Das Argo- und Galouye-Journal des Mittwochs, dem 28. März 2012. Mit Döblins Wallenstein, ff.

8.55 Uhr:
[Arbeitswohnung. Egon Wellesz, Drittes Streichquartett.]
Musiklos die Früharbeit, zu der ich allerdings erst um eine Minute nach fünf aus dem Bett kam; was Schweres sog an mir, mich drin zu halten. Ein Akt der Vernunft machte mich schließlich spröde genug, mich der Schlafverführung zu entziehen. Latte macchiato, Morgenpfeife, Amseln usw. Bis TS-S. 336 gekommen. Nicht von ungefähr, daß ich für meine Lektüre wieder zu Döblin gegriffen habe: Freiheit des Stils Ausdruck Rhythmisierung, alles ganz unvergleichlich, und es löst einen aus der Gefangenschaft der diskursiv-pragmatischen Rede. Wie Döblin das hinbekommt, dazu tippe ich gleich was ab aus dem Buch und stell es statt eines nächsten >>>> Argo-Auszugs auf die Hauptsite ein. Man muß sich einfach freischreiben, was ein sich freiLesen impliziert oder implizieren kann, wenn man zu sehr auf sprachlichen Pragmatismus gebügelt worden ist oder sich selbst daraufgebügelt hat. Das Lockerflockige des Unterhaltungsstils steckt ziemlich an, er dringt aber nicht wirklich tief. Die Frage ist allerdings, wie ich das Expressive, das mir vorschwebt, mit dem modernen, besser: zeitgenössischen Stilempfinden und -verlangen nach, sagen wir, tänzerischer Nüchternheit ineinsbringe. Dies wird den Hauptteil meiner Weiterarbeit an Argo bestimmen.
>>>> Elfenbein schrieb gestern, man sei unbedingt willens, das Buch herauszubringen: Frühjahr 2013; ich möchte lieber den Herbst 2013 dafür sehen, sonst gerate ich unter einen zu großen Druck.
Ich warte auf die zweiten Fahnen der Essays, die Ende April/Anfang Mai bei den >>>> Kulturmaschinen herauskommen sollen, nachdem wir das Erscheinungsdatum von der Leipziger Messe weggeschoben haben. Im Herbst dieses Jahres dann bei >>>> etkBooks noch die Zweite Lieferung aus Der Dschungel mit den Paralipomena und Notaten, so daß dieses Publikationsjahr für mich eines des Theoretischen sein wird, also abgesehen von den beiden neuen Hörstücken.
Bis kurz vor Mitternacht im Wallenstein gelesen:

In dem Gewölbe seiner Hauskapelle, am Tage St. Urban, watend knöcheltief in Rosen vieler Farben, empfing der Abt von Kremsmünster, von Schultern, Ärmeln des schwarzen Seidentalars die roten duftenden Blätter schüttelnd, lächelnd den Pfalzgrafen von Pfalz-Neuburg, einen harthörigen hinkenden Mann, der sonderlich unsauber in Tuch und Fell gekleidet war, sich knapp verneigte, die Mütze lüftete, sich mit offenbarer Erleichterung aus dem blumenbehangenen durchflochtenen überfüllten Raum in einen sehr hohen kreisrunden Vorraum von seinem schäbig livrierten Kammerdiener führen ließ; gütig schob der Abt dem Fremden einen Fußteppich zu; zwei Sessel auf den lichtbespielten Fliesen, Wände, die sich über ihre Köpfe einander entgegenhoben, mehrfaches Echo bei jedem lauten Wort.
Döblin, Wallenstein, 53.
Dieses ist ein einziger Satz, erzählt in semikolongetrennten Perioden, in denen nicht durch Auslassung, sondern Nähe der Dinge die Dinge Gestalt annehmen, eine Mischung aus getupftem Impressionismus und scharfer Expression, die ein Ziel hat. Die Schnelligkeit wiederum der Passage entsteht rein aus dem Rhythmus, der dabei in keiner Weise staccatohaft ist – also ganz anders, als die kurzen, je mit Punkten beschlossenen Sätze, die etwas Ähnliches bewirken, eines pragmatischen, nein: manipulativen Schreibens. Bei Döblin ist jedes Ding immer genau in der Mitte des Blicks.

[Egon Wellesz, Sechstes Streichquartett.]
Weiter mit Galouye: jetzt bereits das Skript. Um halb zwölf dann geht’s ans Cello.

11.31 Uhr:
Wie >>>> geh ich’s also an?

Das Cello!

18.33 Uhr:
das scheitern
häufen
[Bei >>>> parallalie.]

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