III, 394 – Moscerini

Der Ausdruck gefällt mir besser als das kategorisierende “Fruchtfliegen”. Wo sie genau entstehen, weiß ich nicht. An den letzten beiden Nachmittagen erwischte ich welche rund den am Morgen halbgeleerten Fruchtyoghurtbecher, den ich dann in den Kühlschrank stellte. Am späten Nachmittag schwirrten sie aus dem Zapfloch des Zanchi-Weins: zwei waren im Glas ertrunken und mit Fingerspitzen herauszufischen. Wenn ich dann wieder zur Honigmelone gehe, wird’s nicht anders sein.
Sie machen nach, was ich tagsüber tue: ein bißchen hier, ein bißchen dort. Herumschwärmen um Sätze, die eine Verwaltungsmaschine beschreiben oder einen glücklichen Alberto, der seine Erfahrungen mit der neuen Spüle mit denen vergleicht, die ihn sonst überkommen vor zu erklimmenden Bergen. Alles immer unüberwindlich, bis man’s angeht. Aber zum Abschluss gibt’s immer noch die Verordnung über die Kanalisation in Bozen. Die Reihenfolge hat durchaus etwas Sinnvolles. Tout cela jusqu’au bout d’août.
Jetzt gerade vier Moscerini in Karawanenformation auf dem gelben Fruchtstück.
Kein Gewitter heute, nur die Feststellung, dass ich einen Monat per Festtelefon nicht erreichbar war. Denn nachts kam eine SMS von Telecom Italia Mobile, die mir die Nummer für die durch die Verglasfaserung ermöglichte zweite Festnetznummer mitteilte und darauf hinwies, dass der Stecker für die von Anfang an bestehende Hauptnummer in den Port Nummer 1 zu stecken sei. Also guckte ich nach. Nein, der Stecker stak in Nummer zwei, der Techniker, der mir das neue Modem Mitte Juli brachte, hatte das verzapft. Nun funktioniert’s wieder, aber dennoch suchen Sie mich vergeblich im Telefonbuch. Und die zweite Nummer verrat’ ich nicht. Wäre auch schwierig ohne zweites Telefongerät. Ob ich sie mir überhaupt notiere?
Draußen auf dem Platz wieder die Feuerknechte. Wahrscheinlich das letzte Mal, denn morgen beginnen die Vorbereitungen für den “historischen” Umzug, wo “historisch” mittlerweile zu einem Werbeprospekt-Adjektiv degradiert ist wie überall. Sie mögen’s nicht beim Namen nennen: nous sommes nous hic et nunc e chi se ne frega.
Vor zwei Abenden heftiges Getrommel (kein Gewitter wie gestern wieder). Ging mir in die Gedärme. Mußte raus. Fand nichts anderes als Nichts für die Augen. Stand noch bei einem, der es fortzukommen eilig hatte und vergällte das ihm wahrscheinlich willkommenere Stikum-Verschwinden… Sein “ciao caro” war dann doch vieldeutig, nachdem ich ihm, dem fast Stummen, mein Mundwerk aufgetan, denn Abnicken kennzeichnet den Eiligen. Wie die Blicke in die Ferne vor der Ex.
Da das Trommeln noch weiterging, suchte ich nach Gegentrommeln, sozusagen Gegengift. Damit konnte ich dann leben.
Montale hatte Passendes dazu, meinte aber den Palio in Siena. Lese ihn gerade und ungerade:

losgelöst wie goldene schuppe
vom dunklen grund, die geschmolzen
im gang der klapperdürren karuben
zerrinnt, so auch wir
getrennte personen im blick
[…]

(Montale; Finisterre) – denn grad’ dort angekommen, Titel enorm attraktiv. Damals schon. Dieser Separatdruck (!) mit – wie selten noch – unbeschnittenen Seiten! Also Küchenmesser und auftrennen.
Wie neulich der eine Knabe, auf dessen Spiel mit Piratenkarten ich mich eingelassen hatte, das verbal dann immer weiter ging bis zum Geprassel des Gewitterregens, als wir schon gegenseitig uns aufschlitzten bzw, uns mit allem, was ekel und doch nicht ekel, bedachten, Bis ich dann lief. UNFEIG.

III, 393 – Winterpuschen

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