„Sappho-Gedichte“. Das Arbeitsjournal des Mittwochs den 12. Mai 2021.

[Arbeitswohnung, 7.43 Uhr]

Seit sechs am Scheibtisch; allmorgendlich, seit es, wenn auch ein grrr-kalter Frühling wurde, wecken mich zwei sich um die Weibchen (Hennen?) gegeneinander aufjubelnde Amselhähne, vielleicht sind’s auch drei. Um halb fünf geht’s los, ein Viertel vor fünf bin ich davon bereits in den Halbschlaf geglitten, um fünf ist weiterzuschlafen nicht möglich. Aber der Jubel teilt sich als Jubel., wird mein eigner. So ist es also gut, sogar bestens.
Und während ich weiter an der → Youtubeserie arbeite (täglich bis an die zehn Stunden), liegt neben mir ein, so kleinformatig er auch ist, mächtiger Reclamband. Anton Bierl ist es gelungen, sämtliche aufgefundenen Fragmente der Dichtungen Sapphos zu vereinen und zu übersetzen. Die Qualität der Übersetzungen kann ich – der bereits überschätzt würde, sagte man, er „beherrsche“ das alte Griechisch nicht – … kann ich ergo nicht beurteilen, aber sehr wohl lösten Bierls deutschsprachige Verse derart sofort Echos in mir aus, daß ich bereits am Abend die Idee zu einem neuen Gedichtzyklus hatte, jetzt, da → die Béartgedichte fertig sind, einen großartigen Verlag haben und vielleicht noch im Juni, eher aber wohl im Juli erscheinen werden. Elvira M. Gross und ich erwarten derzeit die Fahnen.

Also, Freundin, schauen Sie hier:

Wäre es nicht reizvoll, fragte ich mich (aber nur, weil der Satz schon die Antworot ist), die fragmentarischen Verse so zu komplettieren, daß sich tatsächlich ein Gedicht, aber eben ein neues ergibt? Und eben das will ich tun, denke aber, daß der auf diese Weise nach und nach entstehende Zyklus ebensoviel Zeit brauchen wird, wie es bei den Béarts der Fall war. Ich stelle mich also wieder auf zehn Jahre ein, schon weil ja auch andere Projekte noch anstehen.

Aber dieses, Verehrte wie Ersehnte, mochte ich Ihnen schnell mitteilen, auch wenn ich ein weiteres Mal das stete Wasser der Youtubeserie damit kurz zum Wildwasser mache, in dem ein Bootchen schon mal kentert.

Ihr ANH

(Da ich die zweiundzwanzig „Scelsi-Variationen“, die den Band Der Engel Ordnungen abschließen, bereits fertig produziert und auch, mit Ausstrahlung des ersten Clips am 26. 5., hochgeladen habe, bin ich momentan dabei, sämtliche Stücke auch zu einem einzigen Video zu verschmelzen – was nicht nur der sich dann ergebenden Länge wegen, um die dreißig Minuten, kompliziert ist, sondern auch, weil ich die Montagen der Einzelclips nicht einfach übernehmen und hintereinanderschneiden kann. Vielmehr muß ich eine völlig neue Montage bauen, vor allem der verwendeten Musiken wegen, die jetzt ineinanderfließen, teils auch unter der Rezitation mitlaufen.
Gestern saß ich schon den gesamten Tag dran, heute wird es wieder ein ganzer werden, und vielleicht muß ich auch morgen dran noch komponieren.)

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsjournal, Gedichte abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .