PP52, 23. November 2013: Sonnabend. Aus Leipzig (2). Vom „Lehren“.

(6.30 Uhr.
Leipzig, >>>> Commundo, Zi. 320.

[Sculthorpe, Requiem für Cello solo.]

Diese Art des Lehrens macht einen riesigen Spaß. Es ist ein unablässiges schnelles Hin- und Her, quasi Wellensurfen, zwischen den Tälern des Wissens unterm Schaum der Temperamente auf die Kämme der Ideen, wobei es letztlich um die Freiheit des Denkens geht, darum, sich die eigene Freiheit herauszunehmen und nicht auf das zu starren und immer gleich zu erfüllen, was von einem erwartet wird und von einer. Wie bei Interpretationen von Dichtung: Sie sind dann gut, wenn sie in sich schlüssig sind, egal, ob sie einer akzeptierten Lehrmeinung folgen oder sie völlig umwerfen; alleine ihre Immanenz muß stimmen. – Selbstverständlich ist das nicht ohne Disziplin; die brauchen wir für die ich sag mal: Richtung, also dafür, daß wir auf ein Ergebnis fokussiert bleiben, uns nicht im Beliebigen, unversehens beliebig Werdenden, verlieren. Auf dieses Spiel zwischen Schweifen, Meditation und Exaktheit kommt es an. Die Inhalte sind nichts anderes als unsere, wie Kant das nannte, „Kausalitäten aus Freiheit“: dasjenige, womit wir experimentieren.
Wir erzählen uns.
Wir erzählen uns Geschichten.
Wir haben viele Möglichkeiten, sie zu erzählen, sowohl in den Sprach- und Sprechniveaus als auch in den Perspektiven; worauf es ankommt, ist, daß wie sie bewußt wählen und nicht auf eine oder wenige beschränkt bleiben. Darauf, daß wir uns nicht beschränken lassen, weder von Gruppen noch von einer ganzen Gesellschaft. Daß w i r die Moral haben und sie nicht uns hat. Gerade in verschulten Systemen ist das wichtig, wird immer wichtiger. Widerstand gegen die Äquivalenzform, das industriell genormte Menschen-Design. Sondern wir „designen“ uns selbst. Dafür bin ich hier: um das in Gang zu setzen, bzw. zu befördern. Um es zu können, aber, müssen wir uns wissen.
Freiheit aber auch im Umgang mit den Inhalten: daß wir keine Themen scheuen, weil „man“ nicht drüber spricht, sondern allen offen ins Gesicht blicken können und das auch tun.
Ich liebe diese Arbeit.
*******

Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsjournal veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu PP52, 23. November 2013: Sonnabend. Aus Leipzig (2). Vom „Lehren“.

  1. Zu sehen ist Geschichte.

    Aus START Leipzig 2013-11-22

    „Erzählt die Geschichte dieses Hauses und der Böschung dahinter hinab zum Flüßchen und der da unten entlanglaufenden Geleise, die so plötzlich aufhören, und warum sie das tun. Und erzählt, was ihr fühlt und ob und was das mit euch zu tun hat oder h ä t t e zu tun haben können.“

    >

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.