Werner Osts gedacht. Am Freitag, den 25. November 2022, statt eines Arbeitsjournales geschrieben.

Werner Ost, verstorben vor zwei Tagen in Frankfurt am Main.


Ich sah ihn zuletzt schwer erkrankt auf der → Buchmessenpräsentation der edition Faust im Papageno, Frankfurt am Main. Einen wirklich persönlichen Kontakt hatten wir nie, sahen uns zwar zuweilen, doch zu einem intensiven Austausch von Ideen, Haltungen, Poetiken kam es nicht. Doch dies beiseite. Denn schon, als er noch die edle Zeitschrift BÜCHNER herausgab, nahm er kleinere Arbeiten von mir darin mit auf.

Meine besondere Hochachtung aber galt ihm als dem, mit seiner Gefährtin Ulla Bayerl, hochklugen Gründer und Herausgeber des – unterdessen wahrscheinlich das bedeutendste des deuschen Sprachraums – enorm qualitativen Online-Kultur&Kunstmagazins Faust Kultur, dessen, um ein Modewort zu verwenden, das seinerzeit noch nicht in dem banalen Schwang war, Diversität alles in den Schatten stellt, was dergleichen sonst im Internet sich finden läßt. Heute kann es aufs leichteste mit den gedruckten Feuilletons von FAZ bis ZEIT nicht nur konkurrieren, sondern überflügelt sie. Was auch damit zusammenhängt, daß Werner Ost offenbar seiner Plattform den Generationenwechsel mindestens insofern zunutze gemacht hat, als er bedeutende Denkerinnen und Denker auch der älteren Generationen um sich versammelt hat und ihnen ein Podium gab, das ihnen die Zeitläuft’ hatten entzogen. So klingen deren Stimmen weiterhin und sorgen auch für eine, im guten Sinn, konservative Kontinuität, anstelle hinter jedem ausgepupsten Hype sofort einherzuhecheln, um ihn dann auch noch einzuatmen.

Auch davor, daß Ost es eben nicht tat — nie mittat —, verbeuge ich mich.

ANH
25. November 2022

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