B.L.’s 3.3. – Knick, nicht Kick, obwohl Auch-Kick

19.47
Ein Tag mit einem deutlichen Knick. Der Vormittag war das eine, ein eher seichtes Arbeiten, ein Lesen zwischendurch wie sonst auch. Ich packte mich sogar am Schlafittchen, als ich Wein nachkaufen fahren wollte. Als ich wie sonst in der Küche stand, der Topf auf dem Herd für die Nudeln, und auf sie wartet, klingelte das Telefon: „Zio!“ Kurz, der Neffe wollte, daß ich den Fotoapparat mitbringe. Ich fragte ihn nicht, wohin, denn ich wußte nicht, was er meinte. Ich stellte mir nur irgendeine Verabredung meiner Frau mit den Neffen am Nachmittag vor, und der eine meine nun, ich käme auch mit. Dann aber kam noch die Mutter ans Telefon. Da fiel’s mir dann wie Schuppen von den Augen: Heute nachmittag war die vorgezogene Geburtstagsfeier meiner Neffen. Meine Antwort auf die Frage, ob ich kommen würde, blieb vage. Kurz darauf rief die Schwägerin aus Brescia an: „…ich weiß, daß ihr nachher wegmüßt…“. Wir (meine Frau und ich) hatten gestern nur eine kurze Kommunikation, die lediglich darum ging, einen Termin beim gemeinsamen Rechtsanwalt zu vereinbaren, und um Geld, wo ich mich dann wieder beleidigt gefühlt hatte, weil ich immer nur heraushöre, sie habe mir geholfen, was immer so ausschließlich klingt, als ginge es mir wie in der Anfangszeit bzw. Startphase, was die Arbeit betrifft. Wegen der bin aber nicht hierhergezogen, alles aufgebend, was Deutschland betrifft. Dies also der Knick in meiner Stimmung. Ich dachte nur: Da kannst du heute nicht hin. Nur um dann wie Falschgeld herumzustehen? Mit einer Frau, von der ich mich trennen will, und zwei Schwägerinnen? Jedes Wort, daß ich dennoch sagte, würde nur meine Verlegenheit unterstreichen, und sei es mit anderen gewechselt. Aber worüber? Schließlich ließ ich eine Spirale offen: „Fahr du nur, ich bereite dir den Fotoapparat vor, ich gucke später kurz rein.“ – Und, wie ich mir es im Stillen schon am Vormittag vorgenommen hatte, ging ich mit dem Hund spazieren, weil ich selbst einen solchen Auslauf brauchte. Während des Gehens spielte mein Körper wieder nicht mit. Diesmal war’s unten links im Bauch. Irgendwann kam der Rücken dazu. Ich ging völlig verkrampft (also nicht „Aua Aua“ schreiend und mich krümmend, aber eben nicht locker). Eine Mattigkeit nach der Rückkehr. Und dann trank ich doch einen halben Liter Wein und gab mir nach langem Trödeln einen Ruck. Denn ich sagte mir: Wenn dann vermutlich auch noch die Schwägerin aus Rieti hier übernachtet, dann reicht der Wein nicht, der im Hause für die Mahlzeiten bereitsteht. Denn diese Schwägerin ist auch eine Weintrinkerin. Und wenn ich schon daran denke, mich zu entgiften, dann ist das keine gute psychologische Situation, denn da sind dauernd Fallen, in die man allzuleicht hineingerät. Ich weiß, ich suche nach Argumenten für die Dann-Doch-Auch-Noch-Flasche Whisky im Supermarkt. Und dann zur Geburtstagsfeier. Ich kam rechtzeitig zur Torte. Aß ein Stück, ein mächtiges (nicht von der Größe, aber vom Gehalt her), wurde sogar mit den beiden Neffen zusammen fotografiert. Lief ein bißchen draußen herum, den Kindern beim Spielen zuzusehen. Wohnte der Präsentation eines neugeborenen Knaben bei. Wußte nicht mehr recht, was ich da sollte, und verabschiedete mich nach einer halben Stunde.
Es ist eine Zeit der Abschiede, auch von den Litlinks. Und ich muß arg achtgeben, daß mich hypochondrische Panik nicht auch noch dazu führt, mich von meinem Körper zu verabschieden, was ich metaphorisch meine und nicht konkret, auch wenn ich etwas bange bin um den kleinen Schritt vom einen zum anderen Adjektiv.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .