III, 339 – kokoro

Vielbeinig bzw. vierbeinig ist nur das Pferd auf Japanisch, 馬 (uma (auch als chinesisches Schriftzeichen: [ma] mit einem aufwärts gerichteten Zirkonflex auf dem a)), nicht, wie ich gestern auf einen Zettel schrieb, der jetzt oben auf den gerade linkerhand zusammengesuchten thront, nicht indes das Herz, von dem ich schlicht für mich behauptete, es sei ein Pferd mit vielen Beinen, dieses ‘kokoro’ (心), das eher einer blutspritzenden Fontäne gleicht (auch der >>>> Trevi-Brunnen ward nach einem ersten Mal vor zehn Jahren wieder rot gefärbt), als ich’s jetzt kontrollierte. Immerhin ist mir das silbige Japanisch lieber als die chinesische Einsilbigkeit, die mit ‘xhin’ dasselbe meint mit demselben Schriftzeichen. Wahrscheinlich hatte ich beides in Erinnerung, und Herzpferd wollte unreflektiert Behauptung gelten lassen. Es klang so hübsch: “il kokoro è un cavallo con molte gambe”. Besser noch: “dalle molte gambe”. Und nach dem chinesischen Horoskop sei ich im Jahr des Pferdes geboren. Sei’s.
Ich trau’ mich nicht, die Zettel weiter durchzugehen bzw. zu rekapitulieren, wie sinngemäß auf dem nächsten At-Random-Zettel ich mir eingestehe. Heißt ein Sich-Nicht-Trauen, denn der endet mit 22-le-v’là, die sie herbeirief damals, als ich als Kind eines gefallenen Adams durch das Wort ‘Dieb’ zum Teufel wurde, das heißt einem gefallenen Engel, und tatsächlich den Deubel rausließ. Es hieße, mich selbst zu mimetisieren bzw. mimikrieren. Wiedergefunden den Auslöser: ein fallender Adam gibt nur Menschen, ein fallender Engel Teufel – Jean Paul, Springbrief eines Nachtwandlers.
Es ist ja auch in der Mimikry steht’s ein Leuchten (Lampe im Japanischen ‘ranpu’ (ランプ) wohl ein westliches Lehnwort, wegen r/l und möglicherweise die Lautanpassung n/m) uneigentlicher Identität, die sich zwar klaubt, aber nicht glaubt, es sei da eine, weil da keine ist. Weil ja der andere, dem mimetisch sich etwas entflicht bzw. der mimetisch sich einflicht, ein Flicken ist, um den herum sich Gespinste eindröseln.
>>>> Sagmale allzumal. Wie Hirschgeweihe ohne heiligen Eustach aufsteigen aus Töpfen auf dem einen Zettel neben dem mit nur dem Kreuz im Geweih bzw. im Kopf. Dies aber nur ein Andreaskreuz, also ein X für ein U. Wild odours, wild fires, steht da auch noch, Hölzer knicken. Nachlegen.
So weiß ich auch immer nicht, was sagen, wenn der schwadronierende Tabaccaio seinem mitschwadronierenden Gast weismacht, ich sei Deutscher. Schneckworte nur meinerseits: es käme auf die Tage an, heute hier, morgen dort. Also die Negierung alles Identitären, dieser neuen Richtung von Volksgesundheit.
Im Supermarkt D., l’ami belgique, mit Tochter, die mir tatsächlich ein Lächeln schenkte und dabei in die Hände klatschte.
Am Vormittag auf dem Wochenmarkt. Ausschau halten nach Schuhen, nach einer Jacke, aber alles nur Panzer- und Jägertarnware. Mimikry-Muster. Also nur Socken und Porchetta.
>>>> Übermorgen dann dieses, was zuvor noch nachzulesen wäre. Bin gespannt.

III,338 <<<<

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