START II Springe. Kreatives Schreiben, Arbeit nach Bildern. Das Arbeitsjournal des Sonnabends, den 24. Februar 2018.

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[START, Springe im Februar 2018, Seminarraum 16.07 Uhr] Großartige Gruppen diesmal, sowohl Phyllis Kiehls  als auch meine. Die jungen Leute wollen schreiben, und das tun sie auch. Jetzt ganz besonders, in der Stillephase, nachdem wir vor der Mittagspause das Netz … Weiterlesen

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Jetzt im Buchhandel. JAMES JOYCE CHAMBER MUSIC / KAMMERMUSIK. In Original und Nachdichtungen von Helmut Schulze und ANH.

 

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James Joyce
Chamber Music / Kammermusik

Gedichte
In Original und Nachdichtungen von
Helmut Schulze und Alban Nikolai Herbst

Arco

88 Seiten, gebunden.
20 Euro.

 

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START II, gen Springe. Sowie Die Marquise von Schnigg, nämlich wieder Verbeen. Das Arbeitsjournal des Freitags, den 23. Februar 2018. Zu John Adams, Robert Crumb und Morton Feldman.

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[Arbeitswohnung, 5.10 Uhr John Adams, City Noir, France musique contemporaine] Nein, einen Radiosender, der rund um die Uhr ausschließlich Neue, also zeitgenössische Musik spielt, den haben, so hübsch ich das italienische RAI classica finde, allein die Franzosen; außerdem ist die … Weiterlesen

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Poetik & Pornographie: Wo Schmerz war, soll Lust werden.

[Altblogeintrag freecity vom 02.10.2003, erstellt um 11:03 Uhr]   Sexualität spielt in meinem Gesamtwerk eine herausragende Rolle, allein weil sie die wirkmächtigste Kraft ist, die uns treibt. Tatsächlich garantiert ja nur sie das Weiterexistieren unserer Art, jedenfalls bislang (da ist … Weiterlesen

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III, 363 – Plausibilitäten

Beim Lesen über das Vergessen sich bei diesem Satz “… zufällig erworbene Reiseführer, irgendwann, Kaiserreich oder Panama, und die Südbahngesellschaft hat ein Kurhaus in Abazzia eröffnet, in der Nähe von Fiume, 14 Stunden von Wien entfernt, mit dem Schlafwagen …” … Weiterlesen

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Sich nicht mehr besondern.

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(…) eine demokratische Verfassung erlaubt das Besondere, das sich Besondernde auch nicht in selbstorganisierten Systemen. Ja gerade die gefährden die tauschende Egalität. Thetis, S.372       [Beim Korrigieren der Fahnen wiedergelesen.]

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Hörstück-Typoskripte von Alban Nikolai Herbst

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              Der Blauen Blume lieblichster Spott. Über Wolf von Niebelschütz. DRB 1996 Der Fürst der Romane über Anthony Burgess. DRB 1997 So ist es ist es so? Eine Redoute zu Luigi Pirandello. DLF 2000 … Weiterlesen

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Wahn und Archiv.

Es ist der Größenwahn (sofern sich niemand andres findet) sein eigner Archivar.

 

DLII

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Probe

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Ach, Kinder zu begehren! Carlixto Bieitos Inszenierung der Gezeichneten von Schreker unter Soltesz an der Komischen Oper Berlin.

Geschrieben für >>>> faustkultur; dort erschienen am 28. Januar 2018. Fotos: Iko Freese /  drama-berlin.de] Alviano Salvago liebt insgeheim Kinder, und zwar genauso und weil er selbst im Innern Kind geblieben ist. Dieser Interpretationsansatz bestimmt Carlixto Bieitos Inszenierung durch und … Weiterlesen

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Harzreise im Winter. Kleine Poetiken (5): Johann Wolfgang von Goethe.

Dem Geier gleich, Der, auf schweren Morgenwolken Mit sanftem Fittich ruhend, Nach Beute schaut, Schwebe mein Lied.…Aber abseits, wer ist’s? Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, Hinter ihm schlagen Die Sträuche zusammen, Das Gras steht wieder auf, Die Öde verschlingt … Weiterlesen

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Sabinenliebe. (Auszug).

(…) So beobachtete ich sie heimlich für mich. Zum Beispiel sehe ich sie noch heute an dem großen Braunschweiger Karpfensee, dem Kreuzteich, stehen. Es war während einem unserer halbjährlichen Schulwandertage, der dieses Mal nach Riddagshausen gegangen war. Da bog sich … Weiterlesen

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Pferde

In dieser Nacht träumte ich, dass ich über hügeliges Land ging, mit reifen, dunkelgrünen, im Wind raschelnden Maisfeldern und ungemähten Wiesen. Musik, die an Glasharfen erinnerte, wehte in weichen Wellen aus dem graublauen Himmel. Auf einem windüberspülten Hügel standen Pferde, … Weiterlesen

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ANHs Traumschiff.


Foto und Fotografie des Buchumschlages
(copyright): >>>> Jan Windszus
Alban Nikolai Herbst
Traumschiff
Roman

mare

320 Seiten.
Gebunden mit Schutzumschlag.
Lesebändchen.
22 Euro.

 

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IM BUCHHANDEL. ANHs M e e r e. IN DER ORIGINALEN FASSUNG.

<MEERE orig mare.de

Alban Nikolai Herbst
Meere
Roman

mare

263 Seiten.
Gebunden mit Schutzumschlag.
22 Euro.

 

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Dritter Brief nach Triest. (Briefe nach Triest, 3).

Sag, Geliebte, Arbeitswohnung, den 21. November 2014 9. 21 Uhr, kann man das sagen, daß wir niemals den Tristan bekommen hätten, hätten Wesendonck und Wagner ihre Liebe ausleben können? Daß also das Kunstwerk, ein höchstes, von der Versagung ausgehen muß, … Weiterlesen

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Zweiter Brief nach Triest. (Briefe nach Triest, 2)

20Arbeitswohnung, den 20. November 2014. 7.25 Uhr. Krähenrufe. Sich aufgrauender, imgrunde nachtgebliebener Himmel. Innigste, magst Du es glauben? Da hielt Dich gestern jemand >>>> nicht für real. Wie recht er hatte! Ich gab ihm klare Antwort. Überhaupt folgt in diesem … Weiterlesen

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Erster Brief nach Triest. (Briefe nach Triest, 1).

Arbeitswohnung, den 19. November 2014. Mittwochsberlin, 6.12 Uhr. Geliebte Sìdhe, gestern haben mir meine morgendlichen Briefe an Dich, es sind unterdessen dreiundfünfzig, so sehr gefehlt, daß ich fühlte, wie ich nicht auch noch sie mir nehmen lassen mag, nun, nachdem … Weiterlesen

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Zurückblick. (Blicke 5).

Eine andere Archivdatei. N i c h t Deters, sondern ich (immer wieder derselbe Verweis)*): Alban Nikolai Shrek. *) Mir sind die Unterschiede oft selbst nicht mehr klar. Als ich an Thetis schrieb, worin ja Städte verschnitten werden, lebte ich … Weiterlesen

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ARGO. ANDERSWELT. Anfang.

Verlaufsskizze: Deters kommt zu sich, sieht sich um. Er hat einen Schmerz, den er nicht recht zuordnen kann („unendlich geliebt“). Die Archivdatei, in der er sich befindet, ist eine Monade; das wird aber nur beschrieben („ohne Fenster“), nicht etwa durch … Weiterlesen

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Paralipomena XII

 

 

1

Eines ist’s, sich selbst, ein andres, j e m a n d e m die Trauerarbeit zu verweigern. Das erste Verhalten ist männlich, das andere weiblich. Jenes ist autoaggressiv, dieses führt die Aggression als Waffe.

2

Manieristische Zeiten sind Umbruchzeiten. Wir leben in in einer solchen. Insofern wirkt das Begehren nach erzählerischer Einfachheit so hilflos wie der Harry-Potter-Regreß des lesenden Geistes. Beides ist nur die Decke, die über das ANDERE, über die anthropologische Kehre, geworfen ist.

3

Jedes Liebesobjekt ist ein wieder gefundenes: wiedergefunden.

4         Miriam

Was ist das beste Mittel gegen Männer?” – „Mehr Männer.”

5

Eine junge Dame, die am linken Nasenflügel einen Pickel hat, so vornehm wie ein Piercing.

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Liebesprojektionen (Chats)

Erstellt am: Donnerstag, 27. November 2003, 12: 24   Projektion 1 Eine junge Frau schreibt über einen höchst zweideutigen Chat einen über fünfzwanzig Jahre älteren Mann an, den sie damit auch sogleich aus dem Chat zu sich zieht, erst einmal in die … Weiterlesen

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29. März 2003, Weblogbuch freecity

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[Weblogeintrag: 29.9.2003 13.22 Uhr] ANDERSWELT. Poetologisches und rezeptionsästhetisches Lehrstück: Man nehme eine (oder mehrere) tatsächlich existierende Personen und bringe sie mit den fiktiven Personen eines Romans zusammen. Es braucht gar nicht lange, da gehorchen sie denselben poetischen Gesetzen wie die … Weiterlesen

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III, 364 – Klimata

<p align=“justify“><span style=“font-weight: 400;“>Schon wieder sechs Tage vergangen. Tagebuch kann man das nicht mehr nennen. Erscheint in unregelmäßigen Abständen vier- bis fünfmal im Monat, je nachdem. Ecco. Es ist zwischen den Projekten zu balancieren, und seit Kaurismäki sah ich keinen Film mehr, als wären außer den beim Lesen oder bei den Nicht-Brotarbeits-Übersetzungen hervorgeholten Bildern keine anderen Bilder zur Zeit möglich. Auch heute nicht. Das Bild der Ofenflamme, irgendwer, der bei Youtube klimpert oder zupft oder streicht oder einfach nur den Mund auftut.

<p align=“justify“><span style=“font-weight: 400;“>Und warten auf den Schnee heute. Ab zwanzig Uhr soll es losgehen, dann die ganze Nacht hindurch. Die Bürgermeisterin – ich sah’s vor fünf Minuten – hat im Einverständnis mit den Kolleg-inn-en der Provinz angeordnet, daß die Schulen zumindest morgen geschlossen bleiben. Sibirien läßt grüßen. Meine Vorräte sollten bis Mitte der Woche reichen, falls ich morgen oder übermorgen nicht hinunterfahren kann durch die mittelalterliche Stadt (dies der Sinn des Polnischen) wie im Video, der genau den einzigen Weg wiedergibt, dem zu folgen obligatorisch, um aus der Altstadt herauszukommen, zumindest mit dem Auto. Danach steigt’s wieder temperaturmäßig.

<p align=“justify“><span style=“font-weight: 400;“>Und wohl auch das Klima der “öffentlichen Meinungskundgebungen”, denn am nächsten Sonntag wird gewählt. Und der scheinbar von den Toten wiederauferstandene Wiedergänger B.Lusconi mit seinen gelifteten 82 Jahren abermals laut Selbsterklärung ‘en vogue’. Die wirkliche Gefahr seien, so er vor zwei-drei Tagen, die Antifaschisten. Das heißt also diejenigen, die gegen den immer mehr salonfähigen Faschismus demonstrieren. In Palermo wurde einem solchen Faschisten auf der Straße aufgelauert: es gab Prügel für ihn. Und so stiegen die Faschisten gleich in die Opferrolle.

<p align=“justify“><span style=“font-weight: 400;“>Aufgekocht wurde das Ganze, als in Macerata, einer Stadt in den Marken, ein junger Idiot den Tod einer drogensüchtigen Römerin rächen wollte, die unter mysteriösen Umständen dort umgekommen war. Es kamen nigerianische Dealer ins Gespräch, gar Ritualmorde, wie’s bei den Afrikanern “üblich”, wie an obskurer kirchlich gesinnter Stelle gelesen (grad so wie die Ritualmorde der Juden, von denen man damals in Wien munkelte, als Kraus 1899 die “Fackel” schrieb).

<p align=“justify“><span style=“font-weight: 400;“>Der ballerte einfach mal so auf “Neger/innen”, die auf der Straße waren. Keine/r starb. Um dann sich mit einer italienischen Fahne auf den Schultern vor irgendeinem Denkmal festnehmen zu lassen. Die Namen der Opfer erfuhr man nicht. Sonst ist man immer fix dabei mit Bio und Konterfrei.

<p align=“justify“><span style=“font-weight: 400;“>Seitdem darf man scheinbar das Wort “faschistisch” “rational” (“wir schwören dem Faschismus nicht ab”) benutzen. Denn auch die Schwarzen sind ja ein Problem. Hinzu kommt, daß eine Verbündete B.Lusconis heftig gegen die Initiative des ägyptischen Museums in Turin protestierte, für Immigranten eine Gratisführung in arabischer Sprache zu veranstalten. Die Protestaktion fand direkt vor diesem Museum statt. Sie bezeichnete das als “umgekehrte Diskrimination” (was immer das heißen will). Sie wirkte im gesehenen Video geradezu hysterisch. Der Direktor, eine Koryphäe der Ägyptologie, bewundernswert ruhig und sachlich. Sie, verlautete am Tag zuvor, wolle, wenn sie die Wahlen gewinne, diesen Direktor absetzen.

Soweit das aufgeheizte Medienklima und meine idem aufgeheizte Sorge hinsichtlich der nunmehr voraussehbaren Wahlkatastrophe, die sich in dem Wort “Unregierbarkeit” zusammenfassen läßt. Denn wie sagte meine Ex-Schwägerin, sie wisse wirklich nicht, wen sie wählen solle. Allerdings: Medienklima. Man hat sonst nicht das Gefühl.

<p align=“justify“><span style=“font-weight: 400;“>Allerdings kandidiert die Bürgermeisterin für den Senat unter der Ägide B.Lusconis. Holterdipolter.

‘Prudence! Prudence! the pigeons call.
‘Scorpions lurk in the gilded meadow.
An eye is embossed on the island wall.T
he running tap casts a static shadow.’

‘Caution! Caution!’ the rooks complain.
‘The dear departed, the weeping widow
Will meet in you in the core of flame.
The running tap casts a static shadow.’

(Burgess, Inside Mr Enderby)

<p align=“justify“><span style=“font-weight: 400;“>Er, Enderby (plötzlich seit gestern so eine Spiegelfigur in dem Sinne, als sich der innere Spiegel in dessen Verwahrlosung wiedererkennt), war vorher in einem Pub in Brighton gewesen, wo sich vorzüglich die über fünfzigjährigen Lesben des Ortes treffen. Er schredderte aus dem Gerede im Pub ein Gedicht zusammen, schrieb es auf ein blutiges Zeitungsblatt, das ihm jemand gebracht, blutig, weil darin ein toter Hase eingeschlagen war. Es kam zu einem Wortwechsel, weil der Dichter nicht gestört sein wollte in seinem Verseschreiben. Er kehrt mit dem eingewickelten Hasen nach Hause zurück, wirft vor dem Erreichen der Haustür, das blutige Zeitungspapier in einen Müllbehälter, geht in seiner Wohnung, nimmt dem Hasen das Fell ab, schnippelt an ihm herum, hat blutige Unterarme, denkt wieder an das angefangene Gedicht, geht hinaus, die blutige Zeitung wieder hervorzuholen, um die aufgeschriebenen Zeilen wiederzufinden, ein Polizist wird aufmerksam, er sagt er habe seine Stiefmutter umgebracht, findet die notierten Zeilen, betritt wieder das Haus und begegnet dem Entsetzensschrei einer vom oberen Stockwerk herabsteigenden Nachbarin wegen der blutigen Unterarme, er aber, seiner Verse eingedenk, verschließt sich ins Klo und vollendet sein Werk. Zu Abwechslung mal auf English.

<p align=“justify“><span style=“font-weight: 400;“>Aragon kommt indes von einem Buch ins andere, von einem Land ins andere, von einer geschichtlichen Situation in die andere. Und schleudert mich in noch ganz andere Länder und Situationen. Seine Schuld, wenn ich mir beim nächsten Mal auch mal ‘Salammbô” bestelle.

<p align=“justify“><span style=“font-weight: 400;“>Tatsächlich, die Autodächer auf dem Platz haben bereits eine weiße Schicht. Obwohl man nichts fallen sah, als ich jetzt schaute.

 

III, 363

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START II, Springe. Nun bereits auf der Rückfahrt. Mit Phyllis Kiehl und – hier bereits vorerwähnt – Paul-Henri Campbell. Das Arbeitsjournal des Sonntags, den 25. Februar 2018.

[ICE 549 (Springe)/Hannover – Berlin
16.13 Uhr]

Nun also bereits auf der Rückfahrt. Es war wieder einmal ein lustvolles und diesmal sogar ganz besonders ertragreiches Seminar, was schlichtweg am von vornherein in die Räume mit hereingebrachten Engagement lag, hingegen es „normalerweise“ oft so ist, daß wir einigen Teilnehmer:inne:n die Lust am Umgang mit der geschriebenen Sprache erst vermitteln, sie sozusagen infizieren müssen. An diesem Wochenende indes war es zum Schluß sogar noch so, daß ich meinen Seminarist:inn:en über alles hinaus noch einen Schnelllauf durch „die“ Poetik zumuten konnte. „Wieso erklärt niemand sonst es uns so?“ „Weil Menschen, die lehren, brennen müssen, brennen können und wollen.“ Man tut sich am Feuer ja schnell mal weh, wovor die meisten sich fürchten.

Zum Abschluß große Runde im Forum des Hauses; beide Gruppen kommen erstmals zusammen und stellen im Plenum ihre Arbeiten vor. Hinreißend abermals Ceyda, „meine“ blinde Teilnehmerin, mit der ich gestern nacht sogar tanzte, als alle START-Stipendiat:inn:en sich zur, so nennen sie es tatsächlich noch (oh Jugend, wie du mir aufsteigst!), Disko zusammenfanden.
Es ist nicht unheikel, wenn sich ein nicht mehr junger Mann, geschweige denn Trainer, also durchaus Lehrer, sich auf das Parkett da begibt, zumal in den heutigen Correctnesszeiten. Aber irgendwann hielt es mich nicht mehr auf dem Barhocker. Und noch irgendwanner, später, waren denn auch Jackett, Krawatte und Hemd gefallen; das TShirt troff bald vor Nässe. Ich tobte mich wirklich aus, und den Jugendlichen gefiel’s. Phyllis Kiehl ließ sich anstecken, bald hatte ich auch die Landesdirektorin auf der Tanzfläche, und alles alles mischte sich – einer der mir liebsten Zustände überhaupt, wenn auf soziale, geschweige pädagogische, also immer moralische Tabuisierung nicht mehr geachtet, sondern einfach gelebt wird. Dabei muß es nicht mal „meine“ Musik sein, die sich ja in aller Regel nicht betanzen läßt – eines ihrer objektiven Makel, zumindest Nachteile.

Um Mitternacht lag ich im Bett, um halb fünf jieperte der Wecker, um fünf saß ich mit einem Automaten-Lattemacchiato an meinem neuen Zenbook (ich werde es fortan „mein Zenderl“ nennen – ein Spontankauf vom Freitagvormittag, weil ich 200 Euro runterhandeln konnte; das heißt, ich hatte 150 Nachlaß haben wollen, da bot der Verkäufer mir 200; sein Argument war derart gut, daß ich nun ein G  e  s  c  h  o  ß hab).
Also um fünf vor dem Zenderl und Texte, die gestern entstanden, lektoriert, damit sie nachher vorgetragen werden konnten. Ausführlich zuvor jede Arbeit persönlich durchgesprochen, hier noch Tips gegeben, da Formulierungen zweifach abgeklopft, und nach der gemeinsamen Veranstaltung noch der Schnellauf durch die Poetik. Manöverkritik sodann, die Teilnahmezertifakte ausgestellt und verteilt; schon saß ich mit Phyllis am Mittagstisch. Wir diskutieren zur Zeit ein neues Modul für die Stiftung; ich selbst möchte gerne einen musikalischen Teil mit einbringen, was gerade bei jungen Migranten sinnvoll sein wird, die in der neuen Sprache noch nicht zuhause sind. Mir schwebt ein Synkretismus der Klänge vor – nicht unähnlich den Kompositionen Verbeens. Also werde ich den Wüstling kopieren müssen, bzw. nachahmen, es sei denn, ich würde  bei ihm-direkt fündig. Mal sehen. Erst einmal muß nun der Endspurt für die Thetisfahnen hinter mir liegen, damit Elfenbein in die Produktion gehen kann.

Ach ja, als Phyllis und ich den letzten gemeinsamen Kaffee nahmen, fand ich in meinem elektronischen Postfach abermals einen Brief der Mâconière. Allmählich grenzt es an, na jà, „Stalking“. Schon die letzten hatte ich bekanntlich nicht mehr gelesen; diesmal saß aber Phyllis dabei, die nun zum zweiten Mal darauf bestand, daß ich die Nachricht öffnete. Nun jà, „Nachricht“… Doch Phyllis‘ Gegenwart ist wie ein Schutz.
Nein, ich werde dennoch heute nicht darüber schreiben, was ich zu lesen bekam, erst recht nicht über das, was Paul-Henri Campbell über mich sagt, bzw. schreibt, dem sie von mir und der Zeit auf Fuerteventura geschrieben hat und dessen Antworten sie mir „des“, formuliert sie im Betreff, „Anstands halber“ weitergeleitet hat; ich werde heute ebenso wenig darüber schreiben, was sie ihm verschweigt. Nein, dies alles wohl erst morgen, vielleicht auch gar nicht. Ich möchte nicht Ihnen noch mir selbst die Laune verderben, sondern ungetrübt in Erinnerung behalten, wie großartig es war, „meinen“ Seminarist:inn:en ganz zum Schluß, weil sie es wünschten, den Rap meines Sohnes vorzuspielen. Oh, wie wird er sich freuen! Und wie großartig sie insgesamt gewesen sind. Darum meinen Dank an Huda, Beverly, Elyas, Mobin und Ceyda. Und an die ganze Runde:

 

 

 

 

 

Haben Sie, Freundin, noch einen guten sich senkenden Sonntag.
Lächelnd bin ich – und bleib es:
Ihr ANH

 

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Das Arbeitsjournal des Mittwochs, den 21. Februar 2018.

[Arbeitswohnung, 18.08 Uhr Peter Sculthorpe, From Ubirr für Disgeridoo und Streichquartett Radio France contemporaine] Bis eben an den Thetisfahnen gesessen, seit fünf Uhr morgens mit allerdings Unterbrechungen, teils Briefwechseln, teils abermaligen Justierungen an der Neuen Dschungel. Eine Menge Links führen … Weiterlesen

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Immer läuft unten etwas durch. Das Arbeitsjournal des Dienstags, den 20. Februar 2018. Sonderzeichenproblemchen an Passacaglie und Chorischem Tagebuch.

[Arbeitswohnung, 7.54 Uhr Hans Krása, Passacaglia und Fuge für Streicher] Seit Viertel vor fünf auf, seit Viertel nach am Schreibtisch; quasi gleich mit den Thetisfahnen weitergemacht. Um es auch hinzukriegen, bereits vor elf im Bett gewesen. Da sprang ich geradezu … Weiterlesen

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Das Arbeitsjournal des Montags, den 19. Februar 2018. Mit Kimmo Hakola, Magnus Lindberg, Steve Reich.

[Arbeitswohnung, 5.31 Uhr Steve Reich, Different trains (Radio France contemporaine)] Ein Sender mit nur Neuer Musik fehlt bei RAI; jedenfalls habe ich dort noch keinen gefunden. Dafür brachte da Classica gestern eine Passacaglia von Biber, die ich tatsächlich noch nicht … Weiterlesen

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Wo Rettung zu sein scheint. Das Arbeitsjournal des Sonntags, den 18. Februar 2018.

[Arbeitswohnung, 6.15 Rai Radio Classica, Susato Suite] Echt süß, die italienische Ansagerin deutsche Satzbezeichnungen aussprechen zu hören. So hab ich mich gestern ein bißchen in Rai Classica verliebt und höre den Sender heute morgen wieder, während ich des Dilettanten Text zur … Weiterlesen

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Das Arbeitsjournal des Sonnabends, den 17. Februar 2018.

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[Arbeitswohnung, 5.32 Uhr Radio France contemporaine: James Mac Millan, As others see us – Henry VIII pour orchestre] Seit kurz nach fünf auf. Erster Latte macchiato. Mal wieder Versuch zur Selbstdisziplinierung: Nicht mehr erst nach Mitternacht ins Bett, und also, … Weiterlesen

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III, 362 – Lieber im Gestern sein, wenn’s drauf ankommt

[Geschrieben gestern, am 14.2.] Gestern nachmittag zog es mich dauernd ans Fenster. Gegenüber, im oberen Himmelsviertel die Sonne, die blendete, unten auf dem Platz zwei Menschen und eine Staffelei. Oh, dachte ich, daß Amelia malerisch ist, war ja schon klar, … Weiterlesen

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