III, 384 – tedeschitudine und roundabout

Einst feierte man heute, am 17. Juni, den Tag der deutschen Einheit, als noch Uneinheit herrschte, und ich werd’s sicher schon öfter erzählt haben, daß dann auf dem “Wachtberg” (unten um ihn herum breiteten sich einige der Felder meines Onkels, die nun mein Cousin bewirtschaftet, der heute Geburtstag hat) in meinem Grenzdorf ein Mahnfeuer entzündet wurde und irgendwelche Deutschnationalen mit Fahnen und entsprechender Rhetorik sich dort sehen ließen im Angesicht der Grenze zur Ostzone.
Nur einmal versuchte die DDR, per Lautsprecher Gegenpropaganda zu machen. Ich war noch etwas zu jung, um mir davon präzise was merken zu können. Doch wenn ich mich recht erinnere, wurde Richtung Propaganda sogar spazieren gegangen. Paarweis’. Wenn ich mich recht erinnere.

millionen flüchtige wörter stehen an
der grenze zu diesem gedicht
die beine in den bauch sich
schlange an der grenze

Dagmara Kraus, vor ein paar Tagen entdeckt, was auch sonst in diesen Tagen ansteht ohne Aufstand (für den sorgen die immer Anderen gegen die immer Anderen), hier wie dort, und das Wort “flüchtig”: profugo, volatile, in fuga sowieso. Fugenworte, vermischt: deutschnyzo moja, meine tedeschitudine, in der Schildkrötenweis’ à la Testudines).

Gestern der Bloomsday war ein blumiger Tag, er blühte aus dem Oberbauch herauf, den man mir gekitzelt tags zuvor in der alten Bundeshauptstadt. Erinnerungen an einen RAI-Korrespondenten, der den Namen des Ortes immer mit zwei O und zwei N aussprach. Das B war allerdings kein Problem. An seinen Namen kann ich mich nicht erinnern.
Das lenkte sehr von der Arbeit ab, dieses ‘gasato’-Sein, Aufgedrehtsein. Kohlensäure, Blubberwasser.
Es blieb nichts weiter übrig, als bald nach der offiziellen Eröffnung der „Tabaccheria AnticAmelia“ mit Büffet und Spumante (ersparte mir das Zubereiten eines Abendessens) zur “Mazurka”-Veranstaltung zu gehen auf einer Wiese mit Fernsicht und Sichelmond, hofiert vom Hesperus, Vesperus, Abend- und Morgenstern, Lichtbringer und alles in einem einzigen Punkt (

Ins samt’ne Blau dann spielend, ohne Naht,
Wo glitzernd einsam und perdu

Luzifer mit einer One-man-show
Der Luna rechterhand am Himmel
Zu imponieren suchte, comme il faut!

), nur daß die an einem Morgen einst beobachtete Situation sich gestern umkehrte, nämlich zu „linkerhand“)). Dann sowieso “stars peeping one by one”. Bis sich sogar der Skorpion und sein Antares abzeichneten.

Fremde Leute waren da und bewegten sich zu irgendeiner leisen Musik im Kreis, die an Irisches erinnerte. Bekannte aus Nachbarschaft und Umgebung hielten sich eher an der Umfassungsmauer auf, Er, ein Römer, der auf ihr lag, ganz am Anfang als ich hinkam. Ausruhen. Meinte er. Garbatella (ferne Erinnerung an das Viertel, als ich anfangs noch per Inserat Deutschlektionen gab, denn da war so eine, wo ich drei- viermal war: es roch immer penetrant nach Kohl).
Andere lagerten dort durchaus erschöpft und bewegungsunwillig, denn die Veranstaltung gehörte zu einem Yoga-Festival. Sie hätten gerade drei-vier Stunden Yoga hinter sich und seien nun ja: erschöpft.
Die anderen auf der Wiese tanzten weiter im Kreis. Einmal mischte ich mich dazu. Den Mechanismus habe ich nicht wirklich verstanden, aber es ging ungefähr so: Händchenhalten, im Kreis gehen. ein paar Fideldibum-Runden mit der Dame drehen, Damen in die Mitte, Klatschen, Damen zurück in den Kreis, Herren in die Mitte, einmal Klatschen, zurück in den Kreis, und eine andere Dame vorfinden, usw. usf.
Er hatte nur sehr entfernt mit den Anfangssequenzen von Barry Lyndon zu tun (far from being the same, just for the repeat that repeat that rhythms at the beginning), dieser im Wiesengrund zu letztendlich monotonen Melodien sich bewegende Kreis.


Mauerseglerspektakel vor einem Himmel voller Cirrocumuli und aus dem Fenster d i e s e s – in einem Auto vor dem Ostello unten auf dem Platz, zu dem ich dann hinuntergegangen:

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