Musik in Wortkunst setzen. Mr. Charles Ives bei Mrs. Harmony Twichell Ives. Ralph Roger Glöcklers Ives (1).

Dann legte er die Hände auf die Tasten, schlug einzelne, ganze, lang miteinander verbundene Töne an, solle, so er leise, zwei Geigen hören, Bratsche, Cello, ein schwebendes, fernes Pulsen, als kurvten Planeten in weiten, sich verändernden Kreisen umeinander, trieben, Stern- und Sonnensysteme, in veränderlichen Rhythmen auseinander hervor, als wäre ihre Bewegung, ja, wie Einatmen, Ausatmen, und bewegte, weder ernst noch heiter, sondern eins mit sich selbst, das All, oder, wenn ich es in Gedanken hören könnte, nicht nur Geige, Bratsche, Cello, sondern, je nach Größe des Raumes, in dem das Stück aufgeführt würde, wenn, was zu bezweifeln wäre, ein Orchester, das, wie die einzelnen Streicher, nicht zu sehen, sondern nur zu hören sein dürfe, verborgen, irgendwo anders, weil diese in sich ruhende, sanfte, aus dem Nichts pulsierende Musik nie enden, sich nur variierend wiederholen werde. Da, plötzlich, er schlug ein kurzes Motiv auf den Tasten an, erschalle eine helle, gestopfte Trompete, stoße in anderer Tonart, anderem Rhythmus ein Motiv vor die leise wogenden Streicherklänge, eine Frage: wie, wohin, wer, was – lasse sie in diesem endlos tönenden Raum verhallten, aber da antworten zwei Flöten, Oboe und Klarinette, stimmen schräge, sich nachdenklich ins Wort fallende Antworten an, was, scheinen sie in weiterer Tonart sagen zu wollen, könne einer schon wissen – die Streicher atmeten ihre sachte, unbeirrbare Melodie ein, atmeten sie aus, doch der Trompeter gebe nicht auf, so, wie er selbst, Charles, nicht aufgebe, nein, sondern, wenn auch vermessen, Antworten suche.
Mr. Ives und die Vettern vierten Grades, 33.



>>>> Glöcklers Ives 2
Veranstaltung >>>> am 6. 11. 2012 im Literaturhaus Berlin.

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