III, 426 – Beieinand’ im Zartl zunächst (Wien III)

Als ich am Tag nach Ostern erwachte, fiel mir das Verb “frommen” (“dieses Wort, das kein Arsch mehr gebraucht”) ein, und mir wurde bewußt, dessen Bedeutung nicht mehr parat zu haben. Allerdings frommt es mir (ich habe mittlerweile nachgeschlagen), die Zeit zurückzudrehen, denn Ostern hat noch lange nicht stattgefunden. Außerdem sitzt mir gerade ein Messerschleifer gegenüber. Dazu singt er:

sie nennen mich den messerwerfer
den bösen wolf, der kreide schluckt
(André Heller)

Am Vormittag nach der Begegnung am Stephansdom wieder der Wohnungsurwald. Lieber dann sitzen an einer der wenigen lichten Stellen und sich so wenig bewegen wie möglich. Heißt: starren auf den Bildschirm und auch schon mal in die Baumschattenwand (gleich auf der ersten Seite: “Es ist nicht leicht, zu reisen.”)
Erwartet wurden diesmal die anderen beiden Teilnehmer des Dichter/Nachdichter-Vorlesequartetts, die in aller Herrgottsfrüh von Berlin aus aufbrechen wollten (but they had wings to do that, me myself the only earthbound autobahncreeper (denn versuchen Sie mal, 25 Liter Wein mit dem Flugzeug zu transportieren! (womit schon eine gewisse Art des Zusammenseins in den folgenden Tage angedeutet ist))). Das aber war den Vormittag über noch auszuharren. Und der erste Vorleseabend mußte auch noch vorbereitet werden.
Plötzlich, unversehens, dank des frisch Einflogenen die schnelle Organizacija im Doderer-Hinterland (irgendein Zitat bei Handke im Baumschattenwald, im Schattenbaumwald, am Wandschattenbaum (ihn sich an einem Baum stehend vorstellen)), dem Cafè Zartl (aber Doderer meinte etwas anderes, seiner Schlägermentalität (ich referiere etwas irgendwie ins Ohr Gedrungenes) politisch Gemäßeres), rechts die Straße hinunter am Hundertwasser-Haus und am Antiquariat (wie heißt es doch gleich?) vorbei (Büchertische auf dem Trottoir! alle verzögerten irgendwie die Schritte (ein schöner Rücken kann auch entzücken)).Plüschiges Planen des Joyce-Abends mit Kaffee (aber ich kann mich an die Wiener Ausdrücke nicht mehr erinnern). Der Lektorin/Moderatorin wurden für den nächsten Abend die geplanten Texte zur Durchsicht übergeben.
Und wádenálgisch the long way to Tipperary in a quite alltogether now ab zu Dieter Würch. Gucken, wer da ist. Manch einer kennt sich. Wein trinken, rauchen. Setzen? Setzen! Er, Jordan, irgendwie enorm, mich überraschend, icke dann, dann du. Tomatenmark-Stimme. Heißt: hochkonzentriert. Aber maccheronisch wurde es erst am nächsten Abend.
Hinterher Spanferkel.

Und nicht nur.

Oft, einer beim Abschiednehmen, sei es ihm geschehen, sich mehrere Übersetzungen eines Textes ansehen zu wollen. Nun habe er erstmals so etwas vor Augen. Verabschiedete sich, mit dem Band wedelnd, und eilte seinem Fahrrad zu, das da stand vor der Buchhandlung 777 in der Domgasse:

Jemand, der nach italienischen Renaissance-Gedichten sucht, um sie zu vertonen, ob ich nicht helfen könne: ein Komponist. Allerdings fand ich wie üblich nur schwer in die allgemein schwirrende Kommunikation. Heißt, einem Gespräch sah ich zu, von dem ich ahnte, worum es sich handelte, einem andere versuchte ich zuzuhören, von dem ich ahnte, daß ich da nicht mehr reinkomme. Aber so etwas ist fast schon Routine bei mir.
Wie’s dann lief am andern Tag, wird in der 427 stehen.
Danach noch ein paar Sachen zum Ambiente, in das ich geraten (natürlich auch die mündlich angedeutete “Frauenfragmentierung”… (auf die selbst ich gespannt bin)). Wait and see.


III, 425 – In der Uns-Parenthese (Wien II)

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