III, 466 – und beten gemeinsam

Schon traute ich mich wieder seit ein paar Tagen, tagsüber die Tür offen zu lassen. Der Grund fürs Gegenteil: eine dicht mit rot-weißem Fell bedeckte Katze, die zuweilen einen Nachmittag unter dem nun gar nicht mehr blühenden Flieder im Hof verdöst, was mich indes nicht weiter stört. Nur daß sie bei offener Tür eben doch in die Wohnung geschlichen kam. Bin gern Herr der Fliegen, mache mich ihnen zuweilen sogar dienlich (Herr und Diener), indem ich, genervt von dem Gerumse besonders der dicken Brummer oder Bienen oder Wespen gegen die Fensterscheibe bei ihrem Versuch, ins vermeintlich Blaue zu entschwinden, zwar nicht anfange, “Volare” vor mich hin zu singen, aber eben doch gelegentlich caritatevolmente und somit eigennützig das Fenster öffne.
Einladung ins Weite. Indes kein “Komm hinaus ins Offene“, sondern ein “Geh!”. Ins Offene bzw. Weite lade ich derzeit niemanden ein und schon gar nicht eine Katze zum Bleiben. Es sei denn, mich lockt ein Trommeln vom Rathausplatz her, wie gerade jetzt. Was mich wunderte: die Festlichkeiten für den heurigen “Palio” (der jetzt bereits seinen Anlauf hätte nehmen sollen) sind abgesagt. Auf diese Weise hinausgetrommelt wohnte ich letztlich einem Gottesdienst bei “in dieser Kathedrale unter freiem Himmel”, womit der Priester in seinem grünen Ornat den Rathausplatz meinte.

Anlaß: Der Tag der heiligen Anna und des heiligen Joachim, Christi Großeltern. Und in Richtung Familie (Oma, Opa, Mutter, Vater (oder sagte er umgekehrt “nonno, nonna, padre, madre”?) ging denn auch sein Reden. Ohne richtige Familie keine richtige Gesellschaft. Jetzt trommeln sie wieder, nachdem alles vorbei und ich wieder hier am Tisch sitze. “Im Grunde möchte man in Rom und in Moskau ein und dasselbe: von unten her die mythischen Kräfte erneuern und von oben her einen Glauben schaffen, der alle Menschen verpflichtet. […] Soll die Masse aufhören, Masse zu sein, so bedarf es der Sakramente…” (Kracauer, Georg, wobei er einen gewissen Soziologen namens Rosin zitiert (es wird Salon gehalten, der mit einem reichhaltigen, für Inflationszeiten wahrscheinlich sogar luxuriösen Buffet beginnt)).

In der Tat, während des Gottesdienstes trommelte niemand. Meine Blicke waren auf die frühabendlichen Lichtspiele (Lichtspieltheater!) und speziell zwei Körper gerichtet, was sich im jeweiligen Blick insgesamt zu Formen entpersönlichte. Was nicht wie der Katzenblick etwas wollte. Nur Sehen und Wahrnehmen ohne anzunehmen. Mochte den Gottesdienst auch nicht verlassen wie einer, der sich davonstiehlt. Sondern wartete bis zum Ende, als diejenigen, die sich freiwillig für die “comunione” gemeldet hatten (per Handzeichen auf die entsprechende Frage hin, wie in der Schule), nach vorne “stürmten”, um sich die Oblate in den Mund schieben zu lassen.
Und war tatsächlich so: “Menge und Schliff, / bis keiner mehr glaubt, was er glaubt, / doch allewir tun, als wären wir einig, / und beten gemeinsam.” (ANH, Béart II, in: Der Literaturbote, Nr. 118 & 119, Dezember 2015). Und wohnte den Gebeten bei und, da ich sowieso an die Mauer der schon geschlossenen Bar am Platz gelehnt stand, mußte ich mich nicht extra in den bestimmten Momenten der Liturgie erheben, die ich eh’ nicht kenne. Unvermeidlich, daß auch eine Großmutter mit einem Kinderwagen aufkreuzte. Bekreuzigen war auch ausgeschlossen. Ich kann’s nicht. Es würde ausfallen, wie bei der Person des “Ugly” in “The Good, the Bad and the Ugly”.
Ugly enough, habe ich mich jetzt in eine Situation hineinbugsieren lassen, in der mir nur noch bleibt, die schnellkochenden Fertigtortellini in kochendes Wasser zu werfen. hUnGrY! Etwas, was auch im Blick der Katze lag und immer liegt. Sträun du, ich sträun’ anderwärts. Und vermeintlich nur ins Weite.

III, 465 – wo ich sein werde

III, 465 – wo ich sein werde

Man habe, hieß es dann nach einem langen Bericht über die Krankheit des Schwagers, der nun (aber jetzt doch nicht mehr (was ist “jetzt”?)) im Krankenhaus liege wegen Fieber und Schüttelfrost, rätselhafter Zysten an der Leber und auch sonstiger Beschwerden (ob sie öfter in den Wald gingen, habe die Ärztin gefragt, was bejaht wurde… insofern auch die Hypothese irgendwelcher Tierchen, die unbemerkt in den Körper gelangen (man habe aber keine gefunden), Covid sei’s jedenfalls nicht, aber ansonsten wisse man nichts), mal darüber gesprochen, auch im Beisein des Neffen, was denn nun sei, wenn ich mal… Denn da sei alles Mögliche zu erledigen, und alles in einer Sprache, die man nicht verstehe. Ich solle doch mal darüber nachdenken. So die Schwester gestern am Telefon (wann war das?).
Die Sprache, die ich nicht spreche. Die Sprache des Körpers, die niemand spricht. Allein ausgehend von der Alterszahl, ist jede Spekulation überflüssig. Etwas für Versicherungsmathematiker. Natürlich gelegentlich der Gedanke, alles was wichtig ist, für den Fall aller Fälle zugänglich zu machen. Wenn es nur die Gegenwart gäbe, könnte ich noch endlos lange aushalten (Peter H.E. Gogolin, Kinder der Bosheit). Aber ich habe weder eine “Lebenspartnerin” noch Nachkommen. Insofern sollte es mir erlaubt sein, einfach mal einen Abgang zu machen. (Was einem so dazu einfällt). Was danach kommt, ginge mich dann nichts mehr an. Das eigentlich Üble daran: sich im Leben schon mit dem Tod zu umgeben. Es fliegen einst sowieso dreizehn Raben um die Felswand des Lebens wie in BuzzatisBarnabò”:

Die Geschichte Darrios, auch er war Waldhüter. „Es gibt Diebe in den Bergen,“ fuhr er fort. „Sie entfliehen den Gefängnissen und suchen dort oben Zuflucht. Den einen oder anderen Tag kommen sie herab, um zu stehlen und Unheil zu stiften. Man muß nachschauen gehen.“ Und ging fort am Morgen, geradeaus durch den Wald, über ewig langes Kiesgeröll, und nur Gott weiß, wie er es schaffte, die Felswände hinaufzuklettern. Die Diebe, sagte er, aber vielleicht glaubte er selbst nicht daran. Er blieb ganze Tage lang fort am Rande der Abgründe. Und doch kehrte er, tüchtig wie er sonst war, eines schönen Tages nicht mehr zurück. Man wartet, man sucht im Wald, man dringt bis unter die Felsen vor und läßt das Horn ertönen, daß alle Berge davon widertönen. Und sieht nicht eine Woche später Bertòn, der vom Pulvermagazin herabstieg, dreizehn Raben, die um eine himmelhohe Felswand kreisen? Er liegt auf dem Felsspitz unterhalb des Baston del Re. Seine Knochen ruhen noch immer dort auf einer kleinen Terrasse. Alles in allem hatte er es so gewollt.

So eine Ad-hoc-Übersetzung eines Kapitels neulich (wann war das?). Ich nannte es “Schmecken”, diesen Vorgang. Klar, “Mit den Sackgassen sprechen”. Mein liebster Celan-Vers. Und den Zipperlein gut sein. Besonders dem Hühnerauge unter der linken Fußsohle (aber die unter dem rechten ist allerdings ausgewachsener), die für die Kupplung zuständig ist, so daß sie bzw. es direkt ins Nervensystem als Schmerz übergeht. Montag, am 29.6. (immerhin ein sicheres Datum!) merkte ich es besonders, als ich vom Bahnhof Orte Scalo wieder zurück nach Amelia fuhr. Da war ich in Rom gewesen. Es war Sankt Peter und Paul, Feiertag für die Römer, weil deren Schutzpatrone. Allerdings machte sich beim Umwandern der Villa Massimo auch das Hühnerauge unter dem rechten Fuß bemerkbar, das beim Gasgeben (auch bei den Gastgebern schon) allerdings sich ruhig verhielt. Und so ward in ihr, der Villa, ein Nachmittag verplaudert, um den es zuletzt wildwachsend grünte und lauthals sittichte. Aber das ist alles schon mehr als zwei Wochen her.
Wieder hier, ärgerte mich ein paar Tage später wieder die Copyright-Politik: auf arte.de wäre zu sehen gewesen Fassbinders ‘Berlin Alexanderplatz’ in voller Länge, nur leider in meinem Lande nicht zu sehen. Wäre eine nette Abwechslung zu den üblichen Katastrophenfilmen gewesen, die ich mir derzeit antue, sobald ich zu mampfen beginne. Die Ausweglosigkeit des Essens übertrag in die Ausweglosigkeit des drohenden Endes. Am Ende des Essens rülpst man sozusagen und schaut sich schließendlichen Ausweg an: geschafft: Essen und Film. Oder es sind Zehn-Kleine-Negerlein-Geschichten. Wobei mir einfällt, Mauro bleibt heute nach wie vor aus, dieser Mohr! (Mittlerweile ist er wieder aufgetaucht und bracht noch zusätzlich zum Wein einen Salatkopf, drei Peperoni, zwei dicke Zucchini und vier Auberginen).
Im Nerd-Dasein Bach, French Suites (irgendwo bei Youtube): ein gelegentlicher Klang, der zum PC aufblicken läßt, als wäre etwas angekommen oder kommentiert worden.
Ein anderer Nachmittag. Bio-Laden. Die Neue hatte mir erzählt, sie arbeite im Winter im Aosta-Tal. An besagtem Nachmittag trug sie ein T-Shirt mit der Aufschrift “Maison Vieille”. Ob sie dort arbeite, so gleich unter dem Mont Blanc, was sich aus dem weiteren Text ergab? Sie wölbte die Brust, um es mich besser sehen zu lassen. “…die Menschen sind Körper…” (Kracauer, Georg).
Über seine “Verfahrensweise” schreibt Oswald Egger in “Die ganze Zeit”, sie ermögliche es, “zu springen über die Wort- und Silbenfelder […], kreuzüber, zwerchs, nach anderen Orten und Anstößen von dort”, wo er dann nicht sei (oder sein könne), “vielleicht da bin ich dann dort (ich meine) da wie dort.” Es entbehrt seine ganz eigene Wortgeologie nicht eines gewissen Reizes, was sich von “gewiß” herleitet, einem “certamente”, obwohl man zuweilen davor sitzt wie vor einer Seite FW.
Dieweil letzte Endjuli-Mühen, dann drei Wochen Urlaub in Amelia. Entsprechende Mails wurden bereits abgeschickt: Ich bin nicht da, wo ich bin, sondern dort, wo ich sein werde, nämlich dort, wo ich ohne eure Aufträge sein werde.

III, 464 – It’s a Boo –

III, 464 – It’s a Boo –

Dies viele viele Grün“.
Von außen gesehen, sah’s komisch aus: innen ein Pfeil nach links mit der Aufschrift “Entrata”, ein Pfeil nach rechts mit der Aufschrift “Uscita”. Draußen am Eingang: “Nur nach Voranmeldung” mit entsprechender Telefonnummer. Ich wollte schon wieder gehen, da niemand sonst zu sehen, mit dem ich einen Termin hätte vereinbaren können. Doch dann sah ich Antonio kommen, der mir normalerweise die Haare schneidet. Und das machte er dann prompt ohne Voranmeldung. Wie aus dem Ei gepellt. Ich. Dann und jetze.
Verschiedene Verhaltensweisen der Friseure. Antonio nur mit Gesichtsmaske. Fummelte auch dauernd an meiner Maske herum, um um die Ohren herum besser schneiden und rasieren zu können. Der Kollege zusätzlich mit einem Plastikvisier vor dem Gesicht.
Draußen hatte es wieder angefangen zu regnen in jener wetterinstabilen Zeit (a week ago). Einen Schirm hatte ich nicht, ließ mich also ein wenig beregnen. So weit war’s nicht zum Auto. Dann zum apothekennahen Parkplatz. Und nach wie vor ein paar Tropfen, aber dann beruhigte es sich.
Kaum war das Auto wieder in Gang gesetzt, senkte sich das Fenster links von mir, ohne daß ich irgendetwas berührt hätte. Und es ließ sich auch nicht mehr hochfahren. Je nun, es regnete nicht mehr. Aber das Problem stellte sich: wenn das offen bleibt, wo lasse ich, wenn es regnet und überhaupt, mein Auto.
Das war also ziemlich unverzüglich zu lösen, das Problem. Mein Batteriefachmach, bei dem ich auch meine Gasflaschen während der kälteren Jahreszeiten kaufe, hatte zwar keine Lösung, aber einen Rat: fahr zu dem und dem Kfz-Elektriker, den er dann per Handy anrief. Der wußte gleich, was los war. Schaffte es auch, die Scheibe wieder zu schließen, indem er den Zündschlüssel von außen ins Türschloß steckte. Er müsse eben nur das defekte Teil bestellen. Dann vielleicht morgen (d.h. wir befinden uns an einem Donnerstag) oder Montag.
Wahrscheinlich saß ich dann am Wochenende wieder am Schreibtisch, jedenfalls kam Freitag nur der telefonische Bescheid, daß das Teil Montag kommen werde. Und dann,

An jenem Sonntagmorgen,

es kann auch der Nachmittag gewesen sein, als ich bereits meinen Küchentischfeierabend einleitete und der Meditation mit meinem derzeit Lieblingsfeierabendspiel (sag’ ich nich’) nachging, und in die Stille dann eine Taube ständig den montonen Gesang von sich gab, der sich anhörte wie ein Mantra mit dem Wortlaut “ne Lüge, ne Lüge, ne Lüge” (funktioniert aber nur, wenn das “ü” nach unten in die Kehle gezogen wird),

um halb elf überquerten zwei Autos den Bach und fuhren ins Tal. Im ersten saß Art Longwood, ein örtlicher Florist, mit seinen Kindern, und seiner Frau (jetzt Mrs. Deforest). Im folgenden sah ein Ranger Arts Vater, Stiefvater und Schwiegervater. Die drei alten Männer machten sich auf den Weg zur Höhle. Durch klimperndes Unkraut fuhr Art langsam. Schön war der Morgen, mit hellen Wolken in der Ferne. Kinder und Comics verließen das Auto. Der schweigsame Art, der den ganzen Tag ein Ding anstarren konnte, sah zu, wie ein Käfer auf einen Halm kletterte und davonflog. Pauline hatte Asthma, Paul benutzte eine Krücke. Sie waren süße kleine Racker, konnten aber nicht viel laufen. “Ich wünschte”, sagte die Mutter zum verkrüppelten Paul, “ein Mann würde dir beibringen, wie man den Ball wirft.” Der schweigsame Art nahm den Ball und warf ihn hoch empor. Er blieb in einem Baum stecken, der gerade vorbeikam.

Wie die Taube mit ihrem “ne Lüge, ne Lüge, ne Lüge”…

Und der ernste grüne Pilger drehte sich um und blieb stehen. Die Kinder warteten, aber es fiel kein Ball herab. “Ich bin in meinem zaghaften Lenz nie auf Bäume geklettert”, dachte Art; und begann sogleich zu klettern. Ab und zu konnte man seinen Ellenbogen oder sein Knie in einem Puzzle aus Blau und Grün sehen. Hoch und höher schwirrte und schimmerte Art Longwood, und die Blätter sagten ja zum fragenden Wind. Was für Tiaras und Gärten! Welche Ströme von Licht! Welch zugänglicher Äther! Welch leichtes Fliegen! Seine Familie kreiste den ganzen Tag um den Baum. Pauline folgerte: “Papa ist davongeklettert.” Niemand sah, wie die außer sich geratenen himmlischen Scharen den Helden von der Erde aus im Schnee und in den Wolken begrüßten. Mrs. Longwood machte sich ein wenig Sorgen. Er kam niemals herunter. Er kehrte nie zurück. Am Fuße des Baumes fand sie einige Veränderungen. Den Kindern wurde langweilig. Paul wurde von einer Biene gestochen. Die alten Männer kamen vorbei und schauten hinauf, jeder hielt fünf Karten und einen Pappbecher in der Hand. Autos auf der Highway hielten an, fuhren rückwärts und watschelten dann auf einer zerfurchten Straße ins Tal. Und der Baum war plötzlich voller Lärm, Kongressteilnehmer, Fischer, sommersprossige Jungen. Anakondas und Pumas wurden von einigen erwähnt, und es kamen weiterhin alle Arten von Menschen: Baumchirurgen, Detektive, die Feuerwehr.

“They sought it with thimbles, they sought it with care; They persued it with forks and hope; They threatened its life with a railway-share; They charmed it with smiles and soap.” (Lewis Carroll: The Hunting of the Snark).

Ein Krankenwagen parkte im tanzenden Schatten. Ein betrunkener Schurke mit einem Seil und einem Gewehr traf am Tatort ein, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Forscher, Dendrologen – alle waren da; und ein seltsames blasses Mädchen mit Zigeunerhaaren. Und von Cape Fear bis Cape Flattery hatte jede Zeitung: Mann in Baum vermisst. Und die himmelwärts strebende Eiche (wo Eulen hockten und der Mond Gold tröpfelte) wurde gefällt und durchsucht. Sie entdeckten einige Raupen, eine rotwangige Galle und ein altes Nest mit einem neu gelegten Ball.

So komm’ ich, frischgeschoren, mir derzeit auch vor. Eher wohl: Egghead-shaped Humpty-Dumpty.

Sie entfernten den Stumpf, stellten Geländer und Schilder auf. In Rosen und Weinranken eingebettete Toiletten. Mrs. Longwood, retuschiert, als die Kinder starben, wurde die Traumbraut eines Fotografen. Und nun besuchen die Deforests, mit nun vier alten Männern, als reguläre Touristen das Tal; Sie essen zu Mittag, schauen auf und nieder, waschen sich die Hände und fahren zurück in die Stadt.

Das als Zitat eingerückte: meine Ad-hoc-Prosaübersetzung von “The Ballad of Longwood Glen” (dem Link folgend, kann man Nabokov diese Ballade lesen hören) by mister Vladimir Nabokov, der sich darüber so äußerte: “I still think it is one of the best I ever wrote.”
Am Montag rief der Kfz-Elektriker wieder an: das Teil sei angekommen. Ich fuhr am Diensttagnachmittag hin. Er brauchte nur fünf Minuten: Vierzig Euro.

Then followed a torrent of laughter and cheers:
Then the ominous words, ‘It’s a Boo -’

(“Hunting of the Snark”) Am Tag danach übersetzte ich Nabokov. Immerhin eine aufregende Woche.
Und gerade jetzt: flattering S. in the Bioladen: Stai proprio bene con i capelli corti!

III, 463 – Schattenprozession

III, 463 – Schattenprozession

Gespenstisch war’s dann doch, als ich am Tag, nachdem ich einer mir bekannten Person über FB zum Geburtstag gratuliert hatte, in einer lokalen FB-Gruppe einen Beitrag fand, der den Namen der gratulierten Person mit einem RIP in Verbindung brachte. Gestern fragte ich im Bioladen nach (in dessen Umfeld man sich einst kennengelernt hatte… was man so kennenlernen nennt) und erfuhr, sie sei schon vor einigen Tagen gestorben, so daß ich einer Toten zum Geburtstag gratuliert habe.
Die’s mir sagte, war S., die Neue im Bioladen. Sie schafft es immer wieder, mich in ein Gespräch zu verwickeln. “Romana di Roma”, San Lorenzo, per intenderci. Und so ging’s dann auch los, daß sie sich nämlich oft frage, was denn “danach” sei. Da müsse doch irgendetwas sein. Niente, meine Antwort, außer vielleicht noch einem Achselzucken. So richtig könne sie es sich nicht vorstellen, dieses Niente, ja, sie versperre sich diesem Niente. Naja, vielleicht noch Humus. Skeptische Blicke. Die Vorstellung, fiel mir dann ein, die mir vom Danach gefalle, sei, daß man in den Köpfen der anderen weiterlebt. Worauf wir uns dann einigten.
Mittlerweile im Bioladen-Angebot Corona-Masken. Sie, die Neue, hatte mir das Mal davor etliche unter die Nase bzw. vor die Augen gehalten. Die kleineren mit florealen oder graphischen Mustern bedruckten erinnerten mich an Slips oder zumindest Bikini-Unterteile. Wozu S.. zwar etwas skeptisch, aber ohne Widerspruch nickte. “Slips”, quittierte sie. Die größeren Masken in Vollfarben. Bis sie mir ein Blau hinhielt, dessen Farbton mich an Herrenunterhosen erinnerte. Herrenmasken? Nein, ich kaufte keine Maske. Ich hab’ noch welche aus der Apotheke, die man hinter den Ohren festmachen kann. Denn, wie soll ich, dachte ich, zum Friseur gehen, wenn das Gummiband über den Hinterkopf zu stülpen ist?

Das liegt bereits zwei-drei Wochen zurück. Mein Haar wird immer länger. Plötzliche Brotarbeiten hindern mich derzeit ständig, überhaupt etwas zu planen.

Und heute, am Fronleichnamstag, nicht mal eine Schattenprozession, keine blumengeschückten Gassen bzw. Infiorata. Hübsch aber jetzt die Stelle eines Kraftwerk-Konzerts zum Beginn von “Autobahn”: die Fiktion eines zunächst nicht anspringen wollenden Käfers (? ja doch, das typische Motorengeräusch eines Käfers, man erkannte es schon von weitem).
Mein Weiterschreiben hat etwas von diesem nicht anspringen wollenden Käfer.

Das letzte Mal gelang es mir kurz vor dem 29. April, dem Tag, an dem ich die → Nachricht von der Karzinom-Diagnose erhielt. Das lähmte sowieso. Eine Woche lang infauste Vorstellungen. Aber dann kam er wieder zurück mit seiner Mephistophelin, aus eines Pudels Kern entstanden. Und dann mochte ich das Nefud-Narrativ nicht unterbrechen. Also eine gewisse Scheu. Aber es sei immer noch vorhanden die Vielfalt des Alltags (oder Alttags, wenn ich meine Schreibzeiten berücksichtige). Natürlich chromatisch verbrämt, wie dieser täglich gesehene Winkel, sobald ich vom Schreibtisch aufstehend kurz aus dem Fenster schaue.
Und noch einmal Ricarda Junges Stimme herbeirufen. Ich meine tatsächlich die Stimme, das Timbre, die Artikulation der Worte. Es ist die Aussprache des Deutschen, die ich liebe. Und die mich entfernt an Dingerchen erinnert wie 99 Luftballons, wo ich es ebenso empfinde, weshalb ich’s mir gelegentlich doch noch mal wieder anhöre. Heimatsprech. Irrationales Sich-angeheimelt-fühlen. Iss so. Aber auch der Inhalt, der ein gedankliches Einhalten b-einhaltet. Bein sagen und Knochen meinen. Schlüsselbein.

Phôl ende Wuodan fuorun zi holza.
dû wart demo balderes folon sîn fuoz birenkit.
thû biguol en Sinthgunt, Sunna era swister;
thû biguol en Frîja, Folla era swister;
thû biguol en Wuodan, sô hê wola conda:
sôse bênrenki, sôse bluotrenki,
sôse lidirenki:
bên zi bêna, bluot zi bluoda,
lid zi geliden, sôse gelîmida sîn.

Merseburger Zauberspüche aussprechend, schielend zu Nabokovs Gesicht (ich meinte Gedicht, aber vielleicht liegt’s am Cover meiner aus England bestellten Ausgabe der Collected Poems) “Lilith” (“Shielding her face and to the sparkling sun / showing a russit armpit, in a doorway / there stood a naked little girl” (all ending in a world, where hell’s mood reigns, quite onangonamed (FW)), um auch der Silbe “li” gerecht zu werden. Und schweige von Malapartes Neapel kurz nach der Befreiung in “La Pelle” und den blonden Schamhaarperücken, die den schwarzen Amis so sehr gefallen, oder der Seekuh, una sirena (Sirenia, mit den Elefanten am nächsten verwandtes Rüsseltier (bei Malaparte allerdings als Fisch bezeichnet)), die als letztes Exemplar des neapolitanischen Aquariums gekocht auf dem Tisch eines US-Generals serviert wird und aussieht wie ein gekochtes kleines Mädchen, das niemand essen will.
Malaparte lesen: verstörende Geschichte aus einem verstörten Europa. Auch bei ihm immer wieder der Anlasser bzw. das Konstruieren der Veranlassung (stets in hohen gesellschaftlichen Kreisen, besonders in “Kaputt”, bevor die jeweilige Geschichte tatsächlich erzählt wird. Daneben noch sein posthum erschienener, nicht übersetzter “Ball im Kreml” – Moskau 1929, Sowjetadel, einst gedacht als Fortsetzung zu “Kaputt” und “La pelle”.
Indes, so las ich heute in “An Evening of Russian Poetry” (Nabokov): “The rhyme is the line’s birthday”, um diesen Text mit einem allerdings ungereimten Geburtstag abzuschließen.

III, 462 – Spleen

III, 462 – Spleen

Und langsam stellt sich nun doch boredom ein. Das Nicht-in-die-Gänge-kommen am Morgen (eher schon: Vormittag). Der hohe Grad an Unlust vor dem endlich aufgebauten Bildschirm, dem, was tatsächlich immer noch trotz aller Unkenrufe an täglicher Brotarbeit zu verrichten ist, nachzukommen. Von der Menge her allerdings erträglich. Unerträglich indes das Anfangen. Stand up, go and smoke. Turn back. Turning the back again.

Nichts gleicht an Langsamkeit der lahmen Tage Stocken,
Wenn unter schwerer Zeit eisgrauen kalten Flocken
Der Überdruß, der dumpf aus müder Unlust steigt,
Anschwellend dir das Maß der Ewigkeiten zeigt.

(Baudelaire, Spleen (Trübsinn bei Terese Robinson, von der die Übersetzung stammt): Rien n’égale en longueur les boiteuses journées, / Quand sous les lourds flocons des neigeuses années. / L’ennui, fruit de la morne incuriosité, /Prend les proportions de l’immortalité.)
Soweit mein Trübsinnsauftakt am 25.4., dem Tag der Befreiung, der ein Video mit der einsamen Bürgermeisterin vor dem Gefallenendenkmal bescherte und in gebührendem Abstand zwei Stadtpolizisten (nee, doch nur ein Foto, und auch das war wie das Video jetzt partout nicht wiederzufinden). Aus irgendeinem Lautsprecher habe man die italienische Nationalhymne erklingen lassen statt Bella Ciao (versione amerina mit am Ende: Valda!), was heute deutlich nach dem Muster vertreten war: ein jeder in seiner Behausung. Nur, daß diese sich häufenden Selbstvideos von zu Hause aus wiederum ein Gefühl der Depression verbreiten. Wie teile ich mich mit? Ja, oft eine musikalische Performance oder ein Hydepark-Redner (ja, eher Redner als Rednerinnen), ein Welterklärer. Wie ich? Nein, wohl eher nicht. Eine wahrscheinlich vom Bildverlust eingegebene typische Handke-Fragestellungs-weise.
Wichtig war eher der vorgestrige Gang in die Unterstadt. Zur Apotheke. Maskenbewehrt. Auch die Stadt hat schon Gratismasken verteilen lassen. Fand neulich eine solche in meinem Briefkasten. Plastikbeutel mit Stadtwappen. Die Maske in einer für orthopädische Artikel typischen Tönung, beige-grau. Keine mir genehme Farbe.
Achso, was war denn nun wichtig? Na klar, die ersten Mauerseglerschreie! Den Ohren die rechte Musik. Wie eh und je. Und das Vorbeigehen an der Schwalbenecke, die tschilpten auch schon herum im Hin und Her zwischen ihren Schwalbennestern und der freien Luftbahn im jäh sich öffnenden Raum.
Aber dann doch wieder das Trübsinnige der Maskenbegegnungen, zu raten, wes’ Gesicht dahinter wohl steckt. Und natürlich das unangenehme Anstehen in der Gasse vor der dann Apotheke. — Zum Glück nur vier Vormänner, keine Vorfrauen. In der Farmacia, vor Plexiglasscheiben, Desinfektionsmassenware.
Dieses Mal langte ich nicht zu, aber im Supermarkt neulich war’s unwiderstehlich, nach einem Produkt mit dem Namen “Bakterio” zu greifen, Desinfektionsmittel für Oberflächen im Bad. Vielleicht auch deshalb, weil man sah, da haben sich andre schon kräftig bedient. Must have. Aber jetzt weiß ich nicht mehr, wozu es gut sein soll. Die Oberflächen im Bad von mir selbst zu desinfizieren? Hm.
Maskenbegegnungen: neulich im Tabakladen das herzliche Ciao einer weiteren Kundin, die ich wegen der Maske nicht wiedererkannte, nur ahnte, wer’s war. Mehr solche Unsicherheiten im öffentlichen Nahverkehr.
Hinzu kommen Episoden wie eine Mail: ob ich nicht eine gute Übersetzung von Rilkes “Panther” kennte, ihr, deren Vater vor kurzem gestorben, sei gerade danach. Man denkt sich werweißwas für Befindlichkeiten aus. Also suchen und finden und schicken. Es vergehen Stunden, aber keine Antwort sagt wenigstens danke. So daß man etwas eher Seltenes tat: mal kurz per Handy nachfragen. — Kurz, ich machte mir Sorgen. Alles ok, sie habe meine Mails gesehen, sie sei gerade dabei, Abendessen für sich und irgendeinen Dingsbums vorzubereiten. Sie würde mir am nächsten Morgen antworten. Insofern habe ich nur Gespenster gesehen. So entstehen dann gegenseitige Peinlichkeiten.
Und, ebenfalls neulich, bat man ihn (nicht mich), Frank O’Haras “Spleen” ins Italienische zu übersetzen:

Tedio

Ne so tanto
delle cose, e tanto
ne accetto, fino
alla nausea. E mi
nutre la miseria di
sapere così tanto
degli altri, di quello
che fanno, facendo
buon viso a quel che odio
come se non sapessi
quel che, per me, è.
Sapendo e odiando
quel che, per loro, è.

III, 461 – Dualismo

III, 461 – Dualismo

Es ist fatal: ich lebe seit nunmehr einer Woche (obwohl ich im Zeitgefühl ein “seit zwei Wochen” habe) mit dem Eindruck, die Brotarbeit ebbe ab (in einem Reimschema müßte es wohl abba|cd heißen), und ich könne ohne “schlechtes Gewissen”, sozusagen gutwissentlich so lange im Bett liegen bleiben, als es mir laut Eigenermächtigung frommt. Rien à faire. Dennoch stehe ich derzeit gegen neun/halbzehn auf. Dann braucht es immer noch eine gute Stunde, ehe ich in Gang komme und den funktionierenden Homunculus hervorzaubere oder einfach nur -bringe.
So gab’s auch über Ostern einen Monolog über Beethoven oder vielmehr seine Schwägerin Johanna (von einer Freundin vermittelt — und Komplimente für die Übersetzung freuen einen natürlich (dazu schon allet bezahlt und unter Dach und Fach) —), einen gerichtlichen Mahnbescheid. Es folgte prompt eine Datenschutzerklärung.
Und heute, wo ich dachte… wieder mal ein Probiotikum-Text.
Anderes gleitet dabei etwas in den Hinter-, dafür “Star Trek” (derzeit abends) in den Vordergrund  — etwa die neulich ventilierte Übersetzung von “Dualismo” als Ergänzung zum “König Bär”, ein drittseitiger, von mir aber angenommener Vorschlag (erst heute dazu gekommen, etwas mehr in diesen Dualismus einzudringen):

Darum der trüb gestimmte
Reigen meiner Gedanken,
Mal sanftmütig und rosig,
Mal gewalttätig und schwarz;
Darum dumpf und im Überdruß
Das Anlegen der Metren,
Um die Verse zu fesseln.

Alles sieben mal sieben. Bei “neunundvierzig” dachte ich gerade an die Menge der Zähne. Aber es scheinen eben doch nur siebenundvierzig zu sein. Nicht unbedingt eine Zahl, auf die ich derzeit komme, denn einen weitereren verlor ich spontan um Palmsonntag herum, nicht ohne zu protestieren. Daß er mich dann auf einfache Berührung hin von selber verließ, war eine teilweise Erleichterung: Ich muß nicht sofort zum Zahnarzt (Victoria Regia… die Website funktioniert, die gefundene Referenz weiß aber nichts von Öffnungszeiten). Was mir in diesen Wochen nicht als wirklich erstrebenswert vorkommt.
Dazu die Idee, mich mit dem “Partigiano Johnny” zu beschäftigen und dessen sehr introvertierten, mit englischen Einsprengseln gespickten Duktus, in den Fenoglio seine tatsächlich erlebte Partisanenrealität kleidet, mitten in einem piemontesischen Winter. Einiges vorangebracht, aber noch nicht genug.

Parkplatzlücken und Zahnlücken. Ja, ich schaue aus dem Fenster und registriere die Parkplatzlücken. Obwohl mein Auto seit etlichen Tagen seinen festen Platz hat, auch sein Nachbar hat sich seit geraumer Zeit nicht mehr bewegt. Dennoch gibt es Momente, da sprießen Personen auf dem Platz hervor. Die Lust, dann hinunterzugehen, ist nahezu unwiderstehlich. Und zu sprechen. Das funktioniert mittwochs, wenn der Bioladen gegenüber auf Vorbestellung Gemüse ausgibt, die ein Bauer aus der nahen Umgebung bringt. Und ich bestelle selbst, auch einfach nur, um ein Gefühl von Begegnung zu haben. Ansonsten der regelmäßige Gang zum Tabakladen. Aber da eher eine Daseinsvertrautheit als -nähe.

Auf andere und doch vergleichbare Weise wie die Schlangen hielten sie [die Träger] einen beim Wegsuchen im Weg- und Steglosen von den Finger- bis zu den Zehenspitzen wach, verhinderten die – besonders für einen Alleingeher – so fatalen Voreiligkeiten, bildeten eine Art Rüstung der Besonnenheit, leiteten einen und spurten einem vor auf dem, in der Sierra jedenfalls, einzig ergiebigen Mittelweg, dem zwischen Schwerkraft und Beflügeltheit.
Handke, Der Bildverlust.

 

III, 460 – Weichbilder

III, 460 – Weichbilder

Was besonders auffällt in den hiesigen Gassen: Die älteren Frauen (Witwen?), die sonst — mal die mal die mal die immer eine oder die immer zwei — vorm Tabakladen, gegenwärtig waren und ein höfliches Grüßen allemal erheischten, das gleichsam (“das gleichsam streichen!” – Handke, Bildverlust, 395) bzw. das ein kurzes Lächeln bedingte von der Art: Wir haben uns schon oft gesehen und erkennen uns wieder, auch wenn wir nichts voneinander wissen. — Sie sind verschwunden aus dem “Weichbild” der Gassen. Möglich, daß Angehörige sie angefleht haben, nicht mehr sich im öffentlichen Raum blicken zu lassen oder überhaupt dort zu verkehren.
Zaghaft seit langem heute wieder zur Weinkellerei Zanchi. Vorheriger Anruf mit der Frage, ob sie denn in diesen Zeiten wie üblich funktioniere. Was bejaht wurde. Und ich druckte brav, wie auch gestern schon, als ich zur Post ging (dort eine aus Einzelpunkten bestehende Schlange, die keiner geraden Linie entsprach, sondern eher auf Zuruf funktionierte: “Wer ist der letzte?”) meine Eigenerklärung mit den nötigen Angaben. Indes hat es noch niemals Kontrollen gegeben.
Auch die Weinkellerei hatte ihre Vorkehrungen getroffen. Der Eingang war mit einem Tisch versperrt, darauf ein Behältnis mit der schriftlichen Aufforderung, dort hinein das Geld oder die Kreditkarte zu legen. Die übliche Samstagsfrau trug eine weiße Gesichtsmaske. Ich selber auch, neulich im Tabakladen gekauft. Ob ich das sei, der heute morgen angerufen habe, fragte sie. Was ich als sozusagen Stammkunde durchaus bejahen konnte. — Ich legte das abgezählte Geld in den Behälter. Sie legte den Bon dito in den Behälter. Alles berührungslos.
Auch sonst die Beobachtung, daß die meisten Leute auch Ex-und-Hopp-Handschuhe tragen. Habe ich aber nicht.
Schauen auf die Reben des Weinbergs: es fängt an zu sprießen. Und tatsächlich in dunstiger Ferne die doch noch Schnee tragenden Flanken des Terminillo, dem im Winter gänzlich schneeverwaisten.
In die üblichen Weiten des Alltags wehte eine Todesnachricht. Ein Schulkamerad aus Dorfschulzeiten (grad mal einen Monat älter als ich) sei gestorben. Aber wohl nicht am Virus. Er hatte sich schon seit Jahren (Jahrzehnten? (zwei ist Plural… aber ich weiß nicht mehr, wann mein letzter Besuch stattfand)) wegen der Folgen eines Schlaganfalls total zurückgezogen: eine Art Selbstisolation. Er blieb dennoch im Gespräch bei meinen letzten Schützenfestbesuchen im Dorf: “Weißt du noch?”.
Er sei im Wolfsburger Krankenhaus gestorben. Allein. Da derzeit dort keine Besucher hereinlasse würden. Unter anderem: Nierenversagen.
Der vorgehabte diesjährige Schützenfestbesuch wird wohl ausbleiben müssen.
Und überhaupt alles Aus- und Einreisen. Auch wenn ich dafür wäre, es dennoch zu tun, aber es bleibt eine Unverantwortlichkeit. Beispiel: Nachbarort Giove: Man hat dort im Supermarkt versäumt, den Fall einer Mitarbeiterin zu melden und den Betrieb wie üblich fortgeführt … so kamen dann andere Fälle noch und noch. Und es entstanden zwischen den verschiedenen Bürgermeistern Zäune wie diese (oder wie in Ungarn oder sonstwo, was Flüchtlinge oder sonstwie “queere” (ich mag das Wort nicht) Menschen betrifft):

15.15 Uhr: Zwei Absperrungen halten Paare an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz in Konstanz am Bodensee auf Abstand. Auf Schweizer Seite sei ein zweiter Zaun aufgestellt worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Dort stehen nun zwei Drahtgitterzäune, wie man sie von Baustellenabsperrungen kennt – zwischen ihnen ist ein etwa zwei Meter breiter Abstand.

Auf dem Platz dann doch andere freundliche Gesichter. Aber man hält rigoros Abstand. Der Himmel bleibt blau.

 

Und Sant’Agostino is a miracle of yellow.

 

 

 

III, 495 – Es hat geschneit

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