B.L.’s 6.4. – Knoblauch

17.56
Überraschend schnell wurde heute (hier in Italien ist heute kein Feiertag) das Wohnungsproblem gelöst, nachdem ich glaubte, mich damit noch länger herumschlagen zu müssen: Es gab fast nur möblierte Wohnungen, aber eine solche wollte ich nicht, selbst wenn ich sie mir nur Stück für Stück einrichten kann, und sie anfangs wohl noch recht leer sein wird. Sie liegt in einem Ortsteil von Amelia, dem letzten in Richtung Narni, abseits der Durchgangsstraße, in etwas erhöhter Position mit einem sehr weitwinkligen Panorama Richtung Süden (so 150°), wozu auch der Monte Soratte gehören müßte, der aber heute im Dunst nicht zu sehen war: Drei Zimmer, Küche, Bad (60 Quadratmeter); 300 Euro. Keine Ahnung, was dann die Gasheizung schlucken wird. Eine Garage gehört auch noch dazu. Frei ab Mitte Mai. Im Ort Weinkellerei (Colli Amerini DOC), Supermärktchen, Apotheke, Bar, Tabacchi. Die Apotheke klammere ich mal aus meinen Bedürfnissen aus. Also alles zu Fuß erreichbar. Nicht wie jetzt. Am Dienstag ist dann die erste Monatsmiete zu zahlen, um die Wohnung zu blockieren. Da die Wohnung noch von einem Mann bewohnt wird, der aber nicht da war (ich sah nur ein paar musiktheoretische Bücher herumliegen, aber keine Instrumente), wirkt die Wohnung alles andere aseptisch, eher ein bißchen verschludert. Das ganze Gegenteil von dem, was ich sehe, wenn ich mein Zimmer hier verlasse. Auch das machte sie mir wohl sympathisch. Aseptische Wohnungen vermitteln ein Angstgefühl. Sie wehren sich gegen die Bewohner. Die Wohnung muß also erstmal von der Persönlichkeit des Bewohners infiziert oder eben dauernd desinfiziert werden. Diejenigen, die nicht aseptisch sind, lassen alle Infektionen zu. Wenn man also ein offener Mensch ist, dann lebt’s sich darin um so besser, weil der Symbiose zuträglich. Oder man kann’s auch so ausdrücken: Wenn ich Knoblauch esse und du auch Knoblauch ißt, dann kann uns das doch egal sein.

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5 Kommentare zu B.L.’s 6.4. – Knoblauch

  1. tja sagt:

    Septische Wohnungen – Knoblauch- Umzug Septische Wohnungen vermitteln ein Angstgefühl.
    (…)
    Wenn ich Knoblauch esse und du auch Knoblauch ißt, dann kann uns das doch egal sein.

    Schöne Sätze!
    Ich habe die vom Putzfimmel meiner Mutter sterilisierte Wohnung immer als leblos empfunden. Es war widerlich, ihre, mit einem Schlag in die Mitte versehenen Kissen nach Benutzung der Couch ordnen und schlagen zu müssen. Das war die Spitze des Eisberges, der verhinderte, dass es um Wesentliches gehen konnte.

    Sie essen/ lieben Knoblauch?
    Ich esse ihn ohne Rücksicht auf Verluste, mir ist es egal, ob ihn jemand mit isst. 😉

    Ich denke, man schleppt seine Geschichte auch in eine neue Umgebung mit- aber ein Neubeginn ist wohl immer von einer Leichtigkeit geprägt, die man auskosten kann und in dieser Hinsicht verstehe ich auch, dass Sie keinen möbeligen Ballast hinterherschleifen wollen.

    Viel Spaß bei der Infizierung Ihrer neuen Bleibe- ein wunderbarer Ausdruck, passend zum geprägten Schlammbegriff von ANH .

    LG
    Biggy

    • Bruno Lampe sagt:

      Ich schrieb mal etwas in der Richtung auf Italienisch, weiß aber jetzt nicht, wo ich den Text vergraben habe, also Rekonstruktion: heute aß ich knoblauch, um einen vorwand zu haben, niemanden zu treffen… oder so. Drum ess‘ ich Knoblauch nur dann und gern, wenn ich weiß, daß mir weder Frau noch Arbeitspflichten dazwischenkommen.

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