Das vor allem für Nicolas Borns “Die Fälschung” geschriebene Arbeitsjournal des Sonntags, den 2., auf Montag, den 3. Oktober 2022, darinnen auch das Tattoo fortgesetzt und ein Brief an die Herausgeber und Beitragenden der text+kritik-Ausgabe Nr. 236 geschrieben worden ist.

Dauerndes Seriengucken ist Flucht nicht vor der Einsamkeit,
nein, sondern vor dem letztlich Alleinsein, dem wir aber ja
doch nicht entkommen.
Notat 2.10.22, spätabends

[2. Oktober, Arbeitswohnung, 12.36 Uhr
Martinů, Julietta]
Um sechs hoch, um halb sieben am Schreibtisch, Nachrichten gelesen, dann – weil unterdessen alle Beiträge des → text+kritik-Heftes gelesen – den wirklich fälligen Dankesbrief an die Herausgeber und Beitragenden dieser für meine Arbeit und mich so ehrenvollen Ausgabe geschrieben, jeweils auch ein wenig zu den je einzelnen Beiträgen – was insgesamt genauso lange gedauert hat wie Lionel Roggs Orgelinterpretation der bachschen Kunst der Fuge. So daß ich dann Zeit für das Morgenmüsli und danach Rasur und Toilette hatte. Kritischer Blick in den Spiegel, weil gestern mein Bioport-Tattoo weitergestochen wurde, sich aber unter dem transparenten Schutzpflaster besonders die braune Farbe verschmiert hatte und ich nun unsicher war, ob nicht etwas schiefgegangen sei. Denn das Tattoo ist extrem fein gearbeitet (rechts ein unmittelbar nach dem Stechen von Elena geknipstes Foto). Es wäre zu schade, wenn hier was schiefgegangen wäre. Doch nach dem Duschen sah es schon sehr viel besser aus; das Pflaster läßt Flüssigkeit austreten, aber keine hinein. Viel des Verschmierten war nun schon fort, offenbar überschüssige Farbe. Genau werde ich es aber erst am Dienstag sehen, wenn ich die Pflaster – vorsichtig, vorsichtig – abgezogen haben werde.

Doch zum heute Eigentlichen. Ich hatte Ihnen, Freundin, ja geschrieben, einen Schlußstrich unter die allabendliche Serienguckerei zu ziehen und, wenn ich meine Arbeit beiseitegelegt hätte, nur noch zu lesen, was etwa bis Mitternacht bedeutet und manchmal auch noch eine halbe Stunde länger geht – denn ich habe es tatsächlich bislang so gehalten. Nur der Freitagabend fiel heraus, weil ich wegen text+kritik so fahrig war, daß mein Freund Broßmann herüberkam, um zu sprechen und sich zusammen mit mir die Kante zu geben. Das gelang derart umfassend, daß ich gestern komplett verwirrt erst um neun erwachte und den Tag für die Arbeit eigentlich knicken konnte; aber mittags war eh der tätowierte Termin, der viel mehr Zeit in Anspruch nahm, als ich gerechnet hatte. Nahezu dreieinhalb Stunden habe ich im Studio gesessen, bzw. irgendwann eben auch gelegen.
Wie auch immer, die Lektüreabende. — Interessant, daß der ziemlich suchthafte Impuls, zum Abendessen Filme zu gucken, bereits jetzt schon fast völlig weg und durch die Vorfreude auf das jeweilige Buch suspendiert wurde, was von Nicolas Borns, ich schrieb auch das schon, Die Fälschung durch ihre hinreißende Faktur noch einmal verstärkt worden ist. Sie wirkt umso mächtiger, als Laschens, eines Kriegsberichterstatters, Geschichte auf schmerzhafte Weise in unsere unmittelbare Gegenwart des Ukrainekrieges paßt. Allerdings muß ich etwas richtigstellen. Ich schrieb, Christopher Ecker habe mir das Buch geschickt, weil ich die Unterschrift der ihm beigelegten Karte als “Christopher” identifizierte. Umgehend mailte Ecker mir, nein, er sei das nicht gewesen; aber nun müsse er das Buch wohl unbedingt lesen. Muß er, ja. Aber gut, ich nochmal an die Entzifferei:

Und nun, tatsächlich, kam ich drauf. Verdammteins-j a !: Christoforo, der Freundesname meines Arco-Verlegers. Ihm auch sieht solch eine Zusendung ähnlich. Und habe dieses von ihm mir zugereichte Buch so lange schmählich in einem Haufen vor sich hintrocknen lassen wie sehr, sehr viele andere. Jetzt war die Lektüre fast eine Erleuchtung, Entdeckung indes in jedem Fall, auch wenn die Konjunktive oft nicht stimmen (häufig das falsche als sei statt richtig als wäre usw.) und mich auf die Dauer die ständigen Nachstellungen nervten. Nur wenige der vielen, vielen Beispiele[1]Seitenzahlen sämtlicher Zitate nach der Lizenzausgabe der Deutschen Buchgemeinschaft, C.A.Koch’s Verlag Nachf., Berlin-Darmstadt-Wien o.D.:

Er lag dann nackt auf dem Bett, hatte den Reisewecker aufgezogen, dessen Ticken anschwoll und wieder abflaute zusammen mit dem Säuseln der Klimaanlage.
S.21

Weshalb nicht eleganter “Er lag dann nackt auf dem Bett, hatte den Reisewecker aufgezogen, dessen Ticken anschwoll und zusammen mit dem Säuseln der Klimaanlage wieder abflaute” ?

Ebenso:

(…) als hätten sie [die Wörter] über Nacht ihren Nutzen verloren, seien [wären] ausgeschieden worden aus dem Verständigungskreislauf.
S. 128

Nein! Sondern “als wären sie über Nacht aus dem Verständigungskreislauf ausgeschieden worden”.

Oder:

… weil gerade dann der Film Stichwörter lieferte, die peinlich genau zutrafen auf die eigene Situation.
(S.296)

Stünde dort “… weil gerade dann der Film Stichwörter lieferte, die peinlich genau auf die eigene Situation zutrafen” wäre der Satz flüssiger, fließender — Papier nicht, sondern Leben.

Und fast noch deutlicher hier:

(…) nur die indirekte Beleuchtung, die sich unverträglich mischte mit dem verbraucht wirkenden Licht von draußen.
S. 301

Welch ein Satz hingegen erklänge, höben wir die Nachstellung auf! “(…) nur die indirekte Beleuchtung, die sich unverträglich mit dem verbraucht wirkenden Licht von draußen mischte” .

Freilich ließe sich an solchen Stellen denken, der Autor wolle durchführen, was er ganz am Anfang über Laschens Stil insgesamt sagt:

Es war so, als ob er in dem bisher Geschriebenen herumkletterte. Wenn er wieder unten war, hängte er rasch noch einen Satz [- hier eben einen Satzteil -] an.
S.15

Aber nicht Laschen schreibt diese Sätze – dann wäre es legitime Rollensprache -, sondern der Autor. Und es geschieht zu häufig, scheint mir stilistische Laxheit zu sein, ein vorübergehendes Nachlassen der formulierenden Konzentration. Satzteile nachzustellen ist poetisch eben nur dann sinnvoll, wenn etwas besonders betont werden soll. Ist hier aber seltenst der Fall. Und also nehmen diese Nachstellungen den Sätzen ihre Spannkraft – die mögliche Spannkraft. Bei einem ansonsten derart brillanten Autor wird mir zur leichten Qual, was ich bei anderen mit Achselzucken akzeptierte. Um Ihnen, Freundin, vielleicht noch etwas deutlicher zu akzentuieren, was ich meine, hier drei Stellen, an denen die Nachstellung tatsächlich Funktion hat:

Er winkte sich selbst zu von einer anderen Seite.
S. 121
Er konnte gut leiden an unverständlicher Grausamkeit.

S. 187
Er umgab sich und seinen Tod mit einigem Getöse, wenn er überhaupt starb, denn danach sah es nicht aus. Solche, an denen Laschen ein paar kritische Anwandlungen abließ, waren aus dem Stadtbild verschwunden, waren längst abgereist nach London, Paris oder nach Zypern.
S. 127

Abgesehen von dem bizarren, semantisch – ohne daß ein Rätsel da wäre – rätselhaften Idiom “an jemandem Anwandlungen ablassen”, steht die Nachstellung hier komplett richtig, weil sie das Wegwerfende betont, ein “eigentlich egal, wohin”. Nervig aber ist dann wieder sowas:

Oder es konnte auch eine sinnlose und zwecklose Verabredung sein mit jedermann.
S. 127

“Sinnlos” und “zwecklos” i s t bereits eine Redundanz, wozu dann auch noch “mit jedermann”? Um es begütigend zu sagen, hat hier die Lektorin oder der Lektor nicht aufgepaßt, ist schlampig, also ebenfalls unkonzentriert gewesen. Ärgerlich.

Doch ich will ja keinen Verriß, sondern eines solchen Gegenteil schreiben. Auch an sehr guten Büchern, die sogar hohe Literatur sind (den Unterschied zwischen beidem werde ich in einem nächsten Beitrag erläutern) müssen wir, Freundin, den einen und/oder anderen Durchhänger schlichtweg hinnehmen; bei lebenden Autorinnen und Autoren bleibt da die Hoffnung auf eine revidierte zweite Auflage. Außerdem gibt es etwa bei Hans Henny Jahnn ganz entsetzliche Sätze, ohne daß die Strahlkraft seiner Bücher Einbußen hätte; für Thomas Manns bildungsbürgerliches Hochgeschwurbel gilt dasselbe. Und als allererstes erkennen wir ein Kunstwerk an seiner motivischen Konstruktion, bei Born etwa des bereits auf S. 25 eingeführten Messers,

er würde es ständig tragen müssen, an die Wade geschnallt, auch eine lästige Vorstellung,

das sehr viel später eine bedeutsame Rolle spielt. Es gehört zum Geschick der Faktur, das selbst ich es längst vergessen hatte, als es plötzlich zentral wurde. Wobei das eigentliche Thema dieses Romans nicht der libanesische Bürgerkrieg “an sich” ist, sondern daß die Berichterstattung über ihn eine auf die Leserschaft zugefeilte, weil prima rezipierbare Parallelwelt quasi erfindet – eben die Fälschung, die dem Buch seinen Titel gibt. Und die stupende Aktualität, an der auch ein heutiger, fast fünfzig Jahre späterer Journalist verzweifeln müßte, warnt uns gleichsam vor der Berichterstattung über den Ukrainekrieg. Zeitungen wollen verkaufen. Daß “daneben” –  eigentlich nämlich darüber – Laschens Beziehungen sogar dann in die Brüche gehen, wenn sie weiterbestehen, ist von Born besonders raffiniert in das Buch eingeschoben; die zweite Ebene des Privaten wird zum Reflex der ersten, des Öffentlichen, scheinbar Faktischen, und umgekehrt. Nahezu alles ist aufeinander bezogen und voneinander abhängig, insbesondere die Sichtweisen auf etwas, hier sogar den – bisweilen schockierend – erzählten Krieg. Und da dann kommt es zu, ich muß es so schreiben, großen Sätzen (was auch so zu sein hat, wenn Born sich auf S. 20 auf Nabokovs Ada bezieht; damit liegt die Meßlatte extrem hoch):

Einen kleinen Mann in grauem Kaftan sahen sie mit ausgebreiteten Armen vor dem Haus stehen und klagen. Es war ein Foto, schon bevor Hoffmann die Kamera hob. [S. 56] – (…) nein, es war vielmehr die Ahnungslosigkeit gewesen, die Verständnislosigkeit in ihren Gesichtern, das Nichtglaubenkönnen [,] aus der Unsterblichkeit so bald und sogleich herausgerissen zu werden. (…) Wäre Hoffmann [der Laschen begleitende Kriegsfotograf] ängstlich, würden die Bilder ängstlich sein; es sollten aber nicht ängstliche Bilder sein, sondern solche zum Kopfschütteln und besseren Bescheidwissen, dreckige Bilder in sauberen Zimmern anzusehen. [S. 57] Nicht, daß nicht Meinung erwünscht wäre, aber sie muß erst einmal blanke Oberfläche geworden sein. Dann darf sie sich äußern, blasend und spuckend in eigener Sache, die längst eine Sache aller ist, entschärft und stillgelegt. [S. 65] Er fühlte sich stark werden, und es war nicht die dumme männliche Kraft, es war eher Auslieferung. [S. 87] Er schrieb weiter, damit es draußen endgültig geschehen war, was er schrieb. [S. 90] Alle drei Männer waren von einer ins Süßliche veredelten, parfümierten Gefährlichkeit. [S. 100] (…) es beschwichtigte ihn der eigene Kopf, in dem ein Leerraum des Nichthandelns war, ein gelähmter Kern, eine Ferne von allen Ereignissen. [S. 121] Mich aufstellen lassen in Brigaden, letzten Aufgeboten. Und das nicht für einen Sieg, für eine Gerechtigkeit, sondern nur dafür, daß die Grammatik wiederkehrt, daß nur dieser verfluchte Zustand zu Ende geht, in dem die Tatsachen das Besondere sind, aber das Besondere leer ist und das Wichtige heraus ist aus dem Wichtigen. [S. 129] Etwas, das hatten sie gemeinsam, hatte sie aus einer Menge herausgepflückt, eine Gewalt, die immer die gleiche war, in Prag, in Vietnam, in Chile oder hier [in der Ukraine], und die so menschlich war, ebenso menschlich [Komma gestrichen, ANH] wie die Freude an einem langen heiteren Friedenstag. [S. 146] (…) schiefrig-fette Erde (…) [S. 147] Laschen war von dem Anblick niedergeschlagen, so [,] als hätte man ihm eine Illusion, die er längst nicht mehr hatte, in diesem Moment erst genommen. [S. 151] [Über Kriegstote:] Das Wasser war klar und stäubte über steilem Gefälle rosafarben auf. [S. 170] Die Brust- und Kopfbehaarung sah aus wie angeklebt, der Ausdruck in den Gesichtern war erstorben, zurückgenommen, so, als hätten sie im letzten Moment noch etwas für sich behalten wollen, an das nun niemand mehr herankam. [S. 176] Recht und Unrecht rotierten als Begriff so schnell, daß sie ununterscheidbar waren, Recht und Unrecht waren bis zur Unkenntlichkeit vertauscht worden, gab es nicht, schien es nie gegeben zu haben. Nur Räume und Zeiten sollten siegen über Räume und Zeiten, eine Behauptung sollte die andere besiegen, eine Geschichte die andere. [S. 185] Und welche erstaunlichen Bestimmungen steckten erst in diesem Hoffmann, welch eine triumphale Neutralität des Blicks durch den Sucher, solch eine brutale Zivilisiertheit? [S. 186] Viele Orte verschmelzen manchmal zu einem einzigen, an dem sich dann das Geschehen krümmt zu einem verwunschenen Symbol [ANH: “an dem sich dann das Geschehen zu einem verwunschenen Symbol krümmt”], das fortan in der Erinnerung schwer und alp[b]traumhaft einen festen Platz hat. [S. 190] Nur keine Besinnung aufkommen lassen, lieber und besser den schnellen, alles schnell abführenden [!] Meinungsstil schreiben, auf den Leser zu, damit die Schrecken nicht zu lange frei sich auswirken, sondern gebunden in der Sprache zu Sprache werden. Jeder Satz von brutaler Sachlichkeit, jeder Inhalt, auch der genaueste, eine völlig Anonymität. [S. 193] (…) das Gesicht konzentriert schön (…) [S. 202] (…) nur eine hohle Ungewißheit ging langsam in Magenschmerzen über; es war ein Kneifen wie von einem zahnlosen Tier. [S. 209] Die säuselnden Geschosse bedeuteten den Tod, aber sie bedeuteten ihn nur. [S. 210] Sie wußte alles, was ihren Angehörigen geschehen war, hob aber das Gesicht, so daß es ein Antlitz war, vor Entschlossenheit, das weder zu glauben noch zu verstehen. [S. 220] (…) die Temperatur der Flasche an der Wange prüfen. [S. 221] Leer, attrappenhaft, ja, wie eine Reihe von Fußmatten lagen die Tage vor ihm (…) [S. 228] (…) und vielleicht war der Gedanke nicht nur sentimental, sondern auch ein Bestandteil der Fälschung, des angeblichen Gewissens und seiner Erforschung! [S. 230] (…) es ging alles weiter, das knapp gewordene Brot wurde dennoch in ausreichender Menge beschafft, Feuer gemacht überall, Essen so rasch und gut als möglich darauf gekocht, viele setzten sich immerfort miteinander zu Tisch, gingen miteinander zu Bett. Es war das notorisch menschheitsgeschichtliche Weitermachen, der “Normalbetrieb” unter krassesten Bedingungen, wie er aus den Konzentrationslagern berichtet worden ist, wie er das Leben der Stadt London während der großen Pest (Defoe) bestimmt hat. Es ist in allen langfristigen Katastrophen vom “Normalbetrieb” des Lebens berichtet worden. Das Erstatten von Bericht ist jederzeit so selbstverständlich wie der Normalbetrieb. (…) Und alles sollte berichtet werden, erst dann war es endgültige Vernichtung, und darauf konnte alles erneut sich ereignen, besser, weil gewußter, geplanter und berichteter. [S. 241] Er fühlte auf der Stirn die feinen Schweißtropfen kalt werden (…) [S. 243] Der Wind stand dauernd dünn und kalt auf seinem Gesicht. [S. 245] Vielleicht sind die pathetischen Wörter hier die genauesten. [S. 261] Sie hatten die Schuhe ausgezogen und schauten in eine Ferne, die es nicht gab und die so leer, so umfassend leer war wie ihre Augen [ANH: “es waren”], in denen das Weiße die Iris und selbst die Pupille überzog. [S. 268][S. 275] Die Kinder allerdings warfen kleine urtümliche Schatten auf seine pure Gegenwart. [S. 277] Es gibt keine unmögliche Konstellation, die nicht schon Wirklichkeit gewesen wäre. [S. 287] Aber auch das ließ ihn schon beinahe kalt, auch darauf würde er mit einem verrutschten Lächeln antworten. [S. 288] (…) und der Text ihm erschien als poröse, wabenartige, geraffte und gekürzte Wirklichkeit, als die Wirklichkeit, und das, was wirklich geschah oder geschehen war, war die Illusion davon. [S. 295] Wenn sie jetzt gesprochen hätten, wäre es aus Verlegenheit geschehen, so schwiegen sie verlegen. [S. 310]

Und absolut großartig, wie Born ab S. 271 Todesangst orchestriert, aber daraus zitiere ich nichts, weil es eine Dynamik verriete, die ich oben angedeutet habe, ohne daß Sie es jetzt entschlüsseln können. Was so sein muß, weil Sie es selbst erleben sollen, unvorbereitet lesend erleben — nämlich dieses Buch.

Bestellen

***

So. – Eigentlich habe ich auch zu heute noch etwas schreiben wollen, diesen Text aber eben erst fertiggestellt, den ich gestern begann, und ich denke, er ist lang genug, um Sie zufriedenstellend zu beschäftigen, derweil ich selbst mich endlich wieder den Triestbriefen zuwenden möchte. Wozu ich nach dieser Lektüre endlich wieder Lust habe, auch wenn schon eine nächste begonnen ist. Doch über die werde ich in den kommenden Tagen berichten, Christian Berkels “Ada”.

Ihr, immer noch im Morgenmantel,
ANH
3. Oktober 2022, 10.55 Uhr

References

References
1 Seitenzahlen sämtlicher Zitate nach der Lizenzausgabe der Deutschen Buchgemeinschaft, C.A.Koch’s Verlag Nachf., Berlin-Darmstadt-Wien o.D.

Safran ODER Zwei Tage mit Baskakova. Im für den 12. und 13. August geschriebenen Arbeitsjournal des Sonntags, den 14., zugleich als Tagebuch.

[Arbeitswohnung, 7:58 Uhr
Sommersonntagshitzestille, jetzt bereits am Morgen,
die von hie und da einem vorsichtigen Spatzenzwitschern
akzentuiert wird.]

“Ich habe Ihnen etwas mitgebracht”, sagte sie und zog aus ihrem nicht zu großen Tagesrucksack einen mehrfach mit Lebensmittelfolie, ein schließlich kleines flauschiges Kissen, umwickelten Flacon besten Safrans hervor, als sie bereits im Arbeitsraum stand, Tatiana Baskakova, meine russische Übersetzerin, die jetzt wie ich aufs Erscheinen des russischen Traumschiffs wartet. In Druck sei das Buch schon längst, aber wann es wirklich herauskomme, könne auch sie nicht sagen. Und mochte auch gleich über Argo sprechen, den dritten Andersweltroman, den sie aber als ersten ebenfalls ins Russische übertragen will und vom Verlag auch schon Interesse signalisiert bekommen hat. “Aber ich glaube, daß die Verlegerin erst einmal die Reaktionen aufs Traumschiff abwarten will.” Es sei doch ein allein vom Umfang enormes Buch – ökonomisch ein ziemliches Risiko, in diesen Zeiten zumal. Und, wie Sie mir tagsdrauf – bislang schreibe ich vom Feitagabend – im Pratergarten auf mein neuerliches Bedenken antwortete, ich wisse nicht recht, ob es funktioniere, den dritten Band einer Trilogie als ersten zu veröffentlichen: “Jeder Roman von Ihnen beginnt in der Mitte, und hier reizt mich, daß er ein tatsächliches Ende hat.” Das stärkste Argument, das ich bisher gehört habe, denn in der Tat läßt sich Argo nicht fortsetzen, es sei denn in sehr übertragenem Sinn etwa → durch den Friedrich. Zu dem sie dann ebenfalls einige Fragen hatte, auch, weil sie genauso nochmals zum Traumschiff, vor allem aber Argo und dem Wolpertinger fragte und schließlich, was kein Wunder ist, zu den Briefen nach Triest. Die mich weiter ganz enorm umtreiben. Aber dazu heute nicht.

Es war unsere erste Begegnung, Baskakovas und meine, also die erste physische; bislang haben wir sehr häufig und viele Mails ausgetauscht, teils auch netztelefoniert; eine Nacht lang — Sie erinnern sich, Freundin, gewiß — las Sie mir ihre Übertragung der zwölften Bamberger Elegie vor, der ich, obwohl des Russischen nicht mächtig, sehr gut folgen konnte, denn ich brauchte nur dem Rhythmus zu lauschen, zählte beim Zuhören mit. Die russische Fassung ist in Иностранная литература denn auch erschienen:

 

Ach, es waren noch andere, waren hoffnungsvolle Zeiten, die nun der Krieg zerstört hat. “Ich habe Freundinnen und Freunde, die nicht mehr übersetzen, weil es ihnen in diesem Unglück unmaßgeblich vorkommt. Doch ich selber glaube, die Menschen brauchen jetzt Literatur, brauchen sie sehr”, erklärte sie ihre Position, um gleich darauf zu fragen: “Was glauben Sie, wie lange der Krieg noch währen wird? Ich selber kann nichts tun, als meiner Arbeit nachzugehen.”

Ich hatte ein Abendessen vorbereitet, “soll ich die Kartoffeln schon aufsetzen?” “Lassen Sie uns erst noch sprechen.” Was wir taten, bis sie dann irgendwann sagte, vielleicht jetzt doch das Essen. Sahneheringe in Joghurt mit Apfelstücken, Zwiebeln, vielen, sowieso, teils als dünne Ringe, teils gehäckselt, einer Knoblauchzehe, einigen Scheiben eingelegter Gurken, eine – vorsichtig dosiert – gehackte Chili, Lorbeer, Wacholderbeeren, weißer Pfeffer. Und wir sprachen danach weiter, besonders über meinen literarästhetischen Ansatz, ich erzählte, wie wichtig es mir sein, jede Erzählung zu erden, und sei sie am Ende n o c h so phantastisch, “jeder Stein muß gelegen haben, wohin ich ihn erzähle, ich brauche immer” und legte sie, mich zur Seite beugend, da hin “eine Hand auf dem Boden”. Was ja, na sowieso, stimmt. — Irgendwann rief ich → Helmut Parallalie Schulze in Umbrien an, der übers Netz längst seinerseits Kontakt mit Baskakova hatte, doch ihr die Antwort auf eine Mail schuldig geblieben war, worin sie wegen des Umstandes nachgefragt hatte, daß ein Großteil des Romans in seinem → amerinischen Kaminraum entstanden war. Nun stellte sich heraus, er habe die Mail nie erhalten. Oder sie war sonstwie untergegangen. Noch einmal wurde die Geschichte des → Stotantomale-Kapitels erzählt, das der alten → Silvia Soldi, die drei Jahre nachher auch wirklich verstarb. Ihr nächtlichen Schreien erklärt sich Helmut so: “Sie hatte, glaube ich, Angst vor dem Tod.” Und er habe dann zugesehen, wie die gestorbene Greisin auf einer Bahre aus ihrem Haus in die Kirche getragen worden sei. Hier, über diesen kleinen Platz:

Für mich momentan alles sehr wichtig, weil die Triestbriefe in einem gewissen Sinn ans Traumschiff anschließen, sogar doppelt verankert, sowohl ästhetisch als auch privat, ebenso aber – in der Faktur – den Andersweltlogiken folgen. Und nachdem Helmut und Baskakova das Gespräch langsam beendet, schaltete ich nun noch den Arco-Verleger hinzu, diesmal qua Whatsapp-Video. Was prima war, weil er ihr unbedingt noch Bücher schicken will und dies nach Rußland derzeit nicht fumktioniert, allenfalls auf Umwegen. (Ein paar bekam sie selbstverständlich gleich hier von mir). Und selbstverständlich spielte in deren beider Gespräch, wie zuvor auch schon in meinem und ihrem, der Ausschluß russischer Künstlerinnen und Künstler eine Rolle, daß also allgemein ein Volk-als-‘Ganzes’ verurteilt wird, auch diejenigen Menschen, die Widerstand leisten oder es versuchen. Dieser humanistisch unwürdige Quatsch hat bei uns ja um sich gegriffen, bis hin zum ukrainischen Postulat, nicht mit russischen Künstlerinnen und Künstlern gemeinsam aufzutreten. Es ist dies ein pures Unheil, das imgrunde eine, wenn auch brüchigere und erst einmal persönlich nachvollziehbar, Wiederholung des völkischen Gedankens des, Lars Hartmann, bleichen Lurches ist, seelisch eine geradezu Identifizierung mit dem Feind, “nur” halt gegen ihn gewendet. Banalste Psychologie, die mir als ukrainischem Künstler hochnotpeinlich wäre.

Es ging bis Mitternacht — zuvor muße sie noch ein Bild meiner Schaufensterpuppe knipsen. “Hat sie einen Namen?” “Nein, das käme mir übergriffig vor. Sie wissen doch, kennen Sie jemandes Namen, haben Sie über ihn Macht, oder über sie. Ich aber schätze an dieser Figur ihre auch deutlich gezeigte Distanz, ja sogar Abweisung, die sich schon in der rechten Handhaltung ausdrückt.” Im Geist der Triestbriefe gesprochen, hätte ich auch sagen können, daß sie, diese Puppe, derzeit meine Sídhe sei, wie schon zuvor immer mal wieder, und in diesem, dem Aspekt der geforderten Distanz, der → Liligeia durchaus ähnlich, nur daß sie sehr viel gibt, nicht nur nimmt. Nämlich Inspiration (für die wir allerdings, wie es die Triestbriefe zeigen, existentiell bezahlen).

Ich brachte sie noch zur SBahn-Station Prenzlauer Berg, wartete die Abfahrt der Bahn Richtung Charlottenburg ab und schlenderte durch die glitzernde Nacht wieder heim. Wir waren für den nächsten Nachmittag noch einmal verbredet, diesmal im sommers von mir wie von लक्ष्मी und unserem Sohn geliebten Pratergarten. Beide wollten dazukommen, लक्ष्मी sagte vormittags wegen Halsschmerzen ab, aber → Auxcapri erschien, nicht schon um fünf, doch eine Stunde später, und ich spürte, welche Freude die Begegnung ihm machte. Auch hier wieder – beim guten Praterpils, das ich dort stets mit zweidrei Spritzern Waldmeister mir versetzen lasse – Gespräche zu Argo, zum Traumschiff, zu den Triestbriefen und, als mein Sohn hinzugekommen war, auch über → seine Musik, seine Skepsis momentan. Er drehte ungeniert, wir sind in Berlin, einen Joint, auch ich nahm einen Zug, das Zeug hatte es in sich; ein zweiter hätt mich umgehauen. Na gut, waren ja auch schon zweieinhalb Halbe Bieres gewesen. So daß wir uns gegen acht Uhr dann trennten; Auxcapris machte sich auf den Weg nach daheim, ich brachte Tania noch an die UBahnstation Eberswalder Straße. Dann schritt auch ich, leicht wankend, aber frohen Muts zurück. Um den Helmi saßen die Menschen im Glück, überhaupt waren die Straßen himmlisch geflutet. Und aber zweitausend Kilometer entfernt wird gemordet, geschändet und sonstwie gequält, sich über die knapp tausend der bisherigen Frontlinie walzend. Glaubte ich an Gott, ich müßte stündlich beten.

Indessen s o — pflanz ich meine Apfelbäumchen, ganz wie Baskakova. Zu denen auch Bilder wie dieses gehören:

Ihr, liebste Freundin,
ANH

“Zeitenwende”. An einen Redakteur.

 

(…)

haben Sie großen Dank für Ihren Brief vom 28. Juli, tatsächlich Brief, dergleichen hier kaum noch eingeht, von <lacht> Rechnungen und Mahnungen einmal abgesehen. Ein gutes Gefühl, so etwas einmal wieder öffnen zu dürfen – und dann noch eine solch ehrenvolle Einladung. Die ich gerne annehme, auch wenn ich die in diesen Wochen so oft ausgerufene „Zeitenwende‟, daß sich von einem Herbeibeschwören sprechen ließe, viel früher diagnostiziert habe, nämlich für spätestens die Neunzigerjahre. Was danach gekommen ist, scheint mir einer fast strikten, sagen wir, Geschichtslogik zu folgen, wobei auch hier davon abgesehen, nämlich ausgeklammert werden muß, daß es sich bei solchen Diagnosen um reichlich europa-, bzw. westzentralistische Perspektiven handelt. Den, um Sie zu zitieren, „Beginn eines neuen Zeitalter‟, einer gar „neuen Ära in der Menschheitsgeschichte‟ kann ich etwa für Afrika, weite Areale Asiens, aber auch Südamerika nicht sehen. Und daß sich geopolitisch Hegemonien verschieben, kommt mir mitsamt allen Brutalitäten wie geradezu eine ihrer, der Menschheitsgeschichte, Konstanten vor. Eine Zeitenwende jetzt hätte stattgefunden, wäre die in den vergangenen Wochen so häufig geschmähte und sogar beschuldigte Friedensbewegung weltweit erfolgreich gewesen, der ich zeitweise – wenn auch höchst, wie meine Bücher zeigen, skeptisch – zugehörig war und innerlich verpflichtet bleibe.

(…)

Das Arbeitsjournal des Sonntags, den 10. Juli 2022. “Verwirrung des Gemüths”, ein neues Musiktheater vielleicht (Musiktheaterinstallations-Performance), die Triestbriefe, text+kritik sowie АНХс “Корабль-греза”, darinnen die furchtbare Ambivalenz. Sowie ein bißchen Einsamkeit.

 

Heute ab 17.05, swr2 lesenswert:
Carsten Otte über ANH, Die Brüste
der Béart. Dort anhören.

[Arbeitswohnung, 7.19 Uhr
Wind, Kühle]

Gestern die von meiner Lektorin bearbeitete, mit vielen, bisweilen hinreißenden Anmerkungen und Vorschlägen versehene und hergemailte zweite Tranche der Neuausgabe des in nunmehr erster Fassung 1983 ersterschienenen Romans Die Verwirrung des Gemüths bis in den späten Abend in quasi einem Rutsch durchgesehen und korrigiert, 215 von insgesamt 396 Typoskriptseiten, es war wie eine Art Rausch. Die 181 Seiten davor hatte ich ja bereits vor drei Wochen fertigbekommen. Heute vormittag nun noch einmal ein “Kontroll-Scoll”, um zu sehen, ob ich etwas übersehen habe; danach geht die Datei an Elvira zurück, und am 19. werde ich für fünfsechs Tage nach Wien fahren, um mit ihr das Schlußlektorat persönlich durchzuführen. Am 27. muß das satzfertige Typoskript im Verlag liegen, um rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse als Buch dazusein.

Verwirrung, Lektoratsbeispiel
Elvira M. Gross

Parallel lief in den vergangenen Tagen ein anderes umfangreiches Projekt an, um dessen Zuschlag sich – es handelt sich um die Ausschreibung dreier deutscher Bühnenhäuser – mein Komponistenfreund Robert HP Platz, die Bildende Künstlerin Sandra Schlipkoeter, der Videokünstler Christoph Brech, der Regisseur Oliver Kloeter und ich unter, grad jetzt in der Antragsphase, als quasi Controllerin enorm stützender Mitwirkung Sabine Krasemanns als Team bewerben. Im weitesten Sinn handelt es sich um Musiktheater, wobei es eine Mischform aus Performance und Installation werden dürfte, die allerdings steng gebaut sind, doch auch weiten Raum für Improvisation bieten. Nachdem sich unsere, vor allem Platz’ und meine, Anfangspläne mit den Konditionen der Ausschreibung nicht  decken ließen, was Krasemann schnell herausfand, mußten wir quasi alles umwerfen, und in einer Spontanaktion schrieb ich ein völlig neues Konzept, war dann nervös, wie es ankäme, aber es lief – für mich eine erstaunliche neue Erfahrung – bestens. Jetzt mußte festgeklopft werden, mußten einzelne Szenenentwürfe her usw. Und gestern abend hat Krasemann das gesamte Ding hinausgeschickt. All das lief über Zoom und eine von ihr eingerichtete Whatsappgruppe, in der wir auch jetzt immer noch mal plaudern. Jedenfalls müssen wir nun warten; im September soll entschieden werden. Bekommen wir den Zuschlag, geht es gleich in die Vollen; ich selbst muß ans Libretto – präzise die Libretti -, Platz quasi parallel komponieren (wir werden für Komposition und Dichtung enger zusammenarbeiten als je); dann werden die Treffen des Teams stattfinden, noch in diesem Jahr, wir müssen vor allem die Häuser sehen, die Bühnen, die sonstigen Räume. Uraufführung haben wir für den Sommerbeginn 2024 avisiert. Insgesamt, wenn es klappt, wird das, schöne Frau, ein “riesen Ding”.
Also jedenfalls das kostete ebenfalls Zeit, einige. Jetzt steht für mich ein kleiner Radiotext an, der nicht nur angegeben, sondern auch eingesprochen sein muß, bevor ich in den Zug nach Wien steige. So richtig einen Einfall habe ich noch nicht, zwar schon anderthalb Seiten halt auch eher hingeworfen als geschrieben, aber sie sind mir zu trocken, zu theoretisch, um Leben im Klang entfalten zu können und dann noch eine “Botschaft” zu enthalten und zu vermitteln, die wiederum selbst mir allerdings klar. Wieder einmal wird es um Ambivalenzen gehen, allerdings diesmal der Verschlingung von Leben und Tod.

Und der Triest-Briefroman ist nun zum zweiten Mal soweit durchgesehen und korrigiert, umgeschrieben, ergänzt, wie er bereits als Text vorliegt; wie ich Ihnen, Freundin, schon erzählte, sind noch sieben Briefe zu schreiben. Wobei ich leider gegen Ende des zweiten Durchgang eine – n i c h t “leider” – ziemlich wichtige Idee hatte, die nun noch einen dritten Durchgang erforderlich macht, um nämlich die “Hauptperson”, von der erzählt wird, noch deutlicher konturiert von dem Ich-Erzähler abzusetzen, der mir mit dem anderen manchmal noch z u sehr verschmilzt. So daß mir klar wurde, beide müßten verschiedene Berufe haben; der des Erzählers ist klar, indes es sich zwar bei der Hauptperson angeboten hätte, auch sie wieder zu einem Bildenden Künstler zu machen, doch in der Tat, das wäre nun entschieden zu nahe an → Meere. Was also nun? Die Lösung war die naheliegendste aller. Aber gerade sie braucht Fleisch und Klang. Das ist ihr im dritten Durchgang zu geben, mit dem ich vielleicht heute schon anfangen kann, wenn die Verwirrungs-Fahnen fertig und hinaussein werden und ich vielleicht auch schon einen annehmbaren Entwurf für den Rundfunkbeitrag habe.

Ach ja, außerdem waren die Fahnen meiner eigenen – allerdings nicht langen – Textbeiträge durchzusehen, für die ich von der Redaktion des im September zu meinem bisherigen Gesamtwerk erscheinenden text+kritik-Bands gebeten worden bin; ist ja schon einiges her, weil Corona das Erscheinen um ein ganzes Jahr verschoben hat.  Nun wird es aber definitiv herauskommen, und zwar bereits im September. Ich mußte und wollte deshalb auch unbedingt noch etwas hinzusetzen, bzw. einmontieren und hoffe nun, daß meine “Lösung” funktioniert. Was es ist, dazu schreib ich hier nicht. — U n d: Es sind böse Zeiten dafür, leider, aber meine großartige russische Übersetzerin, Tatiana Baskakova, hat mir die Umschlagentwürfe der russischen Ausgabe des Traumschiffs geschickt, die noch im August da sein soll, gebundenes Hardcover, sehr schön gesetzt (ich habe eine PDF der Druckfahnen, die ich allerdings nicht lesen kann, klar), mit einem ausgesprochen langen Nachwort Baskakovas, tatsächlich einem Anmerkungsapparat und sogar Auszügen aus den Seereiseberichten Der Dschungel, die teils Grundlage des Romantextes wurden. Von den Umschlagentwürfen gefallen mir zwei, diese:

K e i n schönes Gefühl, sich einerseits rasend darüber zu freuen, und zum anderen, sich freuen gar nicht mehr zu können, weil dieser entsetzliche Krieg währt und, wie es aussieht, in absehbarer Zeit auch nicht zuende sein, sondern sogar zu befürchten ist, daß er sich ausweiten wird, auch zu uns und über ganz Europa. Da erscheint solch Übersetzung als derart marginal – was sie aber bei der Hingabe nicht ist, mit der Baskakova übertragen hat, und ihrer Genauigkeit. Und aber das Thema selbst des Romans bleibt ja, wird Menschheitsthema immer sein, völlig gleichgültig, welcher Nation jemand angehört. Ich hatte Tania auch geschrieben, wie ambivalent dies alles nun für mich sei und daß die Menschen sowohl in der Ukraine als auch in Rußland doch ganz andere Sorgen hätten, und schwere Nöte, um an einem übersetzten deutschen Buch Interesse haben zu können. Sie indes schrieb mir zurück, gerade jetzt, in diesen Zeiten, sei Literatur für manche Menschen wesentlich, sie halte sie am Leben. Es wäre für mich, oder sollte es prinzpiell sein, einfach, diese Sicht zu übernehmen, die ich auch für begründet halte. Nur b i n ich kein einfacher Mensch.

Ihr
ANH

P.S.:
Immer mal wieder leichte Anfälle von, nein, liebste Freundin, nicht Einsamkeit, aber einem Gefühl von Alleinsein, innerer, quasi, Emigration. Ich hab es im Griff, doch ein bißchen tut es schon weh.

***

[20.49 Uhr]
Ich fasse es selbst nicht: den Rundfunktext für Gutenbergs Welt in einem Rutsch geschrieben, dann durchgearbeitet und bereits die Erste Fassung erstellt, die soeben an Manuela Reichart hinaus ist. Morgens hatte ich noch Zweifel, ob mir die zündende Idee käme, die zwar, als Idee, aber nur schmauchend, gestern schon da war, aber halt ohne jeden Zug. Unversehens wurde es anders — was eine über Jahre erlebte Erfahrung bestätigt, die aber nicht mehr in meinem Körpergedächtnis war, — daß nämlich, wenn man einfach stur weiterarbeitet, irgendwann der Punkt kommt, an dem das Gehirn geradezu automatisch loslegt und mir die Finger führt. Dann braucht es später nur noch den dramaturgisch strukturierende Konstruktionsblick, schon ist das Ding fertig, und zwar mit Ideen und Thesen, die s i c h  e r s c h r i e b e n. Das Selbst als autonomes Subjekt ist gar nicht gefragt.
Die sonderbare Ambivalenz heißt nun mein Text, von dem ich selbstverständlich nicht verrate, wer mein literarischer “Held” ist. Das sollten Sie, Freundin, dann hören.

Aus dem Tagebuch eines russischen Offiziers: Gedanken über Krieg, Hitlerismus und Putins Tod. Von Roman Petrenko (Ukrayinska Pravda).

 

 

[Verlinkt von  Tatiana Baskakova. Deutsche Fassung
von ANH nach der Interlinearübersetzung von  deepl.]

(Interessant daran, und erschreckend, wie sich im Lauf des Tagebuchs die Einschätzung dieses völkerrechtswidrigen Angriffskrieges verän-dert, als machte es, daß die russische Armee quasi steckengeblieben ist und später sogar abziehen mußte, seelisch geradezu nötig, sich jetzt mit dem zu identifizieren, was man zu Anfang ausgesprochen bezweifelt, ja als “Nazi”-Handlung selbst gespürt hatte.)[1]Etwas Ähnliches ist bei der Zustimmung der russischen Bevölkerung zu diesem Krieg zu merken. Waren es vor der Invasion noch 60 %, die sie befürworteten, so seien unterdessen, ist zu lesen, 90 % … Continue reading
ANH

Nach der Befreiung von Katjuschanka wurde in einer Schule das Tagebuch eines Soldaten, wahrscheinlich im Rang eines Offiziers, gefunden, in dem er darüber nachdenkt, woher die [russische] Armee und warum in die Ukraine kam, und in dem er die russische Militärstrategie analysiert und sich [schließlich doch] mit den Verhören von Ukrainern brüsteten. Auf dem Schulgelände eingegraben, hatten die Militärs nicht nur Zeit, den Alltag, die Sitten und Gebräuche der russischen Armee zu beschreiben. Sondern auch zu schildern, was sie im Gottesdienst gemacht haben. – Der Militär beginnt mit seinen Überlegungen am 13. März, als die russische Armee das Dorf bereits besetzt und sich seit fast zwei Wochen in der Schule verschanzt hat.

Wir gingen zum Studieren und landeten im Krieg… oder im Krieg…” Dies die Überschrift des Tagebuchs:

“Wenn man in Katjuschanka sitzt, ist es wie ein Dorf. Ich studiere die Schulakten, habe mich immer noch nicht damit abgefunden, dass ich in einem fremden Land bin, ich glaube immer noch nicht an den Krieg. Ich weiß immer noch nicht, ob es das Richtige ist, ihn zu führen.” Gleichzeitig kritisiert er das Verhalten des Kommandos: “Es ist ärgerlich, dass niemand die Wahrheit über die Verluste und die Realität der Kämpfe sagt, alles, was ich höre, ist ‘Unsere Sache ist richtig, der Sieg wird unser sein!’ Aber ist es das Richtige, das zu tun? In ein fremdes Land einmarschieren und dessen Städte bombardieren?
(…)
Wir wollten einen Blitzkrieg, aber am Ende haben wir uns auf den Fersen festgesessen[2]deepl übersetzt: “daß wir uns auf die Fersen gesetzt haben” – offenbar ein russisches Idiom für “festsitzen”.. Es besteht das Gefühl, dass die Geschichte unser Handeln als zweiten Hitlerismus bezeichnen und ein weiteres ‘Nürnberg’ veranstalten wird, ich werde nicht wackeln, es ist meine Schuld[3]wahrscheinlich: Pflicht, ich war, ich habe gekämpft, es tut mir leid!”


“Die Artillerie ‘verschmiert’, die UAVs sind dumm… Die Truppen sind nicht kohärent, dreihundert und zweihundert sind knapp, und die Kommandeure sprechen in ihren Berichten nur von imaginären Erfolgen… Putin wird bald 70 Jahre alt, wenn er stirbt und den Krieg beginnt, wird es etwas geben!
Es kursieren Gerüchte über eine Gegenoffensive der Ukraine. Angeblich helfen die Länder mit Arbeitskräften und Ausrüstung. Aber das sind nur Gerüchte”, fährt der Offizier fort, und dieses Mal prahlt er damit, dass “die Aufgaben perfekt ausgeführt wurden”, die Armee habe ein “Lager mit Ausrüstung” entdeckt.

Zwei Tage später berichtet der Soldat, wie er das Verhör durchgeführt hat:
“Durch die gemeinsamen Bemühungen von mir und einem Mitarbeiter konnte eine Gruppe von 12 Personen, allesamt Nazis, verhört werden. Ich war rücksichtslos und habe sie mit Kreuzverhören, Einzelverhören und nächtlichen Verhören gequält. (… — …) Wieder einmal musste ich einen Priester verhören. Ich kann nicht sagen, dass ich weich war, ganz und gar nicht – ich fand zu einer Strenge und einer hingebungsvollen Professionalität, dass es das Interesse der FSB-Spezialisten weckte. (…) Die Verhöre verlaufen gut, informativ; für ein nächstes wurde mir ein evangelischer Pfarrer versprochen. Wenn er etwas zu verbergen hat, werde ich es herausfinden, egal wie gerissen er ist denn ich habe, wie man sagt, an solchen Kameraden einen Narren gefressen!”

Und nun phantasiert er sich seine weiteren Berufsaussichten: “Im Sicherheitsbereich tätige Kollegen höheren Ranges sagen mir eine große Zukunft als Spionageabwehr-Offizier voraus und versprechen Hilfe bei der Ausbildung und dem Verbleib an der Akademie”. Er träume [aber] davon, Richter zu werden, und denkt über Probleme im Justizsystem nach und wie man es reformieren könne.

Der letzte Tagebucheintrag stammt vom 19. März

[©2000—2022, Ukrayinska Pravda
Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator]

References

References
1 Etwas Ähnliches ist bei der Zustimmung der russischen Bevölkerung zu diesem Krieg zu merken. Waren es vor der Invasion noch 60 %, die sie befürworteten, so seien unterdessen, ist zu lesen, 90 % für den Krieg. Dem entspricht, was Barbara Ehrenreich zur Operation Wüstensturm schreibt – übrigens wurde der Golfkrieg von den USA ebenfalls nicht Krieg, sondern “militärische Intervention” genannt -: “Noch am Vorabend der Feindseligkeiten war die Öffentlichkeit in der Frage, ob ein Krieg nötig sei, in zwei gleich große Lager gespalten, doch als das Töten begann, schbnellte Bishs Beliebtheit auf über 90 % (…).”
2 deepl übersetzt: “daß wir uns auf die Fersen gesetzt haben” – offenbar ein russisches Idiom für “festsitzen”.
3 wahrscheinlich: Pflicht

Gesinnungsschnüffelei ff. Daß der Herr Rudiger mal nachdenken, besser noch auf einer Seite mitspüren sollte, die ihm nicht unbedingt die breite Seite der Zustimmung bringt ODER Zivilcourage im Krieg. Zum vermeintlichen wohl schon Currentzis-“F a l l”.

Unter der suggestiv — hier sogar kriegsrhetorisch — hingeworfenen Überschrift

Schweigen sagt mehr als tausend Töne

fordert ein wahrscheinlich rasend bedeutender Schreiberling von Teodor Currentzis das Bekenntnis ein, wie er, Currentzis, es denn mit dem kriegsverbrecherischen Angriff auf die Ukraine halte. Er wirft ihm “Schweigen” vor – als wäre es nötig, ja auch nur geraten, daß jeder mit Rußland in irgend einer Verbindung stehende Künstler sich öffentlich zu positionieren habe.
An sich schon ein Unding erinnert das an die düstren bundesdeutschen Zeiten der → Gesinnungsschnüffelei mit ihrem schließlichen Radikalenerlaß, nur daß in diesem, ich beharre auf den Anführungszeichen, “Fall” nicht staatlich legitimierte Instanzen agieren, sondern Zivilpersonen als selbsternannte Vertreter (und, nehm ich an, Vertreterinnen auch) der Öffentlichen Meinung. Und was von der zu halten ist, wußte schon → Jacques Offenbach. Oder, um es mit Luigi Lacchè zu sagen:

Und nichts hat mehr als die Affaire Dreyfus gezeigt, wie sehr die Presse, im Guten wie im Schlechten, darauf hinwirken kann, der Öffentlichkeit “Hassobjekte” einzureden.[1]Luigi Lacchè, “Richtet nicht!” Anthropologie der Justiz und Formen der öffentlichen Meinung im 19. und 20.. Jahrhundert, → Berlin 2012

Statt dessen maßt sie sich an — in den ukrainisch-russischen Kriegszeiten aufs denunziatorische Longboard von #metoo[2]“… jenes Geheimnis der kollektiven Psychologie, das öffentliche Meinung heißt und das in der modernen Welt einen so großen und gefährlichen Einfluß gewinnt.” Scipio Sighele 1899 gehüpft —, ein Vernehmungsrichter zu sein, der subversiv-denunziatorisch in Omniperson auch den Ankläger gibt. Begründung: Wer (als mit Rußland irgendwie verbandelt) sich nicht scharf gegen Putins Völkerrechtsbruch stellt, befürwortet ihn. Daß so etwas schon juristisch unhaltbar ist, liegt auf der Hand. Doch selbst moralisch ist es unrecht, es sei denn, wir gestünden etwas zu, das ich fortan selbstbestätigungsmoralisch nennen werde, weil es allein der Bestätigung der eigenen Wahrheit dient, der jedermann sonst sich zu beugen habe.

Es wird nicht mehr gefragt, schon gar nicht ums Warum.

Doch will ich’s einmal anders wenden:

Im Programmheft des, nun jà, inkriminierten Konzertes schreibt der Currentzis befreundete ukrainische (!) Komponist Oleksandr Shchetynsky, dessen Komposition “Glossolalie” mit aufgeführt wurde:

Diese Sinfonie[3]Gemeint ist Schostakovitschs Sinfonie Nr. 5 paßt wie kein anderes Werk zu unserer Zeit, in der der grausame Krieg Rußlands gegen die Ukraine andauert. Im Widerstand der Ukrainer gegen die neue Barbarei des Kreml ist Schostakowitsch mit seiner Musik unser aufrichtig Verbündeter.

Genau so scheint Currentzis sie auch einstudiert zu haben und hat sie s o dirigiert – gesteht sogar der Herr Rudiger-selbst zu. Wir können es also auch anders interpretieren, als dieser, nun jà, “Journalist” es tut: Currentzis liefert die Waffen, mit denen in diesem Fall die Kunst sich gegen den Angriffskrieg – nämlich auch auf sie – verteidigt. — Das sei Haltung nicht genug?
Hingegen Herr Rudiger will den offenen Krieg, hier Currentzis’ gegen Putin. Was für den Dirigenten erst einmal bedeuten würde, fortan als Emigrant leben zu müssen, vor allem aber, wichtiger, das von ihm gegründete russische Orchester → MusicAeterna nicht nur aufzugeben, sondern jede Musikerin darin und jeden Musiker, die und der – was zu erwarten wäre – weiterhin zu ihm stünde, hohen Grades zu gefährden, und nicht allein im Beruf. Kurz, er lieferte sein durch und durch Ausnahmeorchester einer extremen Bedrohung aus. Es lebt und atmet aber mit ihm, fast muß ich “durch ihn” schreiben – nicht anders als die Musikerinnen und Musiker des noch kurz zuvor so schwer gebeutelten SWR-Sinfonieorchesters, dem er in allerkürzester Zeit ein Format gegeben wie – ich weiß, ein etwas problematischer Vergleich – Barenboim der Staatskapelle Berlin. Nicht nur die Stücke, die und wie sie diese Orchester aufführen, sind Kunst, sondern sie selber, als Orchester, sind Kunstwerke geworden, deren “Schöpfer” Currentzis und Barenboim heißen; interessanterweise hat auch dieser z w e i, nämlich zudem das → West-Eastern Divan.

Zur Zeit geht Currentzis für MusicAeterna sehr wahrscheinlich seelisch durch die Hölle, konzentriert ihr Fegefeuer auf sich selbst, schirmt seine Musikerinnen und Musiker ab. Und wenn der Herr Rudiger, er schäme sich in Grund und Boden, unter → das neue Foto von Currentzis schreiben läßt – wozu er dessen bisheriger Erscheinung in Punkfrisur und rotgeschnürten Springerstiefeln infamst noch eine sozusagen nachgetretene Ohrfeige gibt -, er trage jetzt “überraschenderweise auch Anzug und Krawatte” , unterschlägt er das alleroffensichtlichste, daß nämlich Menschen s oauf Beerdigungen gehn. Menschen also, die in Trauer.

Doch alles dies beiseite, ist es eine extrem peinliche Ungeheuerlichkeit, daß der Herr Georg Rudiger nicht nur den Tagesspiegel, sondern den Völkermord in der Ukraine benutzt, sich seine stumpfen Messer am, wie Schelmenzunft es nennt, “Currentzis-Bashing” mitzuwetzen. Ihm, nicht Currentzis, sind die Opfer nichts als ein Mittel kriegsbereiter Selbstgeltungslust, über die er, die stumpfen Messerklingen, auch weitre Menschen springen ließe. Und was nennt er als Grund? Daß ein russisches Orchester von einer russischen Bank mitfinanziert wird — mit Geldern, die da eben nicht in den Krieg gehen, sondern an die Kunst. Wenn diese Bank nun auch krebskranken Kindern Krankenhäuser mitfinanzierte, dürfte auch das nicht mehr sein? Ah, stimmt ja, sind ja alles Russen. Und das Böse muß putzweg. Ganz wie für Putin, Lawrow und Kumpane alle Ukrainer.

***

P.S.:
Das in Rede stehende Konzert wird als Video ab Mitte Juni bei swr classic zu sehen und zu hören sein.

NACHTRAG, 10.57 Uhr
Currentzis ist mit ukrainischen Künstlern befreundet, u.a. mit Shchetynsky. Diese haben das Recht, von ihm ein Bekenntnis zu fordern, nicht aber wir. Und wir können uns, denke ich, sicher sein, daß sie untereinander gesprochen haben, längst, mit wahrscheinlich deutlichsten Worten. – Vielleicht auch dieses mal mit in Betracht ziehen.

ANH

References

References
1 Luigi Lacchè, “Richtet nicht!” Anthropologie der Justiz und Formen der öffentlichen Meinung im 19. und 20.. Jahrhundert, → Berlin 2012
2 “… jenes Geheimnis der kollektiven Psychologie, das öffentliche Meinung heißt und das in der modernen Welt einen so großen und gefährlichen Einfluß gewinnt.” Scipio Sighele 1899
3 Gemeint ist Schostakovitschs Sinfonie Nr. 5

Die Abrichtung der Bestien. “Russlands Armee ist ein Gefängnis, in dem Rekruten tyrannisiert, gedemütigt und gebrochen werden.” Jörg Barberowski in der NZZ. Mit einer furchtbar endlosen Fußnote des Grauens, das schon Kurtz gesehen und bis in den Schrecken durchdrungen hat.

 

Zu verstehen versuchen, wieso etwas ist und wieder[1]Tian’anmen,Babyn Jar,Srebrenica,Griechenmassaker,München,Nanking,Mỹ Lai,Katyn,Chodschali,Lidice,Borova,Sivas,Armeniermassaker,Blackfoot,Postoloprty,Winnyzja,Sonnenburg,Zorn … Continue reading ist.
Darauf beharren, wie unerträglich Wut und Entsetzen auch seien und unsre Scham.
Nicht “jenseits”, nein ..! — :
D i e s s e i t s von Gut und Böse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und zu den russischen Soldaten:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch, wie es dazu kommen konnte, erzählt → dieses Interview.

***

Jörg Barberowski
Deutscher Historiker und Gewaltforscher.
Seit 2002 Professor für die Geschichte Osteuropas
an der Humboldt-Universität in Berlin.

References

References
1 Tian’anmen,Babyn Jar,Srebrenica,Griechenmassaker,München,Nanking,Mỹ Lai,Katyn,Chodschali,Lidice,Borova,Sivas,Armeniermassaker,Blackfoot,Postoloprty,Winnyzja,Sonnenburg,Zorn III,Feodossija,Utøya,Sharpeville,Oradour,Janitscharenmassaker,Chios,Berdytschiw,Jantarny,Alexandra Hospital,مذبحة صبرا وشاتيلا,Malmedy,Slonim,Dobronín,Aurora,Bleiburg,Haymarket,Kent-State,Katyn,Kamenez-Podolsk,Boston,Dersim,Erfurt,Boves,Kwangju,Tlatelolco,Sindschar,Lemberg,Santa-Cruz,Indonesien,Kefalonia,Amritsar,Hebron,Nemmersdorf,Frog Lake,Sant’Anna di Stazzema,Ardeatinische Höhlen,Sand Creek,Wassy,Talheim,Pottawatomie,Краљеву и Крагујевцу,八事件,Diyarbakır,Saint Valentine’s Day Massacre,Hama,Grotte der Patriarchen,Marzabotto,Orlando,Mystic-Massaker,Thammasat-Universität,Rechnitz,Tulsa,Massaker von Paris,Virginia Tech,Batepa,Wormhout,Adana,Deir Yasin,Dinant,Jedwabne,Semile,Butscha,Rumbula,Drogheda,Kellyanne Conway,Piaśnica,Maguindanao,Deutsch Schützen,Badajoz,Maʿalot,Wolhynien,El Mozote,Wounded 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Б у ч а .

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