Vierter Tag vor den Iden. Spiele im Circus. Dies nefastus publicus.
Je mehr Zeit vergeht, und ich niemanden sehe, mit dem ich mich austauschen kann, desto schlaffer wird die Feder der Anspannung für den jeweiligen Tag. Dieser Wunsch des Austauschs ist so stark, daß er sich sogar noch vor alle anderen Arten einer Beziehung legt, wenn es sich um Frauen handelt. Eine Art Aufgehobensein in Rede und Gegenrede ohne Widerrede (was in den letzten zehn Ehejahren durchaus nicht mehr vorhanden war). Komischerweise komme ich auch bei dieser Ausbeulung des Gedankens auf eine Muttererinnerung. Die arbeitete vor dem Unfall bei VW und hatte gleichzeitig den Haushalt am Hals. War also nie gut drauf. Einmal protestierte ich mit meinen achtzehn Jahren oder so, daß sie niemals Zeit hätte, um sich meine Problemchen anzuhören. Wobei ich nicht mehr weiß, welche Problemchen ich da bei ihr loswerden wollte. Jedenfalls suchte ich das Gespräch. Mein Vater war dafür nicht tauglich. Ihm habe ich mich nie anvertraut, auch nachher nicht, als meine Mutter nicht mehr war. Als wollte ich auch noch diese unterbrochene Beziehung zur Mutter nachholen. Eine andere Beziehung ist zu ihr nicht möglich. Tabu. Dies dann in der Übertragung auf andere Frauen. So verstehe ich auch ein wenig besser, wie mich einst die Übersetzung „Mutterficker“ für „motherfucker“ in Vonneguts ‚Schlachthof Nr. 5’ so beeindruckte in ihrer Wörtlichkeit. Was auch schon wieder ein Schlenker hin ist zu „Rede und Gegenrede“. Das Wort „Wörtlichkeit“, die Verwortung des Ganzen und des zwar nicht Gemeinten, aber gefiltert Gedachten. Da ist die Hemmschwelle. Der richtige Gedanke wirft Ballast ab. Ohne wirklich etwas zu ändern. Es geht auch darum, mit sich selbst zu leben zu verstehen – es mal bewußt so umständlich zu formulieren, um dem „verstehen“ seinen Platz zu lassen. Mußte tatsächlich erst zwei Scheiben Schweinefleisch essen, bevor ich mich wieder hertraute, als nämlich noch gar nichts da stand außer dem Datum. Tagebuch ist Arbeit. Mit sich selbst. Wie ich immer wieder merke. Also immer wieder auch die immer zu wiederholende Feststellung, daß es kein Lebensmodell gibt außer sich selbst. Womit ich also niemanden einlade, so zu werden wie ich, oder mich als Lebensmodell zu nehmen. – Im Malereigeschäft gewesen wegen der Eier, von denen ich einen Zehnerpack gekauft habe, um auch noch ein bißchen üben zu können, denn mehr als sieben werde ich für Sonntag nicht brauchen. Sie, die Inhaberin hatte nichts, meinte, ich solle mal bei einer Pasticceria fragen wegen Lebensmittelfarben. Wahrscheinlich kritzel’ ich mit dem Bleistift drauf rum. Keine Ahnung. Oder mit einem feinen schwarzen Filzstift. Ich hab’ endlich ein Problem! Irn’dwie wird hier zuweilen den Göttinnen gedankt. Heute schließ’ ich mich an… Und wünsche, weil ich mir drei Tage unreflektiertes Sein vorgenommen habe, Allen frohe Ostern! Bis Tu’sday.