III, 427 – schenk ein, leg nach (Wien IV)

Die Bein einand’ verschränkt am Praterrand zunächst im Pollengestöber, in es hineinschauen und der Waden endlich uneingedenk sein (nein, nur der linken Wade). Und gefiel ihm sehr der Muskateller (Muskelteller), den ich ihm nach dem anfänglichen Kaffee brachte. Mir nicht minder. Dann den Muskelteller wieder auftischen, um über den Donaukanal zur erneuten Verabredung im Zartl zu gelangen. Mein gelegentliches Humpeln in ein Schunkeln umdenken. Verdenk’s ins Tanzen (aber erst jetzt, fast zwei Wochen später (die Waden zwar immer noch ein Korallenriff, aber nicht mehr so ganz the Great Barrier)).
Das ganze dann begossen mit einer Gulaschsuppe im Zartl abermals, der Besprechung des abendlichen Verlaufs halber. Was sich etwas komplizierter gestaltete. Wer wann mit wem? Es ergab sich: RP+HS, HS+HS (mit ANH-Variation zu HS), JLS+HS, ANH+JLS, ANH+HS… oder wie auch immer die Reihenfolge war. Armer HS: nicht wegzudenken.
Doch war zunächst das Auto aus der Garage zu holen, wo es wegen der hohen Parkgebühren auf der Straße schon seit zwei Tagen stand. Auch dafür waren 40 Euro zu zahlen (es lohnt sich nicht, mit dem Auto nach Wien zu fahren: Parken ist schweineteuer, abgesehen vom Rest). Nun ließw sich eine private Abstellgelegenheit nutzen. Nur, daß nach dem Bezahlen das Tor nicht aufging! Allein wäre ich aufgeschmissen gewesen: mutterseelenallein in der Tiefgarage, nix zu trinken und nix zu essen (Zigaretten hatte ich noch). Aber wenn vier beisammen sind, sind immer zwei dabei, die eine Lösung parat haben. Das Tor mußte manuell hochgezogen werden. Das ging millimeterweise hoch… “Endless” ist ein schönes Wort, unter Umständen.
Schließlich doch noch rechtzeitig vor der Buchhandlung gestanden (endlich) mit einem Blick in den Rückspiegel auf das italienische Sprichwort: “chi va con lo zoppico, comincia a zoppicare”. Mich selbst mit einem Innenblick auf die Wade betrachtend.
Dann tauchten plötzlich Bücher auf, alle mit demselben Titel “Wanderer” (der oder die?). Die sie brachten, blieben nur kurz, sprachen hastig oder lächelten nur (zu übersetzen in a) M und b) W) und verschwanden sehr bald. Ein “Wanderer” ging in meine Hände. Heute, am 30. April, befreite ich ihn bzw. sie von der Plastikfolie, um darin zu blättern. Heraus fielen zwei Verlagsprospektchen. Einer zu James Triptee Jr. (SF-Literatur, scheinbar (den Philip K. Dick (die üblichen und vermeintlich parallel geschienten Autoren) hast du doch absolutely gern gelesen, sei’s auf deutsch, sei’s auf italianisch)): das Gesamtwerk. Nie gehört. Recherchiert. Sich immer mehr festsetzender Gedanke heute: Lesen! Gendermäßig zum Zähneausbeißen. (Heute auch endlich begriffen, was der Suffix “-nnnie” (“Denkernnnie”) in Ann Cottens ‘Lyophilia’ (tatsächlich ein bißchen gefriergetrocknet) bedeutet: eine Veräppelung (?) des genderhaften *innen-Sprechs. Indirekte Z’sammenhänge.
Aber nun sprich du! Dann aufm Stuhl sitzend. Und ich sprach, immer eines anderen (ich selbst ein anderer) Sprache nachsprechend. Und ein jeder des anderen wiederum. Und es sprach sich und sprach sich, und ich durfte auch ein bißchen erklären, weil Moderatorin Elvira eben Fragen stellte, weil sie etwas fürs Publikum wissen wollte. So “weil”t sich das. Und ging das fort in einem Kauderwelsch aus vier Sprachen. “schenk ein / leg nach”: Horaz (‘An Thaliarchus’) kam zu seinem Recht und auch der Monte Soratte. Am Ende meinte einer zu mir: er müsse mal wieder mit Horaz sich befassen (das “sich” ganz ans Ende zu setzen, traue ich mich jetzt nicht)… Wenn so etwas geschieht, ist es schon viel. Am nächsten Tag kaufte ich im Antiquariat zwischen Hundertwasserhaus und Zartl eine ins Deutsche übersetzte Horaz-Ausgabe (bisher hatte ich nur eine lateinisch-italienische Ausgabe aus der Bibliothek des Priesteronkels meiner Ex-Frau).
So hüpfet von einem zum andern, was hüpfen will. Wer möchte, mag es sich zurechtZURren. When you know what I mean. Und Einer ist nicht der Dativ-Eimer von “einem”.

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leg nach / schenk ein
III, 426 – Beieinand’ im Zartl zunächst (Wien III)

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3 Kommentare zu III, 427 – schenk ein, leg nach (Wien IV)

  1. Bruno Lampe sagt:

    immerhin, es hat keiner gemerkt, den vertipper… lasse ich mal so stehen. tatsächlich die beiden romane bestellt: die helligkeit fällt die mauern der welt hoch vom himmel…

  2. Pingback: III, 428 – Frauenfragmentierungsbericht (Wien V) | Die Dschungel. Anderswelt.

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