B.L.’s 10.4./11.4 – chorisch anders gesehen

18.54
Gestern kam’s nur zu einem Satz, der sich auf ein Telefonat mit der Rechtsanwältin in Rieti bezog: Ich war unsicher, ob ich sie duzen sollte oder nicht, sie siezte mich. Sie hatte bereits die Scheidung meiner Schwägerin in Rieti abgewickelt, sich um die Erbschaftsstreitigkeiten der verschwägerten Schwestern gekümmert und schließlich auch beratend um die von meiner Frau (trotz meiner) angestrengte Klage wegen der Defekte am Haus. Unter den Schwestern wird sie immer als „Paola“ erwähnt. Die Sache wird sowieso immer offizieller: ich mußte eine meiner Schwestern in Deutschland bitten, mir einen Auszug aus dem Geburtsregister zu besorgen und zu schicken. Auch der Steuerberaterin gegenüber mußte ich das Thema aufgreifen wegen der Implikationen in Bezug auf den Fiskus. – Der Frosch ist in den Teich gesprungen. Fürwahr.
Ansonsten fange ich wieder an, hier auf italienisch zu flirten. Und dachte an eine weitergehende Bedeutung von „chorisch“: mein vermeintlich zweisprachiges Kleid. Tatsächlich denke ich hin und her in zwei Sprachen. Und weiß zuweilen nicht recht, welche die „eigentliche“ nun wirklich sei. Vielleicht kann man sagen, die erworbene Sprache bediene sich einer gewissen Struktur der Psyche, die für die Sozialisation und die berufliche und familiäre (gescheiterte) Selbstbehauptung zuständig ist. Während die Muttersprache das Rationale und (in meinen Gedichten zumeist) das Irrationale zu umfassen versucht. Zumindest stehen beide Sprachen für eine Nicht-Sozialisation: Die Muttersprache gehört einer Nicht-Sozialisation in Deutschland, die angeworbene Sprache einem gescheiterten Sozialisationsversuch in einem Neuland an. Ich denke, eine Sozialisation wird mir nun nicht mehr gelingen, die ich allerdings auch gar nicht erst versuchen werde! Und überhaupt: „hell“ hat für mich zweierlei Bedeutung.

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