Arbeitsjournal. Montag, der 8. Juni 2009.

5.35 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
Du hattest eine ein bißchen schwere Nacht, Halsschmerzen, ich suchte gegen zwei Uhr noch eine Tablette heraus, die ich tatsächlich fand. Darüber schliefst Du dann auch ein. Wird heute etwas schwieriger sein, Dich zu wecken, zumal Du früher hochmußt und auch schon losmußt, weil auch ich heut früh losmuß: ich zum Arzt, Du zur Schule. Was Dir recht sei, wie Du gestern abend sagtest: Du wollest Dir unbedingt vor der Schule noch was von Yugi-Oh! besorgen. Um Viertel nach sieben brechen wir auf; wann ich zurücksein werde heut früh, weiß ich logischerweise noch nicht. Eigentlich hab ich den OP-Termin; ich glaube aber nicht, daß der Arzt schneiden oder lasern kann, aber er soll sich die Sache ansehn, Punkt.
Wird deshalb später werden mit der heutigen Tranche >>>> New York. Ich mußte >>>> in d e m Part wieder Kommentare löschen, einfach weil das unsäglich verquaste Gequassel in seiner diarrhoen Massivität den Lese- und den Denkfluß stört; allerdings hab ich die entzückende Morddrohung stehenlassen und auch, daß ich mich „einweisen“ lassen solle. Für psychiatrische Soziologen ist sowas immerhin ein Fall, möglicherweise. Den möchte man gern archiviert haben.
Bin nicht sehr kreativ zur Zeit, vieles bleibt als Skizze herumliegen, verschwindet in den Dateien, wird vergessen; da ist so eine Unlust in mir, eine Zerfaserung, etwas Aufgeweichtes, müdeGeklopftes. Immerhin, seit vorgestern nacht keine Schmerzmittel mehr.

8.02 Uhr:
Na dat ging schnell. Er sah sofort, durch was ich da gegangen bin. „Ich verschreib Ihnen erstmal eine Salbe, damit das abheilt. Ist schmierig und stinkt nach Lebertran.“ „Na wenn das alles ist.“ „Die meisten, auch die meisten Ärzte machen den Fehler anzunehmen, man müsse das andere Medikament auf alle betroffenen Stellen auftragen. Was Sie dann auch getan haben. Unfug. Sie müssen eine etwa zehnpfenniggroße Stelle, nur eine, damit beschmieren; was passiert, ist, daß sämtliche Selbstimmunvorgänge davon angeregt werden. Wenn Sie dagegen j e d e Stelle damit behandeln, dann sieht das halt so wund aus wie bei Ihnen jetzt, und ich genau so schmerzhaft. Bevor wir da weitermachen, müssen erst mal die Entzündungen weg.“ Ich hab dann noch so ’nen Auswuchs an der Leiste, „schneiden Sie das Ding doch auch weg.“ Skeptischer Blick, „Sie wissen, daß das Geld kostet?“ „Na ja, sieht nur unschön aus.“ „Schriftsteller sind Sie, da hat man nicht viel Geld, nicht wahr?“ „Ich kann Ihnen ein Buch von mir geben.“ „Sind Sie mit 20 Euro einverstanden?“ Ich muß lachen. „Na sicher.“ „Gut, dann kommen Sie noch mal am Donnerstag früh.“ „Dann kriegen Sie das Buch obendrauf.“ Plötzlich stimmte die Chemie zwischen uns; ich habe den Eindruck, daß es ihm gefallen hat, wie ohne Gejammer ich mit der Sache umgegangen war. Außerdem ist die Kunst gut, die in seinem Wartezimmer hängt.

Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsjournal veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.