[Szymanowski, King Roger.]
6.03 Uhr:
Schwere Träume, Kämpfe mit einer Freundin, die es nicht gibt usw. 5.50 Uhr hoch, Ofen besorgt, latte macchiato, an den Schreibtisch. G a n z seltener Fall: daß ich Sehnsucht nach einem Land bekomme, das „freedom of the speech“ kennt, ausgerechnet nach den USA. Nicht zu fassen. Aber auch in Frankreich ginge alledas nicht. Offenbar braucht auch Literatur eine Geschichte, die eine Revolution kennt. Offenbar, fällt mir dabei ein, gibt es Bücher, die, ins Deutsche übersetzt, verfälscht werden müssen, wenn man sie hier veröffentlichen will. Na egal. Die Sache trainiert das metaphorische Handwerk. Wie Schreiben unter beobachtender Zensur. ARGO. Ich habe heute Zusatz-Arbeitszeit, da mein Kleiner eines Festes wegen einen Tag länger bei der Mama bleibt.
Tagesplanung
6.20 Uhr:
ARGO.
11 Uhr:
Analyse.
12.30 Uhr:
Essen mit Seidel (Frankfurter Allg. Sonntasgzeitung)
ca. 14.30 Uhr:
Mittagsschlaf.
15.30 Uhr bis in den Abend:
DIE DSCHUNGEL.
Post etc.
PHANTASTIK-Aufsatz
Abends:
PHANTASTIK-Aufsatz.
10.35 Uhr:
[Stockhausen, Mittwoch aus Licht.]
ARGO: Neue Figur eingeführt, den jungen holomorphen pan-Dealer Kumani, den ich Kontakt zu Deidameia werde finden lassen. Liegt imgrunde auf der Hand. Erstmals aus der Innenperspektive eines Holomorphen geschrieben. Fein das. Außerdem begegnet er Cordes und später Herbst; Cordes radelt aber nur an ihm vorbei, und die Erzählperspektive wird sozusagen mitgezogen.
20.06 Uhr:
Von Linuya, yahoo-messenger, plötzlich öffnete sich das Fenster über die Phantastik-Arbeit:
so traurig sind Sie manchmal und im moment, alban.
und ich kann nichts tun als lesen.
In der Tat ist das neu, neu als Bewußtes: Arbeit aus einem Untergrund von Schmerz. Seit dem verbotenen Buch, seit ich es schrieb, ist das so und hat sich in diesen zweieinhalb Jahren nicht mehr geändert. Pötzlich, ich war kurz Schokolade kaufen (täglich zwei bis drei Tafeln momentan), das Bedürfnis nach einem bestimmten Brahms-Lied. Ich sah nach, doch es gab das Lied nicht; vielmehr ist es eine einzige Zeile aus dem Deutschen Requiem, die aber so furchtbar christlich fortgesetzt wird, daß ich drauf verzichte und bei Stockhausen bleibe. Aber: Eine einzige Zeile hören. Sie aus der Musik kopieren und als Endlosschlaufe abspielen lassen. Wär vielleicht ’ne Therapie.
23.30 Uhr:
[Wie wahnsinnig, immer weiter: Imrat Khan.]
Das seit langem tiefste – und kürzeste – Telefonat. Ihre Stimme. Erstmals. Nach zweieinhalb Jahren. Und sie, danach, SMS, ganz das gleiche: „Deine Stimme hat mich tief berührt.“ Und zerfleischen sich. Beide.
Phantastik-Aufsatz. Bis jetzt gearbeitet dran. Gestochert, dennoch kommt das Ding langsam in Gang. Aber ich kann nicht weiter. Fast ein Liter Wein. Dabei hab ich nur noch Zeit bis zum 3. Dezember. Neben mir: Roberto Calasso, H.P.Lovecraft, Kafka, die große Fritz, Ishiguro, Ovid. Und Thetis, das ich gar nicht erst beiziehen will. Sonst wär das zuviel Selbstzitat.
23.57 Uhr:
[Imrat Khan, was sonst?]
Daß der eigene Instinkt immer so stimmt. Auch wenn man, als man etwas vorhersagte, mal wieder für einen Irren gehalten wurde. „Ich will kein Shakespeare-Drama führen in meiner Beziehung“, sagt eine Freundin. Ich schon.
Und: Als ob man das wirklich in der Hand hätte….
Arbeitsfortschritt:
ARGO, bis TS 82. Notizen.
PHANTASTIK-Aufsatz, bis TS 4.