Geschafft. Sonnabend, den 30. November 2019. Mit einer wehmütigen Erinnerung an Heinz Winbeck.

(Das Titelwort stimmte gestern nacht in beiderlei Sinn.)

[Arbeitswohnung, 9.41 Uhr/sub>
Winbeck, Fünfte Sinfonie „Jetzt und in der Stunde des Todes“]

Das hat mich vorhin s c h o n erschreckt – daß in diesem Jahr auch Heinz Winbeck gestorben ist, mit dem ich vor ein paar Jahren einen klugen Briefwechsel führte, auch wenn’s mir immer wehtat, daß er vor allem mit dem Wolpertinger nichts anzufangen wußte und mit den Anderswelt-Büchern freilich dann schon gar nichts; überhaupt lag die, ich schreibe mal, technische Moderne ihm sehr, sehr fern. Was seinen meist rückgewandten, ohne daß sie aber „unmodern“ wären!, Musiken auch anzumerken ist.
Also seine letzte, seine fünfte Sinfonie nun, aus dem Jahr 2009 mit dem bezeichnenden Titel Jetzt und in der Stunde des Todes auf wiederum Bruckners letzte, die unvollendete neunte. Und dachte, wie in den vergangenen zweidrei Monaten öfter, über den Tod nach — nein, nicht intensiv, sondern angelegentlich. Und abermals, Geliebte, nein: nicht übers Sterben. Das kenne ich, hab >>>> ein ganzes Traumbuch darauf geschrieben. Vielmehr, der Tod, was ist er ontologisch, wird er uns ontologisch sein? Aus dieser Frage ergibt sich notwendigerweise die nach Seele.

 

Übrigens, ich höre nicht >>>> diese am Markt erhältlichen Aufnahmen, sondern einen privat gebrannten Mitschnitt, den mir der Komponist damals selbst geschickt hat. Jetzt wünschte ich mir, er hätte ihn signiert. Nun jà.

 

 

***

Na gut, oder schlecht, jedenfalls betrübt, ich habe es hinbekommen gestern, >>>> was ich mir vorgenommen hatte: Die Regale sind einmontiert und sämtliche Bücher, die mir den Raum verstellten, stehen nun an ihren alphabetisch richtigen Plätzen:

(Das mit der Panoramafunktion aufgenommene Foto täuscht, weil eben als Panorama aufgenommen. So groß ist es bei mir nicht. Aber die Bücher- und Musikmenge kommt hin.)

Gebraucht habe ich dann aber doch den ganzen Tag, war erst gegen 21.30 Uhr fertig – und eben auch geschafft. Was mich wunderte. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie anstrengend vor allem wohl die Räumerei war, runter von den Regalen, rauf auf die Regale. Ich stand wirklich oft ganz oben auf der hohen Leiter, hab dann auch immer gleich ziemlich viele, höchst dunkel verstaubte Weben weggesaugt. – Und sogar fast alle Bilder habe ich wieder untergebracht, was ich wirklich nicht für möglich hielt. Außerdem, wenn Sie, Freundin, genau hinschauen, werden Sie sehen, daß für später sogar oben links und rechts noch bißchen Platz für weitere Regalergänzungen ist. Dann aber wird mein Segelboot endgültig voll sein.
Und doch, irgendwie sieht alles so aus wie vorher – und aber wiederum n i c h t. Der Wechsel steckt im Detail. Und weil das so ist, machte ich mich heute früh, sowie es hell geworden war (vorher gab’s den Latte macchiato, und ich archivierte acht CDs, etwas, das ich a u c h sehr habe schleifen lassen; danach ordnete ich sie richtig ein) — machte mich also nun genauso über meinen Schreibtisch her, der schon seit Wochen verratzt war. Meiner Madame LaPutz ist ja nicht erlaubt, ihn anzurühren: Pedantisch, wie ich in Arbeitsdingen bin, will ich nicht ein Steinchen, keinen Zettel, g a r nichts an andrer Stelle finden, als ich sie selber ihnen gab.
Auch hier hatte sich zu viel gestapelt; woran ich gerade tätig bin, war kaum mehr zu erkennen. Doch jetzt liegt wieder Stift an Stift; ich brauch da sogar Symmetrie; nicht selten bewege ich dieses und/oder jenes, etwa mein Ifönchen, weil es nicht parallel zur Schreibtischkante liegt; bei meinem Zenbook macht mich sowas sogar fuchsig. Sowie hatten sich Bilder und Postkarten überlebt, die vor mir aufgestellt waren – dazu der Schmutz von Wochen.
Nun aber habe ich auch hier wieder Klarheit. Ich brauche einfach Licht, brauch’s licht.

Jetzt, bevor ich nach Hamburg abrolle, noch ein paar Besorgungen. Zum Arbeiten werde ich heute kaum kommen, aber während der Fahrt den Nabokov weiterlesen und Ihnen vielleicht morgen den nächsten Text dazu schreiben können; abends, nachdem ich angelangt, soll ja gefeiert werden. Ein dreißigster Geburtstag, meine Güte, dreißig ..! Aber vielleicht krieg ich ein paar nächste Zeilen Béart hin. — Doch à propos! Selbst der Projekttisch gibt mir nun wieder Zuversicht:

Von vorne nach hinten:
ANH zur Dichtung anderer – Die Neue Fröhliche WissenschaftBriefe nach TriestDie Brüste der Béart
DestrudoIch, Friedrich (Federico II) – Ghostwriting

Jetzt ankleiden, die Besorgungen tätigen, dann sehn wir mal, wieviel Zeit mir vor dem Aufbruch übrigbleibt.

Ihr ANH
[Norwegian Woods: Slettahjell, Wesseltoft, Reiersrud]

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One Response to Geschafft. Sonnabend, den 30. November 2019. Mit einer wehmütigen Erinnerung an Heinz Winbeck.

  1. Avatar Gunter aus dem Nordend sagt:

    Schönes Bild: Regal als „Segelboot“ auf zu fernen Horizonten nach geborgen in Bucht oder Hafen…denkt ein Skipper Mensch

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