Worum es geht.

Den Verrat an der Natur zurückzunehmen, der zu ihrer – und letztendlich unserer, als Menschen – Zerstörung führt. Um dies in der Dichtung zu ermöglichen, brauche ich magische Wörter, vor allem aber Formen. Das sind solche, die einerseits sich nicht im Beliebigen verkomplizieren, dennoch schärfsten Kriterien genügen, aber vor allem, andererseits, ein auch unbewußtes Wiedererkennen bewirken, von daher etwas bei aller möglichen Ferne Vertrautes haben und mit archetypischen gleichsam Gerüchen (das erste, was unser Gedächtnis bleibend speichert) verwandt sind.
Der Reim gehört dazu (der aber, um nicht parodistisch zu wirken, ein verstellter sein muß oder auch, fast besser, ein ungefährer, sozusagen angeschnibbelter), und auch das Versmaß, das den Groove erzeugt (etwa stehen nahezu sämtliche Erfolge des Mainstreampops im 4/4-Takt).
Der Spielfilm hat viel schneller begriffen als die zeitgenössische Literatur, daß auch der Bezug auf Mythen usw. selbst bei den Vielen wirkt, die sie bewußt gar nicht kennen. Man denke an die Wiederkehr der Drachen, Vampire usw., ans romantisierte Mittelalter der Science fiction  oder insgesamt die Faszination, die „Mystery“ erzeugt. Es ist ein Irrtum anzunehmen, dabei handele es sich ausschließlich um Eskapismus. Das Bibelwort vom „sich erkennen“  für den Beischlaf – (ἀναγνώρισις eben, Wiedererkennen) – sagt es bereits deutlich. Wir „erkennen einander“, ineinander also wieder, was wir schon einmal kannten und vergessen hatten. Die Liebenden kehren zueinander und ins Bewußtsein zurück.
Eben dies ist poetisch anzustreben.

(Das schließt ein Neues nicht aus, aber macht das Neue als ein seinerseits Gewordenes erkennbar, das mithin auch die historische Herkunft bezeugt. Nicht ein einziges Wort, das ein Big Bang wäre, schon gar nicht eine Form.)

[Poetologie]

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2 Responses to Worum es geht.

  1. Avatar Phyllis says:

    Davon möchte ich mehr lesen!
    Und zu den Spielfilmen noch die Serien hinzufügen. Die den Spielfimen aus meiner Sicht sogar voraus sind, weil sie über längere Zeiträume hinweg auf’s Unbewusste einwirken.

    • Völlig einverstanden. Bei Spielfilmen habe ich die Serien (nicht alle, aber doch einige) selbstverständlich mitgemeint, weil sie jenen etwas hinzufügen können, das bis dato nur in sogenannten Filmen „mit Überlänge“ angelegt war – etwa in „Laurence of Arabia“, auch (da bereits im Titel) „2001 – A Space Odyssee: Das Epische (das ja selbst bereits ein Rückgriff auf besonders die Antike ist).
      Im übrigen habe ich meine poet(olog)ische Position schon oft beschrieben, sie allerdings noch nicht in, lacht, Paragrafen gesetzt. Allerdings wird nach wie vor der lebensbestimmende Faktor Zeit nach wie vor in der Literatur deutlicher repräsentiert, wie der Formenkanon auch.

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