Samhain 2006

 

Samhain

Besäße ich Glauben, eine Kerze
stellte ich außen in die Terrassentür.
Sie leuchete Euch durch die Schwärze
und durch die Scheibe mir.

Nun habt Ihr eine leere Nacht
in meinem Horchen zugebracht.

 

Alban Nikolai Herbst
Der Engel Ordnungen
Gedichte
Frankfurt am Main 2008
158 S., 20 Euro
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„vom Wurzelfassen / im Bodenlosen“. Eine Videofantasie mit Originaltönen zum Casino: Marianne Fritz im Literarischen Colloquium Berlin am 13. Oktober 2022. Im Arbeitsjournal des Sonnabends, den 15. Oktober 2022, in dem überdies auf die Werkschau im Literaturforum Mousonturm, Frankfurt am Main, sowie die Buchmesse vorausgeschaut wird.

                                                               Ein jeder Held braucht seinen Sänger.
                                                                    Homer

 

 

[Arbeitswohnung, 8.45 Uhr]

Daran habe ich jetzt einen kompletten Tag gesessen, gestern. Heute früh wurde hochgeladen, sowohl zu Vimeo als auch → zu Youtube:

Das Video hätte bei mehr Zeitaufwand besser werden können, doch muß ich mich nun dringend auf Frankfurtmain vorbereiten; mein Flixtrain fährt morgen sehr früh. Und ich denke, für eine Impression ist auch dies Ding schon ganz fein. Ich hätte auch mehr Clips, nicht nur Fotos aufnehmen sollen, war → an dem Abend aber vor allem aufs Ohr konzentriert. In Premiere pro kostet die Umwandlung von Fotografien in bewegte Fahtren enorme Systemkapazitäten, was bei mir immer wieder zu Programmabstürzen führt; dann muß ich wie eine Katze hartnäckig sein, die man zwanzig Mal vom Essenstisch herunterhebt, doch nur erreicht, daß sie ein einundzwanzigstes wieder hinaufspringt. Der kluge Mensch gibt irgendwann nach und läßt sie etwas naschen. Sie dankt es einem mit Freundschaft. Nur ist ein Progrsmm halt kein Mensch

Schon morgen also nach Frankfurt, weil nachmittags, ja, am Sonntag, eine wichtige Mitgliederversammlung stattfindet. Immerhin werde ich so tagsdrauf Elvira M. Gross vom Bahnhof abholen können, mit der ich dann den letzten Durchlauf für am Abend die → Werkschau im Literaturforum Mousonturm proben werde können. Weil eigentlich, zumindest zur Ansicht, mein gesamtes Werk dort sein sollte, werde ich einiges zu schleppen haben, etwa auch die zur Zeit nicht mehr greifbaren Ausgaben. Auf alles werden wir, Elvira und ich, aber ganz gewiß nicht zu sprechen kommen können. Wir wollen den Abend als ein durchlaufendes Gespräch gestalten, aus dem immer wieder mit jeweils sehr kurzen Lesungen ausgebrochen wird, die in es aber wieder zurückführen sollen – ein wenig in der Art der → Béartpräsentation in diaphanes’ Berliner Espace. Da war unsere Art, einen Literaturabend zu gestalten, geradezu begeistert aufgenommen worden. Und bei einem so ausufernden Werk wie dem meinen kann nicht jedes Buch eigens besprochen werden, es wird um Übersichtslinien gehen, Motivfolgen, ja -strömen. In denen auch dies hier, Die Dschungel, nicht unangesprochen bleiben kann. Ah, könnte Björn Jager, den Leiter des Forums, schnell noch anmailen und fragen, ob er einen Projektor bereitstellen kann, der aus dem Netz Die Dschungel an die Wand wirft. – Moment.

[9.28 Uhr]
Getan. Außerdem würde ich gerne auch von den → Gedichtvideos eine vorführen, eine kurze, selbstverständlich. Es ließe sich sogar überlegen, ob man nicht zum Abschluß, wenn jede und jeder bereits das Weinglas in der Hand hält, eine der großen Bamberger Elegie abspielt.
Darüber werde ich mich, nun gut, noch beraten, sei’s mit Elvira, na sowieso, sei’s mit Björn Jager. Und soeben habe ich eine berauschende Idee fürs LCB, wo ich vorgestern ohnedies schon mit Florian Höllerer, da wegen einer Béartperformance, sprach. Aber psch! noch kein Wort!! also nicht zu dem jetzt. Aber d a s wäre … — (Wobei es eigentlich ins Haus für Poesie gehörte. Nur gibt’s dort den nötigen Raum nicht.) — Klappe, Herbst!

Ist der Montag “rum”, geht’s an die Messe; vielleicht, daß ich bei Arco und Elfenbein beim Aufbau helfe, sei`s daß Elvira und ich den Tag anders verbringen; die eigentlich für Karlsruhe vorgesehene Lesung, ebenfalls mit Elvira, aber “nur” die Béarts, ist leider ja gecancelt worden. Auf jeden Fall sind zum PEN Berlin-Stand zu bringen, wo ich während der Messetage voraussichtlich auch draus vorlesen werde. Wenn, dann muß es ja terminiert werden; kann auch sein, daß alles längst belegt ist. Wir werden sehen.

Aber, Freundin, zur Buchmesse m e h r werde ich, wie Sie’s aus den Zeiten vor Corona → gewöhnt sind, schreiben, wenn sie läuft. Jetzt muß ich erstmal aus dem Morgenmantel raus (gräßlich, sitze schon wieder um zehn noch immer so herum), dann in den Anzug rein und die Krawatte binden, um mit den Reisevorbereitungen beginnen. Es ist doch wirklich viel zu packen. Immerhin werde ich mich, weil’s schon so früh am Morgen losgeht, nicht groß um Reiseproviant kümmern müssen; es reicht, wenn ich für die Fahrt den Eiweißdrink abends vorbereite und zum Aufbruch aus dem Kühlschrank nehme.

Das Bad ruft. Mich, Geliebteste, und schlägt nun schon zum elften Mal den Gong.

Ihr ANH

АНХ «Корабль-грёза» / ANH “Traumschiff”, Ivan Limbakh Sankt Petersburg. Die Entstehung des Umschlags. Videoinstallation von Ник Теплов / Nick Teplov.

 

Альбана Николая Хербста / Корабль-грёза
[Alban Nikolai Herbst / Traumschiff]
Russisch von Tatiana Baskakova
Ivan Limbakh Verlag, Sankt Petersburg 2022

Videoinstallation: → Nick Teplov

Alban Nikolai Herbst spricht
Alles, was die Welt ist
Zweihundertachtundfünfzigster Tag
Fünfte Serie, Zehnter Tag
Das Ungeheuer Muse

|| “Neapel im April” II

 

 

 

Alban Nikolai Herbst
Das Ungeheuer Muse
Arco Wien & Wuppertal
ISBN 978-3-938375-96-9
Hardcover gebunden
136 Seiten, 20 Euro

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“Toxicity” — Stella Nyanzis Gewissensrede vor der Jahreshauptversammlung des PEN-Zentrums Deutschland am 14. Mai 2022 in Gotha.

… und klatschten tauber Ohren,
blieb Magma ihr entsetzliches Herz:

Youtube

Sowie → bei Youtube.

[Es hat aber, beschämenderweise, gar nichts genützt. Die Kriegsparteien “spielten” nicht, sondern führten, vor allem auf e i n e r Seite, weiterhin verbalen Krieg und einen des wollenden Vernichtens. Nie habe ich direkt einen derartigen Haß erlebt. An sich wäre das deutsche PEN-Zentrum fortan tot, es sei denn, “wir” bekämen noch eine Kehre zustande — vermittels eines Präsidiums, das wirklich für einen neuen PEN steht. Joseph Haslinger, auch wenn er es vielleicht möchte, kann das nicht darstellen, da er, der bis zu den Neuwahlen nun Interimspräsident, schon einmal Präsident war und also ob nolens ob volens für Gewesenes steht, das ein Neues niemals mehr sein kann, sondern das Alte perpetuiert. Zumal er in dem Kampf gegen Yücel selbst Partei gewesen ist und damit nun  auf der – wie verabscheue ich dieses Vokabular! – “siegreichen” Seite steht. Ich denke indes, er wird das selbst sehr genau wissen. Wobei die Gräben, die “zugeschüttet” werden sollen, politische Gräben oder solche des angemessenen Verhaltens gar nicht sind, sondern, aus meiner Sicht, ästhetische – solche, wohlgemerkt, der F a k t u r, nicht etwa der ästhetischen Ausrichtung, also nicht, ob “realistisch”, “phantastisch”, “konkret”, “Avantgarde” usw. Zuschütten lassen werden sie sich nicht, sondern allenfalls verkleistern. Womit das Problem furchtbar b l i e b e, in beiderlei Sinn der Folge dieser Vokabeln.
ANH, Mai 2022]

Alban Nikolai Herbst spricht
Alles, was die Welt ist
Zweihundertsiebenundfünfzigster Tag
Fünfte Serie, Neunter Tag
Das Ungeheuer Muse

|| “Nachtbild mit Kirke” II

 

 

 

Alban Nikolai Herbst
Das Ungeheuer Muse
Arco Wien & Wuppertal
ISBN 978-3-938375-96-9
Hardcover gebunden
136 Seiten, 20 Euro

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Alban Nikolai Herbst spricht
Alles, was die Welt ist
Zweihundertsechsundfünfzigster Tag
Fünfte Serie, Achter Tag
Das Ungeheuer Muse

|| “Yüe-Ling” II

 

 

 

Alban Nikolai Herbst
Das Ungeheuer Muse
Arco Wien & Wuppertal
ISBN 978-3-938375-96-9
Hardcover gebunden
136 Seiten, 20 Euro

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