DTs. (15. Oktober 2004).

9.10 Uhr:
[Karl Amadeus Hartmann, Sinfonie Nr. 6.]

Ist mein Junge bei mir, läuft der Tag immer etwas anders, und zwar auch dann, sofern ich mir wieder angewöhnen sollte, um 6 Uhr in der Frühe aufzustehen. Was nötig sein wird, wenn ich das Dritte Anderswelt-Buch in Angriff nehme. Und es sieht nun danach aus.
Aber freitags unterbricht bereits die zeitig beginnende Musikschule die Konzentration, man muß sowieso spätestens um 6.30 Uhr aus den Federn, da der Kleine sehr sehr langsam ißt und ja vorher was im Bauch braucht. Zumindest dann hat Früharbeit kaum einen Sinn. Aber ich werd mit anderem entgolten. Mit Liebe.

Gleichzeitig eine seltsame Form des schlechten Gewissens, weil ich gestern nacht wegen des Takemitsu-Projektes solch einen Verriß schrieb. Ich tu so etwas absolut ungern, ja hasse es. Aber wiederum kann ich nicht einfach schweigen, was ebenfalls angemessen gewesen wäre; das hätt ich schon irgendwie begründet. Nur geht es hier um ein ästhetisches Politikum: Wenn in den Opernhäusern eine analoge Dynamik zu jener einsetzt, die in den Öffentlichen Rundfunkanstalten durchgegriffen hat – nämlich sich nach dem Markt zu richten und dabei jegliche Qualität fahren zu lassen -, dann kann man Kunst und alles, was damit zusammenhängt, völlig vergessen, dann bekommen wir (bestenfalls) ein Mäzen-Theater wie in den USA. Die Öffentliche Subvention läßt dann Neue Musik kaum noch zu, weil der mainstream nach Bastarden der Ersten Wiener Klassik hechelt.

Also:
1) Wenigstens eine Stunde an der Eingangsszene zu ARGO. ANDERSWELT. weiterschreiben. Am Wochenende werd ich mit dem Jungen in die Gegend fahren und ein paar Fotos schießen, dann kann genauer erzählt werden.
2) Die letzten noch nicht transkribierten Einträge aus dem nun vollen Notizbuch in die Notiz-Datei übernehmen. Von dem Bücherl selbst werd ich mich danach trennen. Das neue ist bereits begonnen: so ein peinliches Moleskine-Ding, das mir aber Alexandra schenkte; peinlich, weil es so Mode ist: Jeder Fransel läuft damit herum und hält sich für Chatwin. Egal. Das alte geht nach den Übertragungen an Gregor, wie immer, den Freund.

0.10 Uhr (16.10.):

Mal grad die Hälfte von allem geschafft. Aber Briefe geschrieben. Und mit Optionen möglicherweise etwas in Gang gebracht.

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.