„Siebzehn Jahr, blondes Haar“. Die Verwirrung des Gemüths (1983), Bearbeitung Zweiter Hand für die Neuausgabe bei Elfenbein. Beispiel 8

                     zum Vergleich
(ich habe überhaupt nicht mehr gewußt, in welchem Ausmaß
der Wolpertinger hier schon vorausgeplant war)
:

Buchfassung 1983:

(…)

Womöglich ist er zu einer Nutte gegangen, die fragte ihn, weil er nichts als sprechen wollte, weshalb es ihn ausgerechnet hierher verschlagen hätte.

Sie wird es auch sein, der er später von jener Nacht beichtet, und die ihm hilft, indem sie ihn zurückläßt in einem Hotel des deut­schen Mittelgebirges bei Kassel. Anna. Anna hieß sie. Obgleich sie ebenso B. hätte heißen können nach Statur und Bewegung, auch ihrer Wirkung wegen und aufgrund dieser Zärtlichkeit. Aber Anna ist unsicherer noch als B., trotz ihres vermeintlichen Berufs. Auch verspielter und ebenfalls jünger, ich denke: an die 23. Sowas. Vielleicht auch erst 17, wie das junge Mädchen im TAT-Café, welches ich sehr lange nach meiner endgültigen Ab­fahrt beschrieb. Doch eben Anna. Und vielleicht doch nicht Anna.

(…)

Neufassung (vor Lektorat), 2022:

(…)

Womöglich ist er zu einer Nutte gegangen, die ihn, weil er nichts anderes als sprechen wollte, fragte, weshalb es ihn dann ausgerechnet hierhin verschlagen habe(, erklärte Laupeyßer aber nur noch seiner inneren Agnes).

Sie, die Prostituierte, wird es auch sein, der er später von jener Nacht beichtet, und die ihm hilft, indem sie ihn in einem Hotel des deutschen Mittelgebirges unweit von Kassel für alle Zeiten zurückläßt. Anna. Anna hieß sie. Obgleich sie nach ihrer Statur ebenso hätte B. heißen können und wegen ihrer Art, sich zu bewegen und den Mann anzulocken. Doch wie ich sie mir heute vorstelle, wird sie unsicherer als B. wirken, trotz deren vermeintlichem Beruf, zugleich viel verspielter und in jedem Fall jünger; um die 23, werde ich anfangs annehmen. Welch ein Irrtum! Ich habe sogar an 17 ge-

dacht, wie das junge Mädchen im TAT-Café war, nahm ich an, das ich sehr lange nach meiner endgültigen Abfahrt beschreiben würde. Doch eben Anna. Und vielleicht doch nicht Anna.

 (…)

______________________________________________________
* LEKTORATSANMERKUNG: Melodielinie von Udo Jürgens: “Siebzehn Jahr, blondes Haar” (1965), das heute, siebenundvierzig Jahre später, gar nicht mehr “erlaubt” wäre, sondern als quasi Legitimation eines Übergriffs auf Mindjährige gälte.

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
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3 Antworten zu „Siebzehn Jahr, blondes Haar“. Die Verwirrung des Gemüths (1983), Bearbeitung Zweiter Hand für die Neuausgabe bei Elfenbein. Beispiel 8

  1. Gaga Nielsen sagt:

    Danke für den Hinweis mit dem Jürgens-Lied. Ich werde einen Antrag auf Löschung wegen Sittenwidrigkeit der diesbezüglichen Clips und Aufnahmen bei youtube, spotify usw. einreichen. Des weiteren für das Schlagerlied „Zigeunerjunge“ von Alexandra sowie die Operette „Der Zigeunerbaron“ von Strauss und die Verdi-Oper „Der Troubadour“ (singender „Zigeunerchor“). Wenn wir alle achtsam sind, kriegen wir das dauerhaft bereinigt.

  2. Schelmin, die Arges damit meint.

  3. Kommentare von Facebook sagt:

    Reni Ina von Stieglitz
    Da fällt mir das Lied von Peter Maffey ein: „…und es war Sommer“, ICH war 16 und SIE 31…das Thema ist wohl so alt wie die Welt.

    Alban Nikolai Herbst
    Ja, und das wird auch so bleiben, mit dem Unterschied, daß nun – jedenfalls für einige Zeit, bis diese, ich sag mal, „Welle“ wieder vorüber … also mit dem Unterschied, daß, was geschieht, nunmehr h e i m l i c h geschieht. Was übrigens den Reiz sehr erhöhen kann, denn zur Lust an sich gesellt sich eine am Verbotenen. Auch dieses eine alte Wahrheit. Zwar haben Moralisten oft – juristisch – recht bekommen, nie aber auf Dauer — behalten.

    Reni Ina von Stieglitz
    Alban Nikolai Herbst…Mensch bleibt eben Mensch, mit all seinen tief- und abgründigen Facetten…lächel…

    Alban Nikolai HerbstReni Ina von Stieglitz Und es gilt, um >>>> Marcus Braun zu zitieren: „Was gedacht werden kann, geschieht.“

    Reni Ina von Stieglitz
    Alban Nikolai Herbst …so ist es…

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