B.L.’s 13.12. – Was Hände so berühren

12.38
Der Hund ist versorgt, zumindest mit seinem Fressen aus der Dose, vermischt mit eingeweichtem alten Brot, das zuvor einen Moment lang zögernde Hände von einem Zuviel an Wasser befreit haben, wobei die weiche Brotmasse ein wenig zwischen den Fingern hervorquillt. Das Öffnen der Dose dann: Es gibt Billigmarken, bei denen kräuselt sich die Nase vor dem, was letztendlich als Gestank empfunden wird. Heute gab’s weniger Stinkendes, aber bleibt ein Rest Ekel. Dasselbe gilt übrigens auch morgens für die Cat-Parade. Der Vormittag verlief produktiv, was die Brotarbeit (lies: Brot-Arbeit) betrifft. Nebenbei las ich (nach der selbsterkürten und etwas aleatorischen Pflichtlektüre, d.h. Athenaeum-Reprint, Goll-Affäre, Shelley, als Kürlektüre) in Werner Krauss‘ „Vor gefallenem Vorhang“, ein Buch, das mir Paul Reichenbach bei unserer Begegnung in Berlin schenkte. Es handelt sich um persönliche Aufzeichnungen, zu denen auch Erzählerisches und ein Dramaentwurf gehören. Ich kann mir schon denken, wieso Paul sich von dieser Persönlichkeit angezogen fühlt: Sie hat etwas Fatalistisches, sie bekennt sich zu ihren Zweifeln, um sich dadurch über sie hinwegzuheben. Natürlich spielen gewisse biographische Überschneidungen eine Rolle. Ich selbst finde darin zwar auch Berührungspunkte, habe aber nicht diese Fähigkeit, damit so umzugehen, daß sie mich im Reflektieren über mich selbst hinausführen. Ich weiß auch nicht, ob ich das jetzt adäquat ausgedrückt habe. Meine Unsicherheiten. Wie auch immer: Heute erstmals wieder spätes Mittagessen, weil sie erst um halb drei von der Arbeit zurückkommt, und ich wie immer für diese Zeit das Essen fertighabe. Am späten Nachmittag muß ich sie zum Augenarzt begleiten, nach dessen Untersuchungen sie wegen der manipulierten Pupillen nicht mehr in der Lage ist, Auto zu fahren. Also dacht‘ ich, lieber jetzt das TB schreiben als es im Ungewissen zu lassen. Wer weiß, was der Abend für eine Uhrzeit bescheren würde. Mit ungewissen Aussichten auf die entsprechende Kraft zum Schreiben.
In der Mitte des vorigen Absatzes klingelte die Postbotin: Nun sind die da, die bestellten 12 Bände Hölderlin! Jetzt fehlen nur noch die in 13 schwarze Leinenbände eingebundenen ca. ersten 10 Jahrgänge von Nettelbecks „Die Republik“ (Zustand „tadellos“, werden mich allerdings 200 Euro kosten (die ich eigentlich nicht hätte ausgeben dürfen (egal))), die ich neulich über http://www.zvab.de fand und bestellte. Die Rechnung und eine Kopie des Lieferscheins sind schon da. Also reichlich Lesestoff. Und überhaupt die Erregung, wenn solche Buchpakete eintreffen! Also, ich muß jetzt hier abbrechen. Das Hölderlin-Paket (Sämtliche Werke, Hg. v. Sattler – Luchterhand, bestellt über die Wissenschaftliche Buchgesellschaft: http://www.wbg-darmstadt.de ) verlangt, vom Cellophan befreit und angeblättert zu werden… A demain.

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3 Kommentare zu B.L.’s 13.12. – Was Hände so berühren

  1. Nettelbeck. „Die Republik“. Das ist ganz großartig. Ich habe, als sie seinerzeit herausgegeben wurde, sofort abonniert. Und die alten zerlesenen Bändchen und Bände noch heute. Die „Fantomas“ genannte „Sittengeschichte des Erkennungsdienstes“ war lange Zeit etwas, aus dem ich zitierend immer wieder Motive in die Erzählungen eingebaut habe.

    • Bruno Lampe sagt:

      Also werde ich es auch mit einem solchen Seitenblick rezipieren. Ich weiß, du würdest jetzt sicher ein „rezepieren“ vorziehen. Kleine Stichelei am Rande. Nichts für ungut. Danke.

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