Freitag, der 3. März 2006.

8.28 Uhr:
[Arbeitswohnung. Dallapiccola, Piccolo Concerto.]
Erst Viertel nach sechs auf; Katanga und ich haben gestern nach 24 Uhr noch DAS WUNDER VON SAN MICHELE gehört; es war mir wichtig zu wissen, ob die Wirkung des Stücks auf mich nur einen sentimentalen Grund hat. Hat sie aber nicht. Wir hörten an den billigen Lautsprechern in der Küche; selbst da funktionierte das Stück, obwohl sehr vieles, weil so nah an der Hörgrenze einkomponiert, in diesen Lausprechern nicht herauskam. – Und nun den Jungen zur Schule gebracht und kurz vorher noch bei seiner Mama vorbei, weil er sein Fahrrad holen wollte, das gestern wegen des Schneesturms dort verblieben war. Hab ihr eine CD-Kopie gegeben; „ich weiß noch nicht, wann ich es hören kann“, sagt sie. Ich hab momentan das Gefühl, es aller Welt vorspielen zu müssen, das hat etwas Missionarisches, das sich mit sich selbst und dem eigenen Gefühl nicht zufrieden geben mag. Dennoch sollte ich mich allmählich wieder mal auf meine ‚übrige’ Arbeit besinnen, der VERBEEN steht ja nun wirklich an, in schon einem Monat wird d i e s e Produktion in Baden Baden über die Bühne gehen. Und noch fehlen mir eine ganze Reihe Interviews, die ich zumal jetzt, nach der SAN-MICHELE-Erfahrung, unbedingt poetisieren will. Auch in d a s Ding will ich diese innige Poesie hineinbekommen, was bei einem Fremden, einem anderen Autor, nicht so sehr leicht ist. Gerade, weil Verbeen immer so poltert und ich beobachte, wie meine Hörstücke spätestens seit der >>>> Jerusalem-Komposition zunehmend still werden, immer weiter in sich selbst gekehrt. Es waltet da ein eigenartiger Verinnerlichungsprozeß.
Noch schreibe ich k e i n DTs heute; ich würd mich ohnedies nicht dran halten, werde schweifend arbeiten, in den VERBEEN hineinlesen, vielleicht auch in ARGO. Bei dem Roman hab ich allerdings überhaupt keine Sorgen, da könnt ich sofort weiterschreiben. Mag aber noch nicht. Und Post ist zu erledigen.

18.05 Uhr:
Wie üblich nach abgeschlossenen und mir gelungen vorkommenden Arbeiten: ein heftiger TestosteronSchub, der mich alles mögliche tun, nicht aber an ARGO und VERBEEN gehen ließ. Es ist dann jedesmal, als wollte der Körper dem Geist nachziehen und ebenfalls etwas schaffen. Na ja. Und ich tendiere nicht zur Selbstkasteiung.
Immerhin ist kleinerer Schriftkram getan worden. Heut abend Star Treck I mit dem Jungen – oder mit beiden Jungs, wenn denn der Ältere will. Danach mal sehen.

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