Mauern Amelias (3). Entwurf.

Uneinheitlichkeit ist das Geheimnis
ihre lockre Putzlosigkeit und wie
die Winkel und Wege ungrade sind

ineinander geborgene, hie
einander verbergend, selbstgewiß
still; – dort dem manchmal wehenden Wind

keß aufgeblößt und noch frech, bis
der von dem granitenen Spind
insektbewohnter Portici,

die wildem Ranken Wurzelgrind,
nach zäh währendem Zerren die
zu geile Dachung hinwegriß.

Klaffend Flora- und Zoogenie
in einer einzigen Lücke, blind
von der Sonne wochenlangem Biß

und bröckelndes Bleich, in das sich geschwind,
durch die wehrlose, mörtlige Firnis
eines Ameisenstammes Kolonie

bohrt

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
Dieser Beitrag wurde unter Gedichte veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Mauern Amelias (3). Entwurf.

  1. Hieran werde ich sicher noch länger sitzen und immer mal wieder neu, bis das Ding perfekt ist. Doch die Form steht und gefällt mir sehr in dem Wechselspiel aus Reim und Anzahl der Silben:

    a, 10
    b, 10
    c, 10

    b, 9
    a, 9
    c, 9

    a, 8
    c, 8
    b, 8

    c, 8
    b, 8
    a, 8

    b, 9
    c, 9
    a, 9

    c, 10
    a, 10
    b, 10

    1

                          

    Besonders reizvoll ist es, mit nur >>>> drei Endlauten zu reimen, die alle i-Laute sind: „is“, „ie“, „ind“; dabei werden sämtliche Kombinationen des Wechsels durchgespielt, so daß sich eine vollständige Reihe ergibt, die der Bruch dieser Reihe abschließt: der einsilbige o-Laut. (In der italienischen Lyrik spielt die Anzahl der Silben, anders als in der deutschen, eine oft entscheidende Rolle. Es liegt nahe, dies für auf Italien geschriebene Gedichte zu übernehmen.)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .