aber ja zuvor, vorgestern nunmehr, einiges geleistet haben, mich tatsächlich zu zermürben. Sie wissen, Liligeia, genau, was ich meine — ach, aber Li, wenn Du glaubst, ich behielte dieses, weil es tatsächlich den Schambereich verletzt, nein, die glühenden Zigaretten der Wut in ihm ausdrückt, – behielte es für mich, um nicht nur am Geschehen selbst, sondern nicht auch noch an der Würdelosigkeit zu leiden, in die mich ihre Darstellung vorgeblich stieße, so wirst Du Dich, mein Tumorchen, auch hierin irren. Es ist stets eine charakteristische Kraft meiner Poetik gewesen, die Dinge tatsächlich alle zu benennen, ohne daß ich auch nur die Spur meiner Würde verlor. Genau darin lag offenbar einiges derjenigen Provokationen, die meine Stellung als Dichter den Vermittlern, Kritikern wie Buchhändlern, doch schließlich wohl auch Leserinnen und Lesern immer so heikel machten. (Wie mich seinerzeit, als der Prozeß um MEERE angelaufen war, die ZDF-Regisseurin fragte: “Wieso, Herr Herbst, müssen Sie immer so genau hinsehen?”) Hier akzeptiert wer kein Tabu und schon gar nicht Mehrheitsstimmung (auf die sich die meisten, bekanntermaßen, “Meinungen” letztlich zurückführen lassen).

Also, Lilly, ich deutete es schon an – wir sprechen hier von den Nebenwirkungen der  bisherigen Chemo ..: will sagen, der Verstrahlungen, denen ich Reisender auf meinem Zug durch die Nefud ausgesetzt bin und wohl noch knapp sieben Wochen lang bleiben werde. Die bekanntesten nannte ich schon, sie schlitterten bislang fast spurlos an mir ab. Mit denen hast Du kein gutes Blatt auf der Hand… außer einem, mit dem gar niemand rechnet (nicht mal die Beipackzettel tun es, auch nicht die Erläuterungen der chemischem Substanzen der Therapie-selbst). Diese Karte traf mich nun heftig. Da hast Du einmal richtig gewonnen! Nur ist “treffen” nicht das treffende Wort. Aber ich weiß, wie sehr Sie, Liligeia, diese mir zugefügte Erniedrigung genossen! Und wie Sie darauf geharrt haben müssen, ja drauf gierten, daß ich ihrer endlich in vollem Ausmaß bewußt werden würde.
Was nahezu vier Tage brauchte, parallel quasi zu → Ihrem zweiten, derart bösen Brief. Wie schreiben Sie darin? Ah ja!: “Sie mehr als mich soll sie quälen, diese Chemo … viel, viel mehr als mich! Dafür werde ich sorgen!” In diesem, darf ich “Fall” schreiben? ist es Ihnen wahrlich gelungen. Und ich sehe Sie vor mir, anderthalb Etagen über dem Geschehensort in meine ösophage Organik mit den spitzen Beinen → Ihres schlimmen Wappens (dem ich nun, siehe den Briefkopf, das meine, in dem es unter dem Kranich ein Lamm gibt, entgegensetze) einge-, ja, –graben und jede Verrenkung verfolgen, der ich mich aussetzen mußte, um loszuwerden, irgendwie loszuwerden, was da in mir wie ein trockenes, dickes Brennholz stak und eben nicht herauskommen wollte. Doch ich jammere nicht, wir sind nicht auf der Welt (wie → Erdelmeier einmal sagte), um klein zu sein, sondern meine Perspektive erlaubt sich jetzt — Komik. Die nehm ich mir hier, meine Krebsin, gegen jeden “guten Geschmack” heraus – und zwar als einen Slapstick, mit dem Du erst recht nicht klarkommen wirst, geschweige ihn irgendwie zu goutieren weißt, zumal er dem wie auch immer gequälten Komödianten die Würde völlig beläßt.

Was wir benennen, Lillilieb, ist fast schon beherrscht. Lerne, Ligeia, lerne von mir.

Also. Was geschah?
Ich habe → schon dort davon geschrieben (und gehofft, es bei dieser Andeutung belassen zu können), merkte aber dann, was hier wirklich auf mich zukommen würde. Immerhin, es “traf” mich, dafür bin ich dankbar, an einem guten Tag.
Nahezu stets ist mein Stoffwechsel in Ordnung, ist mehr als bloß verläßlich gewesen, lebensbislanglang. Indes begann er nun, bereits am ersten Tag der Nefud,  übel zu stocken. Sie dürfen das gerne im Wortsinn verstehen. Gewarnt war ich Reisender aber vorm Gegenteil gewesen, vor Situationen mithin, in denen man von dem Kamel nicht schnell genug mehr herunterkommt. Davon, in meinem Fall, war weder Rede noch später auch nur entfernteste Tat. Sondern es ballte sich, ballte sich in mir zusammen, wurde eine furchtbare, so muß ich es nennen, Masse, die sich in mir drin immer weiter verdichtete und mir zunehmend unheimlich wurde, weil sich wiederum mit ihr nicht verband, was von solchem Zustand zu erwarten gewesen wäre: Engegefühl, Krämpfe, Schmerzen – nichts dergleichen, nein, was solch einen Grad von Verstopfung begleiten hätte müssen. So ist “unheimlich” das genau richtige Wort. Und wenn ich → Dich anschau, Dich Lilli auf dem Felde, dann weiß ich sehr genau, warum.
Doch wie nun auch immer. Noch dachte ich, die Angelegenheit mit solch  einem Dingerl erledigen zu können, das wir, Herr Doktor Faisal hatte recht, tatsächlich auch bekamen, als wir die erste Oase erreichten. Hier war es sogar leichter als in Berlin, wo ich tatsächlich dreimal vergeblich fragte; nicht bei Roßmann, nicht in der ersten Apotheke kannte man das Ding, das ein sozusagen fixer Bestandteil meiner Kindheit gewesen ist, weil uns Brüdern → die Omi damit regelmäßig malträtierte, wenn wir Buben Würmer hatten. Vor fünfundfünfzig Jahren kam so was ziemlich häufig vor; es war noch nur wenig Obst gespritzt, das in den Läden auslag, und was wir rings aus den Obstgärten klauten, war es erst recht nicht. Umso weniger erschließt es sich mir, weshalb es ausgerechnet an dieser Oase solch ein Birnspritzchen gab.
Wobei. Unter einer Oase in der Nefud wirst selbst Du, meine Li, Dir etwas völlig Falsches vorstellen. Von 1001Nacht war nix zu sehen, von ein paar aber wie gerupften Palmen mal abgesehen. Ihr Zentrum erinnerte mich viel mehr an eine Gasoil-Station am Rand der Namib. Wo genau in diesem Hüttchen vor sich gehen würde, was vor sich zu gehen auch hatte, und zwar geschlagene fast zweieinhalb Stunden lang:

Unseren Zug gen Aqaba hielt das, Du weißt es, ziemlich sehr auf. Doch niemand mit mir, wohltuenderweise, hatte Mitleid; es zeigte sich ein sozusagen asiatischer Charakterzug, bzw. die kulturelle Codierung, die uns in der Würde beläßt: zwar jede und jeder bekommt mit, was geschieht, aber niemand nimmt es wahr, geschweige daß er’s behielte und dann herumtratschen würde. Vielmehr, es ist, vielweniger also, als wäre nie was passiert.
Und was da aber passierte, passieren mußte! Klar war mir das schon am Ende des zweiten Tages geworden, nun, am Ende des dritten, war es akut. Zumal Do, mit der ich telefonierte, dringend warnte. Sogar ein Wort vom Darmverschluß stand im Raum. Sie, die frühe langjährige Gefährtin, hatte in ihrer unmittelbaren Nähe einen Fall, der ins Krankenhaus überführt werden mußte, wo man dem armen Menschen innert dreier Tage herausoperierte, was von allein abgehn sollte. Und wo sollte ich, in der Nefud, jetzt ein Krankenhaus herbekommen, und wie lange würde Aqaba dann noch warten müssen? Nein, ich mußte es im Wortsinn eigenhändig angehen.
Worauf Du so gewartet hast, was Du mir antun wolltest und nun mich selbst mir antun ließest.
Warmes Palmöl, Wasser, Kamelmilch: so Faisals Rezept. (Do sah vorher noch Movicol vor: “Trink das, und zwanzig Minuten später geht es los.” Nix ging los, auch nicht nach dem zweiten Beutel. Nicht mal nach sechs Stunden. Dr. Faisal war diesbezüglich skeptisch höchst zurecht; seine Mischung erwies sich als eher geeignet.)

Man bittet als Herr nicht um Hilfe.
Man schließt sich allein ins Kabüffchen ein. Wobei ich nach einer Stunde schweißtreibender Anstrengung als allererstes lernte: erst mal mich komplett ausziehen, dann die nächste Drück- und Zieh- und Pulaktion, dann unter die Dusche und, wenn abgetrocknet, weiterhin nackt aufs Örtchen zurück, weil es nämlich alles eine Riesenschweinerei ist. Gummihandschuhe, etwa, sind unabdingbar: bloß nicht die ohnedies von der Nefud angegriffene Schleimhaut noch mit den Fingernägeln verletzen, wenn man hineinstößt und drin herumgräbt. Man muß bei sowas nämlich rein, und  zwar so tief es eben geht. Da lernst du wirklich Anatomie, was Wendelungen, etwa, sind. Es hilft nichts, Du mußt versuchen, meine Schöne, die Kacke mit den Fingern herauszuziehen. Was aber auch nicht geht, sondern Stückchen für Stücken – quasi sind es enorm feste Kugeln, die sich kaum ablösen lassen – brichst Du ab und pulst Du hervor. Dazwischen immer wieder das Flüssigkeitsgemisch ins Klistierchen.
Riesenschweinerei, ich versichre’s Ihnen! Welch Glück, daß gleich nebenan die provisorische Dusche. Aber nicht nur Schweinerei, sondern vor allem Akrobatik! Versuchen mal Sie, für sowas die richtige Stellung zu finden … – Irgendwann, nach zwei Stunden des ständigen sich irgendwie im Halb-, Viertel-, Achtelsitzens Vorbeugens und Verbiegens, zumal nun immer gleich beide Unterarme und Hände hinter sich, doch Naß und Stuhl wolln nicht zusammen, stoßen sich ab, es läuft nur noch so aus einem raus, ohne daß aber abgeht, was abgehen muß … – irgendwann dann ein Schmerz quer durch den Oberschenkel und der innere Bannruf: “Jetzt nicht auch noch einen Krampf!” — An sich halten, Konzentration, bloß nicht die gute Laune verlieren,
Ich hatte wirklich Glück, nein, war gesegnet, daß ich diese Aktion nicht unter noch anderen Beeinträchtigungen durchführen mußte. Nein, es war – und ist’s gewesen nach wie vor – ein ganz wunderbarer Tag für mich, voller Sonne draußen und drinnen, ohne Übelkeit, komplett schmerzfrei; selbst Appetit hatt’ ich enorm.  So daß ich diesmal alleine deshalb wenig aß, um nicht der Masse, die so dringend hinausmußte, noch weitere Masse beizutun. Davor hatt’ ich, Ligeia, Respekt.

Ah, ich weiß, Du hast Deine Rache genossen und genießt sie, oh Lilli, immer noch weiter. Denn völlig ist das Problem nach wie vor nicht gelöst, meine Darmperistaltik komplett durcheinander. Aber ich werd’s in den Griff kriegen. Wir passierten auch heut’ schon die nächste Oase, hat Dr. Faisal mich beruhigt. “Und was halten Sie von Macrogol?” habe ich ihn eben gefragt und damit einen Hinweis Björn Jagers aufgegriffen, der nach Lektüre meines letzten Tagebuchs das Medikament mir empfahl. Freunden von ihm, die ähnlich gelitten wie ich, habe es sehr geholfen. Wobei ich selbst tatsächlich zu leiden gar nicht das Gefühl habe. Ich kämpfe, das ist was andres. Auch die Aktion auf dem Klo war kein Leid. Leid ist: keinen Sinn mehr zu fühlen.
Und dennoch, stellen Sie sich das Örtchen danach vor, wie es hinterher also aussah, als dann mit quasi einem Rutsch, ohne daß ich noch nachziehen mußte, aus mir das Letzte herauskam, mit einem Rutsch und einem Wahnsinns-Platsch!. Was das war, weiß ich noch jetzt nicht zu sagen. “Stuhl” kann niemand es nennen. Ganz gewiß nicht humanoider Herkunft, ist es tiefschwarz, teerig und so kompakt, daß sogar, als ich alles hinwegspülen wollte – um nämlich den Slapstick komplett zu machen, der natürlich obendrein stank (“natürlich” ist natürlich nicht das richtige Wort) –, die Toilette-selbst verstopfte, also das Rohr unter der Schüssel, und zwar so sehr, daß ich mich mit Hand und halbem Unterarm hineinstoßen mußte, um irgendwie zu lösen, was Zement zu werden bereits im Prozeß war. Bevor es ihn abschließen konnte und das gesamte Klo hätte entsorgt werden müssen, indem man es erstmal in tausend porzellanene Stücke zerschlüge. (In der Architektur nennt man sowas einen Rückbau.)
Das Zeug ging ohne weiteres nicht einmal von den Gummihandschuhn ab, wie als fräße es sich in sie hinein – und in der Tat, beim Versuch, sie wieder sauberzubekommen, zerfiel ihr Gummi und löste sich auf. Nein, ich übertreibe nicht. So werd ich mir gleich nachher, wenn wir diese nächste Oase denn erreichen, am besten einen ganzen Vorrat besorgen. Schaden kann es eh nicht. Wenn aus der Nefud in Berlin wieder zurück, habe ich im Zweifelsfall ein Vorrätchen für meine Mme LaPutz; dann wäre alles bestens gelaufen, so ziemlich jedenfalls.
Und erneut: splitternackt, klar, unter die Dusche, danach das Klo saubergeputzt, alles, Boden, teils sogar die Wände, dann abermals unter die Dusche. Der stolze, stolze Alban Herbst.

Je nun, und nun, Ligeia? Da ich nun dies erzählt, habe ich an ihm verloren, dem Stolz? Vergiß es! Es war nicht mehr als eine zugegebenermaßen etwas lästige, auch mühsame Prozedur, die ihre – mit Abstand betrachtet (und vorausgesetzt, wir schauen sie im gegenwärtigen Kino an, das Sensationen des Geruches noch so wenig wie das Fernsehen kennt) – durchaus Komik hat. Nein, nicht wegen “mitten in der Wüste” oder des Bades (bzw. des in der Nefud höchst rostigen, nahezu frei ragenden Wasserrohres an einem noch viel zerfresseneren Gestänge) gleich nebenan, sondern “einfach” an sich, was überdies für weniger sportliche, vor allem auch körperumfangreichere Menschen als mich in der Tat Tortur gewesen wäre, für mich aber nur ein kleines athletisches Zwischentraining war, das mir seit Corona ja sowieso fehlt und nunmehr auch verboten ist, im Sportstudio jedenfalls. Eine Covid-19-Infektion wär grade jetzt nicht produktiv. Aber sage, Lilly, mir, daran hast Du  noch gar nicht gedacht? Oder doch – und fürchtest Dich selbst vor dem dann zu schnellen Ende? – Schon deshalb: Nein, der Haß aus Deinem letzten Brief hat mich nicht mal berührt. Ich sage Dir, was ich schon vielfach, andren nämlich, schrieb und sagte: Ihr könnt mich töten, aber nicht beugen.  Und wenn Ihr mich vor Schwierigkeiten stellt, selbst vor die der psychischen Vergeblichkeit, so wird es meine Kräfte rufen statt sie schwächen, und dies, bis ich dann wirklich, eines Tages, sterbe.
Momentan, nach dieser Unterleibsaktion liegt mir dies ferner als je. Ich war immer auf der Seite meiner Organe, auch denen anderer Menschen, so ich sie denn liebte, habe unsere Organik immer besungen, das wirst auch Du nicht ändern können, geschweige mich zurücknehmen lassen. Das Wunder der Chemie bleibt größer als das irgendeines GOttes noch durch den Krebs, durch Dich, hindurch, die Krebsin Λίγκλια καρκίνος. Und da, zwischen Kloverschlag und rost’ger Außendusche, zeigte sie halt a bisserl Humor: auch sie, Chemie, bewegt sich geschmacklich nicht immer auf höchstem Niveau. Mehr, o schöne Sirene, ist nicht gewesen. Ich meine, wenn das schon alles ist an schlimmen Nebenwirkungen meines Nefudhindurchkarawanens, dann kann ich wirklich zuversichtlich sein, und Dich — Dich darf ich, Lililein, mal einfach ein bißchen auslachen heut.

Und dann, schöne Sídhe, als heute dieses Briefes Abschluß: Seit Cagliostros THC habe ich keine Tablette mehr nehmen müssen, einfach durchgeschlafen, ohne Schmerzen, wohlstgemut erwacht. Da meinst Du in der Tat, mich erpressen zu können oder auch nur in Harnisch zu bringen? Besser wäre doch – für uns beide, Lilifee –, Du nähmest wieder die Circegestalt an, in der ich Dich erstmalig sah, in der Du zu mir erstmals sprachst und schliefest paar Jahre später genauso mit mir, besser, ja, besser, Du wandeltest Dich jetzt in einfach sie zurück und wir legten uns aneinander — ob oben Du, ob oben ich, das würden wir schon sehen. Wir hörten eh erst einmal zu, uns selbst zu und der Musik, die ich für jetzt uns ausgewählt hab:

Beethoven,  Rasumowski II op.59.2

Dir gut, ob Du es willst oder nicht:
A.

ANHs MEERE. In der originalen Fassung.

 

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Unten ODER “Da sie wahrscheinlich gar nichts merken.” Vor diesem – dem einundzwanzigsten – Coronajournal. Freitag, den 24. April 2020.

 

(Vorweg, weil’s nicht ohne Witz ist: Daß, mögli-
cherweise, → Raucher geschützt vor Corona sind!)

[Arbeitswohnung, 7.10 Uhr
David Ramirer, → inversus REMIX]
Doch nicht nur das, sondern immerhin auch Ramirers neue Musik baute mich wieder etwas auf, die gestern nachmittag im Briefkasten lag, nicht sie selbst, klar, Freundin, aber die CD. Sowie eine persönliche Karte Gaga Nielsens. Denn vorabends hatte ich von einem meiner Verlage eine Nachricht erhalte, die mich komplett hilflos machte, auf die zu reagieren ich deshalb den Schlaf einer ganzen Nacht und das Gespräch mit einem anderen Verlag brauchte, wo mir geraten wurde; ebenso fragte ich bei meiner Lektorin, die überhaupt zu informieren ich allerdings zögerte, weil ich sie nicht belasten wollte.
Kurz: grauenhafte Verkaufszahlen. DIE DSCHUNGEL dagegen wächst und wächst, deutlich nehmen die Zugriffe wieder zu, haben noch nicht ganz, aber nähern sich ihm wieder, die außerordentlichen Zugriffszahlen, die ich aus twoday-Zeiten gewohnt war. Wie, frage ich mich, ist beides zu erklären? Alleine damit, daß für “reale” Bücher Geld ausgegeben werden muß? Vielleicht. Doch was kostet ein Gyros beim Griechen, ja ein Kinobesuch? Um von den astronomischen Summen zu schweigen, die für den Besuch eines einzigen Pop-Konzertes ausgegeben werden, ein-, manchmal zweihundert, ja dreihundert Euro, für ärmere Leute bis zu einem Drittel ihres Monatssalärs.
Wie auch immer, ich war, um’s im ekligen Neudeutsch zu sagen, down. Dabei hatte ich gerade wieder den richtigen Ton für → das vorletzte Béartgedicht gefunden, kam mit der Nabokovreihe weiter, und insgesamt zu meinen Gedichten schrieb mir die wunderbare Daniela Danz ein paar noch wunderbarere Zeilen, über deren unterliegende Botschaft sich’s freilich meditieren läßt:

Frauengedichte sind es sowieso nicht, das muss man sagen … Aber wer hätte das erwartet. Zum Beispiel dieses schöne schöne “Kokelndes Kind..” aus “Der Engel Ordnungen”, das ja nicht von einem Kind, sondern von einem Mann handelt und von dem für mich Erstaunlichen, das mit einem Jungen passiert, dass er all diese ihm zugetrauten Dinge tut, wohl nur, weil jemand sie ihm zutraut und er sie sich dann zutraut. Und dann gibt es diese Drehungen und Spiegelungen in den Gedichten, die so eine einfache, liedhafte Oberfläche haben und dann wie ein ganzes Spiegelkabinett sind, physikalische Gebilde quasi wie die “Ballade aus der Zukunft”. Die 2018er Bände sind dann schon wirklich ein wenig entrückt vom Wettrennen, aber das hat Dir ja schon immer gut gestanden, ein alter Mann zu sein, weshalb Du es jetzt vermutlich so wenig wie damals bist. Und auch die Unzeitgemäßheit ist darin noch stärker.

Über “das Wettrennen” muß ich nachdenken und drüber, daß es mir um so eins gar nicht geht, ich auch nicht weiß, was es eigentlich meint. Ebenso die Unzeitgemäßheit. Was denn soll ihr Gegenstück, “Zeitgemäßheit”, sein? Zu schreiben, wie es ‘in’ ist? Es gibt eine innere Logik der poetischen Geschehen, die nicht den breiten Rhein meint, auch nicht den Mississippi — und alles wälzt sich ins versumpfende Delta?
Das von Daniela Danz speziell gemeinte, sehr kurze Gedicht setze ich hier noch einmal für Sie hin:

KOKELNDES KIND AUF DER KIESTERRASSE

Im Nieseln hockt er konzentriert
den kleinen Rücken gewölbt
und brennt die Welt an

Ein kleiner Gott
probiert an ihren Mächten Gegenmacht:
was ein Mann ist unter dem Himmel

 

Ich muß ihr unbedingt zurückschreiben. Zuerst aber war auf das Verlagsschreiben zu reagieren:

Deine Nachricht macht mich in mehrfacher Hinsicht hilflos und mir – was Du gewiß nicht beabsichtigt hast – ein starkes Schuldgefühl, mit dem ich nicht wirklich umzugehen weiß. Die Zahlen freilich sind niederschmetternd – doch auch deshalb, weil ich so etwas vorausgeahnt und Dir ja auch mehrmals gesagt hatte, wie schwierig mein Stand im deutschen, bzw. deutschsprachigen Literaturbetrieb ist und lange schon war: daß ich ihm durchweg eine persona non grata bin. Selbst das Traumschiff (…) ging letztlich daran unter. (…) Auch hier war es so, daß sich die Feuilletons – bis auf wenige – weigerten, das Buch überhaupt wahrzunehmen. Und wo dann doch Kritiken erschienen, in nicht mehr als drei Zeitungen, erschienen sie sowohl (…) viel zu spät als auch vor allem zu weit voneinander jeweils entfernt, um eine Wirkung zu entfalten. 
Das war nicht zufällig so, sondern hatte Methode. (….) Die poetische Kraft in meinen Büchern ging den auf einen banalen “Realismus” gebügelten Literaturbetrieblern, die anderes nur bei Autorinnen und Autoren des Auslands erlauben, von Anfang an gegen den Strich.
(…) Als ich anfing zu schreiben, beherrschte die Linke den Betrieb, und ich schoß gegen sie, ebenso wie ich’s gegen rechts tat. Sehr früh, geprägt von Adorno, griff ich den Pop an, nannte ihn später “die Ästhetik des Kapitalismus”, wies seine Banalität nach, den Verlust an Formen usw., und überdies lehnte ich – und tue es noch – die hochkapitalistischen Panem-et-circensis-Shows des Fußballs entschieden, ganz entschieden ab, schon weil es seinen Grund hat, daß es so Widerliches wie Hooligans gibt (von denen, nach Spielen hier im Schmeling-Stadion, लक्ष्मी tätlich angegriffen wurde, mehrfach, was dazu führte, daß sie zu solchen Zeiten das Haus nicht mehr verließ) . 
Was nun, Fußball wie Pop, einer ganzen Generation zur quasi Ersatzheimat wurde, weil es nicht mit der Hitlervergangenheit belastet war, klagte ich der Affirmation und des Formverrats an – nicht anders, als es Nabokov lebenslang mit dem Kommunismus getan hat. (…) Das wurde und wird mir nicht verziehen; ich bin ein Nostalgie-Nestbeschmutzer.
Es ist egal, (…) ob jemand gut schreibt oder gar bedeutend; ein Autor, oder eine Autorin soll sich, wenn sie oder er aus Deutschland stammt, dem Mainstream unterstellen. Unterdessen bin ich noch verschärft zur persona non grata geworden, weil ich die Gender-Ideologie nicht mitmache, sondern für nicht nur falsch, sondern schwer verlogen halte: Sie existiert alleine aus Gründen des Machtinteresses und eines diktatatorischen Willens (zur) Deutungshoheit (…).
Es ging aber schon früher los, wegen meines (…) vitalistischen und zugleich erhöhenden Verhältnisses zur Sexualität, meiner Ablehnung der ideologischen Monogamie (der meine Ablehnung des Monotheismus entspricht); kurz wegen meiner als unzulässig empfundenen Darstellungsfreiheiten erotischer Vorgänge, die ich eben nicht moralisiere. Schon bei Erscheinen meines ersten Romans, 1983, weigerten sich sämtliche bayerischen Buchhandlungen (das Buch erschien bei List in München), mein Buch öffentlich auszulegen – weil ich auf der ersten Textseite eine Szene aus Tinto Brass’ 1979 herausgekommenem Spielfilm “Caligula” (mit Peter O’Toole) nacherzähle, die mit der – gezeigten – Kastration einer der Figuren endet – eine Szene, die mir, nachdem ich den Film sah, entsetzlich nachgegangen ist und verarbeitet werden mußte. Seither stand auch in den Kritiken folgender Bücher immer wieder der Hinweis auf meine in sexueller Hinsicht Amoral – was den Gipfel erst fünfundzwanzig Jahre später erklomm, als “Meere” erschienen war und der Prozeß um das Buch lief. Da verlor ich sogar meine Verlage und brauchte fünf Jahre, um zurück auf die Beine zu kraxeln. In denen aber ich DIE DSCHUNGEL gründete, quasi aus Notwehr, um nicht stummgemacht zu bleiben. Die Wut darüber, daß man mich nicht wegbekam, einfach nicht töten konnte, nicht einmal erwürgen, wo man mich doch am liebsten mit dem Beil zerhackt hätte, muß grenzenlos gewesen sein – zumal ich mir jetzt noch, eben mit der Netzpräsenz, viele der wenigen, die noch auf meiner Seite standen, ebenfalls zu Gegnern machte (etwa Gerd-Peter Eigner und Paulus Böhmer), weil ich angeblich “die Literatur verriet”.
Es folgte die Phase, in der, was immer ich poetisch unternahm, verschwiegen wurde. Es brauchte über zehn Jahre, nämlich bis zum Traumschiff, bis wieder über irgendeines meiner Bücher eine Kritik in einer überregionalen Zeitung erschien. Nur einige wenige Getreue ließen sich zu ihnen noch ein, entweder aber im Netz-selbst oder im Rundfunk. Im klassischen Feuilleton niemand.
Die Buchhandlungen sperrten sich weiter und sperren sich noch. Als skandalös gilt, daß ich gehypte Achteltalente wie Juli Zeh öffentlich so auch nenne, nämlich Achteltalente – was aber noch euphemistisch ist. Du kannst Dir sicher sein, daß die Buchhandlungen auch Thomas Pynchon nicht führten, wäre er nicht US-Amerikaner, schon gar nicht nach Gravity’s Rainbow, worin u.a. die Liebesgeschichte eines jüdischen Jungen zu einem NS-Offizier geschildert wird, dem sich der Bub dann auch noch freiwillig zum Opfer darbringt. Ein Vertreter (…), der meine Bücher nicht unterbrachte, erzählte, die Buchhändler hätten “sowas wie Angst vor Herbst”. Du kannst Dir denken, wie sie da bereit sein werden, eines meiner Bücher ihrer Kundschaft auch noch zu empfehlen.
Ich bin kein Einzelfall. Es gibt noch andere, vielleicht nicht viele, aber doch einige, die nicht vorkommen sollen. Der grandiose Kieler Romancier Christopher Ecker etwa, aber auch bei Böhmer war es über Jahrzehnte so. Wie in Deutschland und wohl auch in Österreich mit nichtkonformen Künstlerinnen und Künstlern umgegangen wird, läßt sich am Beispiel Hans-Jürgen Syberbergs besonders deutlich zeigen, dem es nicht einmal half, längst eine internationale Größe zu sein. Man kickte ihn schlichtweg raus, nachdem in seinem Hitlerfilm eine Wandtafel gezeigt wurde, auf der auf der einen Seite die Klarnamen korrupter Künstler und Kritiker standen, u.a. Bernhard Wickis, und auf der anderen zum Beispiel, als nichtkorrumpierbar, Helmut Käutner.
Ich glaube also an (die) These von dem zu hohen Buchpreis nicht. Vor der Währungsreform, also der Einführung des Euros, wurden Buchpreise mit 10 Pfennig pro Seite kalkuliert; nach der Währungsreform entsprach das 5 Cent pro Seite – womit wir bei 30 Euro pro 600 Seiten absolut korrekt liegen — aber wohlgemerkt nach dem Stand von vor 2000; da ist keineswegs die Inflationsrate und also die Kostenerhöhung nahezu sämtlicher Lebens- und Konsumbereiche mit eingerechnet. Demzufolge sind wir sogar zu billig.
Allenfalls wäre zu überlegen gewesen – oder könnte nach wie vor überlegt werden -, ob man nicht einen besonderen Preis für die Kundinnen und Kundin nimmt, die beide Bücher zugleich kaufen, sozusagen einen Paketpreis, sagen wir: 49,80. Das könnte sich rechnen, aus preispsychologischen Gründen. Hilft aber über das Grundproblem nicht hinweg.
Wie stark der Widerstand gar nicht so sehr, wahrscheinlich, gegen meine Ästhetik, vielmehr gegen mich als Person ist, zeigt der Umstand, daß wir (…) weder in Wien (…) noch in Berlin (…) einen Präsentationsort bekommen haben. 
(…)
Ich weiß keinen Ausweg. Eine geringe Hoffnung bleibt, daß sich die Angelegenheit nach meinem Tod dreht, wenn ich den Betrieb nicht mehr stören, sondern man mich – “Ich hab es ja immer gewußt!” – fröhlich vereinnahmen kann. Dann allerdings käme auch DIE DSCHUNGEL ins Rampenlicht, und darin stehen zu viele Namen, und zu viele Betriebshudeleien sind offenbart, die dann in die Literaturgeschichten eingingen. Also, nein, auch nach meinem Tod wird sich vermutlich nichts ändern. Der einzige Ausweg, den ich noch sehe, ist der übers Ausland – wenn es Übersetzungen gäbe, die dort Aufmerksamkeit erregten (…).
Also was soll ich Dir jetzt sagen, erwidern, wie kann ich mich entschuldigen? Und wie halten wir es in Zukunft (…)
(…)

Ich bin (…) ein nicht durchsetzbarer Autor, und zwar, mag sein, ein, wie Du mehrfach sagtest, “internationaler ohne Übersetzungskosten”, halt aber auch ohne Internationalität. Und gänzlich ohne Lobby.
(…)

Ich habe, Geliebte, den Brief dort gekürzt, wo er für die Öffentlichkeit zu sehr ins Private geht und/oder noch einmal illustrierend zu sehr ausholt. Es gibt ja weit mehr zu erzählen, und aber jedes weitere Detail erhöht meine Verzweiflung. Ein Satz meiner Mutter echot im Ohr: “Finde dich ab!” Was ich aber so wenig vermag, daß gestern abend, als ich mit meiner nahsten Freundin sprach, sie vor Hilflosigkeit zu weinen begann und das Gespräch abbrechen mußte. So daß ich, meinerseits nur noch niedergedrückter, dachte: Ich muß den Kontakt zu allen mir Lieben meinerseits, und zwar insgesamt, abbrechen, darf nicht mehr mit ihnen sprechen, weil sich meine Situation auf sie, sie schwer belastend, überträgt — weil Depressionen tatsächlich ansteckend sind. Eine andere, aber nicht unähnlich, Form von Corona. Möglichst immer einen Mundschutz tragen, nicht um mich selbst, sondern um meine Liebsten zu schützen. Sich komplett zurückziehen und kommunizieren alleine noch über DIE DSCHUNGEL. Fast kommt mir Corona nun wie ein Spiegel nach draußen meines Inneren vor. Einsamkeit als nunmehr status quo.
Aber das ist privatistisch. Allerdings Briefe einzustellen, sie zu dokumentieren, wie hier jetzt getan (was mir verübelt werden wird, auch von Freunden, wie ich weiß), bedeutet, mir nicht auch noch meine Wehrfähigkeit nehmen zu lassen, eben nicht einzuknicken, sondern zu bezeugen und zu zeigen — nicht zu klagen, sondern anzuklagen. Und zu beharren, auf einer Poetik zu beharren, die da ist, auch wenn man sie nicht will. Bedeutet weiterhin, Haltung zu zeigen, anstelle daß man sich beugt. Solange ich so etwas tue, resigniere ich nicht, egal wie groß die Depression ist. Denn diese ist allein persönlich, nicht aber der Kampf um Ästhetik. Denn der ist allgemein.

So ist meine Stimmung heute vormittag wieder besser, auch wenn ich gestern abend noch ein Gedicht schrieb, das etwas anderes aussagt. Gegen Mittag wohl werde ich’s, ein nur kleines, ziemlich simples Ding, hier einstellen. Und auffällig, als ich gestern die ersten Pfingstrosen kaufte, die derart schnell aufgingen, daß eine von ihnen jetzt schon verblüht ist — auffällig also die fast durchgehende Freundlichkeit der Menschen, auch und gerade von Verkäuferinnen, in den Zeiten der Corona.

 

Ihr ANH

P.S.:
Was ich abends noch dachte? Daß mir besonders verübelt wird, wie gerne ich lebe, wie gerne gelebt jedenfalls habe. Während ich jetzt immer wieder spüre, es sei vorbei. Daß ich zu leben gefeiert habe, es mir ein Bedürfnis in meiner Literatur war und eigentlich immer noch ist (nur daß ich derzeit den Ton kaum mehr finde). Vielleicht ging den Menschen diese Art Optimismus auf den Keks, diese Begeisterung, die immer auch Begeisterungsfähigkeit war. Die unentwegte Kraft von Hoffnung, die ich hatte, seltsam durchwirkt vom Trotz — diesem meinem nach wie vor DENNOCH! Die Hitze, die mich trieb und trug. Und meine unbändige Lust an der Bildung. Sie wurde mir nicht geschenkt, ganz sicher nicht vom Elternhaus, das eher gedrückt und verbissen war. Ich wollte sie einfach, nahm sie mir —  heraus. Nein, nicht ohne das Unrecht zu sehen, im Gegenteil. Ich sah es sehr scharf und zeigte es auch; doch mein Grundton ist immer Begeisterung gewesen, nicht Skepsis. Schon damit stand ich völlig quer in der Welt, die sich am mea culpa rieb und, wie ich schon sehr früh formulierte, einem “negativen Selbstheroismus”, der vor allem deshalb ekelhaft war, weil er feige ist, im allerinnersten feige. Und deshalb tief korrupt.

“Wenigstens”, sagte die weinende, mir so sehr vertraute Freundin, “kannst du dich im Spiegel ansehen, ohne dich schämen zu müssen.” Was ich da in mir dachte, verschwieg ich ihr besser, sie war schon viel zu erschöpft: “Das können die anderen auch. Da sie wahrscheinlich gar nichts merken.”

[Giuseppe Sinopoli, Lou-Salomé-Suite No 1]

“Daß heute Sonntag ist!” Und daß wir Weltgeschichte erleben!
Im zwanzigsten Coronajournal des nämlich 19. Aprils, darinnen Vorarbeiten für Ada: “Ada”, 0.3, nämlich Nakokov lesen, 36. Mit einer Bemerkung zur “Geilheit” alter Männer.

[Arbeitswohnung, 10.01 Uhr]

In der Tat, liebste Freundin, mit diesem inneren Ausruf über etwas, das mich seit gestern überhaupt nicht verwundern sollte, dennoch solchem Staunen saß ich, vor anderthalb Stunden um halb neun, am Schreibtisch: “Daß heute Sonntag ist!” Das darin gespürte Ineinderfließen des sonst von streng definierten Modulen getakteten Zeitstroms → hat gestern auch Bruno Lampe formuliert, und es wird vielen von uns ganz ähnlich ergehen. Nur hätte mich dieser Sonntagsumstand schon deshalb nicht verwundern können, weil es mir schon gestern genauso erging, als ich noch damit beschäftigt war, was im Titel dieses heutigen Arbeitsjournals “Vorarbeit für Ada” heißt — die wiederum dazu führte, daß ich dreivier schon publizierte Einträge der Nabokovlesen-Reihe, und zwar ihre Numerik betreffend, revidieren mußte: aus “1” wurde “o.1”, aus “2” “0.2”, nämlich sowohl für ERINNERUNG, SPRICH als auch für ADA. Dazu dann weiter unten. Die eigentlichen Ordnungszahlen werden jeweils folgen, wenn direkt-das-Buch besprochen werden wird. Deshalb hierüber nun “Ada, 0.3”. Doch hatte dies logischerweise zur Folge, daß ich auch noch einmal die Binnenverlinkungen revidieren mußte. Sie werden sich, Geliebte, vielleicht eine Vorstellung des kleinen Aufwandes, auch an Zeit, vorstellen können, den sowas bedeutet.
Und dann dies, daß wir Weltgeschichte erleben, unmittelbar miterleben, indem wir spürbar, alle, zu auch politisch wirkenden Faktoren werden, sich, so gesehen, unsere eigentliche und tatsächliche politische Hilflosigkeit als eine Aktivität erweist, die unser Verhalten, ob Furcht oder Einsicht, bestimmt und an das sich Fragen knüpfen, deren Beantwortung Zukunft gestaltet. Es ist ausgesprochen erhellend, dieser Tage eine Presse zu verfolgen, die jedenfalls ich – spezialisiert auf literatur- und musikästhetische Belange – normalerweise nicht auf dem Schirm habe. Die der Wirtschaft nämlich. Und da findet sich dann so etwas, im MANAGER-MAGAZIN!, wie → das. Entsprechend geriet gestern meine Antwort → dort.
Teils erschütternd wiederum, in nicht selbem, aber verbundenem Zusammenhang, Frau von Stieglitz’ sehr persönliche Einlassungen → da, unter einem, wohlgemerkt, Text von 1995, den zu (sozusagen) reaktivieren zwar eines kleinen Tricks bedurfte (ihn nämlich für einzwei Tage auf die aktuelle Hauptsite zu stellen, bevor er unter seinem eigentlichen Datum abgelegt wurde); dennoch wurde und wird nun zu etwas weitergesprochen, das fünfundzwanzig Jahre alt ist. So etwas gelingt in den Gefilden der Literatur eigentlich nur kanonisierten Büchern und Texten, höchst selten hingegen so wider- wie randständigen Autoren wie mir. — Aber was mich dabei besonders bestätigt, ist, daß diese besondere Sicht einer, sagen wir, älteren Frau – ihre Beklemmung dürfte einiges Stellvertretende haben – Sprache im Umfeld eines Mannes bekommt, nein, sie mit allem Recht fordert, der gemeinhin für einen Macho gilt, weil er sich weigert, sich den Gender-Ideologemen zu beugen. Daß das, banal gesprochen, “Problem” körperlicher Vereinsamung auch eines älterer Männer ist, habe ich in einer meiner Antworten angedeutet; ich weiß es nur zu “gut” von mir selbst.

Womit ich zu ADA schon überleiten kann und es will.

Anders als für alle anderen Bücher der Serie — die ich nicht schon von fremden Einlassungen präformiert, sondern allein aus der Sicht meiner eigenen ästhetischen Überzeugungen schreiben will und schreibe — bereite ich mich diesmal vor; Sie haben’s, Freundin, schon gelesen. Der Grund ist, daß ich das Buch, wie ebenfalls bereits erzählt, längst kenne, auch wenn meine Lektüre zwanzig Jahre zurückliegt. So ist ADA für mich sozusagen ein Abschluß, auch dann, wenn danach noch ERINNERUNG, SPRICH, aber auch das posthume MODELL FÜR LAURA (die Sendung kam gestern an) vor mir liegen sowie Nabokovs Gedichte. Aber um diese wird es insgesamt kompliziert bestellt sein: Es gibt keine nennenswerten Übersetzungen ins Deutsche und außerdem extrem wenige. Dieser Umstand wird möglicherweise zu etwas führen, zu dem ich auch aus strategischen Gründen noch nichts hier schreiben will; außerdem sind starke poetologische Probleme in Sicht. So möchte ich erst einmal den Eingang der bestellten COLLECTED POEMS abwarten und in sie hineingelesen haben. Danach, Geliebte, erst werden wir diesbezüglich weitersehen können. Für LAURA allerdings gilt etwas, das in den meisten Kritiken, die ich las, auch schon die Übersetzung ADAs begleitet hat; eine Ausnahme hier war meines Wissens allein die, fand ich, → einfühlsame Besprechung des viel zu früh verstorbenen Oleg Jurjews, dem Lebenspartner der Bachmannpreisträgerin Olga Martynova, mit denen beiden ich locker befreundet bin, bzw. – ach Oleg! – war. — Alle mir bekannt gewordenen anderen Besprechungen von Nabokovs nachgelassenem Fragment waren und sind in einem Ton geschrieben, der sogar mich Anstand davon nehmen ließ, mich mit dem Buch zu beschäftigen. Erst als ich nun auch Kritiken zu ADA las — weshalb, das erzähle ich gleich —, deren Ton beinah noch schlimmer war, wurde mir klar, den Feuilletonisten unbewußt auf die Schippe gesprungen und ihrem manipulativ-, ja, -Gehässigen selbst zum Opfer gefallen gewesen zu sein. Wir bilden uns unsere Meinung nicht, wenn wir die anderer übernehmen, und seien sie noch so sehr “ausgewiesene” “Experten”. Sie alle nämlich haben — Angst, und zwar um so mehr, wenn sie es nicht wissen. Und da auch wir sie haben, sind wir durch deren im eignen Entscheiden verletzbar.
Worum es sowohl bei ADA als auch LAURA immer wieder geht, in den Kritiken also, ist die eben nicht-beifällig so genannte “Altmännergeilheit”. Es gibt viele Beispiele, wo sie als “Argument” gegen etwas laut wird. von Günter Grass bis zu noch in diesem Jahr wahrscheinlich mir selbst, wenn die Béartgedichte erscheinen werden (so ich die fehlenden anderthalb Stücke bis Ende Mai denn noch fertigbringe). Ja, auch mir wird man(n) dann diese “Geilheit” vorwerfen, wobei es hoch interessant ist, daß es ihr weibliches Pendant nicht zu geben scheint, “Altfrauengeilheit”. Nennte man sie einfühlsam in das um, was sie ist und, so sie nicht zugegeben wird, wäre, nämlich eine Sehnsucht, die ihren Abschied mitträgt, kommen wir dem tatsächlich wirkenden Zusammenhang nahe; auch hier wieder Angst, nämlich entweder vor der eigenen unabwendbaren Zukunft oder davor, eine, mit Alexander Mitscherlich gesprochen, Trauerarbeit zu leisten, die, in jedem Fall als poetische, Trauerbearbeitung ist. Genau sie soll nicht stattfinden, weil man(n) sie dann ja selbst leisten müßte, anstelle zu verdrängen. Weil wir klarwerden müßten, wo wir lieber den Schleier des Nichtnennens drüberziehen wollen, das empfängnisbehinderndste und damit lebensfeindlichste Kondom, das es gibt.
Zum Beispiel lesen wir in ausgerechnet Peter Urbans für den Deutschlandfunk 2011 geschriebener Besprechung den kompletten Unfug, man lasse besser die ersten drei Kapitel zu lesen ganz aus, denn sie

klären nichts, sie sind vielmehr verwirrend und abschreckend – nicht wegen „exotischer, russischer Namen“ (wie Nabokov insinuierte), sondern weil sie angestrengt, schwülstig und überladen [sind].

Ich zitiere Ihnen einmal Beispiel, die man besser nicht zur Kenntnis nehme, weil sie eben in diesen ersten drei Kapiteln stehen:

In späteren Jahren mochte er Proust nicht mehr lesen (wie er auch das parfümierte Gummi türkischer Paste nicht mehr genießen mochte), ohne eine Woge des Überdrusses und das Raspeln griesigen Sodbrennens zu verspüren (S. 21) — Ihr Zusammentreffen mit Baron O., der aus einer Seitenallee herausgeschlendert kam, mit Sporen und grünen Schwalbenschwänzen, entging gewissermaßen Demons Aufmerksamkeit, so betroffen war er von dem Wunder jenes jähen Abgrunds absoluter Wirklichkeit zwischen den zwei fingierten Blitzlichtern vorgetäuschten Lebens (S. 24) — der Baron wählte [für ein Duell, ANH] Degen; und nachdem eine gewisse Menge guten Blutes (…) zwei behaarte Oberkörper, die geweißte Terrasse, die Freitreppe, die in einem ergötzlichen d’Artagnant-Arrangement in den ummauerten Garten führte, die Schürze eines rein zufällig anwesenden Milchmädchens und die Hemdsärmel beider Sekundanten (…) bespritzt hatte, trennten die beiden zuletzt genannten Herren die Duellanten, und Skonky starb, nicht “an seinen Wunden” (…), sondern an einer schwärenden Erinnerung auf seiten des Geringsten unter ihnen, nämlich sich möglicherweise selber zugefügt ein Stich in der Leistengegend, der Kreislaufstörungen verursachte, während zweier oder dreier Jahre mit langwierigen Aufenthalten im Aardvark-Hospital in Boston (…). (S. 28)
(Dtsch v. Uwe Friesel und Marianne Therstappen)

Allein die Hypotaxe des letztzitierten Satzes hat es an brillanter erzählerischer Infamie in sich, was wir aber eben, wie empfohlen, nicht zur Kenntnis nehmen sollen. Doch auch die das dritte, ziemlich beklemmende Kapitel bestimmende Schilderung der schweren psychischen Krankheit von Adas, der Heldin, Schwester, sollen wir nicht wahrnehmen, obwohl sich darin geradezu ein Schlüssel für das gesamte Werk findet, indem er nämlich seine Namensgebung aufschließt, und zwar in der Signatur dieser Schwester, die sie unter ihre auf der Buchseite 47 wiedergegebene letzte handschriftliche Notiz setzt:

Meiner Schwester Schwester, die jetzt iz ada (“aus der Hölle”) ist

Ada und Hölle — wen schaudert’s da nicht? Aber insgesamt wird schon bei Urban die eigentliche Zielrichtung deutlich: vorgebliche “Schwülstigkeit” — der Altmännergeilheit (ecco!) “Ausfluß”. Allerdings direkter, weil tatsächlich diffamierend, → Markus Gresser in der FAZ, 2010 (die Titelwahl bereits ist widerlich: Einladung zur Peepshow auf dem Planeten Antiterra):

Er [Nabokov, ANH] scheiterte (….), erfand sich Figuren (…), die nie zum Leben erwachen, affektierte Erotikmarionetten eines Gepetto, der offenbar letztmalig die ganz große Sau rauslassen wollte – aber nicht grob lüstern natürlich, sondern fein ziselierend wie ein Hieronymus Bosch. (…) Nach der Pädophilie in „Lolita“, auf die Nabokov in „Ada“ mehrfach paradiesvogelstolz verweist, stand nur noch ein Tabu zur Verletzung an: das des fröhlichen Geschwisterinzests. Doch konnte Nabokov kaum weiter gehen als in „Lolita“ mit der Masturbationsszene Humberts angesichts seiner wie toten Stieftochter in spe (…). Die im lasziv klebrigen Nebel verirrte Handlung dieses als Autobiographie des Privatgelehrten Van Veen getarnten Romans überhaupt wiedergeben zu müssen, kommt der Zumutung gleich, Veens Lieblingsbordell „Villa-Venus-Club“ beitreten zu müssen.

Der Mann, igittigitt, geht ins Bordell! — und so weiter immer fort. Von solchem Zeug — ekelhafter waren auch “meine” schlimmsten Kritiken nicht — findet sich im Netz sehr, sehr sehr viel mehr. —Übrigens, Gresser. Wer ist denn Markus Gresser, der gleich zu Anfang süffisant darauf hinweisen muß, daß Nabokov siebzig Jahre alt war, als ADA erschien? Und ach, kein bißchen altersweise … (Ich meinerseits habe bis dahin immerhin noch fünfe Jahre der Gnade.)
Nein, Geliebte, suchen Sie selbst! Ich werd den Beelzebuben tun, den Schreiberling durch einen Link noch zu ehren. (“Tintenfingel” nannte den Typos Dr. Lipom).

Aber wirklich, so fragen Sie mich nun, weshalb tut ANH sich’s an, solch einen Müll zu lesen? — Deshalb, liebste Freundin, weil ich im Netz auf der Suche nach einem Personenverzeichnis war. Das ich bislang nicht fand und werde nun wohl selbst anlegen müssen. Doch geriet ich in den Genuß mancher Trouvaille, etwa einer Karte der auf dem nordamerikanischen Kontinent handelnden Spielorte, die über die seinerzeitige Realität (etwa gab es noch die Sowjetunion) eine poetische, sagen wir, Durchpause legt. Wir haben es ja mit einem phantastischen Raum zu tun.
Ich habe sie mir ausgedruckt und hinten in das Buch geklebt; außerdem haftet nun eine etwas größere Kopie links an der laufenden Projekten dienlichen Pinnwand:

Weiterhin fand ich sämtliche Spielorte auf “Antiterra”, von Dieter E. Zimmer auf Englisch gesammelt und erklärt und gleich von mir selbst, leichterer Handhabung wegen, ins Deutsche übersetzt, siebeneinhalb enggedruckte DIN-A4-Seiten. Sowie eine, ebenfalls von Dieter E. Zimmer, “Timeline of Ada”, erarbeitet von August 2009 bis Februar 2010.
Und weiteres und weiteres ist → da und → dort zu finden; außerdem gibt es noch → ZEMBLA — wobei ich “natürlich” mit dem Gedanken herumgespielt habe, meinerseits um Mitgliedschaft bei den → Nabokovians zu ersuchen, dies aber flugs verwarf, sowohl meines Autoren-Selbstbewußtseins halber (“Ich habe ein eigenes Werk!”) als auch, weil mein gesprochenes und geschriebenes Englisch zu erbärmlich ist, um dort von irgendeinem anderen Nutzen zu sein, als mich indirekt mit fremden Federn zu schmücken, was dann wieder mein Selbstbewußtsein störte.
Um es deutlich zu sagen, bin ich kein Interpret des originalen Nabokov-Werkes, sondern ein poetischer seiner deutschen Übersetzungen, und auch das nur, insoweit es die belletristischen Bücher betrifft. Darüber werde ich kaum jemals mehr hinausgelangen. Wesentliche Privilegien, die Nabokovs Dichtung bis ins hohe Alter nährten, sind mir nicht zuteil geworden, worüber ich nicht klage; statt dessen fand ich meine eigenen Wege. Sehen aber tu ich’s klar. Und bin auf seltsame Weise froh, mit diesem Mann, abgesehen von ADA, niemals früher in lesenden Kontakt gekommen zu sein. Und auch sie schon, diese mit Van Veen untrennbar verbundene Frau, trat in mein Leben erst, als meine eigene Ästhetik längst “stand”; wäre Ada früher erschienen, ich weiß nicht, woher ich den Mut, ja die Hybris genommen hätte, selbst noch etwas in die Regnitz zu tun. Hingegen diejenigen Autorinnen und Autoren, die mich prägten, etwa Aragon, mir auf eine Weise nahe waren, die immer zugleich unsere Fremdheit unterstrich; so konnte ich nicht einmal Epigone werden. Sie fast alle hatten etwas, das ich verabscheute, Aragon die miese Autoritätsgläubigkeit, sei es anfangs gegenüber Breton, später im klebrigen Verhältnis zum Sowjetkommunismus; Pound und, gelinder, D’Annunzio wie Pirandello beider Faschismusnähe wegen; Dostojewski wegen der kriecherischen Glaubenstümelei; Nietzsche aufgrund des “Übermenschen”; Christa Reinig wegen ihres hardliner-Feminismus und Marianne Fritz wegen der psychotischen Schreiberinstruktur; ebenso Kafka, nur muß da das geschlechtskorrekte “in” weg; Beckett wegen seines existentialistisch-grotesken Nihilismus; Bernhard wegen seiner von dem elastischen, rhythmischen Stil nur allzu kläglich kaschierten Larmoyanz; Benn und Niebelschütz wegen der Nähe zum Nationalsozialismus. Und so weiter. Doch alle sie waren und sind für meine Arbeit und ihrer Entwicklung von enormer Bedeutung; ich schulde ihnen einen Riesendank. Ah, Thomas Mann vergaß ich, dessen sich selbst erhöhenden Sätze mitunter unerträglich gelockt sind, und doch unersetzlich. Indessen Nabokovs kristallene Prosa mich hätte zumindest als jungen Mann eine Nähe imaginieren lassen, unter deren Last ich poetisch verstummt wäre: “Daran ist nie zu gelangen für einen wie dich!” — so daß ich heute vielleicht ein passabler Jurist oder begüterter Mensch wär’ im Börsengewerbe. Vielleicht hätte ich nach dem DOLFINGER (also der “Erschießung des Ministers”) noch EINE SIZILISCHE REISE geschrieben, aber weder der WOLPERTINGER noch eines der späteren Bücher, auch nicht die BAMBERGER ELEGIEN und TRAUMSCHIFF, hätten entstehen können, um von MEERE vollends zu schweigen; und meine poetologische Arbeiten sowieso nicht.

Ihr ANH,
den Sie Sie erfinden ließen.

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“Es war einmal ein Mann, den habe ich geküßt.” Nabokov lesen, 32: Das wahre Leben des Sebastian Knight.

 

Zwei seiner Lebensmotti befragen sich gegenseitig,
und die Antwort ist das Leben selbst — näher vermag man einer menschlichen Wahrheit überhaupt nicht zu kommen.

Das wahre Leben des Sebastian Knight, 175/176
(Dtach. v. Dieter E. Zimmer)

 

So leichtfüßig dieses Buch auf sein erstes Lesen daherkommt, so verzwackt sind indes die Perspektiven, unter denen wir es aufnehmen können, sogar müssen — nämlich als Frage nach der eigentlichen Erzählerinstanz: Wer repräsentiert sie, ist der Autor dieser Suche nach einer Biografie – tatsächlich der genannte “V.“? Das hier mitschwingende (auto)biografische Thema – “das”, so Dieter E. Zimmer in seinem Nachwort, “schwindelerregende Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit” –  ist in diesem Roman auch immanent wirksam, indessen gerade seine Qualität, daß wir es lange nicht merken, und manche von uns trotz der häufigen Fingerzeige wahrscheinlich überhaupt nicht. Genau deshalb will ich Ihnen, Freundin, dazu auch nichts weiter schreiben. Verzeihen Sie mir, aber es wäre hübscher, Sie würden dieser bestimmten und den Roman sogar bestimmenden Qualität von ganz alleine gewahr.

Der Sebastian Knight ist Nabokovs erster auf Englisch geschriebener Roman. Da muß es niemanden wunder nehmen, daß der Verlust der eigentlich-eigenen Sprache das Buch unterschwellig, aber deutlich durchzieht:

Mitte Januar 1936 erhielt ich einen Brief von Sebastian. Seltsam genug war es ein russischer Brief.
Sebastian Knight, 237

Entsprechend erzählt “V.”, Knights bemühter Biograf (von dem wir letztlich, siehe oben, nicht wissen, wer er tatsächlich ist; immerhin könnte V. auch für “Vladimir” stehen) … also erzählt er,

wie seltsam es für mich gewesen sei, mit seiner Schwester [i. e. der eines entfernten Bekannten, ANH], jetzt einer rundlichen Mutter zweier Knaben, über einen fernen Sommer im Land der Träume, in Rußland, zu sprechen [Hervorh. v. m., ANH].
Sebastian Knight, 179

Und Nabokov selbst schildert die Notwendigkeit, fortan auf Englisch zu schreiben, folgendermaßen:

Als ich mich 1940 entschloß,

das Jahr, in dem er Frankreich verließ und in St. Nazaire mit seiner Familie zur Passage in die USA die Gangway der Champlain betrat,

 

in die englische Sprache überzuwechseln, bestand mein Unglück darin, daß ich vorher schon mehr als fünfzehn Jahre lang auf Russisch geschrieben und mein Werkzeug, mein Medium bereits geprägt hatte. Beim Wechsel in die andere Sprache sagte ich mich somit nicht von der Sprache (…) los, (…) mit einem Wort, nicht von der allgemeinen Sprache, sondern deren individuellem, ganz persönlichem Dialekt (…) — und die ungeheuren Schwierigkeiten der bevorstehenden Veränderung, das Entsetzung bei der Trennung von einem lebendigen, zahmen Wesen versetzten mich zunächst in einen Zustand, über den sich auszubreiten hier nicht nötig ist; ich will nur sagen, daß vor mir kein Schriftsteller eines bestimmten Niveaus derartiges durchgemacht hat.
Zit. n. Dieter E. Zimmer, Sebastian Knight, Nachwort, 270

Doch als Schriftsteller hätte er in den USA keine Chance gehabt, wo es eine russische Emigrantenszene wie in Berlin und Paris nicht gab, zudem er noch für Jahrzehnte in Rußland-selbst ein verbotener Autor blieb, das er zudem unentwegt attackierte — ein Umstand, der ihn, wie bisweilen zu lesen ist, den Nobelpreis ebenso gekostet haben könnte wie sein lebenslanges Ätzen gegen “die” Psychoanalyse (von der er allerdings, ich schrieb es schon, nicht so arg viel Ahnung hatte).

Wie kaum mehr anders zu erwarten, geht er das Problem höchst artifiziell an, indem er nämlich einen Helden wählt, der Russe ganz wie er selbst ist und mit der Biographie des ausgesprochen britisch geprägten Halbbruders ebenfalls ein erstes englischsprachiges Buch beginnt, wobei die “britische Prägung” eine ist, um die sich Sebastian Knight bisweilen ziemlich komisch bemüht hat, und zwar so lange, bis er

sich selber zum Trotz mit einer Art hilfloser Verwunderung [begriff] (…). daß er selber, oder vielmehr der kostbarste Teil seiner selbst – gleichgültig, wie verständig und gefällig seine neue Umgebung den alten Träumen entgegenkam – genauso hoffnungslos einsam blieb wie immer (…,) und je gütiger das Schicksal zu erreichen suchte, daß er sich zu Haus fühlte, indem es mit Geschick nachbildete, was er zu begehren meinte, um so deutlicher wurde er seiner Unfähigkeit gewahr, sich dem Bild, irgendeinem Bild, einzufügen. Als er dies endlich von Grund auf begriff und grimmig daranging, seine Zurückhaltung zu kultivieren, als wäre sie eine seltene Begabung oder Leidenschaft — erst dann verschaffte ihm ihr kräftiges und wucherndes Wachstum Befriedigung, und er hörte auf, sich um seine peinliche Unverträglichkeit Sorgen zu machen (…).
Sebastian Knight, 57

Schon an dieser Stelle ist abermals zu bemerken, mit welch einer Perfektion Nabokov seiner Figuren zu gestalten versteht, hier zumal über die Spiegelung in der Sicht eines anderen, nämlich des Autors V. — ein nicht unbedingt neues Verfahren, das mit Serenus Zeitblom auch Thomas Mann kultiviert hat, sowie sehr viel später der von beiden geprägte Eigner, wobei allerdings Nabokov seinen beiden Figuren, sowohl dem Biografen V. als auch dem Schriftsteller Knight, auf eine Weise eigene Charakterzüge und Erinnerungen verleiht, wie wir es bereits aus seinen russischen Romanen kennen. Daß Knight ein Schriftsteller ist, wie nicht wenige der nabokovschen Helden, unterstreicht die Natur des literarischen Kosmos, durch den sich Nabokov bewegt, und erlaubt ihm völlig organisch, seine auch poetologischen Vorstellungen darüber zu vermitteln, was Literatur zu sein habe, sofern sie denn gut ist:

Er hatte die seltsame Angewohnheit, auch seine grotesken Figuren mit dem einen oder andern Einfall, Eindruck oder Wunsch auszustatten, mit dem er selber spielte.
Sebastian Knight, 145

Auch der von V. auf eines der Bücherregale Knights geworfene Blick – nämlich auf das am sorgfältigsten geordnete – ist hier sinnvoll (und eben nicht “beliebig” von Nabokov erzählt — sowieso nie bei einem Autor wie ihm …):

Hamlet, Le mort d’Arthur, The Bridge of San Luis Rey, Doctor Jekyll and Mr. Hyde, South Wind, The Lady with the Dog, Madame Bovary, The Invisible Man, Le Temps Retrouvé, Anglo Persian Dictionary, The Author of Trixie, Alice in Wonderland, Ulysses, About Being a Horse, King Lear …
Sebastian Knight, 54

Ein jedes Buch ist ein poetologisches Ausrufezeichen: Shakespeare, Flaubert, Stevenson, Proust, Joyce, nochmals Shakespeare. Dazu Thornton Wilder, Norman Douglas, Anton Tschechov (hier interessanterweise auf Englisch), der seit je geschätzte H. G. Wells und ein mir bis dato unbekannter William Caine (aufschlußreich indes, dazu → diesen Netzeintrag zu lesen). Schießlich Lewis Carroll noch sowie die Autorin (:unwahrscheinlich) oder der Autor von “About Being a Horse”, die, bzw. den ich nicht finden konnte. Zusammengenommen ergeben sie alle ein gutes Bild der von Nabokov akzeptierten Kollegen, mithin auch seiner eigenen Poetik, zu der eine, von Joyce abgesehen, deutlich konservative Skepsis gegenüber sogenannt avantgardistischen Stilexperimenten gehört:

Aber da er [der futuristische Dichter Alexis Pan, eine Travestie auf Chlebnikov, ANH] sein Bestes tat, die Leute mit einem enormen Schwall nichtssagender Worte zu schockieren (…), scheinen seine meisten Produkte heute so läppisch, so altmodisch [zu sein] (hypermoderne Sachen haben die seltsame Angewohnheit, schneller als andere zu veralten), daß nur noch wenige Gelehrte[n] um seine Verdienste wissen (…)
Sebastian Knight, 38

Das schließt übrigens Nabokovs kindheitserinnerten Ausflüge, siehe Jules Verne oder auch Conan Doyle, durchaus mit ein. So wird von Sebastian Knight erzählt, daß er

nicht gegen Groschenschmöker [hatte], denn die Alltagsmoral scherte ihn wenig; was ihn aufregte, war nicht das Dritt- oder n-t-klassige; es war das Zweitklassige – denn hier, auf lesbarer Ebene, begann die Gaukelei, und das war im künstlerischen Sinn unmoralisch.
Sebastian Knight, 117

Wobei ich, Freundin, Ihnen von → Nabokovs Klassizismus, literarhistorisch Neoklassizismus, mehrfach schon geschrieben geschrieben habe. Es scheint mir aber wichtig zu sein, abermals darauf hinzuweisen, weil er einer der die unmittelbare Wirkung dieser Romane – ihre Sinnlichkeit eben – bestimmenden Faktoren ist, und zwar trotz ihrer hohen Komplexion. Dieses, kein Zweifel, hat Nabokov dem verehrten James Joyce deutlich voraus. Dazu gehören unbedingt Formulierungen wie:

Der kleine Mann trug seine Verse mit so lauter, dröhnender Stimme vor, daß er an eine kreißende Maus erinnerte, die einen Berg gebiert. (39) | (…) und ich wollte ihm etwas Richtiges sagen, etwas mit Flügeln und einem Herzen, aber die Vögel, die ich mir wünschte, ließen sich auf meinem Kopf und meinen Schultern erst nieder, als ich allein war und sie nicht mehr brauchte. (42)

Gerade dieses “nicht mehr brauchte” erzählt eine Tragik, die unendlich sanft in Prozessualität dieses Satzes gewirkt ist. Es waltet in ihm ist eine noble, distinguierte Dramaturgie. Ebenso

die herzzerreißende Schönheit eines Kiesels unter Abermillionen von Kieseln, die alle ihren Sinn haben, aber welchen?
Sebastian Knight, 65

Dies freilich verbunden mit einer geradezu poetologischen Selbstoffenbarung Nabokovs, die als V.s Blick auf Sebastian Knights Romane kaschiert und obendrein jemandem anderes in den Mund gelegt ist, den V. mithin nur “zitiert”:

Ich fragte ob sie [die Bücher, ANH] ihm gefallen hätten. In gewisser Weise schon, sagte er, nur [scheine] ihm der Autor ein fürchterlicher Snob [zu sein], in intellektueller Hinsicht zumindest. Als ich um einer Erklärung bat, fügte er hinzu, daß Knight ständig ein selbsterfundenes Spiel zu spielen scheine, ohne seinen Partner die Spielregeln wissen zu lassen.
Sebastian Knight, 65

Das entspricht vielem, was über Nabokovs eigene Bücher – inkl. diesem – oft zu lesen ist, wenngleich von Aficionados in bewunderndem Ton. Denn in der Tat sind es die Spielregeln literarischer Kunstwelten und eben nicht banale Abbildungen der Alltagsrealität, womit sich aus ihnen auch keine irgend gearteten Direktiven für sie ablesen lassen, jedenfalls nicht unmittelbar, wie es unterdessen schon nahezu verlangt wird. Dennoch gibt es Brücken wie etwa eine Seite des Romans V.s quasi Zusammenschau seiner Bemühungen um Sebastian Knights, des Menschen, Geschichte zeigt:

Der seltsame Traum, den ich gehabt hatte, der Glaube an eine gewichtige Wahrheit, die er mir vor dem Tod mitteilen würde — das alles schien jetzt vage und abstrakt [zu sein], als wäre es in dem Strom einer einfacheren, menschlicheren Empfindung ertrunken, in der Aufwallung von Liebe, die ich für den Mann verspürte, der auf der anderen Seite dieser halbgeöffneten Tür schlief.
Sebastian Knight, 259

Wie wohltuend, nebenbei, ist hier die “alte” deutsche Rechtschreibung, die “halbgeöffnet” als ganzes Wort in rhythmischem Fließe noch zuließ, ebenso wie “selbsterfunden” drüber! Besonders schon glänzt es im “mildfarbenem Wein” der Seite 231. Denn

Nicht auf die Einzelteile kommt es mehr an, sondern auf ihre Verbindung.
Sebastian Knight, 225

Für den Roman als Geschöpf gilt das ganz genauso. Es ist eben dieses, was uns das Gefühl ermöglicht,

irgendeine wichtige Arterie des Buches entlangzugleiten.
Sebastian Knight, 224

“Entlangzugleiten” — ein Wort, eben! Es wird so sehr Zeit, mit dem schädlichen Wirrzeug ein Ende zu machen, daß die neue deutsche Falschschreibung uns eingebrockt hat. Denn zwar, wir deutschen Dichterinnen und Dichter können uns ihrer mit künstlerischer Freiheit noch erwehren, nicht aber Übersetzerinnen und Übersetzer aus anderen Sprachen, und zwar auch dann nicht, wenn sie selbst imgrunde Dichterinnen und Dichter sind.
Weil aber Nabokov (bzw. V.) an der eben zitierten Stelle schon so körperlich ist, jetzt über den Pfad einer selbstironischen Bemerkung zu einem auch biografisch wichtigen Thema hinüberbalanziert, zu nämlich NABOKOV UND DIE FRAUEN:

Sie sah weg. Ihr kleiner, harter Busen wogte (Sebastian schrieb einmal, daß er es nur in Büchern tue, aber hier war der Beweis, daß er sich geirrt hatte).
Sebastian Knight, 214

Ich weiß nicht mehr, wo ich es las, aber entweder Dieter E. Zimmer oder jemand anderes ließ durchblicken, daß Nabokov von weiblichen Autoren kaum viel gehalten habe; ich kann’s noch nicht überprüfen (Erinnerung sprich liegt ja noch vor mir), sehr deutlich aber, immer wieder, wird sein Frauenbild, das sich von seiner Nymphophilie nicht gänzlich ablösen läßt: zu denen, die ganz Frau noch nicht sind; wirklich noch Mädchen, also Kind, sind sie aber auch nicht. Deshalb ist der Begriff “Pädophilie” — ich wiederhole auch diese Anmerkung mit Nachdruck — völlig fehl am Platz. Schon für → Lolita geht er in die Irre. Statt dessen richtet sich die Neigung viel mehr auf Frauen in der Gestalt von Knaben. Dem entspricht Nabokovs verschleierte Homophobie. Daß er einen 1945 im Konzentrationslager Neuengamme umgekommenen homosexuellen Bruder hatte, Sergej, hat sie, möglicherweise schuldgefühlshalber, verstärkt und genau darum nach einem poetischen Ausdruck gesucht, der eine abgewehrte Homosexualität mit der genital-reifen Sexualität eines heterosexuellen Mannes zu einen versuchte. Versteckt tritt dieses psychodynamische Phänomen auch im Sebastian Knight auf, und zwar insofern Knight eine vielleicht nicht ganz so “ansehnliche”, aber verläßlich-heilsame Gefährtin, Clare Bishop, gefunden hat, die er für eine andere, höchst schillernde Frau verläßt. Indirekt erzählt Nabokov hier eine eigene Affäre mit, die seine Ehe ausgesprochen belastet hat. Anders aber als Knight entschied er sich nach langem inneren Chaos für den, ich sage mal, klugen Bestand.
Dieser Befund ist poetologisch wesentlich. Er erinnert an meine eigene Entscheidung, nachdem sich meine tief Geliebte von mir trennte, eben nicht, wie ich verzweifelt erwog, das Land zu verlassen, sondern meines kleinen Sohnes wegen hierzubleiben, so schmerzlich es immer auch war. Genau das ermöglichte aber Meere, worin Fichte tut, was ich nur erwog, dann verwarf. Genau diese Grundkondition bestimmt den Roman — weshalb nicht zuletzt es so falsch war, ihn “realistisch” zu lesen.
Interessant ist nun aber, wie Clare Bishop beschrieben wird, das, was sie so gut eben macht, also eigentlich, für ihn:

Sie war hübsch, von einer ruhigen Schönheit,

indessen er höchst unruhig ist,

– bleiche, schwach sommersprossige Haut, leicht hohle Wangen, blaugraue kurzsichtige Augen, ein schmaler Mund. Sie trug ein graues Schneiderkostüm mit einem blauen Schal und einen kleinen dreieckigen Hut.
Sebastian Knight, 92

Dagegen Knight selber wird folgendermaßen beschrieben:

Er sah elegant und frisch aus. Sein feingestaltetes weißes Gesicht mit den schwachen Schatten auf den Wangen (…) wies nicht die Spur jener stumpfen, ungesunden Farbe auf, die es sonst hatte
Sebastian Knight, 92

So gut also hat ihm Clare getan. Und nun wieder sie:

Sie benutzte ein angenehmes, kühles Parfum
Sebastian Knight, ebda.

Also Clare “insgesamt” ist hübsch, ruhigleicht hohlwangig, kurzsichtig, schmallippig, grau — mithin in keiner Weise auffällig, sondern entspricht dem “klassischen” Bild jener Frauen, die, wie es lange hieß – selbst meine Mutter hat es noch gepredigt –, “hinter jedem großen Mann stehen” und ihn (und nur ihn) befördern. Um es mit dem Roman selbst zu sagen, dort allerdings über eine noch andere Frau, in der V. anfangs die, ich sage mal, böse Verführerin irrtümlich wähnte:

Frauen wie sie zerstören das Leben eines Mannes nicht — sie bauen es auf.
Sebastian Knight, 175

Wozu auch folgende Bemerkung paßt:

Ich erinnere mich, daß er [Sebastian Knight, ANH] zu sagen pflegte, leichte Mädchen seien schwer von Begriff,

schon  das, wie sich herausstellen wird, ist ein Irrtum,

und es gebe nicht Langweiligeres als eine hübsche Frau, die sie gern amüsiert; mehr noch: wenn man sich das hübscheste Mädchen genau ansehe, während es eine Blütenlese von Gemeinplätzen von sich gebe, entdecke man mit Sicherheit irgendeinen winzigen, seinen Denkgewohnheiten entsprechenden Makel in seiner Schönheit.
Sebastian Knight, 190/191

Da tanzt dann in der Tat das Patriarchat, und ich mag meine Schadenfreude nicht verhehlen, wenn daran jemand strauchelt.
Dagegen also jetzt die wider Nabokovs und seines V.s Willen Helene von Graun, die sich allerdings erst einmal, um V. zu täuschen (was ihr mit hinreißender Bravour gelingt), als Madame Lecerf ausgibt — also diese – die Männer eben in Schweine verwandelt (wozu aber gesagt werden muß, daß ihre Insel die Wildschweininsel genannt ist – Circe, um derentwillen Knight seine Clare verläßt und derenthalben er letztlich ins Unglück stürzt ..:

Es war (…) eine kleine, zierliche, blasse junge Frau mit glattem schwarzen Haar. Ich meinte, niemals eine so gleichmäßige blasse Haut gesehen zu haben; ihr schwarzes Kleid reichte hoch bis zum Hals, und sie benutzte eine lang, schwarze Zigarettenspitze.
Sebastian Knight, 191/192

Deutlich also ein Vamp, der sofort durch seine konversierende Schlagfertigkeit und dem entsprechenden Spott auffällt:

“Ganz recht”, sagte sie vergnügt. ” (…) Liebesbriefe sollten unbedingt verbrannt werden. Die Vergangenheit macht vorzügliches Brennmaterial. Möchten Sie eine Tasse Tee?”
Sebastian Knight, 193

Nicht aber wirklich ihretwegen wird Sebastian Knight irre an der Frau, sondern letztlich – ecco! – aufgrund der ihm eigenen männlichen Überhebung. In keinem der bisher besprochenen Bücher war mir diese derart deutlich. Und wenn V. davon schreibt, er habe eine Sherlock Holmessche Kriegslist angewandt, als er einen vorherigen Informanten gefragt, ob Knights Geliebte eine hübsche, dunkle Frau sei, er hingegen annimmt, Knights Verhängnis habe blondes Haar, erwidert dieser

“Genau”, (…) und nahm mir damit den Wind aus den Segeln.
Sebastian Knight, 195

Den an anderer Stelle eben diese Frau dann hineinbläst. Er übersieht einfach, daß er in diesem Stück nicht den Holmes, sondern Doktor Watson gibt. Es ist aber auch genau das, seine zwar farblose, doch solide Rechtschaffenheit, was ihn davor bewahrt, Frau von Graun ganz ebenso zu verfallen, wie’s dem verehrten Bruder geschah. Die das selbst auf den Punkt bringt:

(…) Ich sagte einmal einem Arzt, daß bis auf Nelken und Narzissen alle Blumen dahinwelken, wenn ich sie berühre — merkwürdig, nicht?”
Sebastian Knight, 212

Rote Nelken symbolisieren Leidenschaft (weiße hingegen die Ehe), und Narzisse ist V. nun erst recht nicht, sondern eben nur des Schriftstellers Halbbruder, grad auch in Leidenschaft und Geist. Genau daran, es ist seine Nase, die ja fürs Gemächt steht, führt Frau von Graun als noch immer Lecerf ihn ständig durch die Räume ihrer drei Gespräche.
Es lohnt sich, genauer hinzuhorchen:

(…) Ich glaube nicht, daß er ein Verwandter von Ihnen war,

betonen Sie das bitte auf “glaube”,

er war Ihnen so unähnlich — soweit ich das nach dem, was sie [die vorgebliche Freundin, Knights Geliebte, ANH] mir erzählt hat und was ich von Ihnen bisher zu sehen bekommen habe, beurteilen kann, natürlich. Sie sind ein netter, rühriger Junge –
Sebastian Knight, 195

Junge!

und er, nun, er war alles andere als nett — er wurde geradezu bösartig, als er entdeckte, daß er sich in Helene verliebte. O nein, er wurde nicht zu einem sentimentalen Hundchen, wie sie erwartet hatte.
Sebastian Knight, 203

Und jetzt achten Sie bitte auf die emanzipierte Kritik, die diese Frau und wie sie sie einfließen läßt:

Er sagte ihr bitter, daß sie billig und eitel sei, und dann küßte er sie, um sich zu vergewissern, daß sie keine Porzellanfigur war. Nein, das war sie nicht. Und schon hatte er auch entdeckt, daß er ohne sie nicht leben konnte, und sie, daß sie genug davon hatte, ihn von seinen Träumen und den Träumen in den Träumen und den Träumen in den Träumen seiner Träume reden zu hören. Bitte, ich verurteile keinen von beiden. Vielleicht hatten sie beide recht oder vielleicht keiner – aber sehen Sie, meine Freundin war nicht ganz die gewöhnliche Frau, für die er sie hielt — ach, sie war etwa ganz anderes, und sie wußte ein bißchen mehr vom Leben und vom Tod und von den Menschen, als er selber zu wissen meinte.
Sebastian Knight, ebda.

Es ist ein poetisches Wunder für sich, mit welcher Grandezza es Nabokov wider eigenem Willen gelingt, das Portrait einer tatsächlich ungewöhnlichen Frau zu gestalten. Schauen Sie sich allein die Lebendigkeit an, mit der Frau von Graun, alias Lecerf, am zweiten Tag vor V. in ihren Salon tritt:

Endlich öffnete sich die Tür, und die Dame, mit der ich am Tag zuvor gesprochen hatte, seitelte herein — seitelte, sage ich, weil sie den Kopf nach hinten gewandt und gesenkt hielt; sie redete nämlich auf ein Wesen ein, das sich als eine froschgesichtige, knurrende, schwarze Bulldogge erwies, die offenbar keine Lust hatte, in das Zimmer zu watscheln.
Sebastian Knight, 196

Merken Sie, Freundin, wie geschickt es von Nabokov ist, diese tatsächlich hinreißende Frau zwar nicht mit der standardisierten Begleiterin der Hexen, einer Katze, auszustatten; dennoch ist diese allein in dem “schwarze” zugegen, wobei die Farbe zudem (die in Wahrheit ein Kontrast ist) mit dem von der Frau tags vorher getragenen Kleid korrespondiert.
Aus der ersten Begegnung mit V. stammt auch das zweite wiederaufgenommene Motiv: Der Vamp trägt nämlich einen scharfen, mit großem Stein besetzten Ring, an dem sich V. beim Abschied fast schnitt. Jetzt, als allererstes, warnt sie ihn, durchaus höchst symbolisch:

“Denken Sie an meinen Saphir”, sagte sie, als sie mir die kleine, klamme Hand reichte.
Sebastian Knight, ebda.

Wenn Sie mich berühren, heißt das, werden Sie sich verletzen. Und wirklich, er ist nahe daran:

(…) ich glaube, es könnte den Leser erheitern (und, wer weiß, auch Sebastians Geist), wenn ich sage, daß ich einen Augenblick lang daran dachte, mit dieser Frau anzubändeln. Es war wirklich sehr merkwürdig – gleichzeitig ging sie mir ziemlich auf die Nerven – ich meine das, was sie sagte. Irgendwie verlor ich den Halt.
Sebastian Knight, 215

Den er eigentlich erst wieder gewinnt, als ihr mokantes Gaukelspiel … nein, nicht auffliegt, sondern sie selbst hebt den Vorhang — typischer-, stilvollerweise vermittels einer Anspielung, die weit vorher im Buch ein Motiv war. Und verfolgen Sie seine, V.s, Reaktion, tun Sie’s, Freundin, präzise; sie wird meisterhaft in dem beschrieben, was und wie er sieht:

“Es war einmal ein Mann”, sagte sie sanft, “den habe ich geküßt, nur weil er seinen Namen verkehrt herum schreiben konnte.
Der Stock fiel mir aus der Hand. Ich starrte Madame Lecerf an. Ich starrte auf ihre glatte weiße Stirn, ich sah ihre veilchenfarbenen Augenlider, die sie gesenkt hatte, vielleicht, weil sie meinen Blick falsch verstand – sah ein winziges blasses Muttermal auf der blassen Wange, ihre zarten Nasenflügel, die gekräuselte Oberlippe, als sie ihren dunklen Kopf neigte, das matte Weiß ihrer Kehle, die lackierten rosenroten Nägel ihrer schmalen Finger.
Sie hob den Kopf, ihre merkwürdigen Samtaugen, deren Iris ein wenig höher lag als üblich, blicken auf meine Lippen.
Sebastian Knight, 219

Was er ihr nun entgegnen will — Nabokov erzählt es erst, als ob V. es täte —, entgegnet er allerdings nicht, sondern behält es für sich, als sollte er es Circes weiteren Schlagfertigkeiten besser nicht aussetzen, damit es ihm Gewißheit bleibt, eine deshalb so hohle, weil sie nur für ihn selber besteht. Der Abschluß dieser Szene stellt – versehentlich vielleicht … nein, sondern weil große Literatur Wahrheit auch gegen ihre Autoren vertritt – die gesamte Schwäche der patriarchalen Männerwelt bloß. Genau damit ist Nabokov die Schilderung einer der größten Frauenfiguren gelungen, wenn nicht die größte insgesamt, die ich in seinen Büchern bislang gefunden.

Dennoch, auch auf Clara Bishop soll die poetische Gerechtigkeit ihr Licht noch werfen, auch die meine: Indem an Sebastian Knight nämlich vorgeführt wird, was geschieht, als er seine treue Gefährtin wegen Frau von Graun verläßt, erzählt Nabokov quasi im Krebsgang, was ihm selbst nicht geschah und was ihm mehr schließlich wert war als eine ihm ohnedies nicht liegende rauschhafte Selbstauflösung in Leidenschaft. Er ist aristokratisch gesonnener Klassizist, wir sollten das niemals vergessen.
In ungefährer Mitte des Buchs wird Knight Abschiedsbrief an Clara wiedergegeben. Weil eine der wissendsten Liebeserklärungen, die ich kenne, ist er extrem berührend, weshalb ich diese Besprechung mit ihm auszugsweise beenden und weiteres nicht mehr hinzufügen möchte:

Dies wird Dir wehtun, meine arme Liebe. Unser Picknick ist zu Ende; die dunkle Straße ist holprig, und dem jüngsten Kind im Wagen wird gerade schlecht. Ein billiger Tor würde zu Dir sagen: Du mußt jetzt tapfer sein. (…) Das Leben mit Dir war wunderschön — und wenn ich wunderschön sage, so meine ich Wunderblumen und Tausendschön und samtene Weichheit, das lange, sanfte rosa ‘n’ in der Mitte, und wie sich Deine Lippen zu dem ‘sch’ rundeten. Unser Leben zusammen war alliterativ, und wenn ich an all die Kleinigkeiten denke, die sterben werden, nun, da wir sie nicht mehr teilen können, ist mir fast, als wären auch wir tot. Und vielleicht sind wir es wirklich? Je größer unser Glück war, desto verschwommener wurden seine Ränder, als schmölzen seine Umrisse dahin, und nun ist es ganz und gar zerronnen. Ich habe nicht aufgehört, Dich zu lieben; aber etwas in mir ist abgestorben, und in dem Nebel vermag ich Dich nicht zu erkennen … All das ist Poesie. Ich belüge Dich. Hasenherzig. Es gibt nichts Feigeres als einen Dichter, der Ausflüchte sucht. Ich glaube, Du hast erraten, wie die Sache steht: die dumme Formel ‘Eine andere Frau’. Ich bin verzweifelt unglücklich mit ihr — das wenigstens ist wahr. Und ich glaube, über diese Seite der Sache gibt es nicht viel mehr zu sagen.
Das Gefühl, etwas stimme grundsätzlich nicht mit der Liebe, will mich nicht loslassen.
(…)
Lebe wohl, meine arme Geliebte. Ich werde Dich nie vergessen und nie ersetzen. Es wäre absurd von mir, wollte ich Dir einreden, daß Du die reine Liebe warst und diese andere Leidenschaft nur eine Komödie der Sinne ist. Alles ist Sinnlichkeit und alles Reinheit. Aber eines ist gewiß: Ich war glücklich mit Dir, und nun bin ich elend mit einer anderen. Und so wird das Leben weitergehen.
(…) Aber das wird nicht heißen, daß ich glücklich sein werde ohne Dich … Jedes noch so winzige Ding, das mich an Dich erinnert – der mißbilligende Blick der Möbel in den Zimmern, wo Du die Kissen zurechtgeklopft und mit dem Feuerhaken gesprochen hast, jedes noch so winzige Ding, das wir zusammen entdeckt haben – wird für mich immer nur die eine Hälfte einer Muschel, die eine Hälfte einer Münze sein, von der Du die andere behalten hast. Lebe wohl. (…) Vergiß mich jetzt, aber erinnere Dich später an mich, wenn die Bitterkeit vergessen ist. Dieser Klecks rührt von keiner Träne her. Mein Füller ist kaputt, und ich schreibe  mit einem dreckigen Federhalter in diesem dreckigen Hotelzimmer. (…) Ich glaube, Du hast noch ein oder zwei Bücher von mir – aber das ist nicht wirklich von Bedeutung. Bitte schreibe nicht. L.”
Sebastian Knight, 144/145

 

 

Darüber, Geliebte, hinaus ist wirklich nichts mehr zu sagen.

Ihr ANH

 

 

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Das zwölfte Coronojournal. Am Donnerstag, den 2. April 2020. Darinnen ein paar Worte zur Geschichte der Dschungelblätter und ihrem Editorial.

[Arbeitswohnung, 8.30 Uhr]
Zu Aprilscherzen gab es in diesem Jahr offenbar wenig Anlaß, auch wenn ich hätte, daß tatsächlich, vor allem so schnell, die 5000 Euro Soforthilfe II auf meinem Konto waren, für so etwas halten können. — War’s nicht, das Geld ist konkret.
Zugleich wieder meine, so muß ich es nennen, Gewissensbisse. Denn auch das Geld vom Jobcenter war gekommen, daß ich da dann sogleich, wie → dort angekündigt, zurücküberwies, auch wenn mir einige Freunde –und → auch Leserinnen – rieten, es nicht zu tun, weil doch völlig Verschiedenes abgedeckt würde. Es so lässig zu halten, hätte mir aber der Gefühl gegeben, ein sozusagen Coronagewinnler zu sein. Ein widerlicher Gedanke. Entsprechend verfaßte ich dann auch eine Mail, in der ich dem Jobcenter die Rücküberweisung mitteilte, die Bankbestätigung als PDF mit angelegt, sowie, weiterer Hilfe einstweilen nicht zu bedürfen. Wie wir nun weiter verfahren würden? Es muß ja über die Hilfezeit nun abgerechnet werden.
Mit einer baldigen Antwort rechne ich nicht; die Reaktionen auf meine verschiedenen Schreiben haben eh meistens lange gebraucht, bis sie kamen, im Schnitt an die jeweils drei Wochen, und jetzt wird die Situation für Behörden noch sehr viel schwieriger sein. Die geradezu unmittelbare Überweisung der Soforthilfe II kommt mir eh wie ein Wunder vor, das ich nach wie vor fast nicht glauben kann, nur glauben halt auch nicht muß, sondern nur hinschauen und sehen.

Weiterhin nutze ich diese Tage, nun sind es schon zwei Wochen, denen, wovon ich überzeugt bin, noch viele weitere folgen werden, mit Nachdruck für DIE DSCHUNGEL. Den Béarts fehlt weiterhin mein hymnischer Atem. Ich muß ihren  Ton gegen die Realität quasi durchsetzen. Dabei kam gestern eine nicht nur beruhigende, sondern den Gedichtzyklus auch ehrende Nachricht des Verlags:

(…) diese Krise wird vorbeigehen, sodass ich selbstverständlich grundsätzlich an unserer Publikation festhalte. Es ist aber wichtig, ein gutes Umfeld zu haben. Du hast also noch etwas Zeit. Wie wäre es mit Abgabe Ende Mai? Das Wichtigste ist doch, dass die Textsammlung bestmöglich gerät und zuallererst Du damit durch bist. Alles weitere werden wir dann in Angriff nehmen. (Sobald ich einen Moment habe, schreibe ich auch Deiner Lektorin etc.) Also alles aufgeschoben, nicht aufgehoben, denn das Konvolut ist großartig!

Ende Mai läßt mir in der Tat Luft.

_________________________________________________________
[… abgebrochen wegen Ärztinbesuchs und weiterer u. a. Wartetermine
sowie besorgungenhalber … Alles weitere deshalb morgen …]

Aber dieses doch noch:

Das gestern eingestellte, 1985 geschriebene und jetzt nachträglich → “Kampfansage” betitelte Editorial ist für meine auch poetische Arbeit von eminenter Bedeutung, sowie um zu erklären, weshalb mein Ruf in der Literaturszene so schlecht ist und blieb. Bezeichnend ist auch, daß die meist hohen Zugriffszahlen DER DSCHUNGEL bei solchen Texten schlagartig und signifikant in den Keller gehen, von gestern  auf heute ein Minus von derzeit (16.16 Uhr) 37 %. Das entspricht zu gegenwärtigen Zeitpunkt nahezu zweihundert Aufrufen weniger und macht mich durchaus nervös, weil es zu nötigen scheint, meine Themenwahl allgemein, mithin “poppig” zu halten. Es ist tatsächlich nicht leicht, dem zu widerstehen.
Ich schrieb dieses Editorial und gründete somit die DSCHUNGELBLÄTTER, nachdem ich seit Erscheinen meines ersten Romans, 1983, auf das deutlichste mitbekommen hatte, wie “der Betrieb” funktioniert(e),— nämlich von irgendeinem anderen in keiner Weise verschieden. Seine Antriebskräfte waren –und sind’s nach wie vor – Eitelkeit, Pfründe, Corps”geist” und quasiMitgliedschaften in Meinungsmacht- sowie politischen Zirkeln, nicht etwa die tatsächliche, geschweige angestrebte Kunst. So naiv, oder idealistisch, war ich gewesen, mir in der Dichtung etwas zu erhoffen, das ich de facto niemals gehabt: eine Familie Gleichgesonnen- und gesinnter, kurz: Heimat. Ich war seit Kindheit ein Augestoßener gewesen, ein von erst auch Erzieherinnen, dann Lehrern unisono mit den Schul”kameraden” verlachte, und ziemlich verhöhnte Spinner, der im übrigen zu weich war, um sich zu wehren, wenn man ihn verprügelte. Alle zwei Tage bezog ich solche Prügel. Das Schlimmste war der Gruppensport, der gefürchtete und deshalb verhaßte Fußball voran, weil er den Mob aus den Kindern holte und hämischst grölen ließ. Nur in den Büchern, die ich las, aus den Musiken, die ich hörte, versprach sich etwas anderes. Hier waren Außenseiter nicht selten Helden. Dies hat gewiß meine Berufswahl zumindest mitbestimmt. Dann aber kam die Realität. Nur waren die Hörner, die sie mir zeigte, überdies noch banal.
Damals hielt unter den sogenannten Intellektuellen die noch sogenanntere Linke den Daumen auf das, was für gut galt, oder es waren Kulturreaktionäre wie Marcel Reich-Ranicki, dessen Hohelied heute nach gesungen wird, Jahre nach seinem Tod, anstelle zu begreifen, erstens wie widerlich er sein konnte (offenbar aber nicht im Privaten) und zweitens welch unheilvolle Rolle er damit für die moderne Dichtung spielte, unter anderem maßgeblich in der schlimmen Gruppe 47., die für Paul Celan nichts als bestialisches Gelächter übrig hatte. Und ich erinnere an Ingeborg Bachmann, die er schlimmer als nur mies beschied, was ihn aber nicht davon abhielt, sich direkt nach ihrem Tod zum Sprecher der Bachmann-Preis-Jury aufzuschwingen — ein fast beispiellos stilloser Akt, zu dem indessen die Literaturschickeria — meine Wissens komplett — schwieg. Mit solchen, ich sag mal, Infamien war er freilich nicht allein, er fiel nur ganz besonders auf, und so hackte die eine Krähe nicht in der anderen Augen.
Ich selbst allerdings, das wußte ich nach einigen Kritiken schon, wäre nicht einmal entfernt wie Frau Bachmanns immerhin genannt, wäre wie einige dem Betrieb unliebsame Kollegen schlichtweg verschwiegen worden; andere hatten Reich-Ranicki und Konsorten mit Fußtritten aus der Gegenwart getreten. Mich trat man gerade, damalige “Autoritäten” wie Ulrich Greiner, Wolfram Schütte, ein paar Jahre nachher auch Iris Radisch, gefolgt von Thomas Steinfeld. Alle sie halfen nicht der Dichtung, noch helfen sie ihr jetzt. Sondern sie kochen ihre Machtsuppen und füttern sich selber und nur sich damit. Dagegen war ein Pflock einzuschlagen, in einen Boden allerdings, meinte ich, der sechsundachtzig Jahre zuvor, und zwar über mehr als ein Viertelsäkulum, von Karl Kraus vorgepflügt worden war.  Selbstverständlich bezieht sich → darauf, daß ich mich den Herausgeber nenne, also namentlich im Text gar nicht auftrete, den ich deshalb auch nicht mit “ANH” signierte. Und selbstverständlich nahm ich Kraus’sens Stilmittel auf, vermittels deren er Kritiken seinerseits kritisierte. Ich werde hier in der Folge immer mal wieder ein Beispiel aus den DSCHUNGELBLÄTTERN einstellen und habe nun dafür eine eigene Rubrik angelegt.

Nun war das Wien des Fin de Siècle und der Secession aber nicht Frankfurt am Main, schon gar nicht der nachherigen Achtzigerjahre, und es wäre illusorische gewesen, meine zehnmal jährlich erscheinenden Heftchen an den Kiosk zu bringen, damit jeder hinrennt, um zu gucken, ob diesmal er genannt ist, oder sie. Außerdem, was in der Wiener Stadt gelang, weil sie eben ein ganz interner Stadtkosmos war, konnte in einem föderalistischen Deutschland kaum reüssieren. Auch das wußte ich. Der einzig gangbare Weg war deshalb das Abonnement. Tatsächlich ließ es die DSCHUNGELBLÄTTER fast fünf ganz Jahrgänge lang gut existieren, Ich gab sie erst auf, als ich in Italien lebte, wo mir die monatliche Schau der deutschen “literarischen” Szene schnell obsolet wurde.
Übrigens stand ich mit meinem Unternehmen durchaus nicht allein. Auch Uwe Nettelbeck gab ein Periodikum heraus, das sich der FACKEL verpflichtet hatte und mindestens so unbequem war wie das meine, allerdings in politischen, nicht ästhetischen Hinsichten. Selbstverständlich hatte ich es selbst abonniert und bewahre die Ausgaben bis heute:

Nun war der fünfzehn Jahre ältere Nettelbeck mit gegenüber deutlich im Vorteil, insofern er kein Noname wie ich war, heißt: Man fühlte sich gedrängt, auf seine höchst bösen Kommentare zumindest zu reagieren, hingegen die DSCHUNGELBLÄTTER genauso wenig in die Feuilletons kamen wie viele meiner Bücher. Was mich nun ganz besonders in Harnisch brachte — so sehr, daß ich, als ich nach MEEREs Erscheinen im Vollzug des Buchprozesses — der mir ein Sprechverbot auferlegen wollte — fast genau wieder dort anknüpfte, wo ich mit ihnen aufgehört hatte. Sie merken es, Freundin, leicht → am Ton, den ich 2003/2004 wieder anschlug, vierzehn Jahre später. Insofern gehören die DSCHUNGELBLÄTTER zu DER DSCHUNGEL.ANDERSWELT direkten Vorgeschichte:

Ihr ANH

 

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